Kundenrezensionen
HEYN Leserunde, Miriam Brandl
empfiehlt:





Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Ferdinand von Schirach hat mit seinen Erzählbänden mein Interesse an juristischen Fallgeschichten geweckt – dadurch waren meine Erwartungen an „Dunkle Momente“ natürlich sehr hoch.
Um es gleich zu sagen: ich wurde nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil! Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen!
Neun völlig unterschiedliche Fälle werden hier verhandelt, gemeinsam ist ihnen nur die Tatsache, dass es alles Grenzbereiche des Strafrechtes sind. Es wird über Bestechung oder Brudermord geurteilt, ebenso wie über Kindersoldaten und Gruppenvergewaltigung ( ja… erinnert zumindest zu Beginn doch sehr an „Volksfest“).
Die juristische Expertise ist sicher korrekt, denn Elisa Hoven ist selbst Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof und außerdem Professorin für Strafrecht an der Uni Leipzig.
Die Autorin hat aber mit Eva Herbergen eine Protagonistin erschaffen, die als Strafverteidigerin, die Ambivalenz des Rechts immer wieder thematisiert. Die Frage nach Schuld ist nicht so einfach zu beantworten und gibt es überhaupt eine klare Grenze zwischen Recht und Unrecht?
Und darf man der Gerechtigkeit ein wenig „nachhelfen“?
Es sind auch die Gedanken zu diesen Themen und die Selbstzweifel, die die Protagonistin überzeugend wirken lassen und so sympathisch, dass ich hoffe, bald wieder von ihr lesen zu können.
HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer
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Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Was für ein Buch! 9 Fälle, die die Strafverteidigerin Eva Herbergen vor Gericht vertritt. Sie bohrt und sucht so lange, bis sie die Wahrheit kennt. Bis ihr die Hintergründe, die zu der Tat geführt haben, bekannt sind.
Großartig geschrieben hat es mich völlig in den Bann gezogen. Ich musste mich zwingen, das Buch aus der Hand zu legen.
Lesen! Unbedingt!
bedard
empfiehlt:





Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Der Roman „Dunkle Momente“ erzählt die fiktive Geschichte der Strafverteidigerin Eva Herbergen, die nach einer langen Karriere ihre Anwaltszulassung zurückgeben will. Vor etlichen Jahren hat sie aus privaten Gründen einem vermeintlichen Routinefall nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die vielleicht vonnöten gewesen wäre. Für die katastrophalen Folgen trägt sie zwar keine Verantwortung, trotzdem haben Schuldgefühle ihr weiteres Handeln als Strafverteidigerin bestimmt. Um für ihre Mandant:innen die bestmögliche Lösung herbeizuführen, überschreitet sie dabei die Grenzen einer üblichen Mandatswahrnehmung.
In diese Rahmenhandlung eingebettet sind neun Fälle, die auf Basis real stattgefundener Verbrechen und anschließender Strafverfahren konstruiert wurden. Dabei wird weniger die eigentliche Anklage und das anschließende Verfahren dargestellt, das Hauptaugenmerk wird auf die Vorgeschichte und die Motive gelenkt. Was auf den ersten Blick eindeutig scheint, sieht durch einen Twist in der Handlung plötzlich ganz anders aus.
Der Roman ist in einfacher, klarer Sprache verfasst und lässt sich problemlos auch für juristische Laien lesen. Trotzdem vermittelt die Autorin einen guten Einblick in juristische Fragestellungen, die nicht unbedingt allgemein bekannt sind. Dieses neu erworbene Wissen kann dazu beitragen, Unmut und Unverständnis über die Rechtsprechung vorzubeugen.
Opfer und Täter, Schuld und Unschuld, das sind keine Gegensätze mehr, da gibt es Überschneidungen. Und Recht und Gerechtigkeit sind keinesfalls deckungsgleich.
Das ist durchaus spannend zu lesen, das Buch regt zum Nachdenken und Hinterfragen eigener Positionen an und eignet sich damit besonders als Diskussionsgrundlage mit anderen Lesenden.
Die Rahmenhandlung um Eva Herbergen fand ich weniger gelungen, sie wirkte zu konstruiert auf mich. Die Fälle hätten gut für sich alleine stehen können, das hätte auch die Möglichkeit zu längeren Lesepausen eröffnet. Obwohl mir fast alle zugrundeliegenden Straftaten und Verfahren bereits bekannt waren, ist mir die Aneinanderreihung nach dem fünften Fall zu viel geworden.
Trotz dieser Kritikpunkte würde ich den Roman weiterempfehlen, weil mir die Auswahl und Darstellung der Fälle gefallen hat und sich der Roman gut lesen lässt.
