Kundenrezensionen von C.P.





The Penguin Paradox
von Greta Milán
Irgendwie wirkte das Buch teilweise wie eine Fanfiction über die Liebe bei der wahnsinnig kitschige Hallmark Filme und die Bücher von Ali Hazelwood die Grundlage waren und bei dem die Vorstellung von Liebe der einer Jugendlichen entsprach. Von unglaublich überzogenen Reden auf die Liebe zu Jubelausbrüchen der Familie auf Grund eines Kusses war echt alles dabei.
Was mir wirklich gut gefallen hat, war das Setting. Richtig schön und auch die Einschübe über Pinguine fand ich immer wieder toll. Ich bin aber auch für solche Geschichten leicht empfänglich und habe nicht ohne Grund viele von Ali Hazelwoods oder andere Bücher, die in einem wissenschaftlichen Setting spielen, verschlungen. Auch wenn dem Erzählten etwas bessere Recherche gut getan hätte. Auch hier wirkte es wieder wie eine romantisierende Fanfiction über Personen, die in der Wissenschaft tätig sind.
Das Zusammenspiel der Charaktere hat mir einfach nicht gefallen. Erst hat Emery unglaubliche Vorurteile gegenüber Becket, bei denen ich anfangs dachte, dass sich die Geschichte in eine "Stolz & Vorurteil"-Richtung entwickeln würde. Aber das tat sie nie, nein, Emery hat einfach weiter an ihren haltlosen Vorurteilen festgehalten, war echt super unsympathisch und Beckett fand sie die ganze Zeit über aber einfach toll?!
Aus den Vorurteilen wurde dann schlagartig die große Liebe und das schon knapp nach der Hälfte des Buches. Das konstruierte Drama war dann nur noch ein Hinhalten und Strecken des Buches auf über 400 Seiten.
Ja, es ist eher seichte Unterhaltung und ein paar Punkte haben mich schon enttäuscht, aber wurde dennoch auch ganz ok unterhalten und für meinen Arbeitsweg war es die passende Begleitung.





Im Leben nebenan
von Anne Sauer
Auch wenn dieses Buch in keiner Weise meine Lebensrealität widerspiegelt, so finden sich doch viele Dinge wieder, die in meinem Umfeld immer mehr Menschen beschäftigen. Mit Anfang 30 ist irgendwie in meinem Freundeskreis nochmals Umbruch zu spüren. Paare trennen sich, heiraten, bekommen Kinder, wollen keine bekommen, können keine bekommen. Das Leben ist einfach facettenreich.
Und da fand ich die Prämisse des Buches so spannend, eben zwei Facetten eines Lebens zu beleuchten. Jedes Leben besteht aus so vielen Entscheidungen und Richtungen, in diesem Buch wurde auf gerade einmal 272 Seiten nur eine Entscheidung als Aufhänger genommen. Das "wie wäre es gewesen, wenn...?".
Denn wie wäre Tonis Leben verlaufen, wenn sie sich damals vor dem Studium nicht von ihrem Freund getrennt hätte?
Über Nacht wird Toni plötzlich in ein anderes Leben geworfen, wird zu Antonia mit Neugeborenem, Mann und Haus in ihrem Heimatort und ist nicht länger Toni mit Jakob in der Altbauwohnung in der Großstadt und mit Kinderwunsch.
Parallel wird ab dem Zeitpunkt die Geschichte von Antonia und Toni beleuchtet. Das Spielen mit den beiden Perspektiven fand ich wirklich toll. Etwas irritiert hat mich am Anfang, dass nur eine der beiden in ein neues Leben geworfen wurde. Tonis Leben läuft sozusagen einfach weiter, während Toni II den Platz von Antonia einnimmt. Mit all ihren Erinnerungen an Jakob und wie ihr Leben verlaufen ist. Anfangs hat es mich doch etwas gestört, dass nur eine der beiden Erzählstimmen mehr in der Vergangenheit hing, an einem Leben, das sie vermisste und das nicht mehr das jetzige war. Während Toni ungeahnt ihr Leben weiterlebte. Aber der Erzählsprung wäre natürlich niemals der selbe gewesen, wenn eine Frau, die gerade frisch entbunden hat, plötzlich ohne ihr Kind in eine vollkommen fremden Leben aufwachen würde und sich zurecht finden müsste.
