Kundenrezensionen von fantasia





Der kleine Alexander von Humboldt. Eine Reise durch die Wälder dieser Erde
von Verena Linde
Das Buch von Verena Linde über die Wälder dieser Erde gefällt mir sehr gut. Theo und Pria haben einige Fragen rund um das Thema Bäume - wie z.B. warum diese Blätter brauchen oder warum Blätter abfallen. Die Idee, all ihre Fragen durch den zehnjährigen Alexander von Humboldt beantworten zu lassen, ist gelungen, da so die kleinen Leserinnen und Leser auch etwas über diesen berühmten Naturforscher erfahren können. Und der wie sie als Kind gerne draußen umherstreifte, um die Natur zu erkunden.
Das ist etwas fantastisch, da während der Reise die Zeit stillsteht, aber so müssen sich die Eltern keine Sorgen machen. Mischwälder, Nadelwälder und der Regenwald warten auf Theo und Pria - mit all den Lebewesen, die darin wohnen, aber auch mit den Problemen, die das Abholzen des Regenwaldes mit sich bringt.
Schön bebildert hat man Lust diese Welt der Wälder zu entdecken und die Tiere auf den Seiten zu suchen – und es gibt eine Fortsetzung: Mit dem kleinen Alexander kann man dann die Meere dieser Erde entdecken. Schön!





Weiterleben
von Patrick Charnley
Die leisen und bedeutsamen Seiten des Lebens
„Weiter leben“ ist das Erstlingswerk eines Autors, der nach einem Herzstillstand mit dem Schreiben anfing.
Jago - die Hauptfigur des Romans - hat ein ähnliches Schicksal. Sie war 40 Minuten klinisch tot und muss sich langsam wieder im Leben zurechtfinden. Dieser Prozess vollzieht sich langsam und mit großer Ruhe: Er nimmt den Leser so behutsam mit, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Sprache und Inhalt greifen ineinander und ergänzen sich. Als Beispiel sei nur genannt, S.182: „Ich koche nicht mehr nach Gefühl. Ich brauche mein System. Rezepte und Küchenwecker. Ich kann immer nur eine Sache auf einmal machen, und wenn der Anrichte zu viel steht, sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht.“
Das Leben dreht sich um die kleinen, alltäglichen Dinge wie Essen zubereiten, die Tiere versorgen, sich um die Gemüsebeete kümmern, Schach spielen, vor dem Kaminfeuer sitzen, einander zuhören - für einander da sein.
Dass diese Idylle im weiteren Verlauf gestört werden muss, gehört fast zwangsläufig zur Konzeption eines Romans. Die Schurkerei fand ich etwas aufgesetzt. Letztlich fällt das jedoch kaum ins Gewicht, denn die eigentliche Stärke des Romans liegt in der ruhigen und feinfühligen Beschreibung des Lebens und des langsamen Zurückfindens in den Alltag. Das wunderschön gestaltete Cover zeigt ein Cottage vor dem Hintergrund des tiefblauen Meres und Wolken am Horizont. Leuchtende Farben, die zu diesem Inhalt des Romans passen: ein durchweg positiver, ruhiger Roman, der ganz im Zeichen des Mottos „Alles zu seiner Zeit“ steht.





Ein ganz normales Wunder
von Woody Brown
Der Roman von Woody Brown „Ein ganz normales Wunder“ hat mich nicht wirklich überzeugt. Auf dem Cover wird er als „Ein Debüt der Extraklasse“ (New York Times) gelobt. Klar, der Autor ist „erster nicht-sprechender autistischer Absolvent der University of California.“ Das ist mehr als lobenswert. Chapeau!
Dennoch finde ich, muss man auch kritisieren dürfen.
Mich hat diese Darlegung der Personen, die in der Tagesstätte Upward Bound arbeiten oder dort untergebracht sind, nicht überzeugt. Es war für mich eine einzige Aneinanderreihung. Das Verbindende war zwar die Tagesstätte, aber das war´s denn auch. Viele Personen und ihre Alltagsgeschichten werden dargestellt, irgendwann verliert man den Überblick (weil es auch nicht wirklich den Leser packt). Den roten Faden habe ich vermisst- und den hätte man doch gut mit der Ich-Figur ziehen können.





