Kundenrezensionen
BR
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Kora lebt seit vielen Jahren in Anselms Elternhaus in Köln während er zur Arbeit nach Berlin pendelte und nur am Wochenende zuhause war. Doch nun hat sich für Kora ihr vertrautes Leben verändert. Sie selbst musste eine schwere Zeit mit einer Herz OP überstehen und dass Anselm mit einer Frühverrentung jetzt ständig in Köln lebt hat sie komplett überrumpelt.
Von Anfang an merken wir dass Kora sich von ihrem Mann Anselm entfernt. Gleich mit der hastigen Abreise zu einer Einladung einer langjährigen Kollegin nach München. Sie hängt direkt einen Abstecher zu einem Bekannten dran der Kora unbedingt in die Suche nach seiner verschwundenen Frau einbinden will. In ihrer Beziehung geht sie auch auf Abstand. Sie lässt Anselm im Ungewissen wohin und warum sie verreist und die Grüblereien über die Beziehung teilt sie nicht mit ihm.
Ich habe mir schwergetan mit dieser Geschichte, besonders weil ich Kora mit ihrer Unzufriedenheit und ihren Gedankengängen nicht verstehen konnte. Ich bin genau in diesem Alter und finde dass man bis dahin schon viel darüber gelernt hat wie sich das Leben verändert. Man kennt die Gefahr von Verlust und Krankheit und spürt dass Möglichkeiten und Ziele etwas enger werden. Aber man tut gut daran, die Dinge zu schätzen die man hat und die gut sind. Auch eine gute Beziehung oder gute Freundschaften sind sehr wertvoll und man sollte schon etwas Mühe investieren.
Immerhin hatte ich zum Ende hin den Eindruck dass Kora mit ihrer Unruhe und allen Zweifeln doch auf einen Weg zurück gefunden hat.
marcialoup
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
So sehnsüchtig oder neugierig, vielleicht suchend, der Blick der Frau in ein subtiles Gefüge auf dem wie in Leinwand gemalten Cover ist, so klingt auch die Erzählung der Geschichte.
Leise schwingend, subtil greifbar, bisweilen verletzt, sehnsüchtig angehaucht nach Neuem, nach Veränderung, aber auch nach Gebliebenem, Bewährtem.
Genau wie die Gegensätze altgrün und leuchtend orange des Bucheinbands federn manche Gegen-Sätze des Lebens die Geschichte ab.
Kora, Journalistin … nach einer Herz-OP – fährt sie allein auf eine 85-jähriges Geburtstagsparty nach München. Mit Zwischenstop bei Felix, dessen Frau verschwunden ist.
Anselm, Biologe, und Kora’s Mann … seit kurzem im Ruhestand – bleibt Zuhause, widmet sich seinem Teichprojekt und begleitet Kora über Telefonate.
Kora stellt Fragen, sich selbst, konfrontiert sich mit dem Inneren ihres angeschnittenen Herzens, in dem nicht nur eine Wunde zur Narbe wurde.
Wie ein Pingpongball wirft Kora ihre Lebensabschnitte hin und her, dreht und wendet sie in Erinnerungen an die Herz-OP, die Zeiten des Jung-Seins zurück bis zur Kindheit in einer angeschlagenen Familie, ihre beginnende Liebe mit Anselm, all dies taucht in ihrer Selbstbetrachtung auf. Und sie versucht, sich in den Antworten wiederzufinden oder neu zu sortieren.
Ihre Vergangenheit, so bunt, so lebendig, so voll mit Erlebnissen, so schmerzhaft und so losgelöst von den aktuellen Momenten, dass sie sie betrachten kann wie einen Film, ihr Leben, das gefühlt fremd ist, nicht zu ihr gehört und doch so vertraut ist!
Der Schreibstil von Gisa Klönne ist ein tiefer, ein ruhiger, einer der in Wunden kratzen kann, einer der mitnimmt und Kraft schenkt und irgendwie tröstend wirkt, wenn man sich darauf einlässt!
