Kundenrezensionen von marcialoup





Ms Atkins und die Bibliothek der Träume
von Vanessa Göcking
Ms. Atkins und die Bibliothek der Träume erscheint schon äußerlich beeindruckend auch durch ein etwas anderes Format. Harmonisch abgestimmt mit farblich passendem Seitensaum und einer besonderen Bibliothek als Cover überrascht der Bucheinband unter dem Schutzumschlag noch mit dem mysteriösen Fahrstuhl und seinen 333 Knöpfen. Die Idee ist einfach bezaubernd!
In ruhiger, einladender Sprache erzeugt die Autorin Vanessa Göcking von Anfang an wunderbar ausgereifte Szenen, so dass man das Gefühl hat, man ist mit der Protagonistin Amanda Atkins in der Bibliothek, in dem besonderen Lesezimmer. Die Einrichtung ist so authentisch beschrieben, dass man die Biblbiotheksregale neben sich spürt, den Geruch der Bücher, den Bodenbelag unter den Füßen und selbst in den bequemen Sesseln versinkt.
Dieser Roman weiß zu verzaubern und streift mit den Lesern durch die magische Welt der Bücher.
Zu Beginn fiel mir auf, dass für Amanda Bücher eine Flucht aus der Welt "da draußen" sind, was mehrmals erwähnt wurde. Und ja, das sind sie. Die Welt "da draußen" ist machmal nicht einfach und Bücher machen vieles wieder gut! Auf geschickte Weise wird diese Verknüpfung der Außenwelt, die Schicksale und schmerzhafte Erfahrungen aufweist, mit den noch unbeschriebenen Seiten der Bücher in den Regalen des magischen Lesezimmers verflochten. So setzt sich Amanda automatisch mit der eigenen Vergangenheit auseinander, die sie in ihrem sonst so durchstrukturierten, nahezu festgefahrenen Lebensabläufen vergessen wollte.
Die Geschichte geht zu Herzen und ist einfach wunderbar erzählt.





Die Bernsteinfischerin
von Lisa Quentin
Mit einem atmosphärisch und farblich wunderschönem und idyllischem Cover werden wir durch den Roman um die Geschichte der Bernsteinfischerin begleitet, deren beiden Protagonistinnen sehr sympathisch sind.
Ebba, ein wahrer Wildfang in den 1940ern, findet als Kind einen besonderen Bernstein mit einem spektakulären Tier als Einschluss, als sie mit ihrem Vater unterwegs am Meer ist. Obwohl sie weiß, dass ihr Vater alle Funde abgeben muss, behält Ebba heimlich diesen Bernstein!
In heutiger Zeit lernen wir Julika kennen. Sie ist Bernsteinforscherin, ein Beruf der sie aus ihrem Alltag entreißt, denn dieser ist behaftet mit vielen Aufgaben und Pflichten, die sie eigentlich gar nicht möchte, sowie negativen Erlebnissen, denen Julika nur schwer entkommen kann: ihre Schwester ist bei einem Unfall ums Leben gekommen und seitdem ist ihre Mutter depressiv und pflegebedürftig. Diese Pflege teilen sich Julika und ihr Vater und die Stimmung Zuhause ist immer am Kipppunkt. Einzig ihre Arbeit im Labor mit den Bernsteinen und deren Inklusen geben Julika Halt und Sinn.
Bis sie den Bernstein von Ebba auf dem Labortisch liegen hat und eine außergewöhnliche, absolute Sensation vermutet. Sie muss unbedingt Ebba finden, was sich nicht als einfach herausstellt, denn wenn Ebba noch lebt ist sie um die 90 Jahre alt.
Die Kapitel sind unterteilt in Ebba ab 1940er Jahre und Folgejahre und in Julika in der heutigen Zeit.
Die Charaktere sind sympathisch und lebendig gezeichnet. Beide Frauen sind Kämpferinnen in ihrer Zeit, auch wenn sie innerlich mit zerbrechlichen Störungen belastet sind, geben sie doch nicht auf und gehen ihre Wege.
Es zeigt, dass auch heute die Selbstbestimmung der Frauen nicht ohne weiteres sondern vielleicht einfach nur anders schwierig ist.
Die Sprache der Autorin ist mitreißend, farbenfroh und lebendig, stellenweise spannend, aber auch sehr feinfühlig. Die Szenarien sind naturgetreu und detailliert beschrieben, sodass man tief eintauchen kann!
Man hat eine schöne Lesezeit und verbringt diese gedanklich an der Küstenregion um Lübeck, dem Brodtener Steilufer und anderen nahe gelegenen Orten, wo Ebba's Geschichte spielt, denn diese Orte und das Meer sind perfekt wiedergegeben in diesem Roman.
Von der Autorin werde ich gern auch weitere Bücher lesen!





