Kundenrezensionen
Julchentim
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Mathilde und Marie von Torsten Woywod hat mich auf eine ruhige Art erwischt, mit der ich so absolut nicht gerechnet habe. Es passiert nicht viel im klassischen Sinn. Und genau das macht dieses Buch aus.
Marie lässt ihr Leben in Paris hinter sich und landet eher zufällig in einem kleinen Bücherdorf in den Ardennen. Dort läuft alles langsamer. Gespräche haben Zeit. Menschen hören zu. Bücher stehen im Mittelpunkt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst kurz raus zu sein aus dem eigenen Alltag.
Besonders mochte ich die unerwartete Entwicklung zwischen Marie und Mathilde. Die beiden sind sehr unterschiedlich, aber genau daraus entsteht etwas Echtes, Wahres und Warmes. Diese leisen Annäherungen, kleine Gesten und unausgesprochene Dinge wirken stärker als große Dramen.
Die Atmosphäre ist durchgehend ruhig und fast schon entschleunigend. Man merkt, wie viel Liebe im Detail steckt, ohne dass es ausufert. Manche Stellen waren mir etwas zu bedacht formuliert, fast ein bisschen zu gewollt tiefgründig. Die Geschichte hätte das gar nicht nötig gehabt, sie trägt sich auch so.
Für mich ist das kein Buch zum schnellen Durchlesen. Es ist eines, das man bewusst langsam liest und zwischendurch einfach mal weglegt, um nachzudenken.
Ein stiller Roman, der gut tut und noch eine Weile bleibt.
Streiflicht
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Auf dieses Buch war ich total gespannt und neugierig und habe mich sehr darauf gefreut. Leider war mir aber nach wenigen Seiten klar, dass diese kleine Liebe nur ein Strohfeuer war. Ich mag poetische Sprache sehr, gerne auch mal ein etwas langsameres Buch, das am Ende eines Alltages Ruhe und Entspannung verheißt. Aber bei diesem Buch war es mir zuviel oder zu wenig?
Die Sprache ist einfach total verschlungen und die Sätze so lang und verschachtelt. Wer würde wirklich so reden? Der Autor ist mein Alter, aber für mich fühlte sich seine Schreibe viel älter an. Das habe ich sehr bedauert, da ich mich auf das Buch gefreut hatte - das ja auch viele gute Bewertungen hat - und ich auch sein Buch über die Buchhandlungen sehr mag.
Leider konnte ich mit den Figuren einfach nicht warm werden. Vor allem Marie blieb mir von Anfang an fremd, obwohl sie schon auf Seite 1 auftaucht und uns durch das Buch begleitet.
Vielleicht ist es einfach nicht mein Genre (ich lese bevorzugt Spannungsliteratur) oder es war nicht die richtige Zeit bei mir für dieses Buch. Für manche Schilderungen, die mir gefallen haben, vergebe ich einen zweiten Stern, zu mehr reicht es leider nicht.
liesmal
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Ohne Ziel macht sich Marie auf den Weg und lässt ihr bisheriges Leben in Paris zurück. Manchmal braucht es glückliche Zufälle. So einen erfährt Marie, als sie im Zug auf die Isländerin Jonina trifft, die mit ihrer Feinfühligkeit erkennt, dass Marie Hilfe braucht. So nimmt die Geschichte ihren Anfang, die Marie aus der Großstadt in das kleine Bücherdorf Redu in den belgischen Ardennen führt, wo Jonina einen Buchladen führt.
Die Beschreibung des kleinen Dorfes mit der zauberhaften Umgebung, dem vielen Grün, den Bergen und einer Stille, die man hören kann, lässt mich das Lesen unterbrechen, weil ich nachschlagen möchte, ob es diesen Ort wirklich gibt.
Redu ist tatsächlich ein realer Ort mit etwa 400 Einwohnern und vielen Antiquariaten und Buchhandlungen. Mit diesem Wissen und der Sehnsucht, diesen Ort einmal kennenzulernen, bin ich gern bereit, mich auf das langsame Tempo und die Ruhe einzulassen, die die Geschichte verströmt.
Mir gefällt das einfache Leben der Menschen. Wie im Märchen fühlt es sich an, wenn ich zuhöre, mit welcher Begeisterung Arthur von seiner Arbeit rund ums Papierschöpfen spricht oder wenn ich mit Marie und dem Labrador Anneliese durch die Gegend streune.
