Kundenrezensionen von 19cici95





Nimm den Zwängen die Macht
von Ulrich Voderholzer; Rebecca Schennach; Stefan Koch
Normalerweise mag ich die Bücher der Stiftung Warentest, doch dieses hier hat mir eher weniger gefallen.
Das Thema an sich interessiert mich sehr und einen Einblick in die Hintergründe von Personen mit Zwängen zu erhalten war durchaus aufschlussreich. Es wurde viele Zwänge angesprochen, von denen man noch nicht inbedingt etwas gehört hat. Auch der Leidensdruck, der für die Betroffenen damit einhergeht, wurde gut dargestellt. Doch schlussendlich kam das Buch nicht über eine mittelmäßige Handlungsanweisung heraus, die man so ähnlich auch einfach im Internet recherchieren könnte.
Der größte Tipp des Buches, natürlich neben: Suchen Sie bitte eine Ärztin oder Arzt auf, war die Expositionstherapie, die man gerne auch schon ohne ärztliche Begelictung ausprobieren soll. In sehr vielen Wiederholungen werden detaillierte Anweisungen gegeben, wie man sich damit selbst therapieren kann. Das mag einigen Leuten mit Sicherheit helfen, doch glaube ich, dass es auch Betroffene gibt, die damit ggfs. tiefer in ihre Zwänge fallen. Immerhin wurde auch auf den Fall aufmerksam gemacht, dass sich der befürchtete schlechte Ausgang durchaus einmal einstellen kann und wie man dann damit umgeht.
Zudem fiel auf, dass sich der Schreibstil im Verlauf des Buches merklich ändert und das nicht unbedingt zum Besseren. Gerade in mittleren Teil liest es sich fast umgangssprachlich., was im restlichen Buch nicht der Fall war. Gerade bei mehreren Autor:innen wäre es mir wichtig einen einheitlichen Schreibstil zu haben.
Was mir zudem sehr negativ aufgefallen ist, war das Beispiel einer Person mit Waschzwang, die Angst vor der Ansteckung mit HIV hat und dadurch im Supermarkt Berührungen mit Einkaufswägen etc. vermeidet. Hier wäre unbedingt ein Hinweis darauf nötig gewesen, dass sich HIV nicht über die bloße Berührung über Oberflächen verbreitet. Dieser fehlt leider völlig.
Gut gefallen haben mir dagegen die vielen Kontaktmöglichkeiten zu Hilfestellen, die sowohl im Verlauf des Buch, als auch am Ende nochmal angegeben waren. Auch das Kapitel für Angehörige der Betroffenen fand ich exemplarisch gut erklärt. Der erste Impuls als angehörige Person, die Zwänge niederschwellig zu vermeiden, stellt sich dabei als überhaupt nicht hilfreich dar.
Hilfreich sind bestimmt auch die vielen Grafiken, in denen Körperfunktionen verständlich erklärt werden und Seiten zum Selbstausfüllen.
Schlussendlich wäre mein Tipp die 20,00 € lieber in Therapie zu investieren und ansonsten einmal die Online-Suchmaschine zu benutzen.





Wenn Liebe tötet
von Nalini Singh
Die eher unbekannte fidschianische Autorin Nalini Singh schreibt in einem eher selten gesehenen Setting (Fidschi und Neuseeland) über bekannte Themen.
Die Flitterwochen des frisch verheiratete Paar Diya und Tavish nehmen ein jähes Ende, als Diya und ihre Familie in einen schrecklichen Hausbrand geraten. Diyas Eltern sterben, der Verbleib ihres Bruders ist unbekannt. Nur Diya und ihre Schwägerin überleben und Tavish gerät ins Visier der Ermittlungen.
In zwei Zeitsträngen, die sich allmählich einander annähern wird erzählt, wie Tavish selbst die Ermittlungen aufnimmt und gleichzeitig dessen Vergangenheit aufgearbeitet. Denn Tavish hat bisher nicht nur eine, sondern gleich drei Frauen auf dem Gewissen. Ist Diya die vierte?
