Kundenrezensionen
Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck
empfiehlt:
Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
In ihrem neuen Buch beschreibt Martina Clavadetscher eine Geschichte, die – obgleich sie von den „Schrecken der anderen“ erzählt – die Geschichte eines jeden Menschen sein könnte. „Die Schrecken der anderen“ tarnt sich als Krimi, ist aber viel mehr: Die Autorin entwirft mit ihrem neuen Roman einen Plot, der „in die wohlgeordnete Welt einer Dorfgemeinschaft“ in der Schweiz eindringt und alte Lasten freilegt. Zu Beginn des Romans beschreibt Martina Clavadetscher die Landschaft. Wer genau liest, erkennt schon in diesem Abschnitt das Thema des Romans: „Aber dieses Verhängnis geschieht und es geschieht in einer Gegend, die kaum als eine offene wahrgenommen wird. Da sind die Felsen des Frakmonts, kantige Ausläufer der Alpen, da sind unebene Täler, eine vereiste Moorlandschaft, Torf. Die weitreichende Ödnis produziert giftige Gase und hartnäckige Legenden, die wie Lehmklumpen in der alten Erde schlummern. Etwas abseits davon, in einer Talmulde, liegt das ehemalige Schlachtfeld mit dem passenden Namen: Ödwilerfeld. Dahinter folgen noch mehr Felder, Landwirtschaft, unterbrochen von Dörfern, Autobahnen und Bahndämmen, dazwischen sich wiederholende Industriebauten mit Lagerhallen für Holz oder Stahl oder Kies. Und auf den Wiesen stehen gelegentlich Tiere und grasen. Der Winter ist störrisch hier. Ein frostiger Februarwind zieht durch die Moorgegend. In den Gärtnereien stehen leere Steinbrunnen und Skulpturen, vereiste Zen-Gärten oder Marmornachbildungen von griechischen Göttern. Die Grundstücke sind abgeschirmt von Lärmschutzwänden und Hecken – und überall hängen Täfelchen mit der Aufschrift: PRIVAT.“
Was als Krimi beginnt, endet als Gesellschaftskritik am erstarkenden Populismus in der Schweiz: Im See des fiktiven Schweizer Dorfes Ödwil wird eine Leiche gefunden. Die Polizei interessiert sich nicht besonders dafür, stattdessen ermitteln Polizeiarchivar Schibig und die „resolute Rosa“ - und kommen den düsteren Machenschaften eines „stramm rechten“ Geheimbundes und der Nazivergangenheit der einflussreichen Schweizer Familie Kern auf die Spur: Kern ist ein schwerreicher Erbe, der ahnt, woher der Tote im Eis kommt. Er ist ein Relikt aus der Vergangenheit, das an die Oberfläche gespült wurde. Überhaupt ist verdrängte Vergangenheit ein Thema, das sich durch Clavadetschers ganzen Roman zieht. Rechtes Gedankengut, das überall schlummert, das in Menschen, Familien und Gruppierungen überlebt hat und jetzt wieder an Stärke gewinnt. Da ist Kerns hundertjährige Mutter, die den größten Teil des Tages im Dachgeschoss der Villa im Bett liegt, und doch mit brutaler Konsequenz die Fäden in der Hand hält und welche das „nicht nur finanzielle, sondern auch ideologische“, nationalsozialistische Erbe eines Fischzüchters aus den Dreißigern verwaltet. Da ist Schibig, ein einsamer Archivar, der sich mitreißen lässt von Rosa, der Alten aus dem Wohnwagen, die an den eigentlich unspektakulären Vorfällen ein spektakuläres Interesse hat weil sie versteht, dass nichts je ins Leere läuft, sondern alles miteinander verbunden ist: Der Tote im Eis, die Zylinderherren im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen, ein geplantes Mahnmal, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden. „Wissen Sie“ – sagt Rosa – ,,ich bin den ganzen Tag um Geschehnisse herum, die vergessen wurden – und in den meisten Fällen nie mehr auftauchen, sagt Schibig leise und die Alte nickt. – Aber da auf dem Eis, da war ich plötzlich Teil der Geschichte, bevor sie zur Geschichte wird.“ Schibig und die Alte werden zu einem Duo, jeder vom andern gleichermaßen angezogen wie verunsichert, beide sicher, dass unter dem Eis noch viel mehr verborgen ist als bloß ein einziger Toter. Hier geht es um einen barbarischen Teil der Geschichte, der Gesellschaft, eine Wahrheit, die jeder kennt, unter dem Mantel der Verschwiegenheit lodert, bis sie Stückchen für Stückchen ans Tageslicht geholt wird. Die oft verschwiegene Nähe vieler Schweizer zum Nationalsozialismus wird meisterhaft thematisiert.