Nur die mürrische Mathilde passt nicht ins Bild. Dabei ist sie doch sogar eine Titelperson! Man darf gespannt sein…
An einigen Stellen gefiel mir der Schreibstil nicht so gut. Dann klangen für mich Ausdrücke und Umschreibungen irgendwie zu sachlich oder gestelzt. Darum nur 4 von 5 Sternen, aber gerne eine Leseempfehlung.
Bücherfreundin
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Ich habe mich sehr gefreut, als ich gesehen habe, dass Torsten Woywod sein erstes Buch geschrieben hat. Er hat vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner Freundin eigens einen Verlag gegründet, um in Deutschland "Leonard und Paul" von Rónán Hession veröffentlichen zu können. Das Buch hat mich gefesselt, es hat mich fasziniert und berührt, und es gehört zu meinen Lieblingsbüchern der letzten Jahre. Nun war ich natürlich sehr gespannt, ob Torsten Woywod mich mit "Mathilde und Marie" auch zu begeistern vermochte. Meine Erwartungen an seinen Roman waren sehr hoch, doch leider wurde ich enttäuscht.
Die 26-jährige Studentin Marie Ledoux aus Paris beschließt nach einem Schicksalsschlag, ein Zugticket nach Brüssel zu lösen und von dort aus weiter in die Provinz zu fahren. Im Zug lernt sie die Buchhändlerin Jónína kennen, die sie spontan einlädt, mit ihr in ihr Dorf Redu zu kommen, wo die 77-Jährige eine kleine Buchhandlung hat. Der kleine und ruhig gelegene Ort in den Ardennen hat 390 Bewohner, 13 Buchhandlungen und einige Geschäfte. Das Dorf verfügt über einen Fernseher und einen Internetanschluss, Internetempfang gibt es nur zwischen 19 und 20 Uhr, und es gibt so gut wie kein Mobilfunknetz. Marie fühlt sich sofort wohl in dem von wunderschöner Natur umgebenen Ort. Sie hilft Jónína in der Buchhandlung, erobert das Herz des Dorfhunds Anneliese und lernt bald die verwitwete Mathilde kennen, die ihr anfangs mit mürrischer Zurückhaltung begegnet.
Die Geschichte ist in ruhiger, blumiger Sprache erzählt und liest sich flüssig. Es handelt sich um einen sogenannten Wohlfühlroman, der ohne nennenswerte Konflikte und Reibereien auskommt. Die Protagonisten sind mit viel Empathie beschrieben und haben kaum Ecken und Kanten. Alle gehen liebevoll und rücksichtsvoll miteinander um, haben viel Verständnis füreinander. Ich mochte den entschleunigenden Ort Redu, in dem Bücher und das Lesen eine große Rolle spielen, und ich freute mich über die Lesetipps, wie z.B. für das beeindruckende Buch "Stoner". Mit Redus Bewohnern dagegen hatte ich meine Schwierigkeiten, sie waren mir zu weltfremd, und es wurde mir schnell zu viel mit der übertriebenen Höflichkeit, der Harmonie und heilen Welt.
Die Handlung empfand ich als märchenhaft und teilweise vorhersehbar, die Dialoge fand ich häufig gekünstelt und nicht lebensnah. "Innewohnen" scheint ein Lieblingswort des Autors zu sein, und die häufige Formulierung "liebe Sowieso" in der Anrede nervte mich zusehends. Als es "schüchtern dämmerte", hätte ich das Buch fast zugeklappt. Gut gefallen haben mir die interessanten Naturbeschreibungen und die Erklärungen über die Vogelwelt, obwohl es hier einige Wiederholungen gab.
Die Grundidee des Buches, in dem es um Achtsamkeit, Entschleunigung und Freundschaft geht, hatte mir gefallen, die Umsetzung hingegen konnte mich leider nicht überzeugen.