Positiv hervorzuheben ist das gelungene Cover, das man aber erst nach Beendigung des Romans richtig zu würdigen weiß.
Michaela
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Dunkle Momente
von Elisa Hoven
'Dunkle Momente' hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Nach 30 Jahren als Strafverteidigerin beschließt Eva Herberger ihre Anwaltslizenz zurück zulegen. Wie es dazu kommt, wird in neun verschiedenen Fällen erzählt, welche ihre Sicht auf Schuld und Unschuld beeinflussen und verändern. Jeder Fall lässt mich mit meinen eigenen Überlegungen und Gedanken zurück. Wie würde ich die Situation beurteilen? Was bedeutet Schuld, ein Schuldspruch oder ein Freispruch für die betroffenen Personen? Und kann ich das Handeln der Strafverteidigerin oder auch der Täter und Opfer nachvollziehen oder lässt es mich ratlos zurück?
'Dunkle Momente' ist hierbei in einer bewegenden und klaren Sprache geschrieben, welche mich ganz in den Bann zieht. Spannend und zum Nachdenken anregend, was heißt Recht und Gerechtigkeit. Lesen und selbst entscheiden, lautet mein Urteil.
Ruth
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Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Elisa Hoven ist Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig und Richterin am Sächsischen Verfassungsgericht. Da verwundert es nicht, dass sich ihr Debutroman mit juristischen Fallgeschichten auseinandersetzt; einige davon beruhen auf wahren Begebenheiten.
Die Protagonistin Eva Herbergen ist Strafverteidigerin und beschließt mit Anfang Sechzig ihre Anwaltszulassung zurückzugeben und ihren Dienst zu quittieren. Wie viele Menschen hat sie in ihrem langen Berufsleben durch deren „ dunkelsten Momente“ begleitet, für sie gekämpft und gestritten vor Gericht? „ Einige von ihnen waren schuldig, andere unschuldig, die meisten beides.“
Aber es sind ihre eigenen „ dunklen Momente“, die sie hinter sich lassen will, Fälle, bei denen sie an sich selbst gezweifelt hat. War ihr Eingreifen angemessen oder hat sie sich womöglich sogar schuldig gemacht?
Im Rückblick sind es ingesamt neun Fälle in ihrer beruflichen Laufbahn, weshalb sie nun ihre Arbeit aufgeben will.
Da gibt es den alten Mann, der einen Einbrecher erschießt. Aber ist das tatsächlich Notwehr oder eine völlig überzogene Reaktion? Und wie ist sein späteres Verdrehen der Tatsachen zu beurteilen? Während man noch über diesen Fragen grübelt, nimmt die Geschichte erneut eine überraschende Wendung.
Das ist ein Merkmal, das viele der ansonsten ganz unterschiedlichen Fälle eint: ein Twist, der alles nochmals in einem anderen Licht erscheinen lässt.
In einem weiteren Fall wird ein Mord vertuscht. Im nächsten eine junge Frau vergewaltigt; zehn Männer sind schuldig, elf kommen dafür ins Gefängnis.
Einmal erweist sich ein Verdächtiger als weitaus abgefeimter und manipulativer als gedacht.
Ein anderer Fall wirft die Frage auf, ob wir uns in Deutschland, in einem Land, das Sicherheit und behütete Kindheiten kennt, anmaßen dürfen, über einen Kriegsverbrecher aus Afrika zu urteilen. Vor allem dann, wenn bekannt wird, dass dieser Mensch, der unvergleichlicher Verbrechen beschuldigt wird, selbst als Kindersoldat rekrutiert wurde.
Alle Fälle zwingen den Leser dazu, einen Standpunkt zu beziehen, denn hinter jeder Tat steckt eine komplexe Vorgeschichte. Wie beurteilt man ein Verbrechen? Kann man Verständnis für den Täter aufbringen? Ethische und moralische Fragen treiben den Leser um und nicht selten hadert man mit dem Gerichtsurteil. Hier zeigt das Buch ganz deutlich die Grenzen von Recht und Gerechtigkeit.
Diese Fragen treiben auch die Staatsanwältin Eva Herbergen um. Sie arbeitet mit unkonventionellen Methoden und bewegt sich sehr oft in juristischen Grauzonen. Dabei überschreitet sie gerne auch mal rechtliche Grenzen oder greift zu zweifelhaften Mitteln. Das irritiert den Leser und lässt ihn an der Integrität der Anwältin zweifeln.
