Kundenrezensionen
Gabriele Geissl
empfiehlt:
Fremde
von Belle Burden
Belle Burden stammt aus einer wohlhabenden New Yorker Familie. Ihre Großmutter war eine Modeikone, ihr Vater entstammt der Vanderbilt Dynastie, Belle studierte an der New Yorker University School of Law, obwohl sie lieber Schriftstellerin geworden wäre. In dem autobiografischen Roman „Fremde“ erzählt sie ihre eigene Geschichte, wo ihr Ehemann ihr nach 21 Jahren Ehe sagt, dass er sie verläßt und die Scheidung will. Belle bekommt von einem Fremden einen Anruf, der ihr erzählt, dass ihr Mann eine Affäre mit seiner Frau hat. Belle lebt bis zu diesem Augenblick glücklich, kümmert sich mit Hingabe um ihre 3 Kinder, überläßt ihrem Mann die finanziellen Angelegenheiten und ändert sogar den Ehevertrag zu seinen Gunsten. Nach dem Ende der Ehe traf Belle die Schande. Sie war die Verstoßene, weil sie es nicht geschafft hat die Familie zusammenzuhalten. Viele Bekannte und Freundinnen wendeten sich von ihr ab.
Belle Burden schafft es in ihrem Roman die Leser:Innen an ihren Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen teilzuhaben. Das Buch ist tief bewegend und beschreibt ungeschönt Verrat, Verlust und die schwer erarbeitete Rückgewinnung des eigenen Lebens. Von mir eine absolute Leseempfehlung!
evaki
empfiehlt:





Fremde
von Belle Burden
Respekt oder besser Hut ab, vor soviel Mut zur Wahrheit! Wollen wir's nicht zu kompliziert machen. Fakt ist, dass es in den besten Familien kriseln kann. Gründe dafür lassen sich endlos aufzählen. Welche Alarmglocken vielleicht schon vor der Ehe anspringen, worauf zu achten ist und wie wir darauf reagieren könnten, erzählt uns Belle Burden in unaufgeregtem Ton mit vielen eigenen Beispielen. Warum die wunderbare Liebe uns trotzdem den Blick trüben kann, erfahren wir gleich mit. Dass ein Ende mit Schrecken dabei besser ist als ein Schrecken ohne Ende, ist nicht nur ein altes Sprichwort, es hat anscheinend schon Zuviele getroffen, als dass man es verneinen würde. Es bleibt der Wunsch, dass dieses warnende Buch möglichst viele Frauen vor bösen Überraschungen schützen möge und ihnen Mut macht, ihre Liebe auszuleben ohne auf ein dickes Ende zu treffen.
Eternal-Hope
empfiehlt:





Fremde
von Belle Burden
Belle Burden ist Anfang 50, seit 20 Jahren mit ihrem Mann James verheiratet, hat mit ihm drei Kinder und wähnt sich in der perfekten Beziehung und im perfekten Leben. Geldsorgen hat die Familie keine, durch ein großzügiges Treuhandvermögen von ihrer Seite (sie stammt sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits von vermögenden und berühmten Familien ab, wie sie selbst erwähnt) und ein sehr gutes Einkommen von ihm im Finanzbereich, ist die Familie finanziell so gut abgesichert, dass man sich nicht nur eine schicke Wohnung in New York, sondern außerdem noch ein Ferienhaus auf Martha's Vineyard direkt am See leisten und dieses mit dem Wasserflugzeug anfliegen kann, die Kinder teure Privatschulen besuchen und auch für ihr Studium schon finanziell vorgesorgt ist.
Belle selbst hat, wie ihr Mann, ursprünglich Jura studiert und ist Anwältin, arbeitet aber seit vielen Jahren aufgrund der Kinderbetreuung nur noch wenige Stunden ehrenamtlich in diesem Bereich, indem sie minderjährigen Geflüchteten dabei hilft, ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht und eine Green Card zu bekommen. James arbeitet jede Woche sehr viele Stunden und es ist keine Seltenheit, dass er auch die Wochenenden mit Arbeit verbringt, dennoch hält Belle ihn für einen zugewandten Ehemann und großartigen Vater, auch wenn aus meiner Sicht wohl relativ wenig tatsächliche Vertrautheit zwischen den Eheleuten da war, allein schon aufgrund der wenigen miteinander verbrachten Zeit. Wichtig ist aber jedenfalls der schöne Schein nach außen, man geht zu gesellschaftlichen Anlässen, ist Mitglied elitärer Clubs und dreht sentimentale Erinnerungsvideos der besonderen Momente aus der Kindheit des eigenen Nachwuchses.
