Kundenrezensionen von nanu?!





Septemberkinder 89
von Krisz Hardy
Die Eltern von Paul und Michi fühlen sich gezwungen, aus der DDR zu flüchten. Nur können sie schweren Herzens ihre Kinder nicht mitnehmen. Die Flucht wäre zu beschwerlich und gefährlich.
Das sieht der 13-jährige Paul aber anders und bevor die Oma die Kinder an die Polizei übergeben kann - die findet nämlich, die Kinder seien schon immer besser im Heim aufgehoben - packt Paul seinen und Michis Rucksack und zusammen machen die beiden sich leise auf, Richtung Tschechoslowakei.
Ihr Ziel: Österreich!
Die Geschichte von Paul und Michi ist zwar fiktiv, aber sie hat mich voll mitgenommen.
Erzählt wird die ganze Zeit aus Pauls Sicht und der arme Kerl kann einem die ganze Zeit nur Leid tun, bei dem was er sich und seiner kleinen Schwester aufbürdet.
Die Strapazen, die Erschöpfung und die Unsicherheit die Paul während der Reise fühlt. Und mehr als ein Mal bereut er, es überhaupt versucht zu haben mit die Flucht. Vor allem wegen seiner Schwester, für die alles ja noch mal ein Stück anstrengender ist.
Und die kleine Michi, die erst neun ist und das unerschütterliche Vertrauen, das sie in ihren Bruder hat. Egal was passiert, Paul wird es schon für sie richten.
Nicht immer trifft Paul die besten Entscheidungen, und mehr als einmal habe ich als erwachsene Leserin für mich gedacht: "Oh, tu das nicht Paul, ihr werdet noch entdeckt".
Denn die Flucht der beiden bleibt natürlich nicht lange unbemerkt und überall wird nach den Kindern gefahndet.
Sehr schön fand ich die unerwartete Hilfe, die die Kinder überall von Menschen erleben, die schon ihre eigenen Erfahrungen mit dem Staat gemacht haben.
Von Anfang an habe ich mit den beiden mitgefiebert und ihnen das beste Ende für ihr unfreiwilliges Abenteuer gewünscht. Und vielleicht habe ich auch an der einen oder anderen Stelle ein Tränchen verdrückt, weil Paul und Michi mich so sehr berührt haben.
Die beiden habe ich richtig in mein Herz geschlossen.





Der Postbär, der nicht lesen konnte
von Susana Peix
Der dicke Postbär Emil fährt jeden Tag auf seinem Fahrrad durch den Eichenwald und bringt den Eichenwaldbewohnern die Post.
Am Geruch der Briefe erkennt er, für wen die Briefe bestimmt sind. Denn Emil kann nicht lesen und weiß sich nicht anders zu helfen.
Nur heute bleibt ein Brief übrig, der niemanden zu gehören scheint.
Wenn Emil doch nur lesen könnte, dann wüsste er bestimmt sofort, für wen er ist.
Dieses Bilderbuch ist eine Augenweide.
Im Eichenwald ist gerade die Herbstzeit angebrochen, und überall rieselt das Laub in warmen Herbstfarben über die Seiten.
Der Postbär sieht einfach nur zauberhaft aus in seiner Postuniform und auf seinem Fahrrad, das unter ihm viel zu klein aussieht, für seinen großen Bärenkörper.
Die Wohnungen der Waldbewohner sind so schön gestaltet worden und am liebsten möchte man als Betrachter auch mal kurz hinter den verschlossenen Wohnungstüren reinschauen und Mäuschen spielen.
Die Länge des Textes ist perfekt zum Vorlesen geeignet und Kindern ab vier Jahren angepasst.
Die Sprache ist kindgerecht, aber gepflegt.
Die Geschichte soll bei den Kleinen die Lust auf das Lesenlernen wecken. Und es zeigt, wie schön es ist, wenn man sich auf seine Freunde verlassen kann.
Die Buchseiten sind robust genug, damit die kleinen Leser das Buch auch selbst entdecken und umblättern können, ohne das gleich etwas kaputt geht.
Ja, bei diesem Anblick freut man sich geradezu, dass der Herbst endlich beginnt.





Pia Puck
von Nora Hoch
Seit 400 Jahren schon ist Pia Puck die Hauswichtelin des blauen Hauses am Brombeersee.
Jede Nacht, nachdem die alte Frau Kamille schlafen gegangen ist, kümmert sich Pia um das Haus, den Garten und die Tiere.