Eva Herbergen begründet ihr fragwürdiges Verhalten mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit. Dort hatte sie versagt und die Schuldgefühle lassen sie seither nicht mehr los. Was damals konkret geschehen ist, wird erst im neunten und somit letzten Fall geklärt. Auf ihn wird immer wieder verwiesen. Der Fall „ Stefan Heinrich“ ist die „ Mohrrübe“, die dem Leser vor die Nase gehalten wird, die ihn durch das Buch ziehen soll.
Und damit sind wir bei einem Grundproblem des Romans. Es hätte dieser Rahmenhandlung nicht bedurft, es hätte nicht mal eine durchgängige Hauptfigur gebraucht. Diese Anwältin, die sich sehr oft unprofessionell verhält, sich Fakten zurechtbiegt, unrechtmäßig eingreift und sich sogar zum Komplizen machen lässt, wirkt unglaubwürdig.
Auch erzähltechnisch ist dieses Konstrukt nicht gelungen. Alle Geschichten werden nach dem gleichen Schema erzählt. Das langweilt mit der Zeit.
Mich hätte ein Erzählband mit Fallgeschichten, die in keinem fiktiven Zusammenhang stehen, mehr überzeugt. ( Wobei ich auf die Geschichte mit dem Kannibalen gerne verzichtet hätte.)
Trotz diesem Kritikpunkt habe ich das Buch gerne gelesen. Denn jedes Kapitel bot sehr viel Stoff für kontroverse Diskussionen, sowohl das Verbrechen an sich als auch seine Auswirkungen auf Täter und Opfer und die Strategie der Anwältin . ( Deshalb würde sich dieser Episodenroman geradezu für Lesekreise anbieten.)
Außerdem liest sich das Buch leicht und ist unglaublich fesselnd.
Lies_ein_Buch
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Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Dieses Buch hätte in meinen Augen viel mehr Publicity und Hype verdient, denn mein Gott war das ein wunderbares Lesegnügen.
So ein bisschen bedient das Buch auch den Voyeur im Leser, den Teil der sich am Unglück und Elend anderer ergötzt, was sich super spannend finde.
Die einzelnen Geschichten beschäftigen sich unter anderem mit den Facetten von Schuld, beleuchten verschiedenste Tatbestände und die moralischen, gesellschaftlichen und juristischen Aspekte, die mit den Taten zusammenhängen.
Die dargestellten Szenarien gehen sehr ins Extreme, es sind keine Alltagsdelikte. Es dreht sich um eher skurrile, abgründige Morde, mit sehr eigenwilligen Motiven. Dass das Ganze aus der Sicht der verhandelnden Strafverteidigerin geschildert wird, fand ich einen super spannenden Kniff. Denn während Täter- und Opferperspektive oft recht klar sind, bewegt sie sich durch die Grauzonen des Rechtsystems, dem sie dient. Und das fand ich richtig mitreißend. Absolut genial!
Die einzelnen Fälle sind knackig geschildert und in kurze Kapitel unterteilt, die sich auf die essentiellen Aspekte beziehen und sich damit zügig und flüssig lesen lassen. Es gibt quasi keinen Fachjargon und die juristischen Aspekte werden simpel runtergebrochen, sodass sie leicht verständlich sind.
Mich hats voll abgeholt und überzeugt, ich empfehle es gerne weiter.
Eternal-Hope
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Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Die Strafverteidigerin Eva Herbergen ist eine Getriebene. Schwer lastet die Schuld auf ihr. Denn vor mehreren Jahrzehnten hat sie einem Mandanten Unrecht getan, war für ihn nicht so eine gute Strafverteidigerin, wie sie sein hätte können, und das hat zu einer furchtbaren Tragödie geführt, an der sie sich mitschuldig fühlt (dies wird schon ganz zu Beginn erwähnt, aber erst im allerletzten Fall erfahren wir die Details dazu).
In Elisa Hovens ausgezeichnetem und sehr nachdenklich machendem Debütroman "Dunkle Momente" erleben wir, wie eben diese Strafverteidigerin an dieser Schuld leidet und nun in ihrem weiteren Berufsleben versucht, für größtmögliche Gerechtigkeit nach ihren individuellen Maßstäben zu sorgen - auch durch Eingriffe am Rande des Legalen oder durch solche, die sogar eindeutig illegal sind.
Dieses Buch ist also ganz sicherlich kein Musterbeispiel dafür, wie sich eine Strafverteidigerin ethisch und juristisch einwandfrei verhalten sollte. Und auch keine Dokumentation darüber, wie sich Strafverteidiger üblicherweise verhalten (hoffe ich mal). Denn wir haben eine nicht unbedingt sympathische, oft wenig selbstreflektierte Protagonistin, die sich oft nicht einwandfrei verhält oder sogar strafbar macht. Wir wünschen uns als Gesellschaft nicht, dass Strafverteidiger so handeln. Aber: genau durch diese Protagonistin und ihr Handeln wird das Buch besonders spannend und regt umso mehr zu interessanten Diskussionen an.
