Das gute Leben
von Nadine Schneider
€ 26,80
Hardcover
Sofort verfügbar in Höchst, Bregenz, Dornbirn
Roman
2026 S. Fischer Verlag GmbH
304 Seiten
29 mm x 134 mm
Sprache: Deutsch
978-3-10-397713-4
Hauptbeschreibung
Nadine Schneiders Roman »Das gute Leben« ist eine große Mütter-Töchter-Geschichte über vier Generationen, ein Buch von Abschied, Neuanfang und der Arbeit des Lebens.
Es ist Spätsommer, und im Garten sind die Trauben reif, als Christina das Haus ihrer Großmutter Anni erbt. Hier, in einem kleinen Dorf bei Nürnberg, ist sie bei Anni aufgewachsen: Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus Rumänien nach Deutschland flieht. Anni, die ganz allein ihr Kind und ihr Enkelkind aufzieht und beim Quelle-Versand Pakete packt, die ins Wirtschaftswunderland verschickt werden. Die gegen Einsamkeit, Armut und Fremdsein kämpft, mit Zähigkeit, Kraft und Pflichtbewusstsein. War das das Leben, von dem sie geträumt hat? Oder hat sie beim Leben das Leben verpasst?
Zögernd verabschiedet sich Christina von Anni und ihrem Haus. In der stillen Wärme der letzten Sommertage versinkt sie immer tiefer in ihren Erinnerungen, stößt auf überraschende Fundstücke und fährt auch zu dem inzwischen verlassenen Gelände des Quelle-Versandzentrums. Ihren eigentlich geplanten Urlaub hat sie abgesagt, und von ihrer Arbeit dringen nur gelegentliche Mails zu ihr. Und allmählich erkennt sie, was sie ihrer Großmutter wirklich verdankt: die Freiheit, loszulassen und selbst den Ort zu finden, wo das gute Leben zu Hause ist.
»Dieser Sprache gelingt etwas: atemlos und gleichzeitig voller Ruhe zu erzählen.«
Zsuzsa Bánk
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Hardcover
Roman
2026 S. Fischer Verlag GmbH
304 Seiten
29 mm x 134 mm
Sprache: Deutsch
978-3-10-397713-4
Weitere verfügbare Ausgaben:
Autor
Nadine Schneider, geboren 1990 in Nürnberg, stammt aus einer rumäniendeutschen Familie. Sie studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg, Cremona und Berlin. Ihr erster Roman »Drei Kilometer« wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda. 2021 las sie beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Im selben Jahr erschien ihr zweiter Roman »Wohin ich immer gehe«. Nadine Schneider lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Nürnberg.
Hersteller: S. Fischer Verlag GmbH
Hedderichstraße 114, 60596 Frankfurt am Main DE
E-Mail: produktsicherheit@fischerverlage.de




Der Traum vom guten Leben - Eine eindrucksvolle Familiengeschichte
2026-05-24 23:12:00
Gekonnt verdichtet die Autorin Migrationsgeschichte, Arbeitswelt und familiäre Prägungen zu einem eindrucksvollen, facettenreichen Panorama biografischer Erfahrungen zwischen Rumänien und Deutschland. Eindringlich wirft sie die Frage auf, was ein „gutes Leben“ eigentlich ausmacht, wenn Herkunft, Migrationshintergrund, gesellschaftliche Erwartungen und prekäre Arbeitsbedingungen die Entfaltungsmöglichkeiten einschränken und den Spielraum für Veränderungen immer wieder begrenzen. Aus einer spezifisch weiblichen Perspektive zeigt sie, wie ihre Frauenfiguren versuchen, sich durch Arbeit, Fleiß und Anpassung einen Platz in einer Welt zu erkämpfen, in der ihnen dieser keineswegs selbstverständlich zugestanden wird.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus der rumänischen Diktatur in die Bundesrepublik flieht und dort ihre Tochter und später ihre Enkelin Christina weitgehend allein großzieht. Als Christina das Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter in der Nähe von Nürnberg erbt, tauchen wir gemeinsam mit ihr in Erinnerungen und überlieferte Familiengeschichten ein. Die faszinierende Familiengeschichte entfaltet sich in Form eines unchronologischen Erinnerungsgeflechts, in dem vieles nachträglich rekonstruiert, nur bruchstückhaft überliefert oder lediglich angedeutet wird. Durch die Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen springen wir von Christinas Gegenwart zu Annis Vergangenheit und bisweilen noch weiter zurück zur Urgroßmutter in Rumänien.
