Kundenrezensionen von Ulla





Nebelbeute
von Benjamin Cors
Mila Weiss ist Spezialermittlerin in der Gruppe 4, die Serienkiller zur Strecke bringt. Offiziell nimmt sie eine Auszeit und möchte diese in einem abgelegenem Ort in den Bergen verbringen. In den Wäldern soll sich der Serientäter Johannes Toblach versteckt halten, der mehrere Kinder entführt haben soll. Ihn will sie jagen und stellen. Im Winter bei Schnee und Kälte wandert sie auf der Suche umher und bringt Kameras zur Überwachung an. Seltsame Menschen, skurrile Charaktere und Eigenbrödler leben in dem Ort und Umweltschützer kämpfen gegen das Sägewerk und die massive Abholzung. Kurz nach ihrem Einzug in ihre Ferienhütte entdeckt sie einen Toten seltsam drapiert in einem Baum hängend. Aus der Ferne helfen ihr die anderen Mitglieder der Gruppe 4 und stellen fest, dass es hier eine Häufung von Todesfällen in den letzten Jahren gab. Verdächtigte gibt es viele und immer wieder neue Spuren. Als Mila Toblach endlich findet, oder er sie, wird es auch für sie gefährlich.
Der Thriller ist äußerst spannend und vielschichtig geschrieben. Mehrere Morde, viele Tatverdächtige und er alte Fall aus den Vorgängerbänden verschmelzen hier. Verschiedene Interessen und Lebensweisen treffen aufeinander in einer nur scheinbaren Idylle.





Klein aber tot
von Jo Fischler
In der fiktiven Kleinstadt Knuffingen hat es einen Mord gegeben, der Journalist und Kritiker Friedrich Frank wurde tot aufgefunden. Da alle anderen Polizisten nicht auffindbar sind ist Jojo Wunder bei den Ermittlungen auf sich allein gestellt. Einwenig Hilfe erhält er von seinem Freund, der durch sein Hobby Modelleisenbahnbau, sich mit Tüfteleien und Puzzle auskennt. Hinweise am Tatort deuten auf verschiedene Verdächtige, neben dem Bürgermeister zu Jojos Leidwesen auch seine heimliche Geliebte, die Blumenverkäuferin Liora Märklin, und seine Mutti, deren Restaurantessen von Herrn Frank gnadenlos schlecht gemacht wurde. Und was hat es mit den Treffen im Pärchensitz im Kino auf sich? Auf jeden Fall hat der als Journalist gefeuerte Frank über seine Verhältnisse gelebt.
Der gesamte Ort mit seinen Bewohnern wird sehr liebevoll beschrieben. Die Handlung ist eher humorvoll zu nennen obwohl auch immer wieder Spannung aufkommt. Da der fiktive Ort Knuffingen Teil der Hamburger Miniaturwunderwelt ist, gibt es immer wieder Bezug darauf, wie den Modellbastler mit Styropor beim Berge bauen, einen Märklinladen und die Blumenhändlerin mit Nachnamen Märklin. Ein liebenswerter Krimi mit viel süddeutschen Lokalkolorit.





Im Morgengrauen
von Marc Raabe
Im Internet kursieren Videos von einer jungen Frau, die sich Kessy X nennt. Sie erzählt von ihrer privaten Begegnung mit dem Bundeskanzler Henrik Westphal, bei dem es zu Übergriffen und schlimmeren gekommen sein soll. Und nun ist der Kanzler verschwunden. Versteckt er sich, wurde er entführt oder ist er tot? Sein Freund aus Kindertagen, der Polizist Art Mayer, sucht nach ihm. Bei seinem Besuch bei Juli, Henriks Frau und seine große Liebe, wird er zu einer Toten im U-Bahn Schacht gerufen. Die kopflose Frau trägt ein Eulentattoo, genau so eines, wie man auf den Video von Kessy X sieht. Mit seiner Partnerin Nele Tschaikowski, eine junge Mutter mit reichlich privaten Problemen, ermittelt er nun auch in diesem Tötungsdelikt. Bis Art Mayer selbst ins Visier der Ermittlungen gerät und er untertauchen muss.
Der äußerst spannende Thriller, der sich zwischen privaten und politischen Themen bewegt wird aus zwei verschiedenen Sichtweisen und Zeitabständen erzählt. Eine Sicht, vor Westphals Verschwinden, von Kessy X und die zweite aus Sicht der Ermittler nach dem Verschwinden. Es ist von Vorteil die Vorgängerbände zu kennen, da sich vieles auf die Vergangenheit im Umfeld von Juli, Art und Henrik bezieht, jedoch nicht zwingend nötig. Neben der Spannung gefällt mir die hervorragende Schreibweise und das Hineintauchen in alle Protagonisten.





