Kundenrezensionen von 19cici95





Die Villa
von Markus Heitz
Als ich gesehen habe, dass der Meister des deutschsprachigen Fantasys einen Horror-Roman geschrieben hat, war ich total vorfreudig.
Die zentrale Figur ist hier ein Gebäude, in Anlehnung an die vielen Gothic Horror Novels, die ein ähnliches Motiv aufweisen.
Die erste Überraschung war dann die Kürze des Buches. Nur knapp über 300 Seiten und dann noch mit einem Handlungsstrang in Deutschland und einem in England – man hätte stutzig werden können.
Die ersten Kapitel beginnen vielversprechend. Die Ersteherin der Villa wird vorgestellt (hier geht einmal vielen Dank raus für die Erwähnung des Berufs der Rechtspflegerin), dann die Funktionsweise der Villa und schließlich auch Tochter Marina. Der Plot geht flott voran (wie gesagt, kaum über 300 Seiten), manchmal passieren Zeitsprünge, auf die nicht näher eingegangen wird.
Und hier fangen dann auch die Probleme des Buches an. Sowohl die Protagonistin Doreen, als auch Marina sind als Charaktere kaum bis gar nicht zu greifen. Marina pubertiert und macht Musik und Doreen – ja, die wechselt ihre Meinungen mit dem Wind. Erst Villa verkaufen, dann wieder nicht, dann als sie schon halb fertig restauriert ist auf einmal doch wieder. Man weiß nicht woran man bei ihr ist und ich führe das auf eine Plot- und Pacing-Problematik zurück. Z.B. erfährt Doreen, dass ihr Nachbar gestorben ist und mehr als ein Schulterzucken hat sie dafür nicht übrig, sie geht zurück zur Party, die in diesem Moment der eigentliche Handlungsstrang ist. Für die Kürze des Buchs gibt es zu viele Charaktere (Immobilienhai, Schläger, englischer Mann) und zu viel Hintergrundstory. Das wäre alles super spannend gewesen, wenn es Zeit gehabt hätte, sich zu entfalten.
Die eigentlichen Horror-Szenen sind wie gewohnt gut geschrieben und haben während des Lesens wirklich Spaß gemacht. Einzige Kritik auch hierbei: sie waren zu kurz und wenig einflussreich auf die Handlung. Sobald der Horror vorbei war, war auch die ängstliche Stimmung vorbei. Ich habe nicht mit den Protagonisten mitgefiebert, deswegen war mir am Ende auch egal, was mit ihnen passiert.
Das Ende war okay, hätte aber besser als ein 08/15-Ende einer Horror-Geschichte sein können.
Alles in allem bin ich leider ziemlich enttäuscht von diesem Buch. Besonders, wenn man schon mehrere Heitz-Bücher gelesen hat und eigentlich weiß was er kann.





Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.
von Amy Coombe
Die Prinzessin Tandy ist eine People Pleaserin sondergleichen. Deswegen muss sie als Vertreterin der königlichen Familie durch das ganze Reich reisen und Städten ihre Aufwartung machen. Dabei schneidet sie Bänder zu Brückeneröffnungen durch, tanzt mit langweiligen Abgeordneten und segnet Einhörner. Während sie einige Dinge an diesen Reisen ermüden, genießt sie jedoch die Zeit in der Kutsche, denn dann kann sie ihrer eigentlichen Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Lesen.
Ein Buch über Bücher, Buchhandlungen, magische Irrlichter, Flüche, eine Drakonin und einen Piraten. Mit Besagtem gibt es natürlich eine Liebesgeschichte, doch diese ist wirklich nur eine – zugegebenermaßen sehr süße – Fußnote in diesem Buch. Viel wichtiger sind die Beziehungen, die Tandy mit Sasha, der pubertierenden Drakonin, und anderen Bewohnern des Ortes aufbaut und die persönliche Weiterentwicklung, die sie dadurch erfährt, dass sie das erste Mal in ihrem Leben für etwas Eigenes verantwortlich ist.
Mit der Hilfe des halben Ortes (und des Piraten) verwandelt Tandy den Buchladen in ihr eigenes kleines Reich und muss sich am Ende etwas Großes eingestehen, um ihre Fluch zu brechen. Doch will sie die Buchhandlung überhaupt noch verlassen?
