Kundenrezensionen von Lydia_Te





Sonnenberg
von Brigitte Glaser
"Sonnenberg" von Brigitte Glaser ist ein feministischer und historischer Roman der in den 1970er Jahren spielt. Johanna muss nach dem unerwarteten Tod ihres Vaters den Winzerbetrieb übernehmen und dafür ihr Studium abbrechen. Dazu kommt noch, dass sie ein uneheliches Kind erwartet und sich das Dorf darüber das Maul zerreißt. Ihre beste Freundin Luzie ist währenddessen in Marokko unterwegs und kommt erst nach der Geburt des Kindes zurück und bringt das ein oder andere Problem mit. Die beiden jungen Frauen verbindet der Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk in Wyhl.
Am Ende des Romans wird nochmals deutlich gemacht, dass es bereits genug aufgezeichnete Geschichten Rund um das AKW Wyhl gibt, jedoch eine wichtige Perspektive fehlt: die der Frauen. Daher liegt das Hauptaugenmerk auf den Frauen, ihren Beitrag und das sie keineswegs nur eine halbe Arbeitskraft darstellen.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, die Figuren sind nahbar und authentisch und ich finde das Thema "gewaltfreier Protest" sehr interessant.





Tschikago
von Alexandra Stahl
Zu Beginn vom Buch von Alexandra Stahl, "Tschikago", hab ich mir etwas schwer getan. Die verschiedenen Erinnerungsschnipsel und die ganzen Geschichten haben zuerst etwas zerrissen gewirkt und deshalb hab ich mich schwer darauf eingelassen. Aber spätestens im zweiten Teil wurde mir klar, wie einfühlsam, humorvoll und feinfühlig die Erinnerungen bzw. die festgehaltenen Momente von Alexandra sind.
Zu Beginn erzählt sie von ihren eigenen Großeltern und später von den Seniorinnen und Senioren mit denen sie wöchentlich Zeit verbringt. Denn Alexandra ist sozial in einem Altenheim, in einer Seniorenresidenz tätig. Gemeinsam mit diesen (zu Beginn) vollkommen fremden Personen, entwickeln sich Dialoge, Gespräche und emotionale Stunden. Es ist schon zu verfolgen, wie die einzelnen Personen und ihre Charaktere dargestellt werden.
Meiner Meinung nach, ist dieser Roman eine kleine Liebeserklärung an Alexandras Großeltern.
Wie bereits gesagt: sehr einfühlsam und humorvoll!





Die zweitgrößte Liebe
von Ruth-Maria Thomas
Als ich davon Wind bekommen habe, dass Ruth-Maria Thomas einen neuen Roman schreibt war mir schon klar: den will ich lesen.
Wer "Die schönste Version" von ihr gelesen hat, kann die Messlatte schon mal hoch ansetzen.
In "Die zweitgrößte Liebe" geht es um Michelle und Henry. Sie aus armen Verhältnissen, er aus reichen. Sie hat es im Leben schwer, er hat es relativ leicht. Sie mit vielen Sorgen, er mit wenigen. Und trotzdem finden die beiden zueinander und verlieben sich. Der Beginn vom Roman ist so zart, lieb und zum dahinschmelzen. Bis sich das Blatt langsam wendet. Michelle und Henry kommen aus ganz unterschiedlichen Welten und Michelle kann sich von ihrer früheren Welt nie so ganz trennen. Die reichen und schönen, mit denen sie verkehrt, sind noch immer "die anderen". Sie will es nicht wahrhaben, dass sie jetzt ein Teil davon ist. Und so entsteht die ein oder andere Reiberei, ein Streit bricht vom Zaun. Aber immer wieder schaffen es die beiden, sich zusammen zu raufen. Doch der Graben zwischen ihnen wird schleichend tiefer, bis er für Michelle irgendwann unüberwindbar scheint und sie sich für ein Ich von ihr entscheiden muss.
Mit sehr viel Gefühl und Herz hat hier Ruth-Maria Thomas eine zum scheitern verurteilte Liebesgeschichte niedergeschrieben.
Erst auf Seite 55 wurde mir klar, wer Michelle (Mishelle!) wirklich ist. Es handelt sich um Shelly, die bereits aus "Die schönste Version" bekannt ist. Daher war es für mich umso interessanter, was aus ihr geworden ist und wieso es mit ihr und Henry nicht funktioniert hat.
Am Ende vom Roman weiß ich nicht so recht, wie ich mich fühlen soll. Ich hätte Shelly das Happy End gegönnt, aber sie ist mit sich strenger als ich es wäre.