Ulla
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Die junge Marie hat Paris fluchtartig verlassen. Sie sucht neuen Halt in ihrem Leben, nachdem sie erst vaterlos, dann zu früh den Tod ihrer Mutter verkraften musste und nun auch mit dem Tod ihrer Tante, die in den letzten Jahren für sie da war, zurecht kommen musste. Im Zug trifft sie auf die ältere Isländerin Jonina, die von Brüssel zurück nach Redu fährt, wo sie eine Buchhandlung betreibt. Redu ist ein ganz besonderer Ort in den belgischen Ardennen, der wirklich existiert. Auf 390 Einwohner kommen 20 Buchhandlungen. Jónína überzeugt Marie, mit ihr mitzukommen, die Ruhe würde ihr guttun. Marie lernt ohne ihr Smartphone zu leben, im Ort wird das Internet nur für eine Stunde freigeschaltet und es gibt nur einen einzigen Fernseher für alle. Sie lernt, ihre Zeit anders zu nutzen, mit langen Spaziergängen mit der Labradorhündin Anneliese, mit Gesprächen und als Aushilfe in der Buchhandlung. Nach und nach entdeckt sie die Natur um sie herum und will mehr darüber erfahren. Und sie trifft auf Mathilde, die nach langer und glücklicher Ehe den Tod ihres Mannes nicht verkraftet, besonders, da dieser eine kryptische und Besorgnis erregende Nachricht hinterließ.
Der Roman ist so ruhig wie das Dorf, es ereignet sich nicht viel. Das Leben im Laufe eines halben Jahres mit den wechselnden Jahreszeiten, die Gemeinschaft der Dorfbewohner in ihrem entschleunigten Leben, die sich Zeit nehmen für die Sorgen ihrer Mitmenschen, wird sehr einfühlsam beschrieben und lässt einen selbst nachdenklich zurück.
Marie aus E.
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Ein kleiner Ort in Belgien, nicht mal vierhundert Einwohner, aber dafür einen unglaubliche Buchhandlung pro Kopf Quotienten.
Hierhin verschlägt es Marie, eine junge Französin zufällig, als sie aus ihrem alten Leben flüchten wollte.
Welch Glücksfall für Marie, dass sie in Redu landet - aber auch ein großes Glück für die Menschen, die in Redu leben. Marie wird sehr schnell zu einem wertvollen Teil der Dorfgemeinschaft.
Das Buch hat ein ganz eigenes Erzähltempo, das für mich sehr ungewohnt ist. Es passiert schon etwas, aber so ganz gemächlich, unaufgeregt und ohne Effekthascherei. Das muss man ein Stück weit auch aushalten können, mir fiel das schwer. Es waren viele schöne Einzelszenen, aber das große Ganze, das das Buch zusammenhält und trägt, das hat mich nicht abgeholt. Dabei gibt es den roten Faden, nicht falsch verstehen, es ist keineswegs ein Aneinanderstückeln von Einzelszenen.
Ich konnte nur beim Lesen nicht am Ball bleiben, habe manchmal die Seiten nur überflogen, die gewisse Faszination einer Handlung war da bei mir nicht gegeben, obwohl ich die Idee des Buches nach wie vor wunderschön finde.
Aber so ist das manchmal, jedes Buch muss auch ein wenig zur aktuellen Lebenssituation passen.
Die Leidenschaft des Autors für Bücher und Buchhandlungen kommt jedenfalls auf jeder Seite herüber.
Tara
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
"Mathilde und Marie" ist der Debütroman des Autors Torsten Woywod.
Mitten in den Bergen, umgeben von wundervoller Natur liegt das Bücherdorf Redu in den Ardennen von Belgien. Redu hat gerade einmal 390 Einwohner, 13 Buchhandlungen und das Internet steht den Bewohner täglich nur eine Stunde zur Verfügung.
Hierhin verschlägt es die 25-jährige Studentin Marie als sie total ausgebrannt und unglücklich aus der hektischen Großstadt Paris fliehen will. Im Zug trifft sie auf die Isländerin Jónína, die sie dorthin einlädt. Jónína hat ein sehr feines Gespür für Menschen und die beiden freunden sich an.
Neben Marie und Jónína gibt es nur wenige weitere Charakter, wie die verbitterte Witwe Mathilde und den Bäcker Thomas. Diese werden so gelungen beschrieben, dass ich direkt das Gefühl hatte sie zu kennen.
Die Handlung ist sehr ruhig und viel entscheidender als diese sind die Botschaften, die zwischen den Zeilen stecken. Durch detaillierte Beschreibungen der Natur und der Landschaft hatte ich diese direkt vor Augen und hatte das Gefühl direkt in Redu zu sein und die Einwohner – samt liebenswerter Hündin Anneliese – kennenzulernen.
