Kundenrezensionen von Skanus





Weil sie lügt
von Caroline Seibt
Atemlos!
Würde dieses eine Wort ausreichen, um eine umfassende Rezension dieses Thrillers zu schreiben, würde es auf den Punkt treffen. Es steckt alles drin in diesem einen Wort und doch ist es zu wenig, um die Spannung zwischen den Buchseiten in Worte zu fassen.
Etwas Bedrohliches umfängt die junge Protagonistin Anna, die mit dem Verschwinden ihrer Schwester Juli zu kämpfen hat. Auf ihr liegt die gesamte Last und sie stemmt es bewundernswert. Dabei hat sie nur ein Ziel vor Augen - das Verschwinden aufzuklären.
Dieser Wille hält sie bei der Stange, treibt sie gnadenlos an und bringt eine Verbissenheit hervor, die den Leser gelegentlich beängst die Seite umblättern lässt. Man selbst hat längst das Gefühl, unter dieser Last zusammenzubrechen. Und doch fiebert der Leser weiter mit, verspürt körpeliches Unbehagen, wenn er nicht sofort - gar mit dem nächsten Wort - der Klärung einen Schritt näher kommt.
Ich fühlte mich bei der Lektüre an die Spannung in Zweigs 'Schachnovelle' erinnert, wo jedes überflüssige Wort die Spannung ins Beklemmende dehnte. So auch hier, bewusst befeuert durch die Cliffhanger am Ende fast jeden Kapitels. Es war schwer, dass Buch wegzulegen.
Ein Spoiler ist so unfair wie nur irgendwas; und bei diesem Thriller ganz besonders. Deshalb gibt es keinen, aber ich möchte doch auf das Ende der Geschichte verweisen, das den Leser in einem wunderbaren Zustand zurücklässt. Wie dieses Wunderbare genau aussieht, muss der geneigte Leser selbst herausfinden.
Auf alle Fälle ist das Wunderbare auf mehrere Arten zu lesen und zu verstehen.
Nicht vergessen: Tief einatmen und loslesen!





Das Gesetz der Elite
von Sandrone Dazieri
Dieser Thriller hat alles, was einen wirklich guten, komplexen Thriller ausmacht. Spannung ab dem ersten Satz, eigenwillige, starke Figuren, Wissen abseits gängiger Pfade und mitreißende Dialoge. Ein Page-Turner!
Auch wenn an verschiedenen Stellen Andeutungen zu anderen Geschichten des Autors gemacht werden und so mancher Protagonist aus früheren Thrillern dem Leser bekannt ist, stört das beim Lesen überhaupt nicht. Das Gegenteil ist der Fall: man begibt sich umgehend auf die Suche nach weiteren Büchern.
Die Fähigkeit des Autors eine spannende Geschichte so zu entwickeln, dass der Leser eigentlich immer überrascht wird, weil er nicht ahnen kann, wie der weitere Verlauf der Story aufgebaut ist. Alle Fäden, die in der Geschichte angelegt werden, finden ihren Abschluss, das verwobene Konstrukt ist am Ende stimmig, der Leser wird nicht in einem Loch oder mit einem unbefriedigendem Ende zurückgelassen. Jede noch so winzige Andeutung, jeder Schnipsel wird bis zum Ende bedacht und behandelt.
Weiterhin erhält der Leser einen Einblick in die Welt der Superreichen, eine Kategorie an Reichtum, die es bis dato nicht gegeben hat. Neue Dimensionen an Geld im Besitz einzelner Menschen und der damit einhergehenden Macht, sind ein Phänomen des 21. Jahrhunderts mit all seinen schrägen Ausprägungen und fern jeder Lebens-Realität der meisten Menschen auf diesem Planeten. Dies schürt Neid und befeuert gesellschaftliche Ungleichheit - ein zentraler Punkt um den sich Dazieris Geschichte dreht.
Geld, Macht, Narzissmus und Gewissenlosigkeit - eine gefährliche Mischung. Und überaus aktuell! Eine Geschichte aus dem Heute mit den Möglichkeiten der digitalen Welt. Die Guten und die Bösen wissen sie gleichermaßen zu nutzen.
Wer hat am Ende die besseren Ideen? Und vor allem: Sieg der Gerechtigkeit?
