Kundenrezensionen von Wolle





Der letzte Leuchtturm
von Michael Pedersen
Muggle Flugga heißt der Leuchtturm am äußersten nördlichen Ende Großbritanniens. Bewirtschaftet wird er von einem alten Leuchtturmwärter und seinem jungen erwachsenen Sohn. Der Vogelkundler Firth kommt als Besucher auf die kleine abgelegene Insel und lernt dort nicht nur die großartige Natur, sondern auch die beiden nicht weniger beeindruckenden Bewohner kennen. Durch Rückblicke erhält man im Laufe der Handlung auch Einblicke in Firths Vergangenheit.
Es ist eine raue Welt, die in dem Roman beschrieben wird. Die Umgebung ist einzigartig und wirkt unwirklich. Der Umgang des Vaters ist oft alles andere als freundlich und umgänglich. Doch der Sohn scheint mit diesen widrigen Umständen bestens zurechtzukommen, er erscheint als ein ungeschliffener Diament und Firth ist geradezu fasziniert von ihm und der einzigartigen Natur.
Was mir an diesem Roman besonders gut gefallen hat ist die sprachliche Ausdrucksweise des Autors. In ganz wundervoller Weise beschreibt er Mensch und Natur, man fühlt sich durch die Sprache in eine andere Zeit und eine ganz eigene Welt versetzt. Auch die Charaktere hat der Autor äußerst gekonnt herausgearbeitet. Vor allem der eigenwillige Vater wird auf eindrucksvolle Weise beschrieben. Weitere beindruckende Persönlichkeiten sind natürlich auch Ouse, sein Sohn, Firth und die junge Figga. Alle haben etwas besonderes in ihrem Charakter, was sie einzigartig macht.
Wenn man sich die Bilder im Internet von Muggle Flugga, den es wirklich gibt, ansieht, kann man sich die Beschreibungen im Roman sehr gut vorstellen. Auch auf den Bildern wirkt der Ort einfach nur faszinierend und unwirklich. Der Leuchtturm thront auf einem hohen Felsen mitten im Meer und scheint jeder Widrigkeit zu trotzen. Ich fand diesen Roman sprachlich und inhaltlich wunderbar und kann ihn bestens weiterempfehlen





Das letzte Buch von Marceau Miller
von Marceau Miller
Bei dem Roman „Das letzte Buch von Marceau Miller“ handelt es sich um einen Krimi in eine ganz besonderen und außergewöhnlichen Erzählform. Es dreht sich nämlich um den Tod des Autors. Die Erzählperspektive wechselt zwischen dem toten Marceau Miller, seiner Frau und deren Freundin.
Nach und nach erfahren wir immer mehr Umstände die zum Tod Marceaus geführt haben. Dieser hat viel mit dem Verschwinden seiner geliebten Schwester vor 20 Jahren und dem Unfalltod seines Vaters mit einem Flugzeug über dem Genfer See zu tun. Unerwartete Wendungen gestalten den Krimi äußerst spannend und kurzweilig. Mich konnte der Roman bis zur letzten Seite in Atem halten.
Schauplatz des ganzen Geschehens ist rund um den Genfer See. In den Beschreibungen merkt man die Verbundenheit des Autors mit seiner Heimat und der wunderbaren Natur an diesem Ort. Letzten Endes bleibt für mich nur eine Frage offen: Wer ist denn nur der wirkliche Autor des Romans? Das würde mich wirklich sehr interessieren.
Das Cover mit dem idyllischen Bild des Genfer Sees ist sehr passend und wunderschön. Genauso wie auf dem Bild würde ich mir den See anhand der Beschreibungen des Autors im Buch vorstellen.





Das Mosaik der Frauen
von Rafik Schami
Rafik Schami erzählt in seinem Roman „Das Mosaik der Frauen“ über Nadim Suri, dessen Leben von so einigen beeindruckenden Frauen geprägt ist. Sein Weg und damit seine Bekanntschaften führen ihn von Syrien über Umwege bis nach Deutschland und er blickt auf ein langes Leben zurück.
Ich denke, dass der Roman in großen Teilen von den eigenen Erfahrungen und Erlebnissen des Autors erzählen. Die Lebenswege der beiden gleichen sich in vielen Details und so werden auch die beschriebenen Frauen Personen entsprechen, die Rafik Schami in seinem Leben selbst begegnet ist. Ich finde es eine interessante und nette Geste den eigenen Werdegang im Lichte des Einflusses der vielen Frauen darzustellen, die das Leben des Autors geprägt und beeinflusst haben und ihnen damit ein Denkmal zu setzten.
Aber nicht nur die Frauen spielen in diesem Werk eine große Rolle, sondern auch die Erzählungen landestypischer Gegebenheiten oder politischer Ereignisse rund um seine syrische Heimat; und vor allem speziell die christliche Gemeinschaft in Syrien.
Das Cover mit dem orientalischen Ornament passt gut zur Heimat des Autors und ist mal ganz anders gestaltet als die seiner bisherigen Romane die eher in farbenfrohen und fantasievollen Stil gezeichnet sind.