Doch, eine Katastrophe bahnt sich an, denn Frau Kamille kann nicht mehr so gut alleine bleiben und ein Teil ihrer Familie zieht bei ihr ein: Ein Mann, eine Frau und drei Kinder. Drei besonders laute, sehr lebhafte, unordentliche und sehr neugierige Kinder.
Das wars wohl mit der Ruhe!
Was für eine zauberhafte Vorlesegeschichte, und noch dazu greift es einige Themen auf, über die Kinder sich so ihre Gedanken machen können.
Frau Kamille, die mehr als nur vergesslich wird und nicht mehr alleine bleiben sollte, da sie sogar regelmäßig vergisst, abends die Kerzen auszumachen.
Dann ist da Wanda, das dritte der Kinder, die sich oft von ihren Geschwistern ausgeschlossen fühlte und nicht mitspielen darf, nur weil sie die jüngste ist.
Und noch dazu kommt der Umzug in ein fremdes Haus in einer fremden Gegend, wo alles anders ist.
Die Autorin nimmt sich der Themen in einer kindgerechten Sprache an und macht daraus ein spannendes und lustiges Abenteuer. Denn natürlich hat vor allem die schlaue Wanda gemerkt, dass im Brombeerhaus irgendetwas vor sich geht.
Die kleine Wichtelin Pia ist eine tolle Figur, die sich jedes Kind sofort als Freundin wünschen würde.
Sie wichtelt nicht nur im Haus herum, sie ist auch die Wächterin des Wäldchens und der Tiere, pflegt diese gesund und Magie beherrscht sie auch ein wenig.
Und das beste, am liebsten stellt sie Quatsch an und spielt ihren Menschen lustige Streiche. Mit Pia wird es also niemals langweilig.
Die Illustrationen von Claudia Weikert passen perfekt zum Text, auch wenn es nach meinem Geschmack ruhig ein paar Bilder mehr hätten sein können.
Pia Puck ist ein spannendes Abenteuer rund um die Familie und Freunden und gegenseitigem Vertrauen.
Empfohlen wird das Buch Kindern ab 5 bis 8 Jahren.





Honey
von Imani Thompson
Yrsa schreibt gerade ihre Doktorarbeit an der Cambridge Universität. Als sie mitbekommt, dass ihre Freundin von einem der Professoren ausgenutzt wurde und dieser als Mann, natürlich keinerlei Konsequenzen befürchten muss, nutzt Yrsa eine günstige Gelegenheit aus, um den Prof sterben zu lassen.
Dieser Tod macht etwas mit Yrsa, so hat sie sich schon lange nicht mehr gefühlt.
Und dieses Geräusch, das er beim Sterben machte, ...
Dieses Cover mit der Honigschrift, finde ich unheimlich passend, obwohl an Yrsa überhaupt nichts süß oder klebrig ist. Im Gegenteil, an ihr perlt alles ab und brav oder angepasst, ist nur ihre Fassade.
Als WOC hat sie schon immer mit Benachteiligung und Ungerechtigkeit zu kämpfen gehabt. Deswegen nimmt sie sich auch, was sie haben will. Nur, driftet sie in ihrem Fall, immer mehr in die Psycho-Ecke ab.
Den Weg dahin, fand ich richtig spannend, denn nachvollziehen kann man ihre Absicht dahinter ja schon, irgendwie. Denn jeder Mord ist anders und wird von ihr auch stets anders begründet. Eine gewisse Moral steht immer dahinter.
Und dann war ich auch ständig gespannt darauf, ob Yrsa mit ihren Taten davonkommt. Ob sie vielleicht irgendwann unvorsichtig wird, oder es knallhart durchzieht.
Gleichzeitig erfährt man auch einiges über Yrsas Doktorarbeit über den Afropessimismus, einem Thema, von dem ich vorher noch nie gehört habe.
Ihre Überlegungen und Ansätze dazu nehmen einiges an Raum ein, die ich auch interessant fand, aber sie bremsen auch ein wenig den Lesefluss.
Zudem wird man als Leser auch mit anderen gesellschaftskritischen Problemen konfrontiert.
Den Erzählstil fand ich meistens flüssig zu lesen, nur in manchen Situationen ändert er sich, wird temporeicher und abgehakter, aber es passt zum Moment. Nur zunächst war ich davon etwas irritiert.
