Kundenrezensionen von Tara





Träume aus Feuer
von Florian Illies
„Träume aus Feuer: Der Alchemist von der Pfaueninsel“ ist ein faszinierendes Buch über den Glasmacher und Alchemisten Johannes Kunckel des in Berlin lebenden Autors, Journalisten, Kunsthistorikers und Kurators Florian Illies.
Die Handlung beschränkt sich auf einen Ausschnitt des Lebens von Johannes Kunckel. Der Protagonist ist Glasmacher und steht hoch in der Gunst des Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Dieser schenkt ihm aufgrund seiner Begeisterung für die Werke Kunckels die Pfaueninsel, damit er dort in aller Ruhe mit seinen Arbeitern experimentieren kann .
Der Schreibstil von Florian Illies ist ruhig, dicht und intensiv. Er vermittelt die Atmosphäre der Zeit, thematisiert neben der Arbeit des Glasmachers, das Leben der Menschen, politische Intrigen, die hohe Kindersterblichkeit und malt gleichzeitig mit seinen Worten die Landschaft der Pfaueninsel vor den Augen seiner Leser.
Die Handlung baut sich immer weiter auf, bis sie zu einem dramatischen und emotionalen Ende kommt. Im Anschluss gibt es in dem Kapitel „Nachglühen“ nochmals gesammelte Fakten, die einiges aus der Handlung wieder aufgreifen.
Mich hat das Buch gut unterhalten und gleichzeitig hat es mir interessante Einblicke in vergangene Zeiten und die Glasbrennerei vermittelt.
Insgesamt ein kleines, aber feines Buch, das trotz seiner Kürze durch eine faszinierende Thematik und eine hohe Informationsdichte überzeugt.





Party of Liars
von Kelsey Cox
„Party of Liars“ ist ein spannendes Drama der in Hill Country lebenden Autorin Kelsey Cox.
Sophie wird 16 und für sie ist eine glamouröse Party geplant. Ihre Eltern Ethan und Kim leben getrennt, das Fest soll in dem Haus von Ethan und seiner neuen Frau Dani stattfinden. Um das Anwesen gibt es Gerüchte, dort soll es spuken.
In kurzen Kapitel werden die Ereignisse aus den Perspektiven von Dani, Kim, Órlaith - dem irischen Kindermädchen für Charlotte, dem gemeinsamen Baby von Ethan und Dani - und Mikayla, der besten Freundin von Sophie geschildert.
Durch diese Wechsel bekommt man einen guten Einblick in die sehr unterschiedlichen Charaktere und es ist für Abwechslung gesorgt.
Die Spannung baut sich nur langsam auf, da sich die Autorin viel Zeit für die Charaktere, die Atmosphäre und das Setting nimmt.
Die Protagonistinnen könnten kaum unterschiedlicher sein, wirklich sympathisch war mir auf Anhieb keine von ihnen. Jede schien ihre Geheimnisse zu haben, zu manipulieren und etwas zu verbergen.
Das Setting, dieses opulente Anwesen fand ich sehr gut gewählt und dargestellt. Wohnen möchte ich dort nicht, auf mich wirkte es kalt und unheimlich.
Obwohl bereits durch die ersten Seiten klar ist wie die Party endet, ist das Buch spannend zu lesen. Ich habe gerätselt wer zu Tode gekommen ist und wie es dazu kommen konnte.
Die Auflösung hat mich überrascht, war aber stimmig und passend.
Für mich war das Buch kein Thriller im klassischen Sinne, sondern viel mehr ein Familiendrama mit hoher Spannung, in dem sich menschliche Abgründe auftun, die bei mir für Entsetzen gesorgt haben
Wer atmosphärische Schauplätze mag, Wert auf gut ausgearbeitete Charaktere legt und auch mit unzuverlässigen Perspektiven klar kommt, den dürfte dieses spannende Familiendrama fesseln. Wer Action sucht, könnte enttäuscht werden.
Es ist ein Buch voller Abgründe und Lügen, das zeigt, dass Glasfassaden Licht hereinlassen, aber die Dunkelheit im Inneren bleibt.





