Kundenrezensionen von HEYN Leserunde Ewa Wiercinska





Die Namen
von Florence Knapp
Florence Knapp legt mit ihrem Debütroman eine eindringliche Geschichte vor, die sich mit den Reaktionen auf Trauma auseinandersetzt: Fight-or-Flight (Kampf oder Flucht), Freeze (Erstarren) und Fawn (extreme Anpassung). Es ist ein intensives Buch über häusliche Gewalt – ein Thema, das jede betroffene Person unterschiedlich erlebt, das jedoch oft gemeinsame kurz- und langfristige Folgen mit sich bringt.
Im Zentrum der Geschichte steht eine Frage: Wie beeinflussen unterschiedliche Vornamen – Bear, Julian und Gordon – den Lebensweg von Kindern, obwohl sie unter denselben familiären Umständen aufwachsen?
Der Roman erforscht, welchen „Titel“ unser Leben tragen würde, wenn wir durch andere definiert werden. Namen können Erwartungen und Vorurteile hervorrufen. Dieses stereotype Denken führt jedoch häufig zu Fehlurteilen und schränkt die Wahrnehmung von Individuen ein.





Im ersten Licht
von Gstrein Norbert
Es fällt mir schwer, meine Begeisterung für dieses inhaltlich fordernde Buch in Worte zu fassen.
Norbert Gstrein ist ein Meister des eleganten Stils. Für ihn ist Sprache die „Kleidung der Gedanken“. Er verleiht den Fakten (1914-1917, 1939-1945) ein emotionales Fundament, das sie im Gedächtnis haften lässt. Besonders fesselnd finde ich seine verführerischen Sätze, in die er beinahe unmerklich Ungeheuerlichkeiten einwebt.
Die Hauptfigur Adrian ist fasziniert vom Denken der „Führer im Weltkrieg“ und vergisst dabei, dass er selbst nur (Seite 261) ein „armer Herr Professor ist, der Soldaten für Mörder hält und sich trotzdem von ihnen angezogen fühlt. Nie ein Kind gehabt, über fünfzig Jahre alt, mutterseelenallein und ohne Sinn in der Welt. Nie einen Sohn! Nie im Krieg gewesen und ein ganzes Leben lang nur ein armer, armer Herr Professor, der alles bloß aus seinen Büchern kennt!“
Wie ein KI-Mensch analysiert er Unmengen an Kriegsdaten, ohne sie selbst zu empfinden. Bedrohlich. Erst als Adrian sechzig Jahre alt wird, sagt er zum ersten Mal: Ich schäme mich, dass ich…
Fazit: Ein Buch für kommende Generationen. Literatur kann uns zu besseren Menschen machen – denn: „Mit einem Buch in der Hand kann man nicht schießen“.





Die Passantin
von Nina George
Barcelona 2015–2019
Die Bestseller-Autorin Nina George hat ein originelles, geniales Buch geschaffen.
Die brillante Idee hat sie dabei zu einer thrillerstarken Geschichte entwickelt.
Ein hochspannender Gedankenschwarm über körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt als Eingriff in die persönliche Freiheit, Unversehrtheit, Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein eines Menschen. Dieses Thema ist heute in unserer Gesellschaft wichtiger denn je.
Die Sprache ist kraftvoll und unerschrocken. Kein Pardon – die klaren Formulierungen machen die Geschichte unfassbar eindringlich.
„Die Gewalt lebt davon, dass sie von Anständigen nicht für möglich gehalten wird.“ — Jean-Paul Sartre (1905–1980)
Fazit: Sehr empfehlenswert – ab jetzt gehört Nina George zu meinen liebsten Autorinnen





Himmel ohne Ende
von Julia Engelmann
Unsere Protagonistin Charlie – und mit ihr auch wir, Leserinnen und Leser, unsere Kinder und Enkel – erlebt die Einsamkeit der Pubertät. Diese prägende Lebensphase ist für jeden anders, doch Julia Engelmann gelingt es, sie universell erfahrbar zu machen.
Charlie ist dabei nicht allein. Die Autorin deutet Einsamkeit positiv um: In endlos scheinenden Sommerferien und im anschließenden „Klassenkampf“ um den besten Sitznachbarn begegnet sie Pommes – eigentlich Kornelius, der zu einem besonderen Freund wird. Er zeigt ihr, wie man die Wonne der Einsamkeit nutzen kann, um Gelassenheit und einen tieferen Zugang zum eigenen Selbst zu finden:
„Weil es dir egal ist, was alle von dir denken. Und trotzdem bist du gut mit Leuten, die mögen dich trotzdem.“
So wird Einsamkeit nicht als Mangel ( Ludwig Tieck), sondern als Stärke erfahrbar – als Raum für Selbstbewusstsein, innere Freiheit und neue Verbindungen.
Fazit: Sehr, sehr empfehlenswert
„Um besseres Verständnis zwischen den Generationen zu erreichen, sind offene Kommunikation, die Anerkennung und Wertschätzung der unterschiedlichen Werte und Perspektiven jeder Generation sowie der Austausch von Wissen und Erfahrungen essenziell. Fördern Sie einen respektvollen Umgang, schaffen Sie Gelegenheiten für gemeinsame Erlebnisse“





Botanik des Wahnsinns
von Leon Engler
Leon Engler schreibt:
„Ich liebe es, von Buch zu Buch zu irren, von Zufallsfund zu Zufallsfund. Die Idee, ein Buch aufzuschlagen und einen Satz zu lesen, der mich trifft, der verändert, wie ich die Dinge sehe.“
Dieses Monodrama hat mich durch die vielfältige Erzählperspektive, komplexe Emotionen und Geschichten begeistert.
Sein einzigartiger Erzählstil – witzig, geistreich und lebhaft – trifft mich und verändert, „wie ich die Dinge sehe“.
Leon Engler, als Einzelerzähler, hat die Fähigkeit, emotionales Erleben auszulösen und seine intensive Selbstreflexion besonders realitätsnah zu vermitteln.
Fazit: Genial durchdacht.
Für Leserinnen und Leser, die den Tagen Sinn geben möchten.





