Kundenrezensionen von verhei





Mira Belgusto und der schöne Tote
von Angelika Lauriel
Mira Belgusto, deutsche Reisejournalistin, reist für ihre neue Reportage in die kleine Stadt Monopoli in Apulien. Begleitet wird sie dabei von ihrem Bekannten, dem italienischen Ex-TV-Star Claudio Bertani. Doch schon auf einem der ersten Punkte der Recherchereise, einer Schönheitsklinik im ehemaligen Gutshof wird es turbulent. Wird doch der gefeierte Schönheitschirurg und Chef der Klinik Stefano Belletti tot in seinem Büro aufgefunden. Und rasch stellt sich heraus, dass in der Klinik nicht alles so glattgebügelt lief wie man denkt. Enttäuschte Patienten gab es einige.
Ein schönes Cozy-Crime um ein herzliches Amateurermittlerpaar. Wie schon im ersten Band, stolpern Mira und Claudio zufällig auf einen Mordfall. Und auch hier können sie es wieder nicht lassen, auch selbst etwas zu ermitteln bzw. eher wie zufällig Personen zu befragen. Man ist schließlich neugierig. Eine zusätzliche Motivation ist nun auch, dass Natalinas Onkel Zio unter dem Schönheitschirurgen zu leiden hatte. Ja jene Natalina, die als Polizistin im ersten Band der Serie, jegliche Privatermittlung verboten hat. Und nun unterstützt sie die beiden auch noch etwas, da auch sie zu Beginn in Verdacht gerät.
Die Schar an Verdächtigen wächst sukzessive an und man erkennt rasch, dass der Ermordete eher ein Ungustl war. Als Leser rät man fleißig mit und ist froh, wenn auch das Ermittlungsteam in der Mitte der Ermittlungen ein Brainstorming veranstaltet. Der Krimi selbst löst sich schlüssig auf und man ist erstaunt wie gut auch Amateure ermitteln können, wenn sie nur hartnäckig dran bleiben.
Als Leser folgt man dem charmanten Ermittlerpaar aber nicht nur zu Befragungen, sondern lernt auch ja fast nebenbei die Gegend kennen. Etwas Sightseeing und Geschichte der Architektur und Region allgemein. Aber allem voran viel Sightseeing der kulinarischen Genüsse. Man taucht so wunderbar in die Region ein und plant in Gedanken gerne schon ein Urlaub dahin.
Ergänzt wird das Ganze noch durch Rezepte im Anhang. Ein nettes Gimmick und passend zur Reihenbeschreibung – Genusskrimi.
Definitiv empfehlenswert, da der Kriminalfall kunstvoll mit einer Entdeckungsreise in die Region verbunden wird. Schön zum Entspannen und zum in die Ferne träumen und wer möchte nebenbei nicht gerne einen Mörder finden.





Tod in heller Sommernacht
von Lisa Sarah Brandstäter
Die Studentin Lina wird in einem Küstenort mit ihrem Moped von einem Auto abgedrängt und mehrfach überfahren. Kommissarin Leena Victor aus Helsinki wird mit ihrem Kollegen Sebastian Nyberg zum Fall hinzugezogen, auch da ihr Instinkt legendär ist. Die Ermittlungen sind nicht einfach – viele Widersprüche und Geheimnisse. So manche Lüge und auch Affären. Und nun passiert ein zweiter Mord und eine junge Frau verschwindet.
Der Schreibstil der Autorin ist ruhig, angenehm und modern. Man taucht langsam in die Situation im kleinen Küstenort ein. Dabei erkennt man rasch, dass hier nicht alles so idyllisch ist wie man annimmt. Geheimnisse jeglicher Art tauchen auf und rasch erkennt man, dass etwas Düsteres sich über die Geschichte zieht. Dies steht im starken Kontrast zur hellen Sommernacht im finnischen Norden. Es wird also eine bedrückende Atmosphäre geschaffen und man bleibt durch all die Wendungen leicht am Ball. Die Schilderung aus verschiedenen Blickwinkeln trägt dazu bei, ebenso wie eher kurze Kapitel.
