Kundenrezensionen von Ele95





Honey
von Imani Thompson
Honey ein Rowohlt E-Book von Imani Thompson
Ein Streifzug durch diverse Genres
Yrsa ist Doktorandin in Cambride, sie ist sexy, sehr klug und sarkastisch. Ihre Dissertation zum Thema Afropessimismus stagniert, denn sie ist mit anderen Dingen beschäftigt, bitterbösen Dingen. Ihr erster Mord ist aus Versehen passiert, danach fühlt sie sich ausgesprochen lebendig, der zweite Mord geschieht im Affekt und von da ab steigert sie sich zur Serienmörderin.
Ich konnte das Buch keinem Genre zuordnen, eine wilde Mischung aus Thriller, Frauen-, oder auch Campusroman. Viele Worte und Phrasen waren mir nicht geläufig und ich musste mich zuerst einmal informieren, auch das Thema ihrer Doktorarbeit und überhaupt das soziale Thema welches diese jungen Frauen beschäftig, die mit Vehemenz versuchen zu beweisen wie woke sie unterwegs sind, ist mir fremd.
Wenn ich gewusst hätte was bei der Lektüre auf mich zukommt hätte ich das Buch wohl eher nicht gelesen, absolut danebengegriffen. Das Buch teilt sich in 3 Teile mit, auf den Inhalt hinweisenden Überschriften, die in Kapitel mit römischen Ziffern unterteilt sind. Gerne hätte ich von einer jungen taffen Frau gelesen, die sich an Männern rächt, das ganze mit raffinierten Methoden, evtl. auch ein wenig Zwischenmenschliches dabei. Eine schwarze Witwe habe ich erwartet, Doch hier ging es nur um Wutaktionen gegen Männer, die zum Ende hin nicht mehr nachvollziehbar ausgewählt wurden. Yrsa hat ein Spiel daraus gemacht und hat es immer mehr genossen, verfiel in einen regelrechten Rausch. Ich denke dahinter lag ein psychisches Problem, welches m. M. nach mit dem Tod ihrer Großmutter zu tun hat. Die ermittelnden Behörden sind dabei nicht gut weggekommen, nach dem Schlachtfeld in Felix Wohnung spätestens, hätte ich eine Überführung erwartet. Weder die Protagonistin noch ihre Freundinnen oder ihre Familie konnte ich besonders leiden, die einzig sympathischen Menschen im Buch waren Isiah und seine Großmutter Blake
Den angepriesenen Humor im Buch habe ich nicht gefunden oder nicht verstanden, die Emails, zitierten Vers- und Liedzeilen, Gedichte, vor allem die wie nachträglich eingeschobene Textstellen, für mich ohne Zusammenhang, die mir nicht zum Buch passend vorkamen haben mit irritiert und hatten für den Plot keinerlei Relevanz. Abgebrochen habe ich das Buch nur nicht, weil ich am Ende wissen wollte wodurch und wann Yrsa erwischt wird. Doch nicht einmal das Ende des Buches hat mir gefallen. Immer wieder habe ich weitergelesen obwohl ich längst den Faden verloren hatte.
2 Sterne.





Der Prätorianer
von Tobias Bukkehave
Der Prätorianer, Thriller von Tobias Bukkehave, EBook von dtv Verlagsgesellschaft
Dieser Killer hat seinen Opfern ein ganz besonderes Schicksal zugedacht.
Sara Levin und Janus West, ein vielversprechendes junges Ermittlerduo bei der Kopenhagener Polizei, werden zu einem schaurigen Tatort gerufen. Das Opfer ist auf eine ganz besondere Weise inszeniert worden. Römische Statuetten auf einem Altar angeordnet, das Opfer teilweise verstümmelt mit einem weißen Leichentuch bedeckt, und auf den Augen zwei seltene, antike römische Goldmünzen. Das Opfer ist das erste einer grausigen Reihe von Ritualmorden, dazu kommt, dass Sara scheinbar in die Rituale verwickelt sein könnte. Ihr Vater Christian Levin ein verurteilter Mörder ist Geschichtsprofessor, der sich auf die römische Antike spezialisierte. Einige Artefakte und Gegenstände die an den Tatorten auftauchen waren ihr auch von zuhause vertraut. Mit in die Ermittlungen involviert als forensischer Psychologe, ihr Bruder Adam, der dem Vater nähersteht. Die Morde scheinen immer grausiger zu werden, die Stimmung wird immer beklemmender. Denn der Täter mordet meisterhaft, er kennt keine Gnade, denn er ist ….Der Prätorianer.
