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nessabo
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Betty Boras ist wohl vielen in der Bookstagram-Bubble ein Begriff und umso höher waren auch meine Erwartungen an das Debüt der Autorin. Glücklicherweise konnten die in voller Höhe erfüllt werden.
Zuerst einmal bin ich begeistert davon, wie Boras mit ihrer Sprache umzugehen weiß. Ihre Worte sind bewusst gewählt und treffen präzise ins emotionale Zentrum ihrer Leser*innenschaft. Dabei wandert die Autorin sprachlich genau an der Grenze von feiner Poesie und direktem Ausdruck, was ich sehr genossen habe. Sie schweift nicht zu malerisch ab, hat mich aber dennoch zum aufmerksamen Lesen angehalten, woran sich ein anspruchsvolles Werk in meinen Augen erkennen lässt.
Spätestens in der Danksagung wird klar, dass Boras sich hier sehr nah an ihrer eigenen Biografie bewegt und das spiegelte sich deutlich in der Authentizität der Erzählung wider. Auf zugängliche und interessante Weise habe ich so etwas gelernt über die Geschichte des Banat und damit auch des späteren Rumäniens. Nach der Lektüre hatte ich dann direkt Lust, noch mehr dazu zu recherchieren und genau dafür liebe ich Bücher.
Die feministische Komponente der Geschichte ist fein herausgearbeitet. Besonderes lobenswert finde ich jedoch, wie sich durchaus gängige Reflexionen zum gesellschaftlichen Schönheitsideal fließend verbinden mit Migrationsgeschichte, Rassismus und transgenerationaler Weitergabe. Vio ist als zentrale Figur der Gegenwart komplex und war für mich als Leserin enorm gut greifbar. Sie wird auf zwei Zeitebenen erzählt und macht so deutlich, wie ihre Kindheitserfahrungen und damit auch die Handlungen ihrer Eltern sich auf ihre eigene Mutterschaft auswirken, ohne dabei jemals scharf zu werten.
Ergänzt wird der Roman um die Perspektive Theresias, die im 18. Jhd. mit patriarchal-kirchlicher Objektifizierung und Entrechtung zu leben versucht, dabei aber auch weiblichen Zusammenhalt erfahren darf. Für ihre Kapitel habe ich eine Weile gebraucht, weil die Autorin auf jeden Fall mündige Leser*innen anspricht, die sich vom dosierten Einstreuen historischer Begriffe und Sprache nicht überfordern lassen. Dennoch schafft es Boras, stets verständlich zu bleiben und die beiden Frauen am Ende zart miteinander zu verknüpfen.
Meine einzige Kritik zielt darauf ab, dass die Wechsel der Perspektiven teils sehr rasant waren und ich einige Seiten lesen musste, bis ich verstanden habe, dass die Vio- und die Ich-Kapitel die gleiche Person an unterschiedlichen Zeitpunkten ihres Lebens betreffen. Doch insgesamt betrachtet ist das Werk sprachlich, inhaltlich und emotional so gut zusammengestellt, dass ich wirklich bereichert aus der Lektüre gehe und das Buch von Herzen empfehlen möchte.
bedard
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Über weibliche Lebensrealitäten und den Wunsch nach dem „schönsten Leben“
Mit „Das schönste aller Leben“ gelingt Betty Boras ein eindringlicher Debütroman, der persönliche Geschichte mit großen gesellschaftlichen Fragen verbindet. Im Zentrum steht Vio, die nach dem Ende der rumänischen Diktatur mit ihren Eltern aus dem Banat nach Deutschland kommt – und dort früh verinnerlicht, dass Zugehörigkeit oft Anpassung, Leistung und Schönheit voraussetzt.
Gleich zu Beginn des Romans überschattet ein schwerer Unfall das Leben der erwachsenen Vio: Ihre kleine Tochter trägt eine sichtbare Brandnarbe im Gesicht davon. Für Vio steht sofort fest, dass sie das Leben ihres Kindes „zerstört“ hat. Diese Überzeugung zieht sich durch den gesamten Roman. Getrieben von Schuldgefühlen und der Angst vor gesellschaftlicher Bewertung zieht sie sich mit ihrer Tochter immer weiter zurück, meidet die Öffentlichkeit und verliert zunehmend den Zugang zu einem normalen Leben. Erst gegen Ende, mit professioneller Hilfe, öffnet sich langsam wieder ein Weg zurück zu Teilhabe und Selbstakzeptanz.