Das grundlegende Thema des Buches wird leider erst im letzten Drittel so richtig klar. Die Übergriffigkeit, die eine Familie darstellen kann, Ehr- und Schuldgefühl eben jener Familie gegenüber, sowie die Frage, ob man zu seinen Fehlern steht oder eben stattdessen eine ganze Familie auslöscht.
Dabei bleibt Charakterisierung aller Charaktere aber leider eher flach. Man kommt mit den vergangenen Beziehungen von Tavish durcheinander, weil man die einzelnen Personen so schlecht unterscheiden kann. Vielleicht hätten zwei statt drei Ex-Freundinnen auf diese Länge des Buches ausgereicht. Diyas Familie lernt man nur durch Rückblenden kennen und auch dann nur oberflächlich. Man erfährt zwar viel über die Kultur der Familie und warum sie den Mann ihrer Tochter erst nur als deren Verlobten der Öffentlichkeit vorstellen oder die Tochter selbst als erwachsene Frau noch ihren Eltern Rechenschaft über ihren Verbleib ablegen muss, doch ganz nachvollziehen kann man deren Beziehungsstruktur eher nicht.
Das Setting dagegen hat Spaß gemacht, auch wenn ich einige Handlungen von Tavish nicht so ganz nachvollziehen konnte. Mit einem von Papa finanzierten Anwalt und einer reichen aber emotional abwesenden Mutter kann man dann auch viele Probleme einfach mit Geld lösen.
Wer einen durchaus unterhaltsamen Thriller in einem außergewöhnlichen Setting sucht, der dazu noch wichtige Themen anschneidet, ist mit Wenn Liebe tötet gut beraten.





Bachelorette Party
von Camilla Sten
Eine einsame Insel in den rauen Gewässern der Nordsee. Eine Gruppe Freundinnen, von denen jede etwas zu verbergen hat. Eine Podcasterin, die denkt, schlauer als alle Ermittler zu sein.
Die Prämisse ist so generisch wie griffig. Podcasterin mit schwieriger Vergangenheit bekommt endlich die Chance einen Cold Case aufzuklären, um ihre Reputation wiederherzustellen. Das Hotel auf der einsamen Insel ist natürlich voller Luxus und Schnickschnack (nicht falsch verstehen, ich liebe Hotel-Settings – allein das hat das Buch für mich gerettet) und der einzige Mann auf der Insel wird wohl der Mörder sein.
Wem das unwahrscheinlich vorkommt, der hat vermutlich schon mehr als einen Thriller gelesen und wird von der Auflösung wenig überrascht sein. Aufmerksamen Lesenden fallen die Hinweise schon direkt zu Beginn ins Auge.
Die Figuren haben mich zwischendrin alle genervt. Sowohl in der vergangenen als auch der aktuellen Zeitlinie werden wir mit Figuren und Namen überhäuft, die teilweise nur sehr schwer auseinanderzuhalten sind. Die Protagonistin versinkt im Selbstmitleid und geht nicht nur den anderen Urlauberinnen auf den Keks, sondern auch mir. Die große Überraschung, was sie in ihrer Vergangenheit alles Schlimmes gemacht hat, war mir am Ende einfach nur noch egal.
Der Schreibstil ist leicht verständlich und gut zu lesen. Die Geschichte an sich war unterhaltsam, doch wenn man sie nicht liest, hat man auch nichts verpasst. Unglücklich fand ich auch, dass einst aufgemachte Plotstränge einfach nicht mehr weitergeführt werden, z.B. Carolines Halskette, die zwei mal erwähnt wird, am Ende aber keinerlei Bedeutung hat. Ein zu sehr gewolltes erotisches Knistern wird ein Mal erwähnt und dann einfach wieder ignoriert, als hätte man es bei der Überarbeitung vergessen.
Das Buch ist nett für zwischendurch, mehr aber auch nicht.





Freunde fürs Leben
von Fredrik Backman
Du weißt, dass ein Buch gut ist, wenn du schon bei unter 100 Seiten mindestens einmal geheult hast.
Fredrik Backman schafft es mit jedem Buch aufs neue, meine Gefühlswelt völlig zu zerstören. Bereits der erste Absatz ist so treffend, dass mir da schon klar war: das wird ein Fünf-Sterne-Buch.
