Kundenrezensionen
Katja Hölzl aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck
empfiehlt:
Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Ein höchst amüsantes wie aktuelles Buch ist der Debüt-Roman „Sobald wir angekommen sind“ des Regisseurs und Drehbuchautors Micha Lewinsky. Gerade in diesen Tagen, an denen auf der ganzen Welt der Novemberpogrome 1938 gedacht wird, die Tausende von Juden in den Tod trieben, thematisiert der Autor die jahrhundertealte Angst der jüdischen Bevölkerung vor Verfolgung; doch gelingt es Micha Lewinsky, dieses bedrückende Szenario auf unterhaltsame Art und mit viel Selbstironie und dunklem Humor uns Lesenden nahe zu bringen. Das persönliche wie auf die Juden als Volk bemessene Lebensdrama von Flucht und Bedrohung findet sich im Roman verborgen unter einer alltäglichen, banalen, um nicht zu sagen harmlos wirkenden Familienkonstellation: Ben Oppenheimer, ein Zürcher Schriftsteller mittleren Alters, der schon länger keinen Erfolg mehr auf dem Büchermarkt zu verbuchen hat, lebt in Scheidung, hat aber noch immer engen Kontakt zu seiner Frau Marina und seinen beiden Kindern: „Als Marina die Beziehung dann an einem Dienstagabend im März tatsächlich beendete, wartete Ben darauf, in ein tiefes schwarzes Loch zu fallen. Zwei Tage rauchte und weinte er ohne Unterbruch. Danach wurde es besser. Er stellte Erleichterung fest. Er war noch am Leben. Die Angst vor dem Ende seiner Ehe hatte ihn viele Jahre belastet. Nun konnte Marina ihn nicht mehr verlassen. Sie stritten zwar weiter. Aber da nicht er den Schlussstrich gezogen hatte, konnte Ben sich für eine Weile als Opfer fühlen und ohne Schuld zufrieden leiden.“
Die äußerlichen Misslichkeiten lassen bereits den liebenswerten, aber doch schrulligen Charakter des Protagonisten erkennen, der durch eine enorme Fähigkeit zum Selbstmitleid gebrandmarkt scheint – was der Autor auf charmante Weise mit so viel Ironie und Ambivalenz darstellt, dass man als Lesende nicht anders kann, als Empathie zu empfinden. Als sein Freund Roger Ben fragt, ob er seiner Bestimmung folgen wolle oder seiner Angst, antwortet Ben: „Die Angst ist meine Bestimmung.“ Darum geht es: um die Angst vor einem Atomkrieg in Europa, besonders nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Sowohl Marina, Bens Frau, als auch Ben Oppenheimer selbst beschließen, vor den in Europa lauernden Gefahren nach Südamerika zu fliehen – und zwar genau nach Brasilien, dem Zufluchtsort des jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Dritten Reich. „Stefan Zweig, Bens langjähriger Lieblingsautor, hatte sich in Petrópolis niedergelassen, als er von den Nazis verfolgt wurde. Und was für Zweig richtig gewesen war, konnte für die Oppenheims nicht falsch sein.“ Hinter dem persönlichen Schicksal der Hauptfigur steht die jahrhundertelange Fluchtgeschichte seines jüdischen Volkes: „Wenn auf der Flucht aus Ägypten schon die Zeit gefehlt hatte, um Brotteig aufgehen zu lassen, dann hatten die Männer bestimmt auch keine freie Minute gehabt, um sich zu rasieren. Und da die Flucht der Juden nie wirklich aufgehört hatte, wuchsen die Bärte bis heute weiter. So musste es sein, dachte Ben. Er nahm sich fest vor, den Aufsatz des Rasierapparats zu suchen. Selbst wenn es dafür nötig war, die Tasche auszuräumen. Ben war bereit, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen. Er wollte sich rasieren, seine Steuererklärung erledigen und endlich mal die Rückenübungen machen, die er immer wieder vergaß.“ Der Alltag kann für Ben Oppenheimer beginnen, wenn die Flucht gelungen ist, nämlich „Sobald wir angekommen sind“ – wie auch der Titel des Romans lautet. Doch das selbst gewählte Exil der Oppenheimers fühlt sich bald wie ein Familienurlaub an – was wiederum aller Tragik des drohenden Krieges einen Hauch von Leichtigkeit und Komik schenkt.