Das Banat bleibt dabei weit mehr als nur ein Herkunftsort: Es wirkt als emotionale und kulturelle Prägung fort, die sich nicht einfach abstreifen lässt – selbst dann nicht, wenn ein neues Leben längst begonnen hat. Besonders eindrucksvoll zeigt der Roman, wie Migration nicht nur Neuanfang bedeutet, sondern auch Verlust, Entwurzelung und ein ständiges Dazwischen. Diese Erfahrung prägt Vios Selbstbild ebenso wie ihr Verständnis davon, was ein gelungenes Leben eigentlich ausmacht. Die eindringlichen Passagen, in denen die alte Heimat eine eigene Stimme bekommt, verstärken dieses Gefühl noch.
Parallel erzählt Boras die Geschichte von Theresia im 18. Jahrhundert, die unter Zwang ins Banat gebracht wird. Ihre Erfahrungen machen deutlich, dass die Bewertung und Kontrolle weiblicher Körper sowie moralische Zuschreibungen eine lange Geschichte haben. Die Verbindung der beiden Erzählstränge zeigt, wie tief solche Denkmuster über Generationen hinweg weitergegeben werden.
Sprachlich überzeugt der Roman durch seine dichte, bildhafte und oft sehr direkte Art. Die Wechsel zwischen Zeiten und Perspektiven machen die Geschichte vielschichtig, auch wenn sie beim Lesen gelegentlich etwas Konzentration erfordern.
Fazit:
Ein kraftvolles, emotional intensives Debüt über Migration, Mutterschaft und die Last gesellschaftlicher Erwartungen. Besonders die Verbindung von persönlicher Schuldgeschichte, generationenübergreifenden Prägungen und dem Banat als emotionalem Ursprung verleiht dem Roman große Tiefe. Bewegend und absolut lesenswert.
Kat
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Der Roman ist das Debüt der Buchbloggerin Betty Boras. Ich habe im Vorfeld der Veröffentlichung auf Instagram gelesen, dass diese Geschichte Bezüge zu ihrer eigene Familiengeschichte hat.
Der Roman ist auf verschiedenen Zeitebenen geschrieben, was ich sehr mag, da es Geschichten in der Regel vielschichtiger und interessanter macht. Der Zeitstrang in der Gegenwart dreht sich um Vio (Viola), die mit ihren Eltern und Großeltern als Kind von Rumänien nach Deutschland zieht und deren Leben sich um Anerkennung und Schönheit dreht. Im zweiten Zeitstrang kämpft ihre Vorfahrin im 18 JH um ein selbstbestimmtes Leben im rumänischen Banat.
Die Idee des Buches fand ich sehr interessant und das Cover des Buches ist unbestreitbar wunderschön. Und um das Thema Schönheit dreht sich ja auch die Geschichte. Allerdings hatte ich große Probleme mit der Protagonistin Vio. Sie ist auf die Schönheit ihrer kleinen Tochter fixiert und leidet unter großen Schuldgefühlen, weil diese nach einem Unfall im Kinderzimmer Narben im Gesicht davongetragen hat. Natürlich kann ich ihre Position verstehen, insbesondere auch unter dem Aspekt des Migrationshintergrundes, aber wenn ich ganz ehrlich bin, hat sie mich genervt. Ihr Thema nimmt im Buch einen viel größeren Anteil als der der Protagonistin Theresia ein, deren Themen sich um Entbehrung, Fremdheit und der „Last“ ihrer Schönheit drehen. Ich konnte mit Vio überhaupt nicht warm werden, sie blieb mir fremd. Über die Geschichte von Theresia hätte ich dagegen mehr erfahren. Sie blieb mir ebenfalls fremd aber das hauptsächlich, weil die Autorin von ihr nicht mehr preisgegeben hat.
Ich hätte den Roman gern gemocht, auch weil er von einigen Bloggern, denen ich folge, sehr gut besprochen wurde. Aber für mich hat es leider nicht gepasst.
nil_liest
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Was haben wir alle gemeinsam? Wir haben Mütter. Und viele von uns Töchtern werden auch wieder welche. Diese tiefe Verbundenheit ist das zentrale Thema des Debütromans von Betty Boras mit dem schönen Titel „Das schönste aller Leben“. Lasst euch vom Cover und dem Titel nicht in die Irre führen. Das Buch hat Tiefe, unerbittliche Wahrheiten und Schmerz in sich.
