Kundenrezensionen von yellowdog





Wirf einen Schatten
von Elena Fischer
Wirf einen Schatten ist das zweite Buch nach Elena Fischer großartigem Debütroman Paradise Garden.
Die Handlung ist interessanterweise in den frühen sechziger Jahren angesiedelt und thematisiert das Leben eines Mannes.
Joseph wurde von seiner Frau und kleinem Sohn verlassen. Er hat sich daher innerlich sehr zurückgezogen. Nur mit seiner Schwägerin Ada versteht er sich noch gut.
Eine Änderung in seinem Leben bewirkt die Begegnung mit der 20jährigen Birdie, die er bei sich aufnimmt, als sie in Not ist. Es dauert eine Weile, bis Birdie ihre Geschichte erzählt.
Zwischendurch gibt es immer wieder mal kurze Rückblicke auf die Zeit, als Joseph noch mit seiner Frau zusammen war. So erschließt sich einiges nach und nach.
Ich halte viel davon, wie die Autorin ihre Figuren aufbaut. Sie behandelt sie fair und macht sie zu realen Menschen.
Es ist intelligent gemachtes Buch, sprachlich ansprechend. Ich halte es für möglich, dass auch dieser Roman auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gelangt.





Das Klimpern der Schlüssel
von Anne Goscinny
Das Klimpern der Schlüssel ist ein Erinnerungsbuch von Anne Goscinny an ihren berühmten Vater Rene Coscinny, Texter von Asterix und Luky Luke sowie weiterer.
D.h. viel erfährt man nicht vom Vater. Im Mittelpunkt ist das Erleben des neunjährigen Mädchens. Ihre Gefühlswelt beim Verlust, der auch Jahre später sich noch auswirkt. Die frühen Passagen sind die Stärke des kurzen Buches.
Aber ich denke, die Gefühle gleichen sicher auch anderen Menschen, die früh ihre Liebsten verlieren.
Anne Goscinny vermag auf sensible Art einige Passagen der Trauer und des Verlustes zu gestalten.





Die Yakuza-Prinzessin
von Akira Otani
Shindo ist eine toughe Frau, aber das sie von der Yakuza auf brutale Art gezwungen wird, die Tochter des Yakuza-Chefs als Leibwächterin zu dienen, hätte sie nicht gedacht.
Doch nach anfänglichen Fremdeln zwischen den beiden Frauen, baut sich langsam ein Vertrauensverhältnis auf.
Das Buch lehnt sich an A.J.Quinnells Man of Fire an, das mehrfach verfilmt wurde. Immerhin eine gute Variante.
Obwohl es krass gewalttätige Szene in dem Buch gibt, ist es in erster Linie ein Plädoyer, sich gegen patriarchale Gewalt zu wehren.
Fazit: Starke, feministische Literatur aus Japan, getarnt als Yakuza-Thriller.





Dem Meer entgegen
von Lidija Hilje
Der Roman Dem Meer entgegen handelt an der kroatischen Küste und zeigt das Leben von Ivona. Sie hatte mit Vlaho eine tiefe Beziehung, doch sie trennte sich von ihm. Ivona leidet auch 10 Jahre später noch daran. Vlaho ist inzwischen verheiratet und Vater. Doch sie sind noch in Kontakt und alte Gefühle gibt es noch.
Lidija Hilje gestaltet ihr Buch einfühlsam und beschreibt eine Beziehung in allen Facetten, dabei auch das Aus und das Weitermachen.
Die Autorin ermöglicht dem Leser Zugang zur Hauptfigur. Man sieht ihre Gedanken und Emotionen.
Man sieht auch ihre Zweifel, wie sie hin- und hergerissen ist. Das gilt dann schließlich auch für Vlaho.
Vielleicht ist der Roman ein klein wenig zu lang. Zu den Entscheidungen hätte die Beteiligten auch eher gelangen. So waren es auch verlorene Jahre für Ivona.
Mit dem Ende bin ich ganz einverstanden und finde es folgelogisch.
Die kroatische Schriftstellerin Lidja Hilje schafft viel Atmosphäre. Sie kann erzählen und ist für mich ein gute Entdeckung.





Querfeldein
von Alex Capus
Alex Capus gestaltet seinen neuen großen Roman mit seiner gewohnt lässigen, manchmal lakonischen Art.
Es beginnt zur Jahrhundertwende und zeigt einen Schweizer Gastwirt und seine Frau sowie seine Kinder über einen langen Zeitraum. Dabei betrachtet Alex Capus auch die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit.
Es ist ein historischer Stoff und wirkt aufgrund der eigenwilligen Figuren wie ein Schelmenroman. Aus meiner Sicht sehr gelungen! Alex Capus ist ein zuverlässiger Autor, dessen Bücher immer ein gutes Niveau haben.