Das Buch teilt sich in 52 äußerst spannende Kapitel, der Ermittlungszeitraum ist vom 1. Bis zum 12. November. Schlag auf Schlag gibt es neue Opfer. Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft zudem auktorial, immer wieder aus Sicht einer anderen beteiligten Person. Besonders beklemmend fand ich die Kapitel aus Tätersicht, trotzdem kann der Leser dadurch den Täter nicht erkennen. Ganz lange habe ich gerätselt, schon zu Beginn den schlussendlich sich herausstellenden Mörder, falsch vermutet Das ist bis zum Ende im Dunkeln. Gut inszenierte Plottwists haben mich immer wieder auf die falsche Fährte geführt. Dazwischen eine trügerische Entspannung, denn das Ermittlungsduo Levin/West neckt und kabbelt sich durch die Ermittlungen, doch letztendlich können sie sich aufeinander verlassen. Ich finde beide sehr sympathisch, auch Adam Saras Bruder fügt sich gut ins Team. Damit ist ein Grundstein für weitere vielversprechende Bände gelegt, die ich ganz sicher weiterverfolgen werde. Endlich wieder eine Thriller-Reihe die mich überzeugt. Darauf freue ich mich sehr, denn das Ende zeigt deutliche Tendenzen, dass dies der Auftaktband einer Reihe ist.
Alle Figuren sind glaubhaft, ihr Handeln konnte ich nachvollziehen. Was mit Saras Vater noch kommt, da bin ich gespannt ob er in weiteren Fällen auch eine Rolle spielt. Mir hat gut gefallen, dass es auch bei den Ermittlern zwar Kompetenzgerangel gibt, jedoch zum Wohle der Ermittlungen hat sich jeder Beamte professionell verhalten. Durch die erste Auffinde-Situation schon ist das Spannungslevel sehr hoch und die Kurve steigt steil an. Auf den letzten Seiten konnte ich gar nicht mehr schnell genug lesen. Da war einiges dann schon etwas zu viel, die Beteiligten sind fast zu Helden aufgestiegen, wobei man das Adrenalin nicht aus den Augen lassen darf. Doch das hat nicht gestört, denn die Handlung war bis dahin absolut authentisch.
Ich mag die Antike ganz besonders die römische, dazu noch in einen Thriller verpackt, es war ein aufregendes und spannendes Leseerlebnis. Ich hoffe die Reihe geht so gut weiter, die Ermittler sind mir sehr sympathisch, ich freue mich schon auf den Folgeband. Hier gibt es 5 Sterne.





Die Komponistin
von Alissa Wenz
Die Komponistin, Roman-Biografie von Alissa Wenz EBook, Verlag Klaus Wagenbach
Eine Romanbiografie über die Komponistin Mélanie Bonis.
Die Protagonistin geb. 1858, wächst in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Paris auf, der Tod ihrer kleinen Schwester prägte sie schon in frühen Jahren, ein sensibles und ruhiges Kind und sehr gläubig. Nur durch selbsterdachte kleine Stücke am Klavier, das Klavierspielen hat sie sich auch selbst beigebracht, kann sie sich gut ausdrücken. Sie erhält Klavierunterricht und wird entdeckt. Die Eltern stimmten einem Studium am Pariser Musikkonservatorium zu. Dort kann sie sich, obwohl als Frau, gut behaupten sie belegt Klavierbegleitung und Harmonielehre. Dort lernt sie auch Amédée Louis-Hettich kennen. Die beiden verlieben sich und komponieren zusammen, sie veröffentlichen und sie benutzt den männlich klingenden Namen Mel Bonis. Doch aus der leidenschaftlichen Liebe wird nichts, ihre Eltern lehnen den Antrag von Amédée ab. Die Eltern drängen sie zu einer Ehe mit dem 22 Jahre älteren, und zweifach verwitweten Industriellen Albert Domange. Mit wenig Enthusiasmus komponiert sie kleinere Stücke, sie geht in ihrer Rolle als Mutter auf. Finanziell ist sie nun gut abgesichert. Nach Jahren trifft sie, den nun nach Paris zurückgekehrten und ebenfalls verheirateten Amédée, die beiden beginnen ein Verhältnis, ihre musikalische Zusammenarbeit ist sehr erfolgreich. Sie haben auch ein gemeinsames Kind. Noch immer wird in den einschlägigen Kreisen Mel Bonis als Mann vermutet. Als Frau wurde sie nie anerkannt und gewürdigt. Erst im 21. Jahrhundert erfährt ihr Werk wieder Aufmerksamkeit.