Besonders anschaulich schildert Schneider Annis entbehrungsreiches Leben, ihren kräftezehrenden Job als Arbeiterin im Quelle-Versandzentrum zwischen Kartons, Kleidern und monotonen Handgriffen am Fließband sowie die Mühen ihres Alltags als Alleinerziehende. Trotz ihrer Anpassungsbereitschaft, Beharrlichkeit, Loyalität und ihres großen Engagements bleiben Anni Anerkennung, Belohnung und sozialer Aufstieg verwehrt. Sie glaubt zwar an das verheißungsvolle Leistungsversprechen der sogenannten Wirtschaftswundergesellschaft, bleibt aber dennoch ein kleines, austauschbares Rädchen in einem System, das sie mit ihrer Arbeit am Laufen hält. Der Übergang zu einem tatsächlich gelungenen, erfüllten Leben bleibt ihr verwehrt und so wird sie nie Teil jener Erfolgsgeschichten, die das Selbstbild der neuen Heimat prägen.
Eindringlich lotet die Autorin aus, wie die Figuren auf das zurückblicken, was sie geleistet haben, wie sie Wert und Preis ihres „guten Lebens“ in der neuen Gesellschaft bemessen und welche Kompromisse und Opfer damit verbunden waren. Auch Christina empfindet Annis Migrations- und Familiengeschichte als etwas, das mit ihr an ein Ende gekommen ist. Mit Bedauern erkennt sie, dass viele Leerstellen sich nicht mehr schließen lassen, weil Fragen ungestellt blieben und Erinnerungen verblassen. Zugleich macht Schneider anschaulich deutlich, dass nicht alles aus der Familiengeschichte bewahrt und weitergetragen werden muss. Manche belastenden Überlieferungen dürfen ohne Sentimentalität bewusst beendet werden, um Raum für ein eigenes Verständnis von gelingendem Leben zu schaffen.
FAZIT
Ein vielschichtiger, leise erzählter Roman über Migration, weiblicher Selbstbehauptung und familiäre Prägungen mit eindrucksvollen Charakteren. Mit großem Feingefühl zeigt die Autorin, wie sehr Herkunft und gesellschaftliche Strukturen Biografien formen und wo dennoch Spielräume für eigene Entscheidungen bleiben.




Was bleibt, wenn Generationen schweigen
2026-05-22 21:43:00
Im Mittelpunkt steht für mich die Frage, was ein „gutes Leben“ eigentlich ist und wer darüber entscheidet. Über mehrere Generationen hinweg erzählt Nadine Schneider von Müttern und Töchtern, von Weitergabe und Abbruch, von Fürsorge, Schuld, Migration und den Entscheidungen, die Frauen treffen (müssen), um zu überleben oder frei zu sein. Besonders berührt hat mich die Figur der Anni: ihre Härte, ihre Widersprüche, ihre Entschlossenheit und ihre Verletzlichkeit. Ich habe sie nicht immer gemocht, aber fast immer verstanden.
Die Sprache ist dicht, körperlich und sehr atmosphärisch. Viele Szenen (etwa Hitze, Hunger, Enge oder Scham) habe ich beim Lesen beinahe selbst gespürt. Mir gefiel besonders, dass der Roman nicht erklärt oder urteilt. Er lässt stehen, hält aus, blickt zurück und nach innen. Manchmal verlangte das Konzentration und Geduld von mir, doch genau darin liegt auch seine Stärke.