Strandopfer
von Frank Goldammer
In Mistroy nahe Swinemünde an der polnischen Ostseeküste wird ein toter Mann entdeckt. Der Ermordete gehört zu einer Gruppe, die regelmäßig in einer Villa Urlaub machen. Darunter ist auch ein Mitarbeiter des deutschen Innenministeriums so dass das BKA Lena Schulte dem ermittelnden polnischen Kommissar Adam Krawczyk zur Seite stellt. Lena stammt aus einem Dorf nahe der Grenze, wuchs auf mit einem alkoholkranken Vater und Großeltern, denen sie nur eine Last war. Ihr Freundeskreis bestand aus Neonazis. Dieses Gedankengut hat sie immer noch nicht abgelegt, die misstraut den polnischen Behörden, zweifelt die Richtigkeit von Übersetzungen an und gerät immer wieder mit Adam aneinander, der seinerseits selbst Probleme mit sich herumträgt. Bei der Befragung der Urlaubergruppe deuten sich Ungereimtheiten und ein seltsames Verhalten an, besonders als sie hören, das die 10-jährige Luisa verschwunden ist und dies erst viele Stunden später entdeckt wurde. In dieser Gruppe scheint jeder etwas zu verschweigen. Die beiden Ermittler stolpern von einer Nachlässigkeit und einem Fehler in den nächsten, sie beleidigen sich gegenseitig und trauen dem anderen nichts zu. Leider ist das der Hauptbestandteil der Handlung, zusätzlich ist die Krimihandlung bis zur Auflösung des Falles recht unglaubwürdig.
Frank Goldammer kenne ich als einen guten Autor, diesen Kriminalroman jedoch kann ich nicht empfehlen.





Insel der Ratten
von Nesbø Jo
Colin Lowe, ein schwerreicher Geschäftsmann, hat sich nach dem Ausbruch der Pandemie, der Anarchie, Gewalt und Bandenkriminalität folgten, bei der sich auch ganz normale Menschen auf Grund von Armut und Hunger anschlossen, auf eine Insel gerettet. Die Insel der Ratten, einerseits geschützt und uneinnehmbar, andererseits werden die Ratten zunehmend aggressiver. Die Lösung sind die begehrten und teuren Tickets für ein Schiff, auf dem man mehrere Jahre leben kann. Sein Sohn Brad hingegen ist der Chef eine kriminellen Jugendbande, die neben Plünderungen auch vor Vergewaltigung und Mord nicht zurückschrecken. Er überfällt das Has von Will, Colins Jugendfreund und langjähriger Jurist und entführt dessen Tochter. Will, der immer noch an Recht und Gesetz glaubt, will Brad vor Gericht bringen bis er merkt, dass Korruption allgegenwärtig ist und er gegen Colins Macht und Geld nicht ankommt. Er muss einen anderen Weg für Gerechtigkeit finden, wobei er Hilfe auch von dem Bandenmitglied Yvonne erhält.
Der Roman ist aus zwei Sichtweisen geschrieben. Wir erleben die bedrückenden Situation, den Terror und Gewalt aus Sicht von Will und Yvonne, durch unterschiedliche Schriftarten sofort zu erkennen. Ein düsterer und brutaler Roman, um so erschreckender, da die Pandemie noch gut in Erinnerung ist.