Das Buch ist sehr dicht und tiefgehend geschrieben. Nicht nur Musiker werden an diesem Roman ihre Freude haben, auch andere können das aufregende und mutige Leben dieser schaffensreichen Frau interessant finden, ich habe es genossen, obwohl ich „Mel Bonis“ bisher nicht kannte. Ich habe mir viele ihrer Stücke inzwischen angehört und finde sie faszinierend. Ich hoffe ihr wird die ihr gebührende Aufmerksamkeit zuteil. Wieder eine Frau aus der Vergangenheit die einiges mehr leisten musste um mit Männern mithalten zu können. Die einzelnen Kapitel sind voller Leben Musik und Emotionen und atmosphärisch unglaublich dicht gepackt. Durch die konsequente Nutzung der Du-Erzählperspektive schafft die Autorin eine beklemmende Nähe zur Hauptfigur, sie zieht den Leser mitten in das Geschehen, das ist anfangs doch sehr gewöhnungsbedürftig, der Leser ist kein passiver Beobachter, sondern wird zum Akteur gemacht. Das war neu für mich, aber ein tolles Leseerlebnis. Jedes Kapitel trägt einen zusammenfassenden Titel
Die Figur Mélanie ist hochinteressant, ihre tiefe Gläubigkeit, macht ihr schwere Schuldgefühle, nur wenn sie komponiert ist sie frei, schwere Schicksalsschläge kann sie nur mit ihrer Musik aushalten. Ich habe mich gefreut sie kennenzulernen. Wieder einmal hat sich bestätigt, wie abschätzig das Frauenbild zu dieser Zeit war, das macht mich – wieder einmal - sehr betroffen. Ihre Musik werde ich gewiss immer wieder anhören. Auch die anderen Charaktere sind authentisch, voller Leben und handeln nachvollziehbar.
Die Autorin, Alissa Wenz ist Autorin und ebenfalls Komponistin und Interpretin, das merkt man in jeder Zeile
Mit Interesse habe ich das Buch gelesen, empfehlen möchte ich es allen, nicht nur denen, die sich für klassische Musik begeistern. Von mir 4 Sterne.





Tutto bene
von Laura Wagner
Tutto bene, Hipster-Roman von Laura Wagner, EBook, DUMONT Verlag
Modern erzählter Roman in moderner Sprache
Emma hat mit ihrer Familie kaum Kontakt, die Mutter trifft sie an Weihnachten, vor allem mit dem Vater hat sie den Kontakt abgebrochen. Sie hat Essstörungen, ist alkoholabhängig und hat ihr BWL-Studium abgebrochen. Sie jobbt in einem Berliner Späti. Dort räumt sie Regale ein und verkauft Süßigkeiten und Softgetränke. Na, eben alles tutto bene. Da erscheint Ingrid, eine schlagfertige und mit allen Wassern gewaschene 15jährige, die dem Zocker, Energy-Drink-Trinker und Schoko-Junkie Udo und vor allem Emma zeigt, wie der Hase läuft.
Ganz langsam schleicht sie sich vor allem in Emmas Herz und das ist auch nötig, denn Emma alleine bekommt nicht einmal eine neue Beziehung, mit dem „Matrosen“ so richtig auf die Reihe.
Das Buch besteht aus kurzen intensiven Kapiteln. Geschrieben durchaus bildhaft, sehr flüssig, manchmal ging es mir etwas zu schnell. Vor allem in moderner Jugendsprache verfasst, vermischt mit Berliner Slang. Einige Worte und Bedeutungen musste ich nachschlagen, weil ich keine Ahnung hatte. Ja ich gebe zu es ist nicht meine Generation in der dieses Buch spielt, doch ein Buch in zeitloser Sprache kann bestehen, das wird in hundert Jahren noch verstanden, ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas das heute cheesy oder goofy ist, in 100 Jahren nicht, nur noch belächelt wird. Es handelt sich also hier um ein Buch für eine kurze hippe Phase die in ein, zwei Jahren gar nicht mehr verstanden wird oder längst überholt ist. Ich könnte mir vorstellen, dass Leser, ab Generation Z aufwärts, das Buch schätzen, Ich bin wohl schon zu alt dafür.