Lesen Sie selbst. Es lohnt sich auf jeden Fall. Jedes Wort.





Summer Heat
von Solveig-Marie Kastner
Mit großen Hoffnungen auf kribbelnde Spannung und eine durchgelesene Nacht habe ich diesen Thriller erwartet. Das Setting in einem traumhaft gelegenen Luxus Resort an der portugiesischen Atlantikküste macht Lust auf Urlaub und Dolce far niente.
Die Charaktere der handelnden Personen sind lebensnah und wirken echt. Sie verhalten sich ihren Rollen entsprechend, die sich aufgrund ihrer Aufgabe in dem Hotel einnehmen. Dabei hat der Leser es leider auch mit Klischees zu tun, die allerdings nicht zu vermeiden sind, weil sie für den Handlungsverlauf wichtig sind. Sie nehmen großen Einfluss auf die emotionale Situation der Protagonistin. Wir finden hier: die nette Kollegin, den gut aussehenden Surferboy, die Gruppenzicke und die Mitläufer ohne Rückgrat. Und natürlich die Chefin, die mit harter Hand und gewaltigen Vorurteilen, sowie mächtig Druck von oben agiert.
Sie alle sorgen für ein alptraumhaftes Arbeitsumfeld hinter den Kulissen von schillerndem, verdorbenem Luxusleben der zahlenden Gäste. Auch hier werden Klischees bedient, die von einem Leben in vermeintlicher Sorglosigkeit erzählen, dabei aber den gesellschaftlichen Druck nach körperlicher Makellosigkeit widerspiegeln. Das in dem Resort keine Kinder zugelassen sind, ist für die Kinder sicher besser. Soviel Oberflächlichkeit verblendet.
Das hinter der Arbeit der Protagonistin als Yoga-Lehrerin eine Flucht steht, erfährt der Leser früh. Er ist geneigt von einem Ex-Lover auszugehen, ohne konkrete Hinweise. Angst als Fluchtimpuls.
Die Spannung wird während der Lektüre gehalten, aber leider gegen Ende nicht wesentlich gesteigert, was beim Leser mehr den Wunsch nach Abschluss des Buches hervorruft, denn ein Hecheln einsetzen lässt, das dem starken Drang nach Auflösung geschuldet ist. Das Ende finde ich etwas schwach und zum Teil konstruiert. SPOILER: Der Kliffhanger am Ende eröffnet lediglich die Möglichkeit, weiterführende Thriller zu schreiben, ist aber für die Auflösung dieser Story irrelevant.
Insgesamt ist es eine spannende Geschichte mit lebensnahen Figuren und einer umfangreichen Umgebungsbeschreibung. Manche Örtlichkeit ließ sich für mich auch nach mehrmaligem Lesen nicht visualisieren. Das war schade, denn die Alleinlage des Hotels hoch über dem Meer ist einladend.
Doch lesen Sie selbst. Vielleicht bin ich einfach nur zu kritisch. Viel Spaß!





Ein Date mit deinem Gehirn
von Damir del Monte
Dieses Buch ist ein populärwissenschaftlichen Buch. Deswegen hat es mich angesprochen. Mit viel Interesse an dem menschlichen Gehirn, seinen Funktionsweisen und seinem Aufbau, habe ich erwartet, diese Sachverhalte in klaren Worten erklärt zu bekommen. Gerne auch wissenschaftlich untermauert, evtl. mit Fachbegriffen.
Was ich bekommen habe, ist eine blumige Schilderung, angereichert mit bildhaften Vergleichen, die zur Verständlichkeit beitragen sollten, leider aber das Gegenteil erreicht haben: meine Gedanken schweiften ab, die Augen lasen die Buchstaben und das Gehirn verlor sich irgendwo unterwegs zum Ende des Satzes.
Einige Informationen blieben als "neu" im Gedächtnis haften. Es waren solche, die in klarer Sprache aufgeschrieben wurden. Auch die grafischen Übersichten auf den Rückseiten der Buchdeckel sind anschaulich und verständlich. Die Zusammenhänge erschließen sich.