Wie Risse in der Erde
von Clare Leslie Hall
„Zeigt mir was Du liest, und ich sage Dir wer Du bist“ so beginnt die Geschichte über die Kraft der ersten Liebe, über Ängste, Sehnsüchte, und den Mut zur Veränderung.
Ein klug und psychologisch ( sehr aktuell und grade jetzt realistisch) komponierter Thriller mit überraschenden Wendungen und vielschichtigen Charakteren, die einen nicht so schnell loslassen.
Ich habe diesen Roman mit Begeisterung gelesen.
Fazit: sehr Lesenswert, perfekte Lektüre für laue Sommerabende und ein Glas Wein an der Seite und für alle,
die beim Lesen ihre emotionale Intelligenz fordern und fördern möchten





Wild wuchern
von Köller Katharina
21 Jahrhundert, Österreich, Tiroler Alm. Zwei Protagonistinnen, eine Ich-Erzählerin.
Sie sind von Ihrer Kindheit und ihren Eltern geprägt. Im Leben stehen ohne Selbstvertrauen, sozialer Kompetenzen und emotionaler Intelligenz. Einzige Handlung, die Ihnen bleibt, um die emotionale Abhängigkeit zu lösen, ist der Eskapizmus.
Die Leser bewundern den, kraftvollen, poetischen gesellschaftskritischen, mit bildhaften Metaphern, wunderschöner Natur und österreichischem Dialekt, erzählten Roman.
Aber, es handelt sich nur beim Ersteren um Marktwert und ums Ego der Schriftstellerin.
Die Literatur lässt die österreichischen Frauen im Stich.
Die österreichische Frau wird wieder als Opfer und ohne Moral dargestellt.
Der Roman ist ereignisarm ohne der Verbindung zu den Charaktere und komplett unpassendem Ende. Mir fehlt in der Geschichte starke österreichische Frau, die ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft reguliert und Verantwortung übernimmt.
Der Schriftsteller/in muss auch wie ein Handwerker arbeiten. Es geht um den Herstellungsprozess (Schreiben) und den späteren nutzen.
Fazit: literarischer Appell an alle österreichische Schriftsteller/innen- mehr starke Protagonistinnen ( klare Ziele, nachvollziehbare Schwächen, und die Fähigkeit, zu wachsen und sich zu verändern)





Für Polina
von Würger Takis
Identitätsentwicklung und Identitätsbrüche des Protagonisten Hannes in Takis Würger „Für Polina“.
Eine faszinierende Reise fürs Leben, ein Prozess mit der musikalischen Inszenierung und der Liebe zu Polina. „Nicht aus Selbstlosigkeit, aber wann war Liebe je selbstlos gewesen? Ich brauche sie, um wieder ich zu sein. Es war ein Gedanke, der in Hannes leuchtete “.
Takis Würger sagt „Luxus ist, Meister des eigenen Lebens sein zu können“ und ich glaube, er wünscht sich, dass alle seine Protagonisten seiner Meinung sind.
Fazit: Ein Hammer Buch. Takis Würger ist ein Meister der Gefühle.
Ab jetzt gehört er zu meinen Lieblingsautor*innen.





Honey
von Victor Lodato
Victor Lodato erzählt glamourös und provokant, die Geschichte seiner hochaltrigen Heldin Honey. Ein starkes literarisches Werk über weibliche Wut und Rache mit genialen, geistreichen Metaphern und großartigen Dialogen. Professionelle Übersetzung, Hut ab.
Fazit: grosse Leseempfehlung von ganzen Herzen





Sing, wilder Vogel, sing
von Jacqueline O'Mahony
„Unter der britischen Unterdrückung hatte Irland (indigene Bevölkerung) schwer zu leiden und von 1820 bis 1930 kamen 4,5 Millionen Iren in die USA, die meisten von ihnen nach der großen Hungersnot in Irland von 1845 bis 1852.“
Aus dieser Geschichte wird ein Roman. Atemberaubend, großartig geschrieben. Protagonistin Honora (übers. die Geehrte) ist eine starke, pragmatische Frau, die sich selbst treu bleibt „ich habe nur mich“, sich ihren starken Willen und den Wunsch nach der Wertschätzung durch andere Menschen, Würde und einem selbstbestimmten Leben bewahrt. Überlebungskünstlerin.
Das Buch lebt durch innerlich ablaufenden Selbstgesprächen. Eine meditative Versenkung der Seele in sich selbst. Sehr mystisch und ermutigend.
Fazit überwältigend, bemerkenswert, mystisch
sehr empfehlenswertes Buch!