Durchaus verstanden jedoch habe ich die Probleme der Protagonistin. Sie ist lebensunfähig, hält sich von ihrer Mutter weitestgehend fern, mit dem Vater hat sie vollständig gebrochen, was ich durchaus nachvollziehen kann. Sie säuft sich jeden Tag völlig zu, sie raucht zu viel, prokrastiniert und hat eine Essstörung. Sie ist nicht bindungsfähig, denn das macht sie sich selber kaputt, zum Glück gibt es da den „Matrosen“ der viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für sie hat, denn kaum hat er mal keine Zeit, dann macht sie parallel mit dem Jäger rum. Manchmal habe ich mich gefragt wer die 15jährige ist, Emma oder Ingrid? Denn Ingrid schafft es, dass Emma ihr Leben nochmal resetten kann.
Die Personen sind allesamt ganz ok. Udo, Leo, Ali, mein Lieblingscharakter war Ingrid, die 15jährige die, der Mitte 20jährigen das Leben erklärt. Sie bekocht und an der Hand nimmt wie eine Mutti. Ja und Leo, der Matrose an dessen Stelle ich mir längst eine andere Freundin gesucht hätte.
Emma fand ich unsympathisch, chaotisch unselbständig und larmoyant.
Hatte das Buch schnell gelesen, Empfehlung für die o.g. Zielgruppe.
Von mir 2,5 wo nötig 3 Sterne





Die Bluthochzeit
von Wolf Hector
Die Bluthochzeit, historischer Roman von Wolf Hector, 540 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag-
Der Fall Magdeburgs im 30jährigen Krieg
1930 wird die protestantische Stadt Magdeburg von den kaiserlichen Truppen belagert. Der Magistrat hat ein Bündnis mit den Schweden geschlossen. Die eigensinnigen Bürger, wollen sich nicht ergeben, weil sie auf Hilfe des König Gustav Adolf II. von Schweden warten. Doch die rettenden schwedischen Truppen lassen auf sich warten. So gelingt es dem geharnischten Mönch, Graf von Tilly, Magdeburg zu stürmen. Zwischen den Fronten ein Liebespaar, Teresa Werdenhagen und Caspar Ludolf Steinmann. Deren Schicksal eng mit dem der Stadt verbunden ist.
Das Buch besteht aus 60 überschaubaren Kapiteln, die mit Ort und Datum, sowie mit einem, das Kapitel zusammenfassenden Titel überschrieben sind. Das Gesamtwerk teilt sich in drei Bücher. Die Erzählform ist auktorial, ich finde es die hier sinnvollste Stilform, denn der Leser kann die Geschichte von allen Seiten und aus der Sicht aller Figuren genießen. W. Hector, schreibt mitreißend, sehr bildhaft, und historisch einwandfrei, Kleinigkeiten die Zeitlich angepasst wurden, sind genannt. Der Autor kann auch Romantik, dass hat er in den einzelnen Liebeszenen bewiesen, selten habe ich dermaßen ästhetische Szenen gelesen, alles klar vorstellbar und kein bisschen zum Fremdschämen. Etwas Besonderes, dieses Buch beginnt mit dem Ende, das ja auch jederzeit in den Geschichtsdokumenten eingesehen werden kann, es wird also nichts vorweggenommen.
Die Zeittafel, das Personenverzeichnis (fiktive Personen mit * markiert) auf den ersten Seiten und das Glossar auf den letzten Seiten habe ich anfangs des Öfteren zu Rate gezogen. Dieser Roman ist es wert langsam und bedächtig gelesen zu werden, die vielen Charaktere und ihre Zugehörigkeit machen dies nötig. Ab der Hälfte geht es flüssig voran und das dritte und letzte Buch habe ich mit Spannung inhaliert. Ein Buch wie für mich, die Begebenheiten und Kämpfe im 30jährigen Krieg faszinieren mich schon immer, jetzt habe ich über den Fall Magdeburgs so viel erfahren, ich kann dem Autor nur eine gründliche Recherche bestätigen. Die einzelnen Figuren sind fundiert beschrieben, sie handeln nachvollziehbar und sind authentisch. Etwas Mystik, durch die Seherin Edita und Bruder Sebastian ist auch dabei, dies hat meine Fantasie beflügelt. Es fügt sich gut ins Buch und ich habe jedes Wort gefühlt. Die historische Stadtansicht ganz zu Beginn hat mir ebenfalls gefallen, man kann sich gut vorstellen was für eine prächtige Stadt Magdeburg war, macht auch das Setting nachvollziehbar. Mit Interesse habe ich auch das Nachwort des Autors zur Kenntnis genommen, weitere Einblicke werden dadurch gewährt.
