Kundenrezensionen von Heike





Light my Fire
von Sheila de Liz
Direkt vorweg: Es geht nicht nur um ältere Frauen oder die Wechseljahre.
In ihrem Buch über die Lust am Sex beschreibt Sheila de Liz für alle Frauen, wie das weibliche Geschlechtsorgan funktioniert. Die Anatomie, die Hormone und die Psyche haben Einfluss auf die Libido, und zwar unser ganzes Leben lang, nicht nur im Alter. Manchmal hat es körperliche Ursachen, dass es nicht so klappt wie gewollt, und manchmal ist es Beziehungsstress. Oder falsche Glaubenssätze und Scham.
Als Gynäkologin hat die Autorin viele lustige, aber auch berührende Geschichten gehört und lässt uns an einigen davon teilhaben. Sie schreibt unglaublich unterhaltsam und gleichzeitig lehrreich, so dass man gar nicht merkt, dass man eigentlich ein Sachbuch in der Hand hat. Ich musste ganz oft schmunzeln, fühlte mich verstanden oder aufgefangen. So viele Stellen habe ich selten in einem Buch markiert, aber Sheila hat einfach unglaublich viele gute Tipps.
Als Ärztin hatte es sie geärgert, wenn sie ihren Patientinnen nicht helfen konnte, weil das weibliche Geschlechtsorgan in der medizinischen Forschung wohl nur stiefmütterlich behandelt wird. Unglaublich, dass die Klitoris in dem Standardwerk zur Medizin kaum erwähnt wird. Deshalb hat Sheila sich auf die Suche nach Forschungsergebnissen gemacht, und Erstaunliches entdeckt, was kaum jemand weiß. Das war sehr spannend zu lesen.
Als Frau fühlt man sich in diesem Buch wirklich gesehen und berührt. Leider kommen die Männer bei Sheila nicht so gut weg, und es hat mich ein bißchen gestört, dass sie da sehr verallgemeinert. Auch Männer haben ihre Päckchen zu tragen, und manchmal hapert es einfach an der Kommunikation und am Einfühlungsvermögen auf beiden Seiten.
Trotzdem finde ich die Lösungsansätze der Autorin im letzten Abschnitt ihres Buches sehr gelungen. Sie weist darauf hin, dass man in der Partnerschaft Sex mehr Priorität einräumen sollte, und dass das in den meisten Fällen nicht spontan, sondern nur geplant funktioniert. Außerdem ist Abwechslung wichtig, und vor allem: kein Leistungsdruck.
Besonders schön finde ich auch die vielen Illustrationen, die den Text begleiten. Gerade im Abschnitt über die Anatomie war das sehr hilfreich, aber auch die stimmungsvollen Bilder haben mir gefallen.
Ich habe viel aus diesem Buch über den weiblichen Körper gelernt und habe mich nebenbei auch noch bestens unterhalten gefühlt. Wer sich dafür interessiert, wie die Lust der Frau funktioniert, und warum sie eben manchmal nicht funktioniert, der sollte unbedingt dieses Buch lesen.





The Ordeals
von Rachel Greenlaw
Sophia arbeitet für den „Sammler“, der sie mithilfe eines magischen Armbands an sich gebunden hat und für seine Aufträge einsetzt. Er ist außerdem ihr Onkel, denn Sophias Eltern sind tot. Sie wächst bei ihm auf und muss durch seine harten Erziehungsmaßnahmen einiges durchstehen, bis sie eines Tages beschließt, zu fliehen und das Armband zu zerstören. Das kann nur auf eine Art gelingen: Indem sie es schafft, an der Killmarth Akademie für Magie aufgenommen zu werden, die schon ihre Eltern besucht hatten.
Also findet Sophia heraus, wann und wo die nächste Aufnahmeprüfung stattfindet. Dabei lernt sie Alden kennen, einen Botaniker, der sich ebenfalls den „Ordeals“, den Prüfungen, der Akademie stellen will. Diese Prüfungen sind brutal und nicht wenige Anwärter sterben dabei. Außerdem gibt es Neid und Missgunst unter den Studenten, und so passieren auch außerhalb der Ordeals immer wieder Morde, die das Leben an der Akademie gefährlich machen.