Fliegt, Wilde Schwäne
von Jung Chang
„Fliegt, wilde Schwäne“ ist bereits der zweite Roman der Autorin Jung Chang. Ihren großen Erfolg „Wilde Schwäne“ schrieb sie bereits vor 40 Jahren.
Ihr aktueller Roman ist ein autobiographisches Werk, indem sie ihre Kindheit in China unter Mao und ihre Auswanderung und weiteres Leben in Großbritannien beschreibt. Den engen Kontakt zu ihrer alten Heimat und ihrer zurückgebliebenen Familie hat sie dabei nie verloren. Und so erfährt man in ihrem Buch nicht nur ihr eigenes Schicksal und das ihrer Verwandten, sondern auch eine breite Ausführung der jüngeren chinesischen Geschichte, von Mao bis zum Aufstieg des heutigen Chinas zu einer globalen Macht.
Das Buch ist in einer äußerst sachlichen und schlichten Sprache gehalten, was ich bemerkenswert angesichts der geschilderten Erlebnisse finde. Teilweise wirkt diese Sprache sehr distanzierend und eher wie aus einem Sachbuch. Trotzdem fühlt man sich von den vielen Schicksalsschlägen, dem entbehrungsreichen Leben der Familie, aber auch der großartigen Leistungen von Jung Chang sehr betroffen.
Die Bilder im Mittelteil des Buches geben einen noch besseren Eindruck in das Leben der Autorin. Die Karte Chinas auf den Klappeninnenseiten vermitteln einen guten Einblick über das Riesenreich. Das Cover ist genauso schlicht gehalten wie der Text im Innenteil. Mit der Farbgebung und den Schwänen passt es aber sehr gut zu dem Buch.
Insgesamt gibt das Buch einen guten Einblick über die jüngere Geschichte Chinas und dessen Einwohner. Es besticht weniger durch sprachliche Brillanz als durch den Inhalt des Geschriebenen und ist aufgrund seiner reichen geschichtlichen Schilderungen empfehlenswert.





Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
von Kristina Ohlsson
„Sternengrab“ ist die Fortsetzung der Hovenäset-Reihe, die mit dem vorherigen Roman „Flmmenrad“ begann. Es handelt sich allerdings um eine eigenständige Geschichte, wozu man den Vorgängerroman nicht unbedingt kennen muss. Während in „Flammenrad“ Heidi im Mittelpunkt des Geschehens stand, ist nun deren Freundin Alva die Hauptperson.
Alvas Vater starb vor drei Jahren unter ungeklärten Umständen, indem er von einem Auto überfahren wurde. Nun hat die Mutter ein Strandhaus gekauft, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Außerdem werden immer wieder eine mysteriöse schwarze Katze, ein kleines Mädchen und deren Mutter gesichtet. Wie das alles zusammenhängt versucht Alva mit ihren Freunden Heidi und Harry zu lösen.
Die Handlung des Romans gestaltet sich von der ersten bis zur letzten Seite durchweg spannend. Nur sehr langsam bekommt man die Lösung des Rätsels allmählich präsentiert. Auch die mysteriösen und übernatürlichen Elemente aus dem ersten Teil wurden hier wieder aufgenommen und verleihen dem Werk einen echten Gruselfaktor. Ich fand diesen zweiten Teil der Reihe sogar noch gelungener als den ersten.
Das Cover finde ich ebenfalls sehr gelungen. Es spiegelt die düstere und bedrohliche Atmosphäre des Romans wieder.