Die Autorin, die selbst in Rumänien zur Welt gekommen ist und mit ihren Eltern nach Deutschland kam als junges Mädchen gibt uns auch einen liebevollen, aber sehr ehrlichen Blick frei auf Eltern, die ihr eigenes Leben aufgeben um Freiheit und eine bessere Zukunft für die eigene Tochter zu erreichen. Spannend diese Erfahrung hier aus dieser Perspektive zu lesen. Hilflose Eltern, immer darauf bedacht nicht aufzufallen, sondern integriert zu wirken. Stolz, wenn die Tochter deutsche Freundinnen hat.
“Eine Vergebungskette, wie ein seltenes Erbstück, das weitergereicht wird und die Generationen verbindet.” S. 50
Es geht um drei Generationen. Theresa, die im 18. Jahrhundert das Fundament der Familie im Banat begründet. Eine Frau, die viel Leid ertragen musste. Dann Vios Eltern, die für ihre Tochter nach dem Sturz der Diktatur nach Deutschland gingen, da war Vio noch in der Grundschule. Dann die Gegenwart in der Vio selbst Mutter ist. Scheinbar die Generation, die es geschafft hat, aber dann durch einen tragischen Vorfall doch wieder in ein ganze eigenes Leiden zurück geworfen wird.
Betty Boras hat hier ein sehr persönliches Buch geschrieben, da hier sicherlich viel eingeflossen ist was sie kennt und zutiefst in sich trägt. Das macht dieses Buch so gut, aber auch ihr Schreiben ist extrem gut. Ein immer wiederkehrender Perspektivwechsel zwischen den Frauen. Selbst der Wechsel von Vio als Kind zu ihrem gegenwärtigen Ich ist äußerst gelungen. Es steckt so viel mehr im Text, nicht alles wird ausformuliert und doch schwingt der vieles mit was die Charaktere umgibt.
Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Romane der Autorin. Eine Entdeckung in diesem Jahr!
yellowdog
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Der Roman besteht aus sich abwechselnden Teilen. Zum einen die Icherzählerin, deren Tochter bei einem Unfall im Gesicht verletzt wurde.
Dann in Rückblicken die Zeit, als sie, Vio, noch als Kind im rumänischen Banat lebte und dann mit der Familie nach Deutschland ging. Schließlich als Drittes die Geschichte von Theresia im 18.Jahrhundert.
Das ist vielleicht etwas viel, denn ich finde, die einzelnen Handlungsstränge sind nicht gut miteinander verknüpft. Für sich gesehen hat jeder Teil seine Berechtigung. Wie Vio sich in Deutschland integriert, hat auch die Folge, dass sie danach strebt, nicht aufzufallen. Der Teil der Gegenwart ist meiner Meinung nach der Stärkste. Vio kann die Schuldgefühle, weil sie den Unfall verursachte, der ihre Tochter verletzte, nicht verwinden und steigert sich immer mehr rein.
Der Handlungspart um Theresia geht ein Stück weit an mir vorbei.
Es ist kein perfektes Buch, aber das sollte man einen Debütroman auch mal zugestehen. Ich habe „Das schönste aller Leben“ dennoch gerne gelesen und ein weiteres Buch der Autorin wäre mir sehr willkommen.
Kwinsu
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Vios schlechtes Gewissen ist für sie kaum aushaltbar: durch eine Unachtsamkeit verbrühte heißes Wasser das Gesicht ihrer kleinen Tochter und hinterlässt eine hässliche Narbe. Daweil war Schönheit alles, was sie für Sophie wollte. Doch was ist Schönheit überhaupt? Woher kommt der Wunsch, anderen immer gefallen zu wollen? Anhand dieser und vieler anderer Fragen wird Vios Leben, beginnend mit der Auswanderung aus dem Banat nach Deutschland nachgezeichnet. Zwischendrin erfahren wir auch von ihrer Ahnin Theresia, die bereits im 18. Jahrhundert dafür kämpfte, selbstbestimmt leben zu können.
Betty Boras ist mit "Das schöne aller Leben" ein berührender Debutroman gelungen, der mit seiner einfühlsamen Sprache tiefgehende Verwundungen einzelner Frauengeschichten aufzeigt. Besonders beeindruckend sind die unterschiedlichen Erzählperspektiven: die Ich-Erzählerin ist, wie ich erst im Laufe des Romans verstanden habe, Vio in der Gegenwart, etwas distanzierter erfahren wir über Vios Kindheit und vor allem ihrer Jugend, Theresia, dessen Erzählung im 18. Jahrhundert spielt, sowie - und das ist besonders außergewöhnlich: die Banater Erde, die zwar nur kurz, aber umso einprägsamer ihre regelmäßige Auftritte bekommt.