Die Ermittlungen werden von Leena Victor und Sebastian Nyberg durchgeführt. Für den Ort Eindringlinge von außen. Die beiden arbeiten gut zusammen und nähern sich auch immer weiter an. Auch das Privatleben der beiden eröffnet einen angenehmen Nebenschauplatz, der nicht zu viel Raum einnimmt. Meiner Ansicht nach authentische und angenehme Ermittler, die auf auch durchwegs unangenehme Charaktere treffen.
Der Fall wird schrittweise immer komplexer, durch all die Geheimnisse und Lügen, die aufgedeckt werden. Bald sind viele Protagonisten am Fall beteiligt mit all ihren eigenen Nebenschauplätzen und Geheimnissen. Man trifft auf Betrug, Depression, Alkoholismus, Eifersucht, Stalking, Gewalt in Beziehungen, sexuellen Missbrauch und noch so einigem. Wichtige Themen, die auch eine unheilvolle Stimmung erzeugen, jedoch verliert man schon fast den Überblick. Ich brauchte lange, um auf den Täter zu kommen.
Auch wenn dies das zweite Buch einer Reihe um die Kommissarin Leena Victor ist, ist dieser Band ohne Probleme unabhängig vom ersten zu lesen.
Definitiv ein lesenswerter Krimi, der zeigt welche Geheimisse ein Dorf alles zu verbergen hat und was hinter verschlossenen Türen so alles passiert. Vielleicht nur fast etwas zu viele Geheimnisse, allerdings bleibt man dadurch wirklich am Rätseln.





Wenn die Bienen schweigen
von Caryl Lewis
Die Welt und das Leben sind anders: Bienen sind vor einigen Jahren ausgestorben, die Erde ist heiß und trocken und Wasser und Nahrung ist knapp. Junge Mädchen ab elf Jahren werden in Camps gezwungen in denen sie per Hand Blüten bestäuben. Auch die Jungen verlassen ihre Familien und leisten Militärdienst als Wachen. Jess, die im Camp eine Außenseiterin ist, weil sie erst spät dazu kam, träumt von der vergangenen Welt, die ihr ihre Mutter und die ältere Nachbarin geschildert haben. Als ihr Eliot, ein junger Soldat, Farben zukommen lässt, malt sie mit diesen und dem Pinsel, der sonst zum Bestäuben genutzt wird, ein ergreifendes leuchtendes Bild. Ein Gedanke an Freiheit ist gesät.
Das Buch wird als Jugendbuch beworben, eignet sich aber durchwegs auch als Lektüre für Erwachsene. Eben auch weil diesen ein solcher Ausblick nicht schadet, denn man bekommt durch dieses Buch doch die Folgen einer Änderung des Klimas, der Tierwelt und der politischen Gegebenheiten mit. Man denkt gerne, dass alles utopische Fantasie ist. Doch viele Aspekte der Geschichte sind durchwegs schon in gewissen Formen in gewissen Regionen Realität.
Die Sprache ist doch eher einfach gehalten, allerdings dennoch schön, gefühlvoll und auch atmosphärisch packend. Die bedrückende Atmosphäre schwappt auf den Leser über. Es fällt leicht sich in die Lebensrealität von Jess und den anderen jungen Mädchen hineinzuversetzen. Viele Themen, die auch in einer nicht dystrophischen Welt bedeuten sind kommen vor: Umgang mit Mobbing, Frauenrechten, Freundschaft, Hoffnung, Liebe und schlichtweg das Erwachsen werden.
Der Roman selbst, konzentriert sich hauptsächlich auf das Leben im Camp der jungen Mädchen und deren Arbeit. Etwas weniger erfährt man über die Welt darum herum. Unklar ist in welchem Jahr und in welcher Region die Geschichte spielt und wie es dazu kam das dieses ja sagen wir Regime so gestaltet ist wie es ist. Allerdings funktioniert die Erzählung auch ohne diesem.
