Übersicht

Vorarlberg/Österreich

Vorarlberger Literaturpreis * Ö. Kinder- und Jugendbuchpreis * Rauriser Literaturpreis * Hohenemser Literaturpreis * Ingeborg-Bachmann-Preis * Tractatus * Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels * Feldkircher Lyrikpreis

International

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung * International Booker Prize * Friedenspreis des deutschen Buchhandels * Nobelpreis für Literatur * Deutscher Buchpreis * Deutscher Jugendliteraturpreis * Georg-Büchner-Preis * Prix Goncourt * Schweizer Buchpreis * Hotlist

Rauriser Literaturpreis 2026

Sophie Hunger erhält für ihren Debütroman "Walzer für Niemand" den Rauriser Literaturpreis 2026. Die Preisverleihung hat am 25. März stattgefunden. Die Jury begründet die Vergabe wie folgt: Der Autorin ist ein literarisches Debüt gelungen, "das seine besondere Sogkraft aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Ausdrucksformen bezieht. Der Text entwickelt sich entlang der Coming-of-Age-Geschichte einer symbiotischen Freundschaftsbeziehung und entfacht dabei eine dichte atmosphärische Spannung, einem Walzer nicht unähnlich, dessen Kreisbewegung zugleich die Tanzenden verbindet und sachte wieder trennt". Das dabei entstandene Werk überzeuge mit tiefer Empathie und formaler Klarheit, wobei es sich gängigen Erzählmustern entziehe.

Leipziger Buchpreis zur Eurpäischen Verständigung 2026

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geht 2026 an den kroatisch-bosnischen Schriftsteller Miljenko Jergović, für seine Erzählungen „Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered“. Der Text wurde aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert übersetzt. In der Begründung der Jury heißt es: Miljenko Jergović tastet in seinem erzählerischen Werk mit großer Unbeirrbarkeit die Bruchlinien der Geschichte des Westbalkans ab. Ob in weit ausgreifenden Familienpanoramen, schrägen Roadmovies oder einem nachdenklichen Vaterporträt, stets bilden Kriegserfahrungen den Kern.

Rauriser Literaturpreis 2025

Der mit 10.000 Euro dotierte Rauriser Literaturpreis 2025 geht an Lilli Polansky, für ihr Romandebüt „Gratulieren müsst ihr mir nicht“.

Die Jury (Nicola Steiner, Günther Stocker, Katharina Teutsch) begründet: „Mit ihrem Herzschrittmacher, einem Kuriosum für eine Zwanzigjährige, fängt alles an. Doch dann kommt ein medizinischer Notfall zum nächsten. Ein Hirntumor wird diagnostiziert. Und als die Erzählerin eines Tages starke innere Blutungen hat, geht es plötzlich um Leben und Tod. […] Dem erzählerischen Sog, den Lilli Polanskys Coming-of-Age-Geschichte entfaltet, kann man sich kaum entziehen, weil sie in ihrer existentiellen Dimension jeden und jede betrifft.“

Feldkircher Lyrikpreis 2025

Der erste Preis des Lyrikpreises Feldkirch 2025 geht an Lorena Pircher.

Die Jury begründet: Die Sprache abbrechen zu lassen, die Leser:innen aus der eigenen Erinnerung vervollständigen lassen, was fehlt - ein Stilmerkmal der Verskunst. Das setzt die Autorin mit traumwandlerischer Sicherheit ein – es funktioniert, immer. So schön und harmonisch, wie es klingt, so ist es auch, so ist ihre Sprache, so sind ihre Verse, changierend zwischen erzählenden Sätzen und impressionistischen Wortflecken. Jeder Vers ein Ruf, der etwas aufruft und zum Schwingen bringt. Das ist es, was uns als Jury an diesen Versen ergriffen und begeistert hat.

Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels 2025

Eva Menasse erhält im November den Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln 2025. Die Verleihung erfolgte als abschließender Höhepunkt der Europäischen Literaturtage 2025 in Krems/Stein.

Benedikt Föger, der Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, überreichte die höchste Auszeichnung, die der österreichische Buchhandel zu vergeben hat.

Prix Goncourt 2025

Der prestigeträchtigste französische Literaturpreis Prix Goncourt 2025 geht an Laurent Mauvignier. Die Auszeichnung erhält er für sein Buch La maison vide, das voraussichtlich 2027 auf Deutsch übersetzt wird. In diesem hochgelobten Roman versucht Mauvigniers seine eigene, über fünf Generationen führende Familiengeschichte zu rekonstruieren.