Bring alle Katzen ins Bett!
von Naomi Tipping
Ein niedlich illustriertes Büchlein, das interaktiv Tasten und Greifen lernt und dabei in einer Abendroutine die eigene Schlafenszeit einleitet.
Fünf Kätzchen stecken in einem Pappeinschub. Sie sind unterschiedlich und farbenfroh gestylt, sodaß es ein buntes Bilderbuch ergibt.
Die Kätzchen schauen noch verspielt auf der einen Seite, doch dreht man sie um, haben sie einen Schlafanzug an und die Augen schon geschlossen. Man steckt sie zurück in den Pappeinschub, sodaß sie schlafen können.
Dazu gibt es eine sehr kurze kleine Geschichte zu der jeweiligen Katze, die gerade gegessen oder gespielt hat. Doch nun ist der Tag vorbei und wir sagen Gute Nacht zu den fünf Kätzchen und bringen sie ins Bett.
(eine schöne Abendroutine, die vielleicht das eigene Zubett-Gehen leichter macht)!
Und theoretisch müsste man morgens nach dem Aufwachen auch die Katzen wieder umdrehen, damit sie mit den Kindern in den Tag starten.
Das Buch selbst ist kompakt gestaltet. Die Katzen sind sehr stabil, der Pappeinschub, der gleichzeitig die Decke der Kätzchen ist, ist zunächst auch stabil, aber ich bin nicht sicher, ob er allzu lange hält, da die Katzen ja regelmäßig rein und rausgeholt werden.
Ich bin noch nicht sicher, ob man nicht zu schnell das Interesse an diesem spielerischen Buch verliert...
Für 2-jährige sicher ok, ab 3 Jahren wird es wohl schon eher langweilig.





Die Longevity-Strategie für Frauen
von Viyan Dr. med. Sido
Dr. Viyan Sido heißt uns in ihrem Vorwort herzlich willkommen in der Welt des Longevity, also wie man länger gesund lebt.
Mit einfachen Schritten und einer großen Portion Motivation begleitet die Ärztin uns gut durch aufeinander aufbauende Kapitel.
Und dies auch in speziellem Bezug auf Frauen, denn Männer- & Frauenkörper arbeiten und reagieren unterschiedlich, was in der Medizin gern über einen Kamm geschoren wird.
Zunächst wird der Blick auf die politischen Voraussetzungen eines Landes geleitet und der Schalter scheint in Deutschland nicht auf Prävention zu stehen.
Hier wird eher Krankheit behandelt als vermieden obwohl Krankheit ein hoher Kostenfaktor ist, an der eine gewisse Lobby aber auch gut verdient...
Egal. Frau kann das auch selbst umsetzen, braucht halt nur Motivation und Durchhaltevermögen.
Und hier ist der Wegbegleiter!
Spannende Einblicke in die Blue Zones werden gegeben, die schon kleine Aha-Momente verursachen und die Motivation hochschrauben.
Wissenschaftlich erforschte Fakten untermauern den veränderten Blick auf den Alltag, der in einigen Dingen ausreicht, um mehr Gesundheit zu erreichen.
Die Ärztin und Autorin beschreibt aus eigener Erfahrung ihres Berufslebens und wissenschaftlichen Erkenntnissen gut verständliche, sehr interessante Zusammenhänge. Gerade auch die hormonelle Ebene spielt eine große Rolle im Leben der Frau. Und Hormone verändern sich in den Lebensphasen und Zyklen der Frau immer wieder. Dieses Thema ist faszinierend erklärt in Bezug auf Longevity.
Wie arbeitet das Gesamtsystem Leben in uns, wie harmonieren Zeitpunkte, Umwelteinflüsse, Hormone den Stoffwechsel und wie einfach ist es letztendlich, Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress selbst zu beeinflussen.
Hilfreiche Übersichten einzelner Nährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll erklärt,
Blut- und andere Werte aufschlussreich vermittelt.
Allerdings wird es nicht leicht, vom Arzt einfach mal so HOMA-Werte zu bekommen. Selbst erlebt, wurde ich von einem Diabetologen verabschiedet mit den Worten, dass er ohne eine Diabetes-Diagnose nichts für mich tun kann, als ich um regelmäßige HOMA-Kontrollwerte bat...
Kleine Änderungen im Alltag helfen schon in der Umsetzung und dazu findet man am Ende des Buches einige Strategien, die es lohnt sie auszuprobieren und für sich herauszufinden, welche einem gut tun.
Longevity ist in vieler Munde, doch letztendlich bedeutet dies einfach nur: gesund leben, und wir wissen alle, selbst instinktiv, was das bedeutet.
Man kann in jedem Alter damit anfangen... los geht's!