Das Mosaik der Frauen
von Rafik Schami
Nadim Suri ahnt das sein Leben dem Ende entgegen geht. Schwer herzkrank liegt er im Krankenhaus und möchte, dass seine Erinnerungen aufgeschrieben werden. Said, wie er ein Flüchtling aus Damaskus und literarisch bewandert, kommt jeden Tag und notiert, was Nadim über sein unruhiges Leben zu berichten hat. Politisch verfolgt täuscht er seinen eigenen Tod vor um in Deutschland, durch seine Mutter besitzt er auch die deutsche Staatsbürgerschaft, ein neues Leben zu beginnen. Seine erste Liebe Salma wurde in Syrien vom Geheimdienst ermordet und mit seiner Mutter kann er nur über Umwege kommunizieren. Er rettet sich in seine Arbeit als Übersetzer und Dolmetscher und lernt viele Frauen kennen. Von allen nimmt er Lebensweisheiten mit, die sich wie Mosaiksteine zu seinem Weltbild zusammensetzen und seine Persönlichkeit formen. Jeder dieser Frauen ist ein Kapitel gewidmet, fast wie in 1001 Nacht aufgebaut. Er erlebt kleine und große Lieben, Ausnutzen seiner Großzügigkeit und Verlust durch Tod und Verlassen werden. Die Erzählen dieser Lieben ist eingebunden in die politischen und gesellschaftlichen Begebenheiten in arabische Länder, hauptsächlich Syrien, aber auch in Deutschland.
Der Schreibstil Schamis gefällt mir sehr gut, mehr über die Politik und Kultur Syriens zu erfahren bereichert die Handlung, die auf Grund der Vielzahl an Frauengeschichten, auch nur aus männlicher Sicht erzählt, ein wenig zu langatmig ausfällt.





00-Laschet
von David Safier
Armin Laschet freut sich, dass er statt Bundeskanzler nun Bundespräsident geworden ist. Seinen Einzug ins Schloss Bellevue hat er sich jedoch anders vorgestellt. Sein Amtsvorgänger wollte keinen Fuß mehr hineinsetzen und so erkundet er die Räumlichkeiten um dort auf seltsame Personen zu stoßen. Nebenbei beherbergt das Schloss auch Geheimagenten, die durch den Präsidenten überall mit hingeschleust werden können. Glücklicherweise ist da auch Kimmi, das Nachbarskind aus der Aachener Reihenhaussiedlung, die für seinen Social Media Auftritt engagiert wurde und ihn immer noch Onkel Laschi nennt. Doch so nebenbei ist sie auch Geheimagentin. Als gleich am ersten Tag ein Anschlag auf Laschet erfolgt, überschlagen sich die Ereignisse und auch Laschet muss in Aktion treten.
Völlig überdreht, sehr witzig und in einem Rutsch gut zu lesen. Besonders das Battle zwischen Lachet und Söder hat mir sehr gut gefallen. Hier werden Politiker mit all ihren Schwächen, auch manchen Stärken gezeigt, jedoch nie verletzend oder unter der Gürtellinie. Einzig die Handlung rund um die Maus waren zu viel des Guten. Gegenüber der Serie um Miss Merkel fehlte es ein wenig an Tiefgründigkeit.





