Kundenrezensionen
Christina Welser aus der Tyrolia-Filiale in Salzburg
empfiehlt:
Die Probe
von Katie Kitamura
"Kann sich eine Geschichte in beide Richtungen entfalten?" fragt sich die Hauptfigur gegen Ende dieses Buches. Nach dem Abschluss der Lektüre werde ich antworten und zwar: "Ja. Mindestens!". Die Autorin legt hier nämlich mehrere Lebensrealitäten übereinander, spielt geschickt mit vagen Formulierungen und fordert dabei einiges an Konzentration von ihren LeserInnen. Welche Realität denn nun letztlich wahr ist, welche vielleicht nur gespielt oder wo sich womöglich eine weitere Sub-Ebene verbirgt, ist gar nicht so leicht auszumachen. Das Buch hat mich letztlich überzeugt und das obwohl ich das Grundthema, nämlich unehrliche, zwischenmenschliche Kommunikation, eigentlich nicht besonders reizvoll finde. Aber Kitamura gelingt es diesen Stoff voll auszuschöpfen.
Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck
empfiehlt:
Die Probe
von Katie Kitamura
Katie Kitamura landete mit ihrem neuen Buch „Die Probe“ auf der Shortlist für den Booker Prize 2025: Die Geschichte beginnt ganz gewöhnlich – und ist gerade deshalb so faszinierend, da es sich mehr und mehr als ein unheimliches Buch entpuppt, als ein kluges Spiel zwischen Dichtung und Wahrheit. Wer sind wir für einander? Spielen wir alle nur eine Rolle? Zu Beginn treffen sich zwei Menschen zum Mittagessen in einem Restaurant in Manhattan. „Der Empfangskellner erkundigte sich nach meiner Reservierung. Ich erklärte, ich sei verabredet, und zeigte auf den jungen Mann hinten im Restaurant. Xavier. Dieser Empfangskellner, ging mir auf, hatte ihn vermutlich an dem ungastlichen Tisch platziert, und noch während ich hinzeigte, bemerkte ich seine Verblüffung. Sein Blick glitt von meinem Gesicht zu meinem Mantel, zum Schmuck. Es war vor allem mein Alter. Das war es, was ihn verwirrte. Er lächelte knapp und bat mich, ihm zu folgen. Dazu war ich in keiner Weise gezwungen, ich hätte einen Irrtum oder eine Verpflichtung vorschützen, kehrtmachen und mich hinausstehlen können. Nur schien es inzwischen zu spät zu sein [...].“
Sie ist eine gefeierte Schauspielerin, die für eine bevorstehende Premiere probt. Er ist attraktiv und beunruhigend jung und es ist nicht ganz klar, ob er ein Verehrer ist oder, wie er plötzlich behauptet, ihr Sohn; doch dabei hat sie nie Kinder bekommen. Als im selben Moment auch noch ihr Mann Tomas, ein erfolgloser Schriftsteller, im Restaurant auftaucht, wird ihr klar, dass Xavier ihr Leben aus den Angeln heben kann. Erzählt wird in dialogischen und stummen Szenen und in detailreichen Nahaufnahmen, durchschossen von Rückblenden, im Wechsel mit Überlegungen der Erzählerin, quasi aus dem Off. Die Wirkung entspricht der eines Theaterstücks, das sie einst fasziniert hat: „In jeder Szene entwickelte sich Spannung, obgleich wenig geschah und wenig gesprochen wurde, der Druck nahm stetig zu, und am Ende merkte ich, dass ich mich geraume Zeit in einem Zustand quälender Beklommenheit befunden hatte, beim Verlassen des Theaters war ich zugleich euphorisiert und ausgelaugt, vibrierte jeder Nerv meines Körpers.“
Der zweite Teil des Buches setzt damit ein, dass die Protagonistin ihn plötzlich tatsächlich als Sohn annimmt, mit einer gewissen Kühle seziert Kitamura klug die Ehe der Protagonistin und stellt die Frage, ob sich die Zeit eigentlich nur in eine Richtung ausbreiten kann oder doch veränderlich ist. Die Lektüre ist ein zum Nachdenken anregendes Verwirrspiel: Was wie eine absurde Verwechslung beginnt, verschiebt die Gewissheiten Schritt für Schritt, bis aus Unsicherheit fast Selbstverständlichkeit wird. Die Autorin jongliert geschickt mit sozialen Rollen und deren Performance. In diesem Roman gibt es kein klares Jenseits der Bühne, jedes Verhältnis ist ein Rollenverhältnis, jedes Selbstbild ein Rollenbild