Georg-Büchner-Preis 2025

Die deutsche Autorin Ursula Krechel erhält den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2025. Die Verleihung fand am 1. November 2025 im Staatstheater in Darmstadt statt. Krechel beschäftigt sich in ihrer Literatur intensiv mit den Themen Flucht, Exil, Gewalt und Feminismus.

Die Jury begründet ihre Entscheidung wie folgt: "[Die] Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung [zeichnet] eine Autorin aus, die in ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt. [...] Ihre aus umfangreichen Recherchen hervorgegangene Romantrilogie „Shanghai fern von wo“ (2008), „Landgericht“ (2012) und „Geisterbahn“ (2018) erweist sich als eine große Erzählung der Vertreibung und Verfolgung von Juden und Sinti und der Rückkehr in ein Deutschland, in dem das Exil in die Erfahrungen von Fremdheit und Nicht-Zugehörigkeit mündet. Das Thema der Selbstbehauptung, Wiederentdeckung und Fortentwicklung weiblicher Autorschaft zieht sich als roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen. [...] Ursula Krechels Werk regt Leserinnen und Leser an, die Spuren der Vergangenheit im Alltag der Gegenwart aufzufinden und das Hier und Jetzt der deutschen Gesellschaft nicht hinzunehmen, wie es ist."

Deutscher Buchpreis & Schweizer Buchpreis 2025

Der Deutsche Buchpreis 2025 geht dieses Jahr an Dorothee Elmiger mit ihrem Roman Die Holländerinnen.

Die Jury zu dem Roman: "Dieser Roman ist ein Ereignis. Eine Schriftstellerin berichtet von ihrer Reise in den südamerikanischen Urwald mit einer Theatergruppe auf den Spuren zweier Holländerinnen, die vor Jahren dort verschwunden sind. Auf dieser Wanderung erzählt sich die Gruppe verstörende Geschichten. Je tiefer sie sich im Dickicht und Morast verläuft, desto mehr reißt Elmiger die Leser*innen in einen Sog der Angst. Ihr Roman erzählt von Menschen, die in ihr ‚dunkelstes Gegenteil‘ verfallen. Indirekt ist dabei nicht nur Elmigers Sprache, sondern auch ihr Verweis auf unsere Gegenwart, die Schritt für Schritt in Selbstüberhebung versinkt. Elmigers Stil ist gleichzeitig distanziert und doch fesselnd. Die Holländerinnen - Ein faszinierender Trip ins Herz der Finsternis."

Autorin und Buch wurden ebenfalls mit dem Schweizer Buchpreis 2025 ausgezeichnet. Hier heißt es: "Über Die Holländerinnen wurde in den letzten Monaten viel gesagt und viel geschrieben. Vor allem lobendes. Es hiess aber auch, in diesem Roman stecke wenig Zuversicht. Dem möchte ich widersprechen: Dorothee Elmiger durchbricht das runde, schlüssige Erzählen. Damit schafft sie Grund zur Hoffnung, dass wir der Wirklichkeit näherkommen, wenn wir das Geschichtenerzählen hinterfragen, neudenken und weiterentwickeln."

Literaturnobelpreis 2025

Der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai erhält den Nobelpreis für Literatur 2025, wie im Oktober bekannt gegeben wurde. Die Auszeichnung bekommt der Autor „für sein fesselndes und visionäres Werk, das inmitten apokalyptischen Schreckens die Kraft der Kunst bekräftigt“.

László Krasznahorkai wurde 1954 im ungarischen Gyula geboren und macht mit einer unverwechselbar düsteren, visionären Prosa auf sich aufmerksam.

Tractatus - Essaypreis des Philosophicum Lech 2025

Preisträgerin des Tractatus 2025 ist die deutsche Philosophin Eva Weber-Guskar, sie erhält den mit 25.000 Euro dotierten Essaypreis des Philosophicum Lech. "Eva Weber-Guskar schaut in ihrem philosophischen Essay sehr genau hin, beschreibt aufs Präziseste die Funktionsweise der ins Visier genommenen „Large Language Models“ und die anthropologischen Vorannahmen, mit denen ihre jeweiligen Entwickler arbeiten. Das ist insbesondere bei den KI-Applikationen, die für emotionale Interaktionen mit Menschen entwickelt werden und auf die sich das Buch konzentriert, unglaublich aufschlussreich, zeigt doch die Autorin im Durchgang durch alle möglichen Varianten der Emotionstheorie, mit wie vielen Unwägbarkeiten über den Menschen es das sogenannte „affective computing“ zu tun bekommt. [...] Die Philosophin beschreibt, analysiert, wägt ab – und sie scheut sich nicht, wohlfundierte Urteile zu fällen darüber, wie Gesellschaft und Politik mit technologischen Innovationen umgehen sollten. Kurz: ein Text, der im besten Sinne nicht nur geistig, sondern auch ganz praktisch aufklärt über die Welt, in der wir leben.", so die Jury.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025

Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den deutschen Historiker und Essayisten Karl Schlögel zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt. Die Jury begründet: „In seinem Werk verbindet Karl Schlögel empirische Geschichtsschreibung mit persönlichen Erfahrungen. [...] Mit seiner Erzählweise, die Beobachten, Empfinden und Verstehen verbindet, korrigiert er Vorurteile und weckt Neugier. Nach der Annexion der Krim durch Russland hat Karl Schlögel seinen und unseren Blick auf die Ukraine geschärft und sich aufrichtig mit den blinden Flecken der deutschen Wahrnehmung auseinandergesetzt. Als einer der Ersten hat er vor der aggressiven Expansionspolitik Wladimir Putins und seinem autoritär-nationalistischen Machtanspruch gewarnt. Eindrücklich beschreibt er die Ukraine als Teil Europas und fordert auf, das Land um unserer gemeinsamen Zukunft willen zu verteidigen. Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.“

Ingeborg-Bachmann-Preis 2025

Der Ingeborg-Bachmann-Preis 2025, dotiert mit 25.000 Euro, wurde im Juni an Natascha Gangl verliehen. Die steirische Autorin überzeugte die Jury und die Zuhörer:innen gleichermaßen mit dem poetischen Text „Da Sta“, in dem sie Sprache, Identität und Kriegsverbrechen im Grenzgebiet zwischen Österreich, Ungarn und Slowenien thematisiert. Sie erhielt auch den mit 7.000 Euro dotierten BKS-Publikumspreis.

Hohenemser Literaturpreis 2025

Aisouda Hoshiyar wirf für ihr Werk „Your hands are my home“ mit dem Hohenemser Literaturpreis 2025 ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung ist ein Preisgeld von 7.000 Euro verbunden.

„Mit Your hands are my home wird ein Text ausgezeichnet, der von der ersten Zeile an einen unkonventionellen und kraftvollen Ton anschlägt. Bereits die Eröffnung, in der die Erzählerin ihre frühe, kindliche Zuneigung zur Nachbarstochter auf ungewöhnlich offene Weise thematisiert, etabliert einen Erzählstil, der sich lustvoll und unerschrocken mit Fragen der Identität und des Begehrens auseinandersetzt.“ - so die Jury.

International Booker Prize 2025

Der International Booker Prize 2025 geht an die indische Autorin Banu Mushtaq für ihre Kurzgeschichten-Sammlung "Heart Lamp". Das Preisgeld (50.000 Pfund) wird zu gleichen Teilen zwischen der Autorin und ihrer Übersetzerin Deepa Bhasthi aufgeteilt.

Vorsitzender der Jury Max Porter: "Heart Lamp ist etwas wirklich Neues für englische Leser. (...)  Diese schönen, lebhaften, lebensbejahenden Geschichten stammen aus dem Kannada, durchsetzt mit dem außergewöhnlichen sozio-politischen Reichtum anderer Sprachen und Dialekte. Sie handeln vom Leben der Frauen, von reproduktiven Rechten, Glauben, Kaste, Macht und Unterdrückung."

Vorarlberger Literaturpreis 2025

Tobias March erhält im April für seine Sammlung an Prosagedichten mit dem Namen „beziehungen“ den Vorarlberger Literaturpreis 2025. Sie handelt von Liebe, Jung- und Altsein, von Respekt und unserem Miteinander. Um Beziehungen eben.

In diesen Prosagedichten beweist March nicht nur sein Gespür für einfühlsames, dichtes Erzählen, sondern auch für einen eigenen Rhythmus, der sich an Poetry Slam anlehnt.

Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur

Der ukrainischen Autor Serhij Zhadan erhält den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Die Preisverleihung findet am 25. Juli bei einem Festakt während der Salzburger Festspiele statt, der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1965 verliehen.