Im Vorsatz des Romans steht ein Zitat des literarischen Grossmeisters helvetischer Literatur Friedrich Dürrenmatt: „Die Welt ist grösser als ein Dorf: über den Wäldern stehen die Sterne.“ Martina Clavadetschers Roman hat viel von Dürrenmatt’scher Dynamik: „Die Spurkranzräder donnern. Der Krach ist massiv. Die Laderäume und Schiebewände rasen vorbei. Vor der Wucht des Güterzuges schließt Schibig die Augen. Der Pfeifton will nicht weggehen. Er kann kaum atmen. Erinnerungen schnüren ihm den Hals zu, das Monstrum macht ihn bewegungslos. Dulden kennt keinen Widerstand, denkt er. Deswegen ist Dulden die scheinheiligste Form von Verbrechen.“ Dulden also als die scheinheiligste Form des Verbrechens: Das, was da kollektiv geduldet wird, ist die Nazi-Vergangenheit der Schweiz: Die größte Gefahr dabei ist das Vergessen. Die „Schrecken der Geschichte“, die der Titel anspricht, sind nicht nur die der anderen. Solange wir uns der Geschichte nicht stellen und sie erinnern, könnten es auch unsere eigenen sein. „Wenn Verbrechen wie hierzulande seit Jahrhunderten ununterbrochen und in Zeitlupe begangen werden, wenn der große Akt des Bösen sich in unzähligen kleinen, zögerlichen, geradezu nichtig erscheinenden Momenten vollzieht, dann wird die Menschheit getrost dabei zuschauen, ohne dahinter Schlimmes zu vermuten, ohne zu sehen, was tatsächlich geschieht – es geschieht zwar vor aller Augen, aber niemand erkennt es als das, was es wirklich ist. Eine barbarische List“, heißt es im Buch. Die Menschen schauen getrost zu, wenn sich das Böse in kleinen Schritten vollzieht – und der Alltag ist gefährlich, denn er kann wie ein Narkotikum wirken: „Der Alltag wirkt wie ein Narkotikum, aus dessen Tiefen sie immer seltener hochkommen. Etwas muss passieren, denkt Kern, sonst passiert es mit ihnen.“ Ja, es gibt es einen Ausweg – und das ist die Kraft der Literatur, denn… etwas wird „passieren“, wenn wir uns die Zeit nehmen, dieser Lektüre in uns Raum zu geben!
Nicole Koppandi
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
Im fiktiven zugefrorenen See wird eine Leiche entdeckt. Es ist unklar, ob es ein Unfall, Suizid oder Mord war.
Dann treten hier zunächst einmal die Protagonist*innen auf die Bildfläche, die doch ein wenig eigenartig erscheinen.
Schibig, ein Archivar in einem Keller, der unter Panikattacken leidet, die er wegzuatmen gelernt hat. Er versucht mit Rosa, die nur die Alte genannt wird und in einem Campingwagen wohnt, der Sache mit der Leiche auf den Grund zu gehen. Die Alte verfolgt das Geschehen am See vom Fenster aus, notiert sich Zahlen, die am Handy aufleuchten.
Kern, ein reicher Sprössling, lebt in einem Herrenhaus mit seiner Frau und der hundertjährigen Mutter, die noch alles beherrscht. Die Mutter ist zeitweise verwirrt. Sie ist eine böse Frau und hofft, dass Kern und Hanna ein Kind bekommen, damit sie endlich sterben kann, weil die Blutlinie dann weiterlebt. Hanna arbeitet nicht, sie möchte sich ablenken und bastelt daheim Püppchen. Damit sie schwanger wird, sucht sie mit dem Wissen ihres Mannes McGuffin auf, der später die Leiche im See ist.
Der Roman ist besonders konzipiert und aufgebaut, insgesamt fand ich ihn recht spannend. Zwei Stränge werden abwechselnd erzählt, oft ist jedoch die Handlung nicht klar nachvollziehbar. Ich finde, es hätte dem Roman gut getan, wenn das Ende die Motive der Protagonist*innen erklärt hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Ende aber einfach nicht verstanden habe und mir daher der Zusammenhang im Roman fehlt. Es ist schon klar, es geht um die Schweiz und ihre Nähe zum Nationalsozialismus und damit um Geld aus dieser Zeit, heruntergebrochen auf eine reiche Familie. Ich hätte es jedoch besser gefunden, wenn im Roman die Zusammenhänge eindeutiger benannt worden wären.
