Kundenrezensionen von Kat





Weißer Sommer
von Eva Pramschüfer
Théo arbeitet bei seinem Vater als Steinmetz, möchte aber eigentlich Künstler sein und Skulpturen erschaffen. Alma studiert Journalismus, möchte aber eigentlich ebenfalls Künstlerin sein und malen. Die Beiden lernen sich kennen, als Almas Eltern von Théos Vater einen Grabstein kaufen. Dörfliches Frankreich trifft auf deutsche Großstadt, liebevoller Vater trifft auf kalte Familienstrukturen, einfache Verhältnisse auf Gutbürgertum. Trotzdem verlieben sich Alma und Théo ineinander, vielleicht weil Beide irgendwie einsam und emotional unreif sind. Alma überredet Théo mit nach München zu kommen, um dort Architektur zu studieren. Kaum ist Théo jedoch in München angekommen, wechselt seine Freundin nach Paris und wundert sich, warum Théo nicht glücklich mit ihrer Entscheidung ist. Alma will vor allem eins – sich selbst verwirklichen, ihre Jugend genießen, Dinge tun. Was völlig ok ist aber dann erwarte doch nicht von Deinem Freund, dass er ewig auf dich wartet und sei entsetzt, wenn er dann endlich eigene Pläne macht. Théo hat allerdings etwas Selbstzerstörerisches an sich und allein in Berlin, entwurzelt und unsicher, kommt das zum Vorschein – Théo bricht sein Praktikum ab, geht feiern, nimmt Drogen. Nun sitzen beide in Almas Haus in Frankreich und überlegen, wie und ob es mit ihrer Beziehung weitergehen soll. Alma sinniert ewig lange über Théos Verschlossenheit, will ihn reizen und dazu bewegen, ihr seine Liebe zu versichern. Dabei hat sie bereits Pläne, die Théo ein weiteres Mal ausschließen.
Ich mochte beide Protagonisten nicht. Beide haben familienbedingte Trennungsängste und halten deshalb an diesem Urlaubsflirt fest. Leider konnte mich auch der Sprachstil nicht überzeugen. Lauter weitschweifende Gedanken und viele Adjektiven plustern die Geschichte auf. Vielleicht hätte mir das Buch mit Mitte/Ende 20 besser gefallen.





Alt genug
von von Kürthy Ildikó
„Alt genug“ zu sein, davon schreibt Ildiko von Kürthy in ihrer neuesten Veröffentlichung. Alt genug… aber wofür? Nun unter anderem dafür, nun bequeme Unterwäsche zu tragen, zu seinen Falten zu stehen, zu grauen Haaren oder auch mehr Gewicht, sich nicht mehr klein zu machen vor anderen, ehrlich seine Meinung zu sagen, auch wenn die nicht jedem gefällt. Die Autorin hat sich zur Recherche des Buches viele kleine und große Aufgaben gestellt, unter anderem hat sie sich bei „Germany’s next Topmodel“ beworben, ist alleine nach New York geflogen, hat ein Festival besucht. Es geht ums Älterwerden, um eine Art Bestandsaufnahe. Man sollte vielleicht wissen, dass das Buch kein Roman, sondern eher ein persönlicher Einblick in das Leben und die Vergangenheit der Autorin. Ich habe den Entstehungsprozess des Buches neugierig bei Instagram verfolgt und so kamen mir einige Stellen des Buches bereits vertraut und bekannt vor und ich habe mich von Seite 1 wohl gefühlt wie bei einem Gespräch mit einer guten Freundin. Aber wie toll ist bitte die Umsetzung, ihre Biografie in eine Rahmenhandlung einzubetten? So im Sinne von „Ein Tag im Leben von Ildiko von Kürthy“!
Ildiko’s Bücher lese ich schon seit langem mit Begeisterung, ich mag ihre Art des Erzählens, ihre Alltagsbeobachtungen, ihren Humor und ihre Ehrlichkeit und übrigens höre ich die von ihr eingesprochenen Bücher auch unheimlich gern. Altersmäßig hinke ich ihr 6 Jahre hinterher, was man aber bei unserer grundsätzlichen Lebenssituation sicherlich vernachlässigen kann und so fühle ich mich beim Lesen ihrer Bücher einfach gut verstanden. Ihre Gedanken kommen mir bekannt vor. An der Stelle, wo sie ihre Familie beschimpft, um dann fortzulaufen und später zu bemerken, dass es gar niemanden kümmert, habe ich laut aufgelacht und mich hinterher gefreut, dass ich nun drüber lachen kann, während ich so oft in den Situationen einfach nur sauer bin.
