Kundenrezensionen
Herwig Oberlerchner
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Ruth und Hans-Harald, beide um die 80 Jahre alt, blicken stolz auf ihr Leben zurück. Drei erwachsene Kinder, zwei Enkelsöhne, vordergründig befriedigende Biographien, er pensionierter Oberstaatsanwalt, sie nach den Kindern doch noch Dozentin für Literatur an einer Universität. Ein sozial gut integriertes Paar im letzten Lebensabschnitt. Ihr zweitgeborenes Kind, die bisexuelle Tochter Karolin, will in Berlin eine Buchhandlung, spezialisiert auf die LGBTQIA-Leserschaft eröffnen und lädt die ganze Familie dazu ein, sogar Bruder Chris reist mit seiner Freundin aus New York an und auch der jüngste Sohn Benjamin (37) mit Frau und Söhnen. Die Eröffnung gerät zum Fiasko, wegen vermeintlicher Involviertheit des Vaters von Ruth in Nazi-Verbrechen und dem aus seinem Erbe finanzierten Buchladen werfen Aktivist: innen Farbbeutel auf die Scheiben. Die Wogen vor Ort, noch mehr aber in den sozialen Medien gehen hoch, die Wellen treffen alle Familienmitglieder mit Wucht. Im Buch werden alle Protagonist: innen vor den Vorhang und ihre biographischen Ab- und Hintergründe ins Rampenlicht gezerrt. Eine spannende Familiensaga über vier Generationen wird entwickelt, in deren Mittelpunkt das Verschweigen des Unangenehmen, das jahrzehntelang Unausgesprochene und die Tendenz zum Zudecken und Schönreden stehen, vor allem konsequent gelebt von Ruth, die eine jahrelange Affäre vor ihrem Mann und ihren Kindern verheimlicht hat. Doch es reicht zurück bis zu ihrem Vater, der, stellvertretend für Deutschland, nach dem Krieg im wiedererstarkenden Deutschland keine Zeit hat sich mit seiner Rolle im Dritten Reich auseinanderzusetzen und setzt sich transgenerational fort im Umgang mit Gefühlen und Ängsten und Geheimnissen in der dritten Generation, die zu echter Beziehung und authentischem Miteinander nicht in der Lage zu sein scheint. Das Buch verführt in eine Welt der Reichen und reduziert eine komplexe Soziodynamik zu sehr und vereinfachend monokausal auf die Entscheidung von Ruth, hier drängt sich die Frage nach der "Neurose des Autors" auf, der im Buch jede Beziehung scheitern lässt und die Bedürfnisse von Kindern nach Mentalisierung im Sumpf der Gefühlswelt der Nachkriegsgeneration erstickt oder zumindest ihre Identitätsfindung erschwert. Und doch, der Sog in diese Familie hält bis zum letzten Kapitel an und man fiebert dem Showdown in Bennis Garten entgegen.
HEYN Leserunde, Barbara Maria Angerer
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Der Autor, in seinem Hauptberuf Reporter für den „Spiegel“, vermischt die aktuellen Zeit-Themen so gekonnt zu einer Familiengeschichte über drei Generationen, dass es mir zum großartigen Lesevergnügen wurde. Die Erzählstränge der einzelnen Personen wurden geschickt verwoben, spannend erzählt und auf ein einziges Familienevent hin zugespitzt. Bei all den herausfordernden und tiefgründigen Themen ist es dem Autor hervorragend gelungen, vertraute Verhaltensweisen und Lebensstrategien anklingen zu lassen und doch durch die leichte Überzeichnung stets Leichtigkeit aufrecht zu erhalten.
Unbedingte Leseempfehlung!
HEYN Leserunde, Irmgard Mandl-Mair
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Die Geschichte einer gutbürgerlichen deutschen Familie und deren Unfähigkeit zur Kommunikation wird vor dem zeitpolitischen Geschehen erzählt. Letztendlich können die aufgebauten Fassaden nicht mehr aufrecht erhalten werden, ein Scheitern ist unausweichlich. Grandiose Erzählung!
HEYN Leserunde, Dagmar Pfleger
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Für mich eine Art Sozialstudie über das System "Familie": Themen wie Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten - (zerplatzte) Träume und Hoffnungen - (unerfüllte) Erwartungen - Lügen - sexuelle Orientierungen - Familiengeheimnisse - Anschuldigungen - Macht - Selbstverwirklichung - (vermindertes) Selbstbewusstsein - auch Liebe skizzieren das Leben der Familienmitglieder der Schönwalds. Manchmal witzig, stellenweise für mich etwas langatmig, aber trotzdem absolut lesenswert, kann man sich letztendlich mit der Frage beschäftigen, ob "sie alle" irgendwie noch die "Kurve kriegen". Gelingt es ihnen, den familiären Knoten zu lösen? Nach einem etwas schleppenden Beginn ein gutes und zu empfehlendes Lesevergnügen :).
HEYN Leserunde, Ewa Wiercinska
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Philipp Oehmke verführt uns, schreibt - it just a game, in die Geschichte einer deutschen Familie. Darin spiegelt sich vor allem Generationskonflikt, zwischen Boomer und Millenial, mit verschiedenen Werthaltungen. Spannend erzählt uns Ohemke, wie kompliziert das Leben mit dem modernen Zeitgeist ist.
Kindern fällt es schwer, bei den Eltern abgeschautes Verhalten abzulegen um glücklich zu werden.
