Schwanentage
von Zhang Yueran
€ 25,70
Hardcover
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Roman | Preisgekrönte chinesische Literatur | »Zhang Yueran hat mit 'Schwanentage' ein wirklich lesenswertes, böses Buch geschrieben.« Elke Heidenreich
2025 Ecco
224 Seiten
20 mm x 135 mm
Sprache: Deutsch
978-3-7530-0111-1
Hauptbeschreibung
»Zhang Yuerans Szenen und Bilder haben einen weltentrückten Glanz, der sowohl von hart gewonnener Einsicht als auch von zeitloser Wahrheit geprägt ist.« Ian McEwan Das Kindermädchen Yu Ling arbeitet für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite und kümmert sich hingebungsvoll um deren siebenjährigen Sohn. Yu Ling kennt die Geheimnisse der Familie bis ins Detail, ihre Arbeitgeber hingegen ahnen nicht, dass auch sie einiges verbirgt. Eines Tages plant Yu Ling in der Hoffnung auf Lösegeld und ein besseres Leben, den Jungen zu entführen. Doch es kommt ganz anders: Großvater und Vater des Jungen werden wegen Korruptionsverdachts verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos - und Yu Ling ist plötzlich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die weit in die Zukunft reichen, für sich wie für den Jungen ... Zhang Yueran schreibt zärtlich, doch mit unerbittlicher Prägnanz über Beziehungsdynamiken und Klassismus aus der Sicht eines Kindermädchens und gewährt so einen einzigartigen Blick auf die chinesische Gesellschaft. »Zhang Yueran hat mit Schwanentage ein wirklich lesenswertes, böses Buch geschrieben.« Elke Heidenreich
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Hardcover
Roman | Preisgekrönte chinesische Literatur | »Zhang Yueran hat mit 'Schwanentage' ein wirklich lesenswertes, böses Buch geschrieben.« Elke Heidenreich
2025 Ecco
224 Seiten
20 mm x 135 mm
Sprache: Deutsch
Übersetzt von: Karin Betz
978-3-7530-0111-1
Weitere verfügbare Ausgaben:
Autor
Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und eine der wichtigsten Stimmen junger urbaner Literatur. Schon 2012 zählte sie das taiwanische Unitas-Magazin zu den 20 wichtigsten Schreibenden unter 40. Ihre Romane und Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihr Roman »Cocoon« wurde von der New York Times zu den besten Büchern 2022 gewählt und gewann in Frankreich den Prix Transfuge 2019 für den besten asiatischen Roman. Karin Betz übersetzt chinesische und englische Literatur. Zu den von ihr ins Deutsche übertragenen Stimmen gehören u. a. der Friedenspreisträger Liao Yiwu und der Literaturnobelpreisträger Mo Yan. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit der August-von-Schlegel-Gastprofessur für die Poetik der Übersetzung an der FU Berlin 2021 und dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis 2024.
Hersteller: VLG HarperCollins
Valentinskamp 24, 20354 Hamburg DE
E-Mail: info@harpercollins.de
Buchhändlerempfehlung
MMag. Katharina Huchler aus unserer Buchhandlung empfiehlt dieses Buch:
Ein Kindermädchen beschließt zusammen mit ihrem Partner, das Kind ihrer stinkreichen Arbeitgeber zu entführen, um Lösegeld zu erpressen. Nur werden leider genau zu dem Zeitpunkt der Großvater und Vater der Familie wegen eines Skandals verhaftet, woraufhin die Mutter untertaucht. Yu Ling und ihrem Schützling bleibt nichts anderes übrig, als sich auf den Heimweg zu machen… Ein intelligenter Roman über die Schere zwischen Arm und Reich, über Schuld und Verantwortung, über Familienbande und Familiengeheimnisse – und die Opfer, die wir bereit sind zu bringen. Klassenkritik wie ein Kinofilm.




Konnte meine Erwartungen auf Erzähl- und Figurenebene nicht erfüllen
2025-12-23 23:56:00
Wie auch andere schon geschrieben haben, geht es nur ziemlich kurz um die geplante Entführung des Sohnes der wohlhabenden Familie. Das ist aber leider irgendwie der einzige Spannungstreiber im Roman und der Wechsel im Handlungsverlauf kommt ziemlich früh. Danach plätschert die Handlung mehr oder weniger vor sich hin - weder sonderlich aufregend noch übermäßig langweilig.