Definitiv lesenswert - nicht nur für Jugendliche - , da man neben Unterhaltung auch viel Stoff zum Nachdenken bekommt.





FIVE - Das Ticken der Zeit
von Ilona Bannister
Ein Bahnsteig in einem Londoner Vorort am Morgen eines Werktages. Mehrere Personen warten auf einen einfahrenden Zug. Emma, Mutter des unbändigbaren Gideon, die mit der Mutterrolle hadert. Geschäftsmann Liam, am Weg zu einem Investorentermin, der mit Emma in Streit gerät. Mrs. Worth auf den Weg zum Begräbnis ihrer verhassten Schwiegertochter. Der junge Sonny, der Spielschulden hat. Und der Leser weiß nur eines – in fünf Minuten wird jemand sterben.
Der Klappentext lässt eine spannende Idee vermuten und auch die Erzählweise ist anders. Der Erzähler spricht den Leser direkt an, anstatt die Figuren selbst erzählen zu lassen. Wie ein Direktor orchestriert er die Beobachtungen, stellt leichte Ausblicke in die Zukunft und die Verbindungen der Personen an. Der Einstieg in das Buch erfolgt mit der Echtzeitbetrachtung des Bahnsteigs um 7:01, dem folgen weitere. Unterbrochen wird der Rhythmus durch einzelne Kapitel zu den jeweiligen Personen am Bahnsteig – Emma, Liam, Mrs. Worth, Sonny und Gideon. Jeweils mit einem Rückblick, um die Personen besser zu verstehen.
Man wird vom allwissenden Erzähler regelrecht durch das die Geschichte geführt und jede Beobachtung von ihm erklärt. Der Ton etwas spöttisch und ohne Mitleid. Er legt dem Leser eine Interpretation und Vermutung vor und erhöht die Spannung dadurch, dass er ihm gleichzeitig vor Augen führt, wo auf der Zeitachse die Geschichte sich derzeit befindet. Gegen Ende des Buches wird diese Erzählweise allerdings sehr eigen.
Gelungen ist die Sprache: Typischer trockener britischer Humor kommt nicht zu kurz. Die Kapitel über die einzelnen Personen, sind teils aus Sicht dieser geschildert und erlauben im Gegenzug die Person unvoreingenommener zu sehen und besser zu verstehen. Für den Spannungsbogen war dieser konstante Wechsel zwischen Bahnhofsszenen und Personenkapiteln allerdings etwas abträglich.
Zu Beginn kommt einem kaum ein Charakter sympathisch vor, alle tragen etwas unsympathische Züge – Narzissmus, Spielsucht, Hass auf Verwandte. Doch man taucht durch die Rückblenden tiefer in deren Schicksal ein und gewinnt so manch einen auch lieb.
Definitiv eine spannende Idee mit einem interessanten Erzählstil, den ich so noch nicht kannte.





Mädchen allein zu zweit
von Daniela Dröscher
Issa und Grace sind schon lange Freundinnen und besuchen gemeinsam das Gymnasium eines Internats, das hauptsächlich Rich Kids besuchen. Welten prallen aufeinander, haben es doch beide Familien nicht recht üppig. Issa wächst mit einer Alleinerziehenden Mutter auf, die jeden Euro doppelt umdreht und einer Schwester Livvie, die nicht mehr spricht. Nun wurde ein Betrag für die Schule nicht beglichen und die Bezahlung durch den Sozialfonds der Schule steht in Frage. Doch auch Grace hat derzeit Probleme – neue, medizinische. Sie kämpft mit Brüsten, die über den Sommer deutlich gewachsen sind und Schmerzen erzeugen. Die Lösung aller Probleme scheint Geld zu sein, doch wie kommt man dazu?
Das Buch greift viele Themen auf, die für Jugendliche relevant sind, aber eben nicht nur für Jugendliche: Freundschaft, Geld, Erwachsenwerden, soziale Unterschiede, Körperbild, Kapitalismus und ja auch etwas Feminismus.