Ich mag ihre Bücher, immer wieder!
begine
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Die Schriftstellerin Gisa Klönne schreibt in ihrem Roman,
Die Liebe, s+älter, über das Älter werden.
Die Journalistin Cora muss mit sechzig Jahren eine neue Herzklappe hingepflanzt werden. Das ist für jeden ein eingreifendes Erlebnis. Ihr wird nahe gelegt in Frührente zu gehen. Das wurde hier plastisch erzählt.
Ihr Mann Anselm ist etwas älter und geht schon von sich aus in Rente. Das war gut gemeint. Ist dann doch auf einmal Zuviel Nähe. Das konnte ich genau nachvollziehen.
Dann denkt Cora viel an ihre Kindheit und Jugend.
Zwischendurch driftet sie immer an ihre Operation ab.
Dann macht sie sich Sorgen, kann sie weiter mit Anselm zusammen leben? Sie fährt oft nach Berlin, da hat sie von ihrem Vater eine Wohnung geerbt.
Anselm lässt sie viel im Unklaren, wann sie wiederkommt.
Bis er selber dann auf Reisen geht, um aufzuräumen in seiner Vergangenheit. Das bringt Cora endlich zu einem Ergebnis.
Der Roman ist wunderbar echt und lebensnah.
Ich war von ihm begeistert.
cosmea
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Anselm und Kora, beide Anfang 60, sind seit über zwanzig Jahren ein Paar. Nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung, gefolgt von einer Herzoperation erholt sich Kora nur langsam. Sie spürt, dass sie nicht einfach da weitermachen kann, wo sie vor der Operation aufgehört hat. Das ist auch deshalb nicht möglich, weil Anselm in Rente gegangen ist und die Radiostation, für die Kora all die Jahre gearbeitet hat, sie drängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Kora kann sich zunächst nicht entscheiden, stellt ihr ganzes Leben in Frage. Sie liebt Anselm nach wie vor, war immer glücklich in dieser Ehe, die all die Jahre eine Wochenendbeziehung war, weil Anselm zwischen Berlin und ihrem Haus in Köln pendelte, will aber plötzlich frei sein, was immer das in ihrem Fall heißen mag. Kora geht zurück in ihre Vergangenheit und trifft Freunde aus der Kindheit und Jugend. Da gibt es viele Dinge, die sie verdrängt hat und nun durch eine neuerliche Begegnung zum Abschluss bringen will. Das sind Geheimnisse, von denen Anselm nichts weiß, aber auch er hat ihr nie alles über sich gesagt. In dieser Beziehung gab es schon immer viel Distanz. Der Leser begleitet eine Ehekrise mit lange ungewissem Ausgang. Daneben beschäftigt sich Kora mit dem Problem ihres alten Bekannten Felix, der sie um Hilfe gebeten hat. Die Ehefrau von Felix ist plötzlich spurlos verschwunden, vielleicht bei einer Wanderung in den Alpen ums Leben gekommen, eventuell aber auch unterwegs in ein anderes, neues Leben.
Die überwiegend aus Koras Perspektive auf mehreren Zeitebenen erzählte Geschichte ist nicht frei von Längen, aber sehr interessant und lesenswert. Die Einsichten in die menschliche Existenz bringen den Leser zum Nachdenken, besonders die immer wieder eingestreuten 5-Punkte-Listen. Wir dürfen vor allem nicht vergessen, „dass nichts jemals so bleibt, wie es gerade ist. Der andere nicht. Man selbst nicht. Das Leben.“ (S. 187). Dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn wir Zukunftspläne schmieden.
Bücherfreundin
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Nachdem ich 2022 mit großer Begeisterung Gisa Klönnes Roman "Für diesen Sommer" gelesen habe, freute ich mich sehr auf ihr neues Buch "Die Liebe, später". Meine Erwartungen waren sehr hoch - und ich wurde nicht enttäuscht!
