Empfehlungen
MMag. Katharina Huchler
empfiehlt:
Plant Lady
von Minyoung Kang
Yu-hee führt einen Pflanzenladen in einer ruhigen Ecke der Stadt. Mehrere Frauen kommen mit unterschiedlichen Männerproblemen zu ihr – und sie schafft sie wortwörtlich aus der Welt…
Ich fand die düstere Variante des beliebten Genres „Lebenshilfe finden in der Buchhandlung/im Café“ sehr unterhaltsam. Gern beobachtet man die starken Figuren – und auch das Duell zwischen Yu-hee und Ermittler. Der Roman nimmt die gesellschaftlich etablierte Misogynie unter die Lupe, ist zugleich Sozialkritik und Thriller. Leseempfehlung!
MMag. Katharina Huchler
empfiehlt:
Schwanentage
von Zhang Yueran
Ein Kindermädchen beschließt zusammen mit ihrem Partner, das Kind ihrer stinkreichen Arbeitgeber zu entführen, um Lösegeld zu erpressen. Nur werden leider genau zu dem Zeitpunkt der Großvater und Vater der Familie wegen eines Skandals verhaftet, woraufhin die Mutter untertaucht.
Yu Ling und ihrem Schützling bleibt nichts anderes übrig, als sich auf den Heimweg zu machen…
Ein intelligenter Roman über die Schere zwischen Arm und Reich, über Schuld und Verantwortung, über Familienbande und Familiengeheimnisse – und die Opfer, die wir bereit sind zu bringen. Klassenkritik wie ein Kinofilm.
MMag. Katharina Huchler
empfiehlt:
Bis zum Mond
von Jang Ryujin
„Auch das Geld geht zu den Leuten, die es mögen.“
Drei Freundinnen, die in derselben Firma arbeiten, entschließen sich, mit der Kryptowährung Etherum das große Geld zu machen: Obwohl Da-hae, Eun-Sang und Ji-Song völlig unterschiedlich sind – der dröge Büroalltag hat sie zusammengeschweißt. Zusammen teilen sie nicht nur die Mittagspause, sondern auch ihre Träume. Mit der neuen Kryptowährung scheint sich endlich die große Chance aufgetan zu haben, diese zu verwirklichen…
Ich mochte die Freundschaft der drei Hauptfiguren, die nicht von „Kursschwankungen“ verschont bleibt. Die eigentlich sehr bescheidenen Wünsche der Ich-Erzählerin berühren. Der sehr leb- und bildhafte Erzählstil von Jang Ryujin lädt zum Mitfiebern ein. Ein Buch über den richtigen Moment, mutig zu sein und die Nerven zu bewahren.
Jolanda Peter
aus unserer Buchhandlung in Höchst
The Courting of Bristol Keats
von Mary E. Pearson
»A strange velvety warmth filling the air, though it was only a vague sense that she couldn't name. She didn't even realise she leaned into it, like a cat arching its back against a doorway.
A doorway. Yes. That is what she leaned into.
But she didn't know it yet.«
Das Buch hat mich von Kapitel eins mit seinem Schreibstil gefesselt und dank der kurzen Kapitel fliegt man beim lesen regelrecht durch die Geschichte - lasst euch von den über 700 Seiten nicht abschrecken! Wir verfolgen Bristol als Hauptfigur, wechseln aber häufig die Erzählperspektive, was nicht nur neugierig gemacht hat, sondern auch ein besseres Verständnis geschaffen und mich noch tiefer in die Geschichte hineingezogen hat. Die Dialoge sind toll geschrieben, mit viel Necken und einander Konter geben - hat Spaß gemacht.
»There were a thousand ways to die in Elphame that had nothing to do with her task. She could insult a short-tempered wizard, be trampled by a spooked horse, or choke on a fish bone. "I'll think the art over," he answered.
"Think fast. I want it delivered by tomorrow."
Tyghan's jaw clenched. Or she could be strangled by a king pushed past his limits.«
Die Charaktere waren sehr vielschichtig und glaubwürdig in ihren Handlungen. Es wurden nicht zwingend die moralisch besten Entscheidungen getroffen, aber alles war sehr nachvollziehbar und hat zu den Figuren gepasst. Neben Bristol selbst haben mir Eris und Melizan besonders gefallen. Und Julia, die ich noch nicht ganz einordnen kann ...
»I suppose none of us would be worth saving if only judged by our worst qualities.«
»Maybe when a person was hurting, good sense wasn't as important as stopping the pain.«
Die Geschichte hat Elemente, die an Elfenkrone und Das Reich der sieben Höfe erinnern, steht aber wunderbar für sich selbst.
Es gibt viele Plottwists, Geheimnisse und Verrat. Das Ende ist recht offen - aber kein direkter Cliffhanger.
»It's much harder to kill something once you know its name.«
Leah Lampert
aus unserer Buchhandlung in Höchst
Fourth Wing – Flammengeküsst
von Rebecca Yarros
Wer wollten noch nicht in einem Kriegs-Collage mit Drachen sein?