Die Themen, die in diesem Buch durch die Vermischung beider Leben aufgegriffen werden, sind echt wuchtig, wurden mir aber leider teilweise etwas zu oberflächlich behandelt. Auf den wenigen Seiten ist es aber auch schwer, mehr in die Tiefe zu gehen. Postpartale Depression und unerfüllter Kinderwunsch sind dabei schon die beiden größten Felder. Es geht aber auch um die Veränderung von Freundschaften, wenn die eigene Lebensrealität nicht mehr ganz zu der einer Freundin passt - lässt für mich dabei nur leider etwas aus, das man als Freundinnen den Spagat sehr wohl auch gut schaffen kann. Die Belastung, die eine Beziehung aushalten muss, wenn eine Person arbeitslos wird. Das Verhältnis zu den eigenen Eltern, wenn man entweder "nebenan" oder weiter entfernt lebt. Es wird sehr viel in einen Topf geworfen und so konnte leider nicht allen Themen gerecht werden. Und irgendwie fühlte es sich ein wenig nach zu viel negativem an. Ja, manchmal kann das Leben echt ganz schön aus den Bahnen laufen, aber irgendwie war hier alles ein wenig zu dunkel getrübt und ein wenig weniger Drama hätte den Grundton der Geschichte nicht wirklich verändert.
So reicht es für mich nicht für 5 Sterne, insgesamt ist das Buch aber wirklich toll gewesen und ich bin sowohl Toni als auch Antonia gerne gefolgt.





Die Auferstehung
von Andreas Eschbach
Kasetten von Bibi & Tina wurden abgelöst von TKKG und endeten in den ???, diese Metamorphose fühlt sich, wenn ich andere Rezensionen lese oder mit Freund:innen spreche, schon fast an wie eine allgemeine "Pflichtstufe", die von Kindheit zu Jugend durchlaufen wird (auch wenn Stufe 1 & 2 wahlweise ausgetauscht werden können).
Und auch als Erwachsene begleiten mich die Hörspiele noch immer. Manchmal mit Hyperfixierung und mehreren Folgen pro Monat, dann wieder mit etwas mehr Abstand. Zuletzt habe ich damit angefangen - auch wegen des Bobcasts - alle Folgen von vorne zu hören. Außer das Hexenhandy, das ist für mich als kleiner Angsthase verbrannte Erde.
Ich würde mich nicht als ???-Ultra bezeichnen, aber doch als regelmäßige Konsumentin auch der nicht kanonischen Werke wie der Graphic Novels.
Dementsprechend neugierig war ich auf diese Adaption von Andreas Eschbach.
Als fester Bestandteil des deutschen Krimibuchmarktes ist er mir natürlich ein Begriff, auch wenn ich persönlich noch kein Buch von ihm gelesen habe.
Aber wie ein Autor sich an einem Werk versucht, das in einem Kosmos aufgebaut wurde an dessen Entstehung er nicht beteiligt war, fand ich unheimlich spannend. Und natürlich auch immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, ob die Charaktere, von denen ich ein wirklich präsentes und geprägtes Bild im Kopf habe, aus diesem herausfallen würden oder ob es Andreas Eschbach gelungen würde, die Feinheiten einzufangen.
Ja, würde ich jetzt nach Beenden des Buches sagen, aber mit kleineren Einschränkungen.
Das Buch ist generell eine Kaskade an Fan Service. Anekdoten zu alten Fällen, Updates von Personen, die in früheren Jahren mit den ??? verbandelt waren und immer wieder Insider und Anspielungen. So fielen aber auch die Dinge auf, die dann gar nicht Erwähnung fanden.
Justus, Peter und Bob sind inzwischen Mitte 50, haben keinen Kontakt mehr zu einander und werden jeder auf eine andere Art in den Fall verwickelt. Ich verstehe immer nicht, warum die Ausgangssituation eine solche extreme sein muss. Auch die Graphic Novel waren ja ausgelegt darauf, dass kein Kontakt mehr bestehen würde. Ich würde schon gerne mal eine Geschichte hören oder lesen, bei der die ??? gealtert sind aber noch immer in Kontakt stehen.
