Kundenrezensionen von liesmal





Mit anderen Augen
von Jane Tara
Sicher geht es vielen Menschen so, dass sie sich in bestimmten Situationen fühlen, als wären sie unsichtbar. Was aber, wenn die Unsichtbarkeit zur Krankheit wird, wenn man nicht nur kein Selbstwertgefühl besitzt, sondern sogar der Körper davon betroffen wird, weil nach und nach einzelne Körperteile nicht mehr sichtbar sind?
In ihrem Roman erzählt Jane Tara solch eine Geschichte, die damit beginnt, dass Tilda plötzlich feststellt, dass ihr kleiner Finger verschwunden oder – besser gesagt – unsichtbar ist. Als sie die Diagnose Morbus invasibilis = Unsichtbarkeit bekommt, ist sie natürlich am Boden zerstört. Doch dann erwacht ihr Kampfgeist und sie will alles dafür tun, die Krankheit nicht nur zu stoppen, sondern wieder ganz gesund zu werden.
Mir gefällt der lockere, humorvolle Schreibstil. Allerdings bin ich wohl zu realitätsnah, wenn es darum geht mir vorzustellen, dass ganze Körperteile sichtbar verschwinden können und im schlimmsten Fall selbst die Kleidung unsichtbar wird.
Trotzdem habe ich Tilda gern begleitet auf ihrem Weg, den sie mit Hilfe einer Therapeutin, einer Selbsthilfegruppe, ihren beiden besten Freundinnen, aber in erster Linie mit ihrem eigenen festen Willen gegangen ist. Dabei hat sie ihr gesamtes Leben umgekrempelt und hinterfragt.
Auch wenn meine Fantasie nicht ausreicht, mir ein Bild zu machen, das mich ganz hineinfallen lässt in die Geschichte, habe ich doch einiges für mich selbst mitgenommen, das mich zum Nachdenken anregt.





DUMONTs Fantastische Rätselreise Auf Deutschlandtour
von Stefan Heine
Ich löse gerne Rätsel, mag Quiz und Logikrätsel und liebe alles, was mit Wörtern und Zahlen zu tun hat. In diesem Buch finde ich Lückentexte, Wortsalat und Zahlenzirkus und noch ganz viel mehr. Insgesamt ist es eine gut sortierte bunte Mischung, aber etwas haben die Rätsel gemeinsam: Immer geht es auch ums Reisen. Überall in Deutschland kann man unterwegs sein. Dass ich dabei auf meinem Sessel zu Hause sitzen bleiben kann, gefällt mir, weil ich dann Atlas und Lexikon in greifbarer Nähe habe. Bei dem großen Angebot bleibt es nämlich nicht aus, dass ich vieles nicht auf Anhieb weiß, gern aber nähere Informationen dazu bekomme.
„Staunen, was dazulernen, die Zeit vergessen…“ sagt DUMONT in der Buchbeschreibung – und hat vollkommen recht damit.
Die Papierqualität ist hochwertig. Was mir nicht ganz so gut gefällt: Das Buch lässt sich nicht so aufklappen, dass ich beide Seiten sehen kann, ohne dass meine Hände richtig Arbeit haben. Hier könnte ich mir gut eine Art Ringbuch vorstellen. Ansonsten eine tolle Rätselreise und ein Buch, das sich auch als Geschenk gut eignet.





Monique und die ganze Wahrheit über die Venezianische Vesper
von D.G. Ambronn
„Sie haben Monique nach Venedig geschickt, damit sie die Nummer eins eines internationalen Syndikats aufspürt und liquidiert. Ein Auftrag, den Weber nicht überlebt hat, und auch für Monique geht es sehr bald um Leben und Tod.“
Diese Buchbeschreibung gehörte zu der Erzählung „Venezianische Vesper“ von D. G. Ambronn.
„Moniques Auftrag scheint nicht ungefährlich zu sein. Auf jeden Fall ist das Buch recht spannend, hat aber auch eine Menge Verwirrendes zu bieten und wirft einige Fragen auf.“
Dieser Satz war Teil meiner Bewertung der Erzählung.
D. G. Ambronn ist immer für eine Überraschung gut. So habe ich nicht schlecht gestaunt darüber, dass er nochmal Recherchen betrieben hat und die Ergebnisse mit dem Roman „Monique und die ganze Wahrheit über die Venezianische Vesper“ veröffentlicht hat.
Gern habe ich mich noch einmal mit Monique in Venedig auf abenteuerliche Ermittlungen eingelassen. Furchtlos ist sie nicht, für mein Verständnis manchmal sogar ein wenig zu vertrauensselig. Trotzdem bewundere ich ihren Mut und ihren starken Willen, sich auch nach einem Rückschlag nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Die Erzählung von 2023 im Hinterkopf, wurden jetzt nicht nur viele Fragen beantwortet, sondern es gab auch wieder herrlich verwirrende Momente. Wie eine Nebenerzählung wirkt der Trip auf eine kleine verlassene Insel, auf die Monique während ihrer Ermittlungen geführt wird. Die Begegnung mit dem Pärchen, das Lost Places liebt, aber hier scheinbar keine Stille zu finden scheint, ist köstlich – wie so vieles, was nebenbei noch so erzählt wird. Man denke nur an den Sack Kartoffeln (oder Reis?).
Ich bin wieder einmal voll auf meine Kosten gekommen mit einem Buch von D. G. Ambronn, der mich mit seinem ganz speziellen Schreibstil begeistert. Natürlich gibt es eine Leseempfehlung von mir.