Zuletzt erschien Zhadans Erzählband "Keiner wird um etwas bitten", der im Juni zum Ö1 Buch des Monats gekürt wurde.

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2025

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2025 wird dem belarussischen Schriftsteller Alhierd Bacharevič für seinen Roman „Europas Hunde“ verliehen. Das Buch ist im Februar 2024 beim Verlag Voland & Quist erschienen.

Der Leipziger Buchpreis, offiziell als Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung bezeichnet, wird jährlich an Autoren vergeben, die sich Verdienste zugunsten der Verständigung in Europa erworben haben. Besonders berücksichtigt werden dabei Bemühungen für den östlichen Teil von Mitteleuropa. Die Auszeichnung ist mit 20.000 € dotiert und gehört zu den anerkanntesten Literaturpreisen in Deutschland.

Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2025

Iris Wolff erhält den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2025, der mit 20.000€ dotiert ist und seit 1993 verliehen wird.

Die Jury begründet: "Die 1977 in Hermannstadt geborene, im Banat und in Siebenbürgen aufgewachsene, seit 1985 in Deutschland lebende Iris Wolff ist eine Autorin, die mit poetischer Eleganz und szenischer Dichte Lebensformen der Freiheit zur Sprache bringt. Angesichts der Schrecken der Ideologien des 20. Jahrhunderts halten ihre Romane Zeichen von Menschenfreundlichkeit und Werteverbundenheit fest. Sie schildern geschundene Biografien unter dem Eindruck europäischer Geschichte, insbesondere aus der Erinnerungslandschaft des Banat und anderer Regionen Rumäniens vor und nach dem Regime Ceaușescus. Erzählt wird das am Beispiel von Figuren, die fliehen oder auch bleiben, die eine neue Heimat jenseits Rumäniens suchen – und ihre alte Heimat vermissen. Dass es durchweg um Fragen der Zugehörigkeit, um die Vielfalt von Sprachen und Religionen in Europa geht, macht die Romane von Iris Wolff hochaktuell."


Ingeborg-Bachmann-Preis 2024

Der Ingeborg-Bachmann-Preis 2024 ging an Tijan Sila. Er konnte mit seinem Text „Der Tag, an dem meine Mutter verrückt wurde“ die Jury überzeugen.

Seit 1977 vergibt die Stadt Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis, der häufig auch vereinfacht Bachmannpreis genannt wird. Der mit 25.000 € dotierte Hauptpreis gilt als einer der wichtigsten Literaturpreise für deutschsprachige Schriftsteller. Ermittelt und überreicht wird der Preisträger im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt.

Nobelpreis für Literatur 2024

Der Nobelpreis für Literatur 2024 geht an die südkoreanische Autorin Han Kang „für ihre intensive poetische Prosa, die sich mit historischen Traumata auseinandersetzt und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens offenlegt“.

Han Kang gilt als wichtigste literarische Stimme Koreas. Seit sie für „Die Vegetarierin“ 2016 den Man Booker International Prize erhielt, haben ihre Bücher auch international großen Erfolg. Ihr Werk wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln 2024

Der israelische Schriftsteller David Grossman ist diesjähriger Preisträger des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. In seinen Werken beschäftigt er sich mit dem Trauma des Krieges und den Aussichten auf Frieden, sowie mit Liebe, Eifersucht und Familienbeziehungen – darunter sein Debüt-Roman „Stichwort: Liebe“, „Der gelbe Wind“ und sein Bestseller „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“.

Deutscher Buchpreis 2024

Martina Hefter erhält mit "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" den Deutschen Buchpreis 2024.

Hefters Buch sei ein klug choreografierter Roman, begründet die Jury, der auf faszinierende Weise den zermürbenden Alltag mit mythologischen Figuren und kosmischen Dimensionen verbinde, zwischen Melancholie und Euphorie, Vertrauen und Täuschung navigiere.

Österreichischer Buchpreis 2024

Mit Brennende Felder erhält Reinhard Kaiser-Mühlecker 2024 den Österreichischen Buchpreis.

