Kundenrezensionen von xx





Das gute Leben
von Nadine Schneider
Nadine Schneider erzählt in Das gute Leben eine leise, vielschichtige Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt. Im Zentrum steht Christina, die das Haus ihrer Großmutter Anni erbt – ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise verweben.
Der Roman zeichnet vor allem die Lebenswege der Frauen nach, die von Abwesenheit, Verlust und Neuanfang geprägt sind. Von Rumänien über Österreich bis nach Deutschland entfaltet sich eine Geschichte der Migration und des Ankommens, in der die Männer oft nur Randfiguren bleiben. Stattdessen richtet sich der Blick auf die innere Welt der Frauen, ihre Entscheidungen und die Spuren, die diese über Generationen hinweg hinterlassen.
Besonders hervorzuheben ist der ruhige, fein beobachtende Schreibstil der Autorin. Ohne große Dramatik, dafür mit viel Sensibilität beschreibt sie Beziehungen, Erinnerungen und unausgesprochene Sehnsüchte. Dabei entstehen eindrucksvolle Momentaufnahmen, die lange nachwirken.
Allerdings verlangt das gemächliche Erzähltempo Geduld: Spannung im klassischen Sinne sucht man vergeblich, und nicht jede Entwicklung wirkt stringent. Dennoch überzeugt der Roman als atmosphärisches Porträt einer Familie, in dem weniger das „Was passiert“ zählt als das „Wie es erzählt wird“. Ein stilles Buch, das vor allem durch seine Zwischentöne besticht.





Der Gesang der See
von Trude Teige
Trude Teige gelingt mit Der Gesang der See ein gefühlvoller und zugleich eindringlicher Roman, der die Leser auf eine atmosphärische Reise ins ländliche Norwegen des 19. Jahrhunderts mitnimmt. Im Mittelpunkt steht Kristiane, eine junge Frau, die nach dem Tod ihres Mannes nicht nur mit persönlicher Trauer, sondern auch mit den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit konfrontiert ist.
Besonders bewegend ist ihr innerer Konflikt zwischen Pflicht und eigenen Wünschen: Um das familiäre Erbe – den Lotsenposten – zu bewahren, sieht sie sich gezwungen, erneut zu heiraten, obwohl ihr Herz für einen anderen Mann schlägt. Diese Zerrissenheit wird von der Autorin feinfühlig und glaubwürdig dargestellt.
Der Roman besticht durch seine dichte Atmosphäre und die lebendige Beschreibung der rauen norwegischen Küstenlandschaft. Gleichzeitig wirft er einen kritischen Blick auf die Rolle der Frau in einer stark von Traditionen geprägten Gesellschaft. Kristiane ist dabei eine beeindruckende Protagonistin, die trotz aller Widrigkeiten Stärke zeigt und ihren eigenen Weg sucht.
Insgesamt ist dies ein emotionaler, mitreißender Roman über Liebe, Verlust und Selbstbestimmung – perfekt für alle, die historische Geschichten mit Tiefgang schätzen.





Dius
von Hertmans Stefan
Vorweg: sehr zu empfehlen, sehr kunstlastig was teils mühsam sein kann
In Dius erzählt Stefan Herrmanns von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Kunsthistoriker Anton und seinem früheren Studenten Egidius („Dius“). Aus der Begegnung zweier ungleicher Männer entsteht eine leise, nachdenkliche Geschichte über Nähe, Alter, Erinnerung und Verlust.
Hertmans’ Sprache ist ruhig und poetisch, seine Beschreibungen von Landschaft, Kunst und inneren Zuständen von großer Genauigkeit. Handlung steht weniger im Vordergrund als Atmosphäre und Reflexion – das Buch lebt von Zwischentönen und stillen Momenten.
Stärken: feinsinnige Sprache, dichte Stimmung, tiefgehende Charaktere.
Schwächen: kaum Spannung, offenes Ende, hohe Konzentration nötig.
Fazit: Dius ist ein stiller, kunstvoller Roman über Freundschaft und Vergänglichkeit – anspruchsvoll, langsam, aber literarisch beeindruckend.





