Kundenrezensionen von HEYN Leserunde Maria Dörfler





Die Namen
von Knapp Florence; Kögeböhn Lisa
Der Titel und die Konstruktion haben mich neugierig gemacht. Auch das Thema!
Ob es Zufall ist, dass ich zum ersten Mal eine Rezension zum dritten Mal beginne? Die ersten zwei Versuche habe ich - unabsichtlich - gelöscht...
Leider konnte ich mit dem Buch - nach recht spannendem Beginn - immer weniger anfangen.
Die Figuren sind für mich nicht lebendig geworden, viele Klischees wurden bedient und wenig Aktuelles ausgelassen. der häufige Wechsel von Ort und Personen waren zunehmend mühsam. In positiver Erinnerung ist mir das ältere Paar geblieben, ganz wohltuend und ohne Brüche.





Im ersten Licht
von Gstrein Norbert
Fast ein Jahrhundert mit Kriegen, Entstellung, Verwundungen aller Art, körperlich und seelisch - das Jahrhundert der schon Verstorbenen und heute sehr Alten - wird hier in stellenweise grausamer Genauigkeit und Schonungslosigkeit, aber in wunderbarer Sprache, lebendig.
Ich konnte das Buch kaum weglegen, es ist lebendige Geschichte in schöner, poetischer Sprache.
Warum dann eine Zumutung? Weil die Bilder, die im Kopf entstehen, schwer auszuhalten sind, die Assoziationen grausam, die Verbindung zu dem, was fast immer in der Welt geschehen ist und auch heute vielfach geschieht, nicht wegzuschieben ist. Obwohl oder gerade weil Vieles nur angedeutet, in einem Satz erwähnt wird, entfaltet es nachhaltig seine Wirkung.
Das ist für mich Literatur, ist Kunst, auch wenn die Kraft nicht bis ganz zum Ende hundertprozentig durchzuhalten ist.
Ich werde das Buch meinen Enkeln unbedingt zum Lesen geben und sehr ans Herz legen.





Die Passantin
von George Nina
Eine gute Geschichte, eine sehr erfolgreiche Frau, der es "an nichts fehlt", bekommt mehr durch Zufall als geplant, die Chance, aus ihrem bisherigen Leben radikal auszubrechen.
Auf diesem Weg, mit neuer Identität, begibt sie sich auf eine Reise zu Facetten ihrer Persönlichkeit, die sie vorher nicht gekannt, vielleicht geahnt hatte. Unzufrieden in und mit ihrem Erfolg geht sie diesen Weg ziemlich konsequent, ohne zu wissen, wohin er sie führen wird. Spannend, gut geschrieben, flüssig zu lesen, aber.....
Dann beginnt alles zu viel zu werden: die Geschichten der Menschen, denen sie begegnet. Der Verlauf der Story wirkt auf mich konstruiert, ein wenig nach dem Motto: nur nichts auslassen.
Daher 4 Punkte und nicht 5. Aber ich würde das buch durchaus empfehlen!





Himmel ohne Ende
von Engelmann Julia
Ein schönes, einfühlsames Buch, das die Tiefen und Höhen der Gefühle von Jugendlichen meist sehr einfühlsam und gut beschreibt.
Das sollten Jugendliche, aber durchaus auch Eltern lesen.
Wie so oft, ist eine Spur zu viel "eingepackt" an kleinen und großen Tragödien, um ja nichts auszulassen....
Dennoch, lesenswert, berührend und durchaus unterhaltsam!





Botanik des Wahnsinns
von Engler Leon
Dieses Buch ist sicher nicht große Literatur, aber es gibt einen sehr guten Einblick in die Welt von Menschen, die anders ticken, die von anderen Menschen mit psychiatrischen Diagnosen versehen werden - häufig durchaus zurecht. Sie passen nicht so gut in unsere Welt der "Normalen", der Angepassten. In die Welt derer, die mit den Anforderungen ihrer Umgebung gut oder zumindest ausreichend zurecht kommen. Diese Menschen leiden oft sehr, manchmal weniger, ihre Umgebung leidet, ist überfordert.
Ein großes, vom Schicksal sehr ungerecht verteiltes Problem vor allem für die Kinder der Betroffenen. Die hohe Sensibilität, Verletzlichkeit, oft Begabungen der Menschen mit psychischen Erkrankungen werden in dem Buch oft gut beschrieben. Die Unschärfe und Unzulänglichkeit fast aller Diagnosen, die nie den ganzen Menschenerfassen können, sind oft wunderbar erfasst Die persönliche Betroffenheit des Autors, der durch seine Familiengeschichte natürlich auch belastet und geprägt ist, zugleich große Sachkenntnis hat, tut der Zeichnung der Protagonisten sehr gut.
Ich habe das Buch gerne und mit Gewinn gelesen....
Maria Dörfler





