Kundenrezensionen von signalhill





The Artist
von Lucy Steeds
Sofort wäre mir "The Artist - Die Farben des Lichts" von Lucy Steeds in der Buchhandlung aufgefallen mit seinem prägnanten, wunderschönen Cover und dem dazu passenden Titel. Das Buch selbst ist insgesamt schon optisch ein Kunstwerk und kommt sogar mit passendem Lesebändchen. Immer mehr gewinnt bei mir auch die Optik eines Buches an Bedeutung.
Der Plot steht dem Äußeren aber in nichts nach. Schon der Klappentext lässt ahnen, dass im Hause Tartuffe nicht alles so ist, wie es scheint. Und dass der englische Journalist Joseph Adelaide überhaupt Einlass in das Reich des Künstlers Èdouard Tartuffe bekommt, ist fast schon ein Wunder. Dabei beginnt der Roman sanft, unspektakulär und atmosphärisch, was sicher nicht alle Lesenden überzeugen wird, was mir aber gut gefiel, da die Landschaft gut vorstellbar ist und die Schreibweise gut passt. Dabei bewegt sich die Handlung stets am gleichen Ort, dem Haus des Künstlers, und zwischen den drei dort anwesenden Personen, Tartuffe (Tata), Joseph und Ettie, auch, wenn einige Nebenfiguren ebenso eine Rolle spielen.
Später nimmt das Buch an Fahrt auf, man merkt bald, dass nicht Tata, sondern seine Nichte Ettie, die bei ihm aufgewachsen ist, den Mittelpunkt des Romans darstellt. Auch die Beschreibung der Gemälde, die man sich bildlich vorstellen kann, nehmen einen großen Raum ein, und dies sicher nicht ohne Grund, denn die Malerei mit ihrer Farbe, die sich immer neu mischen lässt, der Farbauftrag, unter dem andere Farben verborgen sind, schlägt den poetischen Bogen zur Handlung, in deren Verlauf immer mehr Verborgenes zum Vorschein kommt.
Das Ende finde ich schlüssig, passend und gut. Auch die Anmerkungen der Autorin gefallen mir gut und runden den Roman schön ab. Schade, dass man die Gemälde der Tartuffes nur auf den Seiten des Romans selbst findet, aber es ist eben Fiktion. Vorstellen konnte ich sie mir dennoch sehr gut.
"The Artist" ist ein wunderschöner, bildhafter, poetischer Roman für Lesende, die eine schöne Sprache und atmosphärische Darstellung über den schnellen Handlungsfortgang eines Romans stellen. Wer auch die leisen Töne mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Für mich war "The Artist" eines der Lesehighlights dieses Frühjahrs.





Komm spielen
von Linwood Barclay
Wer bei Linwood Barcleys "Komm spielen" einen Psychothriller erwartet, muss sich (leider) auf einen etwas anderen Thriller einstellen. In den Ankündigungen liest man bereits etwas von paranormalen Erfahrungen, ich hatte das aber wohl überlesen oder als zweitrangig eingestuft, da der Roman eindeutig als Thriller tituliert ist. Weiterhin glaubte ich auch, Linwood Barcley zu kennen und damit richtig einordnen zu können. Aber dieser Roman ist anders.
Schon im Prolog wird klar, dass Sohn Charlie, der statt der erwünschten Playstation eine gebrauchte Modelleisenbahn bekommt, mit dieser unmöglich geglaubte Mächte besitzt. Er, der erst genervt ist, weil er die Modelleisenbahn gar nicht möchte, ist voll eingenommen von seines Vaters Geschenk, das im quasi Voodookräfte verleiht - und eine Zahl merkwürdiger Unfälle hervorzurufen scheint.
Keine Frage: "Komm spielen" ist spannend, aber nicht so im Sinne eines Psychothrillers, wo man am Ende jedes Kapitels einen Cliffhanger hat. Die Handlung ist düster und unheimlich, aber das Paranormale ist nicht so meins. Die Protagonisten wiederum haben mir gut gefallen, und es steht außer Frage, dass Barcley ein Meister seines Faches ist. Doch so wie auch Stephen Kind bereits auf dem Cover zitiert wird, so wird bald klar: Wer Stephen King mag, ist hier richtig. Ich bin von diesem Genremix leider nicht so angetan und halte mich lieber an andere Romane des Autors.