Einatmen. Ausatmen.
von Maxim Leo
Nach dem Titel „Einatmen Ausatmen“ und dem Anfang der Geschichte hatte ich die Befürchtung, dass das Thema „Therapie“ den größten Raum des Buches einnehmen könnte, wobei die Lesenden therapeutisch gleich mit einbezogen würden.
Bald entwickelt sich alles um Marlene, die auf Anraten ihres Chefs ein Achtsamkeitstraining bei dem Seelenflüsterer Alex Grow absolvieren sollte, zu einer turbulenten und herzerfrischenden Geschichte, in der es viel zum Lachen gibt, die aber auch einen gewissen Tiefgang hat.
Die Geschichten herum um ein verletztes Wildschwein, einen schüchternen Hausmeister und ein dreizehnjähriges Mädchen, die in der Buchbeschreibung genannt werden, haben für gute Unterhaltung gesorgt und auch meine anfänglichen Befürchtungen vertrieben. Auf eine gewisse Weise fühlte ich mich zwar „therapeutisch“ trotzdem persönlich angesprochen, aber das passte gut.
Am Ende gebe ich gern eine Leseempfehlung für dieses Wohlfühl-Buch.





Der Fährmann
von Regina Denk
Schon nach wenigen Seiten spüre ich die Verbundenheit und die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat. Dabei ist die Geschichte kein Heimatroman im üblichen Sinn, in denen man von Intrigen und Lügen, aber auch von viel Liebe lesen kann.
Der Roman von Regina Denk geht zurück in den Anfang des 20. Jahrhunderts, dorthin, wo der Salzach die Grenze bildet zwischen Österreich und Deutschland, mit den Ortschaften Hohenwart und Siegering.
„Vier junge Menschen… Ihre Schicksale sind fest miteinander verwoben: durch Freundschaft und Liebe, durch Traditionen und Verpflichtungen.“ So steht es in der Buchbeschreibung. Einer der vier Menschen ist Hannes, Titelfigur und Hauptprotagonist. Alles, was die vier Menschen aus den beiden Nachbarorten schon in Kindheit und Jugend über die Grenzen hinaus verbindet, beschreibt die Autorin in einem fesselnden, der Zeit entsprechenden großartigen Erzählstil.
Aufwühlend, mitreißend und spannend liest sich die Geschichte, die mich nicht loslässt. Bald schon habe ich das Gefühl, die Menschen, die zu der damaligen Zeit dort lebten, hatten kaum eine eigene Meinung. Sie leben nach einem vorgegebenen Plan, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Vor allem die Frauen kommen dabei nicht gut weg, müssen vieles ertragen. Worte wie Zufriedenheit und Glück scheinen nicht zu existieren. In meinem Kopfkino sehe ich keine Farben, alles ist düster und grau.
„Ihr Körper, ihre Seele, es kam ihr vor, als wäre alles zu einer einzigen Narbe verwachsen.“ Mit Sätzen dieser Art gelingt es der Autorin immer wieder, den Schmerz fast körperlich fühlbar werden zu lassen.
Nur sehr wenige Glücksmomente hellen die Geschichte auf, und wenn, dann ist der Fährmann Hannes daran beteiligt, dessen Aufgabe es ist, die Menschen gefahrlos von einem Ufer der Salzach an das andere zu bringen.
Selten erkenne ich in einem Cover die Geschichte. „Der Fährmann“, der groß und fest als Titel in dem reißenden Fluss und der düsteren Landschaft zu sehen ist, beschreibt die Geschichte für mich mit einem einzigen Bild.
„Der Fährmann“ beschreibt ein Stück Geschichte und ist ein großartiger Roman, der auf jeden Fall zu den Highlights des Jahres zählt.





