Kundenrezensionen von morlin





Pina fällt aus
von Zischke Vera
Wir lernen in dem Buch zunächst die alleinerziehende Pina und ihren 20jährigen Sohn Leo kennen. Leo ist Autist und benötigt dementsprechend eine vollumfängliche Betreuung. Diese erfolgt überwiegend durch Pina selbst und durch die Arbeit in einer Behindertenwerkstatt. Nur einmal in der Woche, dienstags, lässt Pina Leo bei der älteren Nachbarin Inge. Für genau anderthalb TV-Sendungen. Diese Zeit nutzt Pina für den wöchentlichen Einkauf. Doch an einem dieser Dienstage kommt Pina nicht zurück und Inge ist völlig überfordert. Denn Leon merkt natürlich, dass etwas nicht stimmt und ist kaum zu zügeln. Kurzerhand werden nun die Nachbarn in die Suche nach Pina involviert, ob sie wollen oder nicht. Und als klar wird, dass Pina so schnell nicht wiederkommen kann, beginnt etwas, was in der realen Welt wohl eher ein Traum ist. Die Nachbarn kümmern sich um Leon und es entsteht eine ungewöhnliche Gemeinschaft – drei Vögel für Leo.
Für mich war es das erste Buch der Autorin. Aber es ist absolut klar, dass demnächst ihr Erstlingswerk bei mir einziehen wird. Sprachlich und auch inhaltlich hat mich die Geschichte absolut überzeugt. Ein klare Empfehlung!





Mirabellentage
von Martina Bogdahn
Martina Bogdahn konnte mich mit ihrem Debütroman Mühlensommer letztes Jahr absolut begeistern. Es war eines meiner Jahreshighlights. Da war klar, dass ich auch Mirabellentage lesen muss.
Um es schon vorweg zu sagen, ein tolles 4,5 Sternebuch, ein Jahreshighlight ist es dieses Mal aber nicht geworden.
Ich hätte dafür mehr Inhalt gebraucht. Die Geschichte in der heutigen Zeit plätscherte für mich so dahin, es passierte einfach zu wenig. Umso interessanter waren die zeitlichen Rückblenden, da war ich voll dabei.
Aber egal, was die Autorin beschrieben hat, ich konnte es immer bildlich vor mir sehen. Es fühlte sich so an, als wäre ich direkt dabei. Wenn ich das Buch im Zug zur Hand nahm, war ich manchmal so vertieft gewesen, dass ich fast meine Haltestelle verpasst hätte. Schreiben kann Martina Bogdahn wirklich großartig. Ich freue mich auf jeden Fall auf ihr nächstes Werk.





No Way Home
von T.C. Boyle
Bethany hat sich gerade von ihrem Freund Jesse getrennt. Die zweijährige Beziehung war alles andere als einfach gewesen, da wurde sich nichts geschenkt. Nun steht Bethany buchstäblich auf der Straße und hat keine Bleibe. Da kommt Terry gerade recht, der auf Kurzbesuch in der Stadt ist, um die Hinterlassenschaft seiner Mutter zu klären. Bethany wittert ihre Chance und quartiert sich im Haus von Terrys Mutter ein. Und damit beginnt das Drama zwischen Bethany, Jesse und Terry.
Mir hat stilistisch gut gefallen, dass hier alles drei Protagonisten zu Wort kommen. Alle paar Kapitel wechselt die Erzählstimme. Trotzdem konnte ich die Geschichte nur bedingt packen.
T.C. Boyle kann definitiv Schreiben, sprachlich war es wieder toll. Mir hat aber dieses Mal das besondere Etwas gefehlt. Die ungewöhnliche Idee oder skurrile Charaktere. Leider war es einfach nur eine toxische Dreieckgeschichte. Wie gesagt, wieder sehr gut erzählt. Aber für mich war es kein T.C. Boyle wie ich ihn bisher kennen gelernt habe. Daher gibt es von mir dieses Mal nur vier Sterne.