Manchmal wirkten bestimmte Beschreibungen von Charakteren viel zu detailreich und ausschweifend und anfangs überhörte ich das ein wenig. Aber irgendwann wunderte ich mich dann schon, weshalb detailliert beschrieben wurde, wie das Gegenüber von Justus die Nase kraus zog. Und dann fiel echt spät der Groschen, dass in den Hörspielen wenig Gedankengänge der drei erzählt werden, weil viel über Geräusche oder Kommentare abgehandelt wird. Und ab dem Punkt fand ich es wahnsinnig interessant. Das ist jetzt nur eine Feinheit, aber die subtilen Einflechtungen von scharfsinnigen Beobachtungen, auch wenn diese überhaupt nichts mit dem Fall zu tun hatten, festigten doch enorm den Charakter von Justus und zeigten mir, wie viele Gedanken sich Andreas Eschbach gemacht hatte, um den ??? in diesem Buch Leben einzuhauchen.
Das einzige, was mir wenige gut gefallen hat war, dass es viel zu einfache Lösungen für ??? gab. Google hat schon fast eine Deus ex machina Rolle und auch Justus Kontaktliste löst alle Probleme fast in Luft auf. Ja, das ist in den Hörspielen durchaus auch so. Aber hier störte es mich doch ein wenig.
Das Hörbuch, gesprochen von Matthias Koeberlin, fand ich unheimlich gut. Ich war anfangs schon schwer enttäuscht, weshalb nicht einer der Sprecher der ??? das Hörbuch liest, aber Matthias Koeberlin hat einen wirklich fantastischen Job gemacht und war eine schon würdige Vertretung. Er hat eine unheimlich angenehme Stimme, die zu der Geschichte gut passt.
Der Fall an sich ist eher zweitrangig und nicht überraschend. Große Wendungen gab es nicht und mir fehlte gerade zum Showdown doch die gewisse ??? Atmosphäre und Justus, der mir als Hörerin dann auch erklärte, was wie warum und weshalb gewesen sei und wo alle auf dem Holzweg waren. Das war sehr schade und auch mein größter Kritikpunkt.
Ich habe inzwischen auch ein paar sehr kritische Rezensionen gelesen, denen ich durchaus sehr zustimmen kann. Ich bin durchaus sehr geblendet in meiner "gib mir mehr von den ???"-Stimmung und verzeihe vieles.
Aber insgesamt hat mir das Buch unheimlich gut gefallen und ich hoffe auf noch weitere Adaptionen und Überraschungen aus dem ???-Kosmos.





True Crime in Nature
von Farina Graßmann
True Crime (Podcasts) erfreuen sich ja schon seit Ahren größter Beliebtheit - und auch ich höre solche Podcasts immer wieder ganz gerne. Was ich aber wirklich liebe sind Geschichten aus dem Tierreich beziehungsweise Bücher, die mir auf spielerische Art noch mehr Wissenswertes über Flora und Fauna vermitteln können. Und das beides dann zusammengeschmissen? Das klang so verlockend und spannend, ich musste einfach meine Nase in das Buch (wenn auch digital) stecken.
Die Gliederung der Kapitel ist wirklich gut gelungen. So handelt jedes Kapitel von einer anderen Form des Verbrechens, wie zum Beispiel vom Besetzen des Körpers eines anderen. Und in jedem Kapitel werden in wirklich kurzen Unterkapiteln zum Verbrechen passende Tiere oder Pflanzen behandelt. So lernt man als Leser:in viel über Parasiten, die Schnecken übernehmen oder Nester von anderen Lebewesen plündern, Pflanzen und Tiere, die Symbiosen miteinander eingehen um sich zu schützen und auch Täuschungen, um mit dem Leben davonzukommen.
Die kurzen Unterkapitel, manchmal nur 1-3 Seiten lang, lassen sich leicht weg lesen und das Buch dadurch auch gut pausieren. Weiter aufgelockert wird es durch witzige Überschriften und viele Illustrationen, die unheimlich passend waren.
Der Schreibstil ist sehr humorvoll und vermittelt Wissen auf spielerische Art und Weise. Vieles kannte ich leider schon, ich bin aber auch durch ein (zwar abgebrochenes, aber Zoologie und Botanik habe ich mitgenommen) Biologiestudium voreingenommen. Dennoch konnte ich auch das ein oder andere Neue noch mitnehmen.