Denn es werden insgesamt neun Fälle vorgestellt, die alle auf die eine oder andere Weise jedenfalls moralisch, oft auch juristisch, nicht eindeutig sind. Ein paar Beispiele:
- Darf ein alter Mann, bei dem eingebrochen wurde, den jugendlichen Einbrecher erschießen? Auch von hinten und wenn dieser sich schon auf der Flucht befindet? Und wie sieht es damit aus, wenn dieser Mann danach unter einem Vorwand rechtliche Informationen einholt, um im Nachhinein Beweismittel zu fälschen, und sich vor einer seiner Meinung nach ungerechtfertigten Strafe zu schützen?
- Sollte es als strafmildernd gelten, wenn jemand, der schreckliche Verbrechen begangen, gefoltert und gemordet hat, selbst als Kindersoldat rekrutiert wurde und seitdem nur Schreckliches erlebt hat? Und inwiefern betrifft es uns in Mitteleuropa, wenn in Afrika oder anderswo Verbrechen verübt wurden, die keinen direkten Bezug zu uns haben? Dürfen und sollten wir darüber zu Gericht sitzen, mit unseren mitteleuropäischen Maßstäben und aus der Perspektive unserer deutlich behüteteren Herkunft?
- Wenn von 11 Männern auf einem Junggesellenabschied 10 nachweislich eine junge Frau misshandelt und vergewaltigt haben, aber alle die Tat leugnen, sodass nicht feststellbar ist, wer unschuldig ist: was ist schlimmer, wenn alle Täter aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden oder wenn ein Unschuldiger mit ins Gefängnis geht?
- Wann, wenn überhaupt jemals, ist es moralisch gerechtfertigt, Unterlagen zu verschwinden zu lassen oder eine Geschichte zu verfälschen, um jemanden davor zu schützen, mit erschreckenden Wahrheiten über die eigene Familie konfrontiert zu werden?
All diesen und noch vielen weiteren ethischen Fragen muss sich die Strafverteidigerin Eva Herbergen stellen. Dabei bezieht sie aufgrund der Informationen, die sie jeweils im Moment der Entscheidung hat, moralisch Position, und entscheidet sich, aktiv in die Beweisermittlung einzugreifen, Beweise zu manipulieren oder verschwinden zu lassen, Falschinformationen an die Presse zu spielen oder fragwürdiges Verhalten ihrer Mandanten (z.B. eine Falschaussage, von der sie Kenntnis hat) zu decken. Eva meint damit im jeweiligen Moment, ethisch richtig zu handeln und ihre Entscheidungen vor ihrem eigenen Gewissen verantworten zu können. Mal entscheidet sie sich in die eine, mal in die andere Richtung, wird manchmal tätig, schweigt das nächste Mal.
Was das Buch besonders interessant macht, sind die vielen unerwarteten Wendungen. Die Wahrheit ist eben nicht unbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt eindeutig ersichtlich, weder für uns Lesende noch für Eva Herbergen selbst.
Unterstützt wird das noch dadurch - vermutlich von der Autorin bewusst so gewählt - dass die Täter bzw. Opfer oft sehr tendenziös und einseitig geschildert werden - vielleicht ähnlich, wie manche Strafverteidiger es vor Gericht machen würden, um ein bestimmtes, erwünschtes Bild ihres Mandanten zu zeichnen und die Geschworenen oder Richter in ihrem Sinne zu beeinflussen. Wir dürfen nicht vergessen, die Position eines Strafverteidigers, einer Strafverteidigerin, ist keine neutrale, sondern eine parteiische, im Sinne der Interessen der eigenen Mandanten.
Mit dieser einseitigen Darstellung steuert die Autorin auch bewusst unsere Sympathien und Antipathien, und zeigt uns Lesenden gleichzeitig auf, wie manipulierbar wir sind. Denn jede Geschichte kann von vielen Blickwinkeln aus erzählt werden, und sieht ganz anders aus, je nachdem, ob die Perspektive des Opfers oder des Täters oder eines Zeugen eingenommen wird.
Doch oft sind die Dinge nicht so, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. So stellt sich immer wieder im Nachhinein heraus, dass Eva Herbergens Eingreifen oder Verschweigen nicht nur juristisch, sondern auch moralisch äußerst fragwürdig war, und manchmal dazu beigetragen hat, Schuldige vor dem Gefängnis zu bewahren oder sogar Unschuldige dorthin zu bringen (was Eva Herbergen zum Zeitpunkt ihres Eingreifens natürlich nicht wusste).