Überhaupt ist die Einschätzung sowohl der geopolitischen wie auch der familiären Situation vonseiten des Protagonisten nicht immer richtig, wie wachsame Lesende bald bemerken werden: Die Angst vor dem Dritten Weltkrieg ist nur eine Facette der vielen kleinen und großen Existenzängste Oppenheimers, der sich selbst mit seiner andauernden Selbstbetrachtung und Bemitleidung im Wege steht. Gerade dies macht den Roman so klug komponiert, denn die Lesenden sind zum Nachdenken aufgefordert – und sollten der Versuchung widerstehen, dem Protagonisten allzu blind zu glauben. Dennoch steckt ein tiefes Gefühl dahinter, das unser aller Respekt einfordert: Die Flucht und Angst sitzen tatsächlich tief im jüdischen Volk, das eine tausendjährige Geschichte an Verfolgung und Leid sowie eine massenhafte Ermordung hinter sich hat – und, wie die jüngsten Ausschreitungen in diesen Tagen in Amsterdam zeigen, ein Trauma darstellt, das noch immer gegenwärtig ist und anhält. So scheint die Flucht der Oppenheimers als einzig richtige Entscheidung, wobei der Gang ins Exil als Heimkommen empfunden wird. „Sobald wir angekommen sind“ , wird alles gut. – Das ist die Botschaft, die Micha Lewinsky uns hinterlässt: „Sobald wir angekommen sind“– in der Sicherheit des Exils oder in unserm alltäglichen Dasein, in der banalen Realität – wenn wir uns wirklich dem Leben stellen, werden wir beginnen, das Schöne zu sehen, wie Stefan Zweig kurz vor seinem Tod schrieb: „Niemals glänzt der Ausblick freier / als im Glast des Scheidelichts, / Nie liebt man das Leben treuer / Als im Schatten des Verzichts.“ – „Irgendwie auch scheiße, dachte Ben, wenn man das Schöne erst richtig sieht, kurz bevor man eine Überdosis Veronal schluckt“, kommentiert Lewinsky das Gedicht Zweigs. Sein Roman erlaubt uns auszuruhen, Atem zu holen: „Freilich unsere Gegenwart macht es uns nicht leicht, sie zu lieben; selten ist es einer Generation auferlegt gewesen, in einer so gespannten und überspannten Zeit zu leben wie der unseren, und wir haben wohl alle manchmal das gleiche Verlangen, einen Augenblick auszuruhen von der Überfülle der Geschehnisse, Atem zu holen in der unablässigen politischen Bestürmung durch die Zeit“ (Stefan Zweig).
Carmen19994
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Immer, wenn ich etwas neues aus meinem Lieblingsverlag entdecke und es bei mir daheim einziht, bin ich sehr neugierig und erst mal sehr positiv gestimmt. Und wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt und man nicht aufhören will zu lesen, dann hat der Autor definitiv etwas richtig gemacht!
Es ist die Geschichte einer absurden Flucht, Ängste, die den Hauptprotagonisten so sehr beuteln, dass er sich aberwitzig verbiegt und kühne Entscheidungen trifft und auch die Geschichte des sich Änderns und der Selbstfindung.
Die Flucht mit nur einem Teil seiner Familie und ohne seiner neuen großen Liebe und das Anschließende Warten auf den Atomkrieg haben schon etwas tragie-komisches. Als der Atomkrieg jedoch auf sich warten lässt, beginnt der Hauptprotagonist nachzudenken und sich selbst zu ändern, um nicht immer von Angst getrieben zu sein.