Der Schreibstil ist einfach und flüssig zu lesen. Mit Witz und Charme zieht uns Tandy auf ihre Seite. Es gibt weder große Überraschungen, noch Szenen, die zu Herzklopfen führen, doch genau das ist es, was den cosy vibe ausmacht. Die Geschichte mit den sieben Prinzen (m,w,d) ist natürlich obligatorisch für ein Buch, das einen Fluch zum Aufhänger macht. Die Umsetzung hat Spaß gemacht, auch wenn mindestens einer der Prinzen gekürzt hätte werden können.





The Rainshadow Orphans
von Naomi Ishiguro
Das Cover dieses Buches ist einfach nur wunderschön und regt allein dadurch schon zum Lesen an. Mit 640 Seiten ist es auch eher ein längeres Buch, das mit dem Klappentext eine spannende Fantasystory mit drei Hauptcharakteren verspricht.
Der Beginn des Buches hat dabei einen guten Grundstein gelegt. Man lernt Toshiko kennen, die mit ihren zwei Geschwistern in der futuristischen Welt von Rainshadow City lebt. Die anderen zwei Protagonisten sind jedoch nicht die Geschwister, sondern der Kaiserinnensohn Haru und der Flüchtige Theo. Anfangs folgt man diesen dreien auf ihren jeweils eigenen Wegen. Diese Wege und ihre eigenen Geschichten sind unterhaltsam erzählt und lassen auf eine spannende Wendung der Story hoffen, wenn sie sich endlich begegnen.
Doch gerade dann fängt die Geschichte für mich an abzuflachen. Toshiko gibt es quasi immer nur im Dreierpack mit ihren Geschwistern, die zwar eigene Charakteristika haben, aber dennoch nur Nebencharaktere sind, die in der Geschichte irgendwie mitgeschleift werden müssen. Haru, der dagegen als spannender Charakter angefangen hat, verliert seinen diesen völlig, als er seinen Palast verlässt und plötzlich nicht mehr der Sohn der Kaiserin ist. Und Theo, der scheinbar eine spannende Gabe hat, darf diese immer nur nutzen, wenn er für andere etwas tun soll und verzettelt sich in seiner Loyalität. Von der reingeflanschten Lovestory und seiner Hintergrundgeschichte mal ganz abgesehen.
Der Plot an sich ist irgendwie unpassend. Einerseits haben wir ein Kaiserreich, andererseits Roboter wie in iRobot und dazu noch eine Untergrundorganisation a la Six of Crows.
Ich hatte mich hier auf eine spaßige Geschichte gefreut, doch ab der Hälfte war das Tempo so raus, dass mich die Story leider nicht mehr interessiert hat. Dazu waren die Charaktere zu eindimensional und wenig greifbar, als dass mich der Untergang der Rainshadow City noch interessiert hätte. Für weitere Bände bin ich leider raus.





Yesteryear
von Caro Claire Burke
Die Prämisse des Buches ist so simpel wie genial. Die Tradwife-Influencerin Natalie wird aus ihrem voll organisierten Haushalt mit sechs Kindern, zwei Nannys, einer Produzentin und einem Haufen mexikanischer Ranch-Arbeiter in die Vergangenheit transportiert und muss fortan tatsächlich ihr Sauerteigbrot selbst backen und nicht nur ein Video darüber drehen.
Immer abwechselnd durch Kapitel in der Influencer-Zeit und der Vergangenheits-Zeit lernen wir die Protagonistin zusehends besser kennen. Hier sei bereits ein kleiner Hinweis angebracht: Wer eine Protagonistin unbedingt mögen muss, um ein Buch gut zu finden, ist mit Yesteryear schlecht beraten. Ist Natalie am Anfang komisch und unsympathisch, wird sie am Ende zum absoluten Monster.
Außer einzelner Kinder sind alle (ja, wirklich alle!) Charaktere auf ihre eigene Art unsympathisch. Da haben wir den nichtsnutzigen Ehemann Caleb, den trumpschen Schwiegervater, die drogenabhängige Schwiegermutter, Fremdgeher, wütende Weiber und Anwälte.
Das Buch rechnet mit den aktuellsten Themen auf eine Weise ab, die uns unglaublich abgedreht erscheint, beim Blick über den Tellerrand (und ggfs. den Kontinent) hinaus, aber in Begriff sind, Realität zu werden. So werden im Homeschooling so unwichtige Themen wie Meere und Ozeane nicht angesprochen, Religion und deren Hass auf queere Personen verherrlicht und die perfekte Doppelmoral in der Politik gepusht.