und jeder soziale Raum eine Bühne. Die Literaturkritikerin Sigrid Löffler beschreibt diese Konstruktion als „kühle und ein wenig schematische Versuchsanordnung“, die verschiedene Interpretationen zulässt. Doch wie auch immer man diesen Roman liest, eines steht fest: Niemand in der Gegenwartsliteratur befasst sich auf so radikale Weise mit Fragen der Performance wie Katie Kitamura. Auch mich hat „die Probe“ begeistert, da es sich um eine Art Krimi des Zwischenmenschlichen handelt: Was spielt sich wirklich unter der Oberfläche von Beziehungen ab? Denken wir uns die Realität nur zurecht? Was ist wahr und was unsere Interpretation? Kennen wir einander wirklich so gut, wie wir denken? Die Protagonistin kommt ins Grübeln: … Und dabei ist es doch ihre Spezialität, das Innenleben anderer zu ergründen. Glaubt sie jedenfalls. „Ich hatte von Kindesbeinen an dazu geneigt, mein Gesicht gegen die Scheibe zu drücken, um die Geheimnisse anderer Menschen zu ergründen, zugleich aber auch den Impuls, mich selbst zu schützen. Falls nötig, konnte ich rasch und vehement Grenzen ziehen, dichtmachen und mich zurückziehen.“ Welche der luziden Behauptungen und unmissverständlichen Beobachtungen der Erzählerin stimmen denn nun? Wo verschiebt sich das Eindeutige ins Uneindeutige? Wie werden sich die Rätsel und Widersprüche auflösen?
Das Spiel mit verschiedenen Wirklichkeiten und Wahrnehmungen, die Hingabe der Protagonistin an die Fiktion ihrer eigenen Mutterschaft und die kunstvollen Ebenen machen die Lektüre zu einem unvergesslichen Lese-Erlebnis, das uns in Erinnerung ruft, dass das Leben die „Unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ beinhaltet, also eine „Probe“ ist, die doch keine Wiederholung zulässt: „Weil wir das Leben nicht vorab proben können, gibt es die Möglichkeit der Wiederholung nicht“ (Milan Kundera).
Anna625
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Die Probe
von Katie Kitamura
Das war leider so gar nicht meins. Ich konnte mich weder mit den Figuren anfreunden, noch so wirklich in die Handlung hineinfinden. Mir blie alles zu abstrakt, zu vage, sodass ich mich am Ende gefragt habe, was ich jetzt eigentlich gelesen habe und warum.
Während ich einen von Kitamuras vorherigen Romanen (Intimitäten) wirklich gerne mochte und es dort sehr geschätzt habe, wie mit den Feinheiten zwischenmenschlicher Beziehungen gespielt wird, empfand ich das hier als sehr anstrengend und langatmig, und das, obwohl der Roman ja recht kurz ist. Gefühlt ist die Handlung kaum von der Stelle gekommen; sprachlich ist der Roman zwar schön, aber die Handlung hat mir in dieser Form irgendwie nicht gereicht. Und als ich gerade dachte, ich könnte vielleicht dorch noch hineinfinden, kam der zweite Teil und hat mich wieder rausgeworfen.
Wirklich schade, aber das konnte mich so gar nicht abholen!
minúscula
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Die Probe
von Katie Kitamura
Der Roman beginnt mit dem vermeintlichen Auftritt eines Hochstaplers: Die Erzählerin, eine berühmte Schauspielerin, trifft sich mit Xavier, einem anscheinend aufdringlichen Fan in einem Restaurant. Unerwartet kommt auch noch ihr Mann herein, nur um schnell zu verschwinden, als er sie sieht. Ihr fällt auf, dass ihr Mann Xavier sehr ähnelt, und dass dieser ihre Gesten offenbar gekonnt imitiert... ein fesselder Einstieg in einen kurzen psychologischen Roman - der sich dann ganz anders entwickelt als erwartet.
Die namenlose Schauspierin hat Schwierigkeiten mit ihrem gerade geprobten Stück, was sich dann aber als Erfolg herausstellt - Parallelen zu ihrem Leben werden deutlich und es verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Fiktion. Ohne zu spoilern ist es schwer zu kritisieren.
Fazit: Hochgradig konstruiert, teils ermüdend, literarisch bestimmt wertvoll - mich hat das Buch gerade nicht abgeholt.