Alles in allem ein tolles Buch, welches zum Lachen und Nachdenken anregt. Teils jedoch hatte mich der Hauptprotagonist etwas genervt...
nil_liest
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Wir landen zunächst in Zürich und glauben „nur“ Schaulustige in einer zerrütteten Beziehung zu sein. Zaungast bei Ben und Marina Oppenheimer, die mit dem Nestprinzip ihren gemeinsamen Kindern die bestmögliche Weiterführung ihres bekannten Lebens geben wollen. Aber weit gefehlt. Dies ist nicht nur ein Roman mit einem Protagonisten in der Züricher Bio-Intellektuellen-Bubble sondern auch ein Roman eines generationsübergreifend geprägten Schweizer Juden, der nun mit Kriegsängsten sich seiner Prägung tief im Inneren stellt.
„Er war Kind, Enkel und Urenkel von erfolgreich Geflüchteten.“ wie es auf Seite 87 so treffend heißt.
Hinzu kommt seine Unfähigkeit sich was anderem zu widmen als sich selbst und sich auch sonst in so mancher Situation als Lebensunfähig herausstellt. Ein Mann über den man viel lachen kann und zugleich seufzen.
Also, diese beiden im Jahr 2022 (wenn ich mich hier nicht irre). Getrennt im Nestprinzip und er wieder verbandelt mit einer jüngeren Frau namens Julia. Beides starke Frauen, denen Ben mit schwächelndem Selbstwertgefühl nicht gewachsen ist.
Und nun passiert es, oder Ben und Marina glauben es zu wissen: Der Krieg in der Ukraine droht in einem dritten Weltkrieg zu eskalieren, da Nato-Territorium getroffen wurde. Flucht statt Angriff ist hier der jüdische Instinkt und so, trotz Trennung fliehen Marina & Ben gemeinsam mit den Kindern nach Brasilien.
Ben, von Beruf Drehbuchschreiber ohne Pacht auf die Sonnenseite des Erfolgs, würde gerne einen Film über Stefan Zweig verkaufen, der auch seinerzeit nach Brasilien ins Exil ging. Daher auch viele humorig reflektierte Stellen, wenn Ben sich mit Zweig vergleicht. Spoiler alert: Es ist weitaus weniger romantisch als Ben es sich ausmalte.
Ein Roman voller schwarzem Humor, der mich sehr begeistern konnte. Wenn es da heißt: „Sie wirkte erleichtert, und Ben schöpfte wieder Hoffnung. Noch war Polen nicht verloren. Zum Glück gab es diesen Krieg.“ auf Seite 71. Galgenhumor, der eigenen wahnsinnigen Situation entfliehend.
Dieses Buch gehört gelesen! Mir fallen auch nur wirklich wenige Menschen ein in meiner Bubble, denen ich dieses Buch nicht empfehlen könnte.
xx
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Das Buch hat mir aufgrund des Coverbildes sofort gefallen, welches erstmal nicht zur Geschichte passte - dann aber doch.
Micha Lewinsky hat mit seinem Roman 'Sobald wir angekommen sind' einen tollen Roman geschrieben, der mich aber so manche Nerven kostete.
In dem Roman geht es um einen Mann, Familienvater, mit seiner Exfrau noch zusammenlebend, dennoch schon eine neue Liebe verfolgend. Er hat stetig Angst vor dem Ausbruch eines Weltkrieges und fliegt letzten Endes mit seiner Exfrau und Kind nach Brasilien. Der Roman erzählt dabei die Geschichte und vor allem die Überlegungen sehr detailliert, auch die Dialoge sind sehr verständlich niedergeschrieben. Der Leser bekommt hautnah mit, wie unentschlossen, zerissen und verloren man sich ggf im Leben fühlen kann - dem Hauptcharakter fiel es schwer sich zu entscheiden, seinem Bauchgefühl nachzugehen und letzten Endes eine klare Meinung zu haben.