Sophia findet aber recht schnell neue Freunde unter den Anwärtern und schließt sich außerdem als Illusionistin zweckgebunden mit Alden zu einem Team zusammen. Natürlich fällt ihr auch auf, wie ungeheuer attraktiv Alden ist, aber kann sie ihm vertrauen?
Die Story hat mir gut gefallen und ließ sich schnell lesen. Sie ist unterhaltsam, hat immer wieder spannende Momente und humorvolle Stellen. Es hat mich an eine Mischung aus Harry Potter und Magisterium erinnert, allerdings kann das Buch in Tiefe, Vielfältigkeit und Spannung nicht mit diesen mithalten. Aber muss es ja auch nicht. Es liefert eine ganz eigene, interessante Geschichte, auch wenn das ein oder andere mir schon bekannt vorkam. Sie bietet aber ein paar sehr schöne Nebencharaktere, von denen ich sogar gerne noch mehr lesen würde.
Die Thematik mit dem Sammler fand ich besonders. Es hat mich neugierig gemacht, was es mit ihm auf sich hat, und ich wurde am Ende auch nicht enttäuscht. Nachdem der Anfang sehr spannend war, hatte ich während Sophias Zeit an der Akademie ab und an das Gefühl von zu viel Wiederholung. Aber immer, wenn es um die „Kalten“ ging, hatte mich die Story wieder. Diese Kreaturen sind gefährlich, gruselig und eklig. Die Stimmung kam super rüber und ich konnte nachvollziehen, weshalb sich alle vor ihnen fürchten.
Ich hatte allerdings Probleme damit nachzuvollziehen, weshalb die Akademie ihre Studienanwärter reihenweise in den Prüfungen sterben lässt, wenn doch mit einem Krieg mit den Kalten gerechnet wird. Selbst, wenn die Magieranwärter nicht so stark sind, ist es doch besser, sie auf den Krieg vorzubereiten, als einfach durch die Prüfungen umzubringen. Es machte für mich auch keinen Sinn, dass Sophia Killmarth immer wieder als den Ort beschreibt, an dem sie sich am sichersten fühlt, wenn sie jeden Tag damit rechnen muss, von einem Mitstudenten ermordet zu werden. Das kann sie noch so oft behaupten, aber ich habe diese Sicherheit nicht gespürt.
Leider habe ich ihr auch die Liebesbeziehung zu Alden nicht abgekauft. Die Entwicklung fühlte sich für mich nicht echt an. Anfangs war ich von Sophia und Alden als Figuren gleichermaßen begeistert, aber im Laufe der Geschichte wurden sie in meinen Augen immer schwächer und blasser. Sie starten selbstbewusst und geheimnisvoll und enden wie verliebte Teenager. Alden hat schließlich nur noch eine Mission: Sophia zu beschützen. Das hat mich enttäuscht, denn nach dem prickelnden Start in der Bar hatte ich hier viel stärkere, erwachsenere Charaktere erwartet.
Dafür hat mich das sehr spannende Ende wieder mit den Schwächen der Geschichte versöhnt. Es gibt gleich mehrere Überraschungen, es wird noch einmal gefährlich und unheimlich. Die Autorin versteht es wirklich, den Ordeals Spannung und Atmosphäre einzuhauchen, was mich beim Lesen immer wieder begeistern konnte.
Das Buch endet schließlich mit einem Cliffhanger. Die Story ist an sich zwar abgeschlossen, aber es muss nach diesem Ende mindestens noch einen Folgeband geben, um die Ereignisse, die auf den letzten Seiten starten, fortzuführen und einige offen gebliebenen Fragen zu klären.
Insgesamt hat es mir Spaß gemacht „The Ordeals“ zu lesen. Ich wollte immer wissen, wie die Geschichte weitergeht, auch wenn die Hauptfiguren mich ab Mitte des Buches ein bisschen verloren haben. Trotzdem bin ich unschlüssig, ob ich einen zweiten Band lesen würde. Ganz überzeugt hat mich dieser Fantasyroman leider nicht.