Was sie verbindet
2026-04-03 15:01:00
Das an den Anfang gestellte Zitat von Aimee Mann, "I just wanted a place but I ended up gone." trifft den Vibe von "Das gute Leben" sehr treffend. Irgendwie sind die Protagonistinnen nie wirklich greifbar, trotzdem erfahren wir viel über familiäre Dynamiken, über (fehlende) Mutter-Tochter-Beziehungen und vor allem über das, was übrig bleibt am Ende eines Lebens - vorwiegend aus Leerstellen. In dem Buch schwingt viel Melancholie mit, die Frage, ob die Frauen in der Ferne tatsächlich ein gutes Leben gefunden haben, bleibt interpretierbar. Christina versucht das Leben ihrer Großmutter nachzuerzählen, ergründet, warum Rumänien für sie unlebbar war, weiß aber auch um die enormen Herausforderungen, die Anni als Fremde und noch dazu alleinerziehend durchmachen musste.
Das Reden war bei den Frauen nie so wirklich angesagt, was zu unausgesprochenen Verletzungen, die jahrzehntelang mit sich herum getragen wurden, führte und wenn sie redeten, standen Vorwürfe im Raum: "Die nächste Stille ist länger. Das Gift steht ihnen beiden bis zum Hals, noch ein, zwei Sätze, und sie fangen an, darin zu ersaufen." (S. 283) Über Christinas Mutter Helene erfahren wir nur wenig, genauso wie über Annis Mutter in Rumänien, geschweige denn von Männern, die zwar schicksalsweisend, aber im Alltag kaum eine Rolle spielten. Anni scheint grundsätzlich ein schwieriger Charakter gewesen zu sein, die zwar wusste was sie wollte, jedoch nicht wirklich Herzlichkeit zeigen konnte - vor allem nicht ihrer eigenen Tochter gegenüber. Trotzdem liebte sie ihre Enkelin, wenn man so will war Christina ihr Kind zur rechten Zeit.
Die Geschichte wird aus Christinas Perspektive in Ich-Form erzählt, doch immer wieder berichten Einschübe aus Annis Leben, zeitlich bunt gewürfelt, weshalb es Konzentration und Fokus braucht, um wirklich in allen Facetten mitzukommen. Die Sprache der Autorin Nadine Schneider ist fein und zart, hat aber durchaus Treibkraft ,von der man sich nicht allzu mitreißen lassen darf, um alles zu verstehen. Es gibt immer wieder zeitgeschichtliche Kontexte, die bezeichnend sind, allen voran der Aufstieg, das Florieren und der Niedergang von Quelle, dessen Leib uns Seele Anni schier verfallen war. Über die Beweggründe, weshalb Anni in den 1960ern Rumänien unbedingt den Rücken kehren wollte, außer dass es dreckig und unerträglich war, wissen wir hingegen kaum etwas. Das spielt aber auch nicht unbedingt eine Rolle, denn Anni wollte unbedingt in Deutschland glücklich werden. Trotzdem sie ihrem Job leidenschaftlich nachging und sogar nach anfänglich harten Jahren mit wenig Geld ein Haus geerbt hatte, schien ihr dieses Glück nie wirklich hold gewesen zu sein. Ob Anni wohl ihr Leben als gut bezeichnet hätte, bleibt offen. Zurückgelassen hat sie jedenfalls eine Enkelin, die ihr nach dem Tod noch einmal auf ihre Art ein Denkmal setzen möchte.
Mein Fazit: "Das gute Leben" ist ein intensiver, fein beschriebener Generationenroman, mit dem es lohnt, sich eingehender auseinanderzusetzen. Vor allem durch starke Erinnerungen, aber auch Leerstellen erfahren wir über diese Frauen, ihre Leben und was sie verbindet.