Insgesamt hat mich Yrsa und ihre Kaltschnäuzigkeit fasziniert. Sie ist keine Figur, die man besonders mögen kann, aber ihre eigene Art zu Denken hatte schon was.
Dieses Buch ist speziell, einfach mal etwas anderes.





Das kleine Handbuch einer Vorstadt-Killerin
von Mark Mupotsa-Russell
Auf den ersten Blick führt Olivia das normale Leben einer Working-Mum: Ein Häuschen in einer australischen Vorstadt, ein Ehemann, zwei hübsche Töchter, und dann ist sie in ihrem Beruf auch noch ziemlich erfolgreich.
Niemand käme hier auf die Idee, dass Olivia in einem früheren Leben mal in Spanien, für ein Verbrechersyndikat, Auftragsmorde ausgeführt hat.
Jetzt aber ist alles ruhig und normal und fast schon langweilig. Bis diese Tragödie passiert, und eine ihrer Töchter bei einem Überfall von einer Gang ermordet wird.
Olivia schwört blutige Rache!
Dieses Buch hat mich ein bisschen umgehauen, nach dem witzigen Cover und dem flotten Titel geurteilt, hatte ich nicht mit so einer brutalen und blutigen Geschichte gerechnet. Aber ich wurde positiv überrascht, das Buch ist nämlich unheimlich mitreißend und mega spannend, und vom ersten Moment an war ich mittendrin.
Olivia ist so eine typische Anti-Heldin. Man muss sie nicht unbedingt mögen, verstehen konnte ich ihre Wut aber jeden Augenblick, oft wirkt sie vielleicht eiskalt, aber Mannomann, sie hat es echt drauf. Vergessen oder verlernt hat sie ihre Skills jedenfalls nicht.
Sie sinnt auf Rache, mit jeder Faser ihres Körpers. Sie kann nur noch an eines denken, und zwar wie sie diese Typen, die ihre Tochter auf dem Gewissen haben, um die Ecke bringen kann.
Aber am besten so, dass sie die Fassade der gebrochenen und trauernden Mutter nicht aufgeben muss. Die ist nämlich ihre beste Tarnung, und im Hinterkopf schmiedet sie schon den nächsten Plan.
Gleichzeitig holt ihre spanische Vergangenheit sie langsam ein. Denn auch in Spanien hat sie vielleicht den ein oder anderen Fehler begangen, bevor sie sich auf und davon gemacht hat.
Erzählt wird aus ihrer Sicht in der Ich-Form, und zwar auf zwei Zeitebenen. Die eine Ebene handelt von der Vergangenheit und ihren Killer-Anfängen in Spanien, die andere handelt von der Gegenwart. So erhält der Leser immer Zugang zu Olivias Gefühlen und Gedanken, ihren spontanen Eingebungen und ihren Killerinstinkten, die sie zweifellos hat.
Die Handlung ist temporeich, fast wie im Film, und nie weiß man, was einen als nächstes erwartet, eine Wendung jagt die nächste.
Obwohl Olivia kein Problem damit hat, anderen Menschen das Licht auszuknipsen, hat sie doch eine Reihe von Prinzipien, an denen sie festhält. Das verleiht ihrer Tätigkeit als Killerin schon irgendwie etwas witziges, im galgenhumorigen Sinn, versteht sich.
Ich mochte die Dialoge, den Schreibstil, die Action. Volle Lese-Empfehlung meinerseits!





Eine Tür für den Pomps
von Judith Spörl
Die Kinderbuchwerkstatt ist ein Ort an dem wunderbare Kinderbücher entstehen.
Hier sitzen die Schreiblinge und Farbklecksis hinter ihren Türen und denken sich neue Kinderbuchgeschichten aus.
Und manchmal, wenn die Schreiblinge nicht richtig aufpassen, entwicht ihnen eine Buchfigur, die dann mit den anderen ausgebüxten Buchfiguren durch die Flure der Werkstatt streift.
So wie Marie! Marie ist schon lange hier und eigentlich mag sie ihre eigene Buchgeschichte gar nicht so sehr, denn da ist sie nur eine unwichtige Nebenfigur.
Aus purer Langeweile kritzelt sie an einem Plakat herum, das schon ganz vergilbt an einer Wand hängt. Und so erweckt Marie versehentlich den Pomps zum Leben, der bald schon ihr bester Freund wird.