Farina Graßmann hat gekonnt die Themen True Crime und Natur miteinander verbunden und einmal vor Augen geführt, dass viele Verbrechen tagtäglich vor der eigenen Haustür begangen werden.
Insgesamt ein wirklich tolles Buch, das mir unheimlich viel Spaß gemacht hat!





Das Geschenk
von Gaea Schoeters
Ich liebe die Idee des Buches: Was, wenn die 20.000 Elefanten 2024 wirklich von Botswana nach Deutschland geschickt worden wären nachdem über ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen diskutiert wurde? Das ist wirklich so grandios!
Mit gerade einmal 144 Seiten beziehungsweise 3,5 Stunden Hörbuch ist es ein kurzweiliger Roman, der mich sofort fesseln konnte. Der humorvolle Ton wird geschickt verwebt zu einer politischen Satire, die ich persönlich sehr klug fand.
Als Leser:in folgt man dem fiktiven Bundeskanzler Hans Christian Winkler und seinem Versuch, Herr der Lage zu werden. Kurzerhand wird ein Krisenstab und eine Ministerin für Elefantenangelegenheiten ernannt. Was folgt sind politische Schachzüge, wo jede:r im politischen Spektrum die Situation für sich ausnutzen möchte.
Die Parallelen zum Umgang der Politik in Deutschland mit geflüchteten Personen sind offensichtlich. Spannend fand ich den Aspekt, was für eine Mitschuld und Mitverantwortung Deutschland und Europa an wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen in afrikanischen Ländern haben.
Und dann sind da natürlich noch die Elefanten - und so viele Informationen über diese wundervollen Tiere, die aber auch so viel Probleme bereiten können.
Ja, das Buch funktioniert nur mit einer gewissen Prise Magie, aber ich finde Gaea Schoeters Beobachtungen von Deutschlands Politik unheimlich scharfsinnig und nachvollziehbar.
Johann von Bülow liest das Hörbuch wirklich toll und seine Stimme passt ganz hervorragend zu der Geschichte.
Gaea Schoeters schafft es auf diesen wenigen Seiten so viel unterzubringen und doch wirkt das Buch nie überladen. Für mich war es bisher das erste Buch von ihr, aber ich habe Trophäe hier noch liegen und freue mich jetzt wahnsinnig darauf das Buch zu lesen.





Faebound
von Saara El-Arifi
Ach schade, ich hatte mich auf dieses Buch eigentlich sehr gefreut weil ich doch schon sehr gespannt war auf Romantasy aus dem Atlantik Verlag. Den verbinde ich persönlich nämlich hauptsächlich mit Agatha Christie und war schon neugierig, welche Fantasy Geschichten dann in das Verlagsprogramm passen.
Leider war Faebound für mich kein sonderlich gutes Buch. Dabei gibt es aber eigentlich viele Prämissen, die grundlegend toll sind. Uralte Fehden, Magie, Geheimnisse, die aufgedeckt werden und Verbindungen, die neu gezogen werden. Aber leider ist die Handlung dabei so vorhersehbar, so dass bei mir einfach wenig Spannung beim Lesen aufkam. Im Gegenteil, es war eher eine müde Bestätigung meiner Vermutungen. Ich höre Hörbücher meistens auf Standardgeschwindigkeit aber dieses musste ich echt auf 1,5x hören, um überhaupt am Ball zu bleiben, weil ich die Geschichte ab der Hälfte einfach nur noch hinter mich bringen wollte. Ich breche Rezensionsexemplare eigentlich nie ab, aber hier hätte ich es fast getan.
Die Charaktere blieben leider alle eher flach, die einzige Verbindung, die ich irgendwie emotional gespürt habe war die zwischen den Schwestern Yeeran und Lettle. Ansonsten habe ich keine Gefühle oder Leidenschaft irgendwie rauslesen können, weshalb mir die romantischen Verbindungen auch eher egal waren. Dabei nehmen diese beziehungsweise Monologe darüber einen so großen Teil des Buches ein.
Die Charaktere sind Ende 20, führen sich aber so häufig auf wie pubertierende Teenager. Irgendwie wirkt es wie ein YA Buch, das aber zu sehr NA/erwachsen sein möchte.
