Kundenrezensionen
Eternal-Hope
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
Alma ist zu Zeiten des ehemaligen Jugoslawiens mit ihrer italienischen Mutter und dem jugoslawisch-stämmigen Vater in Triest aufgewachsen, zwar noch in Italien, aber unweit der jugoslawischen Grenze.
Immer wieder ist ihr Vater nach Jugoslawien gereist und hat dort alle möglichen mysteriösen Geschäfte erledigt, sogar den legendären Marschall Tito getroffen, und immer lag über all dem ein Schleier der Vorsicht, denn man wusste auch, dass das kommunistische Land zwar etwas offener gegenüber dem Westen war als die Länder unter stärkerem russischen Einfluss, aber dennoch seine Kritiker und Gegner erbarmungslos verfolgte.
Dann gibt es auch noch die italienischen Großeltern mütterlicherseits, sehr wohlhabend und auf Etikette bedacht, die nicht sehr erfreut über die Verbindung ihrer Tochter mit dem "Slawen", dem "s'chiavo", sind und einen wenig differenzierten Blick auf alles jenseits der Grenze haben, etwa nicht einmal wissen wollen, dass dort nicht nur eine einheitliche Sprache gesprochen wird und einen serbokroatisch sprechenden Jungen aus Belgrad, der kurzfristig bei der Familie untergebracht ist, in eine Schule für die slowenische Minderheit schicken.
Das Buch ist aus der Perspektive einer erwachsenen, reifen Alma erzählt, die wieder nach Triest reist, Orte ihrer Kindheit besucht und in Erinnerungen schwelgt. Dabei zeigt sich ein interessantes Bild einer Grenzregion, die so klar multikulturell geprägt ist und historisch vielen unterschiedlichen Einflüssen ausgesetzt war.
Auch über das ehemalige Jugoslawien unter Tito lässt sich so einiges lernen, wobei sich das Buch leichter liest, wenn man, wie die Verfasserin dieser Rezension, über zumindest ein grundlegendes Vorwissen über diese Region und ihre Geschichte verfügt, da so einige historische Zusammenhänge angedeutet werden (z.B. wird Tito oft nur "der Marschall" genannt), ohne in aller Ausführlichkeit von Grund auf erklärt zu werden.
Was die Figuren und Erzählstruktur angeht, so war es für mich ein Buch, das Zeit und Geduld braucht. Es ist eher ein mäanderndes Hin und Her zwischen verschiedenen Erinnerungen als ein wirklich spannend erzählter kontinuierlicher Spannungsbogen. Dabei ist eine innere Distanzierung spürbar, die durchaus zum Thema passt und in sich stimmig ist, aber die Identifikation mit den Figuren nicht unbedingt erleichtert.
Es ist damit also kein Buch, das einen hineinzieht und fesselt, sondern eher eines, für das man sich bewusst Zeit nehmen muss, um sich zu entscheiden, weiterzulesen. Das heißt aber nicht, dass die Lektüre sich nicht lohnen würde: gerade in den scheinbar unzusammenhängenden Details und den vielen kleinen Erinnerungen und Szenen setzt sich insgesamt ein Horizont erweiterndes Bild einer sehr interessanten Grenzregion zusammen. Insofern hat die Lektüre meinen Blick auf Triest definitiv erweitert.
melanie82
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
Alma von Federica Manzon ist ein literarisch anspruchsvoller Roman, der viel Aufmerksamkeit und Geduld verlangt. Die Autorin verwebt eine dichte Erzählweise mit zahlreichen historischen Details, die dem Buch zwar Tiefe verleihen, es aber gleichzeitig nicht gerade zu einer leichten Lektüre machen.
Beim Lesen wird schnell deutlich, dass hier weniger eine klassische, leicht zugängliche Geschichte erzählt wird, sondern vielmehr ein vielschichtiges Bild entsteht, das man sich Stück für Stück erschließen muss. Gerade die Vielzahl an Hintergründen und Bezügen kann stellenweise fordernd sein.
Der oft gezogene Vergleich mit Meine geniale Freundin von Elena Ferrante erscheint mir dabei etwas weit hergeholt. Während Ferrantes Werk stark von lebendigen Figuren und emotionaler Nähe lebt, bleiben die Charaktere in Alma eher auf Distanz. Sie wirken schwer greifbar und entwickeln für mich nicht die gleiche Tiefe oder Bindung.