Schleifen
von Hirschl Elias
In dem Roman „Schleifen“ steht die Sprache im Mittelpunkt. Als Rahmenhandlung dient die Geschichte um Franziska Denk, die jede Krankheit bekommt von der sie hört und die diese seltsame Krankheit zu überwinden scheint, indem sie sich intensiv mit Sprache beschäftigt.
Der Autor stellt in seinem Roman immer wieder Theorien über Sprach aber auch über Zahlen auf, die zu Beginn sehr interessant klingen, die ein oder andere Theorie hat man sogar schon einmal gehört. Diese Theorien werden im weiteren Verlauf immer weiter vertieft und schlussendlich ad absurdum geführt. Das Sprichwort „die Katze beißt sich in den Schwanz“ würde sämtlich vorgestellte Theorien bestes auf den Punkt bringen.
Um seine Theorien zu untermauern werden zahlreiche Quellenangaben geliefert, die größtenteils erfunden sind. Zahlreiche kleine skurrile oder paradoxe Geschichten und Nebenhandlungen werden erzählt. Die darin vorkommenden Personen haben größtenteils nie existiert.
Insgesamt kann man den Roman als ein Kunstwerk der Literatur ansehen, vergleichbar mit einem modernen Gemälde, in das man unendlich viel reininterpretieren kann oder auch nichts, indem man vor lauter Farben und Formen nichts mehr ausmachen kann.
Der Roman besteht aus vielen, anfänglich klugen, Theorien, die ich zunächst auch interessiert zur Kenntnis genommen habe. Mit zunehmender Ausdifferenzierung wurde das Lesen jedoch immer schwieriger. Da sich das Schema über fast 400 mehr oder weniger wiederholt, gestaltet sich das Lesen des Romans zunehmend schleppend. Der Autor hat mit seinem Werk jedoch etwas Einzigartiges geschaffen. Das Buch zeugt von großer Kreativität und anspruchsvollen Gedankenspielen, die bis ins Äußerste getrieben werden. Sicher kein Buch für jeden und auch keine Lektüre zum Entspannen.





Kala
von Colin Walsh
Kala, Joe, Helen und Mush sind der Kern einer Clique in der irischen Stadt Kinlough im Sommer 2003. Doch am Ende des Sommers verschwindet Kala spurlos. 15 Jahre später treffen sich die verbliebenen Freunde wieder in Kinlough anlässlich einer Hochzeit. Da wird plötzlich eine Leiche gefunden. Schnell steht fest, dass es sich dabei um die menschlichen Überreste von Kala handelt.
Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht der drei Freunde Helen, Joe und Mush erzählt. Außerdem wechselt die Erzählung ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Bereits am Anfang der Geschichte ist klar, dass Kala umgebracht wurde. Doch die Einzelheiten werden erst im Verlauf der Handlung und ganz allmählich immer klarer.
Die etwa ersten 100 Seiten fand ich etwas schleppend. Doch als die ersten Hintergrundinformationen in den Fokus rücken und allmählich die dunklen Machenschaften, die nach und nach von einem Großteil der ganzen Stadtgemeinschaft Besitz ergreift, zur Sprache kommen wird es richtig spannend. Dies Spannung hält dann auch bis zur letzten Seite des Buches an. Immer tiefer wird man in den Sumpf eines organisierten Verbrechens gezogen, dass viel weiter als über den Tod Kalas hinausgeht.
Aber auch die inneren Gefühlregungen der handelnden Personen stehen im Mittelpunkt. So hat jeder der Freunde seine Geheimnisse und ist mit Schicksalsschlägen behaftet. Einfühlsam wird auf die Sorgen und Träume der vier Jugendlichen eingegangen.
Mich hat das Buch gut unterhalten. Es liest sich wie im Flug und man mag es vor lauter Neugierde wie es weitergeht gar nicht mehr weglegen. Teilweise sind die Handlungen und Beschreibungen sehr grausam-
Das auf den ersten Blick idyllisch erscheinende Cover, bereitet einem bei genauerem Hinsehen bereits ein unbehagliches Gefühl. Denn der Oberkörper der eine Person schein, wie in großer Wut, durchgekritzelt. Ein Gefühl das sich bei Lesen durch den ganzen Roman zieht.





Grüne Welle
von Esther Schüttpelz
Eine Frau fährt nach dem allmonatlichen Kinobesuch mit ihrer Freundin nicht nach Haus, sondern begibt sich immer weiter weg. Es wird eine Reise in das Innenleben der Frau.
„Eine Frau“ oder „die Freundin der Frau“, so beginnt fast jeder 2. Satz in dem Roman. Wer die Personen genau sind erfahren wir nicht. Ein distanzierter Blick entsteht. Aber auch eine Verallgemeinerung, „die Frau“ könnte stellvertretend für so viele unglücklich verheiratete Frauen stehen. Während der Fahrt erfährt der Leser immer mehr über die Vergangenheit und seelischen Beweggründe der Frau. Es handelt sich um einen Roman ohne große Sensationen, der aber dennoch zum Nachdenken anregt.
Obwohl der Schreibstil aufgrund der ständigen Wiederholungen etwas eintönig wirkt, fand ich diesen doch durchaus interessant. Leider gibt es bei dieser anonymisierten Schreibweise ja auch nicht so viele alternative Begriffe. Aufgrund der kompakten Struktur des Romans mit nur 200 Seiten, empfand ich diesen Stil als durchaus gelungen.
Das Cover ist ganz im üblichen Stil des Verlags, schlicht, ohne allzu große Aussagekraft, aber dennoch passend.