Ich habe gespürt, wie Marie in Redu an- und zur Ruhe kommt. Genauso bin ich beim Lesen zur Ruhe gekommen, es hatte auf mich eine sehr entschleunigende Wirkung.
Es geht um Achtsamkeit, Freundschaft, Liebe, Geheimnisse und vieles mehr - alles zeitlose, wichtige Themen, die zum Nachdenken anregen und mich auch nach Beendigung des Buches beschäftigen.
Für mich war es ein richtiger Wohlfühlroman, mit bedeutungsvollen Botschaften und liebenswerten Charakteren, deren Entwicklung ich gerne verfolgt habe. Es ist ein leises aber bedeutsames Buch mit einer angenehmen Atmosphäre.
Mit einem treffenden Vor- und Nachwort rahmt Torsten Woywod seinen Roman gelungen ein.
Ich kann diese Reise nach Redu jedem empfehlen, der einmal durchatmen möchte.
LeserinLu
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
„Mathilde und Marie“ hat ein Setting, das sofort entschleunigt: Redu, ein kleines Bücherdorf in den belgischen Ardennen, in dem es kaum Internet und viel Natur gibt . Deshalb handelt es sich um einen absoluten Wohlfühlroman.
Die junge Französin Marie lässt ihr Leben in Paris hinter sich und reist ohne konkretes Ziel los. Eine zufällige Begegnung im Zug mit der Isländerin Jónína führt sie schließlich nach Redu, wo Jónína eine kleine Buchhandlung betreibt. Jeden Tag wächst das Örtchen Marie mehr ans Herz und sie fügt sich mehr in die Gemeinschaft ein. Dass dies mehrfach explizit mit Maries Empathie begründet wird, empfand ich als etwas zu deutlich formuliert, hier hätte ich mir mehr „show, don’t tell“ gewünscht. Ähnlich ging es mir mit wiederkehrenden Beschreibungen wie „die junge Französin“, die sich mit der Zeit redundant anfühlen.
Inhaltlich passiert lange nicht besonders viel, was für einen Wohlfühlroman völlig in Ordnung ist. Trotzdem hätte ich mir stellenweise mehr Tiefe oder Ausgestaltung gewünscht, etwa beim Bücherfestival, das für mich gern mehr Raum hätte einnehmen dürfen – gerade weil mir die eingestreuten Buchtipps ausgesprochen gut gefallen haben. Sehr schön fand ich die vielen kleinen Achtsamkeitsideen: das bewusste Wahrnehmen der Natur, das Bestimmen von Pflanzen und Tieren, Marmeladekochen. Etwas zu plakativ geraten ist mir dagegen stellenweise die Gegenüberstellung von Dorfleben und Großstadt, die mir zu pauschal ausfällt.
Insgesamt ist „Mathilde und Marie“ ein warmherziger Roman mit vielen schönen Ideen, Schwächen in der sprachlichen Ausarbeitung, aber einem starken Wohlfühlfaktor.
Anno
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
‚Mathilde und Marie‘- dieses Buch hat mit seiner entschleunigten Handlung mein Herz erreicht. Die Ausdrucks- und Erzählweise ist wunderschön und sehr emphatisch, die Charaktere sind auch wunderbar ausgearbeitet. Zu Anfang beschränkt sich das Geschehen fast ausschließlich auf Marie und Jonina (sie hat Marie ins Bücherdorf Redu geholt). Mathildes Auftritt beginnt dagegen verzögert und erst nur in Form von Tagebucheinträgen, später dann mit mehr Präsenz. Doch genau dies lies mein Interesse an ihrer Person auch enorm wachsen. Man spürt, dass sie mit etwas kämpft und zeitgleich begleitet man Marie auf ihrem Weg zu sich selbst. Es ist faszinierend! -auch, wie man sich als Leser immer mehr in der Handlung verliert, sich emotional mit den Figuren verbindet und diese Achtsamkeit, diese Naturverbundenheit und Bücherliebe miterlebt.
Den Verlauf der Handlung fand ich dabei äußerst durchdacht die Botschaft und die Botschaft in diesem Buch steckt, enorm wertvoll.