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 61-jährige Journalistin Kora von Stein, die seit 24 Jahren mit Anselm verheiratet ist. Dieser arbeitete bis vor kurzem an den Wochentagen als Ministeriumsreferent in Berlin und pendelte zwischen der Hauptstadt und dem gemeinsamen Haus in Köln. Kora erholt sich gerade von einer schweren Herzoperation, während ihr sich nun im Ruhestand befindlicher Mann davon träumt, einen großen Schwimmteich im Garten anzulegen. Seine ständige Anwesenheit belastet Kora, die viele Jahre damit glücklich war, das Haus an den Wochentagen für sich zu haben. Sie beschließt, ihre Freundin und Mentorin Gabriella in München zu besuchen, die ihren 85. Geburtstag feiert. Auf dem Weg dorthin möchte sie ihren Bekannten Felix besuchen, der sie verzweifelt um Hilfe bei der Suche nach seiner vor kurzem spurlos verschwundenen Frau Leonie bittet.
Der Roman ist in schöner Sprache ruhig erzählt und liest sich sehr flüssig. Gisa Klönne ist es gelungen, nicht nur die beiden Hauptcharaktere, sondern auch die Nebenfiguren ganz wunderbar und authentisch zu skizzieren. Sie lässt uns tief in Koras Gefühls- und Gedankenwelt blicken, ihre Ängste und Zweifel erleben. Nach und nach blättert sich Koras Vergangenheit auf: ihr Aufwachsen beim Vater nach dem viel zu frühen Tod der Mutter, das Kennenlernen von ihr und Anselm, und die belastende Zeit, als die schwere Erkrankung sie aus dem Alltag riss und ihr Leben abrupt veränderte.
Ich konnte mich sehr gut in die verunsicherte Kora hineinversetzen, die ihre aus dem Gleichgewicht geratene Ehe auf den Prüfstand stellt und nicht weiß, ob sie so weiterleben kann wie bisher. Die unsichere berufliche Situation macht ihr zu schaffen, der Sender hat ihr einen Auflösungsvertrag geschickt, obwohl sie bald wieder im Radio zu hören sein möchte. Es fällt ihr noch schwer, mit den Folgen der Herzoperation umzugehen, sich an die regelmäßige Einnahme notwendig gewordener Medikamente zu gewöhnen. Trotz eigener Probleme fühlt sie sich verpflichtet, dem verzweifelten Felix bei seiner Suche nach Leonie zu helfen. Auch den sympathischen Anselm habe ich gut verstanden, er brennt für sein Teichprojekt und seine Libellen, und er wünscht sich sehnlichst, auch Kira dafür zu begeistern. Gut gefallen hat mir Koras Reise in die Vergangenheit und ihre Begegnung mit einem Freund aus Kindertagen. Zwischen den Texten hat die Autorin immer wieder 5-Punkte-Listen eingefügt, z.B. fünf Ruhestand-Hobbys, vor denen Kora sich fürchtet, fünf Dinge, die Anselm als Glück empfindet und fünf Dinge, die Kora gern früher gewusst hätte - eine ganz wunderbare Idee, durch die ich Kora und Anselm noch intensiver kennenlernte konnte.
Gisa Klönnes mit viel Sensibilität geschriebener Roman, in dem es neben persönlichen Veränderungen, Nähe und Distanz in der Ehe auch um Probleme des Älterwerdens, erlittene Verluste und deren Bewältigung geht, hat mich von Beginn an bis zum hoffnungsvollen Ende gefesselt und tief berührt.
Absolute Leseempfehlung für die melancholische und lebenskluge Geschichte, die zum Nachdenken anregt!
Ruth
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Eine lebensbedrohende Herzerkrankung verändert von einem Tag auf den anderen das Leben der sechzigjährigen Kora. Nach OP und Reha steht sie vor der Frage, wie es weitergehen soll mit ihr. Soll sie auf den Ratschlag der Ärzte hören und ihren Job aufgeben? Das wünscht sich jedenfalls ihr Ehemann Anselm, der nun selbst in den Vorruhestand getreten ist. Er freut sich auf die gemeinsame Zeit mit seiner Frau, hat schon ganz konkrete Pläne. Endlich kann er sich nämlich den lang gehegten Traum von einem Naturteich im eigenen Garten erfüllen. Doch Kora sieht sich nicht abends am Steg sitzen. Sie ist noch lange nicht bereit für den Ruhestand, dafür bedeutet ihr der Beruf zu viel: erst Hauptstadtjournalistin, dann Moderatorin einer erfolgreichen Radiosendung. Und nun will man sie aufs Altenteil abschieben. Alles in ihr sträubt sich dagegen.