Cassandra Morgan, Band 2 - Die magische Flöte
von Skye McKenna
Im zweiten Teil von Cassandra Morgan befindet sich die angehende Hexe immer noch in der Ausbildung und wohnt bei ihrer Tante, der Haghexe. Sie hat sich inzwischen gut eingelebt, hat Freundinnen gefunden und Montague ist zu einem treuen Begleiter geworden. Ihre Mutter ist hingegen immer noch verschwunden und es ist Cassandra sehnlichster Wunsch diese mit ihren wachsenden magischen Kräften eines Tages aufzuspüren.
Doch erst mal stehen neue Abenteuer vor der Tür. Ein junger Verwandter und eine neue Hexenlehrerin ziehen in das Heim der Tante und somit auch Cassandras Zuhause ein. Die Tante muss hingegen aufgrund eines wichtigen Termins für einige Zeit verreisen. Außerdem werden immer mehr Dorfbewohner von einem seltsamen Fluch getroffen. Wie Cassandra und ihre Freundinnen bald herausfinden, geht es dabei um eine magische Lanze, die der Erlkönig mithilfe seiner verfluchten Opfer in seinen Besitz bringen möchte. Da die Zeit immer mehr drängt und die Haghexe nicht da ist, beschließen die Freundinnen auf eigene Faust das Problem anzugehen und begeben sich in den berüchtigten Hagwald.
Ich fand diese zweite Folge von Cassandra Morgan sogar noch spannender als die erste. Man kennt bereits die meisten Protagonisten und weiß um die Gefahr, die im Hag lauert. Die vielen magischen Wesen machen das Buch richtig lebendig. Besonders schön finde ich auch die Verbundenheit mit der Natur, die an ganz vielen Stellen des Romans in den Vordergrund tritt.
Wirklich ganz fantastisch ist natürlich das Cover und der Farbschnitt. Auch die Innengestaltung des Buches ist sehr gut gelungen.





Melken
von Sanna Samuelsson
Ellen wuchs auf einem Bauernhof auf. Doch ihre Familie ist schon lange weggezogen und hat den Hof verkauft. Nach der Trennung von ihrer Freundin empfindet Ellen jedoch so große Sehnsucht nach ihrem alten Leben, dass sie kurzerhand auf den Hof fährt. Die neuen Besitzer sind verreist, doch der Schlüssel liegt in seinem angestammten Versteck.
Und so verschafft sich Ellen Zutritt zu ihrem alten Zuhause. Alles sieht ganz anders aus, ist anders eingerichtet und die Kühe, ein ehemals elementarer Bestandteil des Hofes, sind weg. Ellen legt sich in ein Bett, benutzt die Toilette und schwelgt immer mehr in ihren Erinnerungen. Die heimliche Inbesitznahme des alten Hofs wird auch nicht unterbrochen, als Max, ein ehemaliger Schulfreund und Nachbar, der sich während der Abwesenheit um den Hof kümmert, die Anwesenheit Ellens bemerkt.
Der gesamte Roman besteht größtenteils aus Erinnerungen. Die Handlung ist wenig spektakulär, sondern beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Gefühlswelt von Ellen. Eine melancholische Stimmung liegt über dem gesamten Roman. Kurze Kapitel mit kurzen Gedankengängen prägen den Schreibstil. Es bleibt viel Raum für eigene Gedanken. Auch insgesamt ist das Buch mit etwas mehr als 150 Seiten sehr knappgehalten.
Ich konnte mich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzten. Ein altes Zuhause kann tiefe Gefühle hervorrufen. Ein Ort kann für den einen so viel bedeuten und für den anderen gar nichts. In diesem Zusammenhang fand ich folgende Überlegung Ellens besonders aussagekräftig: „Wem gehört ein Ort? Die mit dem nötigen Geld oder, denjenigen die geschuftet haben…?
Das Cover des Romans mit dem Ausschnitt eines Gesichts und den Milchflecken ist genauso besonders wie der Inhalt des Buches. Mir hat der Roman gut gefallen und ich kann ihn nur weiterempfehlen.