Nur hat Pompsi keine eigene Kinderbuchgeschichte und wird sich so, bald in Luft auflösen. Das muss Marie unbedingt verhindern.
An "Eine Tür für den Pomps" gefallen mir so viele Aspekte, aber am besten gefällt mir natürlich der Pomps.
Seine drei Antennenglubschaugen und seinen grünen Wackelpuddingkörper muss man einfach mögen, und wie er den ganzen Tag durch die Flure wobbelt und Buntstifte knuspert.
Sein größtes Problem ist seine fehlende Geschichte, und wenn ihm niemand eine schreibt, wird er sich in Luft auflösen. Nur jemanden zu finden, der diese Aufgabe übernimmt, ist schwieriger als zunächst gedacht.
Die Kinderbuchwerkstatt ist voller lustiger Figuren und mit einigen von ihnen versteht Pompsi sich richtig gut.
Da ist der Kater Kapitän Krümel oder das Einhorn mit dem Glitzerpo, der Drache Schmauchi mit der lustigen Aussprache und der die allerbesten Kuchen backt. Da ist der Tintenfisch in seinem Goldfischglas, der ständig in der Nase popelt, und Marie natürlich. Am liebsten treffen sich alle in der Küche und futtern Kuchen.
Da möchte man sich als Leser direkt dazu setzen, Schmauchis Kuchen essen und den Vorlesegeschichten lauschen, die sich die Figuren gegenseitig vorlesen.
Das Buch ist eine Mutmachgeschichte. Es zeigt auf, dass man alles schaffen kann, auch wenn es erstmal nicht so aussieht. Dass man einen Schritt nach dem anderen wagen soll, und dass es nicht schlimm ist, wenn man auch mal einen Schritt überspringt, weil er noch zu schwierig ist.
Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt und dass jeder wichtig ist, auch Nebenfiguren. Diese Geschichte ist wirklich etwas besonderes, und ich liebe die Sprache darin. Sie ist bildgewaltig und bunt, mit vielen alternativen und viel besseren und lustigeren Wörtern, als in anderen Büchern.
Manchmal muss man staunen über die schlauen Ratschläge vom Pomps, er hat oft sehr gute Lösungen parat.
Bespickt ist Pompsis Buch mit lauter tollen Bildern und Comics von Arabell Watzlawik, die den Pomps wunderbar aufs Papier pompst und seinen wobbeligen Charme perfekt einfängt.
Die Kapitel haben die perfekte Länge zum Vorlesen.
Und zum Schluß gibt es ein paar Denkaufgaben für die kleinen Leser und Leserinnen, die dabei helfen, sich eine eigene Geschichte auszudenken. Denn jeder kann der Held seiner eigenen Geschichte werden:
Von mir gibt es die volle Punktzahl und eine klare Empfehlung für den Pomps.





Das Geheimnis des verschwundenen Amuletts
von Marietheres Wagner
Mira Sommer steckt mitten im Umzugschaos, als sie zufällig in ihren ersten Fall verwickelt wird. Zum Glück ist Mira eine besonders gute Beobachterin und oft entdeckt sie Details, die anderen niemals auffallen würden. Eine spontane Rettungsaktion ist unvermeidlich.
Und dann erhält Mira unverhoffte Unterstützung, denn sie lernt Fabio und Amelie kennen.
Ob die drei als Team den kniffligen Fall lösen können?
Schon auf den ersten Seiten wird der Leser mitten ins Geschehen geworfen, deswegen habe ich auch einen Moment gebraucht, um mich zurechtzufinden.
Erzählt wird die Geschichte aus Miras Sicht in der Ich-Form. Das besondere an Mira ist ihre lebhafte Fantasie.
Sie selbst beschreibt ihr Gedankenkarussell als Waschmaschine, und manchmal gerät die in den Schleudergang. Und das beschreibt die Sache ganz gut: Plötzlich purzeln Miras Gedanken durcheinander und manchmal hört sie auch noch Stimmen, und in diesen Szenen fiel es mir echt schwer, ihr zu folgen.
Gut gefallen haben mir Fabio und Amelie und dass die beiden Mira so tatkräftig zur Seite stehen und zusammenhalten, wenn es darauf ankommt.
Jede Entscheidung in ihrer kleinen Agentengruppe wird stehts demokratisch beschlossen. Mira wird im Laufe des Abenteuers über sich hinauswachsen. Sie wird lernen, dass sie sich auf ihre Intuition verlassen kann und ihr Selbstvertrauen stärken.