Sepia 2: Sepia und die Verschwörung von Flohall
von Theresa Bell
Nach den Ereignissen in Band 1 erwartet die Protagonistin mit "Sepia und die Verschwörung von Flohall" das nächste Abenteuer. Erneut tauchen wir in die Welt der Tintenmagie ein und erfahren mehr über die Geschichte von Flohall und den Tintenkrieg.
Ich bin ein großer Fan vom Schreibstil der Autorin. Sie versteht es sehr gut, eine stimmige Welt und einnehmende Atmosphäre zu schaffen. Dabei gelingen ihr immer wieder schöne, buchige Wortkreationen. Die Geschichte lief auch diesmal wieder vor meinem inneren Auge wie ein Film ab. Die magischen Tintenwesen konnte ich mir sehr gut vorstellen und die Form der Magie ist einzigartig. Einen neuen Schwerpunkt bilden in diesem Band auch die alchemistischen Zauber und damit verbundene Alchefakte.
Das Tempo dieses Zwischenbands der Trilogie ist gemächlicher als der erste Teil. Es passieren weniger storyrelevante Dinge, dafür wird mehr Wert auf den Ausbau der Charaktere und ihren Beziehungen zueinander gelegt. Wir lernen etwas mehr darüber, wie die Welt funktioniert und warum Sepia in dieser Welt so etwas besonderes ist. Dazu gibt es noch einen gruseligen Gegenspieler und mehrere zwielichtige Charaktere, die es düster und geheimnisvoll machen.
In diesem Band geht es etwas weniger um Bücher und die Druckerei als noch in Band 1. Dafür stehen Themen wie Maskenhandwerk, Schneiderei und Schauspielerei im Vordergrund. Das Theatersetting fand ich faszinierend. Ich würde gerne einmal zum "Glimm" und eine Vorstellung der Kompanie Feuervögel besuchen.
Der Showdown zum Ende hin ist wieder sehr gelungen. Auch das kann die Autorin richtig gut. Mich hat sie überrascht und in den letzten 120 Seiten mitgerissen. Einiges war zwar auch vorhersehbar, aber ein spezieller Plot-Twist am Schluss hat mich wieder extrem neugierig auf den letzten Teil der Reihe gemacht.
Insgesamt finde ich den ersten Band der Reihe etwas stärker, da dort alles noch so neu ist und deshalb auch spannender. Aber ich mag es einfach, in Sepias Tintenwelt einzutauchen und mich von den Buchseiten davontragen zu lassen. Dazu tragen auch die wunderschönen kleinen Zeichnungen der Illustratorin vor jedem Kapitel bei. Die Ausstattung mit Lesebändchen und glänzenden Elementen auf dem Cover macht das Buch auf jeden Fall zu einem Schmuckstück im Regal.
Die Fortsetzung der Reihe ist für mich auf jeden Fall gelungen. Es sind noch einige Rätsel rund um Flohall und Sepia offen und ich bin gespannt auf die Auflösung. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Story im letzten Teil wieder anzieht und uns ein großartiges Finale bescheren wird.





Inkbound - Metty Jones und das Schicksalstattoo
von Philippa Leathley
Metty hat Geburtstag und bekommt wie alle in ihrem Alter endlich das ersehnte Schicksalstattoo, das ihren Lebenweg prägen soll. Doch das hochbezahlte Medium verpasst ihr einen Totenkopf, was darauf hindeutet, das Metty eine Mörderin wird. Während das Mädchen mit ihrem Schicksal hadert, muss sie zu ihrer Tante nach New London ziehen, da Vater und Mutter eigene Ziele verfolgen.
Besonders gut hat mir das World Building gefallen: Neue magische Städte, die durch ein schlagendes Herz in der Luft schweben. Wer dort ankommt, wird erstmal durch einen der vielen hohen Kaminschächte eingesaugt und auf dem Boden wieder ausgespuckt. Doch Magie ist nicht für jedermann zugänglich, denn die Tinte, die man dafür benötigt, ist so teuer, dass sich nur die Wohlhabenden Magie leisten können. Das ruft natürlich Widerstand auf den Plan, und so wird die Stadt New London seit kurzer Zeit von den Schwarzen Motten terrorisiert.