Kein einfach zu lesender Roman.
Anna625
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
Auf der Suche nach Methanblasen im Eis entdeckt ein Junge beim Schlittschuhlaufen eine eingefrorene Leiche im See. Der Schock sitzt tief, nicht nur bei ihm, sondern auch dem Archivar, den man kurzerhand dazu abbestellt, den grausigen Fund zu bewachen, bis die Polizei eintrifft. Eine ältere Dame gesellt sich mit einem Becher Kaffee dazu, um ihm Gesellschaft zu leisten, und bald schon machen sich die beiden gemeinsam an ihre ganz eigenen Ermittlungen dessen, was hier geschehen ist.
Der Scheibstil hat mich anfangs fasziniert, wurde dann jedoch leider recht schnell sehr anstrengend zu lesen; Die Geschichte schweift umher, die verschiedenen Protagonist*innen sind mal mehr und mal weniger interessant und alles in allem kommt die Sache nicht so recht in Gang. Zu lose war mir das alles, zu wenig Inhalt hinter zu vielen Worten. Die Lektüre hat sich bald als recht mühsam entpuppt, die Figuren blieben allesamt zu wenig greifbar und waren mit beim Lesen meist ziemlich gleichgültig. Schade, denn der Anfang des Romans war äußerst vielversrechend - letztendlich war es dann leider aber doch nicht meins.
Kwinsu
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
Ein Toter im Eis, der soziophobe Schibig, die Alte, Kern und dessen Mutter: das sind die Hauptfiguren in Martina Clavadetschers "Die Schrecken der Anderen". Langsam werden die Personen eingeführt und sachte miteinander verwoben. Die Sprache ist zwar einfach zu lesen, aber doch sehr anspruchsvoll und komplex, es bedarf einer hohen Konzentration, um dem Erzählten die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.
Gewaltig und dicht ist nicht nur die Sprache, sondern auch der Inhalt. Jede einzelne Figur bekommt einen schrägen Charakter, ist mit eigenen Besonderheiten ausgestattet. Was sie vereint, ist das Unzugängliche, das Mysteriöse das ihnen anhaftet. Jede und jeder ist etwas auf der Spur, lang ist nicht erkennbar, dass es sich um Gemeinsames handelt. Die Geschichte ist Geschichte und Ungeschichte zugleich, sie ist nicht fassbar und lässt sich deshalb auch kaum beschreiben.
Es ist ein Leseerlebnis, das man selbst erfahren muss, es hat etwas Märchenhaftes, aber doch sehr Reales, könnte vor oder in hundert Jahren spielen. Es beeindruckt und stößt ab zugleich. Schließlich geht es - wie in vielen Dingen - um das Geld, dass nicht nur Dreck am Stecken hat, sondern auch Blut - und alle gieren danach, aus unterschiedlichen Motiven. Und auch hier, in der neutralen Schweiz, tauchen abstoßende Spuren von Alt- und Neonazis auf.
Es benötigt definitiv einen zweiten Durchlauf, um dieses Buch zu verstehen und es fassen zu könne, denn es bleibt: ein Rätsel. Eines allerdings, dass es sich lohnt lösen zu wollen. Und hoffentlich gelöst werden kann.
nil_liest
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
Martina Clavadetschers „Die Schrecken der anderen“ ist ein kluger, tiefgründiger Roman über Verdrängung, Verantwortung und das, was unter der Oberfläche lauert – im Eis, in der Erinnerung, in der Gesellschaft. In ruhiger, aber eindringlicher Sprache entfaltet sich ein Netz aus Geschichten, die zunächst lose wirken, sich aber langsam und konsequent miteinander verweben.
Der Roman beginnt mit einem bildstarken Auftakt: Ein Junge entdeckt beim Schlittschuhlaufen einen Toten im Eis – eine Szene, die sich sinnbildlich durch das ganze Buch zieht. Clavadetscher erzählt abwechselnd aus der Perspektive zweier Figuren: Schibig, ein ängstlicher Archivar, der sich von einer alten Frau in einen Strudel aus Beobachtung und Deutung ziehen lässt, und Kern, ein reicher Erbe, dessen körperliche und moralische Blindheit eng mit der verdrängten Vergangenheit verwoben ist. Wie diese und andere Figuren zusammenhängen, erschließt sich Stück für Stück – und gerade das macht einen großen Reiz des Buches aus.