Besonders die Ich-Erzählerin ist - ehrlichgestanden und vermutlich auch beabsichtigt - nicht immer leicht auszuhalten. Sie scheint in einem Teufelskreis aus Selbstvorwürfen, Schönheitsidealen und Selbstmitleid gefangen zu sein, immer wieder kreisen ihre Gedanken um die selben Themen, immer geht es darum, dass ihre Tochter jetzt nie wieder schön sein wird und alle Menschen, denen sie begegnen, nur Schlechtes über deren Aussehen denken würden. Ich musste deswegen das Buch öfter weglegen, weil mir das zu viel wurde, ich sie rütteln, ja - ihr auch oft ihr Kind wegnehmen wollte. Die Ich-Vio triggert Gedanken, die man selbst hat und nicht haben möchte, auch deshalb ist sie schwer zu ertragen. Daweil wird im Laufe des Buches auch ein Stück weit erklärt, warum sie zu dieser Person geworden ist, werden doch ihre Familienbeziehungen samt Haltungen aufgedröselt, ihr eigenes Schicksal, dass ihr nicht nur ihre Heimat entriss, sondern sie als Teenager auch in ein Korsett zwang, das für sie unerträglich war. Glücklicherweise versöhnt sie sich im letzten Drittel des Buches mit sich selbst - und damit auch mit mir als manchmal genervte Leserin.
Auch Theresias Geschichte berührt. Ihr Schicksal schwankt zwischen angenommen-sein und abgestoßen-werden, wobei ihre Selbstbestimmung - auch aufgrund der Zeit, in der ihr Schicksal liegt, sehr eingeschränkt ist. Fast fühlt sich dieser Erzählstrang etwas hineingequetscht an. Theresia ist eine Ahnin Vios, das erfahren wir im Klappentext, wobei ich lange Zeit nicht einordnen konnte, zu welcher Zeit ihr Erzählstrang spielt. Ich habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, weshalb Theresias Geschichte überhaupt in das Buch aufgenommen wurde. Ja, es zeigt den Weg der Familie in den Banat, aber Theresias Schicksal ist so ergreifend und spannend, dass sie ruhig einen eigenen Roman verdient hätte. Für mich waren ihre Kapitel aber auch jene, die mich wieder zurückgeholt haben in den Roman, nachdem ich diesen aufgrund der Nervigkeit Vios weglegen musste.
Speziell ist auch der Auftritt der Banater Erde, die danach lechzt, geliebt und anerkannt zu werden. Sehr ungewöhnlich, sehr berührend und ein Stück weit passende Theatralik für ein Land.
Mein Fazit: "Das schönste aller Leben" ist ein berührender, aufwühlender und an die Emotionen appellierender Roman, der einen heftigst zum Nachdenken anregt. Über: Schönheit, Herkunft, Identität und die Selbstbestimmtheit von Frauen. Ein großartiges Debut, das man gelesen haben sollte!
Eternal-Hope
empfiehlt:





Das schönste aller Leben
von Betty Boras
"Das schönste aller Leben" ist das Romandebüt der Autorin Betty Boras. Schöne Menschen haben in vielen Lebensbereichen, ob privat oder beruflich, Vorteile, so sagt es die Volksweisheit, und das ist auch das Ergebnis so einiger Studien. Und wünschen sich nicht die meisten Eltern insgeheim, wenn auch oft unausgesprochen, ein hübsches Kind, oder zumindest kein hässliches? Wenn wir unseren Kindern das bestmögliche Leben wünschen, ist Schönheit ein wichtiger Bestandteil davon? Was passiert mit ihren Lebensperspektiven, wenn die Schönheit auf einmal beeinträchtigt wird? Doch ist Schönheit nur ein Vorteil, oder gibt es auch einen Preis, der damit einhergehen kann?
Dieses unterhaltsame und gleichzeitig tiefgründige Buch verhandelt das Thema Schönheit und ob und wie sie zu einem guten Leben beiträgt, eine Voraussetzung dafür ist oder es sogar verhindern könnte, aus vielfältigen Perspektiven, eingebettet in eine Mehrgenerationengeschichte einer rumäniendeutschen Familie.