Metty versucht derweil herauszufinden, was es mit ihrem Tattoo auf sich hat, denn die Erwachsenen scheinen zwar etwas zu wissen, wollen aber nicht mit ihr darüber reden. Also schmiedet Metty mit ihrem neuen Freund Sundar und der Hilfe von ihrer neuen Freundin Faith den Plan, das Tattoo ändern zu lassen. Doch sie ahnt nicht, dass es für sie gefährlich ist, so unbedacht durch die Straßen der Stadt zu laufen. Als sie herausfindet, dass auch ihr Vater in Gefahr ist, setzt sie alles daran, ihn zu retten.
Die Geschichte wird sehr temporeich erzählt und hat mir viel Spaß gemacht. Die Autorin hat einige schöne fantastische Ideen, die mir gut gefallen haben. Einige Charaktere dagegen sind für mich ein bißchen zu blass geblieben, so z.B. Mettys Onkel Rupert, der doch recht häufig dabei ist, über den man aber kaum etwas erfährt. Man merkt, dass dieses Buch der erste Band einer Reihe ist, denn auch Mettys Familiengeschichte bietet noch viel mehr Potential. Trotzdem hätte auch Metty für mich mehr Tiefe gebraucht, bei allem, was ihr passiert. Faith dagegen mochte ich sehr, weil sie einfach ein nicht so glatter Charakter, sondern vielschichtiger war.
Insgesamt hat mich Inkbound sehr gut unterhalten. Beim Lesen fand ich es hilfreich, ab und zu auf der Karte von New London nachzuschauen, wo Metty sich gerade befindet. Am Ende des Buches werden ein paar Bedeutungen der Schicksalstattoos aufgeführt, die mir etwas knapp vorkamen. Hier hätte ich mir mehr Symbole gewünscht. Ein Highlight sind aber natürlich die beigelegten Klebe-Tattoos, die gut gelungen sind, sich in der Geschichte wiederfinden lassen und an denen Kids sicher viel Freude haben werden.
Der erste Teil von Inkbound ist in sich abgeschlossen und lässt sich auch gut als Einzelband lesen. Ein paar Kleinigkeiten bleiben am Ende trotzdem offen und machen Lust auf die Fortsetzung. Wer gerne Fantasygeschichten mit Magie und Geheimnissen liest, für den ist Inkbound sicher einen Blick wert.





Maggie Blue - Das Portal zur Düsterwelt
von Anna Goodall
Wieder ein Buch, das mich total überrascht und dessen Cover mich in die Irre geführt hat. Denn dieses Kinderbuch ist keine knuffige Geschichte in einer heimeligen Fantasywelt. Stattdessen bekommt man ernste Themen in einer wirklich düsteren Parallelwelt serviert, gespickt mit echt harten Szenen und temporeichem Nervenkitzel. Ich habe mich sofort in dieses Buch verliebt, aber die Altersangabe ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu genießen.
Denn die kleine Maggie Blue lebt in keinen einfachen Lebensumständen: Ihr Vater hat sich mit einer anderen Frau davon gemacht und ihre Mutter muss Maggie zu ihrer Tante Esme geben, da die Mutter wegen Depressionen in einer Klinik behandelt werden muss. Maggie leidet darunter, dass ihre Mutter sich nicht für sie zu interessieren scheint. In der Schule wird Maggie zudem gemobbt und ihre Hoffnung, sich mit ihrer Mitschülerin Ida anzufreunden, wird enttäuscht.
Doch als Ida plötzlich von der neuen Vertrauenslehrerin Miss Cane entführt und durch ein Portal gezerrt wird, fasst Maggie trotzdem den Entschluss, Ida zu retten. Gemeinsam mit dem sprechenden, einäugigen Kater Hoagy und einem magischen Schutzring folgt Maggie Ida durch das Portal. Sie findet sich in einer finsteren Welt wieder, in der der grausame Herrscher Eldrow das Sagen hat. Ihm werden von seinen Dienern wie Miss Cane regelmäßig Menschen gebracht, die er auf brutale Art einsperrt, um ihnen das Lebensglück abzuzapfen. Von ihnen bleibt nur eine seelenlose Hülle zurück, während der Körper weiter funktioniert. Maggie erkennt die Parallele zur Depression ihrer Mutter und lernt so, sie besser zu verstehen.