Als im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie auch die USA trifft, zieht die Familie sich in ihr Haus auf Martha's Vineyard zurück und beobachtet wie jedes Jahr ein Adlerpärchen dabei, sein Nest ganz in der Nähe zu bauen. Zwar verunsichert durch die Nachrichten von der Pandemie, aber doch sich selbst in privater Sicherheit wähnend, schlägt es bei Belle wie eine Bombe ein, als ein unbekannter Mann sie anruft und behauptet, ihr Mann habe eine Affäre mit seiner Frau.
Als Belle James zur Rede stellt, leugnet er es nicht, gibt aber keine genaueren Hintergründe an. Erst meint er, es sei unbedeutend und er werde bei seiner Familie bleiben, doch kurz darauf entscheidet er sich für die definitive Trennung und zieht aus. An den Kindern zeigt er ab diesem Zeitpunkt noch weniger Interesse als bisher, interessiert sich kaum für deren Erziehung, will ihnen keinen Platz in seiner neuen Wohnung einräumen und sie maximal einmal wöchentlich kurz zum Abendessen treffen.
Außerdem stellt sich heraus, dass er finanziell nicht ganz so großzügig ist, wie von Belle erhofft, und aufgrund eines alten Ehevertrages darauf besteht, seine hohen Einkünfte und die daraus resultierenden hohen Ersparnisse alleine für sich reklamieren und außerdem die Hälfte an den Immobilien zu fordern, die mit dem Geld aus Belles Herkunftsfamilie angeschafft wurden, aber für die sie ihn großzügig mit eingetragen hat. Belle fühlt sich zutiefst verletzt und ungerecht behandelt und so beginnt ein zäher Scheidungskampf mit Klage und Gegenklage.
Bei diesem Buch handelt es sich, wie schon angedeutet, nicht um einen Roman, sondern um eine wahre Geschichte. Jedenfalls so weit, wie die Sichtweise einer Person auf einen Konflikt, der mindestens zwei Personen betrifft, die Wahrheit sein kann. Es ist also eine ursprünglich auf Tatsachen beruhende Perspektive einer Partei auf einen Scheidungskonflikt. Dabei verwendet die Autorin, wie sie in der Vorbemerkung angibt, ihren eigenen echten Namen und die Klarnamen ihrer Großeltern, Eltern, Stiefmutter, ihres Bruders und ihrer Schwägerin, während sie offenbar für ihren Ex-Mann und die Kinder Pseudonyme gewählt hat. Ob das diese bei dieser offenen Darstellung schützen kann oder jeder mit Interesse daran nach einer kurzen Internetrecherche auch diese identifizieren kann, sei dahingestellt.
Ursprünglich veröffentlichte die Autorin einen Zeitungsartikel über die Trennungsgeschichte, diesem stimmte ihr Ex-Mann nach eigenen Angaben im Buch zu. Ob er diesem Buch auch zugestimmt hat, wissen wir nicht. Nachdem sie ihre Geschichte aus ihrer Sicht erzählt hat, geht sie am Ende des Buches noch auf den Vorwurf ein, mit diesem öffentlichen Waschen von privater Schmutzwäsche nicht nur ihrem Ex-Mann, sondern auch ihren Kindern zu schaden und dass eine gute Mutter das nicht mache, und meint, ihren Kindern damit sogar etwas Gutes zu tun, indem sie die Generationen lange Kette öffentlichen Schweigens von Frauen angesichts des Betruges ihrer Männer unterbrochen habe und damit ihren Kindern ein Vorbild sei.
Literarisch handelt es sich aus meiner Sicht um kein Meisterwerk. Das Buch ist relativ simpel erzählt und es ist eindeutig die subjektive Sichtweise einer einzigen Person. Die Charaktere bleiben relativ blass, weder von James noch von den drei Kindern habe ich mir ein wirkliches differenziertes Charakterbild machen können, auch von den meisten anderen erwähnten Figuren nicht. Ich vermute, dass das daran liegt, dass es nicht die größte Stärke der Autorin zu sein scheint, andere wirklich wahrzunehmen, was sich auch daran zeigt, wie sehr sie sich in ihrem Partner getäuscht hat (den sie offenbar hauptsächlich nach Attributen wie groß, erfolgreich und Sicherheit versprechend ausgesucht hat).