Auch das World Building fand ich enttäuschend. Das war mehr oder Wenger überhaupt nicht vorhanden. Was vorhanden war, war Magie. Aber die ist wirklich einfach da, ohne Erklärung, ohne vernünftiges Magiesystem. Mir ist World Building und NAchvollziehbarkeit sehr wichtig, bin ich doch auch einfach verwöhnt von durchdachten Welten von Sanderson & Co.
Und auch der Plot ist jetzt nicht gerade originell. Irgendwie sind alle irgendwas unglaublich besonderes was sie ihr Leben lang' nicht wussten, was aber in den praktischsten Momenten aufgedeckt wird. Aber was ist dann noch besonders, wenn alle besonders sind?
Das, was mir an dem Buch am besten gefallen hat, ist die diverse Repräsentation und Bandbreite an Charakteren. Ansonsten ist es aber leider eine absolute Enttäuschung.





The Wind Weaver (Wind Weaver 1)
von Julie Johnson
Ich fand das Buch leider unglaublich enttäuschend.
Dabei waren die ersten drei Kapitel wirklich gut, haben mich sehr mitgerissen und hatten mir echt einen guten Vorgeschmack gegeben. Doch mit jedem weiteren Kapitel sank meine anfängliche Begeisterung. Das Buch hat 592 Seiten und es passiert eigentlich nichts an relevanter Handlung. Ich brauche keinen actiongeladenen Pageturner, ich mag durchaus sehr langsame Geschichten, bei denen auch ein starker Fokus auf Worldbuilding oder Nebencharaktere gelegt werden. Aber nach Beenden des Hörbuchs, das immerhin fast 17 Stunden geht, gibt es eigentlich nur zwei relevante Plots. Der gesamte Inhalt des Buches kann auf wenigen Seiten abgehandelt werden, alles andere ist Füllmaterial. Und dieses dient dabei nicht mal fürs Worldbuilding, das blieb nämlich einfach total auf der Strecke, Auch das Magiesystem wird nicht vernünftig erklärt, macht nicht den Anschein, als wäre es irgendwie ausgearbeitet. Das ist ja ok, schließlich entdecken wir als Leser:innen dieses mit Rhya zusammen. Aber ich kann mir echt nicht erklären, warum das Buch so viele Seiten hat.
Den Inhalt fand ich also enttäuschend, doch die Charaktere leider auch.
Die Art und Weise von Rhya mit anderen umzugehen wirkte auf mich leider nicht tough, erwachsen und stark, sondern einfach nur wahnsinnig zickig und schnippisch. Ich fand sie so unglaublich unsympathisch und naiv und war irgendwann einfach nur noch genervt von ihr. Ein "flotter" Spruch auf den Lippen macht einen Charakter nicht automatisch zu einer Kämpfernatur, vor allem, wenn das restliche Verhalten dermaßen kindisch ist. Bei dem Start in die Geschichte und der Prämisse ihres Charakters hätte es eigentlich ein leichtes sein sollen, starke Verbindungen zu Rhya als Protagonistin zu knüpfen. Das ist bei mir nur leider aufgrund der genannten Dinge nie passiert.
Die männlichen Hauptcharaktere sind Abziehbilder jedes beliebigen Romantasy-Buches und ich habe echt keinen Bock auf die Rückkehr von Liebesdreiecken, weil ich das starke Gefühl habe, dass sich die Geschichte in diese Richtung entwickeln könnte. Oder aber es wird so ein Tamlin-Rhysand-Ding. Das wäre zumindest nicht die einzige Sache in der dieses Buch ACOTAR nacheifern möchte.
Found Family ist nämlich ein echt großer Faktor in diesem Buch und das hätte toll sein können, leider ging aber alles viel zu schnell um wirklich glaubhaft zu sein. Rhya ist natürlich toll, kann alles und wird automatisch von fast allen Männern geliebt. Und ja, an der Stelle geht es eigentlich nur um Männer weil Entschuldigung aber wo waren in diesem Buch bitte mal die Frauen? Eigentlich gibt es neben Rhya nur zwei weibliche Charaktere, denen so etwas wie ein eigener Charakter zugeschrieben wird. Das eine ist eine gemeine Furie, weil ja irgendwie Rhyas Charakterschwächen ausgeglichen werden müssen und das funktioniert scheinbar nur, wenn es eine wirklich intrigante Zicke gibt. Das andere ist eine Frau, die etwas als Bezugsperson mit mütterlichen Aspekten aufgebaut wurde. Ansonsten gibt es eine Fülle an männlichen Nebencharakteren mit Namen und eigenen Geschichten, die alle um Rhya herumflattern. Die weiblichen Nebencharaktere haben eigentlich keinen großen Einfluss auf die Geschichte.