Das umfangreiche Quellenverzeichnis am Ende des Bandes ist beeindruckend. Es finden sich neben Fachartikeln aus dem medizinischen Bereich und Universitätsveröffentlichungen erstaunlich viele Publikationen aus deutschen Publikumsverlagen. Weitere populärwissenschaftliche Werke.
Bei der medizinischen Qualifikation des Autors hätte ich mehr erwartet: mehr Fachliches, mehr Medizinisches und besonders eine straffere, sachlichere Sprache. Die Dinge mehr auf den Punkt gebracht, weniger "fabulieren".
Eine Recherche über den Autor ergab einen ansprechenden Webauftritt mit vielen positiven Äußerungen und Bewertungen. Die Biografie fällt etwas kurz aus und lässt sich nicht anderweitig online nachlesen. Es scheint nur diesen Webauftritt zu geben, ansonsten keine Referenz. Alles dreht sich um diese Buch und mediale Wirksamkeit. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass das Mediale dem Autor zu breiter Aufmerksamkeit verhelfen soll. Die Bilder seiner Life-Show lassen erkennen, wie sehr der Auftritt zu einer actiongeladenen Veranstaltung gemacht wurde.
Ich kann das Bemühen, neurowissenschaftliche Themen anschaulich für Jedermann darzustellen, nachvollziehen. Es sind spannende Fragen rund um das menschliche Gehirn, die vielen Menschen ihren Denkaparat näher bringen sollen und den Zusammenhang zum "Gesamtkonstrukt Mensch" erklären möchten.
Ich hätte mir all diese Themen weniger "show-mäßig", sondern mehr fachspezifisch gewünscht. Klare Fakten verständlich aufbereitet. Darunter muss das Zusammenspiel von Gehirn und Geist - ein zentrales Thema des Buches - nicht leiden. Auch hier geht eine klare Darstellung, die ohne weitschweifige Beispiele auskommt.





You and Me - Die zweite erste Liebe
von Josie Lloyd; Emlyn Rees
Eine Liebe in Vergangenheit und Zukunft. Der Versuch, das eigene Leben in der Vergangenheit so zu beeinflussen, dass die Zukunft genau das bereithält, was gewünscht ist. Ein Gambling der eher fragwürdigen Art.
Nun ist es immer wieder faszinierend zu lesen, wie sich Autoren Zeitreisen vorstellen. Die rein technische Seite am Übertritt in die Vergangenheit ist häufig von Chaos und Wirbeln begleitet. Einem Moment der Verwirrung bei der Ankunft. Aber alles fügt sich in diesem Roman beinahe nahtlos an die Gegenwart, weil die Vergangenheit bekannt ist. Bestimmte Tage in der Vergangenheit werden herausgepickt mit einem Mixtape/CD als Reise-Vehikel mit vorgegebener Aufenthaltsdauer durch die Spiellänge des Tapes/der CD.
Auch hier müssen die etwas lahm konstruierten Protagonisten feststellen, dass sich das Leben nicht in die Karten gucken lässt. Und das eben nicht gezielt Teile der Vergangenheit geändert werden können, ohne andere vielleicht unerwünschte Konsequenzen zu schaffen. Sie verstricken sich in dem, was sie wollen, was sie haben und dem, was sein sollte.
Zeitreisen sind ein spannendes Element in der Literatur. Und wer wünscht sich nicht, Dinge in seinem Leben zu verändern, die ihn vor Kummer und bösen Erfahrungen bewahren? Ist es wirklich ein Vorteil, die Erfahrungen des Lebens ungeschehen zu machen? Was bleibt von einer Persönlichkeit übrig, die ihre Erfahrungen im Nachhinein beeinflusst? Folgt man der Autorin, wurden diese Erfahrungen gemacht, doch bleibt sie dem Leser schuldig zu erzählen, wie es sich auf die Persönlichkeit auswirkt, wenn gemachte Erfahrungen nur noch eine ferne Erinnerung sind, die durch Löschung in der Vergangenheit quasi weichgespült wurden? Um die Erfahrung an sich kommt der Protagonist nicht herum. Doch was sind Erinnerungen an Erfahrungen, die verändert wurden, wert? Wie fühlt es sich an, sich an eine Erfahrung zu erinnern, die in der neuen Zukunft nie stattfinden wird?