Baedeker Reiseführer Thailand
von Jochen Müssig; Barbara Riedel
Was der Reiseführer zu bieten hat, ist in der Buchbeschreibung bereits gut zu lesen. Darum von mir ein paar persönliche Anmerkungen: Ich kenne Thailand nur von Erzählungen einer Freundin, die das Land bereist und lieben gelernt hat. Da sind viele Bilder entstanden und der Wunsch, mehr über das Land zu erfahren. Mit dem Baedeker bin ich gut beraten.
Nachdem ich im Abschnitt „Das ist Thailand“ erste besondere Informationen bekomme, beschäftige ich mich mit den „Touren“, die mich auf unterschiedlichen Strecken durchs Land führen, mir die Lage der Orte zeigen und mir die Orientierung erleichtern.
Es macht mir großen Spaß, mich durch die „Ziele von A bis Z“ zu „arbeiten“, indem ich mich einzelnen Orten widme, die ich nach Lust und Laune auswähle.
Den Namen Baedeker kenne ich bereits mein Leben lang – kein Wunder, gibt es den Reiseführer doch tatsächlich schon seit fast 200 Jahren!
Ich freue mich darauf, Thailand mit Baedeker noch für lange Zeit weiter zu erkunden. Die Beschreibungen lesen sich interessant, sind informativ und lehrreich.





MARCO POLO Reiseführer Ostfriesland, Nordseeküste Niedersachsen, Helgoland
von Maria Berentzen; Klaus Bötig
Seit vielen Jahren bin ich mit einem Reiseführer von Marco Polo immer gut unterwegs. Viele Informationen sind übersichtlich und umfangreich in einem handlichen Buch verpackt, das auch in die kleine Tasche passt. Jetzt ist mir die Neuauflage von „Ostfriesland“ begegnet. Obwohl ich selbst am Jadebusen zu Hause bin, wurde ich neugierig auf die Orte und Plätze in Heimatnähe, die ich vielleicht noch nicht kenne.
Neben einer Bucketlist und den Top-Highlights von Marco Polo sehe ich im übersichtlichen Inhaltsverzeichnis, dass es neben viel Informationen über Ostfriesland auch noch die Abschnitte „Rund um den Jadebusen“, „Zwischen Weser und Elbe“ und „Helgoland“ gibt.
Der Sommer kann kommen! Neben Vorschlägen von Erlebnistouren in die Krummhörn, am Großen Meer, deichnah um Butjadingen und Cuxhaven gibt es für mich noch einige Ideen für Kurztrips oder Tagesfahrten.
Mit Marco Polo aus dem Hause MAIRDUMONT habe ich immer einen guten Begleiter, den ich sehr gern empfehle.





Das Ende vom Lied
von Michael Wildenhain
Es gibt Besonderheiten, die ich an Büchern meistens nicht mag. Dazu gehören Schachtelsätze und namenlose Protagonisten. In diesem Buch lese ich Sätze, die nur aus wenigen Worten, aber auch welche, die aus mehreren Zeilen bestehen, ohne dass es mich stört. Dass der Junge als Hauptprotagonist namenlos bleibt, ist nur kurz etwas befremdlich. Schon bald habe ich das Gefühl, ihn dadurch so deutlich zu sehen, als würde ich ihn kennen. Alles klingt so realistisch, dass ich das Gefühl habe, der Autor Michael Wildenhain würde vieles seiner eigenen Geschichte in die des Jungen einfließen lassen.
Die Zeit wird sehr gut eingefangen. Ich kann mich problemlos in die Vergangenheit zurückversetzen, dabei zwar nicht alles verstehen, aber doch an vieles erinnern. Begriffe, die inzwischen aus dem Sprachgebrauch fast gänzlich verschwunden sind, die aber in die damalige Zeit passen, begegnen mir.
Am besten gefällt mir, wie das Leben aus der Sicht des Jungen erzählt wird. Im Gegensatz zu dem Jungen werden die Aufenthaltsorte mit Namen und Details von Straßen und Plätzen genau beschrieben.
Eine besondere Bedeutung haben Gerüche, auch solche, die keinesfalls als Düfte bezeichnet werden können, die aber eine Rolle spielen und mir das Gefühl geben, dass sie beim Lesen teilweise in der Luft hängen. Noch mehr Unangenehmes finde ich in den Grausamkeiten, mit denen ich konfrontiert werde. Einiges ist nicht leicht zu ertragen.
Beim Schreiben meiner Eindrücke merke ich, dass ich inhaltlich wenig verrate, aber viele Gedanken über Sinne und Gefühle sich bei mir starkmachen.
Ich habe zu dem Buch eine besondere Bindung entwickelt und gebe gern eine Leseempfehlung.





Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Ohne Ziel macht sich Marie auf den Weg und lässt ihr bisheriges Leben in Paris zurück. Manchmal braucht es glückliche Zufälle. So einen erfährt Marie, als sie im Zug auf die Isländerin Jonina trifft, die mit ihrer Feinfühligkeit erkennt, dass Marie Hilfe braucht. So nimmt die Geschichte ihren Anfang, die Marie aus der Großstadt in das kleine Bücherdorf Redu in den belgischen Ardennen führt, wo Jonina einen Buchladen führt.
Die Beschreibung des kleinen Dorfes mit der zauberhaften Umgebung, dem vielen Grün, den Bergen und einer Stille, die man hören kann, lässt mich das Lesen unterbrechen, weil ich nachschlagen möchte, ob es diesen Ort wirklich gibt.
Redu ist tatsächlich ein realer Ort mit etwa 400 Einwohnern und vielen Antiquariaten und Buchhandlungen. Mit diesem Wissen und der Sehnsucht, diesen Ort einmal kennenzulernen, bin ich gern bereit, mich auf das langsame Tempo und die Ruhe einzulassen, die die Geschichte verströmt.
Mir gefällt das einfache Leben der Menschen. Wie im Märchen fühlt es sich an, wenn ich zuhöre, mit welcher Begeisterung Arthur von seiner Arbeit rund ums Papierschöpfen spricht oder wenn ich mit Marie und dem Labrador Anneliese durch die Gegend streune.
Nur die mürrische Mathilde passt nicht ins Bild. Dabei ist sie doch sogar eine Titelperson! Man darf gespannt sein…
An einigen Stellen gefiel mir der Schreibstil nicht so gut. Dann klangen für mich Ausdrücke und Umschreibungen irgendwie zu sachlich oder gestelzt. Darum nur 4 von 5 Sternen, aber gerne eine Leseempfehlung.





Alma
von Federica Manzon
Die Geschichte führt aus der Gegenwart in die Siebzigerjahre in Triest. Dort ist Alma aufgewachsen. Ihre Großeltern mütterlicherseits gehörten zum Geschlecht der Habsburger. So wundert es nicht, dass sie gegen die Verbindung ihrer Tochter waren - mit einem „Grenzgänger aus dem Osten, der immer wieder nach Jugoslawien verschwindet“. Inzwischen ist Alma über fünfzig und kehrt nach vielen Jahren und dem Tod ihres Vaters noch einmal in ihre Heimat zurück.
Ich habe weder genau gewusst, wie weit im Osten Italiens Triest zu finden ist, noch habe ich bisher etwas darüber gelesen, wie die damaligen Ereignisse zur Veränderung im ehemaligen Jugoslawien geführt haben.
Mit dem Buch sehe ich mich vor großen Herausforderungen. Das hat nicht nur mit der Historie zu tun, sondern mit dem nicht einfachen Schreibstil. Ohne irgendwelche Anzeichen wechselt das Geschehen häufig von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Dazu kommt, dass Orte nicht namentlich, sondern eher nach ihrer Lage benannt werden.
In meine Überlegungen, ob mir das Buch mit der eigentümlichen Schreibweise gefällt oder nicht, wandern meine Gedanken zu Alma, zu der ich keine besondere Bindung knüpfen konnte, die sich aber wahrscheinlich genauso verloren und hilflos fühlt wie ich.
Wie muss es ihr ergangen sein? Ihre Großeltern durfte sie zwar besuchen, sie waren lieb zu ihr, wollten aber von ihrem Vater nichts wissen. Ihr Vater mochte sie, hat sich mit ihr beschäftigt – wenn er da war. Warum er nie etwas über sich oder über seine Arbeit erzählte, aber immer wieder so plötzlich verschwand, wie er wiederkam, das blieb sein Geheimnis und war für Alma nur schwer zu verstehen.
Trotz der Schwere und dem wenigen Wissen über die politischen Hintergründe hat mir Almas Geschichte gefallen, weil ich dabei lernen konnte. Dafür habe ich zwar zusätzlich meinen Atlas gebraucht, um die Schauplätze von damals im Vergleich zu heute besser kennenzulernen, aber es hat sich gelohnt.
Eine Karte auf den Umschlaginnenseiten wäre für mich von großem Vorteil gewesen.