Wir folgen Natalie von ihrer Zeit im College, über die frühe Heirat mit Caleb, bis hin zum Höhepunkt ihrer Karriere. Und dann steil in ihren eigenen Abgrund hinein.
Dieses Buch tut weh auf eine Weise, wie es nur ein absolutes Fünf-Sterne-Buch kann. Ungeschont werden die Lesenden mit Wahrheiten konfrontiert, sei es über die Influencer-Szene, über Frauen, Männer und Politik. Dieses Buch ist aktueller, wie kaum ein zweites und hat jeden Hype verdient, den es bekommt. Selbst wenn einem das Ende nicht gefällt (ich fand es großartig), kommt man nicht umhin, Caro Claire Burke eine Riesenportion Anerkennung und Respekt zu zollen. Was sie hier geschaffen hat, wird uns wahrscheinlich noch lange begleiten.
Für ein Debüt ist dieses Buch der absolute Wahnsinn. Sobald Caro Claire Burke etwas Neues ankündigt, wird auch dieses Buch sofort gelesen werden müssen. Wir sind hier eventuell auf Gold gestoßen.





Düster
von Ivar Leon Menger
Ivar Leon Menger ist seit seinem ersten Buch ein absoluter auto-buy Autor für mich geworden. Mir hat jedes Buch von ihm grandios gut gefallen. Der erste Teil von Düster ist dabei mein Lieblingsbuch bisher. Deshalb war ich umso glücklicher, als ein zweiter Teil um Kommissar Stahl und seine Geli angekündigt wurde. Noch dazu in einem Hotel-Setting auf einer Insel. Das ist für mich ein Garant für großartige Unterhaltung. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Wie schon in Finster ist die Struktur des Buches sehr ungewöhnlich aufgebaut. Man folgt nicht nur dem Protagonisten und Ermittler Stahl, sondern auch so ziemlich allen anderen Bewohnern und Gästen der Insel. Dabei kann es sein, dass einzelne Perspektiven auch rein gar nichts mit dem Fall zu tun haben und nur eine falsche Fährte legen wollen. Durch diese Erzählstruktur sind die Kapitel kurz und man kann gar nicht aufhören weiterzulesen, weil immer etwas Neues passiert. Und das ganz ohne billige Cliffhanger am Ende eines Kapitels (iykyk). Ich habe bislang für keinen Menger länger als einen Tag zum Lesen gebraucht.
In kleinen Ausschnitten aus den jeweiligen Leben der Charaktere, sowie zwei unterschiedliche Zeitlinien, folgen wir einem Vermisstenfall auf der Insel. Der Aufbau dafür erschien mir leider etwas konstruiert, aber tut dem Fall an sich keinen Abbruch.
Menger schafft es meisterhaft falsche Fährten zu legen. Wenn man tief drin ist, im Krimi- und Thriller-Genre, kann man schon davon ausgehen, dass man gerade aufs Glatteis geführt wird, doch die Auflösung ist jedes Mal wieder eine Überraschung. Manchmal größer, manchmal kleiner, doch immer gut für eine Wendung, die nicht zu weit her geholt und immer noch nachvollziehbar ist.
Im Großen und Ganzen hat Düster auch wieder super viel Spaß gemacht, kann aber mit Plot und Twist nicht ganz an seinen Vorgänger heranreichen. Zugegebenermaßen hat dieser die Latte aber auch ganz schön hoch, wenn nicht unerreichbar gesetzt.
Mit Kommissar Stahl und seiner Geli haben wir auch zur Abwechslung mal ein älteres Ermittlerpärchen, die einfach nur mal Urlaub machen wollen. Die Beziehung zwischen den beiden ist dabei aber genauso süß geschrieben, als wären sie junge Erwachsene. Das lässt einen doch fürs Alter hoffen.
Und da Stahl jetzt seine Abneigung gegen Urlaub abgelegt hat, freuen wir uns alle schon auf eine Fortsetzung an der Cote d'Azur.