Erfahrungen und wie wir damit umgehen sind das, was uns ausmacht. Der Stempel des Lebens sozusagen. Doch wenn diese Erfahrungen zu etwas beliebig Austauschbarem verkommen, dann werden die Menschen zu einer Art "Gen-Tomate", die lange rosig und frisch bleibt, keine faulen Stellen bildet, rund und glatt.
Ist das erstrebenswert?
Ob das alles dazu taugt, die Turbulenzen einer jeden Ehe aufzufangen und sich als Paar neu zu definieren, weiß ich nicht. Ich finde es besser, Unstimmigkeiten sofort anzugehen und nicht erst einen Berg an "Ich-fress-das-alles-in-mich-hinein" anzuhäufen. Dann braucht man auch keinen Katalysator, sondern nur Verständnis, Geduld und Liebe.





Villa Rivolta
von Daniel Speck
Ein umfangreiches Sittengemälde verbunden mit der Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Eingebunden in ein gesellschaftliches Korsett wird die Heldin Valeria mit sich selbst, der Gesellschaft, deren Anforderungen an sie sowie den Meinungen/Ratschlägen anderer konfrontiert. In diesem "casino" versucht sie, ihr Leben in den Griff zu bekommen.
Häufig genug prallen ihre Vorstellungen mit der Realität zusammen, da Valeria einen beeindruckenden Willen - zuweilen Sturkopf - hat, kommt sie nicht sehr geschmeidig durchs Leben. Immer wieder zwischen der Welt der Reichen und der Unterschicht hin und her geworfen, gesteht sie sich nicht ein, wo sie gefühlsmäßig zuhause ist. Wie ein roter Faden zieht sich die Freundschaft zu dem Industriellensohn Piero durch ihr Leben. Sein Leben scheint federleicht, nach dem Motto 'was kostet die Welt'. Die Schwierigkeiten in Pieros Leben wirken mehr wie Streiflichter des Unbills, als wirkliche, die Existenz beeinträchtigende Ereignisse.
Hinzu kommen die politischen Wirren der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts und kommunistisches Gedankengut, dem sich Valeria nicht verschließen kann. Ihr von Deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg erschossener Vater schwebt über dem Ganzen. Ein glühender Partisane, der gegen die Nazis aufbegehrt hatte. Und auch die Mutter ist keine Figur, die als Vorbild taugt. Zu sehr verhaftet im Denken der Vorkriegsjahre, besonders was das Verhalten dienender Personen/Frauen angeht. Unterwürfig und dem Arbeitgeber ergeben. So erkennt Valeria schon in früher Kindheit die Distanz zwischen des gesellschaftlichen Schichten.
Der Autor arbeitet dieses feine Netz an gesellschaftlichen Normen, Aufbegehren der jungen Generation, Abwenden von den Altvorderen und ihren überkommenen Vorstellungen präzise aus. Eingesponnen in banalen Alltag erwachsen immer wieder Problemsituationen, die die Grenzen der Protagonisten aufzeigen und ihre Handlungsmöglichkeiten einschränken. Gegen gewisse Zwänge hilft auch das stärkste Aufbegehren nichts.
Wie auch schon in seinen anderen Romanen, entpuppt sich Daniel Speck als Meister der feinsinnigen Erzählung, dem es wunderbar gelingt, seine Helden durchs Leben wandern zu lassen und dabei die Zwänge eines jeden individuell mit dem Geschehen interagieren zu lassen. So ergibt sich ein detailreiches Sittengemälde einer vergangenen Zeit.





Die Liebe, später
von Gisa Klönne
Eine Frau auf der Suche nach dem Sinn in ihrem Leben im letzten Lebensdrittel. Ein durchaus spannendes Thema, besonders wenn zu dem Zeitpunkt eigentlich eine Sättigung eingetreten sein sollte, die einen mit der Hoffnung erfüllt, 'jetzt bin ich mal dran'. Mit dem Schwerpunkt auf den eigenen Bedürfnissen. Dem Gefühl, es nicht mehr allen Recht machen zu müssen, sondern sich den Herbst und Winter des Lebens mit dem Partner passend einzurichten.
Das ist auch der Versuch der Heldin Kora, die sich auf eine beinahe verzweifelte Reise in die Vergangenheit begibt, um diese fast komplett seit der Kindheit aufzuarbeiten.
