Kundenrezensionen
Ruth
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Querfeldein
von Alex Capus
Alex Capus ist einer der populärsten Schweizer Autoren. Seine Bücher befinden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten und auch sein neuester Roman wird sich bald einen Platz darauf sichern. Wie in vielen seiner Werke greift der Autor wieder auf historische Begebenheiten und Figuren zurück und bettet dies in eine unterhaltsame fiktive Geschichte. Herausragende Beispiele dafür sind „Eine Frage der Zeit“, bereits 2007 erschienen, in dem er ein kurioses Kapitel deutscher Kolonialgeschichte literarisch verarbeitet und sein erfolgreichstes Buch die Liebesgeschichte „Léon und Louise“, bei der er sich auf das Leben seines Großvaters bezieht, vor dem Hintergrund deutscher Geschichte und deutscher Besatzung in Paris.
Schauplatz in „Querfeldein“ ist das kleine Schweizer Dorf Ramsen im Grenzgebiet zu Deutschland. Hier eröffnet Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts ein junger Mann namens Arnold den Gasthof „Zur Moskau“. Arnold ist Sohn eines Arbeiters, der lange Zeit ein unstetes Leben führt. Jede Arbeit wird ihm bald so langweilig, dass er beschließt, sich nach 100 Tagen eine neue Stelle zu suchen. So lernt er die Welt und die Menschen kennen und erwirbt sich zahlreiche Fertigkeiten. Dabei führt ihn sein Weg nach Baden-Baden, wo er in einem Straßenbautrupp Pflaster vor dem Casino verlegt. Nach Abschluss der Baumaßnahme gehen alle gemeinsam ins Casino und Arnold verlässt das Haus mit sehr viel Geld in der Tasche. Dieser unverhoffte Gewinn verschafft ihm die Möglichkeit, zukünftig sein eigener Herr zu sein. Sein Wirtshaus läuft gut, hier treffen sich sowohl die Dorfbewohner als auch Auswärtige - Händler, Reisende und hin und wieder ein paar „exotische Zugvögel“. Anton ist zufrieden. Zu seinem Glück fehlt ihm nur noch die passende Frau und die kommt eines Tages hoch zu Ross angeritten. Betty und er werden ein Paar und bekommen zusammen acht Kinder. Clara, die Älteste, ist anders als die andern. Gern streunt sie durch die Gegend, bleibt manches Mal für Tage weg. Aber Arnold und Betty lassen sie sein, wie sie ist.
Eines Tages, wir sind mittlerweile im Jahr 1933, bricht ein Bär von einem Mann durchs Unterholz und stürmt auf das Gasthaus zu. Es handelt sich dabei um einen tschechischen Schmuggler auf der Flucht vor den Uniformierten. Clara findet Gefallen an ihm und dieser Hermann an ihr. Er bleibt bei den Wirtsleuten, macht sich überall nützlich und gehört bald zur Familie. Doch seine Schmugglertätigkeit gibt der junge Mann nicht auf. Gefährlich ist dies nicht wegen dem bisschen Zucker und Kaffee, das er nach Deutschland schmuggelt, gefährlich ist es vor allem , weil Hermann auch immer kommunistisches Propagandamaterial im Rucksack hat. Und als er eines Tages von NS- Leuten aufgegriffen, brutal zusammengeschlagen und über die Grenze verschleppt wird, werden nicht nur Clara und Betty aktiv. Nein, das ganze Dorf setzt sich für Hermanns Freilassung ein. Wie, das soll hier nicht verraten werden.
Auslöser für diesen Roman war eine Ansichtskarte von diesem „Gasthaus zur Moskau“, die Alex Capus auf einem Flohmarkt in die Hände fiel. Diese Karte führte ihn dann zum Schmuggler Hermann Weber, der tatsächlich in die Fänge der SS geriet, nach Deutschland entführt und nach Protesten wieder freigelassen wurde.
Um zu diesem eigentlichen Höhepunkt der Geschichte zu kommen, lässt sich Capus sehr viel Zeit. Erst in der Mitte des Buches hat Hermann seinen ersten Auftritt. Zuvor zeichnet der Autor ein anschauliches Bild vom Leben in diesem Dorf Anfang des letzten Jahrhunderts. Im Zentrum steht Arnold, ein eigensinniger Mensch im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat seine ganz individuelle Vorstellung von einem sinnerfüllten Leben. Die findet er als Wirt, Ehemann und Familienvater. Da kann der Autor, der seit 13 Jahren in Olten eine Bar betreibt und fünf Söhne hat, aus der eigenen Erfahrung schöpfen. Arnold weiß, was er will, setzt seine Interessen aber nie mit Gewalt, sondern mit Witz, Intelligenz und Beharrlichkeit durch.