Wenn die Bienen schweigen
von Caryl Lewis
In einer Mischung aus Tribute von Panem ohne Spiele und Der Report der Magd erzählt die Autorin Caryl Lewis vorliegend über das Ende der Welt und wie diese Katastrophe mal wieder auf dem Rücken von Mädchen und Frauen ausgetragen wird.
Das Buch ist insb. gut geeignet für eine jüngere Leserschaft. Die Protagonistin Jess und auch die meisten aus ihrer Gruppe sind 13 bis 16 Jahre alt. Sie sind verantwortlich für die Bestäubung von Pflanzen und damit der Ernährung des ganzen Landes und natürlich auch für die Reproduktion der Menschheit selbst. Sie werden zwangsverheiratet und kommen von einem Leben harter Arbeit in ein vielleicht noch schlimmeres.
Jess und ihre beste Freundin Cass, die ich im Laufe der Geschichte sehr lieb gewonnen habe, stellen sich nicht nur dem Regime entgegen, sondern auch den gemeinen Mädchen aus ihrer Gruppe. Doch müssen sie feststellen, dass jede mit ihren eigenen Dämonen, eigenen Problemen und der eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat.
Vereint sind sie alle nur in den Bildern, die Jess malt. Durch einen glücklichen Zufall fallen ihr Farbe und Pinsel in die Hände und sie entfacht einen Funken Revolution und die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Der Schreibstil von Caryl Lewis ist leicht und einfach verständlich, perfekt für die oben angesprochene Leserschaft. Die Geschichte verläuft sehr geradlinig, war mir am Ende aber ein bisschen zu schnell vorbei. Gerne hätten es noch bis zu 100 Seiten mehr sein dürfen. Vor allem weil so viele wichtige Themen angesprochen werden: Klimawandel, Bücherverbrennungen, Frauenrechte, um nur einige zu nennen.
Und am Ende bleibt man mit der Frage zurück, wie sich unsere eigene Welt entwickelt. Denn diese zeitlose Geschichte kann genauso gut in 15 oder 500 Jahren Wirklichkeit werden – je nachdem, wie die Menschheit sich heute entscheidet.





Die gute Fee mit der schlechten Laune (1). Der Wunschperlen-Auftrag
von Emma Flint
Der Titel ist ein Eye-Catcher. Wer möchte denn nicht wissen, worüber eine Geschichte über eine schlecht gelaunte kleine Fee handelt?
Feen sind allgemein ja eher als gut gelaunte Wesen bekannt und so werden sie auf der Feenschule auch erzogen. Doch Molli kann mit der ganzen guten Laune und dem glöckchenhellen Lachen überhaupt nichts anfangen.
Nachdem Molli etwas Verbotenes aus einem Menschenbuch zaubert, wird sie mit dem titelgebenden Wunschperlen-Auftrag in die Menschenwelt geschickt. Alle anderen Feen dürfen dort richtig zaubern, nur Molli muss froh sein, dass sie überhaupt zu den Menschen reisen darf.
Doch nicht mal diesen einfachen Auftrag bekommt sie hin. Und ihre Laune wird immer schlechter.
Die Autorin Emma Flint schreibt sehr gut einfach und verständlich für junge Kinder. Obwohl das Cover und die Feen-Thematik wahrscheinlich eher Mädchen ansprechen wird, ist die Geschichte an sich auch für Jungs geeignet. Spätestens, wenn Molli in die Menschenwelt kommt und dort Fabio kennenlernt.
Gespickt mit liebenswerten Nebencharakteren und netten Zeichnungen auf jeder Seite, die immer genau zum jeweiligen Text passen, macht dieses Buch Spaß zu lesen. Für mich eher nervig waren die vielen zusammengesetzten Ausrufe der Feen, „Mucksmäuschenachtschattenstill“ zum Beispiel. Doch da diese Begriffe auch in einer anderen Schriftart geschrieben wurden, trägt es zu der wunderlichen kleinen Feen-Atmosphäre auf jeden Fall bei.
Das Ende fand ich ein bisschen schnell, auch dass es für Molli nach der Rückkehr in die Feen-Welt keinerlei Konsequenzen für ihr nicht regelkonformes Handeln gibt. Und so schlecht gelaunt ist Molli alles in allem auch gar nicht. Ich fand sie im Vergleich zu den Nebencharakteren eher langweilig und nervig und hätte lieber mehr von Pepito gesehen. Oder mehr von anderen Feen außer ihre Beschreibungen mit bunten Haaren. Da es ja aber noch mehr Bücher in dieser Reihe gibt, habe ich noch Hoffnung auf mehr Feen-Action.