Hinter der Geschichte liegt ein wirklich interessantes Thema, bei dem ich mir gewünscht hätte, dass es noch näher beleuchtet würde und das die Autorin nur an wenigen Stellen andeutet: während Belle selbst aus einer berühmten und reichen Familie kommt, was sicher auch Nachteile, aber im finanziellen Bereich viele Vorteile mit sich bringt, musste sich ihr Mann James fast alles selbst erarbeiten und hatte deshalb nie das Gefühl finanzieller Selbstverständlichkeit, das sie kannte. Das zeigt sich zum Beispiel an einer Szene am Anfang, als er kritisiert, dass sie Restaurantrechnungen begleicht, ohne Gesamtbetrag oder Details auch nur anzuschauen, oder auch später, als er versucht, sparsam zu sein und sie als verschwenderisch kritisiert.
Hätte die Autorin an diese Stelle und an weitere mögliche Konfliktlinien näher hingeschaut, hätte noch ein viel interessanteres Buch dazu entstehen können, wie Klassenunterschiede zweier Partner die Partnerschaft zu zerreißen drohen... oder auch, wie man als Paar konstruktiv damit umgehen kann (wenn sie das dann gelernt hätte). Interessiert hätte mich an vielen Punkten auch sehr die Sichtweise von James. Ist er wirklich einfach der treulose Ehemann, als der er im Buch wegkommt oder hat er sich schon lange in dieser Beziehung ungesehen und unverstanden gefühlt, vielleicht sogar immer wieder versucht, aktiv daran zu arbeiten? Wir wissen es nicht. Dargestellt wird er als treuloser, egoistischer Ehemann, der sich weigert, nähere Erklärungen abzugeben.
Belle erzählt jedenfalls ihre Befreiungsgeschichte, die nun damit enden soll, dass sie zwei Mal einen Kurs zum kreativen Schreiben besucht, dann den Artikel und nun das Buch veröffentlicht hat. Somit ist nun ihr Mädchentraum von der Karriere als Autorin in Erfüllung gegangen.
Was ich für mich aus dem Buch, neben einer durchaus unterhaltsamen Geschichte, mitnehme, weiß ich noch nicht... vielleicht ist es für mich hauptsächlich eine Geschichte über Privilegien, die blind machen, und über das, was man nicht sehen will? Als Vorbild für Selbstermächtigung kann ich Belle rein aufgrund dieses Buches nicht überzeugend finden.
In den USA war das Buch ein Bestseller und stand monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times. Dazu hat vielleicht neben der Bekanntheit der Familie der Autorin (auch über ihre Hochzeit wurde schon öffentlich in den Zeitungen berichtet) auch beigetragen, dass wahre Trennungsgeschichten interessant zu lesen sind. Ob man sich persönlich von dem Buch viel verspricht und mitnehmen kann, entscheide jeder selbst, von mir gibt es diesmal keine ausdrückliche Leseempfehlung.
PeLi
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Fremde
von Belle Burden
„Fremde“ von Belle Burden ist ein autobiografischer Roman, der mich beim Lesen immer wieder beschäftigt hat. Es ist eine sehr persönliche und schonungslose Geschichte über das Ende einer zwanzigjährigen Ehe, über Vertrauen, Enttäuschung und darüber, wie man sich ein gemeinsames Leben und einen Menschen vielleicht ganz anders vorgestellt hat, als er tatsächlich war.
Besonders der Umgang des Ehemannes mit der Trennung hat mich teilweise richtig wütend gemacht. Ich habe mich beim Lesen oft gefragt, wie er sich so verhalten und seine Familie nach so vielen gemeinsamen Jahren derart zurücklassen konnte. Gleichzeitig hat mich auch Belle selbst manchmal zur Verzweiflung gebracht. An einigen Stellen fand ich sie unglaublich leichtsinnig, beispielsweise im Umgang mit dem Ehevertrag oder mit ihrem geerbten Vermögen. Vertrauen ist sicherlich eine wichtige Grundlage einer Ehe, aber ein bisschen mehr Vorsicht hätte ihr meiner Meinung nach nicht geschadet. Vermutlich wird sie das im Nachhinein selbst anders sehen.
Was mich allerdings sehr beeindruckt hat, ist ihre Entwicklung. Aus der eher zurückhaltenden Frau, die sich ganz selbstverständlich in ihre Rolle als Ehefrau und Mutter eingefügt hat, wird nach und nach eine Frau, die ihr Leben wieder selbst in die Hand nimmt. Dabei beschönigt sie weder ihre eigenen Fehler noch ihre Gefühle, und gerade diese schonungslose Ehrlichkeit macht das Buch für mich so authentisch.