Weniger gefallen haben mir die beiden Ganoven und dass die beiden schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Ich hätte gerne mehr über die beiden erfahren.
Dagegen kann man sich als Leser so richtig schön über die Hauptkommissarin ärgern, weil die offensichtlich über null Menschenkenntnis verfügt und überhaupt, ständig auf dem Holzweg ist.
Die meiste Zeit hat der Detektivfall mir gut gefallen. Nur kommt mir manchmal der Zufall zu oft zur Hilfe. Besonders bei dem, was Mira nach der Auflösung noch alles herausfindet, so plötzlich und willkürlich, nur um Material für eine Fortsetzung zu haben? So kommt es jedenfalls bei mir rüber.
Sprachlich gesehen ist das Buch für geübte Leser gut geeignet. Der Verlag empfiehlt das Buch allen Kindern ab 10.





Ein unheimlich guter Mensch
von Kirsten King
Seit vier Monaten sind Lillian und Henry nun zusammen, und so langsam möchte Lillian die Beziehung ein wenig vertiefen. Sie möchte seine Familie kennenlernen und es wäre schön, wenn er sie überall als seine Freundin vorstellen würde.
Aber er lässt sie sitzen und Lillian ist stinksauer. Während eines Besäufnisses probiert Lillian einen Schadenzauber an Henry aus, den sie auf You Tube gesehen hat.
Am nächsten Tag ist Henry wirklich tot.
Wow, also was für ein Debüt, was für ein Kracher war das?
Dieses Buch lässt mich zwiespältig zurück, aber das meine ich positiv.
Einerseits habe ich nie eine Hauptfigur erlebt, die weniger sympathisch und angenehm ist, als diese. Andererseits macht das aber auch den Reiz an der Geschichte aus.
Lillian ist wie ein Unfall, bei dem man es nicht schafft, wegzusehen.
Der Leser bekommt Lillians komplette Gefühlswelt in der Ichform präsentiert. Alle ihre intensiven Gedanken, wovon sie ein Menge hat, und ihre eigene krasse Sichtweise und Logik, der sie folgt.
Schon der Prolog konnte mich direkt fesseln, weil ich ihn so stark fand.
Obwohl sich Lillian wirklich Mühe gibt, dass man sie als Leser nur schrecklich finden kann, gibt es doch diese Momente, bei denen man nur noch Mitleid für sie empfinden kann. Aber keine Sorge, dieses Gefühl macht Lillian dann meist selbst einen Satz weiter wieder zunichte.
Überhaupt hat sie bei mir ständig starke Emotionen hervorgerufen. Es ist faszinierend. Erst will man sie nur hassen, dann bemitleiden, und dazwischen ist man nur fassungslos.
Es ist wie es ist, Lillian ist ein unheimlich guter Mensch, nur sind alle anderen zu doof, das zu begreifen.
Lillian sieht sich selbst als das eigentliche Opfer, denn schließlich hat man ihr den Freund genommen. Und sie gefällt sich sehr in dieser Rolle.
Aber was wirklich in jener Nacht mit Henry geschehen ist, will sie trotzdem herausfinden. Das verleiht dem Roman auch etwas kriminalistisches.
Das alles fand ich schon ziemlich spannend geschrieben. Zudem weiß die Autorin in den richtigen Momenten mit Wendungen zu überraschen.
Etwas Vergleichbares habe ich bisher nie gelesen und deswegen kann ich diese ungewöhnliche Geschichte nur weiter empfehlen.





Nachrichten aus dem Inneren der Katze
von Judith Burger
Grellrode ist für die 17-jährige Sylvie der langweiligste Ort auf der Welt. Hier möchte sie dringend weg, am besten, noch vor dem Abitur.
Aber bis es soweit ist, jobbt sie neben der Schule als Aufpasserin im Grellrodener Kunstmuseum.
Bei einem ihrer Rundgänge entdeckt sie, dass ausgerechnet "Nachrichten aus dem Inneren der Katze" verschwunden ist. Sylvies Meinung nach, das einzige sehenswerte Bild der kompletten Ausstellung.
Doch dem Museumsdirektor scheint der Diebstahl egal zu sein. Sylvie soll Stillschweigen über den Raub bewahren, aber gefeuert wird sie trotzdem.
Dieser ungewöhnliche Titel hat mich neugierig gemacht.
Wir erleben Sylvie die versucht, ein paar Geheimnissen auf die Spur zu kommen.
