Kundenrezensionen von Lydia_Te





Au revoir und tschüss
von Gudrun Lochte
Das Cover und die Gestaltung des Buches gefällt mir sehr gut, das Hardcover wird mit Farbschnitt, Lesebändchen und einer besonderen Seite in der Mitte des Buches geliefert.
Grob geht es im Roman um Caro / Carolin. Sie ist 45 Jahre alt und steckt in ihrem Alltagstrott fest. Sie ist für ihren Ehemann und ihre beiden gemeinsamen Söhne da und kümmert sich um alles und jeden. Nachdem ihr Mann schon wieder kurzfristig seinen Vorgesetzten samt Ehefrau zum Abendessen bei sich zu Hause eingeladen hat, keimt in Caro ihr Wunsch auf, eine Sprachschule in Südfrankreich zu besuchen.
So weit so gut. Die Rahmengeschichte ist interessant und bietet viel Potenzial.
Der Schreibstil ist meiner Ansicht nach leicht verdaulich und liest sich schnell.
Die Figuren in der Geschichte sind realitätsnah und authentisch.
Für meinen Geschmack ist das Gesamtpaket leider etwas klischeebehaftet und zu seicht bzw. zu vorhersehbar.
Trotzdem habe ich den Roman gern gelesen.





Fliegt, Wilde Schwäne
von Jung Chang
Da ich bereits "Wilde Schwäne" gelesen habe, war ich positiv überrascht, als ich den zweiten Teil dieser Reihe entdeckt habe.
Diesmal geht es um die Autorin, ihre Mutter und Mao Zedong.
Zu Beginn des Buches war es teilweise eine Wiederholung des ersten Buches "Wilde Schwäne", was für Personen, die dieses Buch nicht gelesen haben zum Vorteil wird. Für alle anderen ist es eine nette Auffrischung falls es schon länger her ist als man es gelesen hat.
Leider bin ich vom Buch etwas enttäuscht worden. Es war zwar interessant zu erfahren wie es der Autorin Jung Chang in ihrer Freiheit ergangen ist, aber irgendwie hat das gewisse etwas gefehlt.
Zudem kommen im Buch viele Wiederholungen vor. Kann vom Vorteil sein wenn man das Buch nicht in einem Rutsch liest und immer wieder eine Auffrischung bekommt um welche Personen es sich gerade handelt. Für Menschen die das Buch aber innerhalb kurzer Zeit lesen, kann das schnell ermüdend wirken.
Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Mao Thema etwas zu sehr gemolken wird. Es stimmt schon, dass man ihn auf eine Stufe stellen kann neben Hitler und Stalin. Aber ich befürchte, dass die Forschungsreisen etwas zu sehr für den neuen Roman herhalten mussten.
Ich verstehe den Hintergedanken der Autorin aber schon, "Wilde Schwäne" handelt von 3 Personen, daher macht es sich gut wenn "Fliegt, Wilde Schwäne" ebenfalls von 3 Personen handelt.
Alles in allem war die Lektüre in Ordnung.
Ich würde aber definitiv den ersten Teil empfehlen.





Heimkehr nach Morioka
von Yuki Ibuki
"Heimkehr nach Morioka" dreht sich um die siebzehnjährige Mio, die in der Schule gehänselt wird und es dermaßen ausartet, dass sie sich bald nicht mehr in die Schule traut. Zu sehr lastet die Angst auf ihr. Als die Situation überhand nimmt, flüchtet sie zu ihren Großvater nach Morioka der eine Wollmanufaktur führt. Ihre Eltern sind davon nicht begeistert, denn Mio soll die Oberschule beenden doch es wäre möglich, dass sie das Jahr wiederholen muss aufgrund der vielen Fehltage. Mio macht sich darüber natürlich auch viele Gedanken, doch viel zu oft kommen zwischen ihr und ihren Eltern Missverständnisse auf weil Mio schweigt. Sie schweigt deswegen, weil sie nachdenken muss und sich nicht sofort gut artikulieren kann. Ihr Großvater hingegen versteht sie und kann sich besser in sie hineinfühlen (trotz der vielen Jahre ohne Kontakt).
Der Roman beschreibt also Mios Leben und wie sie langsam ihren Weg findet. Sie findet zu Selbstbewusstsein und schafft es letztendlich auch eigene wichtige Entscheidungen zu treffen.
Teilweise konnte ich mich in Mio gut hineinversetzen, da die Möglichkeiten heutzutage einen fast erdrücken können. Und wie soll sie bereits mit 17 Jahren wissen, was sie mit ihrem Leben anstellen soll. Nicht jeder hat das Glück, bereits im Kindergarten davon zu träumen, Tierärztin o.ä. zu werden.
Die Geschichte hat mir gut gefallen, auch wenn sie im zweiten Viertel etwas langatmig war.
Ich konnte mich gut in die einzelnen Charaktere hineinversetzen und die Situationen sind schön beschrieben.
Zudem war ich positiv überrascht, wie emotional und offen die Protagonisten waren. Das habe ich in anderen japanischen Romanen etwas vermisst. Das Schweigen ist in diesem Fall immer leiser geworden.