Allen voran Freundschaft, die die beiden doch eher unterschiedlichen Hauptcharaktere Issa und Grace schon lange verbindet. Während Issa eher etwas ruhiger und bodenständiger zu sein scheint, scheint Grace unerschrockener, mutiger zu sein. Man erkennt einmal mehr wie wichtig es ist Freunde allgemein Unterstützung auch im selben Alter zu haben. Mädchen allein zu zweit eben. Egal mit welcher Herausforderung sich die jeweilige gerade konfrontiert sieht.
Ein weiteres großes Thema, wie schnell ersichtlich ist, ist Geld bzw. allgemein Kapitalismuskritik. Das Spannungsfeld zwischen den reichen, privilegierten Internatsschülern und den ärmeren Schülern des Ortes ist klar sichtbar. Und umso markanter wird das Thema, als Geld für die ausstehenden Kosten an der Schule und aber auch für Graces Operation gesucht wird. Schafft man es rein durch Arbeit genug aufzutreiben. Welche Schritte darf man dafür setzen. Was ist vertretbar – gesellschaftlich und moralisch.
Der Erzählstil ist flott, ansprechend und man folgt hauptsächlich Issa. Interessant waren die Einwürfe aus Graces ABC des Geldes und das Tagebuch von Livvie, die den Blickwinkel erweiterten. Beide Hauptcharaktere fand ich nahbar und authentisch mit all ihren Sorgen. Man fühlt sich manchmal ohnmächtig, wenn alles über einen einbricht, selbst als Erwachsener. Wie frustrierend ist es dann erst recht als Jugendlicher mit begrenzten Mittlen. Allein die Herangehensweise an die Brustverkleinerung fand ich etwas eigen, aber welche anderen Möglichkeiten hätte es schon gegeben. Ich hätte mir gegen Ende gerne auch ein paar Seiten mehr zum Ausklang gewünscht, auch wenn die großen Fragen auch so geklärt wurden.
Ich habe sowohl das Hörbuch mit dem Buch ergänzt und kann beides herzlich empfehlen. Der Roman ist eben sprachlich modern, klar und auch einfühlsam. Dennoch fehlt nicht der Witz. Die Stimme der Hörbuchleserin ist angenehm und auch passend jugendlich.
Definitiv empfehlenswert für die Altersgruppe, aber auch abseits davon.





Septembermord
von Chris Chibnall
Fleetcombe, ein kleiner, ja schon idyllischer Ort nahe der Küste Englands erlebt sein erstes Gewaltverbrechen seit langer Zeit. Eine Leiche wird mitten auf der Bundesstraße gefunden, doch dem nicht genug die Inszenierung ist sonderbar: Nackt und mit einem Plastiksack eingehüllt, auf einem Stuhl sitzend und ein Hirschgeweih am Kopf fixiert. Wie zu vermuten eine wahre Herausforderung, ist die polizeiliche Ausstattung doch auf ruhiges Landleben ausgerichtet. Nicola Bridge, eine Einheimische, die nach Jahren in Liverpool in die ruhige Heimat zurückkehrt, ist ebenso gefordert wie das neue Team um sie. Die Dorfgemeinschaft scheint ihre eigenen Geheimnisse zu haben, jeder scheint etwas zu verbergen und nur die halbe Wahrheit mit der Polizei zu teilen.
Das Tempo der Geschichte ist zu Beginn doch sehr rasant, denn die Leiche wird rasch gefunden und die Auffindesituation ist durchwegs bizarr. Während man zu Beginn noch denkt, dass die eher knappen Ressourcen und das doch unerfahrene Team – Nicole Bridge ausgenommen- die großen Herausforderungen sein werden, erkennt man als Leser doch bald, dass vor allem die Geheimnisse, die die Dorfgemeinschaft und jeder einzelne zu verbergen versucht, der wahre Hemmschuh sein werden. Das Tempo nimmt damit auch immer wieder ab. Für mich allerdings vertretbar und eben realistisch auf Grund der Hindernisse. Man erfährt dadurch einfach realistischer die teilweise etwas langatmigere Ermittlungsarbeit.