Querfeldein
von Alex Capus
Alex Capus´ Roman „Querfeldein “ packt den Leser mit dem ersten Satz oder Einstieg, wie z.B. bei „Léon und Louise“ die Beerdigungsszene mit der Fahrradklingel. Hier geht es nun um Arnold, der in einem Schweizer Dorf kurz vor der Grenze nach Deutschland einen Gasthof („zur Moskau“) eröffnet und damit die eigenartigsten Menschen auf der Durchreise kennenlernt. Interessant finde ich, dass der Roman auf einer wahren Geschichte basiert.
Der Protagonist ist Vater einiger Kinder, die ihm etliche Überraschungen ins Haus bringen: So Clara den Schmuggler Hermann. Das wird dann spannend und gefährlich, als er kommunistisches Propagandamaterial im Rucksack hat. Und dann kommt es, wie es kommen musste… er wird von Nazis geschnappt und über die Grenze nach Deutschland verschleppt. Die Reaktion des Dorfes und seiner Freunde zeugt von Zusammenhalt und Menschlichkeit. Da hat mir gut gefallen.





Die Auster
von Yael Inokai
Der Roman „Die Auster“ der Schweizer Autorin Yarl Inokai ist eigenwillig anders: als Krimi angelegt - Ausgangspunkt ist der Mord an Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines Luxuskaufhauses - erfährt man letztendlich mehr über die Schicksalsschläge und Befindlichkeiten der 73-jährigen Putzfrau Leonora, die den Ermordeten gefunden hat, für den sie laut Testament die Beerdigung organisieren soll und irgendwie überlegt, wer wohl das getan haben könnte.
Mit dieser doppelt angelegten „Handlung“ wird die Autorin meines Erachtens keinem Aspekt wirklich gerecht.
Die Handlung zieht sich, die Seelenanalyse der Hauptfigur Leonora ist zudem wenig gewinnbringend. Andere Figuren und Geschichten fließen ein, die wenig miteinander zu tun haben und nicht zu Ende gedacht werden
Am besten hat mir das Cover gefallen, witzig und interessant fand ich den Beginn des Romans - eine Putzfrau, die den Tatort reinigt. Dieses Interesse hat sich aber meinerseits schnell gelegt. Ich fand´s langatmig und wenig gewinnbringend.





Juli im Land der Zeitgeister
von Wieland Freund
Der Thienemann-Verlag ist ein Verlag, der es versteht, inhaltlich gute Bücher mit einem schönen Layout herauszubringen.
Über das einladende Cover kommt man über eine bunte Innenseite, die das Thema des Buches aufgreift und neugierig macht. Die Übersicht ist in einer Art gestaltet, die mir nicht so gefällt (Sätze, in denen mehr oder weniger etwas zum jeweiligen Kapitel ausgesagt wird, z.B. „Uff das letzte Kapitel. Aber im Uhrenkeller ist nicht alles beim Alten.“)
Die Protagonistin Juli („wenn sie etwas beschloss, dann eigentlich für jetzt und sofort“, S.10) versucht zusammen mit Trim, einem Zeitgeist, die „Zeit wieder zum Laufen zu bringen. Dabei erhält sie weitere Unterstützung, um das Tun des Zauberers Allrich zu unterbinden, der für den Stillstand der Großen Uhr gesorgt hat. Und wie Zauberer so sind, verzaubert Allrich andere Menschen oder nimmt die Gestalt von anderen an - das bedeutet, einige spannende Situationen gilt es für Juli und ihre Freunde zu bestehen. Vergangen sind letztendlich fünf Minuten, aber für Juli dauerte das Abenteuer viel länger. Es gab immer wieder überraschende Situationen, was mir gut gefallen hat.
Auch die fantasievollen Figuren (z.B. ein Zeitgeist in Maikäferform, der Heuschobergeist oder Brückengeist) gefielen mir und v.a. die Idee, um die sich die Abenteuer ranken: der Stillstand der Zeit.





Play+ Mein allererstes Soundbuch Tiere im Wald - ab 12 Monate
von Maria Höck
Ein ansprechendes Cover lädt zum Blick in das kleine Buch ein, das mit seinen dicken stabilen Seiten für die Kleinsten (Zielgruppe ab 12 Monate) leicht zu greifen und umzublättern ist. Dort erwarten einem schöne, großformatige Bilder und daneben ein kleiner Input über die Tiere, die auf dieser Seite abgebildet sind. Man kann die Texte zunächst vorlesen und die Tiere suchen lassen, was Spaß macht, und dann auf den Sound drücken.
Mir gefällt vor allem die Nennung der Namen unter den Tieren und alle Namen wurden mit dem Artikel versehen - wunderbar, auch für Kinder, für die Deutsch die Zweitsprache ist. Der Sound zum jeweiligen Tier ist dann das I-Tüpfelchen. Vielleicht ist der Drückknopf etwas klein geraten, andererseits verhindert es ein ständiges Drücken - und nach einiger Zeit ist auch den Kleinsten klar, wo der "Knopf" ist.