Ich erzähle von meinen Beinen
von Cornelia Travnicek
Beim lesen habe ich mich gefragt, wie der Titel zum Buch passt. Jetzt am Ende, während ich die Geschichte in meinem Kopf nochmal Revue passieren lasse, ist es ganz eindeutig.
Die Geschichte dreht sich zu Beginn um Wallys Tochter - Vallie. Bei ihr wird ADHS diagnostiziert. Schnell aber dreht sich die Geschichte und Wally rückt in den Mittelpunkt. Wie es ihr selbst geht, wenn der Tag zu wenige Stunden hat. Warum sie das Thema ADHS ganz besonders beschäftigt. Aber auch ihr Ehemann und ihre Tochter spielen im Roman weiterhin eine wichtige und tragende Rolle.
Cornelia Travnicek schafft es, ernste Themen wie ADHS, Familie, Beziehung, Freundschaft in einem Roman mit knapp 400 Seiten zu packen, ohne das es dabei überladen wird oder zu viel wirkt.
Zu Beginn hatte ich etwas Respekt vor der Seitenanzahl, aber ich bin nur so durch den Roman geflogen und wollte immer mehr lesen.
Ihr Schreibstil und die Sprache sind sehr gut lesbar und verständlich.
Ganz besonders gut gefallen hat mir der Schriftsatz. Man ist es gewohnt das die Seiten voll bedruckt sind. Nicht aber hier. Manchmal reicht ein kurzer Satz für eine ganze Seite, ganz unten, am Rand, rechtsbündig. Und alles ist gesagt.
Cornelia schafft es dadurch, dass diese einprägsamen Sätze einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.





Das Jahr der Schmetterlinge
von Lea Korsgaard
Aufgrund des Titels habe ich mir einen oberflächlichen Roman/Aufzeichnung erwartet. Doch ich wurde glücklicherweise positiv überrascht. Zwar erzählt uns Lea Korsgaard von ihrem Abenteuer, in einer Saison alle dänischen tagaktiven Schmetterlinge sehen zu wollen, doch das Buch ist mehr als eine reine Erzählung. Immer wieder streut sie interessante Fakten und wissenswertes ein, welche Rolle die Schmetterlinge in der Vergangenheit im Leben der Menschen gespielt haben. Wie früh die Menschen Schmetterlinge bereits wahrgenommen und ihnen eine wichtige Rolle zugesagt haben. Bereits in Höhlenmalereien waren Schmetterlinge zu entdecken. Oder wie es dazu kommt, dass der Krieg für Schmetterlinge geeignete Lebensräume schafft. Aber auch von ihrer Familie wird erzählt, wie sie teilweise die Touren durchs Land akribisch planen muss, weil sie nur einen Tag Zeit hat einen bestimmten Schmetterling zu sehen.
Es war für mich ein überraschendes, interessantes Buch und seit ich das gelesen habe, betrachte ich Schmetterlinge mit anderen Augen!





Wassermann
von Lukas Hoffmann
Zu Beginn vom Debüt von Lukas Hoffmann war ich skeptisch. Die Geschichte ist mir so oberflächlich vorgekommen wie die Gespräche die der Protagonist Luk im Roman führt. Mehr Small-Talk als tatsächliche Gespräche. Er will sich nicht öffnen, zum einen um sich selbst zu schützen, zum anderen um die anderen zu schützen.
Im Laufe der knapp 250 Seiten hat sich das jedoch gebessert, Luk erfährt im Laufe der Geschichte den Beginn einer Verwandlung bzw. Besserung.
Der Schreibstil, die Sprache und die Sprunghaftigkeit der einzelnen Sätze erinnert mich an die heutige Jugend und ihre Oberflächlichkeit. Das passt für mich persönlich nicht ganz zum Alter von Luk, spät in der Geschichte erfährt man, dass er 27 Jahre alt ist.
Der Hauptgrund warum Luk aus Deutschland nach Barcelona flüchtet, ist die Krankheit seiner Mutter. Zum einen kann ich verstehen, dass er sich selbst schützen will und eine Auszeit von ihrer Krankheit braucht. Zum anderen verurteile ich ihn, weil er seine Mutter alleine und im Stich lässt.
Dafür ist dem Autor der mittlere Teil sehr gelungen und ich war den Tränen nahe.
Jetzt wo wir wissen, das Luk 27 Jahre alt ist und studiert und nebenbei einen Job hat dem er sich nur halbherzig und unregelmäßig widmet, frage ich mich, wer seinen Lebensstil finanziert. Im Verlauf der Geschichte reist er immer von einem zum nächsten Ort. Erst ganz am Ende kommt er auch in die unvermeidliche Geldnot.
Alles in Allem gebe ich dem Buch stabile 3 Sterne. Für meinen Geschmack gibt es im Buch zu viele Ortswechsel und teilweise nicht notwendige Passagen (Beispiel David, hat eigentlich keinen tieferen Sinn in der Geschichte). Jedoch hat es mich zum Nachdenken angeregt und emotional bewegt.