Die bedrückende Atmosphäre kommt im Buch sehr gut rüber. Maggie sieht sich immer wieder mit anspruchsvollen Themen wie Einsamkeit, Wertlosigkeit, Wut und Selbstmitleid konfrontiert. Im emotionalen ersten Teil der Geschichte wird die Spannung langsam aufgebaut, während mich im zweiten Teil die rasante Handlung gefesselt hat. Maggie ist eine sympathische, mutige und glaubwürdige Heldin, aber auch die Nebencharaktere sind der Autorin gut gelungen. Es sind faszinierende Figuren mit eigener Vergangenheit und unterschiedlichen Motiven. Kater Hoagy ist z.B. anfangs ein eigensinniger und arroganter Charakter, der sich aber positiv weiterentwickelt, so dass man ihn und seine witzigen Sprüche nicht mehr missen möchte.
Das Abenteuer ist packend und toll geschrieben. Ob die schwierigen Themen, die düstere Atmosphäre und teils verstörenden Szenen etwas für zehnjährige Kinder sind, ist eine Frage, die vermutlich jeder selbst für sich beantworten muss. Für mein Gefühl ist es als Jugendbuch für ältere Kinder ab 13 oder 14 besser geeignet.
Mir als Erwachsene hat der erste Band der Fantasyreihe um Maggie Blue jedenfalls richtig Spaß gemacht und ich freue mich sehr auf weitere Teile.





Courting – Be mine through all time
von Felicia Kingsley
In diesem spannenden Regency Roman reist die junge Rebecca in der Zeit zurück ins Jahr 1816. Dort erlebt sie eine vollkommen andere Welt, in der Männer das Leben von Frauen bestimmen und die Ehre das Wichtigste im Leben ist. Aber sie findet auch die wahre Liebe und überwindet ihre Ängste. Sie erkennt, dass sie Menschen helfen kann und deckt sogar einen Mordfall auf.
Ich muss sagen, dass ich aufgrund des Covers und Klappentextes eine eher seichte Lovestory erwartet hatte, doch das Buch hat mich überrascht. Die Geschichte ist unterhaltsam, berührend und atmosphärisch. Ich konnte mir die Straßen von London im 19. Jahrhundert gut vorstellen und habe mit den Frauen mitgelitten. Schnell bin ich zusammen mit der Protagonistin in die damalige Zeit eingetaucht, war erstaunt, entrüstet, aber auch verzaubert. Besonders die Szenen in der Nervenheilanstalt haben mich bewegt und sind mir im Gedächtnis geblieben.
Ich mochte Rebecca, die zunächst eine eher in sich gekehrte Studentin ist, die erst im Jahr 1816 aufblüht. Hier ist sie eine moderne Frau, die natürlich überall aneckt und sich unverschämt verhält. Sie findet sich im alten London gut zurecht und hat den Vorteil, dass sie aus der Geschichte heraus weiß, was passieren wird. Kein Wunder, dass der Ex-Pirat Reed auf sie aufmerksam wird. Zwischen den beiden entwickelt sich langsam eine schöne Liebesgeschichte, die auch ein wenig Spice enthält. Aber beiden ist klar, dass ihre Liebe wahrscheinlich keine Zukunft hat.
Es passiert einiges, während Rebecca sich in der Vergangenheit aufhält und mir wurde nie langweilig. Ich war gespannt, wie sich Rebecca entscheidet: Ob sie im Jahr 1816 bleibt (mit all den Einschränkungen) oder zurück in die Zukunft geht, um ihr altes Leben weiter zu leben. Aber nicht nur Rebecca, sondern auch die Nebenfiguren wie zum Beispiel ihr Verwandter Archie, machen eine interessante Entwicklung durch. Die Charaktere sind alle sehr gelungen und glaubwürdig, weshalb ich nicht aufhören konnte zu lesen.
