Kundenrezensionen von lectrice





Das Jahr der Wale
von Kelly Anderson
Der Roman hat mich schon beim ersten Blick auf das Cover angesprochen. Der Wal, das Meer und sonst nicht viel. Und dieses eher reduzierte Cover passte für mich nach der Lektüre des Romans noch besser.
Der Schreibstil und die Geschichte sind poetisch, oftmals ein wenig wie aus einer anderen Welt, besonders zu Beginn taucht man gewissermaßen ein in die Geschichte und das wichtigste Element - denn von Person kann man ja hier nicht sprechen - ist das Meer in seinen so unterschiedlichen Facetten. Es kann freundlich sein, aber auch bedrohlich, ist dann aber selbst bedroht. Am Ufer des Meeres sieht es sehr unterschiedlich aus, die großen Abschnitte des Buches erinnern in ihren Überschriften auch an das Meer mit Titeln wie beispielsweise Stauwasser oder Höchststand, Flut oder Ebbe. Ein Roman im Einklang mit den Gezeiten. Ganz anders als ich gedacht habe, auch wenn es um Annie McLeod und ihre Geschichte geht, eine Liebesgeschichte gibt es auch - die mir etwas zu präsent war, ich hatte mich so auf die Natur eingestellt.
Für mich ein wunderbarer Roman.





Queen of Faces – Die Königin der tausend Gesichter
von Petra Lord
Als ich das Cover dieses Buches das erste Mal gesehen habe, war ich begeistert von der künstlerischen Aufmachung und es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Hingucker.
Die Protagonistin Anabelle Gage ist seit einer Erkrankung auf einen Ersatzkörper angewiesen. In dieser Welt leisten sich die Reichen neue, ideale Körper, doch Ana ist nicht reich und ihr Körper ist der eines Jungen, der jedoch nicht vor Stärke trotzt.
Die Welt ist sehr gut durchdacht und es steckt so viel dahinter, was hinterfragt werden will. Sei es nun das Thema Körpertausch oder moralische Entscheidungen, politische und wirtschaftliche Verflechtungen und so viel mehr. Die Welt öffnet sich uns Lesenden erst so nach und nach und somit lernen auch wir immer mehr dazu und ein ums andere Mal habe ich das System hinterfragt und trotz Fantasy Parallelen gesehen zur Realität. Denn das beschriebene Klassensystem und die Mechanismen sind nicht vollends unbekannt.
Für ein Debut eine herausragende Leistung. Ein Young Adult Fantasybuch mit Anspruch. Ich habe es sehr gerne gelesen.





Querfeldein
von Alex Capus
Ich liebe die Romane von Alex Capus und er hat es auch dieses Mal wieder geschafft, eine ganz besondere Geschichte zu schreiben.
Arnold geht auf die Walz, arbeitet mal hier, mal dort. Doch dann wird er sesshaft, baut einen Gasthof direkt an der Grenze der Schweiz und Deutschland. Der Landgasthof steht auf der schweizer Seite.
Eines Tages trifft er auf Betty, die beiden heiraten und bekommen viele Kinder. Die Zeit vergeht. Dann kommt das Jahr 1933, eine Jahreszahl, die wohl jeden und jede Deutsche an den Beginn der Herrschaft der Nationalsozialisten denken lässt.
Clara, die älteste Tochter von Arnold und Betty, verliebt sich in den Grenzschmuggler Herrmann.
Die Erzählung wird immer wieder unterbrochen durch den Abdruck von offiziellen Schriftstücken.
Alex Capus ist ein großer Beobachter seiner Personen und vor allem ein genialer Erzähler.
Das Buch lebt nicht nur von der Geschichte, sondern auch und vor allem von seinem wunderbaren Schreibstil.