BR
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Ich merke es fällt mir schwer ein Buch gut zu finden, wenn ich den Protagonisten nicht mag. Diesen Ben Oppenheim mochte ich von Anfang an nicht. Er ist Jude, erfolgloser Autor, Vater von zwei Kindern und wurde von seiner Ehefrau Marina verlassen. Mittlerweile hat er eine Beziehung zu der jüngeren, attraktiven Julia. Als wir ihn kennenlernen ist er mit der Angst vor einem drohenden Atomkrieg beschäftigt. Aus seiner Sicht sollte er seinem jüdischen Fluchtinstinkt folgen und aus Europa fliehen. Da er sich mit seiner Exfrau bespricht und Brasilien als ideales Ziel definiert bucht diese kurzentschlossen einen Flug für sich, Ben und die beiden Kinder. Seine Freundin Julia informiert er gar nicht und hatte auch keinen Gedanken darin, eventuell sie und ihren Sohn mitzunehmen. Diese Angst und der Fluchtgedanke können in der heutigen Zeit real sein.
So wie es Ben definiert und erlebt ist dieses Thema recht unterhaltsam und mit Humor übermittelt. Sein Verhalten und sein Umgang mit den beiden Frauen wird ironisch und auch teils tollpatschig geschildert.
Was mich gestört hat ist der Charakter von Ben. Ein Beispiel dazu auf Seite 67 zu finden: "Er hätte gerne eine eigene Wohnung gehabt. Er sah die Vorteile der Unabhängigkeit. Er sah aber auch die Nachteile. Das Alleinsein. Ungewaschene Wäsche, Schimmel im Bad, Herzinfarkt, …"
Ben ist bequem, auf sich bezogen, zu nichts bezieht er klar Stellung. Wenn er es doch einmal tut z.B. als er sich von Brasilien aus von Julia trennt, bereut er gleich darauf wieder. So ist er in diesem Fall sogar beleidigt dass Julia sich nicht doch meldet bzw. dass sie wohl zuhause ihr Leben weiterlebt und sogar mit einer Freundin verreist.
robertp
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Das Titelbild zeigt uns eine geheimnisvolle Dschungelstadt. Ein Raubtier blickt uns bedrohlich ins Gesicht und über allem steht der volle Mond. Das Titelbild ist ansprechend und schon nach einigen Seiten gefällt mir dieses Buch außergewöhnlich gut. Der Krieg an der Grenze zu Europa, Ben ein Schweizer, der nicht weiß wohin er im Fall der Fälle flüchten soll. Obwohl die Lage nicht lustig ist, ist der Humor in den Zeilen immanent. Während die NATO vom Atomkrieg ausgeht stellt seine noch Ehefrau Marina fest, dass kein Olivenöl mehr im Haus ist.
Ben ist Jude, Verfolgung liegt in seinen Genen, seine neue Freundin Julia ist eine Schweizer Künstlerin. Bei ihr verbringt er die Hälfte der Woche, da er Sorgerecht und Bett mit Marina teilt – wohnen ist teuer in der Schweiz. Hals über Kopf will die Noch-Ehefrau nach Brasilien, ein Atomanschlag ist unvermeidlich sagen die Medien. Marina nimmt ihren Ehemann mit nach Recife. Ben wollte eigentlich nach Petropolis, wie sein Vorbild Stefan Zweig. Und so geht es ins Exil – „.. er konnte unmöglich mit Julia nach Brasilien fahren …. Brasilien war ein Flucht-, kein Urlaubsziel, das musste man strikt trennen ..“ (S. 35).
Eine tragisch komische Geschichte breitet Micha Lewinsky hier aus. Der Autor aus der Schweiz kommt aus dem Filmgenre und das merkt man dem Roman auch an. Die Handlung findet in Innenräumen statt, die Schweiz und Brasilien bieten die große Hintergrundkulisse. In seinem zweiten Buch schreibt der Drehbuchautor über einen erfolglosen (Drehbuch)Autor – einige Dialoge entspringen vielleicht aus eigenem Erlebnissen.
Der Protagonist sieht in seinem Leben immer die Möglichkeiten, er kann sich aber nicht entscheiden, also folgt er dem geringsten Widerstand. „Vielleicht war das Flickwerk aus Neurosen … das Ben großspurig „sein Leben“ nannte …“ (S.167). Letztlich kommt es zu einer Aussprache mit Marina und einer Rückkehr in die Schweiz. Zuvor erlebt er aber ein enttäuschendes Erlebnis beim Besuch der Casa Zweig.