Es gibt vier Erzählperspektiven:
1) Vio, das ist die kindliche und später jugendliche Viola, die gemeinsam mit ihren rumäniendeutschen Eltern aus dem Banat nach Deutschland auswandert. Die sich dort wünscht, nicht aufzufallen, sich anpassen und genauso wie ihre deutschen Mitschülerinnen sein möchte. Die als Jugendliche wegen Skoliose ein Korsett tragen muss und unter dem Schmerz und der Einschränkung der Bewegungsfreiheit sehr leidet. Und die auch spürt, wie sehr die Erwartungen der Eltern, aus ihrer Chance auf ein gutes Leben in Deutschland etwas zu machen, auf ihr lasten.
2) Ich, das ist die erwachsene Viola, Mutter einer kleinen Tochter, die als sehr hübsches Mädchen auf die Welt gekommen ist, aber durch einen tragischen Unfall, der von Viola unbeabsichtigt verursacht wurde, Narben im Gesicht davongetragen hat. Viola aus der Ich-Perspektive hadert sehr mit diesem Schicksal, macht sich dafür verantwortlich und entwickelt dadurch psychische Probleme.
3) Theresia, eine entfernte Vorfahrin dieser Familie, die vor Jahrhunderten zur Zeit Kaiserin Maria Theresias als Ziehtochter einer wohlhabenden Familie in Wien aufwuchs, doch aufgrund von einem aufgeflogenen außerehelichen Sexualkontakt mit einem Priester von der unbarmherzigen Keuschheitskommission in ein Straflager in das rumänische Banat verschleppt wurde. Auch Theresia galt als sehr hübsch, und das wurde ihr zum Verhängnis.
4) Die Banater Erde, die auf die Menschen blickt, von denen sie bearbeitet und geprägt wurde, die auf ihr geboren und in ihr gestorben sind, und die sie verlassen haben: "Die Letzten von euch sind 1990 gegangen, nur ein spärlicher Rest ist übrig geblieben. Wie Ratten habt ihr das sinkende Schiff verlassen, sobald sich eine Gelegenheit bot. Der Diktator war tot, und ihr wähntet eure Zeit gekommen. Wie sehr ihr euch getäuscht habt! Ja, das Leben in der Diktatur war kein Zuckerschlecken, aber ist die Regierung eines Landes das Einzige, was zählt? Sind es nicht auch seine Menschen, seine Traditionen, die Erde, aus der man gewachsen ist? Hier wart ihr jemand, ihr wart Deutsche." (S. 213)
Das Buch ist voll von tiefgründigen, ehrlichen Aussagen und in einer eindringlichen, besonderen Sprache verfasst. Es hat mich damit sofort in seinen Bann gezogen, schon ganz am Anfang, als etwa Viola ihren Wunsch nach einer schönen Tochter äußert: "Ich schäme mich, dass ich eine schöne Tochter möchte. Ich würde lieber sagen, sie soll glücklich sein. Das will ich auch, aber ich bin mir sicher, mit der Schönheit kommt ein Teil des Glücks von selbst. (...) Ich wünsche meiner Tochter Resilienz, möchte ihr ein gutes Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben, möchte, dass sie Zufriedenheit unabhängig vom Urteil anderer empfindet. Ich bin aber überzeugt davon, dass es von alledem mehr braucht, wenn sie weniger schön ist. Einen schönen Menschen resilient zu machen ist einfacher." (S. 9)
Neben physischer Schönheit ist auch die Frage nach einem schönen, guten Leben eine prägende, die sich durch das Buch zieht, und auch hier geht es wieder um den Preis: der Preis, die eigene Heimat zu verlassen und in ein Land zu ziehen, in dem man sich erst einmal fremd fühlt, genauso wie der Preis, physische Einschränkungen und Schmerzen, wie ein Korsett oder eine Zahnspange, auf sich zu nehmen, um die eigene Schönheit zu verbessern. Auch Themen wie Klasse, Identität und der dazugehörige Habitus sowie der Wunsch nach sozialem Aufstieg finden Raum in dem Buch: "Vio hatte schnell verstanden, dass das Gymnasium nur für die Besten war. Sie wollte unbedingt dazugehören, aber musste sie dafür nicht mehr wie Nina sein?" (S. 66)
Insgesamt ist es eine berührende Familiengeschichte, die ich äußerst gerne gelesen habe, die genauso unterhaltsam wie tiefgründig ist und mir neue Denkanregungen über die Verknüpfung von Schönheit, Identität, Migration und Chancen gebracht hat. Mein einziger Kritikpunkt ist der Handlungsstrang um die Ahnin Theresia: dafür, dass dieser vor mehreren Jahrhunderten spielt, hat er sich für mich nicht ganz genug in dieser historischen Zeitepoche verortet angefühlt und die Figuren in diesem Teil haben für mich in Bezug auf Sprache und Handeln zu modern und damit nicht vollständig authentisch gewirkt.