Annie Robot
von Sierra Greer
Sierra Greer hat mit diesem Roman den Arthur C.Clarke Award 2025 gewonnen. Es ist ein bemerkenswerter Roman um Annie, einem Roboter. Sie ist Eigentum und praktisch Sklavin von Doug, der sie rücksichtslos behandelt. Es gibt verstörende Passagen. Schließlich ist sie für ihn nur eine Maschine.
Die Beziehung ist problematisch
Sie suchen sogar die Hilfe einer Psychologin für eine Therapie auf.
Doch mit Hilfe von KI verändert Annie sich. Es ist eine Art Entwicklungsroman.
Und am Ende stellt sich die Frage für Annie, ob sie Doug lieben kann, oder ob sie gehen soll.
Ob man es als feministisches Buch oder als Science Fiction liest, bleibt die Entscheidung des Lesers.





Dabei waren wir uns immer so nah
von Jette Kötschau
Dabei waren wir uns immer so nah ist der Debütroman von Jette Kötschau, in der sie über die Freundschaft von drei Frauen schreibt.
Katharina, Merle und Henri haben viel gemeinsam, sind aber auch unterschiedliche Charaktere.
Für Merle, zum Beispiel, zählt ihr Dasein als junge Mutter im Moment am meisten, Katharina hat Probleme in der langjährigen Beziehung mit ihrem Freund Ole. Und Henri ist die extrovertierteste unter ihnen.
Die Autorin setzt auf ein undramatisches Erzählen und thematisiert die alltäglichen Schwierigkeiten, die die Frauen haben, ohne Übertreibungen und ohne Pathos. Ihr Schreibstil ist dabei einfach und direkt gehalten. Es fehlt dabei aber leider auch an Raffinesse.
Auch hatte ich erwartet, dass die Brüche in den Freundschaften mehr gezeigt werden. Streckenweise fehlt es an Spannung.
Vielleicht gewinnt das Buch, wenn man sich mit den Figuren identifizieren kann.





Mädchen allein zu zweit
von Daniela Dröscher
Mädchen allein zu zweit ist ein Jugendbuch, zu dem ich gegriffen habe, weil es von Daniela Dröscher geschrieben wurde. Das Buch hat nicht den autofiktionalen Charakter von Dröschers anderen Büchern, aber es besitzt trotzdem eine hohe Glaubwürdigkeit der emotionalen Lage der Protagonistin Issa.
Sie ist 16 Jahre alt.
Man erfährt von Issas Leben und von ihrer Freundin Grace. Beide gehen sie auf eine Schule, sind aber finanziell schlecht gestellt.
Dröscher baut geschickt ein paar Gedichte in den Text ein, die Issa viel bedeuten.
Das sind z.B. Gedichte von Sarah Kirsch, Inger Christensen, Christine Lavant.
Es ist bedrückend zu lesen, wie Issa Existenzängste hat, da die Mutter nicht viel Geld verdient. Auch ihre jüngere Schwester ist sensibel und fast verstummt.
Daniela Dröscher gelingt es, ihre Figuren auf einfühlsame Art zu gestalten, so dass die Leser leicht mit ihnen mitfühlen können.





Jahre im Feuer: Die Zerstörung der Ukraine
von Andrej Kurkow
Andrej Kurkow schreibt erneut tagebuchartig über die Situation der Ukraine. Der betrachtete Zeitraum umfasst April 2024 bis April 2025.
Die Ukrainer leben ein Leben im nicht endenden Krieg zwischen Verzweiflung und Alltag.
Die Kapitel wirken ein wenig wie Kolumnen über verschiedene Aspekte des Kriegsgeschehens. Das gibt dem Leser tiefe Einblicke. Kurkow ist realistisch, auch illusionslos, aber nicht ohne Hoffnung. Er nennt sich selbst einen pragmatischen Optimisten. Ihm gelingen auch einige bemerkenswert gute Beschreibung von Teilen der Ukraine. Beispielhaft nenne ich hier das Kapitel Der Dniprow im Krieg.
Jahre im Feuer ist auch ein höchst politisches Buch. Kurkow beobachtet genau die Reaktionen des Westens, insbesondere der USA unter Trump. Darunter auch die Demütigung Selenskyjs im weißen Haus.
Das Buch schließt mit einem Nachwort mit Datum September 2025.
Es ist also zu vermuten, dass ein weiteres Buch dieser Art von Andrej Kurkow folgen wird.





Popóm
von Johanna Sebauer
Hendrik Popóm ist ein durchschnittlicher Mann Ende Zwanzig der eines Tages einen älteren Mann sieht und erkennt, das bin ich.
Er spricht ihn an und nach anfänglichen Zögern sprechen sie öfter miteinander.
Diese Begegnungen mit sich selbst führen dazu, dass Hendrik sich in Frage stellt und zu Selbsterkenntnis kommt.
Doch es gibt eine Sache, die Popóm ihm zunächst verheimlicht.
Das ist eine originelle Idee, dass den relativ kurzen Roman trägt. Es bleibt aber auch das Gefühl, das Popóm nach dem großartigen Roman Nincsdorf eher ein kleinerer Versuch ist und nicht lange im Gedächtnis bleibt.