Die Straße
von Robert Seethaler
Die Heidestraße steht Namens gebend für jede andere durchschnittliche Straße in einer durchschnittlichen Stadt mit ihren Bewohnern. Das Straßenfest, wie jedes Jahr im November steht an und der Festausschuss ist mit den Plänen beschäftigt. Gerade ist ein neuer Mieter dazugekommen, neben der kleinen Wohnung auch mit Räumlichkeiten für ein Antiquariat. Das Leben und Sterben im Altersheim, aus Sicht der älteren Bewohner wie auch der Heimleiterin, wird uns von dem jeweiligen Protagonisten aus ihrer Sicht erzählt. Der Bäckerladen, der Blumenladen und einige der dort Wohnenden berichten uns aus ihrem Leben. Der demenzkranke Pfarrer, für den nun nun neuer kommen muss.
Ein ganzes Jahr vergeht während wir in Episoden und nur kleinen Schnipseln aus Sicht der Menschen ihr Leben, Lieben, Leiden und auch Sterben mitverfolgen. Um den roten Faden nicht zu verlieren ist ein genaues Lesen unerlässlich, nicht immer erkennt man sofort, wer uns gerade etwas mitteilen möchte. Wenn man sich jedoch darauf erfährt man viel über unterschiedlichste Lebensweisen der Bewohner der Heidestraße.





Bakterien - die heimlichen Helden
von Peter Wohlleben
Peter Wohlleben nimmt uns mit in die Welt der Bakterien, Lebewesen, Einzeller, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Dabei sind sie bereits kurz nach Entstehung der Erde auf dieser heimisch und können mit extremsten Bedingungen klarkommen. Bis vor einigen Jahren verband uns mit dem Begriff Bakterien nur negatives, sind machen krank, sind unhygienisch. Doch ohne sie könnten wir überhaupt nicht leben und nicht nur wir, alle Pflanzen und Tiere benötigen Bakterien zum Leben. Es wird davon ausgegangen, dass erst die Bakterien ein Leben auf der Erde ermöglichten. Woher sie kamen ist noch nicht ausreichend erforscht, vom Mars oder lebten und leben sie unter dem Eis der Jupitermonde? Um die menschlichen Umweltsünden auszumerzen sind sie im ständigen Einsatz für eine lebenswerte Zukunft, denn benötigen auch uns für ihr eigenes Leben.
Hochinteressant, aus unterschiedlichen Blickwinkeln, über die Entwicklung und die Auswirkungen der Bakterien, über neue Ansätze in der Forschung wird uns eine für die meisten unbekannte Welt unterhaltsam und leicht verständlich nahegebracht.





John of John
von Douglas Stuart
Cal soll wieder zurück nach Hause, nach Falaby, einem kleinen Ort in den äußeren Hebriden. Seiner Großmutter Ella geht es schlecht und so verlässt Cal Edinburgh, wo er nach seinem Textilstudium ohne Job und Wohnung nicht glücklich war. Doch zu Hause erwartet ihn auch sein strenger Vater John, stark im presbyterianischem Glauben verankert. Cal eckt durch seine langen und gefärbten Haare an und wagt es nicht, seinem Vater seine Homosexualität zu beichten, obwohl dieser ihn zu einer Ehe drängt. John selbst ist geschieden von Grace, die Mann und Kind für seinen Bruder verlies und Ella, Grace Mutter, hat Cal erzogen. Das Haus, in dem John als Schafzüchter und Tweedweber wohnt, gehört Ella, die es ihrer Tochter überschreiben möchte. Wo soll John dann leben? Sein Nachbar Innes, zu dem er ein sehr inniges Verhältnis hat, bietet ihm Räumlichkeiten an, doch dieses kann John nicht annehmen. Wie würde das aussehen, da könnten ja die anderen Kirchenmitglieder glauben, er wäre schwul, das darf nicht sein, das ist nicht gottgefällig.
So tragen beide, Cal und John, ihre Andersartigkeit mit sich selbst aus, immer auf der Suche nach einem Weg zwischen Pflicht und Glück.
Der Roman beschreibt das karge und einfache Leben auf der schottischen Insel, der Gemeinschaft und Hilfe untereinander. Jeder kennt jeden und so ist es schwierig, ein Geheimnis für sich zu behalten. Gottesfürchtigkeit steht vor Mitgefühl, denn der Glaube steht über allem. Trotz der Länge des Romans bei gleichzeitig wenig Handlung langweilt er auf keiner Seite. Ganz hervorragend geschrieben.