Stilistisch bewegt sich der Roman zwischen poetischer Sprachkraft und bewusster Sperrigkeit. Manche Passagen verlangen Geduld, wirken fast distanziert, doch dann folgen wieder Momente voller Klarheit und emotionaler Wucht. Besonders stark sind jene Stellen, in denen die Autorin die historischen Schatten der NS-Zeit mit heutigen gesellschaftlichen Fragen verschränkt – nie platt, sondern subtil und wirkungsvoll.
Nicht alle Erzählstränge sind gleich überzeugend, und gelegentlich hätte ich mir mehr Nähe zu den Figuren gewünscht. Trotzdem: „Die Schrecken der anderen“ ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, lange nachwirkt und der zeigt, was Literatur im besten Fall kann – sichtbar machen, was viele nicht sehen wollen.
Fazit: Anspruchsvoll, literarisch, relevant – ein Buch, das fordert und belohnt.
Petra Gruber
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
Ein Archivar mit Panikattacken, eine alte Frau, die im Wohnwagen lebt, ein Toter im Eis und eine 100jährige Sterbende, die noch im Pflegebett die Strippen zieht. Es geht um alte Geschichten, um Geld auf geheimen Konten und Gedankengut das neu erstarkt und mit altem Blutgeld unterstützt wird. Es geht aber auch um Freundschaft, um Verluste und um Menschen, die mutig sind und das alte Gedankengut bekämpfen. Und es geht um die Sagen und Geschichten einer Landschaft.
All das verwebt die Autorin hochliterarisch zu einer spannenden, sehr schön erzählten und sehr vielschichtigen Geschichte.
Mich hatte vor allem der Titel angesprochen, den ich schön formuliert und sehr gelungen fand. Und auch das Cover, das ich mit dem toten, blutigen Vogel und der Katze, die mit der Tatze danach krallt, einerseits irritierend, aber auch sehr passend zum Titel fand, machte mich neugierig.
Die Autorin, die in der Schweiz bekannt ist und 2021 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet worden war, war mir bisher noch nicht untergekommen, aber mit diesem Roman hat sie mich neugierig auf mehr gemacht.
Die Schrecken der Anderen hat mich auf allen Ebenen überzeugt. Ich fand es sprachlich sehr ansprechend, ich fand die Charaktere spannend und mit viel Tiefgang gezeichnet und die Geschichte fesselte mich.
Definitiv ein Roman, den ich empfehlen kann!
Vobabooks
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
„Der Schrecken der Anderen“ ist das neue Buch von Martina Clavadetscher. Es beginnt mit dem Fund eines toten Menschen, eingefroren im Eis. Verschiedene Handlungsstränge werden dargestellt und verschiedene Personen im Umfeld beschrieben, die auf den ersten Blick recht unabhängig voneinander erscheinen. Im Laufe des Buchs wird jedoch immer tiefer gegraben und geforscht. Die Handlung ist erst langsam und nimmt nach und nach an Fahrt auf, die letzten Ereignisse fand ich fast schon dramatisch. Vieles wurde mir erst nach und nach klar. Der Weg bis zur Auflösung am Ende des Buchs war für meinen persönlichen Geschmack jedoch etwas mühsam.
Thematisch ist das Buch definitiv keine leichte Lektüre, es ist jedoch sehr wichtig. Es gehen Handlungsstränge zurück bis in die Zeit des Nationalsozialismus, und deren erschreckende Kreise bis in die heutige Zeit.
Den Schreibstil finde ich nüchtern und sachlich - mit den ungewöhnlichen Zeilenumbrüchen auch von hohem Wiedererkennungswert. Besonders ist dabei auch die bedrohliche und verstörende Stimmung.
Das Lesen des Buchs regt definitiv zum Nachdenken an. Ein wichtiges Werk zu einem sehr wichtigen Thema.
EvaLiest
empfiehlt:





Die Schrecken der anderen
von Martina Clavadetscher
Die Schrecken der Anderen von Martina Clavadetscher ist ein Roman, den man sich erarbeiten muss, der aber dafür umso eindringlicher die wichtigen Themen behandelt.