Die Jury begründet: Waren in „Fremde Seele, dunkler Wald“ (2016) und „Wilderer“ (2022) die Brüder im Fokus, so erzählt jetzt folgerichtig deren Schwester Luisa aus ihrer – und Reinhard Kaiser-Mühlecker erstmals aus weiblicher – Perspektive. Dabei sucht Luisa intensiv nach den richtigen Worten, will sie doch als Schriftstellerin gesehen werden. Im Gegensatz zu ihr schreibt Kaiser-Mühlecker verdichtet, einfach und knapp, in ruhigem Ton. Durch unerwartete Wendungen spielt er nicht nur mit seinen Figuren, sondern auch mit den Lesenden. So konstruiert und dekonstruiert er diese abgründige, kalte und düstere Welt immer wieder aufs Neue. Luisa hat recht, wenn sie dies in ihrer Romanfigur, einem alten Geizkragen spiegelt: „Es muss so sein, dass man denkt, man kennt ihn, und dass man bis zum Schluss an seiner Seite ist, aber da nicht mehr denkt, man kennt ihn.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2024

Der Stiftungsrat hat die Historikerin Anne Applebaum zur Friedenspreisträgerin des Jahres 2024 gewählt. Die Verleihung fand am Sonntag, 20. Oktober 2024, in der Frankfurter Paulskirche statt. Die Laudatio hielt die russische Historikerin Irina Scherbakowa.


Die polnisch-amerikanische Historikerin und Publizistin hat mit ihren so tiefgründigen wie horizontweitenden Analysen der kommunistischen und postkommunistischen Systeme der Sowjetunion und Russlands die Mechanismen autoritärer Machtergreifung und -sicherung offengelegt und sie anhand der Dokumentation zahlreicher Aussagen von Zeitzeug*innen verstehbar und miterlebbar gemacht, begründet die Jury.

Leipziger Buchpreis 2024

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2024 wird dem deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm für sein Buch „Radikaler Universalismus. Jenseits der Identität“ verliehen.

Die Jury verweist auf die Konsequenz, mit der Boehm den Kern des humanistischen Universalismus, die Verpflichtung zur Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, gegen jegliche Relativierung verteidigt. In seinem jüngsten Buch Radikaler Universalismus jenseitsvon Identität (2022) tritt Boehm den ideologischen Verhärtungen der Gegenwart entschieden entgegen, nimmt Immanuel Kants Definition von Aufklärung als ,Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit‘ beim Wort und unterzieht den westlichen Liberalismus, vor allem aber das Denken in Identitäten, die sich absolut setzen, einer kritischen Revision.

Georg-Büchner-Preis 2024

Am 2. November 2024 verleiht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Georg-Büchner-Preis in Darmstadt. Dieses Jahr geht er an den Schriftsteller Oswald Egger, der seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahre 1993 die Grenzen der Literaturproduktion überschreitet und erweitert. Er arbeitet an einem Werkkontinuum, das Sprache als Bewegung, als Klang, als Textur, als Bild, als Performance begreift.

Literaturnobelpreis 2023

Der Norweger John Fosse erhält 2023 den Literatur-Nobelpreis.

Die Entscheidung wird durch das Nobelkomitee mit Fosses "innovativen Theaterstücken und seiner Prosa, die dem Unsagbaren eine Stimme geben" begründet.

In seinen Romanen behandelt Fosse vorwiegend Themen wie Unsicherheit, Angst oder Unentschlossenheit. Durch ihn entstand auch der Begriff "Fosse-Minimalismus", bezogen auf die einfache Sprache, mit der es ihm gelingt, starken Emotionen trotz reduzierter Sprache und Handlung Ausdruck zu verleihen.

Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln 2023

Den Entscheid der Jury begründet Benedikt Föger wie folgt:

„Philippe Sands gehört fraglos zu den weltweit herausragendsten Juristen und Intellektuellen, die den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen und sich für eine bessere Welt einsetzen. Als Autor hat er mit zahlreichen Fachbüchern zum Völkerrecht ebenso wie mit seinen zeitgeschichtlichen Werken ein großes Publikum erreicht und bewiesen, dass Faktentreue und präzises Denken kein Gegensatz zu inhaltlichem Engagement, sondern dessen nützlichste Instrumente sind. Seine in mehrere Sprachen übersetzten Werke richten sich gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Folter und Genozide, unabhängig davon, ob sie in der Vergangenheit oder in unserer Gegenwart stattfinden. Sein Einsatz für die Verankerung des Begriffs des "Ökozids" als Verbrechen gegen die Menschlichkeit in das internationale Rechtssystem, wodurch einzelne Personen ebenso wie Unternehmen oder Staaten für die Folgen schwerer Umweltschäden verantwortlich gemacht werden könnten, zeigt, wie sehr Philippe Sands am Puls der Zeit ist.“

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023

Salman Rushdie erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2023!