Was dein Leben leichter macht
von Sina Haghiri
Die zwanzig wichtigsten Erkenntnisse der Psychologie, um sich und andere besser zu verstehen- so das Versprechen, das der Autor und Psychotherapeut Sina Haghiri den Leserinnen und Lesern gibt.
Jedem dieser Erkenntnisse, die der Autor nicht als Tipp verstanden wissen möchte, ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das man je nach Interesse einzeln herauspicken kann. Man kann die Kapitel unabhängig von einander lesen, in der Reihenfolge der Themen, die einem gerade beschäftigen, lange oder kurz bei einem Thema verweilen - wie man möchte.
Lebendig führt der Autor durch die Kapitel, erzählt von eigenen Erlebnissen oder denen seiner Patientinnen und Patienten.
Das Buch ist leicht verständlich; man merkt, dass Sina Haghiri durch seinen Psychologie-Podcast Erfahrung gesammelt hat. Ich hätte mir jedoch mehr Faktenwissen gewünscht.





Elbland
von Claudia Rikl
„Elbland“ ist ein Roman über Traumata, wie sie entstehen können und sie gar die Nachkommen belasten können. Der Roman spielt in drei Zeitebenen: 1945, 1987 und der Jetztzeit. Die letzten beiden Zeitebenen werden von Nina, der Tochter von Irma erzählt, und die Anfänge des Traumas erzählt ein auktorialer Erzähler. Das Geschehen rankt sich von Böhmen/Tschechien über die DDR bis in die Bundesrepubik - passend zu dem Titel: Gegenden um die Elbe, Elbland. Interessant fand ich auch, dass man etwas über die Sudetendeutschen erfährt, die als Nachfahren von Siedlern über Jahrhunderte eine bedeutende Minderheit bildeten und nach 1945 vertrieben wurden.
Ob die Butterblume auf dem Cover auch symbolisch zu verstehen ist? Butterblumen sind oft ein Zeichen für eine lebendige Wiese, aber in frischem Zustand giftig. Das Trauma vergiftet Irma und trägt Früchte bis in die Jetztzeit.
Nach dem Tod der Mutter reist Nina ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbracht hat. Dort versucht sie herauszufinden und zu verstehen, warum die Mutter zu der Person geworden ist, als die sie die Familie erlebt hat. Gleichzeitig ist die Reise für Nina ein Versuch, sich von der Last der Vergangenheit zu befreien. Ein unbeschwertes Verhältnis zu Schwester und Vater scheint zunächst in weiter Ferne, ebenso unerreichbar wie der Frieden mit sich selbst.
Ein berührendes und absolut empfehlenswertes Buch, das man kaum aus der Hand legen möchte.





TINTE und SCHWERT – Verwandlung (Band 1)
von Matthias Soeder
Ein packender Auftakt in düstere Zeiten
Der Roman bildet den ersten Band einer Trilogie und demgemäß breit angelegt, um den Grundstein für die beiden anderen Bände zu legen.
Die Vielzahl an Personen, Zusammenhängen auf den ersten Seiten irritiert etwas, erschließt sich dann aber rasch und ist gut nachvollziehbar.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten, Jacob und Anna, die trotz einiger Gegensätze einiges verbindet: Sie wollen anderen helfen und Unrecht bestrafen. Das ist in den Zeiten, in denen der Roman spielt, nicht einfach. Der 30-jährige Krieg mit all seinen unvorstellbaren Grausamkeiten, die Pest, die Ausbeutung der Leibeigenen und der Besiegten sowie der Aberglaube prägen das Leben der Menschen. Jacob erlebte, dass seine gesamte Familie grausam ermordet wurde und Annas Mutter, eine heilkundige Hebamme, wurde als Hexe verurteilt:
Zahlreiche historische Fakten zum Religionskrieg der Protestantischen Union und den kaiserlichen Katholiken von 1618 bis 1619 sowie Beschreibungen zu Kampftechniken und Waffengattungen zeigen, dass der Autor sich intensiv mit dieser Zeit beschäftig hat.
Am Ende erringen Anna und Jacob einen wichtigen Sieg - man darf gespannt sein, wie ihre Geschichte in den folgenden bänden weitergehen wird.