Das letzte Buch von Marceau Miller
von Marceau Miller
Als Spannungsroman betitelt und mit Thriller-Elementen bestückt, erzählt Marceau Miller auf der Meta-Ebene von seinem eigenen Tod.
Die Geschichte startet sofort mit dem Tod des Autors. Anfangs sind die Kapitel noch mit Zeitangaben überschrieben, das verliert sich jedoch im Laufe des Buches erscheint mir daher etwas redundant.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Marceaus Frau Sarah erzählt, die wir bei der Aufklärung des Falles begleiten. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und macht Spaß. Stellenweise haben wir Gedankeneinschübe von Sarah, die aber sehr umgangssprachlich klingen und ich persönlich etwas störend empfand.
Sarahs Handlungen sind nicht immer nachvollziehbar, was sich zwar bis zu einem gewissen Grad auf die Ausnahmesituation, in der sie sich befindet, zurückführen lässt, sich aber teilweise auch einfach als nicht durchdachte Übersprungshandlung nur für Plot liest.
Im Verlauf der Geschichte erfahren wir, dass sich das heile Familienleben der Familie Miller nicht als ganz so perfekt darstellt, wie ursprünglich gedacht. Wir erfahren von der Freundesgruppe der Millers und besonders von Marceaus Schwester Jade, die jung verstorben ist.
Zeitweise erhalten wir Kapitel aus einer anderen Sicht als Sarahs, sowie Kapitel aus dem titelgebenden letzten Buch.
Je weiter man in der Geschichte vorankommt, desto abgedrehter und vollgepackter wird das Buch. Es wird so viel Plot aufgemacht, gerade bei den Kindern der Millers und den besten Freunden, der dann aber einfach im Sande verläuft.
Die Twists, die das Buch bereithält sind leider relativ offensichtlich. Der Autor ergeht sich hier zu viel in Andeutungen. Dazu gehört auch das Tattoo von Sarah und die Bunkerszene, die auf verschiedene Weisen nichts zum Plot beitragen. Hier gäbe es noch mehrere Dinge zu erwähnen, die aber leider die Geschichte spoilern würden. Es scheint fast so, als hätte der Autor viele Ideen gehabt und einfach alle in dieses Buch gestopft (weil es sein letztes ist?).
Marceau als Charakter suhlt sich in Selbstmitleid, spricht immer wieder vom Bösen, doch das ist für die geneigte Leserschaft leider nicht erkennbar. Es hätte alles (sämtliche Tragödien, die letztendlich zum Tod von Marceau geführt haben) leicht verhindert werden können.
Doch vielleicht ist das genau das, was uns der Autor sagen will. Manchmal scheint der Weg im Leben klar vorgegeben zu sein, und doch entscheidet man sich für den zugewachsenen Trampelpfad.





Nimm den Zwängen die Macht
von Prof. Dr. Ulrich Voderholzer; Prof. Dr. Rebecca Schennach; Dr. Stefan Koch
Normalerweise mag ich die Bücher der Stiftung Warentest, doch dieses hier hat mir eher weniger gefallen.
Das Thema an sich interessiert mich sehr und einen Einblick in die Hintergründe von Personen mit Zwängen zu erhalten war durchaus aufschlussreich. Es wurde viele Zwänge angesprochen, von denen man noch nicht inbedingt etwas gehört hat. Auch der Leidensdruck, der für die Betroffenen damit einhergeht, wurde gut dargestellt. Doch schlussendlich kam das Buch nicht über eine mittelmäßige Handlungsanweisung heraus, die man so ähnlich auch einfach im Internet recherchieren könnte.
Der größte Tipp des Buches, natürlich neben: Suchen Sie bitte eine Ärztin oder Arzt auf, war die Expositionstherapie, die man gerne auch schon ohne ärztliche Begelictung ausprobieren soll. In sehr vielen Wiederholungen werden detaillierte Anweisungen gegeben, wie man sich damit selbst therapieren kann. Das mag einigen Leuten mit Sicherheit helfen, doch glaube ich, dass es auch Betroffene gibt, die damit ggfs. tiefer in ihre Zwänge fallen. Immerhin wurde auch auf den Fall aufmerksam gemacht, dass sich der befürchtete schlechte Ausgang durchaus einmal einstellen kann und wie man dann damit umgeht.