Luft nach unten
von Tamara Stajner
Die Beschreibung vom Roman "Luft nach unten" von Tamara Štajner auf Vorablesen, hat mir eine falsche Erwartung gegeben. Ich habe mir eine Familiengeschichte erwartet, mit einem abgrundtiefen Geheimnis das totgeschwiegen wird.
Als Familiengeschichte, würde ich persönlich den Roman nicht bezeichnen. In erster Linie geht es um Iva, die eine etwas selbstsüchtige und egozentrische Person ist, die von anderen die reine Wahrheit erwartet, aber selbst lügt und betrügt.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann Felix, versuchen sie ein Kind zu zeugen. Zuerst auf herkömmlichen Weg, dann aber mit ärztlicher Beratung und durch Insemination. Die beiden führen eine äußerst toxische Beziehung und im Laufe des Romans habe ich mir gewünscht, dass sich die beiden Trennen und dem Elend ein Ende setzten.
Zum Glück geht es im Roman aber auch um Ivas Großmutter Slava, ihre Großcousine (glaube ich, es ist zumindest Slavas Enkelin) Karmela, ihre Mutter und um ihr totes Kindermädchen Marija.
Um ein Familiengeheimnis wie es in der Beschreibung heißt, handelt es sich meiner Ansicht nach aber auch nicht. Slava hat Iva etwas widerwillig alles erzählt, ob das alles stimmt ist aber fraglich. Ivas Vater hat ihr eine andere Version erzählt.
Auf die weiblichen Protagonistinnen will ich jetzt nicht weiter eingehen. Alles in Allem pflegen sie alle einen toxischen Umgang miteinander, bis auf Karmela. Durch ihr zartes Alter von 10 Jahren ist sie noch nicht abgrundtief Verseucht.
Gesamteindruck: ich habe mir etwas anderes erwartet. Es ist aber sehr gut geschrieben und die Beziehungen wirken auf mich greifbar. Aber Achtung: es ist teilweise sehr toxisch und verlogen, muss man wollen!





Wildboden
von Constantin Lieb
"Wildboden" von Constantin Lieb liefert bereits mit der Covergestaltung eine passende Atmosphäre für das Buch. Passend zum Inhalt ist das Cover in expressiven Farben gestaltet und könnte tatsächlich ein Gemälde vom Künstler Ernst Ludwig Kirchner sein, dem Protagonisten. Zu sehen ist ein Teil des Hauses in dem die beiden Protagonisten leben, dem Haus auf dem Wildboden.
Das Thema hat mich als kunstinteressierte Person besonders angesprochen, es handelt vom Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner und seiner Lebensgefährtin, oder Kameradin wie er so schön sagt, Erna Schilling. Gemeinsam leben sie in der Schweiz am Wildboden. Teils Auszüge aus den hinterbliebenen Briefen, teils Fiktion, entwickelt sich das Buch zu einem spannenden und geladenen Roman. Mich stiftet das direkt an, mehr über Kirchner und Schilling herauszufinden und was faktenbasiert ist und was erfunden.
Der Roman ist spannend und tragisch zugleich, als außenstehende Leserin ist es fast schmerzhaft, mit anzusehen bzw. zu lesen, was passiert. Dieses Vorwissen schadet dem Spannungsaufbau aber keineswegs, es regt an weiter zu lesen.
Alles in Allem kann ich den Roman nur weiterempfehlen, auch an Personen die mit Kunst nichts am Hut haben.