Der Fjord
von Sarah Goodwin
„Der Fjord“ ist bereits der vierte Thriller der in Hertfordshire lebenden Autorin Sarah Goodwin.
Nach einem Streit hat sich sich Amelias Schwester Rose nicht mehr bei ihr gemeldet. Inzwischen hat Amelia ihre Schwester seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Sie ist davon überzeugt, dass ihr etwas passiert sein muss. In Rose Wohnung findet sie eine Einladung zu einer der Sommerpartys der Familie Fowley. Diese Partys sind legendär und nur ausgewählte Gäste und die Familie dürfen daran teilnehmen. Amelia krempelt ihr Leben komplett um und setzt alles daran, um als Freundin des Cousins des Gastgebers dorthin zu gelangen.
Die Atmosphäre ist von Beginn an angespannt. Amelia gelangt durch ihren Freund Ford auf die Party. Ihr einziges Ziel ist es herauszufinden, was mit Rose passiert ist. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Party sind enorm groß und sie muss aufpassen, dass sie nicht auffliegt.
Der Schreibstil von Sarah Goodwin ist leicht und flüssig zu lesen. Sie versteht es die Atmosphäre am Fjord, den weißen Strand, die Partystimmung, den Luxus und die unbedarfte Stimmung der reichen Gesellschaft einzufangen und gleichzeitig eine unterschwellige Bedrohung aufzubauen.
Was geht dort vor sich?
Die Handlung wird aus Amelias Perspektive berichtet, so dass ihre Gedanken und Gefühle sehr nachvollziehbar wurden. Mit ihr hat die Autorin eine geniale Protagonistin geschaffen, mutig und sehr fokussiert.
Die übrigen Charaktere blieben für mich lange Zeit sehr rätselhaft und ich konnte sie nur schwer einordnen.
Für mich waren die Ereignisse absolut nicht vorhersehbar. Ich wurde immer wieder überrascht und es gab Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Das Tempo ist durchgehend hoch und im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse dermaßen, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Ich habe bisher alle Thriller der Autorin gelesen und habe den Eindruck, dass sie mit jedem besser wird. Entsprechend gespannt bin ich auf den nächsten.





Die Ärztin - Gefährlicher Besuch
von Meike Dannenberg
„Die Ärztin – Gefährlicher Besuch“ ist nach „Die Ärztin - Gefährliche Nachtschicht“ der zweite Fall mit der Protagonistin Dr. Eva Mares der Journalistin und Autorin Meike Dannenberg.
Die Bücher lassen sich ohne Verständnisprobleme unabhängig voneinander lesen. Es ist jedoch von Vorteil mit dem ersten Band zu beginnen, da die Entwicklung der Charaktere durchaus interessant ist und diese schon einiges erlebt haben, was sie prägt.
Mitten in der Nacht wird die Gynäkologin Dr. Eva Mares von der Klingel aus dem Schlaf gerissen. Vor der Tür steht ein ihr unbekannter Mann mit seiner schwangeren Tochter Nina und bittet um Hilfe. Eva kann zunächst Entwarnung geben, möchte aber, dass Nina am nächsten Tag in die Klinik kommt. Dort erscheint sie nicht und zudem findet Eva auf dem Spiegel ihres Gästebads einen Hilferuf.
Gleichzeitig sucht die Polizei in Bremen nach einer verschwundenen Frau, die von ihrem Mann misshandelt wurde.
Durch kurze Kapitel und stetig wechselnde Perspektiven zwischen Eva, den Ermittlerinnen Frauke und Mina und „Sie“ baut die Autorin von Beginn an enorme Spannung auf. Diese unterschiedlichen Sichtweisen sind abwechslungsreich und geben einen guten Blick auf die Ereignisse.
Eva ist eine kompetente Ärztin und eine sympathische Protagonistin, die das Herz am rechten Fleck hat, aber auch durch persönliche Probleme der Vergangenheit belastet ist. Das hält sie allerdings nicht davon ab, sich über das gewöhnliche Maß hinaus für andere einzusetzen. Ich fand es schön, dass sie hier neben ihrer Rolle als Ärztin auch als Mensch und Mutter dargestellt wird, deren Familienleben mit in die Handlung einfließt.
Meike Dannenberg hat in ihrem Thriller eine Vielzahl von aktuellen, wichtigen und erschütternden Themen mit eingebunden. Es geht um häusliche, physische und psychische Gewalt, Abhängigkeit, Angst, traumatische Erlebnisse und deren Folgen. Mich hat sie damit emotional angesprochen. Ich war entsetzt und erschüttert, habe gerätselt und gehofft.
Toll fand ich auch die Beschreibungen von Bremen. Dabei entstandenen Bilder vor meinen Augen, die ein angenehmer Kontrast und richtig wohltuend zu den übrigen Ereignissen sind.
Mit ihrem Nachwort rundet die Autorin ihren Thriller gelungen ab.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich hoffe, dass es weitere Fälle mit der Gynäkologin Dr. Eva Mares geben wird.





Doppelspiel
von Arne Dahl; Jonas Moström
„Doppelspiel“ ist der erste Band einer Trilogie der beiden schwedischen Autoren Arne Dahl und Jonas Moström.
Nach einem fesselnden und rasanten Einstieg, der überraschend endet, lernen wir Tom Borg kennen. Er ist Krimiautor und eine Schreibblockade hindert ihn daran an seine bisherigen Erfolge anzuknüpfen. Auf der Suche nach Inspiration lernt er die rothaarige Literaturstudentin Nicole kennen, die kurz darauf bei einem gemeinsamen Besuch in einem zwielichtigen Club erschossen wird. Vor seinem Verschwinden drückt der Täter Tom die Waffe in die Hand. Vollkommen panisch, da nun seine Fingerabdrücke an der Waffe sind, flieht Tom.
Die Handlung beginnt rasant und es bleibt kaum Zeit zum Luft holen. Während Tom versucht einen neuen Kriminalfall zu schreiben, steckt er inzwischen selbst mitten in einem Krimi und es gibt Überschneidungen mit seinem neuen Buch. Realität und Fiktion beginnen immer mehr zu verschwimmen.
Die Ereignisse überschlagen sich und ich kam mir zeitweise vor wie in einem Actionfilm. Dadurch war ich zunächst total gefesselt. Nicht nur die Polizei ist hinter Tom her, auch andere unbekannte Mächte spielen hier eine undurchsichtige Rolle.
Da es sich um den ersten Band einer Trilogie handelt, war es nicht überraschend, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet. Dennoch war ich darüber enttäuscht., da ich einige Erklärungen für die Ereignisse als ein wenig konstruiert empfunden habe.
Insgesamt ist es ein spannender, aber auch brutaler Krimi mit einigen Schwachstellen, der mich beim Lesen gefesselt, aber mit seinem Ende enttäuscht hat.