Mord ohne Vorwort
von Freya Sampson
Ein wunderschönes Cover und der Klappentext, der einen Buchklub als Ermittler ankündigt: da war meine Vorfreude ganz besonders groß. Und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil, ich habe tolle Lesestunden mit dieser Geschichte verbringen dürfen.
Die Mitglieder des Buchclubs waren alle so typisch britisch im positiven Sinne. Alle ein wenig sonderbar, jede und jeder mit besonderen Kenntnissen, die alle zur Hilfe des Falles benötigt wurden. Ja, es wird hier arg mit Vorurteilen gespielt, aber auf ganz charmante Art und Weise und es passte einfach so gut. Vor allem Phyllis und ihr asthmatischer Hund haben mir so manch ein Grinsen entlocken können, aber man darf sie auf keinen Fall unterschätzen.
Man lernt die einzelnen Mitglieder des Buchclubs nach und nach besser kennen, vor allem, da die Perspektive immer wechselt und man so die Hintergründe erfährt. Und natürlich Nova, die Leiterin des Buchclubs, die um ihren Job bangen muss, weil 10.000 Pfund aus der Gemeindekasse gestohlen wurden. Allerdings wird der Mord an der Mutter des neuesten Mitglieds nicht vergessen, auch wenn er nicht immer so präsent im Zentrum steht, aber Michael ist ja vermutlich auch mit dem Geld abgehauen und damit steht die Zukunft des Buchclubs und des gesamten Gemeindezentrums auf der Kippe.
Ein Krimi zum Miträtseln, ein Krimi mit Verweisen auf viele Bücher, mit Charakteren, die im Verlauf der Handlung immer mehr an Tiefe gewinnen und eine gut gelungene Auflösung am Schluss. Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.





Im Bann des Erlkönigs
von Mina Roth
Eine neue Academy, eine neue Anlehnung an einen Mythos, aber dieses Mal nicht eine Entlehnung der klassischen griechischen Mythologie, sondern ein Ausflug in die deutsche Legenden-Geschichte und zwar - wie der Titel schon verrät - zum Erlkönig. Zumindest bei mir war die Sage des Erlkönigs sofort präsent und wie sie hier adaptiert bzw. besser gesagt eingebaut worden ist in eine ganz eigene Geschichte, hat mir wirklich gut gefallen.
Zora ist nicht immer die übermenschliche Protagonistin, der alles leichtfällt, sondern eine, die auch mal an sich zweifelt und nicht immer alles weiß oder besser kann. Und auch der männliche Gegenpart Kilian hat mir gut gefallen. Die Stimmung an der Akademie ist düster, es werden gut Mythen mit interessanten Rätseln gemischt.
Dazu ein fesselnder Schreibstil und eine langsame Entwicklung der Geschichte - für mich ein toller Auftakt.





Wenn die Bienen schweigen
von Caryl Lewis
Als ich den Klappentext gelesen habe, musste ich als Erstes an "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde denken und gar nicht so sehr an den "Report der Magd".
Die letzte Biene ist schon vor langer Zeit gestorben, die Korallenriffs nur eine ferne Erinnerung, Bücher sind verboten und auch eigenständiges Denken.
Jess arbeitet wie alle anderen jungen Mädchen bis zur Geschlechtsreife in der Bestäubung von Obstbäumen, allerdings bekommen sie die Früchte nicht zum Essen. Es gibt nur zwei Mahlzeiten am Tag, alles ist fest reglementiert, die Mädchen werden von sogenannten Müttern beaufsichtigt und es gibt überall Wächter, die darauf achten, dass niemand ausbricht oder aus der Reihe tanzt.
Zum Glück hat Jess ihre Freundin Cass, aber der rebellische Funke in ihr wird immer größer, denn Jess kann lesen und hat viele Bücher gelesen, die ihr ihre Mutter und auch die Nachbarin gegeben haben.
Und so startet sie mit einem geheimen Akt der Rebellion - aber wird sie Erfolg haben? Und gibt es noch Rettung für diese Welt in der Zukunft?
Ein beeindruckendes Jugendbuch mit vielen Denkanstößen, das sich aber auch sehr gut lesen lässt. Und natürlich mit einer wichtigen Aussage - hier ist auch das Nachwort der Autorin unbedingt lesenswert.





Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain
von Sasha Peyton Smith
In einem parallelen England herrscht seit den Tagen von König Edward vor einigen hundert Jahren die Fae-Königin Moryen. Vorher waren die Portale zur Fae-Welt geöffnet, aber Moryen ließ sie versiegeln und nur sie und ihr Blut kann durch die Portale. Und so ist nun seit einigen Jahren auch ihr Sohn Bram in der Menschenwelt.
Ivy Benton soll in diesem Jahr in die Gesellschaft eingeführt werden, aber sie macht sich mehr Sorgen um ihre Schwester Lydia, die zwar wieder nach Hause zurück gekehrt ist, aber nicht mehr dieselbe ist.
In dieser Welt machen die Menschen mit Königen Moryen einen Handel, für den sie etwas aufgeben müssen, vorher jedoch nicht wissen, was es ist. Diese Vorstellung fand ich gruselig, aber viele in dieser Welt haben sich ein schöneres Aussehen, Geld,... gewünscht. Aber natürlich muss man genau aufpassen, was man wünscht.
Dieses Mal ist die Eröffnung der Saison anders, denn die Königin sucht eine Frau für Bram und wer bei diesem Spiel verliert, darf auch keinen anderen heiraten. Kein Problem für Ivy, die sofort mitmacht.
Aber dann wird es natürlich doch ganz anders. Einiges ist vorhersehbar, zwischendurch plätscherte die Handlung ein wenig vor sich hin, aber gegen Ende überstürzten sich die Ereignisse und machen neugierig auf die Fortsetzung.





Red Star Rebels
von Amie Kaufman
Evakuierungsalarm auf dem Mars, alle flüchten sich in die Rettungskapseln. Für die beiden Protagonisten gibt es da allerdings ein Problem: Hunter ist gerade erst auf dem roten Planeten angekommen und somit noch gar nicht registriert und registriert ist auch Cleo nicht, denn sie ist illegal auf dem Mars, jedoch denkt sie, gut vorbereitet zu sein. Immerhin ist sie vor Kopfgeldjägern auf den Mars geflohen und somit auf alles vorbereitet - aber das ist leider pure Selbstüberschätzung.
Die Bedrohung, vor der alle flüchten, sind nicht die Lebensbedingungen auf dem Mars, sondern Piraten - und gegen die müssen nun Cleo und Hunter ankommen und dabei nimmt uns die Autorin mit auf ein spannendes Katz- und Mausspiel.
Eine Geschichte, in der es neben der Action aber auch viel um Freundschaft, aber auch um die Einsamkeit geht.
Viel zu schnell ausgelesen und so unterhaltsam.





The Sea Spinner
von Julie Johnson
Nach dem ersten Band und vor allem dem Ende des Bandes war ich natürlich ganz gespannt, wie es weitergehen wird. Und ich war auch schon nach einigen Seiten wieder in der Geschichte angekommen, aber da hat es sicherlich geholfen, dass ich den Vorgänger erst kurz vorher gelesen habe.
Fyremas ist zerstört, die Aufbauarbeiten dauern an und es gab viele Tote. Rhya und Penn entfernen sich voneinander und so ist es kein Wunder, aber dann doch ein zu Beginn ein Zufall, dass Rya bei König Soren landet.Soren hilft ihr beim Training und hier lernen wir die Welt auch etwas besser kennen.
Im Mittelteil hätte meines Erachtens nach die Geschichte gut gekürzt werden können, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Das fand ich schade und hat das Buch leider etwas "zäh" gemacht, aber zum Glück wurde das Tempo anschließend wieder angezogen - und das Buch endet mit einem "Knall" und nun erwarte ich die Fortsetzung mit Spannung. Denn mit so einer Wendung hatte ich nicht gerechnet.
Insgesamt eine solide Fortsetzung mit einigen Schwächen.





Die Straße
von Robert Seethaler
Ich wollte schon länger mal ein Werk von Robert Seethaler lesen und bin nun mit dieser ungewöhnlichen Geschichte gestartet, mit der ich mich anfangs allerdings ein wenig schwer getan habe.
Die Konzeption und Idee des Buches hat mir gefallen. Die Heidestraße, eine ganz gewöhnliche Straße mit unterschiedlicher Bebauung in einer nicht namentlich genannten Stadt. Das gilt auch für die unterschiedlichen Charaktere, die keine Namen erhalten, unter Anderem geht es hier um einen Anwalt, eine Floristin, einen Sohn etc. Wir wechseln immer wieder die Perspektive, aber es gibt auch Konstanten wie das Heidestraßenfest, auf dem wir dann auch immer wieder vorherige Protagonisten "wiedertreffen". Das Ganze hat etwas von einem literarischen Puzzle und nachdem ich mich "eingelesen" hatte, hat mir die Geschichte gut gefallen, denn sie verlangt ihren Lesern einiges ab. Und nun werde ich bestimmt auch noch weitere Bücher von Robert Seethaler lesen, ein Anfang ist gemacht.