Der Plot und die Charaktere der Geschichte funktioniert für diesen Krimi, aber eben auch als Auftakt einer Reihe. Das Team muss sich erst finden und ist doch etwas gegensätzlich. Nicola Bridge, polizeilich erfahren, die es auch um ihr Privatleben willen in Zukunft gerne etwas ruhiger hätte. DC Harry Ward, Westlife genannt, Quereinsteiger bei der Polizei, der es in Zukunft gerne etwas turbulenter hätte, sehr eifrig ist aber ohne Erfahrung. Dann noch den eher mürrischen DC Mel Hardiman der vor allem an Datenanalyse im Innendienst interessiert ist. Ein spannendes Ermittlungsteam, dass sich finden muss.
Doch auch die Dorfbewohner sind spannende und etwas kauzige Charaktere. Farmer Deakins der mit allem und jedem im Kampf zu sein scheint – Nachbarn, Touristen und auch seiner familiären Geschichte. Ein Mädchen Shannon, dass den Tag lieber am Spielplatz versteckt verbringt, da es sich vor seinem Zuhause fürchtet. Der alternde Paketbote Eddie, der mit seinem Beruf hadert und der nichtbinäre Friseur Frankie, der wie alle anderen auch etwas zu verbergen scheint.
Für mich war es ein gut gelungener Krimi im britischen Setting, eine klassische Polizeiermittlung. An so mancher Stelle fühlte ich mich auch an die Serie Broadchurch des Autors erinnert, vor allem durch das Setting in einem kleinen südenglischen Ort mit allen Geheimnissen.
Definitiv lesenswert – ich freue mich schon auf das nächste Buch der Serie.





Die Nachbarin. Lass sie nicht in dein Haus.
von Nova Winter
Smilla und Jonas sind nach turbulenten Jahren neu in die Gegend am Schwarzwald gezogen. Bei einer Joggingrunde zum nahegelegenen See, rettet sie einen kleinen Jungen namens Moritz knapp vor dem Ertrinken. Die Mutter des Jungens reagiert seltsamerweise eher aggressiv als erleichtert und verschwindet rasch mit ihm. Und sie hat das eigenartige Gefühl ihrem eigenen Kind begegnet zu sein, dabei war sich doch nie schwanger. Doch bald sieht man sich wieder – sie ist die Nachbarin, Lou. Und während Lou eher kalt und abweisend ist, ist ihr Mann Quentin sehr offen und dankbar. Doch ein gemeinsames Abendessen verläuft seltsam und auch in der neuen Anstellung in Quentins Hotel kommt es zu eigenartigen Situationen. Überall scheinen Geheimnisse zu lauern.
Geschickt schafft es die Autorin durch flüssigen Schreibstil, etliche Perspektivenwechsel und eher kurz gehaltene Kapitel rasch Spannung und Verwirrung zu erzeugen. Man taucht in die Gedankenwelt von Smilla und ihrem Mann Jonas, aber auch in die der Nachbarn Lou und Quentin ein. Glaubt man zu Beginn vor allem Smilla vertrauen zu können und sie zu mögen, ist man sich auch hier im Zuge der Erzählung nicht mehr allzu sicher. Manches scheint Illusion und Täuschung gewesen zu sein. Dadurch ist es als Leser nicht einfach dem Rätsel auf die Spur zu kommen.
Die Geschichte ist gut konstruiert, viel Spannung ergibt sich auf Grund der Vorbehalte und Zweifel, die gehegt werden. Eben eher ein Psychothriller. Gegen Ende geht es dann allerdings auch eher Schlag auf Schlag, was wirkliche Aktion betrifft. Auch ein länger gehütetes Geheimnis wird aufgelöst. Hier hätten wohl ein paar Absetze Text mehr nicht geschadet, das Verständnis war allerdings auch so da.