Dieser Kritikpunkt gilt nicht für alle anderen Teile, in denen ich die Charaktere als sehr authentisch konstruiert und passend in Zeit und Raum verortet wahrgenommen habe (vermutlich ist dieser Teil auch näher an der eigenen Biografie der Autorin dran).
In Summe vergebe ich gute 4 Sterne für ein empfehlenswertes Buch, das ich einer breiten Leserinnenschaft, aber insbesondere jenen, die sich für Familiengeschichten in Verbindung mit Identität, Migration und Schönheit interessieren, sehr empfehlen kann. Auf weitere Bücher dieser Autorin bin ich sehr gespannt!
Katharina Grassmugg
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
In diesem Roman erzählt Betty Boras eine Geschichte über Verletzungen, Traumata und Heilung.
Vio, die als Kind mit ihren Eltern geflüchtet ist lernt früh das sie sich um jeden Preis anpassen muss auch wenn das bedeutet die eigene Identität zu Opfern. Immer wieder hört sie das ihre Schönheit ihr Türen öffnen wird. Als Vio Mutter wird scheint auch die Schönheit ihres Kindes ein großes Thema zu werden. Nach einem tragischen Unfall trägt ihre Tochter Narben im Gesicht. Vio kann sich diesen Unfall nicht verzeihen. Was soll aus ihrem Kind werden wenn es nicht schön genug ist? Immer tiefer stürzt sie in Selbstvorwürfe und Mitleid. Wie soll sie es schaffen sich selbst für den Unfall zu vergeben?
Dieser Roman hat einiges bei mir ausgelöst. Die Emotionen gingen von Mitleid und Mitgefühl bis zu Wut und Unverständnis. Teilweise fand ich die Geschichte richtig heftig. Vor allem der Teil aus der Vergangenheit hat mich teilweise sehr mitgenommen. Wie heftig die Gesellschaft darauf reagiert hat das Theresia ein Verhältnis mit einem Geistlichen hatte bzw wie versucht wurde sie als verführerin und ihn als "Opfer seiner männlichen Triebe" darzustellen so als hätte er ja keine andere Wahl gehabt hat mich sehr wütend gemacht. Leider hat sich da gesellschaftlich viel zu wenig verändert. Auch die Geschichte von Vio und ihrer Tochter war nicht einfach. Einerseits die Schuldgefühle der Mutter, andererseits auch wie sie damit umgeht und wie gefangen sie darin ist war für mich oft zwar nachvollziehbar doch hatte ich Mitleid mit ihr und dem Kind das immer das Gefühl haben mußte nicht gut genug zu sein. Es war oftmals wirklich nicht leicht zu lesen wie die Frauen mit ihren Tramata versuchen zu leben.
Man hofft immer wieder das die Frauen es schaffen den Kreis aus der Abhängigkeit von fremdbewertung und fremdbestimmung zu durchbrechen, leidet mit ihnen und hofft für sie. Für mich ein sehr interessanter Roman der wirklich viel ausgelöst hat, wichtige Themen anspricht und Finger in nicht nur eine Wunde legt.
Lies_ein_Buch
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Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Ich fand dieses Buch absolut beeindruckend. Nicht nur stark geplottet in seinen drei Handlungssträngen, die letztendlich alle eine ähnliche Geschichte, aber unter verschiedenen Gesichtspunkten, erzählen, sondern auch feinfühlig und emotional ergreifend geschrieben. Ein Buch, das bewegt, nachdenklich und stellvertretend betroffen macht.
Die drei Kapitel aus Sicht des Banater Landes waren mir ein bisschen too much, zu abstrakt, als dass ich darin mehr gesehen hätte als den Versuch die Geschichte zu verorten und zu verankern. Dabei ist das gar nicht nötig, da die Schicksale der Frauen das bereits großartig tun. Die Themen Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit sind allseits präsent und nahbar aufbereitet.