Meine größten Probleme hatte ich aber mit den Figuren und das war leider auch nicht das erste Mal bei südostasiatischer Literatur der Fall. Die Protagonistin blieb mir emotional sehr fremd - selbst in Extremsituationen bleibt sie irgendwie so unbeteiligt, was für mich einfach nicht gut passt. Auch die weiteren Nebenfiguren erschienen mir bis zum Ende recht blass, erschienen plötzlich und verschwanden unauffällig wieder von der Bildfläche. Sprachlich ist der Roman zwar gut zu lesen und ich fand einige Klassismus-Elemente literarisch stark umgesetzt. Aber durch die distanzierte Art erschien mir die Handlung manchmal abgehackt und ehrlicherweise auch manchmal ganz schön verwirrend.
Was ich persönlich ebenso schwierig fand, war das Gefühl, nicht so recht zu wissen, wo der Roman hinwill. Obwohl ich ihn dafür überraschend gut lesen konnte, habe ich den roten Faden und damit die Kernaussage der Geschichte primär gesucht und nicht so recht gefunden. Dafür war es mir auch etwas zu zäh im Mittelteil und an anderen Stellen wiederum zu sprunghaft.
Die veränderte Rolle, in der sich das Kindermädchen Yu Ling nach Festnahme der Familie befindet, fand ich reizvoll geschrieben. Sie wird damit ja irgendwie zur Mutterfigur, distanziert sich davon aber auch immer wieder, und taucht tiefer ein in das Leben reicher Menschen - inklusive so mancher Haltung, die sie als Kindermädchen vielleicht nicht gezeigt hätte. Der geschilderte Klassismus und auch Sexismus in der chinesischen Gesellschaft wird ungeschönt und schnörkellos vermittelt, was mich zwar wieder einmal frustriert hat, ich aber literarisch gut gemacht fand.
Aufgrund der Erzähldistanz und der emotional eher oberflächlichen Figuren war es jetzt kein sonderlich starkes Werk für mich, trotz einiger interessanter Einblicke. Es wird mir wegen der gefühlten Ziellosigkeit auch leider eher nicht besonders im Gedächtnis bleiben.




Klassismus in China
2025-11-15 19:04:00
Nun hat Yu Ling gemeinsam mit ihrem Freund Dhongu geplant, den kleinen Kuan Kuan zu entführen, um Lösegeld von der Familie zu erpressen. So eine richtige Entführung ist es aber von Anfang an nicht so wirklich, dazu liegt ihr der Kleine viel zu sehr am Herzen und so inszeniert sie mit ihm erst einmal einen schönen Ausflug ins Freie samt feinem Grill-Barbecue. Am Weg fällt dem Kleinen, der gewohnt ist, dass ihm jeder Wunsch erfüllt wird, auch noch ein Transporter mit Gänsen auf, die er für Schwäne hält und von denen er unbedingt einen haben will und auch kriegt. Währenddessen wird klar, dass das mit der Entführung eh nicht so recht was werden kann, da der Vater des Jungen verhaftet wurde und die Mutter verschwunden ist und auch sonst von den entfernteren Verwandten keiner erreichbar ist. Also kehrt Yu Ling, nach einigen Umwegen, mit dem Jungen erst einmal wieder ins Haus ihrer Dienstgeber zurück, wo die Gans im Garten einquartiert wird, Kuan Kuan dort ein Zelt aufbaut und Yu Ling entdecken muss, dass Dhongu sich mit ihren Ersparnissen aus dem Staub gemacht hat.
Dieses Buch zeigt die enormen Klassenunterschiede, die es offensichtlich auch im modernen China gibt, klar auf: während die Reichen - von denen wohl viele korrupt sind oder dies zumindest von den Ärmeren angenommen wird - sich jeden erdenklichen Luxus leisten können, arbeiten viele Ärmere fast ununterbrochen und können sich damit auch nach Jahren harter Arbeit nichts aufbauen.