Auch die plötzlich ständige Nähe zu Anselm ist ungewohnt. Seit zwanzig Jahren führen die beiden eine glückliche Wochenendehe, Anselm in Berlin im Verkehrsministerium, sie in Köln beim Radio. Die gemeinsame Zeit war knapp bemessen, dafür aber schön.
Wie wird es nun sein, wenn sie täglich aufeinander hocken?
Kora braucht Abstand, um Antworten auf diese Fragen zu finden.
Sie flüchtet geradezu aus dem gemeinsamen Haus und begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Dazu trifft sie Menschen von früher und besucht Orte ihrer Kindheit und Jugend.
Dabei erfährt der Lesende viel aus Koras Leben; Erlebnisse und Erfahrungen, die sie geprägt haben und die noch immer in ihr arbeiten. So wie der frühe Tod ihrer Mutter, aber auch eine traumatisch endende Liebesbeziehung.
Zugleich braucht ein Wanderkollege die Hilfe Koras. Seine junge Frau ist spurlos verschwunden. Ist sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen oder war es ein Unfall? Oder ist sie etwa aus einem Leben geflüchtet, das nicht mehr zu ihr passt?
Gerade diese Frage beschäftigt Kora sehr, sind es doch Überlegungen, die sie teilt. Aber kann man einfach ein altes Leben hinter sich lassen? Und was macht das mit den Zurückgelassenen? „Das verlassene Leben lässt sich nicht auslöschen, es bliebe auch in der Ferne auf immer Bezugspunkt.“
Der Roman stellt viele Fragen. Fragen, die viele Lesende beschäftigen mögen und auf die jeder selbst eine Antwort finden muss.
Die Autorin findet für ihr Paar eine realistische Lösung. Doch der Weg dorthin ist nicht einfach, auch das zeigt Gisa Klönne.
Völlig frei von Kitsch und Sentimentalitäten beschreibt die Autorin den Selbstfindungsprozess einer älteren Frau und was das mit ihrer Ehe und mit ihrem Mann macht. Geschildert wird das aus Koras Perspektive, so dass man als Lesender sehr nah in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt ist, ihre Zweifel und Zerrissenheit nachfühlt.
Originell sind dabei die immer wieder eingeschobenen Listen von jeweils fünf Dingen oder Kennzeichen, wie z.B. „Fünf Nachteile einer langjährigen Liebe“ oder „Fünf Dinge, die Kora gerne früher gewusst hätte“. Auch das verrät einiges über die Figuren.
Sehr gut gelingen der Autorin die Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählebenen. Neben der Gegenwart und den Ausflügen in die Vergangenheit gibt es einzelne Kapitel, die einfühlsam und nachvollziehbar Koras Krankenhaus - und Reha-Zeit beschreiben.
„Die Liebe, später“ ist ein spannend zu lesendes und authentisch wirkendes Porträt einer Ehe, die sich im Wandel befindet. Dabei verhandelt der Roman existenzielle Fragen und Probleme, die jeder aus eigener Erfahrung kennt. Wie geht man mit Veränderungen um? Wie viel Mut braucht es für Neuanfänge? Wie gelingt die Balance zwischen Nähe und Distanz?
Durch die flüssig zu lesende und realistische Darstellung und die vielen nachdenkenswerten Themen eignet sich der Roman sehr gut für Diskussionen in einem Lesekreis. Gleichermaßen lebensklug wie unterhaltsam.
Sternzauber
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Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Der Titel fühlt sich für mich etwas sperrig an, aber ich mag das Cover von „Die Liebe, später“ mit dem abgewandten Frauengesicht und den harmonischen Farben. Dieses Bild alleine enthält schon eine Geschichte und das gefällt mir sehr.