Es geht um ein Dorf in der Schweiz, in dem mehrere Erzählstränge zunächst scheinbar unverbunden nebeneinanderher laufen. Irgendwann wird klar, dass sie sich auf verschiedenen Zeitebenen abspielen und vielleicht doch nicht so unverbunden sind wie gedacht. Spiralförmig nähern sich die Erzählungen immer mehr einem Zentrum, das tiefer und verwobener ist als man es anfangs für möglich gehalten hat. Manche Sachverhalte werden klarer, andere in Frage gestellt und es werden Hypothesen aufgestellt und dann doch wieder verworfen. Ein Roman, der die Lesenden aktiv mit einbezieht, die die Leerstellen im Sinne Isers füllen müssen (in einer Art Metareflexion stellt dies auch eine der Figuren fest) und so unheimlich tief in das Geschehen eintauchen.
Das wird unterstützt durch den Schreibstil der Autorin: der Erzähler tritt oft in den Hintergrund und präsentiert das Geschehen sehr szenisch – ich kann es mir so gut als Film vorstellen! Dazu kommen Tempuswechsel, treibende Endlossätze (die jedoch den Lesefluss keineswegs hindern) und semantische Übertragungen, die Verbindungen herstellen, ohne sie auch nur ansatzweise anzusprechen – überaus gelungen!
Inhaltlich finden sich einige wichtige Themen, aber ich will dazu gar nichts weiter sagen, da diese nicht alle auf den ersten Blick ersichtlich sind und ich hier nichts vorwegnehmen möchte.
Schade, dass im Lektorat ein paar sprachliche Fehler übersehen wurden, aber dem Roman selbst soll dies nicht angelastet werden. Den Verzicht auf Anführungszeichen bei direkter Rede finde ich furchtbar (aber das scheint gerade en vogue zu sein) und es trägt hier auch nichts inhaltlich bei, sodass ich diese Wahl nicht verstehe.
Fazit: Mir hat die Geschichte sehr gefallen, auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis ich drin war. Doch dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt! Ein Roman, auf den man sich einlassen muss, der einem aber so viel zurückgibt.
4,5/5
Die Schrecken der Anderen von Martina Clavadetscher ist ein Roman, den man sich erarbeiten muss, der aber dafür umso eindringlicher die wichtigen Themen behandelt.
Es geht um ein Dorf in der Schweiz, in dem mehrere Erzählstränge zunächst scheinbar unverbunden nebeneinanderher laufen. Irgendwann wird klar, dass sie sich auf verschiedenen Zeitebenen abspielen und vielleicht doch nicht so unverbunden sind wie gedacht. Spiralförmig nähern sich die Erzählungen immer mehr einem Zentrum, das tiefer und verwobener ist als man es anfangs für möglich gehalten hat. Manche Sachverhalte werden klarer, andere in Frage gestellt und es werden Hypothesen aufgestellt und dann doch wieder verworfen. Ein Roman, der die Lesenden aktiv mit einbezieht, die die Leerstellen im Sinne Isers füllen müssen (in einer Art Metareflexion stellt dies auch eine der Figuren fest) und so unheimlich tief in das Geschehen eintauchen.
Das wird unterstützt durch den Schreibstil der Autorin: der Erzähler tritt oft in den Hintergrund und präsentiert das Geschehen sehr szenisch – ich kann es mir so gut als Film vorstellen! Dazu kommen Tempuswechsel, treibende Endlossätze (die jedoch den Lesefluss keineswegs hindern) und semantische Übertragungen, die Verbindungen herstellen, ohne sie auch nur ansatzweise anzusprechen – überaus gelungen!
Inhaltlich finden sich einige wichtige Themen, aber ich will dazu gar nichts weiter sagen, da diese nicht alle auf den ersten Blick ersichtlich sind und ich hier nichts vorwegnehmen möchte.
Schade, dass im Lektorat ein paar sprachliche Fehler übersehen wurden, aber dem Roman selbst soll dies nicht angelastet werden. Den Verzicht auf Anführungszeichen bei direkter Rede finde ich furchtbar (aber das scheint gerade en vogue zu sein) und es trägt hier auch nichts inhaltlich bei, sodass ich diese Wahl nicht verstehe.
Fazit: Mir hat die Geschichte sehr gefallen, auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis ich drin war. Doch dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt! Ein Roman, auf den man sich einlassen muss, der einem aber so viel zurückgibt.
4,5/5