Die junge künstlerisch begabte Louisa ist seit ihrer schwierigen Kindheit geradezu besessen von einem Bild vom Meer. Durch den größten Zufall, den ein Teenager erleben kann, kreuzt sich ihr Weg mit dem des Künstlers und Louisa macht sich auf eine Reise, die Geschichte des Bildes zu erfahren, die sie und alle mit denen sie in Kontakt kommt, vollständig verändern wird.
Dabei wird sie begleitet von einem netten mittelalten Herrn, der auf Louisa erstmal so gar keine Lust hat, doch nach und nach, entspinnt sich zwischen ihnen eine Freundschaft, die mehr ist, als es ein menschliches Herz ertragen kann. Wer auch das Erstaunliches Leben des A.J. Fikry von Gabreielle Zevin und Mr. Parnassus Heim für magisch Begabte von T.J. Klune mochte, wird auch dieses Buch lieben. Dass daneben noch Donna Tartts Distelfink erwähnt wird, macht es nur noch besser.
Der Schreibstil von Backman ist so grandios wie immer. Mit einzelnen Sätzen reißt er dir das Herz heraus, noch bevor du bemerkst, dass jetzt gerade wieder ein ernster Ton angeschlagen wird. Denn trotz aller Kindheitstraumata ist es ein sehr lustiges Buch. An mehreren Stellen kann man nicht anders als zu lachen. Doch Freud und Leid liegen auch hier nah beieinander.
Es sind so viele Emotionen zwischen diesen zwei Buchdeckeln, dass es sich wie ein Stück eigener Geschichte anfühlt. Ich habe so viele Post-its in diesem Buch verwendet, an Stellen, die mich so tief getroffen haben und zu denen ich gerne wieder zurückkehren werde.
Wer von Anfang an ein Fünf-Sterne-Gefühl haben möchte, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt. Es wird es zerbrechen und wieder zusammenfügen.





Ich, die ich Männer nicht kannte
von Jacqueline Harpman
Ich, die ich Männer nicht kannte ist eine Dystopie aus dem Jahr 1995, die nach nunmehr 30 Jahren noch genauso aktuell ist, wie damals.
40 Frauen werden von Männern in einem Bunker gefangen gehalten. Keiner weiß wo, keiner weiß warum. Wer hofft, am Ende eine Antwort darauf zu bekommen, wird leider enttäuscht werden. Doch auch wenn die Frauen untereinander rätseln, so ist es doch für die Geschichte völlig irrelevant, ob sie sich noch auf der Erde oder einem Alien-Planeten befinden.
Viel wichtiger sind die Erkenntnisse, die die Frauen durch das jüngste Mitglied ihrer Truppe erhalten. Sie, die niemals Männer kannte, wirft einen völlig unverstellten Blick auf das alte Leben der Frauen. So stellt sie zB die Frage, ob sich Frauen nur für Männer schön gemacht hatten. Eine Frage, die sich heute immer noch gestellt wird.
Durch die junge Frau erhalten die anderen aber auch Stück für Stück ihre Autonomie zurück. Erst durch die Erfindung der Zeit im Bunker, dann durch die Flucht daraus.
Sie, die niemals Männer kannte, ist teils selbst eine Art Alien. Sie hinterfragt alles und wirft damit Fragen über die Liebe und das alte und neue Leben im Allgemeinen auf. Teilweise werden diese beantwortet, teilweise auch nicht. Doch immer weiter hinterfragen sich auch die anderen Frauen. Und vielleicht am Ende auch wir.





REM
von Annika Strauss
Das Buch REM von Annika Strauss wäre in der großen Menge an Neuveröffentlichungen wahrscheinlich untergegangen. Das Buch REM von Annika Strauss mit Sebastian Fitzek verkauft sich wie warme Semmeln und schon prangt ein Spiegel-Bestseller-Sticker auf dem Cover.
Ich bin ein riesiger Fitzek-Fan und das war ehrlicherweise auch der einzige Grund, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Auch wenn seine letzten Bücher mal mehr, mal weniger gut waren und gerade die weniger guten immer abgedrehter wurden, sind diese kein Vergleich mit REM.