Naja, hört sich im ersten Moment nicht sehr lustig an. Das dachte sich auch Violet Sorrangail. Sie wollte eigentlich zu den Schriftgelehrten und dort ihre Ausbildung machen, gleich wie ihr Vater. Da hat sie aber den Willen ihrer Mutter unterschätzt. Diese will sie nämlich bei den Drachenreitern sehen. Somit muss Violet zu den Drachenreitern. Sie muss viele Prüfungen bestreiten um überhaupt von einem Drachen in Erwägung gezogen werden. Ob sie die alle schafft?
Das Buch hat mich vom ersten Wort in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Ein perfektes Buch, um den Einstig in die Romatasy zu erleichtern. Man kann sich selber in den Charakteren wiederfinden und einfach mal die Welt wechseln.
Pauline Paterno
aus unserer Buchhandlung in Dornbirn
Schwindende Welt
von Sayaka Murata
Sayaka Muratas neuer Roman beschreibt eine fiktives, gegenwärtiges Japan. In dieser Gesellschaft ist unüblich geworden Kinder auf "natürlichem" Wege zu empfangen. Nach dem zweiten Weltkrieg sind die Männer knapp geworden, was die Erforschung der künstlichen Befruchtung vorantrieb. Diese etablierte sich schließlich zur Standard-Prozedur bei Kinderwunsch, Sex wurde zum Relikt vergangener Zeiten. Die Protagonistin und Ich-Erzählerin Amane ist unfreiwillig mit dieser Vergangenheit verbunden: Sie ist ein "Kind der Liebe", wie es ihre Mutter nennt. Diese beschwört Amane an die Liebe zwischen Eheleuten zu glauben. Amane verachtet die Mutter für diese altmodischen Ansichten - moderne Ehepartner*innen praktizieren keine körperliche Liebe, sie sind schließlich eine Familie. Amane ist neugierig, verliebt sich oft: in echte Menschen, wie fiktive. Auch ihre sexuellen Bedürfnisse lebt sie aus, was ihre Mitmenschen oft stutzig macht. Das Konzept Familie hat sich stark verändert. Die Fortschrittlichsten Kräften dieser Gesellschaft halten es gar für überflüssig und gründen eine experimentelle Stadt, in der die Menschen keine Liebesbeziehungen mehr führen und alle Kinder kollektiv aufgezogen werden. Als Amane und ihr Ehemann erneut von ihren Liebschaften enttäuscht werden, beschließen sie, dem neuen Modell eine Chance zu geben und ziehen in die Stadt.
Da wir die Perspektive von Amane einnehmen, jene der Ich-Erzählerin, schlittern wir mit ihr durch die Welt, in der Sie lebt und die sich rasend schnell verändert. Als Leser*in nicht ganz sicher wo auf dem Spektrum zwischen Utopie und Dystopie wir uns befinden, scheint Abstruses plötzlich normal. Und das schockiert letztendlich nachhaltig. Wem das "Seidenraupenzimmer" von Sayaka Murata ein Genuss war, wird sich auch an ihrem neuen Werk erfreuen.
Jolanda Peter
aus unserer Buchhandlung in Höchst
Arcana Academy 1: Arcana Academy
von Elise Kova
Ein actionreicher, spannender und romantischer Reihenauftakt!
Euch erwartet eine vorgetäuschte Verlobung und forced proximity, ein Setting zwischen Dark-Academia und königlichem Hof - und "He falls first"!
Der Schreibstil hat mich von Anfang an überzeugt - mit Sicherheit nicht mein letztes Buch von Elise Kova. Es war die perfekte Mischung aus beschreibend (um sich die Welt und Figuren gut vorstellen zu können) und gleichzeitig nicht langatmig. Ich bin sehr schnell durch die Seiten geflogen - obwohl das Buch mit über 600 davon fast schon als Waffe verwendet werden könnte.
Die Charaktere waren sehr nahbar und liebenswert (naja, nicht alle - aber das wäre ja auch langweilig. Es braucht Antagonisten) mein persönlicher Favorit war Alor, die man nach und nach immer besser kennenlernt.
Natürlich nimmt auch die Liebesgeschichte einen gewissen Raum ein, mit weniger Spice, als ich bei Romantasy der letzten Zeit erwartet habe. Mir hat die Ausführung hier gut gefallen - Tension war auf jeden Fall da und hat nicht erzwungen gewirkt. Die Handlung ist dabei zu keiner Zeit in den Hintergrund geraten.
Das Magiesystem basiert auf Tarot-Karten, hat mit Tarot ansich aber nichts zu tun. Viel mehr handelt es sich um ein umfangreiches Kartenset, das ermöglicht, unterschiedliche Fähigkeiten anzuwenden - auf sich selbst und auf Gegner:innen. Das ist auch immer wieder aktiv angewendet worden und hat defintiv zur Action beigetragen.
Der Cliffhanger am Ende - und der Twist, den der letzte Satz mit sich bringt - lässt mich sehnsüchtig auf den zweiten Band warten.
Auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
Pauline Paterno
aus unserer Buchhandlung in Dornbirn
Die Details
von Ia Genberg
Die Erzählerin liegt mit hohem Fieber im Bett und erinnert sich. Sie erinnert Menschen, die ihr einst nahestanden, die ihr Leben in jedem Fall maßgeblich prägten, jede auf ihre Art. Die Beziehungen sind platonisch wie romantisch, nicht immer „gesund“. Ohne in diagnostische Sprache zu verfallen, werden die dunklen und lichten Seiten der handelnden Charaktere beschrieben, liebevoll und aufmerksam beobachtet.
Der Roman gliedert sich in 4 Abschnitte, die sich jeweils auf eine vergangene Beziehung beschäftigen. In einer Kürze von nur 144 Seiten haucht Genberg ihren Figuren beispiellos unangestrengt Leben ein.
Da wäre etwa Johanna, eine stürmische Liebschaft, mit der sie sich Bett und Leben teilt. Im zweiten Kapitel lernen wir Niki kennen. Die beiden jungen Frauen lernen sich an der Universität kennen, es entwickelt sich eine enge, verstrickte Freundschaft, Ablaufdatum der Erzählerin von Anfang an abgeklärt entgegensieht. Die Protagonistin bewegt sich im künstlerischen Milieu Stockholms, wo sie auf einem Jazzkonzert Alessandro auf der Bühne erblickt. Er ist charismatisch und egozentrisch, wünscht sich ein Kind von der Erzählerin, lässt sich aber auf nichts so richtig ein. Zuletzt lernen wir die Mutter der Ich-Erzählerin kennen. Birgitte scheint in ihrer Ängstlichkeit sich und ihre Lieben vor dem Schrecken bewahren zu wollen, den sie im Geheimen in sich trägt. Sie scheint unergründlich, bleibt auch der Protagonistin zeitlebens etwas fremd.
Dieses schmale Büchlein der schwedischen Autorin Ia Genberg beeindruckt nachhaltig – ich möchte fast sagen mehr als so manch 400-Seiten-Schmöker.
Pauline Paterno
aus unserer Buchhandlung in Dornbirn
Demon Copperhead
von Barbara Kingsolver
Bei Barbara Kingsolvers „Demon Copperhead“ handelt es sich um eine moderne Nacherzählung von Dickens „David Copperfield“, einem klassischen Bildungsroman. Was „Demon Copperhead“ betrifft: Bildungsroman ja, aber klassisch?
Der junge Damon, genannt Demon, kommt im Virginia der 1990er Jahre zur Welt – die Mutter eine drogensüchtige 16-jährige, die eben tut, was sie kann; der Vater ihr Geliebter „Copperhead“, der noch vor Geburt des Kindes an einem Ort namens „Devil’s Bathtub“ ums Leben gekommen ist (Diese Geschichte jagt dem jungen Demon eine Heidenangst ein, er meidet Badewannen tunlichst). Der Name ist auch bei unserem Protagonisten Programm, sein Haar ist feuerrot, sein grünäugiger Blick neugierig und entlarvend. Zwischen Trailerpark und der nahezu ursprünglichen Natur der Appalachen, stolpert Demon durch sein Leben, steigt hoch und fällt noch tiefer. Wir begleiten den kreativen, aufgeweckten Jungen durch seine Kindheit und Jugend, die er erst hauptsächlich im Haus der Großeltern seines besten Freundes Maggot oder spielend im Wald hinter deren Haus verbringt, bevor er schließlich die Abgründe des US-amerikanischen Pflegesystems kennenlernt. Auf der Suche nach einem Ankommen und diesem Verbundensein, von dem immer alle reden, macht sich Demon Seite an Seite mit seinen Freunden und Feinden dieses Leben zu eigen, das von Perspektivlosigkeit, Sucht und Verlust geprägt ist. Gehalten und geliebt von einer Handvoll treuer Seelen, trotzt Demon dieser Dunkelheit mit einer Lebenskraft, die seinesgleichen sucht.
Dieses Buch ist ein wilder Ritt, dessen Umgang mit den schwersten Themen des Lebens erschüttert und gleichzeitig eine Resilienz vorführt, die Mut macht. Wer sich traut in die gut 800 Seiten abzutauchen, wird belohnt.
Pauline Paterno
aus unserer Buchhandlung in Dornbirn
So forsch, so furchtlos
von Andrea Abreu
Mein Lieblingsroman des letzten Sommers, der auch heuer nichts an seiner Wucht verloren hat! Es ist heiß, erst Juni, dann Juli, August im Norden Teneriffas, weit ab von den Touristenmassen. Dort am Fuß des Vulkans versuchen zwei Mädchen die drückende und schwüle Langeweile zu bekämpfen, der sich nur jene entziehen können, die Geld und Volljährigkeit genießen. Ein großer (wenn auch schmaler) Girlhood-Roman, roh und wunderschön.