Bakterien - die heimlichen Helden
von Peter Wohlleben
Ich mochte schon Peter Wohllebens Bäume-Bücher, nun hat er sich mit "Bakterien - die heimlichen Helden" in eine andere Richtung gewagt. Dabei schreibt Wohlleben ein Sachbuch im Fließtext, das ohne Graphiken, Bilder und Diagramme auskommt. Er richtet sich damit an alle lesenden Laien, denn seine Erklärungen kann man gut verstehen. Weiterhin überzeugt sein Bakterienbuch auch durch eher kurze Kapitel und eine Einteilung in drei übergreifende Titel ("Die Erfindung des Lebens"/"Wie Bakterien unseren Alltag bestimmen"/"Verbündete für die Zukunft"). Man kann auch ein wenig querlesen und muss nicht unbedingt chronologisch lesen.
Schon in den ersten Kapiteln des Buches wird aber auch deutlich, dass ein wenig Vorwissen aus Studium oder Oberstufenbiologieunterricht recht hilfreich sein kann, z.B. schon am Anfang, wenn die Bakterien vorgestellt werden. Ich bin Naturwissenschaftlerin beschäftige mich aber nicht oder kaum mit Bakterien. Damit ist für mich dieses Buch hochspannend, da ich auch viel an mein Vorwissen anknüpfen kann. Ein starkes naturwissenschaftliches Interesse ist sicher eine gute Voraussetzung, um dieses Buch wirklich spannend zu finden. Ansonsten muss man vielleicht über einiges hinweglesen.
Besonders interessant fand ich z.B. das Kapitel über die Bakteriencocktails und andere mögliche Lebewesen in unserem Trinkwasser. Jeder kennt die Legionellenprüfung, aber man macht sich kaum Gedanken, was da genau los ist und was noch so alles im Wasser ist. Auch die berühmten Erdnussschälchen in Restaurants und andere Bakterienüberträgerwege werden angesprochen. Vieles kennt man, vieles ist neu, einiges hat man sich nie bewusst gemacht.
Somit ist "Bakterien - die heimlichen Helden" ein informatives, interessantes, lehrreiches Buch, das man wie einen Roman lesen kann, mal nebenbei, dann wieder mit voller Aufmerksamkeit. Ich freue mich schon auf weitere naturwissenschaftliche Bücher von Peter Wohlleben!





Schlaf
von Honor Jones
Honor Jones' "Schlaf" ist kein Roman, den man nebenbei lesen kann. Er beschreibt Beziehungen und Vorkommnisse, die man nicht gern glauben mag, von denen man aber immer wieder hört. Dabei ist das Cover wunderschön, sieht romantisch und kunstvoll aus und verrät sonst kaum etwas über den schon erschütternden Inhalt des Romans. Auch das Layout und die Schrift fand ich besonders lesefreundlich und ansprechend.
Die Protagonistin des Roman, Margaret, selbst Mutter von Töchtern, erfährt als junges Mädchen, eigentlich noch als Kind, selbst emotionale Kälte und Distanz von ihrer Mutter. Von den männlichen Familienmitgliedern und dem Umkreis erfährt sie Übergriffe und Missbrauch. Als Erwachsene, im Beruf und privat, muss Margaret mit ihrem Trauma umgehen. Ihre Erwartungen und Handlungen sind das Resultat ihrer Kindheitserlebnisse.
Der Roman ist eigentlich nur bedingt explizit und geradeheraus. Er lebt von der Kreation einer Atmosphäre, die man deuten muss, die man verarbeiten muss. Manches wiederum war mir aber auch zu explizit und hat kaum zur Handlungsentwicklung beigetragen. Die Protagonistin Margaret bleibt für mich etwas blass und durchläuft kaum eine Entwicklung.