Mir gefällt an „Alt genug“ unheimlich gut, dass es neben den vielen witzigen Begebenheiten auch die weniger schönen Dinge beschreibt: Krankheiten, Verluste, Abschiede. Und so habe ich gelacht und auch geweint. Weil mir vieles davon auch bekannt vorkommt. Ich mag ihre Botschaft, dass man als sogenannter „Bestager“ (natürlich auch vorher schon aber da fällt es den meisten von uns ja so unheimlich schwer) ruhig ehrlich sein darf. Und egoistischer.
Mein Fazit: Ich habe das Buch geliebt und bereits an die 2. Freundin verliehen. Aber ich will es zurückhaben, denn es bekommt einen festen Lieblingsplatz in meinem Bücherregal.





Das schönste aller Leben
von Betty Boras
Der Roman ist das Debüt der Buchbloggerin Betty Boras. Ich habe im Vorfeld der Veröffentlichung auf Instagram gelesen, dass diese Geschichte Bezüge zu ihrer eigene Familiengeschichte hat.
Der Roman ist auf verschiedenen Zeitebenen geschrieben, was ich sehr mag, da es Geschichten in der Regel vielschichtiger und interessanter macht. Der Zeitstrang in der Gegenwart dreht sich um Vio (Viola), die mit ihren Eltern und Großeltern als Kind von Rumänien nach Deutschland zieht und deren Leben sich um Anerkennung und Schönheit dreht. Im zweiten Zeitstrang kämpft ihre Vorfahrin im 18 JH um ein selbstbestimmtes Leben im rumänischen Banat.
Die Idee des Buches fand ich sehr interessant und das Cover des Buches ist unbestreitbar wunderschön. Und um das Thema Schönheit dreht sich ja auch die Geschichte. Allerdings hatte ich große Probleme mit der Protagonistin Vio. Sie ist auf die Schönheit ihrer kleinen Tochter fixiert und leidet unter großen Schuldgefühlen, weil diese nach einem Unfall im Kinderzimmer Narben im Gesicht davongetragen hat. Natürlich kann ich ihre Position verstehen, insbesondere auch unter dem Aspekt des Migrationshintergrundes, aber wenn ich ganz ehrlich bin, hat sie mich genervt. Ihr Thema nimmt im Buch einen viel größeren Anteil als der der Protagonistin Theresia ein, deren Themen sich um Entbehrung, Fremdheit und der „Last“ ihrer Schönheit drehen. Ich konnte mit Vio überhaupt nicht warm werden, sie blieb mir fremd. Über die Geschichte von Theresia hätte ich dagegen mehr erfahren. Sie blieb mir ebenfalls fremd aber das hauptsächlich, weil die Autorin von ihr nicht mehr preisgegeben hat.
Ich hätte den Roman gern gemocht, auch weil er von einigen Bloggern, denen ich folge, sehr gut besprochen wurde. Aber für mich hat es leider nicht gepasst.





Die Namen
von Florence Knapp
Das Buch hat mich in ein wahres Gefühlschaos geschickt! „Die Namen“ erzählt drei komplett unterschiedliche Geschichten, ausgehend von derselben Basis - Cora, die Mutter, Gordon, der Vater und Maia, die 9jährige Schwester. Jeder wünscht sich einen anderen Namen für das Baby und je nachdem, welchen Namen der kleine Junge bekommt, ergeben sich drei völlig unterschiedliche Leben - nicht nur des Jungen, sondern auch von Mutter, Vater und Schwester. Die Geschichte wird in Sieben-Jahresschritten über insgesamt 35 Jahre erzählt, dieser Aufbau hat mir sehr gut gefallen, er ist komplex und die 3 Geschichten sind klug konstruiert.
Es passiert wahnsinnig viel! Dadurch bleibt zwar die Tiefe der Figuren auf der Strecke - es ist eher so, als würde der Leser immer mal wieder vorbeischauen und einen Blick auf die Personen erhaschen - aber das wertet die Geschichte mitnichten ab. Gerade weil man für die Zwischenjahre seine eigene Phantasie bemühen muss, dafür von der Autorin allerdings viele Hinweise bekommt, die sie so unglaublich gut in die Erzählung einfließen lässt, macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem! Dazu die clevere Verflechtung der drei Erzählstränge... Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum dieser Roman als der beste Debütroman seit langem beworben wird.
Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, dass jetzt das Schlimmste passiert ist, kam eine neue überraschende Wendung
Das Buch ist keine leichte Kost, der Inhalt ist schwer verdaulich, und doch empfehle ich dieses komplexe Buch! Ich werde den liebenswerten Bear, den sensiblen Künstler Julien, Gordon jun., der am Ende der Geschichte über sich hinauswächst, Cora, die immer ihre Kinder beschützt und Gordon sen., der so ein unglaublich manipulatives gewalttätiges Ekelpaket ist, auch so nicht vergessen.





Statt aus dem Fenster zu schauen
von Anna Katharina Scheidemantel
Die 25jährige Studentin Sophie war schon immer eine, „aus der mal was wird“. Während sie aber in ihrem Praktikum vor Exceltabellen dahindümpelt, trifft sie eine ziemlich spontane und unüberlegte Entscheidung – sie kauft auf ebay-Kleinanzeigen ein verfallenes Haus in der ostdeutschen Pampa. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, bricht sie alle Brücken hinter sich ab, kündigt ihr WG-Zimmer und macht sich nur mit einem Rucksack und ihrem Fahrrad mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg. Im Laufe der Geschichte begleiten wir Sophie nicht nur beim Streichen von Wänden, Schleifen von Dielen, Anlegen eines Kartoffelackers und dem Verpflegen von Hühnern, sondern auch bei ihrem inneren Wachstum. Dieses zu verfolgen, hat mir großes Vergnügen bereitet. Ich habe Sophies Mut bewundert, ihr Durchhaltevermögen, ihr Angst-Besiegen. Sie erkennt, dass sie was mit den Händen machen will und ihren eigenen Intentionen vertrauen muss, weil die sie schon auf den richtigen Weg führen werden.
Mir hat an dem Buch fast alles gefallen (den Nazi-Part hätte man sich schenken können) - der direkte, witzige, unbeschwerte Schreibstil, mit vielen leisen Tönen, die Charaktere – allen voran Sophie, mit der ich wirklich mitfühlen konnte -, die Landschaft, die Geschichte! Nichts wird beschönigt: Das Aussteigen ist hier nicht Vanlife pur mit Lichterketten und Traumfängern am Strand bei Sonnenuntergang, sondern die Angst, die Unsicherheit, der Dreck und die harte Arbeit werden genau als das benannt, was sie sind.
Nur, dass Sophie ihre Eltern so außen vorlässt, schmerzt mich als Mutter 2er fast erwachsener Kinder sehr, zumal sie selbst sagt, dass ihre Eltern sie mit Sicherheit unterstützt hätten. Ich wünsche mir sehr, dass meine Kinder mehr Vertrauen zu mir haben werden, wenn es mal so weit sein sollte.
Am Ende steht die Erkenntnis:
„Ich muss gar nichts, außer zu leben.“ Seite 340
Für diesen wirklich außergewöhnlichen Debütroman vergebe ich gern 5 Sterne und eine große Leseempfehlung!





Dieser Sommer gehört mir
von Claudia Schaumann
Dies war mein erstes Buch der Autorin und ich habe ihr Buch sehr gern gelesen. Die Geschichte ist herzlich, es gibt wunderschöne Landschaftsbeschreibungen und der Schreibstil ist mitreißend, warmherzig und bildhaft.
Im Roman begegnen wir Charlotte, die sich von ihrem Mann getrennt hat, mit ihm aber noch zusammen unter einem Dach lebt, die beiden Töchter sind gerade auf Auslandsjahr. Charlotte ist zu Beginn der Geschichte ein Luxusweibchen, die immer auf der Sonnenseite des Lebens steht, noch nie wirklich etwas geleistet hat, sondern ihre Zeit am liebsten mit Feiern und schönen Dingen verbringt. Ihre Anspruchshaltung hat sie mir ziemlich unsympathisch gemacht. Nichts desto trotz konnte ich ihre Wünsche nach Neuanfang gut nachvollziehen – ihr Kinderbekleidungsladen macht ihr keine Freude mehr, seit ihre eigenen Kinder groß sind, ihre Freundinnen haben alle eine Leidenschaft, für die sie brennen und ihre Mädchen beziehen sie nicht mehr in ihr Leben ein. In dieser Lebenssituation trifft sie zwei sehr spontane Entscheidungen, sie übernimmt eine Kneipe und zieht zu 2 Männern in ein Tiny Haus, nachdem ihr Noch-Ehemann ihr vorsichtig klargemacht hat, dass es nicht üblich ist, nach einer Trennung noch ewig zusammenzuleben und das Haus nun mal ihm gehört. Beide Entscheidungen hätte ich so nicht getroffen aber wenigstens bewegt sich Charlotte und ihr Zweifeln, ihr Suchen, ihre Freude und Trauer… der ganze Weg, den sie geht, haben mich berührt.