Auch die beiden Frauenfiguren sind dem Autor außerordentlich gut gelungen. Beide sind starke, selbstbewusste und unkonventionelle Frauen. Arnold tut gut daran, ihnen keine Fesseln anzulegen. So ist der Roman auch ein Ratgeber, wie langjährige Beziehungen funktionieren können.
Ebenso werden einige Nebenfiguren mit interessanten Biografien ausgestattet, wobei es da ein paar Abschweifungen zu viel gibt.
Doch der Roman ist v.a. ein Plädoyer für Zusammenhalt und gemeinschaftliches Engagement. Für die Rettung von Hermann müssen einige Kugeln ins Rollen gebracht werden, aber der Erfolg spricht für die Methode.
Sicher, manches mag märchenhaft erscheinen und der Erzählton passt dazu. Unterbrochen wird der Plauderton dann aber mit in den Text eingefügtem Archivmaterial in Form von Briefen und Protokollen, was der Geschichte wiederum Authentizität verleiht.
Auch wenn „Querfeldein“ für mich zu den eher schwächeren Werken von Alex Capus zählt, so empfehle ich ihn trotzdem gerne.
Wer sich aber von seinem wahren schriftstellerischen Können überzeugen möchte, der greife zu den beiden eingangs genannten Romanen.
Murksy
empfiehlt:





Querfeldein
von Alex Capus
Arnold will an der schweizerischen Grenze seinen Traum verwirklichen: ein Gasthaus. Das kleine Dorf scheint dafür gut geeignet, wenn auch die teilweise eigenwilligen Bewohner ihre ganz persönliche Note in die Geschichte bringen. Das Projekt scheint gut zu funktionieren, Dinge wie die große Weltpolitik oder gar der drohende Krieg scheinen das Dorfleben nicht zu stören. Doch die Ruhe vor dem Sturm wird nicht ewig halten und eine Reihe von Ereignissen schüttelt Arnold und seine Familie durch.
Mit viel Lokalkolorit und einem ganz speziellen Charme wird die Geschichte erzählt. Neben den kauzigen Bewohnern sorgt ein immer wieder aufblitzender Humor für beste Unterhaltung. Und dabei geht das Buch auch in die Tiefe, die persönlichen Schicksale und die damalige Zeit prägen die Erzählung. Die Menschen wollen einfach nur leben, doch angesichts der Weltlage wird dies zunehmend schwerer. Mit Bauernschläue und festem Willen gelingt es den Figuren den Wirren zu trotzen. Und als Essenz des Ganzen stellt sich wieder einmal heraus, das die Liebe in der Lage ist, größte Hindernisse zu überwinden. Eine wirklich durchgehen hervorragend erzählte Geschichte mit historischem Hintergrund und auch wunderbar in unsere fragilen Zeiten zu übertragen.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
yellowdog
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Querfeldein
von Alex Capus
Alex Capus gestaltet seinen neuen großen Roman mit seiner gewohnt lässigen, manchmal lakonischen Art.
Es beginnt zur Jahrhundertwende und zeigt einen Schweizer Gastwirt und seine Frau sowie seine Kinder über einen langen Zeitraum. Dabei betrachtet Alex Capus auch die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit.
Es ist ein historischer Stoff und wirkt aufgrund der eigenwilligen Figuren wie ein Schelmenroman. Aus meiner Sicht sehr gelungen! Alex Capus ist ein zuverlässiger Autor, dessen Bücher immer ein gutes Niveau haben.
gabiliest
empfiehlt:





Querfeldein
von Alex Capus
Der preisgekrönte SPIEGEL-Bestseller-Autor Alex Capus schlägt mit seinem neuen Werk “Querfeldein” einen großen Bogen vom Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bis in die NS-Zeit. Der beeindruckende Buchumschlag, der ein Gemälde des Schweizer Künstlers Hans Emmenegger zeigt, öffnet den Blick in eine weite, offene Landschaft, eben querfeldein.