Für alle die sich kurzweilig unterhalten wollen und dem Humor, auch dem jüdischen, nicht abgeneigt sind.
Katyleh
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
So gut, wie mir dieses Buch gefällt, so wenig gefällt mir das Cover. Aber wie wichtig ist das Cover, wenn das Buch gut ist?
Natürlich wäre ein Hingucker im Bücherregal wünschenswert, aber leider ist es dieses nicht, und auch die Größe des Buches hat mich ein wenig enttäuscht. Aber die Geschichte darin fand ich sehr interessant. Es geht um Ben. Er ist nicht unbedingt ein toller Mensch, er ist eher unsympathisch und glänzt nicht durch Heldenmut. Ganz im Gegenteil, er flüchtet vor seiner Welt, denn er hat Angst vor dem nächsten Atomkrieg, vor dem dritten Weltkrieg. Er lebt in einer unglücklichen Ehe und hat eine Geliebte. Ihn plagen Geld sorgen, Rückenschmerzen, und die Angst sitzt ihm im Nacken, weshalb er seine sieben Sachen packt, seine Familie an die Hand nimmt und nach Brasilien flieht.
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich habe es in kürzester Zeit durchgelesen. Der Schreibstil ist locker, leicht und direkt, was mir sehr gut gefällt. Die Geschichte war an manchen Stellen ein wenig langatmig, so dass ich ab und zu den Faden verloren habe, aber ihn schnell wieder finden konnte. Alles in allem eine interessante Geschichte über eine Flucht in ein fremdes Land.
Was die Familie in Brasilien erwartet, ist hier sehr interessant rübergekommen und wurde Detailliert in Szene gesetzt, so dass ich durchweg sehr gut unterhalten war.
Ein interessantes Buch, welches ich definitiv empfehlen kann. Ein Buch mit einer Geschichte, die perfekt in die heutige Zeit passt und zum nachdenken anregen kann. Aktuell und knallhart, allerdings nicht ohne den ein oder anderen Lacher, den ich nicht unterdrücken konnte, denn Ben ist herrlich naiv und tollpatschig.
heinoko
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Wenn ich einen neuen Titel meines Lieblingsverlages in Händen halte, bin ich grundsätzlich positiv-neugierig gestimmt. So erging es mir auch bei dem vorliegenden Titel, dessen Coverbild mich ganz besonders intensiv ansprach. Und doch weiß ich nach Lektüre nicht wirklich, wie ich dieses Buch beurteilen soll. Denn es hat mich mehr genervt als beglückt. Doch dazu später mehr.
Der Protagonist, der Schriftsteller Ben Oppenheimer, hat ein ungewöhnliches Arrangement getroffen mit seiner Ex-Frau, seinen zwei Kindern und seiner aktuellen Liebe Julia. Er lebt halb mit der früheren Familie, halb mit der neuen, um allen oder vielleicht auch sich selbst gerecht zu werden. Eine Schreibblockade lässt ihm viel Zeit für seine Rückenschmerzen und für seine Angst vor einem Krieg in Osteuropa. Aus jüdischem Fluchtinstinkt heraus entscheidet er sich plötzlich, nach Brasilien auszuwandern, zusammen mit seiner Ex-Frau und den Kindern, aber ohne Julia. Als der Atomkrieg auf sich warten lässt, beginnt Ben endlich zu begreifen, dass er nicht die Umstände ändern kann, sondern dass er sich selbst ändern muss.