Ein zweiter Erzählstrang erzählt von der jüngsten Tochter Leni, die gerade ihr Auslandsjahr in England begonnen hat, zu dem sie von ihrer Mutter überredet wurde und die ebenfalls mit allerlei Problemen zu kämpfen hat. Im Gegensatz zu ihrer Mutter war mir Leni unglaublich sympathisch und hat mich in ihrem Denken und Handeln sehr an meine beiden Kinder im selben Alter erinnert.
Es hat insgesamt wirklich Spaß gemacht, die Entwicklung von Mutter und Tochter zu verfolgen, die sich entfernen und dann wieder annähern, die beide mit ähnlichen Themen zu kämpfen haben, sich nur eben in anderen Stadien ihres Lebens befinden.
Wer einen leichten Unterhaltsroman sucht, der sich wunderbar für die Liege am Strand eignet, von Neuanfängen handelt und mehr Wert auf die Atmosphäre als auf die Geschichte an sich legt, der ist mit diesem Buch gut beraten.





Das Tränenhaus. Roman
von Gabriele Reuter
In „Das Tränenhaus“ führt Gabriele Reuter uns in eine stille, abgelegene Welt irgendwo in der schwäbischen Provinz. Dort betreibt die Hebamme Frau Uffenbacher ein Heim, in dem unverheiratete Frauen ihre Kinder abseits der Öffentlichkeit bekommen sollen – eine Einrichtung, die mehr mit Wegsperren als mit Fürsorge zu tun hat. In diese Umgebung wird die Schriftstellerin Cornelie Reimann geschickt, die nach einer außerehelichen Affäre schwanger geworden ist. Was als Zuflucht gedacht war, entpuppt sich als Ort der Demütigung und des Zwangs – und zugleich als Labor weiblicher Erfahrung.
Reuter erzählt mit eindringlicher Genauigkeit vom Leben im Schatten gesellschaftlicher Verachtung. Sie kennt den Stoff aus eigener Erfahrung und das merkt man dem Text an. „Das Tränenhaus“ verbindet Beobachtungsgabe mit Reflexion: Neben den knappen, fast dokumentarischen Schilderungen findet sich eine Sprache voller Nachdenken, manchmal pathetisch, aber nie leer. Gerade dieser Wechsel zwischen Gefühl und Analyse verleiht dem Buch seine Intensität.
Cornelie, gebildet, unabhängig und anfangs stolz auf ihre Eigenständigkeit, gerät in eine Umwelt, die mit ihrer Welt nichts gemein hat. Während die anderen Frauen einfache Herkunft, eigene Dialekte und handfeste Überlebensstrategien mitbringen, begegnet Cornelie der Provinz zunächst mit Distanz. Erst allmählich öffnet sie sich – lernt, den Alltag der Mitbewohnerinnen zu verstehen, erkennt in ihnen weniger Fremde als Leidensgenossinnen. Aus Abschottung wird Nähe, aus Scham Solidarität.
Das Heim wird so zum Mikrokosmos gesellschaftlicher Abhängigkeiten. Die männliche Welt bleibt abwesend und taub für das Schicksal dieser Frauen – was bleibt, ist das Mit- und Gegeneinander unter den Zurückgelassenen. Frau Uffenbacher, die das Elend verwaltet, steht dabei exemplarisch für die Macht, die aus Not entsteht: Sie profitiert vom Leid anderer, hält Disziplin aufrecht und verdient an jeder Geburt. Gleichzeitig umgeben die Frauen im Dorf eine fast groteske „Pflegeindustrie“, in der Neugeborene gegen Geld weitergegeben werden – ein System, das das moralische Elend der Zeit bloßlegt.
