Kundenrezensionen von Julchentim





Die Mitternachtsreise
von Matt Haig
Ich habe dieses Buch von der ersten Seite an geliebt. Matt Haig schafft es wieder einmal, eine Geschichte zu schreiben, die leicht zu lesen ist und gleichzeitig unglaublich viel tief im Inneren auslöst. Die Handlung ist ruhig und man ahnt oft, wohin die Reise geht, aber genau das hat für mich den Zauber ausgemacht. Nichts wirkt künstlich oder überladen. Alles fühlt sich absolut ehrlich an.
Wilburs Reise hat mich sehr berührt. Mit jedem neuen Kapitel wurde mir mehr bewusst, wie sehr dieses Buch von den kleinen Momenten im Leben erzählt. Von Liebe, Verlust, verpassten Chancen und den Dingen, die man oft erst viel zu spät versteht. Viele Gedanken darin haben mich direkt getroffen, weil sie sich so menschlich und wahr angefühlt haben.
Besonders schön fand ich die Mischung aus Melancholie, Hoffnung und Wärme. Trotz aller schweren Themen fühlt sich das Buch nie bedrückend oder schwer an. Es erinnert einen daran, langsamer zu leben, mehr im Moment zu sein und Menschen nicht als selbstverständlich zu sehen.
Für mich ist das hier viel mehr als Fantasy. Es ist eine emotionale Liebesgeschichte über zweite Chancen, Reue und darüber, was am Ende wirklich zählt. Und obwohl das Buch große Fragen über Zeit, Leben und Tod stellt, bleibt es dabei immer nahbar und voller Herz.
Eines meiner absoluten Highlights dieses Jahr. Ich konnte kaum aufhören zu lesen und wollte gleichzeitig nicht, dass es endet.





Ungelöst - Die erste Zeugin
von Arno Strobel
„Ungelöst – Die erste Zeugin“ hat mich rasch gepackt. Die Verbindung aus Cold Case, Entführung und Luisas Vergangenheit sorgte bei mir direkt für Spannung. Besonders die Idee mit ihrem fotografischen Gedächtnis fand ich interessant und mal etwas anderes.
Die Geschichte wird im Verlauf immer intensiver und lebt vor allem von den gut ausgearbeiteten Figuren. Luisa wirkt menschlich und glaubwürdig, weil sie eben nicht perfekt ist. Auch Ramin Brunner hat mir als ruhiger Ermittler richtig gut gefallen. Die beiden ergänzen sich sehr gut und ich bin gespannt, wie sich das Team in den nächsten Teilen weiterentwickelt.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und durch die kurzen Kapitel bleibt man ständig dran. Manche Wendungen konnte ich zwar schon vorher erahnen, trotzdem hat mich die Handlung durchgehend gut unterhalten. Gerade gegen Ende zieht das Tempo nochmal deutlich an.
Auch das Hörbuch war wirklich stark gesprochen. Dietmar Wunder bringt die Stimmung der Geschichte sehr gut rüber und macht die ohnehin spannende Handlung nochmal intensiver.
Für mich ein gelungener Reihenauftakt mit einer starken Ausgangsidee und sympathischen Figuren. Ich freue mich auf die Fortsetzung und vergebe gute 4 Sterne.





Alt genug
von Kürthy Ildikó von
„Alt genug“ hat sich für mich angefühlt wie ein langes Gespräch mit einer Freundin, die einfach alles ausspricht, was man selbst oft nur denkt. Ich musste mehrfach lachen, an manchen Stellen wurde es aber auch ziemlich nachdenklich und genau diese Mischung mochte ich sehr. Ildikó von Kürthy schreibt offen über Ängste, das Älterwerden, Freundschaften und dieses Gefühl, irgendwann nicht mehr jedem gefallen zu müssen. Vieles war extrem nachvollziehbar und angenehm ehrlich. Manche Passagen waren mir etwas zu negativ oder zu sehr auf Müdigkeit und Rückzug fokussiert, deshalb keine fünf Sterne. Trotzdem ein sehr warmes, kluges und persönliches Buch, in dem sich viele wiederfinden werden.