Das liest sich streckenwiese zäh, weil sich Unsicherheit und Fluchtverhalten wie ein dicker roter Faden durch Koras Leben ziehen. Bindungsängste bedingt durch frühkindliche Verluste und mieses Verhalten von Männern prägen Koras Leben in Phasen, die eigentlich eine Konsolidierung bringen sollen. Sie hat schon immer keinen Halt im Leben gehabt und keine verlässlich anwesende Bezugsperson.
Nun auf dem Weg in den Ruhestand mit einem Ehemann, der plötzlich dauernd anwesend ist, die Wochenendehe, die sich als so bequem herausgestellt hat, weicht einem Dasein zu Zweit. Das ist eine beängstigende Vorstellung. Dazu kommt noch eine die Endlichkeit des Lebens vor Augen führende OP.
Kora zieht es den Boden unter ihren Füßen weg. Eine Flucht in die Vergangenheit beginnt und ob am Ende alles plötzlich ganz einfach ist, soll der Leser bitte selbst herausfinden.
Die Lektüre bis dahin lohnt auf alle Fälle, auch wenn die Unsicherheit der Heldin mich als Leserin so manches Mal die Augen hat verdrehen lassen. So nach dem Motto: Mädel, wie alt bist du? So viel Unsicherheit ist für mich nur sehr schwer nachzuvollziehen, auch wenn das Leben an entscheidenden Punkten brutal für Kora war.
Dies ist eine Möglichkeit, den Sinn des Lebens zu finden.
Viel Spaß beim Lesen!





The Academy
von Elin Hilderbrand; Shelby Cunningham
Eine Geschichte voller Dramatik, menschlicher Schicksale und ersten Versuchen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Eine Auseinandersetzung junger Menschen miteinander und den charakterlichen Eigenheiten eines jeden.
Hochgefühle, Tiefschläge, Enttäuschungen - alles mit dabei. Besonders hat mir gefallen, wie sensibel die Autorin Zwänge beschreibt, in die Menschen geraten, wenn ihre Existenz von der finanziellen Zuwendung dritter abhängt. Dieses Phänomen fällt besonders in den USA auf, wo so Vieles über Spenden in Millionenhöhe läuft und die Empfänger dadurch auf Spur genbracht werden oder dort gehalten werden. Sie sind in ihrer freien Meinungsäußerung eingeschränkt, aus Angst, die Spenden zu verlieren. Recht wird gedehnt, Dinge kommen nicht zur Sprache, Entgleisungen werden nicht geahndet - Geld regiert die Welt.
Genauso wie Social Media einen immensen Einfluss auf das Handeln der Menschen hat. Auch hier werden sie in ihrer freien Entfaltung eingeschränkt, weil versierte Menschen sich in fremde Profile einhacken können und an sensible Daten gelangen, die sie gnadenlos gegen den User ausspielen und ihn der Lächerlichkeit anheimfallen lassen. Geheimnisse werden preisgegeben, Menschen an den Pranger gestellt und mit ihren intimsten Gefühlen an die Öffentlichkeit gezerrt.
Der Autorin und ihrer Tochter ist es hervorragend gelungen, die Bedrohungen unserer Zeit (besonders in den USA was Spenden angeht) offenzulegen und die Konsequenzen für die Menschen aufzuzeigen. Aber auch einen Ansatz zu liefern, wie man mit diesen Bedrohungen umgehen kann, um sich zu schützen. Die jungen Leute machen Erfahrungen und lernen fürs Leben. Und sie lernen, anderen zu vergeben und nicht Vorurteilen aufzusitzen, sondern das Verhalten des anderen zu analysieren und zu verstehen. Sie sind in der Lage, ihre Fehler einzugestehen und sich bei anderen zu entschuldigen.
Eine gelungene Lektüre, auch wenn ich mir ein geschlossenes Ende gewünscht hätte.





Das glückliche Leben
von David Foenkinos
Diese sehr erzählerisch angelegte Geschichte erweckt nach Lektüre des Klappentextes einen anderen Eindruck, als den, den man abschließend gewinnt.
Das lebensverändernde Ereignis der Fake Beerdigung wird als Event nicht geschildert. Das ist enttäuschend und macht die weitere Lektüre zu einer Pflichtlektüre, weil der Leser doch wissen möchte, wie die Story zur Auflösung kommt.