Arnold ist der Sohn eines Fabrikarbeiters. Als die Zeit kommt, dass auch er in die Fabrik soll, wird ihm sofort klar: In dieses stumpfsinnige, immer gleiche Tun, in dieses Hamsterrad, will er nicht. Arnold hat Glück im Spiel und gelangt zu Reichtum, er kann Land kaufen und den “Gasthof zur Moskau” bauen, nahe an der deutsch-schweizerischen Grenze. Der eigenartige Name des Hauses ist den ständigen Witzen der Dorfburschen geschuldet, denn Arnolds Land grenzt an “Peters Burg“, das verfallene Anwesen eines menschenfeindlichen Bauern.
Eines Tages reitet Betty über die verschneiten Felder in den Hof – und Betty bleibt. In wenigen Sätzen gelingt es Alex Capus, die intime und innige Beziehung des Paares darzustellen, diese absichtslose Freude aneinander, die ihr Glück ausmacht. In der Ehe werden acht Kinder geboren, Betty erkennt sehr bald, dass die älteste Tochter, Clara, Schwierigkeiten machen wird. Schon als kleines Kind stromert sie querfeldein, in der Natur bewegt sie sich sicher, in geschlossenen Räumen linkisch. Übergriffige Burschen bekommen nicht nur Claras Zynismus, sondern auch ihre kleinen Fäuste zu spüren. Dann verliebt sich Clara in einen tschechischen Burschen, der Zucker nach Deutschland schmuggelt.
Doch dort hat sich die Welt verändert, man schreibt das Jahr 1933, dort patrouillieren SS-Schergen. Was nun geschieht, bringt nicht nur Clara, die weder Furcht noch Scham kennt, gegen die Obrigkeiten diesseits und jenseits der Grenze auf. Das ganze Dorf sorgt dafür, dass sich zwischen Deutschland und der Schweiz unvorhersehbare diplomatische Verwicklungen ergeben.
“Querfeldein” ist ein Roman, der nicht nur durch seine Handlung, sondern auch durch seine einfache, starke und pointierte Sprache begeistert. Kurze Sätze bringen die Erzählung prägnant voran, schildern den Alltag oft trivial – im Alter bekommen die Zehennägel Rillen, die zu nichts gut sind –, doch immer schwingt im Hintergrund der Wunsch mit, die persönliche Freiheit zu bewahren und den Zwängen des Daseins zu trotzen. Arnold versteht das, stellt keine Fragen und wartet, wie sich die Dinge entwickeln. Seine freundliche und kluge Sichtweise auf das Leben ermöglicht es ihm, Verständnis für Betty und Clara zu zeigen. So nimmt sich Betty ihre Freiheit, ohne zu fragen und ohne sich rechtfertigen zu müssen, denn auch für sie kommt der Moment, in dem sie ihre Ehe und die täglichen Pflichten als Hamsterrad empfindet.
Im folgenden Szenario ist unklar, wo die Realität aufhört – immerhin handelt es sich um ein historisch belegtes Geschehen – und die Fantasie beginnt. In verschiedenen Erzählpanoramen stellt der Autor Vermutungen und Überlegungen zum weiteren Verlauf des Schicksals der Protagonisten an und die Lesenden sind eingeladen, es ihm gleich zu tun.
Mein Fazit:
“Querfeldein” ist hervorragende Literatur, die auf subtile Weise das Schicksal und die Möglichkeit thematisiert, es zu bewältigen oder ihm ein Schnippchen zu schlagen. Neben einer innigen Liebesgeschichte und lapidaren Schilderungen des Alltagslebens beschreibt Alex Capus eine Welt im Umbruch, zwischen Bürokratie und Fanatismus. Dennoch bietet der Roman skurrile Szenen, die den politischen Herausforderungen der Zeit geschuldet sind. ”Querfeldein” war für mich ein Lesehighlight; wer Romane mag, die auf realen historischen Ereignissen beruhen und dennoch eine unvergleichliche Geschichte bieten, hat hier sicher zum richtigen Buch gegriffen.
Emmmbeee
empfiehlt:





Querfeldein
von Alex Capus
Ein junger Mann gewinnt auf kaum glaubliche Art eine Masse Geld am Spieltisch und kann sich in seinem neu eröffneten Gasthof außerhalb des Dorfes erstaunlich schnell behaupten. Als ihm dann auch noch die richtige Frau hoch zu Roß wie auf dem Silbertablett serviert wird, ist das Märchen eigentlich komplett. Denn wie ein Märchen liest sich der Hergang. Doch man gesteht Capus so viel dichterische Freiheit zu. Denn was er nun Seite für Seite bietet, liest sich vergnüglich. Ein Pageturner erster Güte, finde ich.