Das Thema selbst, allgegenwärtig, doch meist im Verborgenen, hat große Aktualität. Der Roman zeigt, was die Kälte einer Mutter und das Wegschauen anrichten kann. Damit hat mich der Roman aufgerüttelt, aber nicht komplett überzeugt. Ich würde den Roman aber gern weiterempfehlen. Er richtet sich an Lesende, die keinen leichten Sommerroman suchen und gern längere Passagen am Stück lesen. Nur so kann man die erzeugte Atmosphäre gut erfassen.





Nimm den Zwängen die Macht
von Ulrich Voderholzer; Rebecca Schennach; Stefan Koch
Ich glaube, fast jeder und fast jede denkt, ein Sklave zwanghafter Handlungen zu sein. In diesem Fall bietet der Ratgeber "Nimm den Zwängen die Macht" von Ulrich Voderholzer, Stefan Koch und Rebecca Schennach schnelle Ersthilfe. Der allumfassende Ratgeber hilft erst einmal dabei, genau einzuordnen, ob man wirklich unter Zwängen leidet oder ob die Zwänge eher als Marotte durchgehen können.
Mir hat es sehr geholfen, zwischen beidem zu unterscheiden, wobei ich eher bei der Marotte gelandet bin, was dann wieder sehr erleichternd war. Liest man den Ratgeber, so erfährt man aber auch, welche Zwänge es so gibt: Vieles hat man schon gehört, anderes war mir neu. Viele Menschen "müssen" bestimmte Dinge tun, z.B. Treppenstufen zählen, doch wenn es für sie nicht einschränkend ist und andere nicht darunter leiden oder darauf hinweisen, ist dies kein Problem.
Eine echte Zwangserkrankung jedoch schränkt das Leben immens ein und kann z.B. auch zur Vereinsamung führen. In diesem Fall brauchen Betroffene Hilfe. Der Ratgeber ist allumfassend und daher sehr wertvoll für alle, die glauben, eine Zwangserkrankung zu haben. Und so kann es sein, dass man entweder mit der Marotte leben kann oder noch zusätzliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, denn eine solche Erkrankung muss möglicherweise doch professionell behandelt werden. Alles in allem sehe ich den Ratgeber vor allem als Hilfe, auszuloten, wo man steht. Dass man sich dem Zwang durch ihn entziehen kann, wäre toll, darf man aber nicht erwarten.





Narbenmädchen
von Lilly Bogenberger
"Narbenmädchen" von Lilly Bogenberger ist ganz klar ein Jugendbuch, nicht aber unbedingt sofort als solches zu erkennen. Vielmehr erinnert mich das Cover eher an einen Thriller. Das Thema macht es aber bald sehr deutlich, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ebenso die Sprache aus der Sicht der Protagonistin Lara. Diese ist ein fiktionaler Charakter, ich hatte beim Lesen aber stets das Gefühl, die Autorin hat dies vielleicht selbst so oder ähnlich erlebt und Lara ist oder ähnelt Lilly.
Der Roman lässt sich gut lesen, doch die Themen sind hart: Lara praktiziert selbstverletzendes Verhalten und kann auch nicht einfach damit aufhören, wie man das scheinbar glaubt. Hilfe bekommt sie in der zwangsverordeneten Kur nicht, ihre Mutter denkt auch lieber zuerst an sich selbst, hätte sie nicht Freundschaft mit ein paar Jungs aus der Klinik geschlossen...Alle haben unterschiedliche Probleme, und so werden die Lesenden mit sehr vielen Problemen konfrontiert.
Obwohl die Probleme der Jugendlichen gut nachvollziehbar sind, fand ich niemanden wirklich sympathisch, auch nicht die Protagonistin Lara. Sie rennt ständig zum Rauchen (und auch mal zum Trinken), was ja auch kein Wunder ist, da sie auch zuhause sogar in ihrem Zimmer rauchen durfte - und das mit 15! Auch sonst war sie für mich keine Sympathieträgerin. Auch die sehr saloppe Sprache hat mir nicht gefallen, es gibt nicht einen korrekten Kausalsatz, auch die Wortwahl fand ich nicht immer schön, obwohl sie für Lara sicher angemessen war.