Alleinruhelage
von Eva Menasse
Meiner Meinung nach, hat Eva Menasse mit "Alleinruhelage" einen grandiosen Roman abgeliefert.
Grob geht es um eine Frau, ihre Ehe ist beendet und jetzt will sie das ehemalige gemeinsame Ferien- bzw. Wochenendhaus in Alleinruhelage in Vogelsang verkaufen. (Nicht zum ersten Mal, aber diesmal wirklich)
Im Buch geht es aber nicht direkt um den Verkaufsprozess, es geht viel mehr darum, was alles vorher passiert ist.
Es ist nicht so, dass die namenlose Protagonistin mit und im Haus nicht glücklich gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Aber sie will wissen, ob sie auch ohne Alleinruhelage ihr Glück findet.
Der Schreibstil von Eva Menasse gefällt mir sehr gut. Der ganze Roman macht auf mich einen sehr vertrauten Eindruck. Und ich mag es, dass die Stimmung etwas harsch und geradeheraus ist.
Ein nettes Detail das mir aufgefallen ist: weder die Protagonistin, noch ihr Ehemann, die Kinder, die Großeltern oder sonstige Verwandtschaft wird mit dem Namen genannt. Onkel Walter und Tante Hupfi zählen nicht, denn sie sind nicht genetisch Onkel und Tante. Wer hingegen namentlich erwähnt wird sind Alla und Bolek, die bei der Renovierung eine große Rolle spielen oder der Nachbar Paul. Dadurch wirken diese Figuren noch vertrauter als die tatsächliche Familie.
Alles in allem ein außerordentlich gelungener Roman!





Ochsenkopf
von Manik Sarkar
"Ochsenkopf" von Manik Sarkar trägt auf dem Cover passend: einen Ochsenkopf.
Und wer bei Ochsenkopf sofort an Sturkopf denkt, springt schon mit einer passenden Erwartungshaltung in den Roman. Denn hier geht es um Rensing Junior. Er wächst in einer Metzger-Familie auf und hat daher schon einen vorbestimmten Weg den er auch bereitwillig einschlägt. Das tragikomische daran: er besitzt ein außergewöhnliches Talent das ihm die Fähigkeit gibt, schon zu sehen ob ein Tier zum schlachten taugt oder nicht. Leider zu seinem eigenen Leidwesen. Denn er lebt und arbeitet in einem Dorf in dem es an Feinschmeckern fehlt. Er kann noch so teure und hochwertige Tiere einkaufen und verarbeiten, seine Kunden danken es ihm nicht.
Der Roman hat mich positiv überrascht und ist tiefgründiger als man es am Anfang vermuten möchte. Besonders gut gefällt mir die Sprache, wenn zum Beispiel die Menschen "vertierlicht" werden und die Hände als Klauen bezeichnet werden. Zudem bietet der Roman den ein oder anderen Twist den man sich nicht zu wünschen vorgestellt hat.
Alles in Allem ein gelungener Roman der zum nachdenken anregt.





Au revoir und tschüss
von Gudrun Lochte
Das Cover und die Gestaltung des Buches gefällt mir sehr gut, das Hardcover wird mit Farbschnitt, Lesebändchen und einer besonderen Seite in der Mitte des Buches geliefert.
Grob geht es im Roman um Caro / Carolin. Sie ist 45 Jahre alt und steckt in ihrem Alltagstrott fest. Sie ist für ihren Ehemann und ihre beiden gemeinsamen Söhne da und kümmert sich um alles und jeden. Nachdem ihr Mann schon wieder kurzfristig seinen Vorgesetzten samt Ehefrau zum Abendessen bei sich zu Hause eingeladen hat, keimt in Caro ihr Wunsch auf, eine Sprachschule in Südfrankreich zu besuchen.
So weit so gut. Die Rahmengeschichte ist interessant und bietet viel Potenzial.
Der Schreibstil ist meiner Ansicht nach leicht verdaulich und liest sich schnell.
Die Figuren in der Geschichte sind realitätsnah und authentisch.
Für meinen Geschmack ist das Gesamtpaket leider etwas klischeebehaftet und zu seicht bzw. zu vorhersehbar.
Trotzdem habe ich den Roman gern gelesen.