Dass der Autor Drehbuchschreiber ist, hilft dem Roman und seiner Lesbarkeit sehr. Denn die kurzen Szenen sind kurzweilig geschrieben, oftmals mit einer Prise Humor gewürzt. Es wird nie langweilig, man mag immer weiter lesen und hat das Gefühl, in eine Art „Entwicklungsroman“ verlockt zu werden. Und doch habe ich noch nie mit einem Protagonisten so sehr gehadert, noch nie war mir eine Hauptperson, die Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens und Denkens ist, dermaßen unsympathisch wie dieser Ben Oppenheimer. Sein rückgratloser Egoismus, seine ewige Zauderei und Unentschlossenheit, die aber auch plötzlich umschlagen kann in seltsam unüberlegten Aktionismus, seine Hypochondrie, sein Nichtwissen, was er eigentlich wirklich will – all das hat mich genervt, hat mich aufgeregt, hat mich immer wieder den Kopf schütteln lassen. Vielleicht wollte er Autor mit seiner mitunter eingestreuten Ironie dem Leser Distanz zu Ben Oppenheimer gewähren. Bei mir jedoch rief diese Romanfigur nur Ärger hervor. Denn Davonlaufen vor den eigenen und den gesellschaftlichen oder gar weltpolitischen Problemen findet nicht mein Verständnis, sondern Zorn und Enttäuschung. Warum soll ich darüber lesen, auch wenn es gekonnt geschrieben ist? Die Quintessenz des Romans, über die ich mich hier nicht äußern will, um nicht zu spoilern, mag für Menschen mit psychischer Struktur ähnlich wie Ben erkenntnisreich sein. Mir persönlich war das Selbstverständliche zu wenig Inhalt.
Fazit: Gute Schreibe, unterhaltsam, ironisch, aber ein Romanheld, der mir nur auf die Nerven ging.
CanYouSeeMe
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
“Sobald wir angekommen sind” von Micha Lewinsky ist eines der Bücher, bei dem ich nach dem Lesen nicht so recht einordnen kann, ob es mir gefällt oder nicht. Es hat mich ambivalent zurückgelassen, insbeondere aufgrund des wahrlich interessanten Protagonisten Ben Oppenheim.
Ben ist Jude, jedoch nicht sonderlich gläubig, Stefan-Zweig-Fanboy und in meinem Augen unheimlich unsympathisch durch seine Unentschiedenheit und Selbstbezogenheit, durch seinen Wankelmut. Er ist ein Opportunist. Eine spannende Mischung, wobei mir die im Klappentext angedeutete Änderungseinsicht im Buch nicht aufgefallen ist, vielleicht hätte mich das mit ihm versöhnt... Man muss Ben nicht mögen, um den subtilen Humor des Autors zu spüren. Das hat mir gut gefallen und ich beim Buch gehalten. Sprache und Schreibstil harominierten gut und zeichnen ein Setting, das sich auch durch ernste Töne und der Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte auszeichnet. Nebencharaktere blieben mir teils zu eintönig, insbesondere Marina hätte ich mir facettenreicher gewünscht - anbdererseits spiegelt dies, wie Ben sie wahrnimmt, was wiederum an Bens Charaterzeichnung teilhat.
Micha Lewinsky baut einen guten Spannungsbogen, der mich das Buch hat beenden lassen - ich wollte dann doch immer wiessen, wie es weiter geht - nicht ums Bens Willen, sondern wegen der Menschen um ihn herum.
Pusteblümchen
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Sobald wir angekommen sind
von Micha Lewinsky
Ängste sind in der heutigen Zeit nichts Ungewöhnliches. Benjamin Oppenheim lebt in Zürich und hat Angst vor dem Dritten Weltkrieg. Aber er hat nicht nur einfach Angst, er hat sich auch entsprechend vorbereitet. Er will mit seiner Ehefrau, von der er inzwischen getrennt lebt, und den beiden gemeinsamen Kindern nach Südamerika. Wobei die beiden nicht wirklich getrennt leben, sondern weiterhin beide in der gemeinsamen Wohnung, aber sich immer nur einer dort aufhält. Benn hat diese Lebensform das Nestprinzip getauft.
Ich denke, dass inzwischen deutlich geworden ist, dass es sich um einen Roman mit außergewöhnlicher Handlung handelt.
Der Plot ist interessant, irgendwie auch spannend und obwohl er der Fantasie des Autors entsprungen ist erstaunlich aktuell. Er passt in unsere Zeit mit ihren Unsicherheiten und Unwägbarkeiten. Mir gefielen die Dynamik und Dialoge. Er hatte trotz des bedrohlichen Hintergrundes etwas Erfrischendes.