Die Figuren agieren für ihren Charakter authentisch, vor allem wenn man ihre Vergangenheit im Blick hat. Als Leser ist man sich aber nicht sicher wen man trauen und mögen sollte, gibt es doch auch so manche Manipulation. Scheint zu Beginn vor allem Lou abwesend und eigen, sind es zwischenzeitlich alle. Doch Sympathien können eben auch wechseln und Charaktere über sich hinauswachsen, wie man im Laufe der Geschichte erkennt.
Ein Psychothriller, den ich nicht recht aus der Hand legen konnte, da ich konstant am Rätseln war.





Perfect Little Monsters
von Cindy R. X. He
Dawn Foster wechselt in der zwölften die Schule, von Kalifornien an eine High School in einer Kleinstadt in Wisconsin. Eigentlich möchte sie unbekannt bleiben, doch schon am ersten Tag begegnet sie einer Clique von Cheerleaderinnen, die perfekt zu sein scheinen aber auch gemein gegenüber ihrem Umfeld. Um ihrer Mutter eine Freude zu machen, steigt sie dennoch ins Cheerleadingteam ein, um das fortzuführen, das sie auch in Kaliforniern schon betrieben hat. Immer mehr wird sie Teil der Gruppe – oder auch nicht, und schließlich wird nach einer Homeparty, Ella, die Teamleaderin tot aufgefunden. Welche Geheimnisse verbergen alle, inklusive dem charmanten Außenseiter Isaac.
Rasch ist man in der Geschichte drinnen – begleitet man doch Dawn schon am ersten Schultag und erkennt, wie ablehnend und gemein die Clique um Ella ist und wie manipulativ Ella ist.
Die Sprache ist modern, ohne Schnörkel, locker, rasch - eben Jugendsprache. Erzählt wird aus zwei Perspektiven, Dawn und Hannah. Dawn erlebt eben ihren Neuanfang an dieser unbekannten High School und sieht sich bald mit einem Mord konfrontiert. Da sie so einige Geheimnisse aufgeschnappt hat, beginnt sie mit eigenen Ermittlungen. Hannah, die zweite Erzählperspektive, die in die Vergangenheit blickt, bewirbt sich in der neunten parallel mit Ella um einen Platz im Team. Sie leidet sehr unter Mobbing und der hohen Erwartungshaltung ihrer Eltern.
Somit erkennt man schon bald mit welchen Themen man hier konfrontiert ist Mobbing, psychischen Krankheiten, Depression, Selbstmord – und so manches andere wie in der Triggerwarnung ersichtlich ist. Es gibt etliche Verdächtige, falsche Spuren und ich selbst habe lange gebraucht, um auf die Lösung zu kommen.
Charakterlich fand ich Dawn und Isaac sehr gelungen. Mit Hannah hatte ich viel Mitleid. Die Charaktere der Cheerleader fand ich im Gegensatz etwas klischeehaft und flach, doch ist dies wahrscheinlich auch dem Setting geschuldet. Wer die klassischen Highschool Filme der 1990er und 2000er kennt, wird sich hier rasch darin wiederfinden.
Für mich ein gut gelungener YA-Thriller, da er eben auch wichtige Themen nebenbei aufgreift.





Cats Tagebuch - Lass die Ratte aus dem Sack!
von Franziska Höllbacher
Kater Knurbert hat es schon nicht einfach in seinem Katzenleben. Da stört so manches menschliches Verhalten, den ruhigen Katzenalltag. Und dann gibt es auch noch ein Biest, das in der Nachbarschaft sein Unwesen treibt und Mülltonnen, Autos mit Kratzspuren versieht. Bald kommt Knurbert in Verdacht und man droht sogar mit Tierheim. Da kommt es gerade recht, dass sein Besitzerkind Franz ihn als Superheld gezeichnet hat. So kann man Bestien besiegen.