Ein literarisch dichter Roman, der auch als historisches Zeugnis dient, auf den man sich aber einlassen muss.
liesmal
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Alma
von Federica Manzon
Die Geschichte führt aus der Gegenwart in die Siebzigerjahre in Triest. Dort ist Alma aufgewachsen. Ihre Großeltern mütterlicherseits gehörten zum Geschlecht der Habsburger. So wundert es nicht, dass sie gegen die Verbindung ihrer Tochter waren - mit einem „Grenzgänger aus dem Osten, der immer wieder nach Jugoslawien verschwindet“. Inzwischen ist Alma über fünfzig und kehrt nach vielen Jahren und dem Tod ihres Vaters noch einmal in ihre Heimat zurück.
Ich habe weder genau gewusst, wie weit im Osten Italiens Triest zu finden ist, noch habe ich bisher etwas darüber gelesen, wie die damaligen Ereignisse zur Veränderung im ehemaligen Jugoslawien geführt haben.
Mit dem Buch sehe ich mich vor großen Herausforderungen. Das hat nicht nur mit der Historie zu tun, sondern mit dem nicht einfachen Schreibstil. Ohne irgendwelche Anzeichen wechselt das Geschehen häufig von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Dazu kommt, dass Orte nicht namentlich, sondern eher nach ihrer Lage benannt werden.
In meine Überlegungen, ob mir das Buch mit der eigentümlichen Schreibweise gefällt oder nicht, wandern meine Gedanken zu Alma, zu der ich keine besondere Bindung knüpfen konnte, die sich aber wahrscheinlich genauso verloren und hilflos fühlt wie ich.
Wie muss es ihr ergangen sein? Ihre Großeltern durfte sie zwar besuchen, sie waren lieb zu ihr, wollten aber von ihrem Vater nichts wissen. Ihr Vater mochte sie, hat sich mit ihr beschäftigt – wenn er da war. Warum er nie etwas über sich oder über seine Arbeit erzählte, aber immer wieder so plötzlich verschwand, wie er wiederkam, das blieb sein Geheimnis und war für Alma nur schwer zu verstehen.
Trotz der Schwere und dem wenigen Wissen über die politischen Hintergründe hat mir Almas Geschichte gefallen, weil ich dabei lernen konnte. Dafür habe ich zwar zusätzlich meinen Atlas gebraucht, um die Schauplätze von damals im Vergleich zu heute besser kennenzulernen, aber es hat sich gelohnt.
Eine Karte auf den Umschlaginnenseiten wäre für mich von großem Vorteil gewesen.
Tara
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
„Alma“ ist ein emotionaler Roman der in Mailand lebenden Autorin und Verlegerin Federica Manzon.
Alma ist in Triest aufgewachsen. Da ihr Vater viel unterwegs ist und ihre Mutter sich nur um wenig kümmert wird sie von den Großeltern aufgezogen. Nachdem ihr Vater Vili mitgebracht hat, wird dieser zu Almas Jugendliebe. Später verläßt Alma ihre Heimat. Erst nach dem Tod ihres Vaters kehrt sie nach Triest zurück. Dort soll Vili ihr das Erbe übergeben.
Der Schreibstil von Federica Manzon ist ruhig und liest sich angenehm, hat aber durchgehend einen leicht melancholischen Unterton. Den Leser erwartet keine leichte Sommerlektüre, sondern einen Roman mit vielen historischen und politischen Ereignissen, der mit Almas Familiengeschichte verwoben ist.
Erzählt wird aus der dritten Person und die Handlung verläuft nicht chronologisch. Erinnerungen aus Almas Kindheit - unbeschwerte Momente, aber auch Momente des Kriegs - und die Gegenwart wechseln sich ab.
Ihre Charaktere beschreibt die Autorin facettenreich und vielschichtig. Sowohl Almas als auch Vilis innere Zerrissenheit wird spürbar. Die Suche nach ihrer Herkunft, ihrer Identität, ungelöste Fragen der Vergangenheit, die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit sind durchgehend Thema. Historische und politische Ereignisse, der Krieg in Jugoslawien werden mit dem Leben der Protagonisten verknüpft und gelungen mit der Handlung verwoben.
Die Handlung ist komplex und vielschichtig. Es ist ein emotionaler Roman über die Suche nach der eigenen Identität, Erinnerungen, Verlust und Zugehörigkeit, der nicht immer einfach zu lesen ist und fordert.
Streiflicht
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
Normalerweise fällt es mir leicht, meine Meinung zu einem Buch zu beschreiben. Hier aber tue ich mich echt schwer. Daher lag das Buch nun auch ein paar Tage, obwohl ich schon mit der Lektüre fertig war. Ich kann nicht sagen, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Aber es war wirklich schwer zu lesen und hätte ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen, hätte ich es wohl recht schnell weggelegt. Irgendwie bin ich froh, dass ich das nicht getan habe, aber gleichzeitig bin ich auch erleichtert gewesen, als das Buch zu Ende war. Der relativ positive Schluss hat mich wieder ein bisschen versöhnt, aber zwischendrin fand ich es schon sehr melancholisch.