Das Buch las sich einfach wie eine Fanfiction von ACOTAR eines Mädchen, das sich mehr Aufmerksamkeit von Männern wünscht. Und ich bin echt kein großer Anhänger der ACOTAR-Fangemeinde, aber Found Family kann Sarah J. Maas halt wirklich gut schreiben und ist kein Vergleich zu diesem Werk.





Ein ungezähmtes Tier
von Joël Dicker
Auf die neuen Bücher von Joel Dicker freue ich mich wirklich immer sehr. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie gut Dickere Charaktere geschrieben sind.
Denn Charaktere sind nie schwarz-weiß bei Dicker und das ist genau der Punkt, weshalb ich seine Bücher so gerne lese. Auch hier glänzen diese mit einem vielschichtigen und tiefen Aufbau und sind spannend, obwohl sie teilweise echt unsympathisch sind. Dabei sind sie eigentlich nie von Anfang an unsympathisch, aber die Sympathie und das Mitfiebern mit einzelnen Charakteren wechselte hier von Kapitel zu Kapitel. Mit jedem weiteren Kapitel werden neue Dinge aufgedeckt und das Stimmungsbild ändert sich dadurch permanent. Wer ist das ungezähmte Tier, wer vermeintlich das gezähmte?
Am Ende fieberte ich doch am meisten mit einem Charakter mit, den ich anfangs als eher sehr oberflächlich und einfach fand.
Und Dicker beweist eindeutig wirklich ganz meisterhaft wie er seine Leserschaft an das Buch fesseln kann, obwohl das Tempo eher gemäßigt ist. Die knapp 10 Stunden im Hörbuch sind verflogen wie nichts und ich wollte einfach immer weiter hören.
Erzählt wird die Geschichte hierbei nicht nur aus verschiedenen Perspektiven, sondern auch auf verschiedenen Zeitebenen. Das gefiel mir wahnsinnig gut.
Das Buch erinnerte es mich vom Typus her an "Das Geheimnis von Zimmer 622" und ist leider - trotz all der Euphorie - im direkten Vergleich zu den anderen Büchern von Joel Dicker eher etwas schwächer von der Struktur und den Charakteren.
Das Ende fand ich etwas zu flach, mit all den Plot Twists und Wendungen wirkte es dann doch etwas zu sehr danach, dass es irgendwie zu Ende gehen musste.





Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
von Kristen Ciccarelli
Ich bin sowas von bereit für gute Hexengeschichten und finde es so schön, dass diese langsam mehr und mehr den Fantasy/Romantasy-Bereich erobern. Vampire und Fae gab es in den letzten Jahren wirklich genug. Und dann auch noch Hexe versus Hexenjäger!
Es gibt die leider inzwischen sehr typischen Schwächen aus dem Romantasy-Genre auch hier: kaum vorhandenes Worldbuilding, sehr farblose Nebencharaktere und teils echt kopflose Entscheidungen. Aber es wird auch vieles richtig gemacht. Das künstliche Drama hält sich echt in Grenzen und vor allem die Zerrissenheit, Zweifel und Gefühle von beiden sind wirklich zu spüren.
Rune als Protagonistin fand ich phasenweise wirklich toll. Ich mochte ihre Art, die Einblicke in ihre Gefühlswelt, die Mischung aus Schuld, Trauer und irgendwo auch Hoffnung. Aber Himmel, manchmal war sie echt unheimlich naiv und gedankenlos.
Gideon fand ich in Ordnung. Seine Hintergrundgeschichte fand ich gut ausgebaut, dadurch rutschte er nicht gleich in dieselbe Schublade wie alle anderen, austauschbaren männlichen Protagonisten in Romantasy-Büchern. Ich hoffe, dass es dabei auch im zweiten Band bleiben wird. Aber auch hier waren ein paar Situationen dabei, die man einfach hätte lösen können, wenn mal miteinander gesprochen werden würde. Ernsthaft, was ist das nur immer mit der fehlenden Kommunikation? Und hier meine ich noch nicht mal die zwischen weiblichem und männlichem Hauptcharakter, sondern zwischen den Geschwistern.