Während die erste Hälfte noch spannend und in Fitzek-Manier geschrieben ist (junge Protagonistin aus Berlin mit dringendem Problem, das sie gemeinsam mit einem Freund lösen muss), wird es zunehmend und gerade im letzten Drittel einfach nur noch wirr.
Die Charaktere waren mir bis zum Ende eigentlich alle total egal, warum werden sämtliche Themen (von Organhandel über Missbrauch bis Torture-Porn) angeschnitten und dann im Sande verlaufen lassen, und wieso ist das Ende viel zu plötzlich und Sci-Fi-mäßig erklärt. Dass es paranormal wird, wird relativ schnell klar, doch die Ausführung ist weder psychothrilling noch Horror.
Hier wurde viel versucht und wenig gekonnt. Man könnte zu der Annahme kommen, dass Fitzeks Leserschaft dieses Buch in der Luft zerrissen hätte, hätte er es alleine geschrieben. So kann man der Horror-Queen die wirre Story anlasten.
In den Danksagungen wird ein weiteres Buch der beiden angeteasert. Da bin ich dann wohl raus.





Beth is dead
von Katie Bernet
Die Prämisse des Buchs finde ich klasse. Die Autorin verpackt einen alten Klassiker in ein neues Thriller/ Mystery-Gewand.Die Ausführung fällt dagegen leider etwas ab.
Anfangs ist es relativ schwierig die vier Schwestern auseinanderzuhalten, besonders wenn man das Original nicht kennt, doch nach ein paar Kapitel und je mehr Hintergrund die Charaktere bekommen, desto leichter fällt es.
Die titelgebende Beth wird tot aufgefunden und jede der verbliebenen drei Schwestern hat ein Geheimnis. Der Klappentext suggeriert, dass eine von ihnen etwas mit Beth' Tod zu tun hat.
Durch die drei Protagonistinnen fällt der einzelne Anteil des Buches pro Schwester leider etwas gering aus. Einzelne Szenen und die Enthüllung der Geheimnisse kommen daher etwas abgehackt daher. Durch die zwei Zeitlinien vorher und nachher, in denen dann auch Beth zu Wort kommt, verbleibt dann noch weniger Zeit.
Schade fand ich, dass die Mutter der vier so überhaupt nicht vorkommt. In den paar Szenen, in denen sie da ist, scheint sie seltsam passiv zu sein.
Der Schreibstil war flüssig zu lesen, die Charaktere haben mich jedoch nicht vollständig überzeugt. Die Schwestern trauern meines Erachtens nicht so, dass es für die Lesenden nachvollziehbar rüberkommt, sondern beschuldigen sich lieber gegenseitig und ermitteln auf eigene Faust. Von der Mutter und ihrer Trauer bekommen wir gar nichts mit.
Die Storyline des Vaters, der nach der Veröffentlichung von Little Women einfach abhaut wird am Ende für mich gar nicht zufriedenstellend aufgelöst. Das Ende an sich war dann auch einfach sehr langweilig und vorhersehbar.
Man hätte viel draus machen können, aber eine gute Idee ist halt noch kein gutes Buch.





Pause
von Lena Kupke
Lena Kupke – mir als Stand-up-Comedienne bekannt – hat ein Buch geschrieben. Und das ist mal so gar nicht lustig.
Die 36-jährige Hanna zieht nach einem medizinschen Vorfall erstmal wieder bei ihren Eltern ein. Und muss dort feststellen, dass sich gar nicht so viel verändert hat.
Durchaus amüsant stellt die Autorin die wahren Struggles von Millenials dar: alles wird gebügelt, man selbst fällt ins Teenageralter zurüpck (Kupke beschreibt es als „Verlust des erwachsenen Ichs“), das ständige Verstellen, Ignorieren von Konflikten, man verbirgt vor seinen Eltern nichts zu tun. All das werden wohl die allermeisten erwachsenen Kinder kennen und mit jeder Beschreibung fühlt man sich ein wenig mehr ertappt.