Gym
von Keßler Verena
Das war auf jeden Fall ein ungewöhnliches Buch. Es fing schon beim Cover an. Eigentlich ein Cover, dass mir zunächst so überhaupt nicht gefallen hat. Aber je öfter ich es betrachtet habe, umso neugieriger wurde ich auf das Buch. So neugierig, dass es am Ende auf meinem Lesestapel gelandet ist.
Und der Anfang war auch wirklich interessant. Eine Frau ist in einem Bewerbungsgespräch für einen Job im Fitnessstudio. Körperlich passt sie dort aber nicht wirklich rein. Also lügt sie spontan und behauptet, die hätte gerade entbunden und ist nun alleinerziehend und braucht dringend eine Anstellung. Aus Mitleid des Betreibers bekommt sie den Job und wird bald zum absoluten Glücksgewinn für das Studio. Trotzdem hält sie an der Lüge fest und muss einiges an Kreativität aufbringen, um alle im Glauben zu lassen, sie hätte ein Baby zu Hause.
Soweit, so gut. Auch die weitere Entwicklung der Protagonistin war für mich zunächst nachvollziehbar. Nur gegen Ende wurde es für meinen Geschmack etwas zu abgedreht. Eben eine ungewöhnliche Geschickte, auf die man sich einlassen muss. Für mich war es insgesamt ein gutes vier Sterne Buch.





Adlergestell
von Laura Laabs
Was für ein ungewöhnliches Cover dachte ich, als ich das Buch zu ersten Mal gesehen habe. Und dann der Titel – was sich wohl dahinter versteckt?
Kurz gesagt: Ein überraschendes Highlight; zumindest für mich. Und das vor allem aus zwei Gründen.
Zum einen konnte mich die Geschichte richtig gut mitnehmen. Ich war ganz in der Welt der Nachwendezeit gefangen. Die drei Mädchen in ihrem Leben zu begleiten hat mir richtig Spaß gemacht. Und ganz besonders haben mir die Kapitel gefallen, in denen es um die Erwachsenen bzw. um historische Gegebenheiten ging. Vor allem die Geschichte von Eleftheria hat mich emotional richtig mitgenommen. Und das Kapitel Adlergestell war so interessant, dass ich direkt googeln musste.
Was mich aber richtig begeistert hat, war der Aufbau des Buches. Diesen fand ich sehr kreativ und regt dazu an, immer noch einen Abschnitt lesen zu wollen. Man fliegt regelrecht durch die Seiten. Die schwarzen Seiten dazwischen waren dann immer wie ein kleines Bonbon, bevor es wieder weiter ging.
Volle 5 Sterne. Gerne mehr davon!





Junge Frau mit Katze
von Daniela Dröscher
Im letzten Jahr habe ich von der Autorin Lügen über meine Mutter gelesen und war begeistert. Nun gibt es völlig unerwartet eine Art Fortsetzung der Geschichte. Freudig und gespannt begann ich zu lesen.
Nachdem ich die letzten Seiten nun gelesen und das Buch zugeklappt habe, sitze ich an der Rezension und frage mich, was man über dieses Buch schreiben kann. Um was geht es hier? Will man sich extrem kurz fassen, so könnte man sagen, es geht um die Krankheitsgeschichte einer jungen Frau und ihren Erkenntnisgewinn daraus.
Elas Körper rebelliert, erst schmerzt der Hals, dann kommen Herzprobleme hinzu und ihre Haut spielt komplett verrückt. Sind das nun physisch verursachte Beschwerden oder eher psychischer Natur?
Ela steht an Ende ihrer Promotion, die sie eigentlich nur macht, um danach eine Stelle antreten zu können, die ihr Doktorvater ihr in Aussicht stellt. Darauf hat sie hingearbeitet und jetzt lässt ihr Körper sie in Stich.
Oder weiß ihr Körper einfach mehr, als ihr Geist? Ist das wirklich der Lebensweg, den sie sich wünscht?
Mich hat das Buch am Ende etwas ratlos zurück gelassen. Es ließ sich zwar wirklich gut lesen, trotzdem fand ich es manchmal schon fast körperlich unangenehm, wenn die Beschwerden in dieser Intensität ausgebreitet wurden. Und ich fragte mich mehrfach, ob ich das überhaupt lesen möchte. Das war mich oft zu viel.
Der Schreibstil hat mir aber wieder gut gefallen und insgesamt war es für mich noch ein vier Sterne Buch.