Die losen Fäden finden nach und nach zu einem Gewebe zusammen und trotzdem ist das Ende eher mau. Als geneigte Leserin habe ich eine gefühlsmäßige Tiefe vermisst. Es ist mir nicht gelungen nachzuvollziehen, in wie fern der Aufenthalt in einem geschlossenen Sarg dem Leben eine positive Wendung geben soll. Es wir lediglich behauptet, dass dem so sei. Die teilweise dürren Gefühlsbekundungen brachten mich nicht näher an das Geschehen heran.
Ich hätte mich gefreut zu lesen, wie die Menschen nach so einer Erfahrung ticken, welche inneren Gefühlswelten sich ihnen erschlossen haben und was das auf ihrem weiteren Lebensweg für ihren Umgang mit dem Tod bedeutet.
In diesem Roman finden wir einen bilderbuchmäßigen Plotverlauf: eingefahrener Alltag, einschneidendes Ereignis, Bruch, Neubeginn, Erfolg. Die Szenen wirken zum Teil wie abgehakt, die emotionale Tiefe fehlt.
Bei mir blieb ein Gefühl der Oberflächlichkeit zurück. Eine coole Idee für einen Plot, aber eine etwas dürre Umsetzung. Das Besondere an einer Fake Beerdigung kommt nicht heraus. Mir fehlt die emotionale Tiefe, die gerade mit der Auseinandersetzung der eigenen Sterblichkeit doch im Übermaß vorhanden ist. Hier wird an der Oberfläche gekratzt. Mehr nicht.





Versprich mir, dass du tanzt
von Dani Atkins
Seinen Lebenspartner früh im Leben zu verlieren, stelle ich mir als sehr schwere Lebenserfahrung vor, die einem den Boden unter den Füßen wegzieht und auf einen Schlag jegliche Perspektive verdunkelt. Was es sicher nicht einfacher macht, ist, wenn der Sterbende dem Weiterlebenden Versprechen abnimmt, die einen großen Druck ausüben. Das finde ich nicht fair, hat doch der Hinterbliebene ein schweres Los zu ertragen.
In diesem Falle lässt es sich nicht umgehen, weil sonst der Story die Grundlage entzogen wäre.
Was mir ein wenig gefehlt hat, ist eine mitfühlende Beschreibung der unendlichen Leere, die einen nach dem Tod eines geliebten Menschen befällt. Die greifbare Stimmung, die im ersten Kapitel so wunderbar herüberkommt, fehlt danach. Es scheint, als würde die Protagonistin Anlauf nehmen, um das zwangsläufige (Spoiler) Happy End zu erreichen. (Wer weitere Romane der Autorin kennt, weiß um den Ausgang der Geschichten).
Den Hauptteil der Story nimmt der Hürdenlauf der beiden uralten Freunde ein, bis das Geheimnis, das mit dem Versprechen des Sterbenden zusammenhängt, schließlich gelüftet wird. Ein für mich etwas "dünnes" Geheimnis. Ich hätte da mehr erwartet.
Insgesamt liest sich der Text flüssig und unterhaltsam. Die Dialoge sind teilweise spritzig und witzig, die Charaktere glaubwürdig in ihrem Auftreten. Sie pflegen ihre Eigenarten und bleiben sich treu, haben allerdings diesen teilweise nervigen Zug, Dinge geheim zu halten, um den anderen zu "schonen". Auch die eigene Interpretation der Sachlage als etwas zu nehmen, was der andere garantiert genauso sieht und dann felsenfest davon überzeugt zu sein, dass dies der Wahrheit entspricht, ist irgendwo langweilig. Als ob es am Ende nicht doch herauskommt. Miteinander zu reden wäre häufig auch im Sinne der Handlung erleichternd.
Es ist mir durchaus bewusst, dass es sich hier um erzählerische Techniken handelt, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Doch so manches Mal wünschte man sich, die Helden wären nicht ganz so 'dämlich' und würden mehr auf Kommunikation und nicht auf etwas setzen, das sich als Angst entpuppt.
Lesenswert, aber nicht so mitreißend wie andere Bücher der Autorin.