Begründung der Jury:

Seit seinem 1981 erschienenen Meisterwerk »Mitternachtskinder« beeindruckt Salman Rushdie durch seine Deutungen von Migration und globaler Politik. In seinen Romanen und Sachbüchern verbindet er erzählerische Weitsicht mit stetiger literarischer Innovation, Humor und Weisheit. Dabei beschreibt er die Wucht, mit der Gewaltregime ganze Gesellschaften zerstören, aber auch die Unzerstörbarkeit des Widerstandsgeistes Einzelner.

Weil der iranische Ajatollah Chomeini 1989 eine Fatwa gegen ihn ausgesprochen hat, lebt Salman Rushdie in ständiger Gefahr. Dennoch ist er nach wie vor einer der leidenschaftlichsten Verfechter der Freiheit des Denkens und der Sprache – und zwar nicht nur seiner eigenen, sondern auch der von Menschen, deren Ansichten er nicht teilt. Unter hohen persönlichen Risiken verteidigt er damit eine wesentliche Voraussetzung des friedlichen Miteinanders.

Kurz vor Veröffentlichung seines jüngsten Romans »Victory City« wurde er im August 2022 Opfer eines Mordanschlags. Trotz massiver körperlicher und psychischer Folgen, mit denen er noch immer ringt, schreibt er weiter: einfallsreich und zutiefst menschlich. Wir ehren Salman Rushdie für seine Unbeugsamkeit, seine Lebensbejahung und dafür, dass er mit seiner Erzählfreude die Welt bereichert.

Bertolt-Brecht-Literaturpreis 2023

Lutz Seiler gewinnt den Bertolt-Brecht-Literaturpreis 2023!


Die Begründung der Jury:

„Mit seinen Romanen Kruso (2014) und Stern 111 (2020), mit seinen Gedichtbänden, Erzählungen und Essays, aber auch mit der Arbeit als Literaturvermittler im Peter-Huchel-Haus Wilhelmshorst hat Lutz Seiler das literarische Leben der Gegenwart nachhaltig geprägt. Seilers Prosa besticht durch ihren magischen Sound. Poetische Lakonik, Redlichkeit, Elegisches und Humorvolles entfalten sich in unvergleichlichen Szenen. Die Texte dieses Dichters erinnern an Verschollenes, rufen Unerledigtes auf, und sie reichen in die Lebenszeit des Stückeschreibers aus Augsburg hinein: Flucht und Migration, die Folgen der Ablösung gesellschaftlicher Systeme, die Arbeit der Erinnerung, Alternativen zum Jetzt.“

Sachbuch des Jahres 2023

"Ein Hof und elf Geschwister" von Ewald Frie ist Sachbuch des Jahres 2023!


Die Jurybegründung:

Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben geschieht überall. Eine persönliche und überraschende Perspektive auf diesen Veränderungsprozess nimmt Ewald Frie ein: Am Beispiel seiner Familie aus dem Münsterland beschreibt er Spannungen, die sich zwischen Stadt und Land entwickelt haben und uns gegenwärtig intensiv beschäftigen. In seiner verblüffend einfachen und zugleich poetischen Sprache schafft Frie Zugang zu einer Welt im Wandel – immer empathisch, aber nie nostalgisch. Auf der Basis von Interviews mit seinen Geschwistern hat Ewald Frie ein tiefes und gleichzeitig zugängliches und unterhaltsames historisches Sachbuch verfasst. Diese Alltagsgeschichte geht von leicht zu übersehenden Details aus und entwickelt große Gedanken. Ein inspirierendes Beispiel für innovative Geschichtsschreibung.

Christine-Nöstlinger-Preis 2023

Lilly Axster erhält 2023 den Christine-Nöstlinger-Preis für Kinder- und Jugendliteratur.

„Als Theater-, Kinder- und Jugendbuchautorin bricht Lilly Axster in ihrem Werk konsequent Strukturen auf, die sie als verkrustet und menschenfeindlich empfindet. Das kann in der Sexualität sein, aber auch in Beziehungen, Institutionen und in der Sprache. [...] Axster thematisiert verunsichernde kindliche Erfahrungen wie den Umzug in ein fremdes Land oder Fragen von Identität und Zugehörigkeit, schildert Selbstfindung und rettende Beziehungen zwischen Alten und Jungen. [...] Für all das findet sie ihren je eigenen Stil, stellt ihre sprachliche Kreativität immer aufs Neue in den Dienst kompromisslosen Engagements.“, begründet die Jury.