Adama
von Tidhar Lavie; Wörtche Thomas; Lösch Conny
Ich habe Lavie Tidhars Adama vorzeitig abgebrochen. Trotz eines vielversprechenden Starts konnte mich der Roman nicht überzeugen.
Der Klappentext klang interessant, wenn auch sehr ambitioniert. Die angekündigte Gewalt schreckte mich etwas ab, der schnörkellose, präzise und stellenweise derbe Schreibstil gefiel mir zunächst. Besonders das erste Kapitel war eindringlich und gut zu lesen.
Der Roman ist in zeitliche Abschnitte gegliedert und wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven denen ich nicht folgend konnte. Zusammenhänge und Beziehungen erschließen sich erst nach und nach. Leider bleiben die Motive der Figuren häufig diffus, ihre Handlungen für mich kaum nachvollziehbar. Gewalt – vor allem durch Waffen – ist allgegenwärtig und nimmt teils exzessive, unangenehme Ausmaße an. Ich fragte mich zunehmend, ob diese Rohheit notwendig ist, um Leid, Krieg und Flucht darzustellen, zumal Menschlichkeit nur selten Raum bekommt.
Im Zentrum steht Ruth, die 1946 als Einzige ihrer Familie aus Budapest fliehen konnte und ihr Leben dem Aufbau eines Kibbuz widmet. Die Einblicke in den Alltag des Kibbuz fand ich grundsätzlich interessant.
Trotz meines Interesses an der Geschichte Israels hat mich dieser Roman nicht erreicht.





Pen Pal
von J. T. Geissinger
Die Buchbeschreibung hat mich sofort neugierig gemacht. Der Einstieg ist spannend und zieht direkt hinein: Kayla verliert ihren Mann bei einem Unfall und steht plötzlich allein in dem renovierungsbedürftigen Haus. Mit dem Einzug des Handwerkers Aiden nimmt die Geschichte schnell eine unerwartete Wendung. Zusätzlich geschehen merkwürdige Dinge im Haus, und Kayla erhält rätselhafte Briefe von einem Gefangenen. Diese Mischung sorgt für einen sehr flüssigen Schreibstil und durchgehende Spannung.
Nach dem Lesen muss ich allerdings sagen, dass der Klappentext etwas irreführend ist. Ich hatte mir deutlich mehr eine Gefängnisstory erhofft, diese bleibt jedoch eher im Hintergrund.
Als Standalone-Romance ist das Buch vielseitig angelegt. Dunkle, geheimnisvolle Elemente treffen auf sehr erotische Passagen, die grundsätzlich gut in die Handlung eingebunden sind. Allerdings nehmen diese stellenweise so viel Raum ein, dass der Text teils deutlich schriftlich-pornografische Züge annimmt – das sollte man vorab wissen.
Für Fans des Genres ist das Buch insgesamt gelungen: Die Charaktere sind überzeugend gezeichnet, die Handlung bleibt spannend, und auch die hochwertige äußere Gestaltung mit dem schönen Buchschnitt ist positiv hervorzuheben. Mir persönlich war es zu pornografisch.





No Way Home
von T. C. Boyle
In No Way Home erzählt T.C. Boyle die Geschichte eines verhängnisvollen Dreiecks: Der junge Arzt Terrence Tully kehrt nach dem Tod seiner Mutter in seine Heimatstadt Boulder City zurück. Dort trifft er auf Bethany, die sich gerade von ihrem Freund Jesse getrennt hat. Zwischen den dreien entwickelt sich ein gefährliches Spiel aus Begierde, Eifersucht und Gewalt, das unaufhaltsam eskaliert.
Boyle wechselt geschickt zwischen den Perspektiven von Terry, Bethany und Jesse. Dadurch eröffnet er tiefe Einblicke in ihre widersprüchlichen Gefühle: Terrys Naivität, Jesses verletzten Stolz und Bethanys Ambivalenz. Kaum eine Figur weckt Sympathie, doch genau diese Schonungslosigkeit macht den Reiz aus.
Neben dem persönlichen Drama zeichnet Boyle ein Bild des kleinstädtischen Amerika, geprägt von Alkohol, Tabletten und Orientierungslosigkeit. Der klare, eindringliche Stil sorgt dafür, dass die Spannung bis zum Schluss anhält. Dirk van Gunsterens Übersetzung fängt Boyles Ton präzise ein – und bringt den Roman sogar vor der englischen Originalausgabe auf den deutschen Markt.
No Way Home ist ein intensives Psychogramm von Abhängigkeit und Selbstzerstörung – packend, düster und typisch Boyle.