Bei Theresias Schicksal kam mir beim Lesen die Galle hoch. Nicht nur, was das Schicksal der Frauen an sich betrifft, sondern auch der scheinheilige Anstrich der Kircheninstanz in diesem Teil der Geschichte. Da wird man doch stellvertretend wütend und ich war stellenweise regelrecht fassungslos. Für mich waren vor allem ihre Kapitel eine einzige emotionale Achterbahnfahrt.
So sehr Vio sich Schönheit für ihre Tochter wünscht, ist genau diese für Theresia ein Fluch. Und gleichzeitig rettet diese sie, zusammen mit schierem Überlebenswillen und unvorstellbarem Mut, vor einem absolut elenden Schicksal.Und auch Vios Familiengeschichte ist eine Geschichte der Aufopferung, Verlusts und steten Kampfes um eine bessere Zukunft, ein besseres Leben und das Gefühl endlich angekommen und akzeptiert zu sein,
Ich mochte die kurzen Kapitel und steten Perspektivwechsel. Die Geschichte hatten einen guten Flow, besonders Vios Gegenwart wirkt authentisch, ihre Schuld, Angst und Liebe nahbar und nachvollziehbar. Wirklich stark, hat mir sehr gut gefallen.
@beautybooks (Instagram)
empfiehlt:





Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Das Buch „Das schönste aller Leben“ von Betty Boras erzählt die bewegende Geschichte eines jungen Mädchens, das in einer schwierigen und von gesellschaftlichen Zwängen geprägten Zeit aufwächst.
Im Mittelpunkt steht die Ich-Erzählerin, die von ihrer Kindheit und Jugend berichtet. Sie wächst in einfachen Verhältnissen auf, erlebt Armut, familiäre Spannungen und die strengen moralischen Vorstellungen ihrer Umgebung. Schon früh muss sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und mit Enttäuschungen umzugehen. Trotz vieler Hindernisse bewahrt sie sich jedoch ihre Sehnsucht nach einem besseren, selbstbestimmten Leben.
Ein wichtiger Bestandteil der Handlung ist ihre erste große Liebe, die ihr Hoffnung gibt, aber auch mit Schmerz und Verlust verbunden ist. Diese Erfahrungen lassen sie innerlich reifen. Schritt für Schritt beginnt sie, sich von Erwartungen anderer zu lösen und ihren eigenen Weg zu suchen. Dabei spielen Themen wie Selbstfindung, Durchhaltevermögen und der Wunsch nach Freiheit eine zentrale Rolle.
Der Titel „Das schönste aller Leben“ wirkt zunächst fast widersprüchlich, da die Hauptfigur viele schwierige Situationen durchstehen muss. Doch im Verlauf der Geschichte wird deutlich, dass gerade die Mischung aus Leid, Hoffnung, Liebe und persönlichem Wachstum das Leben wertvoll und „schön“ macht.
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Meine persönliche Meinung:
Ich hatte große Erwartungen an das Buch, da man bereits Wochen vor Erscheinen auf Instagram ja regelrecht bombardiert worden ist, mit Werbung von diesem Debütroman. Vielleicht hatte ich auch zu hohe Erwartungen, denn ganz so packen konnte mich das Buch leider nicht. Anfangs brauchte ich so meine Zeit, um richtig rein- bzw. anzukommen in der Geschichte. Stellenweise fand ich die Story richtig gut und dann zog sich für mich auch alles wieder ein bisschen in die Länge. Erzählart und Schreibstil fand ich allerdings richtig schön. Problematisch fand ich zum Teil die Perspektive der Erwachsenen Vio, die ihre Tochter nicht mehr als ihre Tochter ansehen kann, seitdem sie wegen eines Unfalls Narben im Gesicht trägt. Da habe ich doch ein wenig geschluckt. Andere Themen, die in diesem Roman eine große Rolle spielen, wurden wiederum sehr flach gehalten und da hätte ich mir von Anfang an ein wenig mehr Tiefe erhofft. Ich fand das Buch nicht schlecht und habe es dennoch sehr interessant gefunden, aber ganz so gecatcht hat es mich eben nicht. Das Buch und ich haben einfach nicht so gut zueinander gepasst aber wie man sieht, konnte es bereits sehr viele von euch so richtig begeistern und das freut mich!