Der Schreibstil von Kupke ist leicht und flüssig zu lesen, doch oft hat sie mich mit ihrer Beschreibung tiefer Gefühle komplett umgehauen.
Es geht viel um die Beziehung zu den eigenen Eltern, die man als Erwachsene erstmals auch als selbstständige Menschen mit eigenen Persönlichkeiten erfährt und wie man mit dieser Veränderung umgeht und vielleicht auch daran wachsen kann.
Die medizinischen Vorfälle, die im Buch nie namentlich benannt werden, aber dennoch klar rüberkommen, belasten Hanna sehr. Sie würde gerne darüber reden, aber ihre Familie traut sich nicht, die Freundinnen leben lieber ihren Hot Girl Summer und auch ihren Freund Paul, der Hanna eigentlich unterstützen sollte, erleben wir nur über Telefonate und Nachrichten. Eine wandelnde Red Flag.
Dagegen ist Alexander ein Mann, der von einer Frau geschrieben wurde. Ein absoluter Traumtyp, der besser ist als wahr zu sein. Das macht es gleichzeitig schön zu lesen, aber leider auch ein bisschen unglaubwürdig.
Die erste Hälfte des Buches hat mir besser gefallen. Hanna ist am absoluten Tiefpunkt ihres Lebens angekommen und muss sich wieder zurück ins Leben kämpfen. Diese Gefühlswelt darzustellen gelingt Kupke wirklich meisterhaft.
Ich kann den Wunsch nach einem guten Ende für die Protagonistin nachvollziehen, doch mir war das Ende schon fast zu kitschig. Fast wie im Bilderbuch.





Die Mitternachtsreise
von Matt Haig
Mit der Mitternachtsreise erscheint endlich die lang ersehnte Fortsetzung der Mitternachtsbibliothek. Die Erwartungen sind hoch, es wird mit schwierigen Themen auf dieser Reise zu rechnen sein. Schafft es Matt Haig nochmal einen qualitativ gleichen Erfolg wie mit der Mitternachtsbibliothek zu verzeichnen?
Die Mitternachtsbibliothek war für Nora Seed das Stadium zwischen Leben und Tod, im Mitternachtszug ist dieser für Wilbur auf jeden Fall schon abgefahren. Er hat nur noch die Möglichkeit einige Szenen seines Lebens nochmal zu besuchen. Oder?
Es gibt einige Regeln für die Reise im Mitternachtszug. Wilbur wird von seiner Mentorin im Tod genauso an die Hand genommen, wie im Leben. Die alte Buchhändlerin Agnes, die ihn bereits als Kind in seiner Liebe zu Büchern unterstützt hat, begleitet ihn auch auf seiner letzten Reise.
Natürlich muss man sich an Regeln halten und doch wird Wilbur, wie durch Engelchen und Teufelchen auf seiner Schulter vor die Wahl gestellt, sich gegen ebenjene Regeln aufzulehnen. Doch eventuell könnte der Preis am Ende dafür zu hoch sein. Gleich zu Beginn des Buches bekommt man eine Ahnung davon, worauf die Geschichte hinausläuft. Und wie bei einem Zugunglück, bewegt man sich unaufhaltsam darauf zu.
Wie sich diese Katastrophe mit all ihren Konsequenzen allerdings abspielt, geht mir am Ende ein bisschen zu schnell. Der Sinneswandel von Wilbur kommt leider nicht ganz so nachvollziehbar rüber, wie ich es mir gewünscht hätte.
Am Ende läuft es auf die Frage hinaus, die man sich im Leben schon stellt: Was hätte ich anders machen können und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich es tun?
Mit viel Liebe nähert sich matt Haig der Antwort auf diese Frage immer mehr an. Wilbur trifft am Ende eine Entscheidung. Doch er ist tot. Wir dagegen sind am Leben und haben noch alle Möglichkeiten. Machen wir das Beste daraus.
In der Mitternachtsreise werden sehr viele Werke anderer Autorinnen und Autoren erwähnt. Und wenn du merkst, dass du einen Großteil dieser Bücher bereits gelesen hast, verstehe ich jetzt, warum mir die Bücher von Matt Haig alle so gut gefallen.