Schon lange habe ich keinen so schönen historische Roman mehr gelesen, bei dem Fakten und Fiktives so gelungen zusammengefügt waren. Die beigefügte Liebesgeschichte habe ich genossen, ohne Weiteres hätte dies ein Detail zu dieser Zeit, an jenem Ort gewesen sei können. Die historischen Figuren, waren sehr interessant, besonders gelungen die Beschreibung von Tilly und auch Domprediger Bake. Fasziniert haben mich vor allem, die starken Frauen im Roman, Teresa sowie Sabina, ein Leichtes sich in sie hineinzuversetzen. Noch viele weitere bemerkenswerte Figuren wären, Ludolf, sein Vater, Balthasar oder auch Nikola von Kalovac. Nur einen fand ich richtig mies, von Falkenberg den Hofmarschall des schwedischen Königs. Einen Vater wie ihn Teresa hatte, wünscht man sich wohl auch nicht.
Ich fand diesen Roman grandios, ich wurde bestens unterhalten und habe weitere Erkenntnisse über das Geschehen im 30jährigen Krieg erhalten. Ich habe mich am Buch erfreut und gebe gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne.





Die Auster
von Yael Inokai
Die Auster, Roman von Yael Inokai, EBook, Hanser-Verlag.
Leonora ist wie eine Auster, harte Schale ein weicher Kern und nach außen verschlossen.
Leonora Bloch macht schon 45 Jahre beim Geschäftsführer eines legendären Kaufhauses sauber. Sie kennt ihn wohl besser als sonst jemand. Eines Tages findet sie ihren Chef Dr. Bronstett tot am Boden, in einer Blutlache und beide Hände fehlen. Was macht Leonora – erst einmal sauber.
Sie kennt alle seine Geheimnisse, aber sie verrät nicht alles was sie weiß.
In 30 Kapitel mit angenehmer Leselänge teilt sich das Buch. Bildhaft und flüssig geschrieben. Dementsprechend ist es schnell gelesen. Ein Kriminalroman der überhaupt nicht als solcher daherkommt, das fand ich schon etwas befremdlich. Viele Figuren die ich nicht richtig einordnen konnte, so vieles wird angedeutet, aber nicht direkt ausgesprochen, sodass einiges für mich nicht recht einzuordnen war. Ehrlich gestanden konnte ich auch die Auflösung des Falls nicht nachvollziehen. Warum hat die Polizei letztendlich den Täter gefunden, war es der Hinweis mit dem grauen Telefon? Überhaupt wurde die Polizeiarbeit komplett ausgeklammert.
Die Figuren sind durchweg seltsam, nicht nur die Protagonistin. Die Charaktere und ihr Handeln waren für mich nicht nachvollziehbar. Einzig Leonora konnte ich etwas näher kennenlernen, dabei blieb noch so vieles unausgesprochen. Viele Andeutungen habe ich einfach nicht verstanden. Inwieweit ihre Eindrücke echt oder eingebildet sind, war nicht immer genau zu differenzieren. Bei ihrer Bekanntschaft mit dem Kaufhausdetektiv habe ich nur einiges vermutet. in welchem Alter er wohl ist, habe ich nicht verstanden, auch Ilcsi konnte ich überhaupt nicht einordnen, auch nicht altersmäßig. Die einzige Person, bei der ich mir einigermaßen sicher war, was sie bewegt, war die Tochter des Opfers, wobei aber am Schluss auch einiges nicht deutlich aufgelöst wurde. Schade, denn ich denke, da wurde viel Potenzial verschenkt, die Idee zur Geschichte selbst war nämlich nicht schlecht.
Ich habe Probleme gehabt, den Plot nachzuvollziehen. Mit keiner der handelnden Charaktere bin ich warm geworden. Klare Ansagen, vor allem bei Kriminalromanen sind mir lieber. Mir fehlte die Spannung. War einfach nicht mein Buch.
Deshalb 3 Sterne.





All die Farben, all das Licht
von Cora Wucherer
All die Farben, all das Licht, Roman von Cora Wucherer, EBook im Klett-Cotta Verlag
Ein Roman über die oft komplizierte Liebe zweier Schwestern.
Juna und Martha sind Schwestern, Juna ist 17 und Martha 13 sie leben zusammen mit dem Vater, denn die Mutter ist bei Marthas Geburt verstorben. Juna leidet unter dem Usher-Syndrom das bedeutet, dass sie erblinden wird und auch ihr Gehör nimmt immer mehr ab. Deshalb dreht sich in dieser Familie alles nur um Juna, Martha möchte so gerne aus dem Schatten ihrer Schwester treten, doch bei ihr läuft immer alles ohne besondere Vorkommnisse. Juna ist eine begabte Malerin, ist hübsch und klug. Martha muss sich bemühen überhaupt gesehen zu werden. Als Junas Krankheit fortschreitet, kommen sich die beiden Schwestern endlich näher. Die beiden unternehmen einen Roadtrip nach Schweden, denn Juna möchte ein einziges Mal, die Bilder der von ihr verehrten Lotte Laserstein sehen.