Es war nicht anders möglich
von Svenja Liesau
Auf Vorablesen habe ich leider einen falschen Eindruck über das Buch erhalten. Hätte ich gewusst was mich erwartet, hätte ich mich nicht auf dieses Buch beworben.
Zu Beginn fand ich den Roman noch recht humorvoll und interessant. Doch je weiter die Storyline fortschreitet, desto fragwürdiger und provokanter finde ich das Geschriebene.
Ich bin mir nicht sicher was Svenja Liesau mit "Es war nicht anders möglich" erreichen will. Vielleicht spiegelt der Titel auch nur den zusammengewürfelten Inhalt des Buches wieder.
Teilweise frage ich mich beim lesen, in welchem Wahn dieser Roman geschrieben wurde. Ob hier eine arbeitslose, offensichtlich verwahrloste Alkoholikerin angepriesen wird, oder ob das Geschriebene gezielt provozieren soll. Oder vielleicht bekommt man hier einfach einen Einblick in ein aussichtsloses Leben das von Bar zu Bar lebt und von Drink zu Drink.





Melken
von Sanna Samuelsson
Verstörend und zugleich faszinierend. Mit „Melken“ ist Sanna Samuelsson meiner Meinung nach, ein kleines sprachliches Meisterwerk gelungen. Die Autorin erzählt von Ellen, die sich nach einer Trennung zurück in ihr zu Hause verkriecht. Nur leider wohnen da mittlerweile fremde Personen. Zum Glück sind diese aber verreist und haben das altbekannte Schlüsselversteck beibehalten. So kommt es, dass sie in ihrem eigenen kleinen Bullerbü ihre Wunden leckt. Das Hauptaugenmerk wird dabei aber nicht auf die Trennung gerichtet (ihre Freundin Diana hat die Beziehung beendet) sondern auf ihre Scham die sie schon als Kind empfand, weil sie auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Immer wieder achtet sie in ihrer Kindheit und Jugend penibel darauf nicht zu stinken, ja nicht mit ihren Schuhen in Kuhfladen zu treten. Doch jeder Weichspüler und jedes Parfum sind vergebens.
Der Roman hat mich sehr überrascht mit seiner Widersprüchlichkeit, in ihrer Jugend will Ellen vom Bauernhof flüchten und als Erwachsene sucht sie genau dort Zuflucht. Die Sprache gefällt mir auch sehr gut, obwohl sie intensiv und stellenweise sehr körperlich ist, verleiht das dem Roman seinen gewissen Charme.





Grüne Welle
von Esther Schüttpelz
Das Cover und der Titel haben für mich vielversprechend geklungen. Zu Beginn der Geschichte war ich auch noch sehr überzeugt und fand die Handlung nachvollziehbar und realistisch. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto unrealistischer habe ich es gefunden. Die Grundidee einer Frau die aus ihrem Alltag ausbricht und einfach mit ihrem metallicblauen Golf fährt und fährt und fährt bietet eine solide Grundlage. Doch leider finde ich es sehr unrealistisch das man 24 Stunden durchgehend Auto fährt, kaum etwas trinkt oder isst.
Ebenfalls finde ich es sehr absurd, dass die Freundin der Autofahrerin sich plötzlich sehr gut mit deren Ehemann versteht. Obwohl sie ihn laut der Geschichte noch nie leiden konnte. Und jetzt da die Autofahrerin verschwunden ist, ist die Vergangenheit vergeben und vergessen.
Alles in Allem ist der Roman sehr gut lesbar, leider gefallen mir ein paar Ideen und Wendungen im Roman nicht bzw. finde ich es nicht nachvollziehbar und unrealistisch.
Stabile 3 von 5 Sterne.





Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?
von Wencke Mühleisen
Das Cover und der Titel wirken unscheinbar. Umso mehr war ich über den Inhalt überrascht und erfreut.
Im Buch "Was ist in meinem Alter sonst noch üblich?" von Wencke Mühleisen geht es um ein 65-jähriges Ehepaar. Erika und Jan machen einen gemeinsamen Urlaub in Italien, in der Hoffnung das dieser Urlaub die eingestaubte Beziehung in Schwung bringt. Aber leider ist genau das Gegenteil der Fall. Am letzten Abend gesteht Jan, dass er seit mehr als einem Jahr eine Beziehung zu einer anderen Frau hat. Nach dieser Beichte hat Erika so ziemlich alle Gedanken die man einfach nur haben kann. Die Geschichte ist wirklich ausgezeichnet umgesetzt und hat mich sehr gefesselt. Besonders interessant finde ich die ganzen verschiedenen Gedankengänge die Erika hat und das sie sich mal mit ihrem Schicksal abfindet und dann wieder nicht. Manchmal sind mir ihre Gefühle wie ein Pendel vorgekommen die von einem Extrem ins andere geschwankt sind.
Auch wenn ich mit Ende 20 eher nicht in die angepeilte Lesegruppe falle, hat mich der Roman durch die Sprache und den Inhalt absolut abgeholt und war mein Lesehighlight im Februar 2026.