Zwei simple Regeln aus dem Kriegszeit, „Beklage dich niemals, und erkläre niemals dein Verhalten“ sind verführerisch, aber machen aus den Menschen ein Monster.
Leseempfehlung für alle, die über sich selber mehr wissen wollen.
HEYN Leserunde Manfred Angerer
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Eine Familiengeschichte als toller und spannend zu lesender Mix aus dem, was die Mitglieder der Familie Schönwald nach außen darstellen und dem, was unter den „Teppich“ gekehrt worden ist, dort keinen Platz mehr findet und an vielen „Ecken und Enden“ hervorquillt.
Ein Streifzug durch eine Vielzahl von Themen aus Bereichen der „Familientherapie“, garniert mit Ereignissen aus dem Weltgeschehen und so hautnah serviert, dass manch Leser:in vielleicht im einen oder anderen Aspekt ein klein bisschen von sich selbst oder seiner eigenen Geschichte erkennen könnte.
Philipp Oehmke schildert die verschiedenen Lebensgeschichten der Familienmitglieder und deren Partner:innen detailgenau auch im jeweiligen sozialen und teils auch geschichtlichen Umfeld; dies in einer klaren Sprache, die mir deutliche Bilder im Kopf erwecken und mich zumeist auch emotional in die jeweils geschilderte Situation eintauchen lassen. Dass die einzelnen Geschichten so manche Reflexion auf eigene Lebenssituationen auslösen dürften, ist vermutlich nicht ganz zufällig.
Einmal begonnen, kann das Buch nicht einfach zwischendurch weggelegt werden, dazu liest es sich zu spannend und macht nach jedem Kapitel neugierig, was als nächstes kommt.
Grandios und unbedingt lesenswert.
HEYN Leserunde, Maria Dörfler
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Leicht zu lesen, oft zum Schmunzeln.......wer findet sich da nicht an dieser oder jener Stelle. Es wird ja auch nichts ausgelassen, was aktuell zur Debatte steht.
Das aber in oft unterhaltsamer, manchmal auch etwas tiefergehender Weise. Angenehm gute, journalistische Sprache. Die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern und auch zu Außenstehenden sind durchaus mit viel Feinfühligkeit gezeichnet und beschreiben die bürgerliche, vielleicht bald aussterbende Bildungsoberschicht für mich sehr gut nach. Manches ist vielleicht etwas überzeichnet, aber durchaus witzig ( Grillparty)
Ich habe das Buch mit Vergnügen gelesen und werde es in der älteren Generation verschenken.!
HEYN Leserunde, Petra Hesse
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Familientreffen – und alte Tabus fliegen auf, Geheimnisse werden ans Licht gezerrt, und mühsam aufgebaute Rollenvorstellungen fallen in sich zusammen. So weit, so bekannt, denn irgendjemand sucht immer die Wahrheit und stört den vermeintlichen Frieden.
Dann aber die Frage, welche Strategien dabei zum Einsatz kommen? Welche Motive dahinterstecken? Was die eigene Wahrheit derer ist, die die Wahrheit der anderen suchen? Kurz: ein erzählerischer Versuch der Dekonstruktion des Topos „Familiengeheimnis“.
Da sind die Eltern bzw. Großeltern, die nicht immer alles so ganz genau wissen wollen und Gespräche beizeiten abklemmen: beherrschend Ruth, die für ihre berufliche Selbstverwirklichung zeitweilig ihre Ehe und die Unversehrtheit ihrer Tochter riskiert hat; ihr Mann, dessen Anteil an der Familienarbeit sich offenbar auf das abendliche Vorlesen für die – bereits gefütterten und gewaschenen – Kinder beschränkt hat. Die drei Kinder selbst schwimmen als Erwachsene auf modischen Diskursen mit, hinter denen sich berufliches Scheitern, Traumatisierung und mangelndes Durchsetzungsvermögen verbergen lassen. Selbst ihre Gegner, die Insta-Kids, die der Familie die ungebrochene Kontinuität der Finanzströme aus der Nazi-Zeit vorwerfen, ohne individuell zu recherchieren, verbergen hinter diesem Anliegen ihre eigenen migrantischen Erfahrungen und Kränkungen.
Die letzte Episode hingegen gehört einer angeheirateten, schnell wieder geschiedenen Figur, die nicht von der Wahrheit, sondern vom Essen motiviert ist – eine ironisch versöhnliche Wendung nach dem Abgang aller problembeladenen Schönwalds. Eine derartige Verweigerung des finalen Showdown könnte Kriege verhindern oder zumindest Familienromane verkürzen ;-)
HEYN Leserunde, Sigrun Alten
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Schönwald
von Philipp Oehmke
Der Roman Schönwald fasziniert ab der ersten Seite. Es ist die Geschichte einer deutschen Bildungsbürgerfamilie, ihrer Sprachlosigkeit, ihrer Geheimnisse und Verletzungen, deren Fassade schlussendlich zerbröckelt.
Bezeichnend ist, dass die zweite Generation trotz veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, Emanzipation und Liberalität keinen Deut glücklicher und ihr Leben offensichtlich nicht gelungener ist, als das ihrer Eltern nach dem 2. Weltkrieg.
Dem Autor gelingt es vorzüglich, aktuelle politische und gesellschaftliche Themen wie Rechtpopulismus, Diversität der Geschlechter, Feminismus und das Streben nach individuellem Glück mit der Schilderung der einzelnen Lebensgeschichten zu verknüpfen und bis zum Schluss einem spannenden Bogen zu spannen. Absolut empfehlenswert.