Fremde
von Belle Burden
Ein erschütternder, ehrlicher Bericht über eine Ehe, Belle's Ehe mit James, die von einer auf die andere Stunde endet. Ohne Vorhersehbarkeit. Im kuscheligen Home-Dress sitzt Belle eben noch gemütlich auf dem Sofa und ist nun eine geschiedene Frau! Aus dem beschützenden Kokon einer Familie hinausgeworfen in eine kalte einsame Welt, in der der Partner, der eben noch nah war, fremder ist, als eine unbekannte Person. Vor der plötzlich geöffneten Tür klafft ein Abgrund ohne sicheren Boden.
Mitten im Corona-Lockdown und dem familieneigenen Alltag kommt wie aus dem Nichts ein Anruf, der wie ein Tornado Belle's Leben durchfegt und Unfassbares zu Tage befördert, das das Gehirn gar nicht klar aufnehmen kann...
Das stabile Fundament zerfällt in Schockmomente. Eben noch ein Paar, Familie mit drei Kindern, nun allein mit allen Sorgen, allen Pflichten, allem anderen... und... endlosem Schmerz, der über allem steht. Der unfassbar grausame Schmerz, der horizontal, vertikal und mitten durchs Herz schießt, der jede Faser im Körper lähmt, der Tränen losschickt, die gequält und ohne Ende laufen und doch keinen Trost geben, dieser Schmerz beherrscht den Alltag, der mit klaffenden Wunden durch die Stunden pocht.
Eindringlich beschreibt Belle ihre Situation, die den Leser so nah erreicht, als erlebe man es selbst.
Vorsicht, es tut weh!
Und dann kommt die Erinnerung, die mit der Suche nach Schuld und Wahrheit beginnt.
Warum?
Warum musste das geschehen?
Erinnerungen ans eigene Leben... Analysen über sich selbst, über ihre beiden Familien, James!
Was ist mit James?
Warum ist er gegangen und plötzlich so unnahbar, so kalt, absolut fremd. Wo gibt es Parallelen in seinem Leben, seiner Familie?
Zerwürfnisse hat jeder zu bekunden.
Sollten das schon die Puzzleteile gewesen sein, die unweigerlich zu dieser Trennung führten? Schicksal im Buch der Ahnen? Kleine Details, die man zu Beginn der Verliebtheit übersehen hat?
Belle hat ein Netzwerk um sich, das sie zunächst auffängt, ihr eine Ahnung von neuem Halt gibt, ohne den sie total untergehen würde.
Ihre Kinder, auch sie möchten betreut sein und wieder behütet, auch wenn ein Elternteil fehlt, auch ihre Ängste und Gefühle müssen gehört werden. Aber wie, wenn einem für sich selbst die Kraft fehlt?
Belle erzählt mit bewundernder Offenheit die traumatischen Erlebnisse ihres Wegs aus der Krise mit Rückblicken und Blick nach vorn.
Dabei findet sie Zusammenhänge aus familiären Mustern in der Vergangenheit.
Tragen wir also alle ein Stück unserer Herkunftsfamilie in uns, auf das wir keinen Einfluss haben, weil durch Prägung und Vorleben Muster entstanden sind nach denen wir unbewusst handeln?!
Überraschend wie blind Belle sich zu Beginn der Beziehung auf James eingelassen hat mit all ihrem Hab und Gut, das nicht wenig war, um einem beinahe mittellosen James aus ihrem Treuhandfond ein schönes Leben einzurichten und dabei ihren eigenen beruflichen hochdotierten Werdegang zu cutten und auf Familie zu setzen. Belle ist mein Jahrgang... Doch in ihrer Geschichte steckt noch der angestaubte Hauch der Siebziger, in der Frauen sich angepasst haben, während James sein Patriarchat noch leben konnte...
Die Geschichte verwandelt sich von schmerzhaften, dramatischen Anfangsszenen in eine Familienaufarbeitung.