So wurde mir während des Lesens klar, dass "Narbenmädchen" sicher einer jüngeren Zielgruppe besser gefallen würde, obwohl ich sonst auch gern Jugendromane lese. Doch würde ich den Roman Jugendlichen gern empfehlen? Ich würde dies nicht tun, weil er mir einfach zu negativ scheint, realistisch zwar möglicherweise schon, aber ich möchte ihn niemandem empfehlen, weil ich beim Lesen stets ein sehr bedrückendes Gefühl hatte. Vor allem für selbst Betroffene würde ich "Narbenmädchen" nicht empfehlen. Es gibt dann sicher noch andere gute Literatur. Die Warnung der Autorin am Anfang des Buches finde ich aber gut und wichtig.





Marie und die Woche ohne Donnerstag
von Elke Michel
"Marie und die Woche ohne Donnerstag" von Elke Michel und Jutta Wetzel ist ein lebendiges Kinderbuch mit lustigen Illustrationen. Die Handlung dreht sich Marie und ihre Familie und eine Woche voller schöner Aktivitäten und anderer Dinge, die Marie lieber vermeiden möchte, allen voran der gefürchtete Zahnarztbesuch am Donnerstag.
Mit den magischen T-Shirts, die Maries Vater ihr auf dem Jahrmarkt gekauft hat, kann Marie sich in jeden Tag der Woche versetzen; sobald sie das verstanden hat, lässt sie natürlich immer wieder den Donnerstag aus. Das ist lustig und kurzweilig, doch nach ca. 2/3 des Buches verliert die Geschichte ihre Magie, denn Marie erlebt die gleichen Tage immer wieder, sodass es nicht mehr recht vorwärts geht. Damit ist irgendwann die Luft raus, das Buch ist zwar immer noch nett, aber nicht mehr spannend.
"Marie und die Woche ohne Donnerstag" würde ich für Erstlesende oder als Vorlesebuch empfehlen. Auf einen zweiten Teil hätte ich momentan keine Lust, bin aber dennoch gespannt, um was es gehen wird. Die T-Shirts haben mit dem ersten Band sicher ihren Dienst getan.





Heaven's Gate
von Daniel Faßbender
Der Diogenes-Verlag steht für mich für qualitativ hochwertige Literatur mit Anspruch; leider hat er sich mit Daniel Faßbenders "Heaven's Gate" hier selbst untertroffen oder mittlerweile einfach eine andere Linie eingeschlagen. Das Buch ist kurzweilig, keine Frage; ich habe es in kürzester Zeit gelesen. Auch das Format des Bandes liegt sehr gut in der Hand und gefällt mir ebenso wie das ansprechende Cover. Der Roman selbst hat mich aber immer wieder innerlich den Kopf schütteln lassen, zum Ende hin mehr als am Anfang.
Caruso, ein Surfer und unbedeutender Privatdetektiv auf der wohl fiktiven philippinischen Insel Surogao, bekommt einen heiklen Fall in die Hände, als er den verschwundenen Sohn einer reichen Spanierin finden soll. Die Insel ist ein Drogenhotspot mit bestechlichen Polizeibeamten, mit vielen (Surf-)Touristen und mit einer eher armen Bevölkerung. Wer ehrlich Geld verdient, kommt meist nicht weit.
Caruso selbst ist der typische Antiheld und ein Unsympath genau wie alle anderen Charaktere im Roman. Er konsumiert Unmengen an Alkohol und ein paar Frauen, ist meist betrunken und verletzt und steht meist etwas neben sich. Er leert gern ganze Flaschen Rum (kann dann aber immer noch laufen und etwas denken), hat meist kein Geld und mag auch schnelle Abenteuer mit den Frauen, die gerade zur Verfügung stehen.
Frauen sind im Roman lediglich Objekte, eine Haltung, die längst überholt sein sollte. Faßbender bedient hier alle Klischees, die auch nur möglich sind. Die Sprache wechselt von guten Seiten zu Seiten mit zerrissenem Satzbau und Fäkalsprache. Wer wissen möchte, ob die Sprache ihm/ihr passt, kann ja mal auf Seite 287/288 anfangen.
