Kundenrezensionen
Kwinsu
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Zugvögel wie wir
von Julia Dibbern
Eva ist unzufrieden mit ihrem Leben: ihre Tochter Sophie will keinen Kontakt mehr zu ihr, sie hat ihre Arbeit verloren und weiß gerade gar nichts mit sich anzufangen. Als sie zu Besuch bei ihrer Freundin Louise in Schweden ist und einen verletzten Kranich findet, beschließt sie kurzerhand dem Vogel nach dessen Genesung und dank GPS-Tracker mit dem Rad auf der Flugroute nach Frankreich zu folgen. Es ist weniger eine Reise durch Mitteleuropa, sondern mehr die Suche nach sich selbst.
Julia Dibbern ist mit "Zugvögel wie wir" ein schöner, zarter und einnehmender Reiseroman gelungen. Die Protagonistin Eva ist anfänglich etwas anstrengend, so schwarz wie sie alles sieht. Doch im Laufe der Zeit, als sie sich selbst mehr findet, wird sie zufriedener, hat mehr Selbstvertrauen und wächst förmlich über sich hinaus. Besonders schön finde ich Evas Begegnungen mit dem jungen Johan, der sie ein Stück weit begleitet und der ihr so viele neue Perspektiven eröffnet. Auch die Freundschaft mit Louise, mit der sie nach dem Start ihrer Reise täglich telefoniert, ist tief und sehr akzeptierend. Am meisten beeindruckt hat mich aber, wie Eva über sich hinauswächst, immer und immer wieder über ihre Grenzen geht und wenn sie sie überschritten hat, immer mehr Lebensfreude empfindet.
Im Laufe des Buches lernen wir anhand von Rückblicken auch die Vergangenheit Evas kennen. Nach einem schweren Schicksalsschlag ist Eva in jahrelanger Trauer und vernachlässigt dadurch ihre Tochter. Dass diese als Erwachsene die Vernachlässigung erkennt und keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter haben will, ist zwar hart, wohl aber verständlich. Ebenso wird die zerbrochene Ehe Evas thematisiert, die ebenso aufgrund des Schicksalsschlags ein Ende fand. So viel sie auch verloren hat, so viel Altes und Neues kommt in ihr Leben zurück: wunderbare Begegnungen, die Liebe zur Natur und zur Musik und schließlich auch ihre Zuversicht.
Mein Fazit: "Zugvögel wie wir" ist ein schöner und ruhiger Roman über das Wieder-zu-sich-finden, über Entschleunigung und das Über-sich-hinaus-wachsen, der durch wunderbare Naturbeschreibungen und herzerwärmende Begegnungen besticht. Eine klare Leseempfehlung für alle, die mit einer zerrissenen Protagonistin starten möchten, der im Laufe des Buches Flügel wachsen.
CanYouSeeMe
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Zugvögel wie wir
von Julia Dibbern
Ich gebe zu, dass ich mich bisher in meinem Leben nicht wirklich mit Kranichen auseinander gesetzt habe. Dieses Buch hat mir eine ganz neue Perspektive auf diese Vögel aufzeigen können. Die Begeisterung von Protagonistin Eva für diese Vögel ist ansteckend und macht Lust, sich näher mit ihnen auseinander zu setzen.
Kraniche, bzw. ihre Reise in den Süden, bilden einen zentralen Punkt in der Geschichte um Protagonsitin Eva. Dabei liegt der Fokus vor allem auch auf Evas Charakterentwicklung und ihrer Reise von Schweden nach Frankeich und vor allem auch zu ihr selbst. Dank des sehr angenehmen Schreibstils von Autorin Julia Dibbern lies sich das Buch in wenigen Tagen lesen, die Seiten sind nur so dahin geflogen und die Handlung konnte mich für sich einnehmen. Diese ist dabei eher unspektakulär, kommte ohne Cliffhanger oder Überraschungsmomente aus, sondern lebt viel eher von einer Ruhe und Besonneneheit.
Ich habe Eva gern auf ihrer Reise begleitet, auch wenn vieles über ihre situation und Person unklar blieb. So begleitet man Eva in diesem Buch über eine gewissen Etappe ihres Lebens. Einzeln gibt es Rückblenden oder auch Perspektiven von anderen Charakteren, wodurch vor allem auch Evas Charakter etwas runder wird. Mir hat es gefallen so unaufgeregt bei einer Tour zu sich selbst zuschauen zu können.
Dennoch habe ich vor allem zum Ende des Buches noch viele offene Fragen und Unklarheiten, die mich etwas unbefriedigt zurücklassen. Ich hätte ich mir einen runderen Abschluss gewünscht.
Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck
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Zugvögel wie wir
von Julia Dibbern
Eva findet während eines Urlaubs in Schweden bei ihrer Freundin Luise einen verletzten Kranich. Als dieser nach ein paar Tagen – vom Tierschutzverein mit einem Sender versehen, um seinen Flug in den Süden verfolgen zu können – wieder in die Freiheit entlassen wird, beginnt für Eva das größte Abenteuer ihres Lebens. Sie wird mit dem Fahrrad und mit Hilfe einer Tracking-App der Route des Kranichs bis zum Lac du Der-Chantecoq in Frankreich folgen.
Eva sagt an dieser Stelle selbst: „Das klingt für dich vermutlich total lächerlich“, und genau dieses Eindrucks konnte ich mich auch kurz nicht erwehren.
1540 km auf Großtante Astrids knallrotem, ungefähr dreißig Jahre alten Fahrrad mit maximal schlechter Ausrüstung – und das als Person, die in ihrem Leben noch nie weiter als bis zum nächstgelegenen Supermarkt geradelt ist. Das schien mir nicht ganz glaubwürdig, ist aber egal, denn Evas Reise auf den Spuren des Kranichs wird natürlich in erster Linie eine Reise zu sich selbst. Es wird die Fahrt ihres Lebens und zugleich eine Auseinandersetzung mit ihrem Leben.
Während ihrer Tour lässt sie ihre Vergangenheit passieren – von ihren großen Lebensträumen sind nur noch ein paar klägliche Scherben übrig – , hinterfragt die Entscheidungen, die sie getroffen hat, und was dabei herausgekommen ist. Und sie setzt sich auseinander mit dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Tochter Sophie, die den Kontakt zu ihr seit einigen Jahren nahezu völlig abgebrochen hat. Vor allem diese Stellen haben mich sehr berührt.
Es sind die kleinen, oft ganz unscheinbaren Momente mit anderen Menschen, die ihr während ihrer Reise begegnen und ihr immer wieder den Mut und die Kraft geben, an ihrem Vorhaben festzuhalten. Das und viele beglückende Momente in der Natur sowie viel Zeit für Ehrlichkeit sich selbst gegenüber verändern Eva, die bislang „langweiligste, bravste Person“, von Grund auf.
„Zugvögel wie wir“ ist ein schöner, ruhiger Roman mit vielen klugen Sätzen, die mir viel bedeutet haben.
nessabo
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Zugvögel wie wir
von Julia Dibbern
Wie schon in ihrem letzten Roman setzt Julia Dibbern auch hier auf eine ruhige Geschichte mit atmosphärischen Naturbeschreibungen. Ruhige Erzählungen haben es bei mir gar nicht mal so leicht, aber der Stil der Autorin macht irgendetwas mit mir. Ihr neues Werk hat mir sogar noch einen Ticken besser gefallen, weil hier hervorragend mit Rückblenden und anderen Textformen gespielt wurde, war für einen wirklich tollen Lesefluss gesorgt hat.
Die Lektüre hat bei mir innerlich einiges ausgelöst in Bezug auf Eltern-Kind-Beziehungen und deren Abbruch. Das ist ein so heikles Thema, bei dem noch immer zu sehr die Schuld bei den abbrechenden Kindern gesucht wird, dass ich dieses Buch wirklich als ein eher positives Beispiel einordnen würde. Ich habe es nämlich an keiner Stelle als wertend empfunden und auch, wenn Eva als Mutter hier im Fokus steht, konnte ich Sophies Position wirklich gut nachvollziehen. Die Text-Kommunikation zwischen den beiden schafft es, in ganz wenigen Worten unglaublich viel zu transportieren. Das Ende ist extrem offen gehalten, was ich als die einzig richtige Entscheidung empfinde - alles andere wäre unglaubwürdig gewesen.
Um die reale Schwere durch die belastete Mutter-Tochter-Beziehung aufzulockern - ohne dabei zu romantisieren - webt die Autorin immer mal wieder Gespräche zwischen Sophie und ihrer Oma ein, die mein Herz bis ganz tief drinnen gewärmt haben. Besonders hervorheben möchte ich, dass wieder ein Idealismus spürbar war in dieser Geschichte - diesmal vor allem in Bezug auf Tierschutz, der einen besonderen Platz in meinem Herzen hat. Es hätte manchmal noch ein wenig tiefer gehen können und einige Mini-Nebenhandlungen dienten mir zu eindeutig nur der Figurenentwicklung Evas, aber insgesamt überzeugt dieser sehr runde Roman mit Emotionen, die unter die Haut gehen.
Nicht alles ist leicht an diesem Buch und obwohl die Protagonistin eine Art Selbstfindungsreise unternimmt, bleibt es angenehm authentisch und driftet nicht ab in eine unglaubwürdige Geschichte, in der eine einzige Begegnung das ganze Leben verändert. Stattdessen bekommen wir eine ehrliche Selbstreflexion, auch wenn die noch radikaler hätte ausfallen dürfen. Ehrliche Empfehlung für alle, die ruhig-atmosphärische Geschichten mögen und sich für Beziehungsdynamiken interessieren.