Kwinsu
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Die Probe
von Katie Kitamura
Akt 1: Eine Begegnung mit dem jungen Xavier bringt das Leben der erzählenden Schauspielerin durcheinander. Er eröffnet der Protagonistin, er glaube sie wäre seine Mutter. Dabei kann das gar nicht sein, nie hat sie ein Kind geboren. Trotzdem lässt sie die Begegnung nicht los.
Akt 2: Xavier ist bei der namenlosen Schauspielerin und ihrem Mann Tomas eingezogen. Während sie über ihr bisher verbrachtes, gemeinsames Familienleben sinniert, das Großziehen von Xavier, ihre Gefühle zu ihm, ihre nicht greifbare Beziehung, scheint dieser gekommen sein, um zu bleiben - und das nicht alleine.
Katie Kitamura nimmt die beobachtenden Leser*innen in "Die Probe" mit in ein gekonntes Verwirrspiel, das - je weiter man in die Geschichte vordringt - immer undurchsichtig wird. Was ist wahr und was ist falsch, gibt es sowas wie die Wahrheit überhaupt und worin kann man Theater und Realität unterscheiden? Was ist passiert, in der Lücke, die zwischen dem ersten und dem zweiten Teil klafft? Und ist die Protagonistin überhaupt zurechnungsfähig oder befindet sie sich in einer sich stetig steigernden Wahnvorstellung? Diese Fragen und viele mehr begegnen einem unwillkürlich beim Lesen dieses Dramas in zwei Akten. Es gibt unzählige Weisen, wie man welches Ereignis / wie man die Gedanken der Protagonistin und ihrer Familie, seien es jene im Theater oder jene der vermeintlichen Realität, interpretieren kann, es bieten sich viele Spielräume, die unklar und glasklar zugleich sind. Fest steht: diesen Roman sollte man am Besten in einem Lesekreis lesen, denn alleine macht das Rätselraten, das Zurechtbiegen der eigenen Wahrnehmung, die Anstrengungen der Hirnwindungen nur halb soviel Spaß.
Man sollte gefasst sein auf eine dichte Sprache, die jedes Wort ernst nimmt und gleichzeitig ad absurdum führt, nur eines ist gewiss: die Erzählerin ist absolut unzuverlässig. Zwar hat das Büchlein nur wenige Seiten, es sind nur 176 abzüglich der üblichen Leerseiten, aber es verlangt die volle Aufmerksamkeit, damit einem die Geschichten nicht davon rennen. Zu der ganzen Unklarheit kommt dann auch noch die Gewissheit, dass die Protagonistin eine hervorragende Schauspielerin ist, nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern auch im beruflichen. Ist man mit dem Lesen fertig, beginnt erst die richtige Arbeit, denn verstehen tut man nur das, was man selbst hineininterpretieren will. Und das ist pure Absicht der Autorin. Für dieses Spiel muss man offen sein, muss sich darauf einlassen und auch bereit sein, die eigene Meinung zu revidieren.
Viele kluge Fragen ergeben sich, über das Zusammenleben, über Beziehungen und Wünsche, über Karriere, über Mann und Frau - und natürlich übers Theater. Letzteres ist bekanntlicherweise eine spezielle Welt und war für mich auch der Grund, weshalb ich bei den teilweise längeren Schilderungen darüber manchmal etwas entnervt war. Überhaupt war das Milieu, in dem sich die Protagonistin bewegt, für mich sowohl unzugänglich, wie auch unverständlich. Annahmen über Menschen wirkten teilweise befremdlich, weshalb ich auch keine wirkliche Anteilnahme an dem verwirrenden Leben der Schauspielerin nehmen konnte.
Mein Fazit: "Die Probe" ist ein gekonnt inszeniertes Verwirrspiel, das wohl bewusst so geschrieben wurde, dass es nicht aufgelöst werden kann. Es taucht tief ein in die wirre Psyche der Protagonistin sowie die Welt des Theaters und glänzt durch eine präzise eingesetzte Sprache. Es ist eine Empfehlung für alle, die offen sind einem unlösbaren Rätsel gegenüberzutreten und sich nicht scheuen, in die Welt des Theaters einzutauchen.