Aufgefallen sind mir leider im Verlauf des Lesens einige Lektoratsfehler. Punkte am Satzende fehlen, kursiv gedruckte Buchstaben mittendrin und Wortwiederholungen, die einfach nicht sein müssten. Und zu alle dem frage ich mich ganz besonders, warum die deutsche Übersetzung des Titels unbedingt Mitternachtsreise sein musste, wenn Mitternachtszug doch einfach viel passender ist.
Dem Cover dagegen muss ich ein großes Lob aussprechen, auch wenn die abgebildete Katze nirgends in der Geschichte zu finden ist Und wer das Buch im Dunklen liest, erlebt vielleicht die ein oder andere Überraschung.
Am Ende kann die Mitternachtsreise leider nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten. Der vorherige Besuch der Mitternachtsbibliothek sei an dieser Stelle auf jeden Fall empfohlen. Einige wunderschöne Szenen haben so viel mehr Wirkung. Fans von Matt Haig werden aber auch hier wieder nicht enttäuscht.





Die Queen von Mayfair
von Alex Hay
Bridgerton meets The Clou – so wird Die Queen von Mayfair beworben und das ist auch absolut zutreffend.
Im tollen viktorianischen Setting folgen wir Quinn dabei, wie sie den größten Coup der letzten Jahre durchführt und sich dabei im Vorbeigehen einen Duke angelt.
Quinn ist dabei als Queen of Fives die Königin einer – nunmehr zugegebenermaßen – zusammenbrechenden Betrügerbande, die in einstigen Zeiten große Spiele nach strengen Regeln spielte, um sich und ihre Mitglieder über Wasser zu halten.
Der Anfang des Buches ist verwirrend. Man steigt direkt vor dem Heist in die Geschichte ein und bekommt erst nach und nach mit, welche Vorbereitungen dafür getroffen wurden. Die Frist mit den fünf Tagen erscheint im Laufe der Geschichte auch immer willkürlicher und führt am Ende natürlich zu einigen Problemen. Der Plan an sich kam mir auch ziemlich an den Haaren herbei gezogen vor. Von der Etablierung einer komplett erfundenen Persönlichkeit bis zu einem Heiratsantrag inkl. Hochzeit in nur fünf Tagen erscheint mir das auch in einem nicht-betrügerischen Setting viel zu ambitioniert. Und hier muss Quinn noch gegen Widrigkeiten bestehen.
Leider bekommen wir auch weder von Quinn noch von den anderen Charakteren viel von ihnen mit. Sie sind das ganze Buch über relativ farblos und besonders Quinns Motivation wird nicht so recht klar. Auch bei der Liebesgeschichte mit dem Duke kommen keinerlei Gefühle der Charaktere rüber.
Aufmerksamen Lesenden wird dagegen schon gleich zu Beginn klar, wer der ominöse Gegenspieler der Queen sein wird. Das hat mich das ganze Buch über verwirrt.
Der Schreibstil ist sehr sprunghaft nicht kohärent, das hat leider meinen Lesespaß etwas getrübt.
In der Nachbemerkung des Autor schreibt er selbst, dass ihm seine Figuren anfangs leblos vorkamen. Leider muss ich dazu sagen, dass das auch in der finalen Fassung nicht vollkommen ausgemerzt wurde.
Weiter schreibt er, dass er diese Geschichte eher nach Gefühl geschrieben hat und das glaube ich ihm sofort. Dafür spricht auf jeden Fall der für mich sprunghafte Schreibstil.
Ich hatte große Erwartungen an das Buch, da es von einem schwulen Autor geschrieben wurde, der über weibliche Macht schreiben möchte. Das gelingt ihm aber leider nur so mittelgut.
Gut gefallen haben mir dagegen der britische Humor, der wirklich sehr gut rübergekommen ist und die ganzen Ort, die auch in Good Omens vorkommen. Ob das nun Zufall oder gewollt ist, lässt sich von mir nicht abschließend beurteilen.
Wer also Lust auf das Setting hat und Heist-Geschichten mag, bekommt hier auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung, die man schnell gelesen und ebenso schnell wieder vergessen hat.