Im Leben nebenan
von Anne Sauer
Der Roman erzählt die Geschichte von zwei Leben, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Antonia, aus ihrem bisherigen Alltag gerissen, wacht eines Tages in ihrer Heimatstadt auf – mit einem fünf Wochen alten Baby auf dem Bauch. In dieser alternativen Realität hat sie sich nie von ihrer Jugendliebe Adam getrennt, ist nie aus ihrer Kleinstadt weggezogen und lebt seit Jahren glücklich verheiratet. Nun ist sie frischgebackene Mutter. Doch Antonia kann sich an dieses Leben nicht erinnern! Stattdessen hat sie klare Erinnerungen an ein anderes Leben: eines, in dem sie mit ihrem Partner Jakob lebt und der unerfüllte Kinderwunsch ihre Beziehung zunehmend belastet.
Mit Rückblenden schildert der Roman, wie beide Leben voranschreiten. Antonia und Toni, wie sie in der jeweils anderen Realität genannt wird, werden von einer allwissenden Erzählstimme begleitet. Diese beschreibt mit schonungsloser Ehrlichkeit die Verzweiflung und Hilflosigkeit der beiden Frauen in ihren jeweiligen Situationen. Tabuthemen wie das Hadern mit der Mutterschaft, die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt oder das Gefühl des Versagens angesichts eines unerfüllten Kinderwunsches werden offen angesprochen.
Das Buch ist ein hochaktueller, feministischer Roman, der die vielen Facetten von Frausein, Beziehung und Lebensplanung beleuchtet. Mit Humor und Ehrlichkeit wirft die Autorin einen wohlwollenden Blick auf verschiedene Lebensentwürfe, ohne dabei zu werten, welcher der richtige ist.
Trotz des vielversprechenden Klappentextes konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Die Charaktere wirkten auf mich flach und unnahbar, die Protagonistin blieb blass und durchgehend deprimiert. Die Geschichte hinterließ bei mir ein düsteres Gefühl. Zudem hat mich leider die sprachliche Umsetzung nicht überzeugt und lässt viel Raum für Verbesserung.





Die Hobby-Horsing-Kids, 1, Ein Steckenpferd für Lotta
von Jenny Bicho
Ein wundervolles und liebevoll geschriebenes Kinderbuch, das sofort in seinen Bann zieht. Die Geschichte rund um Lotta ist nicht nur spannend und kindgerecht erzählt, sondern vermittelt auch wichtige Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt und Mut. Besonders schön ist, wie spielerisch gezeigt wird, wie echte Freundinnen Konflikte lösen und gemeinsam stärker werden.
Die Hauptfigur Lotta ist sympathisch und nahbar – junge Leserinnen und Leser können sich leicht mit ihr identifizieren und fiebern schnell mit. Die Sprache ist altersgerecht, leicht verständlich und macht sowohl beim Vorlesen als auch beim ersten Selberlesen Freude. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, und die Illustrationen ergänzen die Handlung auf wunderbare Weise.
Auch wenn Hobby Horsing zunächst für uns ein unbekanntes Thema war, zeigt das Buch, dass es um viel mehr geht als um dieses Hobby: Es ist vor allem eine warmherzige Geschichte über Freundschaft und das, was wirklich zählt.
Ein toller Reihenauftakt, der Lust auf die nächsten Bände macht – ein echter Lesetipp für alle pferdebegeisterten Kinder, aber auch für alle, die einfach eine schöne, berührende Geschichte lesen möchten.