evaki
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Die Probe
von Katie Kitamura
Die Probe von Katie Kitamura, hervorragend übersetzt von Henning Ahrens, hat vieles was einen packt, zum Nachdenken anregt, aber auch beängstigt. Zuerst einmal werden wir von unserer Protagonistin selbst eingeführt und begleiten Sie praktisch durch alle ihre Höhen und Tiefen des beschriebenen Lebensabschnittes. Mit ihrem Mann Tomas bewohnt Sie ein schickes New Yorker Apartment und arbeitet als Schauspielerin, während er seine Texte im häuslichen Arbeitszimmer schreibt. Das Paar lebt in zufriedener Zweisamkeit, bis auf die Unsicherheiten, die ein Leben als Schauspielerin mit sich bringt. Das Ganze wird aufgemischt, als ihr ein junger Mann, Xavier, Avancen macht, sich mit ihr trifft und dann auch noch in Ihrem Theater einen Assistenzjob antritt. Ab hier fließen zunehmend psychologische Spielchen mit ein, die das Leben des hippen Ehepaares in einige Turbulenzen bringt.
Piet1990
empfiehlt:





Die Probe
von Katie Kitamura
„Die Probe“ ist kein Buch, das man einfach wegliest – und genau das hat mir gefallen. Die Geschichte beginnt mit einer erfolgreichen Schauspielerin, deren Alltag plötzlich ins Wanken gerät, als ein junger Mann auftaucht und behauptet, ihr Sohn zu sein. Was wie ein absurder Moment wirkt, zieht sich durch den gesamten Roman und hinterfragt Identität, Realität und Nähe auf irritierend kluge Weise.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist der Stil: klar, reduziert, fast kühl – und dennoch poetisch. Die Sprache ist zurückhaltend, lässt viel Raum für Interpretation und erzeugt eine leise, fast schwebende Spannung. Auch die ungewöhnliche Form ohne klassische Dialogzeichen war zunächst ungewohnt, passte aber sehr gut zum entrückten Erzählton. Ich hatte das Gefühl, in einem Theaterstück zu sitzen, in dem jede Pause zählt.
Die Figuren bleiben teilweise bewusst distanziert – was mich anfangs gestört hat, aber im Verlauf Sinn ergibt. Die Ungewissheit, was real ist und was nicht, spiegelt sich nicht nur in der Handlung, sondern auch im gesamten Aufbau. Gerade der zweite Teil hat mich noch länger beschäftigt – weil er vieles offenlässt, aber emotional dennoch wirkt.
„Die Probe“ ist sicher kein Buch für alle. Wer eine lineare Handlung oder starke Identifikationsfiguren sucht, wird hier nicht glücklich. Aber wenn man sich auf die Ambivalenz und das Spiel mit Realität und Rolle einlässt, wird man belohnt – mit einem vielschichtigen, psychologisch dichten Roman, der lange nachhallt.
Fazit:
Ein verstörend ruhiges, aber klug komponiertes Buch über Identität, Wahrheit und Selbstbild. Sprachlich stark, erzählerisch ungewöhnlich – und gerade deshalb absolut lesenswert für alle, die Literatur als Spiegel statt als Ablenkung verstehen.
Eternal-Hope
empfiehlt:





Die Probe
von Katie Kitamura
Das Buch "Die Probe" von Katie Kitamura ist auf der Longlist des renommierten Booker Prize gelandet. Oft ist das ein Anzeichen für eine lohnende, aber herausfordernde Lektüre, die man nicht so schnell wegliest, sondern die tiefer gehende Beschäftigung von den Leserinnen und Lesern erfordert. So ist es auch hier. Es ist ein kurzes, aber sehr gehaltvolles Buch.
Das Buch besteht aus zwei Teilen, die ähnlich und dann doch wieder ganz unterschiedlich sind. Beide erleben wir ausschließlich aus der Perspektive einer 49-jährigen Schauspielerin. Wir sind als Lesende mit ihr in ihrem Kopf und erleben die Welt so, wie sie sie erlebt. Das ist eine Welt, in der es sehr wichtig ist, wer man ist und wen man darstellt, wie man sich gibt und wie und mit wem man gesehen wird. Ständig ist die Frau damit beschäftigt, zu analysieren, wie andere vermeintlich auf sie reagieren und was sie daraus schließt. Dabei stellt sie ihre eigenen Deutungen kaum in Frage, sondern baut sich daraus ihr sehr eigenes Weltbild zusammen.
Wenn man selbst, so wie ich, charakterlich ganz anders gestrickt ist, kann es faszinierend, aber auch mühsam sein, ein ganzes Buch aus so einer Perspektive zu lesen. Eine Sympathieträgerin war die erwähnte Frau für mich nicht unbedingt, muss sie aber wohl nicht sein. Ich kenne Menschen, die ähnlich ticken wie sie, insofern ist sie durchaus authentisch dargestellt.