Das Buch besteht aus 30 Kapiteln, die in drei Teile gegliedert sind. Der Anfang kam mir langatmig vor, er war geprägt von den Streitigkeiten und Spannungen die in einer Familie, in der Geld und die Aufmerksamkeit des Vaters knapp sind. Sie teilen sich ein Zimmer und gehen nicht gerade sanft miteinander um, da geht es oft ziemlich heftig ab, sie schenken sich wirklich nichts. Während die ältere Schwester alle Aufmerksamkeit, des Vaters hat, fristet Martha ein Schattendasein als Glaskind. Es wird wichtiges totgeschwiegen über die Mutter erfahren die beiden kaum etwas. Böse Streitigkeiten sind Alltag, mir kommt es fast so vor als ob die eine Schwester der anderen nichts gönnt. Obwohl ich eigentlich Mitleid mit Juna hatte, fand ich sie trotzdem anstrengend und egoistisch. Was es bedeutet zunehmend das Augenlicht zu verlieren, vor allem wenn man Talent dazu hat Malerin zu werden, ist hier allerdings glaubhaft beschrieben, die Verzweiflung kommt sehr gut rüber. Meine Sympathien galten aber Martha, die im Laufe des Buches zu einer gefestigten Persönlichkeit wird. Die in ihrem bisherigen Leben alles alleine mit sich selbst ausmachen musste, die unterschwellig auch Schuld am Tod der Mutter hat. Die Dynamik zwischen den beiden verändert sich langsam, das war interessant zu beobachten.
Die Erzählweise ist abwechselnd aus Sicht der beiden Schwestern. Der bildhafte Schreibstil hat geholfen, mir geschilderte Bilder Personen und das Setting hervorragend festzustellen. Durch dieses Buch habe ich einiges über die Künstlerin Lotte Laserstein erfahren, ich habe mir Bilder von ihr angesehen. Das Usher-Syndrom kannte ich bis dahin auch nicht, auch darüber habe ich mich informiert. Als die beiden Schwestern sich miteinander auf die Reise begeben, zieht die Spannung an, der Vater blieb bis zum Ende blass, er ist das schwächste Glied in der Familiengemeinschaft. Die Nebenfiguren, die die Geschwister auf ihrem Weg begleiten sind gut charakterisiert. Alle Personen handeln authentisch.
Einiges hätte ich mir ausführlicher beschrieben gewünscht, auch das Ende hat mich ratlos zurückgelassen, ich finde das Buch hätte um das ganze rund zu machen, noch einiges an Seiten mehr haben können.
Die Entwicklung der beiden Protagonistinnen, gleichberechtigten Hauptfiguren, fand ich gut, die Informationen die ich über dieses Buch erhalten habe waren interessant. Es war unterhaltsam, spannend besonders nach dem ersten Drittel, sehr emotional und zu Herzen gehend. Dennoch hat mir etwas gefehlt. Deshalb von mir 4 Sterne





Tage am Fluss
von Jochen Mariss
Tage am Fluss, Roman von Jochen Mariss, EBook von Kiepenheuer & Witsch
Gegen den Strom schwimmen um anzukommen.
Mitten in der Natur, dort wo der Fluss einen Halbmond bildet, lebt Sara, mit ihrem Hund Luna, drei Schafen und ihrem Hühnerorakel. Sie hat das Amt der Fährfrau, schon ihr Vater hat die Passagiere auf die andere Seite des Flusses gebracht. Doch auf einmal soll sich etwas ändern. Eine Brücke soll gebaut werden, die die Fähre überflüssig macht und nebenbei viel Natur zerstört. Sie weigert sich jedoch Teil ihres Grundes zum Bau der Brücke herzugeben. Was bedeuten würde, dass sie sich selbst arbeitslos macht. Als die Probrücke Befürworter ihr immer mehr zusetzen, kommt Leon in ihr Leben, ein junger Umweltaktivist, der nach einer Waldbesetzung, vor der Polizei flüchtet, er ist verletzt und kommt bei ihr unter. Die beiden gewöhnen sich aneinander, sie sind beide nicht einfach, haben ihre Eigenheiten und Geheimnisse. Es spitzt sich immer mehr zu und nach einem Unwetter geraten sie auch noch in Gefahr.