Tage am Fluss
von Jochen Mariss
Man nehme ein altes Haus im Nirgendwo, mit viel Natur, und stecke dort interessante Protagonisten hinein, die immer wieder am Haus renovieren, während nebenbei eine Geschichte läuft.
Davon gibt es zahlreiche Bücher, die angenehm entschleunigen und schön zu lesen sind, man muss die Perlen herauspicken.
In dieser Geschichte ist neben dem Haus und der traumatischen Vergangenheit der Protagonistin auch Umweltschutz thematisiert.
Sara ist Fährfrau im Dorf Erlengrund. Sie lebt auf dem Hof, den ihre Eltern ihr hinterlassen haben. So langsam ist alles in die Jahre gekommen und Sara hat viele Baustellen. Nicht nur am Haus, auch um ihre Fähre muss sie bangen, weil der Bürgermeister eine Brücke durch ihr Grundstück bauen möchte. Und auch die Brücke zu ihrem Herzen ist in vielerlei Hinsicht unpassierbar. Aufarbeitungen der Vergangenheit sind bitter nötig und werden ihr mit Leon serviert, der eines Tages, äußerlich völlig zerstört, auf ihre Fähre kommt und sofort, wie auf der Flucht, auf die andere Seite möchte.
Sara verarztet Leon, der sie stark an ihren Bruder Jan erinnert. Und damit sind viele Steine ins Rollen gebracht worden...
Sara muss dringend ihre "Seele lüften" wie sie so schön sagt!
Ein schönes Sommerbuch... nicht mehr, nicht weniger!





Play+ Mein allererstes Soundbuch Tiere im Wald - ab 12 Monate
von Maria Höck
Dieses Buch hat Sound in sich! Fünf der abgebildeten Waldtiere haben jeweils einen kleinen Knopf am Bauch, über den man hören kann, welche Geräusche diese Tiere machen.
Es ist leicht zu bedienen und gibt realistische Tierstimmen von sich. Zudem sind die Tiere in ihrer natürlichen Waldumgebung zu sehen, zusammen mit weiteren Tieren, die wiederum am Seitenrand in kleinen Sätzen beschrieben werden. Die an der Seite abgebildeten Tiere kann man zusätzlich im Wald-Bild suchen. Es gibt also viel zu entdecken, was auf spielerische Weise immer willkommen ist.
Froschquaken und Eulenrufe lassen Lebendigkeit in dem Buch entstehen. Wie ein Fuchs sich anhört, wußte ich selbst als Erwachsene nicht.
Die Tiere selbst sind allerliebst gezeichnet und erscheinen niedlich und sympathisch.
Sehr praktisch auch, dass die Batterie durch Ein- und Ausschalten geschont werden kann und das Fach mit einer Schraube sicher verschlossen ist.
Geeignet für das Alter ab 12 Monaten stimme ich voll zu.





Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 36 - Sehen, riechen, hören
von Constanza Droop
Ich bin begeistert was für ein umfangreiches Buch "Sehen, riechen, hören" ist!
Viele bunte Seiten mit unterschiedlichen Situationen und kurzen Geschichten lassen allein schon einiges entdecken: in der Natur, Zuhause, tagsüber und nachts, Geräusche, Gerüche, Geschmack, usw.
Aufgewertet ist das Buch durch wirklich viele und schön stabile Klapp-Türchen, hinter denen sich weitere Bilder befinden, die alle Sinne bespielen und Kinderaugen staunen lassen.
Man lernt z.B., wie unterschiedlich laut und leise Töne sein können, wie Käse oder Erdbeeren riechen oder schmecken und vieles mehr.
Zum Be-greifen lassen sich auf der Seite mit den Bauklötzen verschiedene Formen ertasten.
Wieder ein sehr hochwertiges Buch der Reihe Wieso-Weshalb-Warum, das unsere Nichte zum zweiten Geburtstag in die Welt ihrer Sinne versetzt und sicher fröhliche Spielstunden bereitet!
Für Zweijährige eine tolle Herausforderung, für ältere Kinder nette Spielerei.