Aber die Beziehung zwischen Gideon und Rune fand ich echt gut geschrieben, vor allem, da das Buch in wechselnder Perspektive geschrieben wurde und man so als Leser:in tiefe Einblicke in die Gedanken von beiden bekam.
Was mir aber für ein wirklich rundes Buch fehlte, waren echte Situationen in denen Runes großes Geheimnis mal präsenter ist. An sich war es viel zu viel Telling und kaum Showing. Es wurde immer nur über vergangene Rettungsaktionen gesprochen, für den Plot aber ein für mich nicht triftiger Grund genutzt, damit nicht mehr solcher Aktionen geschrieben werden mussten. Das Verhalten von Rune und ihren Freunden passt einfach überhaupt nicht zu dem von ihr gezeichneten Bild. Für die Hexenjäger ist sie DAS große Mysterium, der es auf wundersame Weise seit Jahren gelingt ihnen zu entkommen. Der rote Nachtfalter wird so als professionell und präzise agierende Figur aufgebaut. Rune hingegen ist unglaublich stümperhaft, naiv, ohne nennenswerte Raffinesse. Die Diskrepanz wäre ja ganz cool, sozusagen im Stile kleines Individuum gegen großes System, aber leider fehlt die Verknüpfung. Es wird nicht richtig damit gespielt, dass Rune genau dies weiß und nutzt. Dafür war sie einfach viel zu sehr von sich selber überzeugt. Viele Worte für einen kleinen Teilaspekt, der störte mich aber im gesamten Verlauf des Buches sehr.
Weniger klein war dabei der doch sehr vorhersehbare Plot. Bereits nach kurzer Zeit wusste ich, wie das Buch ausgehen wird und die große Enthüllung war schon Meilen im Voraus klar. Schade, echte Plottwists und Überraschungen wären mal wieder schön.





Die Spurenfinder und das Drachenzepter
von Marc-Uwe Kling; Johanna Kling
Es gibt Autor:innen, die ich einfach blind kaufe. Egal was für ein Genre, was für eine Geschichte, das Buch wird prinzipiell vorbestellt.
Marc-Uwe Kling ist schon seit 2009 fester Bestandteil meines virtuellen Regals und eben ein solcher Autor. Ich kenne alle Werke, viele sogar fast auswendig, da ich zu allen Känguru Teilen jeden Abend einschlafe.
Ich bin deswegen vielleicht gerade sehr oder eben überhaupt nicht qualifiziert, meine Meinung zu diesem neuesten Werk abzugeben. Denn ich weiß sowieso im Vorfeld schon, dass ich die Geschichte mögen werde, noch bevor ich eine Sekunde des Hörbuchs abgespielt habe.
Ich würde niemals ein Printbuch von Marc-Uwe Kling konsumieren, ausschließlich die von ihm selber vertonten Hörbücher werden vorbestellt. Ich liebe einfach die Art, wie er seine Geschichten vorträgt, jeder Figur Leben einhaucht und einfach mit seiner Stimme die richtige Atmosphäre erschafft.
Nach dem Cliffhanger von Band 1 des Spurenfinders und seiner Kinder war ich natürlich sowas von bereit für den zweiten Band.
Wie immer kriegt man als Leser:in beziehungsweise Hörer:in viel geboten: Spannung, Action, facettenreiches Worldbuilding und eine große Portion Humor.
Für mich persönlich war dieser Band jedoch etwas schwächer als der vorherige. Irgendwie konnte mich der erste Band doch noch etwas mehr mitreißen. Das ist aber ein wirklich kleiner Wermutstropfen, denn ich hatte mal wieder einfach viel Spaß beim Verfolgen der Spuren mit Elon, Ada und Naru.
Nachdem der erste Band eher eine Einführung in die Welt war, wurde diese weiter angereichert und Aspekte des Magiesystems etwas näher beleuchtet.
Sehr spannend und macht definitiv Lust auf noch mehr!