Wir sehen uns wieder am Meer
von Teige Trude; Frauenlob Günther
Im letzten Jahr habe ich die beiden Bücher um Tekla und Konrad regelrecht gesuchtet. Selten haben mich Bücher dermaßen emotional berührt. Lachen, weinen, Furcht und Liebe; es war alles dabei. Logisch, dass ich mich auf eine Art Fortsetzung extrem gefreut habe.
Doch leider konnte die Autorin meine sehr hohen Erwartungen dieses mal nicht erfüllen. Das schon einmal vorab.
Wir als Leser steigen 1944 in die Geschichte ein und begleiten die junge Krankenschwester Birgit, die gerade in Bodo in Norwegen ihre Arbeitsstelle antritt. Norwegen ist zu diesem Zeitpunkt von Deutschland besetzt. Und gerade in Nordnorwegen gibt es viele Lager mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter*innen, die in Fabriken oder an der Infrastruktur des Landes arbeiten. Da Birgit von einem Freund die russische Sprache gelernt hat, dient sie bald als Kontaktperson zu den Gefangenen und wird auch Teil des norwegischen Widerstandes.
Mir war dieser Teil der Geschichte leider zu blass und gefühlt einfach nur runter erzählt. Packen konnte mich der Roman dann erst, als wir in der Nachkriegszeit angekommen sind. Was Birgit dann erlebt, hat mich dann erstaunlicherweise doch noch mitgerissen, obwohl das sonst gar nicht so mein Thema ist.
Insgesamt ein gutes und lesenswertes Buch, nur halt leider nicht das, was ich mir erhofft habe. Insgesamt sind es für mich noch vier Sterne geworden.
Noch ein Hinweis: Man kann das Buch absolut auch dann lesen, wenn man die beiden anderen Romane nicht kennt. Die Verbindung ist eher lose und für die Geschichte nicht wirklich relevant.





Ja, nein, vielleicht
von Doris Knecht
Eine Frau in den Fünfzigern stellt sich die Frage, wie sie ihren weiteren Lebensweg gestalten möchte. Die Kinder sind aus dem Haus und die ersten Wehwehchen zeigen ihr auf, dass es körperlich jetzt langsam bergab gehen wird. Was erwartet sie von ihrer Zukunft? Einfach nur Ruhe und Frieden? Oder eine neue Beziehung? Ja, nein, vielleicht? Aber will sie ihr Leben wirklich wieder einem Mann anpassen? Die Freiheit die sie jetzt hat wieder aufgeben?
Ich habe mich in der Protagonistin wieder gefunden. Nicht immer, aber überraschend oft. Sie war mir mit ihren Gedanken, Sorgen und Freuden sehr nahe. Fast wie eine gute Freundin. Manches hätte ich bestimmt anders gemacht, anderes genauso.
Auch sprachlich hat mich das Buch überzeugt. Es gab wunderbare Sätze zu entdecken. Zum Beispiel dieser Satz: Die Schönheit meines Daseins, sie ist für andere unsichtbar, aber für mich ist sie alles. Mit einem Satz kann Doris Knecht wahnsinnig viel ausdrücken.
Am Ende habe ich das Buch mit einem glücklichen Aufseufzen zugeschlagen. Auf jeden Fall ein Jahreshighlight. Volle fünf Sterne.