Durch die Entführung des Jungen, aber vor allem dadurch, dass dessen Familie auf einmal in gröberen Problemen steckt, kehrt sich das Glück auf einmal um, zumindest kurzfristig, wie Yu Ling durchaus zufrieden bemerkt, immerhin wurde sie von ihrer Dienstherrin oft ziemlich respektlos behandelt: "Yu Ling dachte an die Hausherrin, Qin Wen. Inzwischen musste sie erfahren haben, dass man erst ihren Vater und dann ihren Mann verhaftet hatte. Ihre Schönwetterfreunde hielten sich in dieser Situation gewiss auf Distanz. Jetzt ist sie auf der Flucht, ganz allein, und weiß nicht, wohin, dachte Yu Ling, während ich gemütlich in der Sonne sitze und Grillspieße futtere." (S. 26)
Auch sonst geht es viel um Klassenunterschiede und weise Betrachtungen dazu, wie zum Beispiel auch diese Zitate zeigen:
"Es hieß, die Armen liebten es zu träumen, doch das stimmte nicht; Träume gehörten zu den Privilegien der Reichen, und die Welt sorgte auf alle erdenkliche Arten dafür, ihnen diese Träume vorzuenthalten." (S. 75)
"Sich mit den technischen Gimmicks dieses Haushalts auszukennen, war für ihre Zukunft wenig hilfreich, es war höchstens ein Grund mehr, sich zu quälen. Genau deshalb war es grausam, Kindermädchen oder Chauffeur zu sein: Man tauchte in einen völlig anderen Lebensstil ein, wurde davon in gewisser Weise geprägt, aber zurück in seinem alten Leben, würde man damit so lächerlich wirken wie ein ausgebauter Einbaubackofen. Es blieb dir nichts übrig, als dich in dein früheres Selbst zurückzuverwandeln. Aber ging das überhaupt?" (S. 103)
Damit ist es insgesamt ein sehr kluges und wichtiges Buch, das dazu anregt, sich über Klassismus, Privilegien und die eigene Position in der Gesellschaft - nicht nur in China - Gedanken zu machen. Ich habe es gerne gelesen, auch wenn es inhaltlich in einigem ganz anders war, als im Klappentext angekündigt wurde, und ich auch aus dem Ende nicht ganz schlau geworden bin.




Starke Frauenfiguren in einer deprimierenden Welt
2025-10-17 13:22:00
Yu Ling ist Kindermädchen für eine reiche Familie. Und quasi die Ersatzmutter für Kuan Kuan, den kleinen Sohn. Trotzdem plant sie mit ihrem Liebhaber dessen Entführung bis Kuan Kuans Vater und Großvater verhaftet werden und die Mutter untertaucht. Yu Lings Plan ist gescheitert, ihr Freund macht sich stattdessen mit ihren Ersparnissen vom Acker. Und Yu Ling kümmert sich, weil es ja sonst keiner macht, weiter um Kuan Kuan.
Der Anfang, das Grundgerüst, hat mich durchaus neugierig gemacht. Wohin geht diese Reise, was wird aus den Hauptfiguren, aber auch den Nebencharakteren? Davon tauchen einige interessante auf – Kuan Kuans Lehrerin, die Fitnesstrainerin des Vaters, eine geheimnisvolle Person am Telefon der Großmutter, die Mutter des Jungen. Und auch Yu Ling hat ein Geheimnis, das die Familie erst vor wenigen Monaten herausgefunden hat – sie hat Schuld auf sich genommen für ein Verbrechen, dass sie nie begangen hat.
„Schwanentage“ ist als gesellschaftskritisches Buch durchaus gelungen. Es zeigt unterschiedliche Frauenfiguren, die in verschiedenen Rollen gefangen sind. Das Kindermädchen mit einer vermeintlich kriminellen Vergangenheit. Die reiche Tochter, deren Leben vorgezeichnet war. Und einige andere. Aber keine diese Frauen vermag es aus ihrer Rolle auszubrechen. Denn Zhang Juerans Roman ist kein Märchen. Vielleicht ist das auch gut so, ich brauche auch kein Happy End, aber etwas mehr Tiefe, etwas mehr Hoffnung oder auch etwas mehr Gefühl hätte dem Buch in meinen Augen gut getan.
Witz immerhin hat es, das zeigt schon der Titel, denn der „Schwan“, den Kuan Kuan mit nach Hause nimmt und in einem Zelt einquartiert, ist ein Wahrheit eine Gans, aber alle spielen sein Spiel mit. Vermutlich ist auch das eine Metapher dafür, dass die Frauen das machen, was die Männer vorgeben. Auch wenn dieser erst sechs Jahre alt ist.