Was hat es mit dem Bild auf sich und warum reagiert der Museumsdirektor so komisch.
Eine Geschichte, die als Kunstkrimi anfängt, und dann immer größere Kreise zieht, mit noch mehr Geheimnissen.
Nebenher lernt Sylvie auch noch Paul kennen. Von Paul fühlt sich Sylvie direkt angezogen, aber auch er scheint ein einziges Rätsel auf zwei Beinen zu sein.
Sylvies Gefühlsleben kann man als Leser gut nachvollziehen, da das Buch aus ihrer Sicht in der Ichform geschrieben ist.
Am Anfang ist es nur die Neugier die sie umtreibt, danach nimmt sie die Sache aus Gründen persönlich. Das wachsende Unverständnis, das irgendwann in Wut umschlägt, auch die konnte ich immer gut verstehen. Sie fühlt sie Hintergangen und nicht Ernst genommen, wie das oft bei Heranwachsenden so ist.
Sylvies Hang zur Selbstironie verleiht dem ganzen eine gewisse Prise Humor.
Sie ist eine gute Beobachterin und über ihre Einschätzungen im Alltag musste ich oft lachen.
Ihre 17 Jahre kommen jedenfalls gut zur Geltung und ich fand sie immer authentisch.
Mit Sylvie hat man eine sympathische Figur, mit der man gerne mitfiebert und die man auf ihren Weg zum Erwachsenwerden gerne begleitet.





Mord in der Pension Möwennest
von Jess Kidd
Nach 30 Jahren verlässt Schwester Agnes ihr Kloster und nimmt wieder ihren bürgerlichen Namen, Nora Breen, an.
Sie reist ins Küstenstädtchen Gore-on-Sea, um sich in die Pension "Möwennest" einzumieten. Denn diese Pension ist der letzte Ort, an dem Noras Freundin Frieda zuletzt gelebt hatte, bevor diese einfach verschwand.
Nora beginnt nach ihrer Ankunft umgehend mit ihren Ermittlungen. Sie muss einfach herausfinden, was mit Frieda geschehen ist.
Dies war mein erster Roman von Jess Kidd und es wird bestimmt nicht mein letzter gewesen sein.
Die Autorin weiß, wie man ein lebendiges und überzeugendes Setting schafft.
Da ist erstmal die Pension Möwennest mit ihren schrägen Bewohnern. Sie alle wohnen dauerhaft in der Pension und sie alle hatten auch mit Frieda zu tun, nur reden möchte keiner über sie.
Zudem herrscht unter einigen der Gäste eine gewisse Feindseligkeit, die Nora als Außenstehende überhaupt nicht versteht.
Andererseits halten die Gäste auch wie eine eingeschworene Mannschaft zusammen, wenn es darum geht, sich über den Geschmack des täglichen Abendessens lustig zu machen, oder über die fragwürdige Gastfreundschaft der Hausmutter Irene.
Szenen, die mich als Leserin wirklich amüsiert haben.
Dann ist da noch das Küstenörtchen Gore-on-Sea selbst, das Nora nach und nach für sich entdeckt.
Sie besucht die Hotelbar, das Fotografiestudio, den Strand, das kleine Café. So kommen immer mehr Orte dazu und Menschen und Fragen und Möglichkeiten, denn wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört, wird bald eine Leiche gefunden.
Auch hier übernimmt Nora gleich die Ermittlungen. Anfangs wirkt sie dabei noch etwas zurückhaltend, aber sie gewinnt schnell an Selbstvertrauen.
Bald ist sie, zu DI Rideouts Leidwesen, ein regelmäßiger Gast im Polizeirevier.
Den Inspektor geht sie mit ihren neusten Beobachtungen und Erkenntnissen regelmäßig auf die Nerven.
Allerdings ist Nora so eine gute Beobachterin, dass sie sich bald unentbehrlich macht.
Den Fall selbst fand ich persönlich gut durchdacht und schwierig zu durchschauen. Es gibt mehrere Spuren, aber nicht alle haben unbedingt mit dem Mordfall zu tun.
Und dann darf man auch nicht den Vermisstenfall außer Acht lassen. Frieda wird ja immer noch vermisst.
Ich habe gehört, dass es weitere Bände um Nora und den Inspektor geben soll. Das ist eine gute Idee, ich möchte Nora gerne weiter in Aktion sehen.