Wild wuchern
von Katharina Köller
Zuerst die Schilderung einer durchaus extremen Lebensweise in einer unwirtlichen Berggegend. Ein Fluchtort für Johanna, der ihr das Überleben möglich gemacht hat.
Dorthin kommt die Cousine in einer Notsituation, auch auf der Flucht vor dem "normalen" Leben, das sie in eine verzweifelte Situation geführt hat.
Das schwierige Zusammensein der beiden Frauen führt zu langsamer, mühevoller Annäherung, zu einer starken Veränderung bei der Besucherin, aber auch zu einem schwierigen Weg aus der Sprachlosigkeit von Johanna, zu Reflexion und vielleicht einem neuen Aufbruch - das bleibt offen.
Wohin er die Frauen führen wird?
Die Zweisamkeit in den Bergen ist wohl ein Weg, aber kaum ein Ziel....
Leicht zu lesen, aber durchaus spannend, mit sehr, vielleicht zu offenem Ende.





Für Polina
von Würger Takis
Einfach, berührend, ein wenig unglaubwürdig, also doch ein Märchen?
Die klare, schlicht Sprache beschreibt einen sehr komplizierten Menschen, der an seiner großen Begabung fast scheitert. Die Menschen um ihn sind klarer in ihrem Verhalten, sie haben es nicht immer leicht mit ihm. Aber es scheint, Hannes kann nicht anders. Zu viel spielt sich in seinem Inneren ab und findet nur sehr schwer den Weg nach außen und zu anderen Menschen.
Ich wünsche mir, dass das versöhnliche Ende wahr sein kann und hoffentlich nicht nur ein Märchen ist nach dem Motto: und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.





Honey
von Victor Lodato
Der Titel gilt für das Buch und die Lebensgeschichte von Honey. Gut und leicht zu lesen, auch ihre Schwächen werden nicht ausgeblendet.
Über der Figur liegt dennoch ein Schleier von Melancholie, eine Traurigkeit, die wohl unvermeidlich ein Leben trübt, dem die Unbeschwertheit und das Glück der Kindheit so radikal fehlt.
Manche Gedankengänge und Überlegungen von Honey sind sehr nachvollziehbar formuliert, zeigen viel Einfühlungsvermögen. Ihr oft unorthodoxes Verhalten macht Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen, ein wenig verrückt zu sein - eines der wenigen Privilegien des Alters - und ich mag sie....
Manchmal geht es ein wenig in Richtung Kitsch, vor allem gegen Ende des Buches, daher 4 Punkte.
Aber ein absolut lesenswertes Roman, der viel Verständnis für die späte, nicht ganz leichte Zeit des Lebens aufbringt.





Sing, wilder Vogel, sing
von Jacqueline O’Mahony
Die unfassbar schlimme Hungernot, die Irland Mitte des 19. Jahrhunderts heimsuchte, ist weithin bekannt. Auch, dass wahrscheinlich geholfen werden hätte können, aber nichts geschah, ist und bleibt ein Skandal.
An der fiktiven Figur der Honora wird das Schicksal einer mutigen Frau aus dieser Zeit erzählt, die aufgrund ihrer Konstitution, ihres starken Willens - sonst hätte sie schon als Kind nicht überlebt - das "Weggehen", die "Flucht" aus dieser Hölle überlebt und nach Amerika gelangt. Doch dort setzen sich die Katastrophen fort.
Und da wurde es für mich ein bisschen zu viel an Dramatik, es wird nichts ausgelassen an schlechter Behandlung, unglücklichem Verlauf.
Dass sie dann einen recht passablen Mann findet, macht sie leider auch nicht glücklich. Sie findet ihr Happy End in einer recht unwahrscheinlichen Begegnung und reitet mit diesem Mann einer ungewissen Zukunft entgegen.
Ein durchaus fesselndes Buch, leicht zu lesen, sehr bedrückend - mit einem Traum als Happy End......





Malnata
von Beatrice Salvioni
Trotz des schweren, oft bedrückenden Inhalts ein leicht zu lesendes Buch.
Die Spannungen und Gegensätze sind hart und scharf, es gibt kaum Zwischentöne. Schwarz, weiß und gut und böse sind klar. Ein wenig fehlen mir Grau und Zwischentöne. Gibt es so starke Menschen? Die Haltung der Malnata ist beeindruckend angesichts der schwierigen, widrigen Verhältnisse. Woher nimmt das junge Mädchen die Kraft?
Es wäre schön. wenn viele Menschen sich so sehr Widerstand leisten könnten.