Dass der Autor einen Wirt als Hauptprotagonisten wählt, scheint mir nur folgerichtig, betreibt er doch selbst eine Bar in Olten und steht einmal pro Woche persönlich hinterm Schanktisch. Er weiß also genau, wovon er schreibt. Man könnte auch meinen, er habe sich mit dem Geschäft des Häuserbauens näher befasst, so minutiös schildert er die Vorgänge. Und schon, wie er den Anblick einer Ebene schildert, passt ganz zu seinem Stil.
Alex Capus schreibt in all seinen Romanen sehr wirklichkeitsnah. Genauso, wie das Leben eben abläuft, und das ist meist unvorhergesehen. Was ich an seinen Büchern auch so schätze, ist der Blick aufs Detail. Sein Narrativ ist volkstümlich, ganz genauso wie einfache Menschen eben sprechen, immer wieder durchsetzt mit einzelnen Helvetismen.
In all seinen Romanen gefallen mir die liebevoll skizzierten Figuren. So auch hier: die Witzbolde, der Schriftenmaler Sepp, Frau und Tochter Betty und Klara samt zahlreichen Charakteren rund ums Geschehen. Alle farbig, pulsierend, dass man meint, sie agieren jetzt grad neben uns.
Bei manchen Ausdrücken habe ich mich aber schon gefragt, ob man in einem Dorf Anfang des vorigen Jahrhunderts bereits Anglismen im täglichen Sprachschatz benutzte. Auch wirkt die Schilderung der rundum prügelnden Klara recht unwahrscheinlich. Doch hat mich das nicht groß gestört, denn unterhaltsam, voller Leben und leicht zu lesen ist der Text allemal.
Unterhaltende Literatur, die ich gern weiterempfehle.
Pusteblümchen
empfiehlt:





Querfeldein
von Alex Capus
Ich habe schon einige Bücher von Alex Capus und auch in diesem ist der Schreibstil unverkennbar, obwohl es thematisch wieder einmal ganz anders ist als sein vorherigen Werke. Seine Sprache ist unaufgeregt, ruhig, oftmals poetisch, aber auch amüsant und einfach schön zu lesen.
Dieses Mal geht es um das Leben einer Wirtsfamilie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem Schweizer Dorf an der Grenze zu Deutschland wohnt. Im Vordergrund steht der Wirt Arnold, der sein Wirtshaus bewusst am Rand des Dorfes im Niemandsland an der Staatsgrenze eröffnet, um den Bauern, Deppen und Dorfbonzen, die ihm schon sein Leben lang das Leben schwer machten, aus dem Weg zu gehen.
Wieder einmal legt der Autor den Fokus auf seine Charaktere. Diese beschreibt er authentisch und facettenreich. Er versteht es, in einer historischen Atmosphäre seine Figuren lebendig werden zu lassen.
Es ist ein ruhiger Roman, der seine Leser*innen in das Leben an der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland vor über hundert Jahren eintauchen lässt und dabei unterhält, sowie zum Schmunzeln einlädt. Für mich ein echtes Lesehighlight für gemütliche Stunden.
Kurz gesagt: eine kurzweilige Geschichte mit authentischen, fiktiven Charakteren und historischen Bezügen.
lectrice
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Querfeldein
von Alex Capus
Ich liebe die Romane von Alex Capus und er hat es auch dieses Mal wieder geschafft, eine ganz besondere Geschichte zu schreiben.
Arnold geht auf die Walz, arbeitet mal hier, mal dort. Doch dann wird er sesshaft, baut einen Gasthof direkt an der Grenze der Schweiz und Deutschland. Der Landgasthof steht auf der schweizer Seite.
Eines Tages trifft er auf Betty, die beiden heiraten und bekommen viele Kinder. Die Zeit vergeht. Dann kommt das Jahr 1933, eine Jahreszahl, die wohl jeden und jede Deutsche an den Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten denken lässt.
Clara, die älteste Tochter von Arnold und Betty, verliebt sich in den Grenzschmuggler Herrmann.
Die Erzählung wird immer wieder unterbrochen durch den Abdruck von offiziellen Schriftstücken.
Alex Capus ist ein großer Beobachter seiner Personen und vor allem ein genialer Erzähler.
Das Buch lebt nicht nur von der Geschichte, sondern auch und vor allem von seinem wunderbaren Schreibstil.