Ja, ich bin hin- und hergerissen - immer noch. Ich hatte auf ein Buch gehofft, dass in Triest spielt - wie es auch mit dem Teaser der Repubblica angekündigt war: "Wer etwas wissen möchte über Triest und Italiens östliche Grenze, der muss Alma lesen. Ein perfekter Roman." Daher war ich überrascht, dass es eigentlich vor allem um den Jugoslawienkrieg geht. Das fand ich zwar schon interessant, aber ich hatte es nicht erwartet und außerdem hatte ich wohl zu wenig Hintergrundwissen. Das habe ich mir dann nebenbei angelesen, dadurch dauerte die Lektüre natürlich noch länger.
Gleichzeitig fand ich die Schreibweise der Autorin sehr distanziert. Es wird von der Hauptstadt gesprochen, nicht von Rom, von der Stadt, aber nicht von Triest. Und so weiter. Gleiches gilt für die Figuren, die ähnlich ferngehalten werden vom Leser. Dadurch fiel es mir noch schwerer, mich darauf einzulassen. Insgesamt keine einfache Lektüre, die trotzdem aber irgendwie einen Sog entwickelt hat.
Ryria
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
In den Siebzigern wächst Alma in Triest auf, zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen, mit einem Vater, der selten da ist, und dem Jungen Vili, der zu ihrer ersten großen Liebe wird.
Als ihr Vater stirbt und das Erbe verteilt werden soll, kehrt sie viele Jahre später dorthin zurück und die Erinnerungen nehmen ihren Lauf.
Bei diesem Buch hatte ich leider komplett andere Erwartungen und ein falsches Bild, ausgelöst durch Cover, Klappentext und Zitate.
Statt einer sommerlichen Erzählung über Triest und Almas Familiengeschichte standen hier immer wieder historische und politische Ereignisse und Schilderungen im Vordergrund.
Die Konflikte und der Krieg rund um Jugoslawien waren zugegebenermaßen ein komplett neues Thema für mich, ich war jedoch interessiert und durchaus lernwillig. Ungünstig war nur, dass der Roman irgendwie gefühlt ein gewisses Vorwissen fast voraussetzt, um der Handlung optimal folgen zu können. Ist man jedoch ahnungslos, versteht man so manchen Textabschnitt nicht in seiner Gänze.
Hilfsmittel wie ein Glossar, eine Karte oder ein Zeitstrahl sind leider ebenfalls nicht vorhanden, sodass ich selbst im Internet nebenbei recherchieren musste, um die Handlung besser einordnen und die Hintergründe verstehen zu können.
Auch der Schreibstil war nicht immer leicht zu lesen, so manchen Satz musste ich doppelt lesen, aber gleichzeitig mochte ich ihn auch irgendwie. Es war mehr ein Erlebnis, mit schönen Beschreibungen, anstatt eines schnell zu lesenden Textes.
Es ist auf jeden Fall kein Roman, den man mal nebenbei lesen kann, man muss sich konzentriert auf die Zeilen einlassen.
Ständige Zeitsprünge und ein fehlender roter Faden verstärken dies nur noch mehr.
Die Handlung rund um Alma fand ich interessant, allerdings konnte ich bis zum Schluss keine wirkliche Beziehung zu den Charakteren aufbauen, sie blieben (bedingt durch den Schreibstil?) doch recht distanziert, sodass ich auch nicht groß mitgefühlt habe.
Ein durchaus interessantes und künstlerisches Buch, auch wenn es meinen persönlichen Geschmack jetzt nicht so sehr getroffen hat.
ingri
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
Alma kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt Triest zurück, um ihr Erbe anzutreten. Überreicht soll ihr dies von Vili ihrer Jugendliebe und gleichzeitig Ziehbruder, werden. Die Rückkehr in die Heimat, die sie abrupt hinter sich gelassen hat, lässt Alma an ihre Kindheit und Jugend erinnern. Ihre Großeltern mütterlicherseits, die das Erbe und Traditionen Triests aus der Habsburger Monarchie hochalten. Ihre Eltern, die sich davon befreien wollten. Eine Kindheit in der sie Tito kenngelernt hat und die turbulenten Jahre danach.