Weavingshaw
von Heba Al-Wasity
Weavingshaw hat mich komplett abgeholt. Ich liebe Bücher mit alten, unheimlichen Anwesen, Geistern, dunklen Geheimnissen, verwitterten Moorlandschaften und genau dieser Mischung aus Gefahr, Sehnsucht und unterschwelliger Spannung, und dieses Buch hat davon wirklich alles.
Die Atmosphäre war unglaublich stark und dicht. Dieses Haus, diese düstere Stimmung, die Geheimnisse hinter jeder Ecke, dazu Geister, Dämonen und ein Mann, bei dem man nie ganz weiß, ob er Monster oder einfach nur zutiefst verletzt ist. Einfach genau mein Ding.
Leena habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist stark, aber nicht auf diese übertriebene Art, sondern ruhig, klug und mit viel Herz. Und St. Silas? Ehrlich, dieser Mann lebt von ungelösten Blicken, Geheimnissen und purem inneren Chaos. Diese langsame Annäherung zwischen den beiden war fast schlimmer als jeder offene Romance-Plot, weil die Spannung einfach so gut geschrieben ist.
Was mich aber noch mehr beeindruckt hat, war, wie viel mehr dieses Buch eigentlich ist. Es geht nicht nur um Gothic Fantasy und Romance, sondern auch um Ausgrenzung, Herkunft, Flucht, Zugehörigkeit und darum, wie Menschen behandelt werden, wenn sie als fremd gesehen werden. Das war super eingewoben und hat der Geschichte viel Tiefe gegeben.
Und dann dieses Ende! Ich war fest davon überzeugt, ich lese einen Einzelband. Falsche Annahme. Die letzte Seite hat mich einfach sprachlos zurückgelassen und jetzt brauche ich dringend Band zwei.
Für mich war das genau die Art von Gothic Fantasy, die ich liebe. Langsam, atmosphärisch, emotional und mit genau der richtigen Menge an Schmerz. Absolute 5 Sterne.





Bachelorette Party
von Camilla Sten
The Bachelorette Party von Camilla Sten hatte für mich alles, was ich eigentlich mag. Abgelegene Insel, eingeschlossene Gruppe, zwei Zeitebenen und ein ungelöster Fall aus der Vergangenheit. Der Einstieg hat mich auch direkt abgeholt, vor allem die Verknüpfung zwischen dem alten Verschwinden der „Nacka Four“ und dem aktuellen Junggesellinnenabschied funktioniert gut.
Das Problem lag für mich aber eher im Verlauf und leider im Ende. Die Geschichte zieht sich im ersten Teil etwas, bevor sie später deutlich an Tempo gewinnt. Dann wird es zwar um einiges spannender, aber die Auflösung wirkt recht überzogen und fast schon wie ein Drama, das einfach zu viel will. Dazu kommt, dass ich recht früh ein Gefühl hatte, in welche Richtung es gehen könnte. Die Überraschung blieb dadurch aus.
Mit den Figuren bin ich auch nicht richtig warm geworden. Tessa fand ich noch am interessantesten, vor allem ihre eigene Vergangenheit hatte für mich mehr Spannung als der eigentliche Hauptfall. Die Dynamik in der Gruppe blieb dagegen doch eher flach und langweilig.
Trotzdem ist das Buch kein Reinfall. Es liest sich schnell, hat ein paar starke Momente und die Atmosphäre auf der Insel passt. Für zwischendurch ist das okay, aber es bleibt wenig hängen.





Mathilde und Marie
von Torsten Woywod
Mathilde und Marie von Torsten Woywod hat mich auf eine ruhige Art erwischt, mit der ich so absolut nicht gerechnet habe. Es passiert nicht viel im klassischen Sinn. Und genau das macht dieses Buch aus.
Marie lässt ihr Leben in Paris hinter sich und landet eher zufällig in einem kleinen Bücherdorf in den Ardennen. Dort läuft alles langsamer. Gespräche haben Zeit. Menschen hören zu. Bücher stehen im Mittelpunkt. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst kurz raus zu sein aus dem eigenen Alltag.
Besonders mochte ich die unerwartete Entwicklung zwischen Marie und Mathilde. Die beiden sind sehr unterschiedlich, aber genau daraus entsteht etwas Echtes, Wahres und Warmes. Diese leisen Annäherungen, kleine Gesten und unausgesprochene Dinge wirken stärker als große Dramen.
Die Atmosphäre ist durchgehend ruhig und fast schon entschleunigend. Man merkt, wie viel Liebe im Detail steckt, ohne dass es ausufert. Manche Stellen waren mir etwas zu bedacht formuliert, fast ein bisschen zu gewollt tiefgründig. Die Geschichte hätte das gar nicht nötig gehabt, sie trägt sich auch so.
Für mich ist das kein Buch zum schnellen Durchlesen. Es ist eines, das man bewusst langsam liest und zwischendurch einfach mal weglegt, um nachzudenken.
Ein stiller Roman, der gut tut und noch eine Weile bleibt.





Beth is dead
von Katie Bernet
Beth Is Dead von Katie Bernet hat mich komplett erwischt. Ich liebe Little Women schon lange, aber diese moderne Version fühlt sich trotzdem frisch an und bleibt den Figuren treu. Die vier Schwestern wirken hier echter, kantiger und viel näher dran. Man merkt ihre Dynamik in jeder Szene, inklusive der Fehler, die sie machen. Genau das hat mich richtig reingezogen.
Und dieser Krimi-Teil? Ich hatte absolut keine Chance. Ich habe die ganze Zeit gerätselt und lag am Ende komplett daneben. Die Spannung zieht sich durch das ganze Buch und lässt einen kaum los.
Dazu kommt noch das Setting in der heutigen Zeit mit Social Media und öffentlichem Druck, das passt einfach gut rein und gibt der Geschichte mehr Gewicht.
Ich habe das Buch fast in einem Rutsch gelesen und war danach noch lange gedanklich drin. Für mich ein klares Highlight. Und ja, das Cover ist genauso gut, wie alle sagen.