Was mich aber am meisten gestört hat, ist, dass der Roman kaum Handlung hat, die nicht mit maßloser Gewalt zu tun hat. Ich könnte kurz nach dem Beenden des Romans nicht mehr sagen, wie viele Menschen hier den Tod finden mussten oder brutal verletzt wurden. Die einzige Lösung für jedes Problem scheint hier Gewalt zu sein. Daher ist hier inhaltlich kein durchdachter, cleverer Roman entstanden, sondern ein brutaler Actionkrimi ohne Anspruch. Auch dieser wird sicher seine Zielgruppe finden, aber ich würde Caruso nicht weiter durch sein sinnfreies Leben begleiten wollen.
Trotz aller Kritik lässt sich der Roman flüssig lesen. Ich habe weitergelesen in der Erwartung von überraschenden Wendungen oder einem unerwarteten Ende. Meine Erwartungen wurden aber eher enttäuscht. Dennoch würde ich hier noch 3,5 Sterne geben.





Firewatch
von Colin Hadler
Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses New-Adult-Romans, aber mir gefiel das Szenario der beiden Charaktere in Colin Hadlers "Firewatch", die den Sommer auf zwei Feuerwachtürmen im erfundenen Goldenfalls-Nationalpark in Kalifornien verbringen müssen. Sie sind dort abgeschieden und frei von jeder Handy- und Internetverbindung, doch sie können über Funk Kontakt miteinander aufnehmen, sind also ganz für sich und bieten damit eine gute Konstellation für einen Thriller. Auch das Cover des Romans ist dazu stimmig und auch etwas zweideutig, also sehr passend.
Bis ca. Seite 100 war "Firewatch" für mich ein absoluter Pageturner mit sehr gelungenen Twists und Cliffhangern. Der Autor hat es geschafft, dass ich den Roman in kürzester Zeit gelesen habe. Dann aber werden zwei nicht notwendige erotische Szenen eingefügt, die ich unpassend und gar nicht zielführend fand. Dabei fand ich es sehr auffällig, dass die sonst gute Sprache auf das Niveau eines Groschenromans fällt. Jugendlichen würde ich aufgrund dieser beiden Szenen den Roman nicht empfehlen, ich selbst habe den Mehrwert hier nicht entdecken können.
Das erste Ende des Buches fand ich sehr unglaubwürdig, sehr unwahrscheinlich, daher habe ich mich gefreut, dass eine zweite, unerwartete Aufklärung folgt. Leider fand ich auch diese sehr weit hergeholt, sehr fragwürdig, nicht so passend. Auch der Showdown am Ende ist für den Verlauf so nicht notwendig, für eine Verfilmung aber vielleicht gewinnbringend.
Was ich von Anfang fraglich fand, ist die Tatsache, dass sich hier ein österreichischer Schriftsteller eine Location in einem wohl eher wenig besuchten Nationalpark in den USA ausgesucht hat. Dabei sind die beiden Firetowers 30 Meilen, also ca. 50km voneinander entfernt, das sicher nicht durch gute Wege oder Straßen. Dass dies keine österrreichischen Wanderwege sind, ist wohl klar. aber Aaron läuft dies in 10 Stunden und dann auch wieder zurück. Wenn man ihn hier verfolgen möchte, dann kann man sich auch kaum durch das Dickicht schlagen, man würde nicht unentdeckt bleiben. Es gibt weitere Unstimmigkeiten, die aber zu vernachlässigen sind.
Alles in allem hatte ich große Lesefreude; der Roman ist eigentlich ein gelungener Psychothriller. Immer wieder ändert man seine Meinung über die Schuld und Unschuld der Protagonisten. Der Roman hat mich nicht losgelassen, war lange Zeit für mich ein 5-Sterne-Buch. Am Ende war ich aber nicht mehr so überzeugt von "Firewatch" und hätte vor allem die zwei unnötigen Szenen gern nicht gelesen. Die Betitelung von "Suspense-Romance" weist darauf auf nicht hin. Insgesamt finde ich die genreübergreifende Mischung zwar gut, aber manchmal ist weniger einfach mehr.





Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
von Christien Brinkgreve
"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" von Christien Brinkgreve ist kein Roman, sondern ein analysierender Rückblick einer Professorin und Ehefrau auf das Leben mit ihrem (nun schon verstorbenen) Mann, hier nur A genannt. Dieser stand selbst in der Öffentlichkeit und dürfte vielleicht vielen Niederländern bekannt sein, auch, wenn hier sein Name nicht genannt ist. Der Orginaltitel "Beladen huis" scheint mir doch passender, denn das immer voller werdende, zugestellte, vernachlässigte Haus ist eine Metapher für die Ehe und Beziehung der Brinkgreves. Das schöne Cover mit dem Blumenstrauß stellt für mich keine Verbindung zum Thema das Buches dar.
Das Buch, eine Reminiszenz der Autorin an die vielen gemeinsamen Ehejahre mit ihrem Mann, startet interessant und liest sich wirklich gut. Nach ca. zwei Dritteln dreht sich alles allerdings nur noch im Kreis, wird redundant, die Autorin wird mir auch zunehmend unsympathischer. Der Versuch, ihre Liebe zu ordnen, scheint mir immer mehr wie eine Abrechnung mit A, der schwermütig war und immer mehr zu einem "Stinkstiefel" mutierte. Doch zu einer komplizierten Ehe gehören immer zwei, und so hätte auch Frau Brinkgreve entweder die Reißleine ziehen können oder etwas ändern können. Stattdessen hat sie sich ihrem Mann und damit auch ihren Kindern immer mehr entzogen, sei es durch die Flucht ins Ferienhaus oder in ihr Schreibzimmer. Kurioserweise hat sie mit ihrem Ehemann im eigenen Haus dann Emails geschrieben, doch die Leidtragenden waren am Ende wohl am meisten die Kinder.
Das Buch wurde, so scheint es mir, immer mehr zu einer Abrechnung mit ihrem Mann und zugleich zu einer Entschuldigung für ihre Kinder. Hätte A gewollt, dass dieses Buch geschrieben wird? Sicher nicht. Sollen seine Freunde und Bekannten und alle Lesenden, die ihn außerdem kannten, dies wirklich über ihn erfahren, noch dazu nach seinem Tod, wo er sich weder rechtfertigen noch dieses Buch verhindern kann? Es scheint mir nicht fair von Brinkgreve, dieses Buch, das sehr privat ist, zu veröffentlichen. Es hätte in der Familie bleiben sollen.
Dabei scheint es gang und gäbe in der Familie, Bücher über ebendiese zu schreiben, denn Brinkgreve hat sowohl ein Buch über ihren Vater, als auch über ihre Mutter verfasst. A wiederum hat über seine früh verstorbene Schwester Dokie geschrieben. Beide schreiben/schrieben auch wissenschaftliche Texte, sodass auch dieses Buch den Anschein einer wissenschaftlichen Arbeit hat, denn es werden immer wieder Sekundärtexte zitiert, was hier überhaupt nicht passt und den Lesefluss stört.
Die Autorin selbst ist eine ambivalente Person. Einerseits rühmt sie sich damit, eine der ersten Professorinnen zu sein, sie hat sich u.a. dem Feminismus verschrieben, doch im eigenen Heim hat sie sich völlig untergeordnet und lebt nicht das, was sie in der Öffentlichkeit oder an der Universität progagiert. Es stört mich auch, dass der Verstorbene, der nicht mehr besonders liebenswert war, nach seinem Ableben Raum in Brinkgreves Leben findet, zuvor aber kaum noch. So ordnet sie Dinge, die ihm wichtig waren, stellt Möbel um, hängt sein Bild auf. Vorher ist sie aber nur noch vor ihm geflohen.
Ich hatte während des Lesens eigentlich darauf gewartet, dass die Autorin auch in die Zukunft schaut, diese Reminiszenzen hinter sich lässt, einen echten Neuanfang wagt, aus dem Erlebten einen Schluss oder gar einen Schlussstrich zieht, doch nichts von alledem passiert. Ist dieses Buch also eher eine Entschuldigung an ihre Kinder, die vielleicht nach einer Trennung besser hätten leben können? Ein Ratgeber für Frauen, denen es ähnlich geht, ist "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" jedenfalls nicht.
Obwohl meine Rezension hier doch sehr kritisch ausfällt, ließ sich das Buch größtenteils gut lesen. Ob man es veröffentlichen hätte sollen, möchte ich dennoch sehr in Frage stellen.