Doch Reuter geht über Anklage hinaus. In Cornelies Weg liegt etwas Hoffnungsvolles: Sie findet, trotz aller Erniedrigung, zu einer neuen Form von Selbstbewusstsein. Sie entdeckt, dass Unabhängigkeit nicht in Rückzug, sondern in Verbindung liegt – in der Kraft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Damit wird „Das Tränenhaus“ zu mehr als einem historischen Roman: Es ist eine frühe Studie über weibliche Selbstwerdung und gegenseitige Stärkung.
Der Schreibstil war für mich gewöhnungsbedürftig aber als ich mich einmal eingelesen habe, habe ich diesen Roman als ein ergreifendes Porträt einer Gemeinschaft, die aus Scham geboren ist und in Mitgefühl wächst. Die einzelnen Schicksale haben mich berührt und aufgeregt. Ich danke dem Reclam Verlag, dass er das Buch neu aufgelegt hat denn es ist ein weiteres literarisches Dokument gegen das Vergessen, dass zeigt, wie nah historische Zwänge und aktuelle Fragen nach weiblicher Selbstbestimmung beieinander liegen.





Unter Wasser
von Menon Tara; Jakob Simone
Leider war für mich „Unter Wasser“ nur mittelmäßig. Dabei wollte ich das Buch schon aufgrund seines wunderschönen Covers unbedingt haben! Auch die Story über ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater nach dem Tod der Mutter nach Thailand zieht und dort in Arielle eine Freundin fürs Leben findet, die ihr aber bei dem Tsunami von 2004, einer der verheerendsten Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte, wieder genommen wurde, hat mich magisch angezogen.
Jetzt musste ich die Geschichte erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor ich meine Rezension schreiben konnte, um herauszufinden, was in mir bleibt.
Der Roman ist von Trauer durchdrungen, er fängt den ganz besonderen Schmerz um den Verlust einer Freundin ein, eine Beziehung, die unsere Gesellschaft auch heute noch als zweitrangig betrachtet. Und obwohl ich auf jeder Seite von dem Verlust lese, konnte ich sie doch nicht spüren.
Eventuell waren die zweit Zeitebenen das Problem. Die Handlung erstreckt sich über 8 Jahre und wechselt zwischen Thailand und New York, wo Marissa heute lebt, normalerweise lese ich sehr gern über verschiedene Zeitebenen hinweg. Hier jedoch hätte ich mir gewünscht, länger in einem Handlungsstrang verweilen zu können, die Zeitsprünge kamen mir zu abrupt. Mir fiel es oft schwer, Marissas anhaltende Trauer wirklich nachzuvollziehen. Mir ist bewusst, dass Trauer nicht linear verläuft und oft in Wellen kommt, doch die Intensität des Traumas und der Trauer, die Marissa in der Gegenwart empfindet, wirkte manchmal unverhältnismäßig im Vergleich zu der vergangenen Zeit. Die Freundschaft wirkte auf mich steril. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sich die Beziehung öffnet, dass ich die Atmosphäre zwischen den Mädchen spüren kann aber da war nichts außer Worte. Auch die Trauer des Vaters wirkte unausgereift. Dabei hätte auch sie viel mehr Raum in der Geschichte verdient.
Die Schilderungen Thailands, des Lebens auf der Insel und der reichen Artenvielfalt ihrer Ozeane waren ein Lesegenuss und machen Lust das direkt zu erleben. Insbesondere die Meeresbewohner hatten es mir angetan. Der Ozean und seine Ökosysteme spiegeln die Instabilität wider, die sich durch die ganze Geschichte zieht. Das hat wirklich gut funktioniert.
Ich habe diesen Roman beim Lesen bewundert, aber ich konnte leider nicht die emotionale Wucht spüren, die ich mir gewünscht habe.
Ich zolle Menon große Anerkennung für ihren Debütroman und denke, dass viele andere ihn genießen werden, aber konnte ihn leider nicht vollends genießen.





Der Sommer, der uns blieb
von Greta Herrlicher
Das aktuelle Buch aus dem Vani Verlag war für mich tatsächlich ein reiner Coverkauf, der Inhalt war zunächst nebensächlich, ich war und bin von der Aufmachung so begeistert, dass ich das Buch unbedingt haben musste. Hier wurde ganze Arbeit geleistet! Vom Einband über den Farbschnitt, der wunderschönen Überraschung im Buchinneren bis hin zum Lesebändchen wurde das Buch perfekt zu einem kleinen Kunstwerk gestaltet. Die Sprüche und Weisheiten, die jedes Kapitel einleiten, haben mir sehr gut gefallen. Die Geschichte über die Freundschaft von 3 Freunden hat mich größtenteils überzeugt und hat mich an meine eigene Jugend erinnert.
