Kundenrezensionen von Ulgu1978





Löwe
von Sonya Walger
Sonya Walger erzählt in diesem Buch von ihrem Vater. Ein Mann, der ein unstetes Leben führt, vermutlich ständig klamm ist, wenig Verantwortungsgefühl hat, Drogen nimmt und seiner Tochter immer wieder neue Partnerinnen vorstellt. Erstaunlicherweise hat er keine Probleme neue Frauen für sich zu gewinnen.
Die Besuche bei ihm sind häufig nur kurz und nicht immer mit positiven Erinnerungen behaftet. Zwischen den Zeilen spürt man, wie sehr sie als Kind unter der Situation gelitten hat.
Sonya Walgers Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ich mag Romane, in denen in Rückblicken auf vergangene Begebenheiten eingegangen wird. Aber in diesem Buch wird innerhalb weniger Absätze zwischen mehreren Zeiten hin und her gewechselt. Mir fehlt hier einfach der rote Faden, an dem ich mich als Leserin entlanghangeln kann. Vielleicht konnte mich deshalb die Geschichte nicht wirklich fesseln.





Ochsenkopf
von Manik Sarkar
Als ich anfing, das Buch zu lesen, wusste ich tatsächlich nicht, was mich erwartet. Tatsächlich wird auf den ersten Seiten die Tötung und das Zerlegen eines Tieres beschrieben. Und obwohl ich überlegt hatte, auf Grund dessen, das Buch wieder zuzuklappen, habe ich weiter gelesen.
Rensing sieht sich als Künstler und Kenner in seinem Fach - was er vermutlich auch ist. Ihm geht Qualität über alles. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er die Schlachterei und heiratet Jacomine. Er hat hochfliegende Pläne, die er mit einem Kredit verwirklicht und teure Anschaffungen vornimmt. Allerdings hat er die Rechnung ohne die Kunden gemacht, die sich nicht an die Neuerungen gewöhnen können oder wollen. Seine Frau übernimmt eines Tages das Ruder, um den Betrieb vor dem Ruin zu bewahren.
Ein interessanter Roman, der die Leserschaft nachdenklich zurücklässt. Spätestens beim nächsten Einkauf an der Fleischtheke im Supermarkt wird man sich an das Gelesene erinnern. Und vielleicht überlegt man dann, doch mal wieder bei einem Fleischerfachgeschäft einzukaufen.
Ich habe es nicht bereut, den Roman bis zum Ende gelesen zu haben.





Red Star Down
von D. B. John
Ljoscha, Jenna und Eric sind die Protagonisten in diesem einzigartigen Spionagethriller. Zu Beginn des Buches werden die drei Personen "vorgestellt" und die Leserschaft kann zunächst nicht erkennen, welche Verbindung zwischen ihnen besteht. Ljoscha und Jenna sind die zwei sympathischen Figuren in diesem Thriller, was man von Eric in keinster Weise behaupten kann.
Dieses Buch ist ein faszinierender Spionagethriller wie ich ihn noch nicht gelesen habe. D.B. John verknüpft gekonnt reale Personen und Ereignisse mit fiktiven Figuren und Geschehnissen. Das ist sehr erschreckend, aber gerade das macht diese Geschichte so besonders. Vor allem wie Putin, Trump und Kim Jong-un ihre Macht ausüben wird treffend beschrieben. Das ist aber gerade das Erschreckende an dieser Geschichte, denn diese drei Männer haben heute noch in der Realität das Sagen.
Besonders hervorheben möchte ich, dass das Buch durch eine Nachbemerkung des Autors vervollständigt wird, in der einige reale Ereignisse erläutert werden.
Fazit:
700 Seiten Spannung, die man, einmal angefangen, nicht aus der Hand legen kann. Ein Spionagethriller, der länger im Gedächtnis bleibt.





Pause
von Lena Kupke
Hanna erleidet einen Zusammenbruch und wird von einer Notärztin ins Krankenhaus eingewiesen. Und obwohl die Ärztin ihr rät, zumindest über Nacht dort zu bleiben, weil es ihr seelisch und körperlich nicht gut geht, verlässt sie auf eigenen Wunsch das Krankenhaus. Allerdings holt nicht ihr Freund Paul sie ab, sondern ihre Eltern und nehmen sie mit zu sich nach Hause.
Lena Kupkes Roman konnte mich nicht wirklich überzeugen. Das lag vor allem an den handelnden Personen:
Eine Protagonistin, die sich mit Notlügen durch alle Situationen durchhangelt,
die Eltern und die Schwester, die den ganz offensichtlich schlechten seelischen Zustand ihrer Tochter bzw. Schwester totschweigen, anstatt mit ihr zu reden oder sie zum Reden zu animieren
und dann noch der Lebenspartner Paul, der sich nicht einmal ansatzweise Sorgen macht, dass Hanna im Krankenhaus gelandet ist.
Und dann trifft sie Alexander, der - ganz das Gegenteil - angeblich so gar keine Fehler und für alles, wirklich alles Verständnis hat. Hier war es mir eindeutig zu viel des Guten.
Die einzigen Lichtblicke sind die Hausärztin Frau Polten und die Nachbarin Helen.
Alles in allem konnte mich die Geschichte nicht überzeugen, weil mir hier zu viele Klischees (Großstadt = toll, Kleinstadt = hinterwäldlerisch) bedient werden und ich es für unwahrscheinlich halte, dass der Aufenthalt in einer einsamen Waldhütte bei so einem seelischen Tief heilsam sein soll. Und zum Schluss kann ich nur empfehlen, das Buch nicht zu lesen, wenn man sich selbst in einem Stimmungstief befindet.