We Burn Daylight
von Bret Anthony Johnston
Will man den Roman in einem Satz beschreiben, so wäre es eine coming of age Geschichte, eingebunden in ein Massaker, Anfang der 90er in den USA.
Doch beginnen wir am Anfang. Zunächst lernen wir die beiden Protagonisten kennen. Zum Einen Jaye, die mit ihrer Mutter nach Waco, Texas, fährt, um sich dort einer Glaubensgemeinde anzuschließen. Perry Cullen, von allen nur Lamb genannt, führt die Gruppe an und man merkt schnell, dass es sich hier um eine Sekte handelt. Das Leben auf der Farm ist eher ärmlich und geprägt durch lange Bibelstunden. Um sich zu finanzieren, werden Waffen in großem Stil eingekauft und auf sogenannten Waffenshows an den Mann gebracht.
Jaye selber ist von Lamb überhaupt nicht überzeugt und bleibt nur, weil sie ihre Mutter dort nicht alleine lassen will. Auf ihren kleinen Ausfahrten lernt sie Roy, den Sohn des ansässigen Sheriffs kennen und es bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen den beiden an.
Neben diesen beiden Erzählsträngen sind immer wieder kurze, für mich zu kurze, Interview-Auszüge eines Podcast aus der heutigen Zeit, also 30 Jahre später, eingestreut. Und wir als Leser ahnen, dass damals etwas Schreckliches passiert ist.
Mir sagte das Massaker von Waco bis dato gar nichts. So war ich also völlig unvoreingenommen und auch gespannt, wie sich das Ganze entwickeln würde.
Gerade die Einbindung der Geschichte in reale geschichtliche Ereignisse hat mir richtig gut gefallen. Ich hätte mir am Ende des Buches aber eine Einordnung gewünscht. Also was von der Geschichte fiktiv war und wie es am Ende wirklich abgelaufen ist. Das hat leider gefehlt.
Die Liebesgeschichte zwischen den beiden Jugendlichen war mir zwischenzeitlich zu lang und ausführlich, das Ende fand ich dafür aber passend.
Insgesamt war es für mich eine interessante Lektüre, von der ich mir aber mehr versprochen habe. Daher vergebe ich gute vier Sterne.





Hello Baby
von Kim Eui-kyung
Sechs Frauen, ein Ziel: Mutter werden. Für viele Frauen kein leichtes Unterfangen. Und das führt Munjeong und ihren fünf Mitstreiterinnen in die Fruchtbarkeitsklinik in Seoul. Um sich gegenseitig aufzufangen, um zu lachen, zu streiten, zu trösten und für einander da sein, erstellen sie einen gemeinsamen Gruppenchat.
Nachdem sich Jeonghyo eigentlich schon aus der Gruppe verabschiedet und ihren Traum vom eigenen Kind verlorengegeben gegeben hatte, meldet sich sich überraschend mit einer großen Nachricht. Sie hat es geschafft und lädt nun die Frauen spontan zu einer kleinen Baby-Party ein. Jetzt beginnt das große Rätselraten, wie das denn sein kann.
Mich hat das Buch auf zwei Weisen überrascht. Zum einen werden viele Themen rund um die künstliche Befruchtung sehr detailliert und mit Fachbegriffen beschrieben. Stellenweise kam es mir schon fast wie ein Sachbuch vor.
Was mir auch neu war, war die Tatsache, dass Südkorea ein Land mit einer extrem niedrigen Geburtenquote ist. Noch deutlich niedriger als in Deutschland. Und das hängt wohl auch daran, dass es Müttern extrem schwer gemacht wird. Insbesondere in der Arbeitswelt. Das was die Frauen erleben hat mich teilweise echt schockiert.
Am Ende bin ich mir unsicher, was ich jetzt von diesem Buch halten soll. Es war auf jeden Fall interessant und schnell gelesen. Und doch war es mir irgendwie zu wenig. Daher für mich ein gutes Buch, das ich mit vier Sternen bewerte.