The Exes
von Leodora Darlington
The Exes von Leodora Darlington hat mich ehrlich gesagt ganz schön durcheinandergebracht, im guten Sinne. Ich war beim Lesen ständig unsicher, wem ich glauben kann, und habe sogar meine eigenen Einschätzungen immer wieder hinterfragt.
Natalie als Hauptfigur fand ich gleichzeitig nahbar und irritierend. Man versteht, warum sie sich nach einem ruhigen, normalen Leben sehnt. Aber je mehr passiert, desto weniger weiß man, ob sie Opfer ist oder selbst etwas Dunkles in sich trägt. Genau dieses Gefühl zieht sich durch das ganze Buch und hält die Spannung hoch.
Die Geschichte startet fast ruhig, kippt dann aber immer mehr ins Unheimliche. Einige Wendungen waren für mich doch etwas drüber und nicht immer ganz glaubwürdig. Trotzdem konnte ich kaum aufhören zu lesen, weil ständig neue Fragen aufkamen. Besonders die letzten Kapitel haben für mich viel rausgeholt. Die hatten eine gewisse Tragik, die ich so nicht erwartet hätte.
Was mir gut gefallen hat, ist der Fokus auf Themen wie Trauma, Beziehungen und Kontrolle. Das geht über einen klassischen Thriller hinaus und bleibt länger im Kopf.
Am Ende bin ich bei soliden 4 Sternen gelandet. Nicht perfekt, aber intensiv, unbequem und definitiv ein Buch, das einen beschäftigt.





Real Americans
von Rachel Khong
Ich habe Real Americans von Rachel Khong gelesen und war am Ende echt überrascht, wie sehr mich das Buch doch gepackt hat.
Am Anfang wusste ich nicht so ganz, wohin die Geschichte will, aber genau das hat es dann irgendwie besonders gemacht. Die verschiedenen Perspektiven von Lily, Nick und Mei haben sich für mich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Vor allem Lily ist mir richtig nah gegangen. Ich wollte sie oft einfach nur in den Arm nehmen und fest drücken.
Nick tat mir an vielen Stellen leid, weil er so zwischen allem steht und versucht, seinen Platz zu finden. Und Mei bringt nochmal eine ganz andere und überraschende Tiefe rein, auch wenn ihr Teil für mich stellenweise etwas schwerer zu greifen war.
Das Buch ist eher ruhig erzählt, aber genau das hat bei mir sehr gut funktioniert. Es passiert nicht ständig etwas Großes, aber die Gedanken und Gefühle der Figuren tragen die ganze Geschichte über das Buch hinweg. Man merkt auch, dass hier Themen wie Familie, Herkunft und Identität eine große Rolle spielen.
Ein kleiner Punkt, der mich manchmal rausgebracht hat, war dieser wissenschaftliche Aspekt im Hintergrund. Der war wichtig für die Story, aber nicht immer leicht zu verstehen.
Trotzdem, die Art wie alles zusammenkommt und wie sich mein Blick auf die Figuren immer wieder verändert hat, fand ich richtig gut. Das ist so ein Buch, über das man noch länger nachdenkt.
Für mich starke 4 Sterne.





Liars all around me
von Clara Blais
Ich habe Liars All Around Me von Clara Blais gelesen und war echt schnell drin. Die Story packt einen direkt und ich wollte ständig wissen, was als Nächstes passiert.
Die Idee ist jetzt nichts komplett Neues, aber die Umsetzung hat für mich trotzdem gut funktioniert. Dieses ständige Misstrauen zieht sich durch das ganze Buch, und man merkt schnell, dass hier wirklich jede Person irgendwas verbirgt. Ich hab beim Lesen dauernd eigene Theorien gehabt und lag auch nicht immer richtig, was ich gut fand.
Ryle und Avery mochte ich nach einer kurzen Eingewöhnung recht gerne. Am Anfang war ich mir bei beiden nicht sicher, aber je mehr man über sie erfährt, desto mehr versteht man ihr Verhalten. Die Dynamik zwischen ihnen hat mir auch gefallen, vor allem weil sich das langsam aufbaut und nicht erzwungen wirkt.
Was mich ein bisschen gestört hat, waren ein paar bekannte Muster, und dass ich manche Entwicklungen schon erahnen konnte. Da hätte ich mir stellenweise mehr Überraschung gewünscht oder etwas mehr Tiefe bei den Hintergründen.
Trotzdem, die Spannung war durchgehend da und das Ende hat nochmal einen draufgesetzt. Ich saß da kurz und dachte mir, okay damit habe ich jetzt nicht gerechnet.
Für mich ein richtig solider Thriller, der Spaß macht und sich super weglesen lässt.