Nachdem ich dieses Buch förmlich durch gesuchtet habe, steht bereits fest, dass es für mich ein re-read geben wird. Ich möchte diese Atmosphäre und die Wirkung, die dieser Roman auf mich hatte unbedingt noch einmal spüren. Dann aber mit mehr Geduld und Achtsamkeit meinerseits.
nil_liest
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Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Mathilde und Marie ist ein Roman, den man nicht „verschlingt“, sondern in den man sich hineinsetzt – wie auf eine Bank vor einer Buchhandlung, mit Zeit, Ruhe und der Bereitschaft, sich auf Langsamkeit einzulassen. Torsten Woywod erzählt in seinem ersten eigenen Roman eine sehr persönliche Geschichte, das spürt man auf jeder Seite. Und genau darin liegt zugleich seine Stärke und seine Schwäche.
Die Ausgangssituation ist klassisch, fast märchenhaft: Marie, 26, verlässt Paris überstürzt, innerlich erschöpft, äußerlich orientierungslos. Eine Zugfahrt wird zum Wendepunkt, eine Begegnung zur Einladung in ein anderes Leben. Redu, das reale Bücherdorf in den Ardennen, wirkt wie ein Gegenentwurf zur modernen Welt: wenig Internet, viel Natur, Bücher statt Bildschirme, Menschen statt Profile. Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann – oder soll.
Woywod entfaltet diese Welt mit großer Liebe. Die Naturbeschreibungen sind detailliert, oft sehr schön, manchmal fast meditativ. Jahreszeiten, Spaziergänge, Licht, Wälder, Hunde – all das trägt zu einer Atmosphäre bei, die eindeutig auf Entschleunigung zielt. Auch das Thema Lesen und der stationäre Buchhandel werden sichtbar als Herzensangelegenheit des Autors eingebettet. Wer Bücher liebt, wird sich hier verstanden fühlen.
Im Zentrum stehen die Beziehungen: die warme, fast sofortige Nähe zwischen Marie und Jónína, später die vorsichtige Annäherung an Mathilde, die lange abweisend bleibt und doch eine tiefe Verletzlichkeit in sich trägt. Die Idee, zwei Frauen mit ähnlichen biografischen Wunden langsam zueinander finden zu lassen, ist schön und berührend gedacht. Die wechselnden Perspektiven erlauben Einblicke in ihre Gefühlswelten und verleihen dem Roman eine gewisse Sanftheit.
Und doch blieb bei mir eine Distanz. Viele Figuren sind sehr wohlwollend gezeichnet – vielleicht zu wohlwollend. Konflikte werden kaum zugespitzt, Ecken und Kanten fast vollständig abgeschliffen. Redu erscheint wie ein Ort, an dem alle verständnisvoll, freundlich und geduldig sind (mit wenigen Ausnahmen, die erwartbar aufgelöst werden). Das erzeugt eine starke Wohlfühlatmosphäre, nimmt der Geschichte aber auch Spannung und Tiefe. Entwicklungen sind vorhersehbar, Überraschungen bleiben aus, und echte Reibung entsteht selten.
So wurde das Lesen für mich stellenweise zäh. Nicht, weil der Stil schlecht wäre – im Gegenteil, er ist ruhig und sauber –, sondern weil der Roman kaum Sog entwickelt. Er trägt, aber er zieht nicht. Man bleibt eher aus Sympathie und Wohlwollen dran als aus innerem Drang.
Unterm Strich ist Mathilde und Marie ein warmherziges, stilles Buch über Freundschaft, Verlust, Neubeginn und die Sehnsucht nach einem anderen Rhythmus des Lebens. Es ist ein echtes Wohlfühlbuch, das wichtige Werte hochhält: Achtsamkeit, Menschlichkeit, Nähe zur Natur. Literarisch bleibt es jedoch eher an der Oberfläche, wo man sich manchmal mehr Tiefe, mehr Mut zur Unbequemlichkeit wünschen würde.
Für Leser:innen, die leise Geschichten lieben, die entschleunigen möchten und sich gern in Bücherorte träumen, ist dieser Roman genau richtig. Wer jedoch Spannung, Ambivalenz oder psychologische Schärfe sucht, könnte enttäuscht zurückbleiben. Für mich bleibt ein sympathisches Buch mit schöner Idee – aber auch mit verpasstem Potenzial.