Eines vorneweg, dies ist definitiv ein Buch, dem man Zeit geben muss, denn es ist nicht ein leichtfüßiger Roman in einer italienischen Stadt, wie man vielleicht auf Grund des Covers vermuten mag.
Die Geschichte wird nicht geradlinig erzählt, so wechseln sich die Zeitebenen und aber auch die Blickwinkel sehr häufig ab. Dadurch braucht es einige Zeit einzutauchen. Die Beschreibungen der Orte und Eindrücke sind sehr bildhaft, wodurch man sich natürlich gut orientieren kann. Kunstvolle Satzgestaltungen, machen es allerdings notwendig, ausreichend Konzentration ins Lesen zu legen.
Wie man schon erahnen kann, verknüpft der Roman die persönlichen Erfahrungen einer Person vom Kinderalter beginnend mit den politischen Realitäten der jeweiligen Zeit. Für die politischen Realitäten wäre natürlich ein entsprechender Wissenshintergrund ideal, um die Zeiten besser zu verstehen. Die Einordnung der verschiedenen Kriegsparteien u
Doch auch die Geschichte um Alma, Vili und Almas Familie allein ist spannend. Almas Eltern die eher abwesend sind, und ihrer Tochter Alma, möglichst wenig Grenzen aufzeigen wollen, damit sie sehr frei und selbstbestimmt aufwachsen kann. Vili, der von seinen Eltern getrennt wird und von Almas Vater über die Grenze geschmuggelt wird und nun statt in Belgrad nun in Triest bei der Familie von Alma aufwachsen soll. Auch er fühlt sich durch diese Trennung zerrissen und unsicher, auch da er ja in der Fremde ist. Man merkt im Zuge der Geschichte, wie wichtig die Vergangenheit doch auch für die eigene Identifikation und das Verständnis ist – bewusst oder auch unbewusst.
Ein nachdenkliches Buch, das eine turbulente Zeit in einer Stadt mit wechselhafter Geschichte thematisiert. Man sollte sich allerdings Zeit nehmen sich darauf einzulassen.
katis zettelchen
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
Ein großartiges Buch über die Kriege zum Ende Jugoslawiens und über die Sinnlosigkeit von Kriegen im Allgemeinen. Ich bin 58 Jahre alt, ich habe von Tito gehört und von Srbenica, von Karadzic und Mladic und den Prozessen in Den Haag, und in diversen Tatorten, die in Wien spielen von untergetauchten serbischen Kriegsverbrechern. In den 90er Jahren lebte ich in den USA und habe nur wenig von den Kriegen mitbekommen. Jetzt wohne ich in Österreich, wo viele Serben, Bosnier und Kroaten leben. Ich weiß also so gut wie gar nichts über die Situation in Jugoslawien in den 70er bis 2000er Jahren. Die Lektüre des Romans war oft ziemlich verwirrend – wenn ich mich am Klappentext orientiert habe – Geschichte von Frau, die nach vielen Jahren ihre Heimatstadt Triest wieder besucht und sich mit Vergangenheit auseinandersetzt. Ich versuchte mich an geographischen Punkten zu orientieren, doch sind sie allgemein gehalten, „die Stadt“, „die Stadt im Osten“, „die Hauptstadt“, „die Insel“ und „drüben“. Manchmal gibt es konkretere Hinweise. Nach Wikipedia-Einträgen zu Jugoslawien, Triest, Tito und Jugoslawien-Kriege wurde es klarer. Wenn ich jedoch nicht mit der Erwartung einer konkreten Stadt gelesen hätte, wäre die Lokalisierung auch egal gewesen. Es geht in diesem Roman konkret um die verwirrende Situation der Region nach dem Tod Titos und nach dem Zerfall des Ostblocks. Es war für alle verwirrend, denn in dem Krieg kämpften plötzlich die, die jahrzehntelang meist friedlich miteinander gelebt hatten, der Krieg hatte territoriale und ethnische Ursachen und war damit unbegreiflich und unübersichtlich. Alma, die Protagonistin steht außerhalb des Ganzen und wird bewusst so gehalten – von ihren Eltern, die den Ballast der Geschichte (Habsburger Monarchie, Weltkriege, Diktatur unter Tito usw) von ihr fernhalten wollen, damit sie frei aufwächst, was sie tut, was sie nicht versteht, was sie verwirrt. Ihre Großeltern versuchen sie mit ihrer Geschichte und Gesellschaft zu beeinflussen, sie genießt das schöne Leben, bleibt aber bei ihrer Mutter. Almas Geschichte ist eine