Das Geschenk
von Schoeters Gaea
„Das Geschenk“ von Gaea Schoeters ist eine originelle und pointierte Politsatire, die auf humorvolle und zugleich tiefgründige Weise aktuelle gesellschaftliche und politische Themen aufgreift. Die Ausgangsidee – 20.000 Elefanten, die Deutschland von Botswana geschenkt werden, um die Herausforderungen des Zusammenlebens mit Megafauna zu verdeutlichen – ist gleichermaßen absurd wie brillant. Schoeters nutzt dieses hypothetische Szenario, um eine Vielzahl von Themen wie Klimakrise, internationale Beziehungen, Doppelmoral und politische Machtkämpfe zu beleuchten.
Die Elefanten, die in Berlin und anderen Städten auftauchen, sind nicht nur faszinierende Nebenfiguren, sondern auch eine Metapher für die komplexen Herausforderungen, mit denen Gesellschaften konfrontiert sind. Der Roman schafft es, diese ernsten Themen mit einer Prise Humor und satirischer Leichtigkeit zu vermitteln, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Besonders beeindruckend ist, wie Schoeters den politischen Diskurs und die gesellschaftlichen Spannungen in Deutschland einfängt, sei es durch die Darstellung der Regierungskrise, den Umgang mit der rechten Opposition oder die Frage, wie viel Opfer die Bevölkerung bereit ist, zu bringen.
Der Schreibstil ist locker und zugänglich, was den Einstieg in die komplexen Themen erleichtert. Gleichzeitig sorgt der Humor dafür, dass die ernsten Botschaften des Romans nicht erdrückend wirken. Kritisch anzumerken ist jedoch, dass das Ende der Geschichte etwas gehetzt wirkt und die Handlung dadurch an Tiefe verliert. Dennoch bleibt der Roman insgesamt eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Gesellschaftskritik.
„Das Geschenk“ ist eine sommerliche Achterbahnfahrt voller aktueller Debatten, die zum Lachen, Weinen und Nachdenken anregt. Es ist ein Buch, das nicht nur Elefanten, sondern auch die Leser*innen in den Mittelpunkt stellt, indem es sie dazu einlädt, über eigene Urteile und Vorurteile nachzudenken. Empfehlenswert für alle, die Interesse an politischen Intrigen, gesellschaftlichen Themen und einer guten Portion Satire haben.





Ich bring dir das Glück - Vom kleinen Elefanten und seinen Glücksgeheimnissen
von Anjana Gill
„Ich bring dir das Glück – Vom kleinen Elefanten und seinen Glücksgeheimnissen“ ist ein bezauberndes Kinderbuch, das auf liebevolle Weise zeigt, dass Glücklichsein kein Zufall ist, sondern erlernt werden kann. Die Geschichte des kleinen Elefanten, der die Glücksschule besucht, vermittelt neun wertvolle Lektionen des Glücks, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene inspirieren können.
Die Autorin Anjana verbindet spielerische Übungen, einfache Techniken und Weisheiten, die Kinder ermutigen, das Gelernte direkt anzuwenden. Besonders schön ist, dass das Buch dazu einlädt, die Glücksgeheimnisse Schritt für Schritt zu entdecken, was es ideal für wiederholtes Lesen macht. Der kleine Vogel, der als Glücks-Überbringer fungiert, fasst die Lektionen zusammen und gibt praktische Tipps, die den Alltag bereichern.
Die Illustrationen von Anita Schmidt sind farbenfroh und liebevoll gestaltet, was die Leichtigkeit und Freude der Botschaft perfekt unterstreicht. Der knuddelige Elefant und die fröhlichen Bilder ziehen Kinder in ihren Bann und machen das Buch zu einem visuellen Vergnügen.
Was dieses Buch besonders macht, ist seine Vielseitigkeit: Es ist nicht nur ein Vorlesebuch, sondern auch ein Werkzeug, um als Familie über Glück und Gefühle zu sprechen. Die Ideen lassen sich leicht in den Alltag integrieren, und es regt dazu an, bewusster miteinander umzugehen. Es ist ein Buch, das nicht nur Kinderherzen höherschlagen lässt, sondern auch Erwachsene daran erinnert, wie einfach Glück manchmal sein kann.