The Artist
von Lucy Steeds
Joseph, der als Journalist zu dem berühmten Maler Edouard Tartuffe in die Provence reist, um über ihn einen exklusiven Artikel schreiben zu wollen, und der die einmalige Gelegenheit hatte, von Tartuffe eingeladen zu werden, wenn auch nur mit einem Wort... wird im Hause Tartuffe vor Rätsel und Verschlossenheit gestellt.
Neben Tartuffe, der sich selbst Tata nennt, lebt dort noch seine Nichte Ettie, die still und unbemerkt wie ein Geist immer dort zur Stelle ist, wo sie gebraucht wird und sich um alle Belange Tartuffes kümmert noch ehe er sie selbst weiß...
Die Autorin Lucy Steeds räumt diesen beiden Charakteren den Raum in wechselnden eigenen Kapiteln ein, die sie ausmachen: Joseph, der sich mit dem wortkargen, in sich gekehrten, spartanisch lebenden und zu, teils brutalen, Wutausbrüchen neigenden Tata auseinandersetzen muss, bekommt lange Kapitel, in denen man auch Tartuffe versucht kennenzulernen... Und Ettie, ihrem "Geist" entsprechend kurze Kapitel, die zunächst still und leise erscheinen sich aber nach und nach entfalten. Ettie umgibt eine rätselhafte Aura, die es Joseph angetan hat.
Der Titel -The Artist, die Farben des Lichts- erzeugt in seinem Cover genau das! Nämlich Licht durch ein intensiv leuchtendes Farbspiel. Ich musste das Cover immer wieder anschauen und genoss während des Lesens die ausdrucksstarke Farbgebung. So wie die Farben ist auch die Beschreibung einzelner Szenen bildhaft und so lebendig geschrieben, dass man den Duft der Orange in Josephs Hand riecht, die wärmende Sonne durch das lichtdurchflutete Atelier des Künstlers spürt, die Leuchtkraft der Farben auf der Palette sieht, also alle Sinne angesprochen werden.
Tartuffe erklärt sich durch Ettie und Joseph. Die zunächst seltsame Konstellation entwickelt sich zu Beziehungen untereinander die durch das Zusammenleben entstehen, aber immer noch eine klare Rangfolge zeigen.
Veränderungen beginnen mit einigen Besuchern, die die zurückgezogene Lebensart mit einem anderen Tenor betupfen.
Ettie's Geheimnis und die spätere Befreiung sind ein fulminanter Schlag!
Der Roman hat etwas Ver- und Zerstörendes, etwas Abartiges und etwas Verführerisches.
Die Entwicklungen sind bunt mit krassen Sprenkeln...
Die Leser geraten in einen Sog, immer wieder in die Geschichte einkehren zu wollen, mit dem Gefühl, das Atelier zu betreten, den Hauch Terpentin und Farbe in der Luft wahrzunehmen und die flirrende Hitze der sommerlichen Provence zu spüren.
Alles in allem: gut gemacht!





Solange ein Streichholz brennt
von Christian Huber
Das Buch packt einen von der Story-Idee her. Und so richtig packt es einen dann nochmal, wenn der Obdachlose Bohm um das Leben seines Hundes Fox um Leben und Tod kämpft, der unglücklicherweise bei einer Schlägerei mit dem Messer lebensgefährlich verletzt wurde.
Um ihn zu retten springt Bohm über alle Schatten und ruft die Journalistin Alina an um einzuwilligen, die Reportage im Fernsehen doch mit ihr zu machen: eine Woche Begleitung im Leben eines Obdachlosen. Für Fox's Rettung...
Alina hatte wenige Tage zuvor Bohm auf der Straße getroffen und ihn um eine Reportage über sein Leben gebeten. Für Alina war dieser Auftrag ihres neuen Vorgesetzten Jakob beim Fernsehen die Rettung in ihrer schlecht laufenden Karriere.
Zunächst hatte Bohm abgesagt, aber dann passierte das Unglück mit Fox. Alina organisiere, dass das Fernsehen die OP Kosten für Fox übernimmt.
Wechselnde Kapitel zwischen Alina und Bohm zeigen deren Leben, ihre Gedanken, Gefühle und gemeinsamen Tage auf. Absolut herzzerreißend sind die Szenen nach Fox's Unglück, das gleichzeitig Bohm als gefühlvollen, besorgten Menschen zeichnet. Er würde alles für Fox tun!
Alina dagegen erscheint etwas farblos, verliert ihr Herz während der Woche mit Bohm, aber auch Jakob, ihr Vorgesetzter, streift ihr Herz... bis sie Jakob noch ganz anders kennenlernt...
Alina ist erpicht auf ihre Reportage, genug Material über Bohm zu sammeln, sie recherchiert über Bohm und stellt die Arbeit während ihrer gemeinsamen Zeit in den Vordergrund obwohl in ihr schon etwas anderes abläuft...
Am Anfang ist für mich Fox der Hauptprotagonist dieses Romans, man schließt ihn ins Herz und leidet mit ihm!
Und auch Bohm kommt sympathisch rüber.
Allerdings gibt es einige Wendungen, die überraschend den Verlauf bestimmen.
Es ist eine große Story, die durch viele Fäden versponnen wird.
Phasenweise zu Tränen rührend.
Am Ende des Romans blickte ich anders darauf als zu Beginn. Final passiert noch viel, was die Geschichte sehr rund macht.
Thematisiert ist dabei gar nicht nur Obdachlosigkeit sondern auch Alkohol, im Stillen gepaart mit Depressionen oder Unverarbeitetem und was es aus einem machen kann!
Es ist ein wirklich gutes Buch!