Das Ende hat mir schließlich wie die Geschichte insgesamt sehr gut gefallen. Wer eine abwechslungsreiche Regency Romance sucht, die viel mehr als nur den Love Interest zu bieten hat, der ist hier richtig.





Mord im Himmelreich
von Andreas Winkelmann
Auf dem Campingplatz Himmelreich geschieht ein Mord. Schauspieler Kupernikus gerät zunächst ungewollt mitten ins Geschehen, findet dann aber Gefallen an eigenen Ermittlungen. Zusammen mit der Künstlerin Annabelle greift er dem nicht besonders schlauen Kommissar Fass unter die Arme und muss sich zudem noch um die Hündin des Toten kümmern.
Andreas Winkelmann ist mir als Krimiautor bekannt, obwohl ich noch nichts von ihm gelesen habe. Krimis oder Thriller sind eher nicht so mein Fall, aber Cosy Crime mag ich sehr gerne. Auch diese Geschichte mochte ich von Anfang an. Kopernikus ist ein etwas schrulliger, aber sympathischer Charakter. Er ist mehr ein Einzelgänger und wenig bewandert in Frauensachen. Umso herausfordernder (und witziger) ist die Beziehung zu Annabelle, die sich forsch und kontaktfreudig an seine Fersen heftet.
Der Fall ist spannend, hat einige Wendungen und ist nicht vorhersehbar. Ich mag es, wenn man miträtseln kann und das hat der Autor sehr gut bedient. Besonders mochte ich an diesem Roman aber auch den Humor und die Atmosphäre auf dem Campingplatz, die sehr gut rüberkam. Der Schreibstil ist unterhaltsam und man kann das Buch in einem Rutsch durchlesen, ohne dass es langweilig wird.
Mir hat dieser Cosy Crime Roman sehr gefallen. Ich würde mich über einen weiteren Fall von Kupernikus freuen und hoffe, dass der Autor diesem Genre weitere Werke widmet.





Ich fürchte, Ihr habt Drachen
von Peter S. Beagle
Robert ist Drachenjäger und dafür verantwortlich, Gebäude von Drachen zu säubern. Aber eigentlich mag er die kleinen Kreaturen und nimmt gerne mal einen Drachen mit nach Hause. Die Tiere scheinen auf ihn zu hören, und deshalb begleitet er eines Tages einen Prinzen und eine Prinzessin auf ein Abenteuer, um einen richtig großen Drachen zu erlegen. Doch dann läuft alles anders als geplant...
Die Geschichte beginnt flott und witzig, als Robert angeheuert wird, das Schloss von Drachen zu befreien. Ich mochte ihn als verkannten Helden, der nicht einmal seine eigene Begabung wertschätzt. Aber die verwöhnte Prinzessin Cerise stielt allen die Show. Sie ist herrlich unstandesgemäß und sorgt sich lediglich um den richtigen zukünftigen Gatten. Den scheint sie im Prinzen Reginald gefunden zu haben, wäre da nicht das Problem, dass er sich gar nicht für sie, sondern nur für Abenteuer interessiert. Leider gibt er weder einen guten Verlobten noch einen guten Helden ab.
Die drei müssen sich erst den Drachen stellen, um zu erkennen, wer sie sind und was sie wirklich wollen. Die Geschichte ist ein herrliches Märchen, das sich in einem Rutsch durchlesen lässt. Es gibt ruhige Momente, witzige Dialoge und viel Action. Im ersten Teil ist die Geschichte eher heiter, wird aber ab der Mitte zunehmend düsterer und auch blutig. Es ist also kein Kinderbuch, auch wenn man es nach den ersten Seiten meinen könnte. Trotzdem fand ich gerade das Spiel zwischen der Ernsthaftigkeit der Geschichte und den überzeichneten Figuren sehr gelungen. Es gibt viel zwischen den Zeilen zu entdecken.
Lediglich gegen Ende fand ich die Ereignisse etwas zu verworren. Hier wurde sehr viel wichtiger Inhalt auf wenige Seiten gepresst, so dass es recht kompliziert wurde. Das liegt vermutlich daran, dass man die Welt und die Figuren zu diesem Zeitpunkt nur oberflächlich kennengelernt hat. 304 Seiten sind für diese Geschichte einfach zu knapp, da wäre ich gerne auf 200 zusätzlichen Seiten noch mehr in die Welt eingetaucht.