Inhaltlich dreht sich das Buch unter anderem um Familienthemen: um einen jungen Mann, der meint, der Sohn der Ich-Erzählerin zu sein und der damit Recht hat oder auch nicht... darum, was dieses Thema mit ihr und anderen Menschen macht und vieles mehr (ohne zu viel verraten zu wollen). das Buch spielt mit den verschiedenen Perspektiven im Kopf der Ich-Erzählerin (und vielleicht auch in ihrem Leben, das weiß man nicht so genau), mit einem Was-wäre-wenn, mit echten oder falschen Erinnerungen und mit so einigem mehr... und lässt dabei bis zum Ende vieles offen.
Auch nach einer umfangreichen Diskussion mit anderen sowie der Analyse einiger Interviews mit der Autorin selbst bleibt vieles in diesem Buch für mich rätselhaft. So ist es vermutlich auch gedacht, das öffnet wiederum für die Lesenden einen breiten Interpretations- und Spiegelungsraum. Wer das mag, kann mit diesem Buch sicher einiges anfangen. Jedenfalls gibt es Stoff zum länger darüber diskutieren und nachsinnen. Wer hingegen Bücher mit zumindest einigermaßen verlässlichen Erzählstimmen und klaren Auflösungen bevorzugt, wird mit dieser Lektüre wohl nicht sehr glücklich werden, oder jedenfalls herausgefordert, die eigene Lesekomfortzone zu erweitern.
Kokoloreslot
empfiehlt:





Die Probe
von Katie Kitamura
Der Anfang in Kombination mit dem Klappentext macht absolut neugierig, denn s geht um eine erfolgreiche Schauspielerin, deren Name nicht genannt wird, die auf einen jungen Mann trifft. Sie sind für ein gemeinsames Mittagessen im Restaurant und er behauptet, ihr Sohn zu sein, obwohl das unmöglich ist. Als ihr Mann im Restaurant auftaucht, nimmt das Drama seinen Lauf. Daraus entwickelt sich langsam ein psychologisches Vexierspiel. Das Auseinandersetzen mit lebensverändernden Fragen der Gegenwart und Vergangenheit. Der prägnante Schreibstil ist intensiv, sogar beklemmend, aber treffsicher und ebenso fordernd wie die Story selbst. Manch (für mein Empfinden) überflüssige Ausschweifung hätte es nicht gebraucht und machte den Roman an manchen Stellen langatmig, aber insgesamt fand ich ihn psychologisch interessant - vor allem im zweiten Teil es Buches, der alles auf den Kopf stellt.
Mir hat besonders gefallen, dass es ein Roman ist, der es einem nicht so einfach macht. Vieles bleibt ungeschrieben und der eigenen Interpretation überlassen. Literatur darf auch verwirren oder mit dem Schein spielen. Ganz besonders darf sie Fragen nach der Wahrheit aufwerfen. Diese „Probe“ ist Katie Kitamura elegant gelungen. Keine leichter Lesestoff, aber lohnenswert.
mannuber
empfiehlt:





Die Probe
von Katie Kitamura
Katie Kitamuras neuer Roman ist ein rätselhaftes Experiment, das einen immer wieder dazu bringt, alles zu hinterfragen, was man über die Ich-Erzählerin und ihr rätselhaftes Verhältnis zu Xavier, dem jungen Mann, zu verstehen geglaubt hat. Ist er ihr Sohn? Ist sie seine Mutter? So sehr man sich bemüht, die Antwort ist nicht zu greifen. Die Rollen wechseln, die Figurenkonstellationen verrutschen. Familie als geteiltes Trugbild. "Die Probe" vibriert förmlich vor Ambivalenz. Abstrakter als ihre Vorgängerromane, widmet sich Kitamura erneut den Untiefen der menschlichen Psyche, seziert zwischenmenschliche Beziehungen, untersucht die Rollen, die wir jeden Tag spielen, die Alltagsrituale, die Unmöglichkeit, andere Menschen, vielleicht sogar sich selbst wirklich jemals zu kennen. Mit albtraumhafter Logik entfaltet sich die Handlung, bis die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Aufführung verwischen. Man will weiterlesen, um zu erfahren, was passiert, auch wenn man bereits ahnt, dass es hier keine leichte Auflösung geben wird. Aber das ist egal: Denn wie Kitamura Fragen aufwirft und dem Leser Rätsel aufgibt, ist interessanter als die meisten Antworten, die man in anderen Romanen findet.