4,5 Sterne
Eternal-Hope
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Zugvögel wie wir
von Julia Dibbern
Julia Dibbern ist eine Autorin der leisen Töne. Wie auch schon in ihrem letzten Buch "Unter Wasser ist es still" braucht es auch in ihrem aktuellen Werk "Zugvögel wie wir" nicht sehr viel Dramatik, um das Buch zu tragen. Stattdessen lebt es von viel Atmosphäre und kleinen, ruhigen Momenten, Begegnungen zwischen Menschen und in der Natur.
Im Zentrum des Buches steht Eva, eine Frau in den mittleren Jahren. Ihre Ehe ist vorbei, ihren Job ist sie los und die erwachsene Tochter hat sich seit langem von ihr entfremdet. Sehnsuchtsvoll und ein bisschen neidisch blickt Eva auf das zumindest nach außen hin so glücklich und erfüllt scheinende Leben ihrer Kindheitsfreundin Luise und wünscht sich so sehr, mit ihrem eigenen Leben glücklich sein zu können: "Eines Tages werde ich nicht mehr vergleichen. Ich werde mir nicht ein Leben wie Luises Leben wünschen, keinen Mann wie Peter und keine Familie, in der alle miteinander sprechen, singen und musizieren. Ich werde einfach mit meinem freundlichen kleinen Leben zufrieden sein." (S. 12)
Um diese Suche nach einer ruhigen Zufriedenheit mit ihrem "freundlichen kleinen Leben" geht es in dem Buch. Eva besucht Luise in Schweden, dabei bemerkt sie einen jungen Kranich, der verletzt ist, und holt Hilfe. Als das junge Kranichmädchen wieder gesund ist, mit einem Sender versehen zurück in die Freiheit entlassen wird und gemeinsam mit seinen Eltern von Schweden aus Richtung Süden bis nach Frankreich fliegt, beschließt Eva aus einer Laune heraus, dem Weg des Vogels auf einem geliehenen alten Fahrrad zu folgen.
Das ist ungewöhnlich für sie, die sonst gewohnt war, keine außergewöhnlichen Risiken einzugehen und die noch nie in der Natur übernachtet hatte. Sie wird sich auf dieser Reise einige neue Fähigkeiten aneignen müssen, Ängste und Einschränkungen überwinden und dabei viel Zeit haben, über ihr Leben nachzudenken. Dabei kommt es auch zu einigen netten Begegnungen mit anderen Menschen, einige davon recht jung, im Alter ihrer Tochter.
Das Buch ist überwiegend aus der Sicht von Eva geschrieben. Eingestreut sind ab und zu kleine Kapitel aus der Sicht von Sophie, Evas Tochter. Sophie hat eine nahe Beziehung zu ihrer Oma, Evas Mutter, doch fühlt sich von ihrer eigenen Mutter seit langem unverstanden und ungesehen. Im Laufe des Buches erfährt man etwas mehr über den Auslöser der Entfremdung der beiden.
Damit komme ich auch schon zu den Stärken und Schwächen dieses Buches. Ich habe sehr gerne von Evas Reise mit dem Fahrrad auf den Spuren des Kranichmädchens gelesen. Diese Teile sind sehr atmosphärisch geschrieben, man begleitet Eva innerlich durch die Natur und auf ihrer Reise. Diese Stellen zu lesen hat etwas Entschleunigendes, Beruhigendes und Entspannendes.
Was hingegen die psychologische Tiefe und insbesondere die Mutter-Tochter-Beziehung angeht, hätte ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Eva erlebt zwar, auf körperlicher Ebene über sich hinauszugehen und sie hat viel Zeit zum Nachdenken, doch eine echte Persönlichkeitsentwicklung oder Reflexion eigener Anteile der Entfremdung der Tochter habe ich bei ihr kaum wahrgenommen.
Zwar hat sie Sehnsucht nach der Tochter, vermisst diese und überlegt immer wieder, wie sie die richtigen Worte finden könnte, um diese zu erreichen, doch insgesamt bleibt sie in meiner Wahrnehmung eine sehr selbstzentrierte, um sich kreisende und wenig empathische Persönlichkeit.
Das ist nicht unbedingt dem Buch anzulasten, denn solche Menschen gibt es und tatsächlich ist es gerade beim Phänomen der von ihren erwachsenen Kindern verlassenen Eltern oft so, dass es sich hierbei um wenig reflektierte Eltern handelt, die nicht in der Lage sind, eigene Anteile an der Situation einzugestehen. Insofern ist Eva in dieser Hinsicht sehr authentisch dargestellt, als Leserin hätte ich ein bisschen mehr Einsicht und Persönlichkeitsentwicklung ihrerseits dennoch schön gefunden.
Insgesamt ist es ein ruhiges und naturnahes Buch, das ich insbesondere jenen, die gerne Beschreibungen von Abenteuern in der Natur lesen und keine besonderen Erwartungen an Figurenentwicklung stellen, durchaus empfehlen kann.