Sturmland
von Miriam Georg
1860, Cora, eine junge Frau, versucht aus den Engen der damaligen Zeit auszubrechen und flüchtet aus Hamburg, um als Hauslehrerin ein junges Mädchen, Emmi, zu unterrichten. Emmi leidet an Tuberkulose und reist mit ihrem Vater nach Norderney und Cora ist es sehr recht, Hamburg den Rücken kehren zu können. Dort lernt sie Onnen kennen, der ihr als Aufpasser zur Seite gestellt wird. Nach anfänglichem gegenseitigem Misstrauen kommen sich beide mit der Zeit näher.
Der Grund für Coras Flucht liegt in der Vergangenheit, die in Rückblicken erzählt wird. Das gleiche gilt für Onnen, auch hier erfährt man nach und nach, was in seiner Vergangenheit passiert ist.
Interessant fand ich wie es sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland und besonders auf den Inseln Norderney und Borkum lebte. Erschreckend war für mich, wie sehr die Rechte der Frauen damals eingeschränkt waren. Besonders beeindruckt haben mich die Beschreibungen über die medizinische Versorgung - vor allem auf den Inseln -, die Anfänge des Tourismus und die Bildung einer Gesellschaft zur Rettung von Schiffbrüchigen.
Hier hat Miriam Georg meiner Meinung nach gut recherchiert. Sie berichtet über ihre Nachforschungen auch in ihrem Nachwort.
Trotz allem Positiven hatte ich ein wenig Mühe in die Geschichte hineinzufinden, und doch kann ich allen Leser/innen, die sich für diese Zeit interessieren, dieses Buch empfehlen.





FIVE - Das Ticken der Zeit
von Ilona Bannister
Fünf Menschen treffen mehr oder weniger zufällig auf einem Bahnsteig aufeinander und eine/r von ihnen wird in den nächsten Minuten sterben. Die Leser/innen begleiten diese fünf Menschen nicht nur in diesen Minuten, sondern es wird zu jeder Person in Rückblicken ihre Lebensgeschichte erzählt. Und man begreift, warum sie so geworden sind. Jeder Mensch hat eine Vorgeschichte, die ihn prägt, das wird hier besonders deutlich.
Weitere Personen verfolgen die Ereignisse auf dem Bahnhof, werden allerdings namentlich nicht erwähnt. Ich vermute, damit soll verdeutlicht werden, dass sie lediglich als Staffage dienen, um die Situation lebendiger zu gestalten. Von ihnen erfahren wir wenig, nur wie sich gerade ihre jetzige Lebenssituation darstellt. Alle Beteiligten werden nicht besonders sympathisch dargestellt, so dass es mir als Leserin egal war, wer am Ende sterben wird.
Ilona Bannister hat einen flüssigen Schreibstil, der mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Besonders gut gefallen hat mir ihr trockener Humor und ihre Art immer wieder die Leser/innen direkt anzusprechen. Zwischen den eindringlich erzählten Lebensgeschichten kehrt Ilona Bannister zu den Ereignissen am Bahnsteig zurück, und es ergeben sich immer wieder neue Situationen, in denen man glaubt zu wissen, wer am Ende nicht überleben wird.
Weiter ist mir positiv aufgefallen, dass die Autorin in ihrem Nachwort über ihre Recherche zu den verschiedenen Traumata berichtet und hierzu auf Fachliteratur verweist. Lustig fand ich, dass sie sich ausführlich mit der Pünktlichkeit der britischen Bahn beschäftigt hat und das nicht nur im Internet, sondern auch, indem sie viele Bahnreisen unternommen und auf vielen Bahnsteigen gestanden hat. Ob sie dadurch auf die Idee zu diesem Buch gekommen ist, verrät sie leider nicht.
Alles in allem ein ganz besonderes Lese-Erlebnis, dass nicht so schnell vergessen wird. Ich hoffe sehr auf weitere interessante Romane von Ilona Bannister.