„Fremde“ ist kein leichtes oder fröhliches Buch. Die Geschichte ist stellenweise bedrückend und hat mich emotional durchaus mitgenommen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb – hat sie mir sehr gut gefallen. Ich fand es spannend und berührend zu verfolgen, wie Belle Burden versucht, nach einer völligen Erschütterung ihres bisherigen Lebens wieder zu sich selbst zu finden.
Ein nachdenklich stimmendes, ehrliches und sehr persönliches Buch über Vertrauen, Enttäuschung und die Kraft, die man manchmal erst dann entdeckt, wenn das eigene Leben plötzlich aus den Fugen gerät.
Bücherfreundin
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Fremde
von Belle Burden
In ihrem Debüt "Fremde" erzählt die amerikanische Autorin Belle Burden die Geschichte ihrer Ehe. Das Buch ist im Januar 2026 in den USA erschienen und stand dort monatelang auf der Bestsellerliste der "New York Times".
Die Ich-Erzählerin Belle und ihr Ehemann James beschließen im März 2020, wegen der Pandemie vorübergehend von ihrem Wohnsitz in New York in ihr Ferienhaus auf Martha's Vineyard zu ziehen. Von dort aus werden sie im Homeoffice arbeiten, Belle als Anwältin, James als Hedgefondsmanager. Die beiden gemeinsamen Töchter Carrie und Evie begleiten sie, ihr Sohn Finn bleibt mit seinem Freund und dessen Eltern auf Long Island. Die Familie verbringt harmonische Tage, es wird gemeinsam gegessen, man geht spazieren, nachmittags brennt ein Feuer im Kamin. Wenige Tage nach ihrer Ankunft erhält Belle einen Anruf von einem Fremden, der ihr mitteilt, dass ihr Mann eine Affäre mit seiner Frau habe. Damit konfrontiert, beteuert James, dass er Belle liebe und die Affäre vorbei sei. Am nächsten Morgen eröffnet er seiner Frau, dass er beschlossen habe, sich scheiden zu lassen. Wenig später verlässt er das Haus. Für Belle bricht eine Welt zusammen ...
Belle Burden verarbeitet in ihrem Buch das Ende ihrer Ehe, die 1999 geschlossen wurde, für die Ewigkeit, so schien es damals. Sie passten perfekt zusammen, die drei Wunschkinder werden geboren, und Belle gibt ihren Beruf auf, um sich der Familie zu widmen. Sie ist glücklich als Vollzeitmutter, engagiert sich ehrenamtlich gegen häusliche Gewalt und vertritt jugendliche Einwanderer. James macht Karriere, bald steht für ihn die Arbeit an erster Stelle. Er hat immer weniger Zeit für seine Familie und kommt erst am späten Abend nach Hause.
Offen und ehrlich beschreibt die Autorin nicht nur die Jahre mit James, sie lässt neben ihrer eigenen Vergangenheit auch die ihrer Eltern in das Buch einfließen. Sie stammt aus einer wohlhabenden New Yorker Familie, ist die Tochter eines Politikers und einer Stadtplanerin. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag steht sie vor den Trümmern ihrer Ehe. Ein schmerzhafter Prozess der Loslösung von dem Mann, den sie zu kennen glaubte, beginnt. Während James' Familie sich von Belle lossagt und den Kontakt zu ihr abbricht, stehen ihre Freundinnen, ihre Mutter und die Stiefmutter fest an ihrer Seite. Anfangs am Boden zerstört, sich ständig nach dem Warum fragend und ohne jegliches Selbstwertgefühl, gelingt es der schüchternen Belle nach und nach, sich mutig der neuen Situation zu stellen. Sie kämpft für ihre Rechte und gewinnt ihre Identität und ihr Leben zurück.
Ich habe das fesselnde Buch sehr gern gelesen, es ging mir unter die Haut und hat mich zutiefst berührt. Belles Verzweiflung, ihren Schmerz und ihre Trauer konnte ich gut nachempfinden. Ich habe ihr gewünscht, dass sie es bald schafft, sich innerlich von dem Menschen zu lösen, der sie nach 20 scheinbar glücklichen Ehejahren völlig emotionslos verlassen hat.
Es hat mich erschüttert, dass James auf das Sorgerecht für die Kinder verzichtete und den Kontakt zu ihnen auf ein Minimum reduzierte. Ein Treffen pro Woche reichte ihm. Nie durften sie bei ihm übernachten, nie machte er Urlaub mit ihnen.