Das Buch besteht aus 41 brisanten und aufregenden Kapiteln in idealer Leselänge, jedes Kapitel endet so spannend, dass ich das nächste sofort beginnen wollte. Einen Punkt zu finden um das Buch einmal zur Seite zu legen war schwer und so habe ich es in kürzester Zeit durchgelesen. Zwei Erzählstränge im auktorialen Stil, jeweils aus der Sicht von Leon oder Sara, lassen den Leser immer mitten drin im Geschehen sein. Vor allem am Schluss als sich die Situation so sehr zuspitzt, das war unheimlich aufregend. Die Naturbeschreibungen waren wunderschön, das Setting ist so bildhaft beschrieben, absolutes Kopfkino. Der Text wird durch viele spannende Dialoge und tiefgründige Gedanken aufgelockert. Gedichte und Zitate von Brecht, Kästner und anderen, beleben den Text zusätzlich.
Ganz besonders wertvoll sind die Innenansichten und Gedanken der Charaktere, das macht die Figuren echt und authentisch. Das Schicksal von Sara und ihre Familiengeschichte hat mich zutiefst berührt ihr Verhalten kann ich nachvollziehen. Doch auch Leon hat es nicht leicht, sein Umweltbewusstsein verstehe ich total, wobei es bei mir nicht in Panikattacken ausartet, doch ungute Gefühle, für die Zukunft habe ich schon. Beide sind nicht ehrlich zueinander, naxh und nach kommt die Wahrheit ans Licht und das entzweit die beiden immer wieder. Doch letztendloch verbindet beide, die Liebe zur Natur. Zusammen sind sie ein tolles Team, Leon kann anpacken und es geschieht viel auf Saras Anwesen, wozu ihr alleine die Kraft fehlt.
Dieses Buch geht mir sehr nahe, es berührt mich und spricht auch meine Ängste an. Klimaschutz ein Thema das niemand unberührt lassen darf.
Mir hat auch das offene Ende gut gefallen, alles kann gut werden, wenn endlich alle Verantwortung übernehmen, wenn nicht Gleichgültigkeit und Maßlosigkeit weiter die Oberhand behält. Ein Buch das jeder Lesen sollte, ein Denkanstoß für ein wichtiges Thema. Deshalb von mir eine unbedingte Leseempfehlung.
Dazu 5 Sterne





Pina fällt aus
von Vera Zischke
Pina fällt aus, Gesellschaftsroman von Vera Zischke, EBook von Ullstein Ebooks.
Eine Geschichte über Solidarität und Nähe.
Pina lebt mit ihrem autistischen Sohn Leo alleine. Er ist 20 Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, in die nur Pina Einblick hat. Sie ignoriert ihre Magenschmerzen und nimmt zu viele Schmerztabletten. Und dann passiert das Schreckliche. Pina erleidet einen Magendurchbruch, bricht auf offener Straße zusammen und muss notoperiert werden. Sie erwacht aus dem künstlichen Koma und ist auf der Intensivstation ans Bett gefesselt. Ihre Gedanken gelten nur Leo. In der Zwischenzeit, kümmern sich die Nachbarn, Zora die von zuhause rausgeflogen ist, die 86jährige Inge die seit dem Tod ihres Mannes nur noch aufs Sterben wartet und die Wohnung nicht mehr verlässt und der einsiedlerisch lebende Wojtek. Zuerst fühlen sie sich dafür nicht zuständig, doch ganz langsam machen die drei schrägen Vögel ihre Sache immer besser, nicht nur Leo kommt etwas aus sich heraus, nein auch die Hausgemeinschaft profitiert von diesem Arrangement.
Das Buch besteht aus 26 Kapiteln mit Überschriften die auf den Inhalt hinweisen. Der Schreibstil ist auktorial, jede der Figuren erzählt aus der eigenen Sicht. Dadurch wird dem Leser ein umfassender Überblick ermöglicht. Poetisch und wortgewandt wird die tragische und ans Herz gehende Story erzählt. Schon ab dem dritten Kapitel überschlagen sich die Ereignisse und dann hatte ich es schwer, den Reader überhaupt noch aus der Hand zu legen. Obwohl es um ein wirklich ernstes Thema geht ist der Schreibstil fröhlich und schafft Zuversicht. Die Figuren werden vor komplizierte Herausforderungen gestellt, doch sie meistern alle Schwierigkeiten und für jeden der schrägen Vögel kehrt sich alles zum Besseren. Hauptsächlich kann man dabei Inge und Zora begleiten, Wojtek ist mir fremd geblieben, der Inhalt des Briefs am Ende hätte mich brennend interessiert, auch insgesamt hätte ich mir die Geschichte noch ausführlicher gewünscht, das Buch hätte noch gut mehr Seiten vertragen.