persönliche Geschichte – zwischen Großeltern, Eltern, dem Pflegebruder, Freunden – eingebettet in eine sehr komplexe Situation – der Vater ist selten da, er ist meist „drüben“, ohne dass sie weiß, was er dort macht, die Mutter leidet; der Pflegebruder, zu dem sie sich hingezogen fühlt, ist ihr auch oft fremd; den Freunden öffnet sie sich nie ganz, sie bleibt verschlossen in ihrer Welt. Alma ist bis zu einem Grad unpolitisch, sie betrachtet die Menschen, urteilt nach richtigem und falschem Verhalten. Sie lernt mit der Zeit, dass die Regeln im Krieg andere sind, dass viel geschwiegen und verschwiegen wird aus Selbstschutz oder zum Schutz anderer; es gibt Missverständnisse, es ist oft nicht klar, wer gut und wer böse ist, die Grenzen sind fließend. Der Roman ist aber keine Generalentschuldigung für Kriegsverbrechen und Verrat, keine Carte Blanche für fragwürdiges Verhalten. Er liefert eine Außenansicht (von Triest aus, nicht von Belgrad) zur Entstehung und zum Ablauf eines Krieges, von dem keiner genau weiß, warum er geführt wurde, die manchmal eine Innenansicht wird. Durch die weitgehende Anonymisierung sind die Lokalitäten, die Gruppen austauschbar mit denen anderer Kriege. Auf dem kleinsten Nenner ist es das Unverständnis gegenüber Kriegshandlungen und Gewalt. Almas Mutter arbeitet in einer Nervenheilanstalt, einem „Irrenhaus“, die Grenzen zwischen dem Inneren und dem Äußeren dieser Anstalt verwischen sich.
Dies ist ein Roman, bei dem ich Anlaufschwierigkeiten hatte, der mich aber jetzt nicht mehr loslässt. Er hat einen Platz in meinem Regal gefunden, ich werde ihn wieder lesen und kann ihn jedem empfehlen – mit oder ohne Hintergrundwissen. Nach der Lektüre kann ich den dreiteiligen SRF Podcast „Jugoslawiens Zerfall“ empfehlen.
brauneye29
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Alma
von Federica Manzon
Zum Inhalt:
Nach dem Tod des Vaters kehrt in Alma in ihre alte Heimat Triest zurück. Hier begegnet sie ihrer alten Jugendliebe wieder, der ihr das Erbe des Vaters übergeben soll. In der alten Heimat holen sie die Erinnerung ein an endlose Sommer, die Kaffeehäuser ihrer Großeltern, aber auch an die Straße, auf der ihr Vater früher immer wieder verschwand.
Meine Meinung:
Das Buch ist komplexer als der Titel oder auch der Klappen zu vermitteln vermag, denn es gibt viele Zeitenwechsel und auch Wechsel der Schauplätze. Zudem wird auch ein Thema aufgegriffen, dass einem wahrscheinlich nicht mehr sehr präsent ist, die politischen Unruhen, die zu mehr als nur einer Auseinandersetzung geführt haben. Alma ist ein vielschichtige Figur, mit der ich trotzdem nicht wirklich warm geworden bin. Der Vater, der trotz seines dauernden Verschwindens eine sehr dominierende Stellung im Buch einnimmt, hatte es sicher auch nicht leicht, aber macht es der Familie auch nicht gerade einfach, ihm nahe zu kommen. Insgesamt hätte ich es gut gefunden, wenn es eine Karte im Buch gegeben hätte, um die Geschehnisse besser einordnen zu können.
Fazit:
Sehr komplex
begine
empfiehlt:





Alma
von Federica Manzon
Alma ist ein interessantes Werk der italienischen Schriftstellerin Federica Manzon. Es ist ihr erster Roman, der auf deutsch übersetzt wurde.
Sie hat den Roman in Triest spielen lassen und in den Balkan.
Als Almas Vater stirbt, vermacht er ihr ein paar Unterlagen.
Da beginnen ihre Kindheitserinnerungen.
In der Schule wusste sie den Beruf des Vaters nicht und dessen Erklärungen waren lapidar. Da weiß man nicht, ist er ein Spion, oder warum verschwand er immer wieder. Da bringt er einmal den jungen Willi mit, der dann mit Alma aufwächst.
Alma erinnert sich an Fahrten mit dem Vater, bei denen sie Tito noch sah. Alma wird Journalistin und trifft viele dubiose Personen.
Man erfährt von mehreren Kriegen auf dem Balkan.
So erfährt man von den Grausamkeiten zwischen Kroaten und Serben.
Die Autorin lässt dieses Grenzgebiet spannend werden.
Es ist ein gutes Stück Zeitgeschichte.