Zudem fiel auf, dass sich der Schreibstil im Verlauf des Buches merklich ändert und das nicht unbedingt zum Besseren. Gerade in mittleren Teil liest es sich fast umgangssprachlich., was im restlichen Buch nicht der Fall war. Gerade bei mehreren Autor:innen wäre es mir wichtig einen einheitlichen Schreibstil zu haben.
Was mir zudem sehr negativ aufgefallen ist, war das Beispiel einer Person mit Waschzwang, die Angst vor der Ansteckung mit HIV hat und dadurch im Supermarkt Berührungen mit Einkaufswägen etc. vermeidet. Hier wäre unbedingt ein Hinweis darauf nötig gewesen, dass sich HIV nicht über die bloße Berührung über Oberflächen verbreitet. Dieser fehlt leider völlig.
Gut gefallen haben mir dagegen die vielen Kontaktmöglichkeiten zu Hilfestellen, die sowohl im Verlauf des Buch, als auch am Ende nochmal angegeben waren. Auch das Kapitel für Angehörige der Betroffenen fand ich exemplarisch gut erklärt. Der erste Impuls als angehörige Person, die Zwänge niederschwellig zu vermeiden, stellt sich dabei als überhaupt nicht hilfreich dar.
Hilfreich sind bestimmt auch die vielen Grafiken, in denen Körperfunktionen verständlich erklärt werden und Seiten zum Selbstausfüllen.
Schlussendlich wäre mein Tipp die 20,00 € lieber in Therapie zu investieren und ansonsten einmal die Online-Suchmaschine zu benutzen.





Wenn Liebe tötet
von Nalini Singh
Die eher unbekannte fidschianische Autorin Nalini Singh schreibt in einem eher selten gesehenen Setting (Fidschi und Neuseeland) über bekannte Themen.
Die Flitterwochen des frisch verheiratete Paar Diya und Tavish nehmen ein jähes Ende, als Diya und ihre Familie in einen schrecklichen Hausbrand geraten. Diyas Eltern sterben, der Verbleib ihres Bruders ist unbekannt. Nur Diya und ihre Schwägerin überleben und Tavish gerät ins Visier der Ermittlungen.
In zwei Zeitsträngen, die sich allmählich einander annähern wird erzählt, wie Tavish selbst die Ermittlungen aufnimmt und gleichzeitig dessen Vergangenheit aufgearbeitet. Denn Tavish hat bisher nicht nur eine, sondern gleich drei Frauen auf dem Gewissen. Ist Diya die vierte?
Das grundlegende Thema des Buches wird leider erst im letzten Drittel so richtig klar. Die Übergriffigkeit, die eine Familie darstellen kann, Ehr- und Schuldgefühl eben jener Familie gegenüber, sowie die Frage, ob man zu seinen Fehlern steht oder eben stattdessen eine ganze Familie auslöscht.
Dabei bleibt Charakterisierung aller Charaktere aber leider eher flach. Man kommt mit den vergangenen Beziehungen von Tavish durcheinander, weil man die einzelnen Personen so schlecht unterscheiden kann. Vielleicht hätten zwei statt drei Ex-Freundinnen auf diese Länge des Buches ausgereicht. Diyas Familie lernt man nur durch Rückblenden kennen und auch dann nur oberflächlich. Man erfährt zwar viel über die Kultur der Familie und warum sie den Mann ihrer Tochter erst nur als deren Verlobten der Öffentlichkeit vorstellen oder die Tochter selbst als erwachsene Frau noch ihren Eltern Rechenschaft über ihren Verbleib ablegen muss, doch ganz nachvollziehen kann man deren Beziehungsstruktur eher nicht.
Das Setting dagegen hat Spaß gemacht, auch wenn ich einige Handlungen von Tavish nicht so ganz nachvollziehen konnte. Mit einem von Papa finanzierten Anwalt und einer reichen aber emotional abwesenden Mutter kann man dann auch viele Probleme einfach mit Geld lösen.
Wer einen durchaus unterhaltsamen Thriller in einem außergewöhnlichen Setting sucht, der dazu noch wichtige Themen anschneidet, ist mit Wenn Liebe tötet gut beraten.