Die Botschaft des Buches, keiner ist alleine und zusammen geht vieles besser. Ich bewundere Pina die die anstrengende und belastende Care-Arbeit alleine leisten muss, die die Welt so bereitet, dass sie für Leo OK ist. Welch schwere Last liegt auf ihren Schultern, sogar ihr Vater hat die Augen dagegen verschlossen. Dann hat mir Zora richtig gut gefallen, ihr wurde auch durch Leo viel Positives zuteil, sie hat sich sehr zu ihrem Vorteil verändert. Dafür fand ich ihren Vater unmöglich der meint mit Geld und Einfluss sei alles zu regeln.
Insgesamt habe ich die Lektüre genossen, mich hat das Buch gut unterhalten, noch sind einige Fragen offengeblieben. 4 Sterne von mir.





Pause
von Lena Kupke
Pause, Roman von Lena Kupke, 320 Seiten, dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Der Tag als die Notärztin kam, war der Tag, an dem Hanna wieder zu ihren Eltern gezogen ist.
Hanna erleidet mitten in einer geschäftlichen Besprechung eine Panikattacke und wird ohnmächtig, sie wird sofort ins Krankenhaus eingeliefert, Von da aus wird sie von ihren Eltern erst mal mit nach Hause genommen Hilfsbedürftig und instabil wie sie ist, wird sie in ihrem ehemaligen Kinderzimmer untergebracht, welches inzwischen das Arbeitszimmer ihres Vaters ist. Es ist schwierig für sie im Augenblick ihr eigenes Leben wieder aufzunehmen. Aber mit sechsunddreißig Jahren wieder, wie ein Kind mit den Eltern zusammenzuleben ist für alle drei nicht leicht.
Am Anfang habe ich mich etwas schwergetan, ins Buch und in Lesefluss zu kommen. Die Handlung setzt mitten im Geschehen ein, Chaos und Panik herrscht und was eigentlich genau los ist, erfährt der Leser während des ganzen Buches nicht. Irgendwann habe ich mir zusammengereimt, was im Vorfeld passiert ist, doch ganz genau weiß ich es auch nach der Lektüre noch nicht.
Die Autorin schreibt diese eigentlich tragische Geschichte mit viel Humor. Furchtbare unfassbare Abgründe, abwechselnd mit, ich würde es Galgenhumor nennen. Eine bittere Heiterkeit mit der die Protagonistin im Ich-Stil erzählt. Deshalb ist es auch möglich, ganz tief bis ins Innerste von Hanna zu blicken. Alle Figuren sind ausführlich und tiefgründig charakterisiert. Die Eltern und auch Schwester Sara. 24 pralle und aktionreiche Kapitel, in einer sehr modernen Sprache mit vielen lebendigen Dialogen. Whats App und Sprachnachrichten, auch Eigennamen sind kursiv hervorgehoben und deutlich gemacht.
Ich konnte mich mit der Protagonistin immer wieder identifizieren, zurück in die Kindheit und bei den Eltern wohnen, wie sich das anfühlen kann, hat sie hervorragend geschildert. Manche Dinge die sich niemals ändern, oder die man mit den Augen eines mittlerweile Erwachsenen sieht, hat die Autorin nachvollziehbar geschildert. Auch aus der Sicht der Eltern, kann ich mittlerweile die überraschende Anwesenheit eines erwachsenen Kindes, verstehen. Der Roman beschreibt Situationen die direkt aus dem Leben gegriffen sind, voller Emotionen und viel Liebe und absolut realistisch.
Dieser Roman hat mich tief berührt, die Ausweglosigkeit, die Hilflosigkeit und die Trauer von Hanna war so gut geschildert ich habe jedes Wort geglaubt. An manchen Stellen z.B. von der Vorgeschichte hätte ich gerne mehr Informationen gehabt. Ob sich Hanna, in ihrem Zustand, so prompt in eine neue Liebesbeziehung fallen lassen kann bezweifle ich jedoch. Gerne hätte ich etwas mehr erfahren, mir fehlt ein befriedigendes Ende.
Das Buch ist sehr tiefgründig und emotional bewegend. Ein Beispiel wie Unaussprechliches unausgesprochen bleibt. Trotzdem ist es kein trauriges Buch. 4 Sterne