Das Buch ist schön gestaltet und richtet sich an Kinder ab 9 Jahren oder vielleicht generell Katzenliebhabern mit einer Portion Humor. Passend zum Stil eines Tagebuchs ist die Schrift gewählt und die Illustrationen, ja teilweise Kritzeleien tuen ihr übriges zum Gesamtbild.
Kater Knurbert transportiert schön die gängigen Ansichten über Katzen – sie haben das Sagen und immer Recht. Und eigentlich dulden sie Menschen ja nur als Angestellte. Man ist manchmal tollpatschig und zieht sich dann galant aus der Affäre, denn man hat ja Stolz. Und eigentlich ist eine Katze ja noch immer ein großer Tiger und verhält sich auch so.
Und was sagt das Kind selbst: Die Sprache im Buch war sehr lustig. Kater Knurbert und die Ratte Ratto waren toll. Gut passte aber auch die Schildkröte Ingrid und der Vogel Ralf dazu. Sie verhalten sich teilweise wie Menschen, aber eben mit tierischer Besonderheit. Ein bisschen wie tierisches Gregs Tagebuch.
Ich würde mir wünschen, dass es einen weiteren Band gibt.





Über der Brandung
von Franziska Jebens
Eine Autorin verlässt nach Problemen im Privaten und beruflichen Umfeld nun spontan Berlin auf der Suche nach einer Auszeit. Es verschlägt sie auf eine kleine griechische Insel, Kefonisi. Eine wilde, wundervolle kleine Insel der Kykladen, mitten in der blauen Ägais, mit wundervoller Natur und auch netten Menschen. Speziell Hera, naturverbundene und etwas unkonventionelle Cafebetreiberin, nimmt sich der Autorin an, die sie liebevoll Nea, die Neue, nennt. An ihrer Seite lernt sie so viel neues kennen – anderen Frauen, die sich regelmäßig treffen und vertrauen, das Wissen über Natur und Heilung, alte Traditionen. Langsam löst sich Nea von alten Problemen.
Die Protagonistin lässt alles hinter sich, taucht in ein neues Leben ein, zugegebenermaßen ungewöhnlich einfach und ohne Probleme, wie es für die meisten wohl nicht möglich wäre. Dabei lernt sie spannende Charaktere kennen, viele Frauen, die sich gegenseitig stärken und reflektieren. Die Themen Verbundenheit, speziell Sisterhood, Naturverbundenheit und Freundschaft spielen eine große Rolle. Weiblichkeit wird zelebriert, so manchem „Hexen“ritual wohnt man bei, ja es wird auch etwas esoterisch. Die Charaktere sind durchwegs liebevoll und positiv gestaltet, passend zur Atmosphäre des Buches, sie geben Hoffnung und Reflexion, ohne unter Druck zu setzten.
Der Schreibstil ist wie schon zu vermuten ist sehr bildhaft und atmosphärisch. Neben der Hauptgeschichte die Neas aktueller Zeit folgt, sind immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit verschiedener Charaktere eingeworfen. Dadurch hat man gleich ein anderes Verständnis für den Charakter. Alles liest sich sehr flüssig.
Der Roman gibt einige Denkanstöße und Motivation für das eigene Leben, dass eine Änderung immer möglich ist und man eben frei ist so zu wählen. Auch, dass es wichtig ist authentisch zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen. Grundsätzlich Dinge, die man wohl schon gehört oder gelesen hat, und damit nichts neues, allerdings doch schön dieses immer wieder vor Augen geführt zu bekommen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass alles etwas sehr glatt verläuft und für mich damit für die meisten Personen nicht realistisch ist. Aber gut es ist ja auch ein Roman zu Unterhaltungszwecken.
Ein Roman, der die Stimmung auf der kleinen Insel wundervoll einfängt. Man hat regelrecht das Gefühl von Meer, Sand und Salz auf der Haut. Spürt die Sonne, hört das Zirpen der Insekten und kann sich die gesamte Natur gut vorstellen. Ein Urlaubsroman, und doch etwas mehr.