Fliegt, Wilde Schwäne
von Jung Chang
Da ich bereits "Wilde Schwäne" gelesen habe, war ich positiv überrascht, als ich den zweiten Teil dieser Reihe entdeckt habe.
Diesmal geht es um die Autorin, ihre Mutter und Mao Zedong.
Zu Beginn des Buches war es teilweise eine Wiederholung des ersten Buches "Wilde Schwäne", was für Personen, die dieses Buch nicht gelesen haben zum Vorteil wird. Für alle anderen ist es eine nette Auffrischung falls es schon länger her ist als man es gelesen hat.
Leider bin ich vom Buch etwas enttäuscht worden. Es war zwar interessant zu erfahren wie es der Autorin Jung Chang in ihrer Freiheit ergangen ist, aber irgendwie hat das gewisse etwas gefehlt.
Zudem kommen im Buch viele Wiederholungen vor. Kann vom Vorteil sein wenn man das Buch nicht in einem Rutsch liest und immer wieder eine Auffrischung bekommt um welche Personen es sich gerade handelt. Für Menschen die das Buch aber innerhalb kurzer Zeit lesen, kann das schnell ermüdend wirken.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Mao Thema etwas zu sehr gemolken wird. Es stimmt schon, dass man ihn auf eine Stufe stellen kann neben Hitler und Stalin. Aber ich befürchte, dass die Forschungsreisen etwas zu sehr für den neuen Roman herhalten mussten.
Ich verstehe den Hintergedanken der Autorin aber schon, "Wilde Schwäne" handelt von 3 Personen, daher macht es sich gut wenn "Fliegt, Wilde Schwäne" ebenfalls von 3 Personen handelt.
Alles in allem war die Lektüre in Ordnung.
Ich würde aber definitiv den ersten Teil empfehlen.





Heimkehr nach Morioka
von Yuki Ibuki
"Heimkehr nach Morioka" dreht sich um die siebzehnjährige Mio, die in der Schule gehänselt wird und es dermaßen ausartet, dass sie sich bald nicht mehr in die Schule traut. Zu sehr lastet die Angst auf ihr. Als die Situation überhand nimmt, flüchtet sie zu ihren Großvater nach Morioka der eine Wollmanufaktur führt. Ihre Eltern sind davon nicht begeistert, denn Mio soll die Oberschule beenden doch es wäre möglich, dass sie das Jahr wiederholen muss aufgrund der vielen Fehltage. Mio macht sich darüber natürlich auch viele Gedanken, doch viel zu oft kommen zwischen ihr und ihren Eltern Missverständnisse auf weil Mio schweigt. Sie schweigt deswegen, weil sie nachdenken muss und sich nicht sofort gut artikulieren kann. Ihr Großvater hingegen versteht sie und kann sich besser in sie hineinfühlen (trotz der vielen Jahre ohne Kontakt).
Der Roman beschreibt also Mios Leben und wie sie langsam ihren Weg findet. Sie findet zu Selbstbewusstsein und schafft es letztendlich auch eigene wichtige Entscheidungen zu treffen.
Teilweise konnte ich mich in Mio gut hineinversetzen, da die Möglichkeiten heutzutage einen fast erdrücken können. Und wie soll sie bereits mit 17 Jahren wissen, was sie mit ihrem Leben anstellen soll. Nicht jeder hat das Glück, bereits im Kindergarten davon zu träumen, Tierärztin o.ä. zu werden.
Die Geschichte hat mir gut gefallen, auch wenn sie im zweiten Viertel etwas langatmig war.
Ich konnte mich gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen und die Situationen sind schön beschrieben.
Zudem war ich positiv überrascht, wie emotional und offen die Protagonisten waren. Das habe ich in anderen japanischen Romanen etwas vermisst. Das Schweigen ist in diesem Fall immer leiser geworden.