Peter S. Beagle hat aber einmal mehr bewiesen, dass er atmosphärische, märchenhafte Geschichten schreiben kann. Einem Vergleich mit "Das letzte Einhorn" hält es freilich nicht stand, dafür fehlt "Ich fürchte, Ihr habt Drachen" etwas an Tiefe. Aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt und mochte die Ironie und das Augenzwinkern an vielen Stellen sehr. Wer Drachen mag und gerne Märchen liest, kommt hier auf seine Kosten.





Spekulatius, der Weihnachtsdrache. Spekulatius und das Abenteuer im Herbstwald
von Tobias Goldfarb
Für mich war dies das erste Spekulatius-Abenteuer. Ich bin durch "Klippo" auf den Autor aufmerksam geworden. Spekulatius ist für ein jüngeres Publikum gedacht, aber die Abenteuerlust des Autors spürt man auch hier.
Als die Lehrerin mit ihrer Schulklasse im Herbst den Wald besuchen will, wird sie plötzlich von einem Jäger aufgehalten: Ein großer Teil des Waldes gehört jetzt ihm und er wünscht keine Besucher. Sogar einen Zaun lässt er bauen.
Natürlich durchschauen die Kinder seinen Plan: Der Jäger will die Tiere in seinem Teil des Waldes einsperren, um sie dann erlegen zu können. Da kann nur Spekulatius, der Weihnachtsdrache helfen, auch wenn es erst Herbst ist.
Die Geschichte ist unaufgeregt, aber nicht langweilig. Der Weihnachtsdrache ist zuckersüß und hat einen ganz besonderen Dialekt, der einigen Humor mitbringt. Die Hauptfiguren sind sympathisch und ich konnte mitfiebern, ob es gelingt, die Tiere zu retten. Mir gefiel besonders die Auflösung rund um den Freiherrn und das Wildschwein in der Küche. Auch die Herbst-Atmosphäre kommt gut rüber, obwohl ich mir davon noch ein bißchen mehr gewünscht hätte (ich bin aber auch kein Fan von Halloween).
Aber insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt und die Protagonisten ins Herz geschlossen. Das wird sicher nicht meine letzte Spekulatius-Geschichte gewesen sein.





Die Zeitdetektive, 4, Die gefiederte Schlange
von Fabian Lenk
Die Zeitdetektive gibt es schon sehr lange, sowohl als Hörspiel als auch als Buch. Nun scheint der Verlag gewechselt zu haben und die Bücher sind etwas moderner gestaltet. Wobei mir aber die alten Cover besser gefallen haben.
Dieser Fall führt Kim, Julian, Leon und ihre schlaue Katze ins Jahr 906 n. Chr. nach Chichén Itzá, eine Stadt der Maya. Dort lernen sie viel über die Kultur und Errungenschaften des Volkes zur damaligen Zeit. Die Kinder können außerdem bei diesem Fall wieder ihr detektivisches Können unter Beweis stellen.
Gut fand ich, dass die zahlreichen Fremdwörter am Ende des Buches erklärt wurden. Auch die Illustrationen haben mir gut gefallen. Das exotische Setting hat mir ebenfalls Spaß gemacht, allerdings ist das Umfeld nichts für zarte Gemüter. Zum Beispiel geht es in dem stattfindenden Ballspiel recht brutal zur Sache und Themen wie Menschenopfer spielen eine Rolle. Aber so war das damals und deshalb fand ich das authentisch und gut erzählt.
Ganz im Gegensatz zu den Handlungen der Hauptcharaktere. So waren die Kinder einerseits Diener, andererseits durften sie beim Festmahl dabei sein. Das war für mich nicht ganz stimmig. Der Fall hat mir deshalb nicht so gut gefallen wie andere aus der Reihe, da nicht immer alles ganz logisch war.
Trotzdem ist die Geschichte spannend und wird nie langweilig. Man bekommt mit diesem Buch viele Infos über die Zeit der Mayas und eine aufregende Lesezeit.