Zum Inhalt:
Pia, Britta und Martin sind Nachbarskinder und vertraute Freunde in ihrer Kindheit und Jugend bis im Sommer nach Abschluss der Schule etwas passiert, dass die Drei auseinandertreibt. Zwanzig Jahre später passiert erneut etwas Unvorhersehbares und die Drei bekommen eine neue Chance für ihre Freundschaft.
Meine Meinung:
Mit dem wunderschönen und außergewöhnlichen Cover kann die Geschichte nicht ganz mithalten. Ich mochte die behandelten Themen Freundschaft, Schuld, Entscheidungen, das Überdenken des eingeschlagenen Lebensweges und das Umgehen mit unheilbarer Krankheit. Auch der leise Schreibstil und die kurzen Kapitel haben gut zur Geschichte gepasst.
Pias Krankheit hat mich sehr berührt, aber es hätte noch so viele weitere Momente gegeben, wo man uns Leser gefühlsmäßig auf die Achterbahn hätte schicken können. Leider bleiben die Protagonisten allesamt ein bisschen farblos. Vor allem Martin, der unter seiner dominanten Mutter leidet, hätte ich so sehr gewünscht, dass er es schafft, mal eine richtige Distanz zwischen sich und ihr zu schaffen. Durch die fehlende Spannung bleibt alles ein bisschen flach. Die Geschichte ist solide geschrieben aber hält keine Überraschungen bereit. Ich vergebe 3,5 Sterne, die ich auf 4 aufrunde.





Einatmen. Ausatmen.
von Maxim Leo
Marlene Buchholz steht kurz vor einem hart erarbeiteten Karrieresprung, sie soll Vorstandsvorsitzende der Aviola Group werden. Nur eine letzte kleine Hürde gilt es noch zu überwinden – ein Achtsamkeitsseminar in der brandenburgischen Pampa um Ihre Empathiefähigkeit und Sozialkompetenz zu schulen. Unwillig reist Marlene, die ihr Leben lang nur dem Leistungsgedanken gefolgt ist, und Freundschaften und Beziehungen eher für nebensächlich hält, in das „Umerziehungslager“. Ihr Mentor, Axel Grow, hat schon vielen Klienten dabei geholfen, ihre mentalen Stärken zu finden, allerdings steckt er momentan selbst in einer tiefen Krise. Auch wirtschaftlich läuft „die Acadamy“ nicht so gut und so kommt das Angebot von Marlenes Vorgesetzten, sämtliche Business-Coachings des Konzerns bei ihm abzuhalten, wenn er Marlene erfolgreich „hinbiegt“, gerade recht.
Erzählt wird die Geschichten aus abwechselnden Perspektiven von Marlene und Alex. Maxim Leo spielt dabei gewohnt mit den Emotionen des Lesers, mal ist es schreiend komisch, mal finden leise, traurige Töne ihren Weg in die Geschichte, die zum Nachdenken anregen. Der Schreibstil ist flüssig, sehr unterhaltsam und humorvoll. Ich mochte die Mischung aus der ironischen Marlene, die sich emotional so sehr abgrenzt und dem verständnisvollen Alex, der es allen recht machen will.
Natürlich ist es ist nicht besonders glaubhaft, dass eine einzige, noch dazu von außen aufgezwungene, Fortbildung zur kompletten Lebensveränderung führt. Und dennoch beschreibt Leo die Wandlung von Marlene glaubhaft. So spielt das Treffen mit dem Hausmeister, der Tiere Menschen vorzieht, eine größere Rolle für Marlenes innere Reise als all die Angebote der Acedamy. Ich mochte ihre Suche nach sich selbst und nach ihren Wurzeln. Wir haben in unserer Familiengeschichte ein ähnliches Schicksal wie bei Oma Inge, deshalb kann ich das Schweigen gut nachvollziehen. Auch das offene Ende finde ich richtig gut.
Fazit: Obwohl ich das Buch innerhalb von 2 Tagen weggelesen habe, wird es hängenbleiben. Ich habe mich bestens unterhalten.