Verwundert hat mich Belles Naivität im Zusammenhang mit dem auf James' Wunsch hin geänderten Ehevertrag. Sie übersah erste Warnsignale und überließ ihrem Mann sämtliche finanziellen Angelegenheiten.
Gut gefallen hat mir, dass die Autorin ihre Geschichte mit viel Empathie, dabei aber auch vollkommen sachlich und ohne Schuldzuweisung erzählt.
Absolute Leseempfehlung für dieses großartige und mutige Buch, das in Kürze mit Gwyneth Paltrow als Produzentin und Hauptdarstellerin verfilmt wird.
marcialoup
empfiehlt:





Fremde
von Belle Burden
Ein erschütternder, ehrlicher Bericht über eine Ehe, Belle's Ehe mit James, die von einer auf die andere Stunde endet. Ohne Vorhersehbarkeit. Im kuscheligen Home-Dress sitzt Belle eben noch gemütlich auf dem Sofa und ist nun eine geschiedene Frau! Aus dem beschützenden Kokon einer Familie hinausgeworfen in eine kalte einsame Welt, in der der Partner, der eben noch nah war, fremder ist, als eine unbekannte Person. Vor der plötzlich geöffneten Tür klafft ein Abgrund ohne sicheren Boden.
Mitten im Corona-Lockdown und dem familieneigenen Alltag kommt wie aus dem Nichts ein Anruf, der wie ein Tornado Belle's Leben durchfegt und Unfassbares zu Tage befördert, das das Gehirn gar nicht klar aufnehmen kann...
Das stabile Fundament zerfällt in Schockmomente. Eben noch ein Paar, Familie mit drei Kindern, nun allein mit allen Sorgen, allen Pflichten, allem anderen... und... endlosem Schmerz, der über allem steht. Der unfassbar grausame Schmerz, der horizontal, vertikal und mitten durchs Herz schießt, der jede Faser im Körper lähmt, der Tränen losschickt, die gequält und ohne Ende laufen und doch keinen Trost geben, dieser Schmerz beherrscht den Alltag, der mit klaffenden Wunden durch die Stunden pocht.
Eindringlich beschreibt Belle ihre Situation, die den Leser so nah erreicht, als erlebe man es selbst.
Vorsicht, es tut weh!
Und dann kommt die Erinnerung, die mit der Suche nach Schuld und Wahrheit beginnt.
Warum?
Warum musste das geschehen?
Erinnerungen ans eigene Leben... Analysen über sich selbst, über ihre beiden Familien, James!
Was ist mit James?
Warum ist er gegangen und plötzlich so unnahbar, so kalt, absolut fremd. Wo gibt es Parallelen in seinem Leben, seiner Familie?
Zerwürfnisse hat jeder zu bekunden.
Sollten das schon die Puzzleteile gewesen sein, die unweigerlich zu dieser Trennung führten? Schicksal im Buch der Ahnen? Kleine Details, die man zu Beginn der Verliebtheit übersehen hat?
Belle hat ein Netzwerk um sich, das sie zunächst auffängt, ihr eine Ahnung von neuem Halt gibt, ohne den sie total untergehen würde.
Ihre Kinder, auch sie möchten betreut sein und wieder behütet, auch wenn ein Elternteil fehlt, auch ihre Ängste und Gefühle müssen gehört werden. Aber wie, wenn einem für sich selbst die Kraft fehlt?
Belle erzählt mit bewundernder Offenheit die traumatischen Erlebnisse ihres Wegs aus der Krise mit Rückblicken und Blick nach vorn.
Dabei findet sie Zusammenhänge aus familiären Mustern in der Vergangenheit.
Tragen wir also alle ein Stück unserer Herkunftsfamilie in uns, auf das wir keinen Einfluss haben, weil durch Prägung und Vorleben Muster entstanden sind nach denen wir unbewusst handeln?!
Überraschend wie blind Belle sich zu Beginn der Beziehung auf James eingelassen hat mit all ihrem Hab und Gut, das nicht wenig war, um einem beinahe mittellosen James aus ihrem Treuhandfond ein schönes Leben einzurichten und dabei ihren eigenen beruflichen hochdotierten Werdegang zu cutten und auf Familie zu setzen. Belle ist mein Jahrgang... Doch in ihrer Geschichte steckt noch der angestaubte Hauch der Siebziger, in der Frauen sich angepasst haben, während James sein Patriarchat noch leben konnte...
Die Geschichte verwandelt sich von schmerzhaften, dramatischen Anfangsszenen in eine Familienaufarbeitung.