Als Rahmenhandlung lernen wir Eva Herbergen auch privat ein bisschen kennen. Das Milieu ist ein für diesen Bereich typisches: Status, Geld und Schein spielen eine große Rolle. Man ist beruflich äußerst ehrgeizig, arbeitet viel, geht zum Ausgleich mit Gleichgesinnten in gehobene Restaurants essen, kleidet sich teuer, macht exquisite Reisen... und hat den Kinderwunsch solange verschoben, bis er sich leider in Evas Fall nicht mehr realisieren ließ. Einen kleinen Ausgleich schafft Evas Mann, ein bedachter, nachdenklicher und ihre Entscheidungen immer wieder (meist allerdings erfolglos) kritisch hinterfragender, ruhiger Literaturwissenschaftler.
Dennoch ist interessant an der Person Evas, dass sie eben nicht nur vom Wunsch nach Status und Erfolg, sondern vor allem von ihren Schuldgefühlen und dem Wunsch, Gerechtigkeit herzustellen, getrieben ist.
Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und gemeinsam mit anderen äußerst spannende Diskussionen darüber geführt. Es eignet sich wie kaum ein anderes Buch zum gemeinsamen Diskutieren, und es ist sehr spannend, was für unterschiedliche Wertepositionen sich dabei zeigen, selbst wenn man es in einer Gemeinschaft von Menschen diskutiert, die sich sonst in vielem ähnlich ist.
Damit macht es sehr nachdenklich darüber, woher unsere Werte kommen, womit wir diese verteidigen und warum sich diese in manchem von denen anderer Menschen, die anderes erlebt haben, unterscheiden. So zeigt das Buch auf, dass und warum sich das Rechtssystem eben nicht so einfach an irgendwelchen universalen Werten (so es diese überhaupt geben kann) orientierten kann und niemals das Gerechtsempfinden aller bedienen wird, sodass immer ein Spannungsverhältnis zwischen Recht und empfundener Gerechtigkeit bestehen wird.
Ich kann das Buch also allen, die sich für die Grenzbereiche des Rechts und der Moral interessieren, sehr empfehlen, mit einer Einschränkung: die vorgestellten Fälle werden eindringlich und detailliert in aller Brutalität geschildert und manches davon ist an der Grenze des Erträglichen für mitfühlende Menschen: es geht um Vergewaltigung, Folter, Mord (auch an Kindern), Kindersoldaten, Kannibalismus und viele weitere wirklich abscheuliche Themen. Wer sich davon schnell getriggert fühlt oder sich gerade in einer sehr sensiblen Lebensphase befindet, in der die Konfrontation mit solchen Abscheulichkeiten kaum erträglich ist, der sollte von diesem Buch besser Abstand nehmen.
Julchentim
empfiehlt:





Dunkle Momente
von Elisa Hoven
Selten hat mich ein Buch so sehr zum Grübeln gebracht wie Dunkle Momente von Elisa Hoven. Es ist kein klassischer Krimi, sondern eine Mischung aus True-Crime, Roman und juristischer Reflexion – eine Erzählweise, die mich völlig in den Bann gezogen hat.
Wir begleiten die Strafverteidigerin Eva Herbergen durch verschiedene Fälle aus ihrer Karriere, die nicht nur die Grenzen zwischen Recht und Gerechtigkeit hinterfragen, sondern auch zeigen, wie ein einzelner Moment ein Leben für immer verändern kann. Es gibt keine lineare Handlung, sondern eine Sammlung erschreckend realistischer Fallgeschichten, die mich oft sprachlos zurückgelassen haben. Man merkt, dass die Autorin tief in der Materie steckt – die Fälle sind inspiriert von echten Verbrechen, und das macht sie umso eindringlicher.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist, dass das Buch mich nicht nur unterhalten, sondern mich auch in moralische Zwickmühlen gebracht hat. Oft dachte ich: Ja, das ist gerecht! – nur um wenige Seiten später alles wieder infrage zu stellen. Eva Herbergen ist dabei keine klassische Heldin, sondern eine reflektierende, zweifelnde und menschliche Figur, die sich immer wieder selbst hinterfragt.
Ich habe das Buch kaum aus der Hand legen können und werde noch lange darüber nachdenken. Wer True Crime mag und sich mit den großen Fragen von Schuld, Recht und Gerechtigkeit auseinandersetzen möchte, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Absolute Empfehlung!