Gisa Klönne erzählt in diesem Buch die Geschichte von Kora und Anselm. Die beiden sind glücklich verheiratet und führen ein perfekt austariertes Leben zwischen Nähe und Distanz. Doch dann muss sich Kora einer schweren Herz-OP unterziehen und ihr ganzes Leben gerät aus den Fugen. Sie weiß nicht mehr, wer sie ist und was sie (noch) kann. Ihr Alltag, ihr Beruf und auch ihre Ehe stehen auf dem Prüfstand und während Anselm die Rente einreicht, Zeit mit Kora verbringen und sich den Traum eines Libellenteiches erfüllen will, flüchtet sie und beschäftigt sich mit Menschen, Erlebnissen und Gefühlen aus der Zeit als junge Frau…. Ob die Beiden sich selber und wieder zueinander finden werden?
Ich kannte bisher kein Buch der Autorin und wusste daher gar nicht, was mich bei dieser Lektüre erwartet. Somit wurde ich sehr positiv davon überrascht, dass Gisa Klönne in sehr angenehm flüssigen Stil schreibt, umgehauen hat mich jedoch die Intensität ihres Textes: Ich konnte in der Lektüre ganz in Koras Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen, mit ihr fühlen, mit ihr zweifeln, hadern und neue Hoffnung schöpfen – denn die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt. Ich war so nah an ihr dran und Gisa Klönne ist es gelungen sie so authentisch zu zeichnen, dass ich nie irritiert war – all ihre Handlungen, Gefühle, Gedanken und Zerrissenheiten, waren, wenn auch natürlich nicht immer logisch, für mich absolut nachvollziehbar und stimmig. Ich durfte mit Kora durch ihr Leben reisen, konnte durch Erfahrungen in früheren Jahren immer besser verstehen, warum sie sich nun fühlt, wie sie es eben tut und sie immer besser kennen lernen.
Aber neben den individuellen Belangen Koras, spielt auch die Ehe mit Anselm eine wesentliche Rolle im Buch. Es wird wunderbar deutlich, wie sehr sich die Gefühle und Bedürfnisse des einzelnen Menschen auf die Beziehungsqualität auswirken und wie sehr Veränderungen ein erfolgreiches und harmonisches Gefüge (zer-)stören können. Ich kenne bisher kein anderes Buch, das die fragile Beständigkeit einer Ehe so feinfühlig, so intensiv und so gekonnt einfängt und das Höhen und Tiefen so sensibel ausleuchtet.
Die ProtagonistInnen dieser Geschichte befinden sich in einem ganz anderen Lebensabschnitt als ich, beschäftigen sich mit ganz anderen Herausforderungen und stehen an anderen Wendepunkten – und doch hat mich die Geschichte erreicht, stark berührt und in ihren Bann gezogen, ich konnte mich mit Kora identifizieren. Besonders toll finde ich auch kleine Einschübe im Fluss der Geschichte, die immer wieder 5 Dinge aufzählen, die Kora und ihre Ehe noch näher beschreiben. Für mich ist dies ein tolles Element, das der Intensität noch mehr Tiefe verleiht und ich mochte es auch sehr, dass die Geschichte immer wieder aus verschiedenen Zeiten berichtet. So erfahren wir LeserInnen Geschehnisse aus dem Jetzt, genau so, wie aus der Zeit der OP und Rehabilitation oder aus früheren Jahren.
„Die Liebe, später“ ist für mich ein sehr lebendiges, intensives und authentisches Portrait einer Ehe, aber auch und vor allem einer sehr persönlichen Entwicklung. Es geht um Veränderungen, Neuanfänge, den Sinn des Lebens, eigene Bedürfnisse, Gefühle, die Aufarbeitung der Vergangenheit und Verluste, aber auch um Hoffnung, zweite Chancen und neue Möglichkeiten und um die Liebe in all ihren Facetten. Gisa Klönne ist ein sehr dichter und außergewöhnlicher Roman gelungen, der mich zum Nachdenken anregte und den ich von Herzen weiter empfehlen möchte – viel Freude beim Eintauchen!