Nebelbeute
von Benjamin Cors
Ein neuer Mila-Jakob-Krimi von Benjamin Cors:
Mila hat es sich zur Aufgabe gemacht den Entführer mehrerer Kinder, Toblach, aufzuspüren und ihn nach dem Verbleib von Romy und Mathilda zu fragen. Sie begibt sich in ein Bergdorf, in dessen Gegend sich Toblach aufhalten soll. Und eines Tages ist Mila verschwunden und die Gruppe 4 beginnt mit der Suche nach ihr.
Der Roman ist in drei Teile aufgebaut. Im ersten Teil wird über Milas Suche nach Toblach berichtet, im zweiten Teil geht es um die Suche nach Mila und im dritten Teil wird alles aufgelöst.
Nebelbeute ist für mich der schwächere Roman in dieser Serie. Vor allem der erste Teil um die Jagd nach Toblach ist etwas langatmig, dafür ist der zweite Teil mit der Suche nach Mila wirklich sehr spannend und man fiebert mit der Gruppe 4 gemeinsam, ob sie es schaffen, Mila lebend zu finden.
Fazit: Insgesamt ein spannender Krimi mit einem doch überraschenden Ende. Trotz des schwächeren ersten Teils insgesamt ein spannendes Lesevergnügen.





Solange ein Streichholz brennt
von Christian Huber
Alina erhält von ihrer Redaktion und ihrem Kollegen Jakob die Chance, eine Reportage über einen Obdachlosen zu drehen. Eine Sozialarbeiterin gibt ihr den Tipp, den Obdachlosen Bohm anzusprechen. Auch wenn ich es mir als Leserin schwer vorstellen kann, springt bereits bei der Begegnung der beiden ein kleiner Funke über. Alinas Kollege Jakob bildet das Kontrastprogramm zu Bohm und es lässt sich wohl nicht vermeiden, dass sich der Autor hier einiger Klischees bedient.
Christian Huber beschreibt mit flüssigem Schreibstil abwechselnd, wie Alina und Bohm die Situationen aus ihrer Sicht erleben. Kollege Jakob taucht zwischendurch immer wieder als Störfaktor auf und zeigt, dass eine schöne Fassade in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht ausreicht.
Ich hatte anfangs Bedenken, mich an diesen Roman heranzuwagen, aber zum Glück wird hier nicht so sehr auf die Tränendrüse gedrückt wie ich befürchtet hatte. Vor allem Bohms Situation wird ziemlich realistisch beschrieben. Deshalb ein Buch dass ich gerne weiterempfehle.





Noch fünf Tage
von Helena Falke
Lis ist Köchin bei der Familie Harmann, die in der Silvesternacht nach der Zubereitung ihres Menüs durch Vergiftung verstirbt. Allerdings hat auch Lis das Gift zu sich genommen, hat allerdings noch fünf Tage Zeit bis zu ihrem unausweichlichen Tod. Dadurch gerät sie in den Verdacht, an der Ermordung der Familie Harmann zumindest beteiligt gewesen zu sein. Um ihre Tochter Cosima zu schützen, versucht sie in diesen fünf verbliebenen Tagen vom Kranken-/Sterbebett aus den wahren Mörder zu finden.
Ich hatte Mühe, mich in die Protagonistin und ihre Gedankenwelt hineinzuversetzen. Die vergangenen Jahre von Lis werden in Rückblicken erzählt, wobei die Leser/innen Einblick in Welt der Reichen und Schönen erhalten. All dies bleibt aber eine klischeebehaftete Erzählung und hat nicht zur Spannung beigetragen.
Trotzdem war ich neugierig, wie die Geschichte ausgeht und habe das Buch bis zum Ende durchgelesen.





Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
von Florian Schwiecker
Charlie, eine eigenwillige, aber sympathische Hackerin mit leicht autistischen Zügen, und die von ihr erschaffene künstliche Intelligenz namens KIM, bemühen sich - überwiegend virtuell - die Welt zu retten. Cyberterroristen versuchen Geld zu erpressen, indem sie sich in Navigationssysteme gehackt haben und drohen damit, diese zu manipulieren. Charlie und KIM machen sich auf die Suche nach dem oder den Hauptverantwortlichen und geraten in brenzlige Situationen.
Ein Krimi, in dem eine künstliche Intelligenz mit menschlichen Zügen gemeinsam mit echten Menschen einen Krminalfall löst, war für mich ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Ungewöhnlich, aber interessant, auch wenn ich nicht alle Begriffe aus der Computerwelt verstanden habe. Ich fand es faszinierend, aber auch beängstigend, was mit künstlicher Intelligenz machbar ist. Ich bin gespannt, wie es im nächsten Band weitergeht.