Der Schrein der Könige
von Sabine Weiß
„Der Schrein der Könige“ ist ein unterhaltsamer, historischer Roman der Autorin Sabine Weiß.
Die Handlung beginnt im 12. Jahrhundert in Verdun. Im Mittelpunkt stehen der Goldschmied Nicolaus von Verdun und seine Familie. Nach tragischen familiären Verlusten hört Nicolaus durch seinen Bruder Charles davon, dass in Köln ein Goldschmied zur Fertigung des Dreikönigenschreins gesucht wird. Er macht sich mit seinen drei Kindern, Louis, Anna und Bastien auf den Weg. Der Start in Köln gestaltet sich alles andere als leicht, da die Kölner Goldschmiede den Auftrag nicht an einen Fremden verlieren möchten.
Wie auch schon in den vorherigen Romanen der Autorin bin ich direkt in die Vergangenheit eingetaucht. Sie versteht es, die Atmosphäre vergangener Zeiten lebendig werden zu lassen. Dabei habe ich eine Menge über die Lebensumstände der Bevölkerung und auch über die mittelalterliche Goldschmiedekunst erfahren.
Die Charaktere werden lebendig, facettenreich und authentisch dargestellt. Nicolaus war mir durchgehend sehr sympathisch. Sein Bruder Charles hat so gar nichts mit ihm gemeinsam, ist verschlagen und hat leider auch einen entsprechend schlechten Einfluss auf Louis.
Während in den vorherigen Romanen der Autorin die historischen Hintergründe im Vordergrund standen, sind es dieses mal Nicolaus, seine Familie und der Schrein. Das macht das Buch nicht weniger lesenswert, da es ausgesprochen unterhaltsam ist, sollte man aber wissen, damit man nicht enttäuscht wird, wenn man etwas Anderes erwartet.
Die Fakten um den Schrein sind wie gewohnt gut recherchiert und man merkt, dass die Autorin Geschichte studiert hat.
Zu Beginn des Buches gibt es ein Personenverzeichnis, in dem die historischen Persönlichkeiten kenntlich gemacht sind. Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, der einzelne historische Ausdrücke erklärt, die nochmals für ein tieferes Eintauchen in das damalige Zeitgeschehen sorgen.
Mit ihrem Nachwort hat Sabine Weiß den Schrein dann nochmals in den Mittelpunkt gestellt und ihr Werk perfekt abgerundet.
Es ist eine gelungene Mischung aus Fiktion und Fakten, die insgesamt ein großartiges Leseerlebnis bietet.





Hazel sagt Nein
von Jessica Berger Gross
„Hazel sagt Nein!“ ist das Debüt der in Maine lebenden Autorin Jessica Berger Gross.
Die achtzehnjährige Hazel ist mit ihrer Familie aus Brooklyn in die Kleinstadt Maine gezogen, da ihr Vater Gus dort eine bessere Anstellung bekommen hat. Für Hazel beginnt dort das letzte Schuljahr bevor sie an eine Hochschule wechseln wird. Der erste Schultag wird für sie zu einem Alptraum. Der Schuldirektor ruft sie zu sich und verkündet ihr, dass er sich jedes Jahr eine Schülerin aussucht, mit der er Sex haben wird und in diesem Jahr Hazel gewählt hat. Ohne lange nachzudenken sagt Hazel “Nein“ und setzt damit eine Ereigniskette in Gang, die keiner voraussehen konnte.
Zunächst werden die Familienmitglieder der Familie Blum eingeführt. Neben Hazel und ihrem Vater gibt es noch ihre Mutter Claire und ihren elfjährigen Bruder Wolf. Wolf hat ADHS und ist hochsensibel, so dass er manchmal ein wenig anstrengend dargestellt wird, hat aber das Herz am rechten Fleck und hat sich damit im Verlauf der Handlung zu meinem Lieblingscharakter entwickelt.
Der Schreibstil von Jessica Berger Gross liest sich klar und flüssig. Trotz der vielen schwierigen Themen, die sie in ihrem Roman mit eingebracht hat, ist er humorvoll und angenehm leicht.
Insgesamt fand ich es sehr gut dargestellt, wie ein kurzer Moment das Leben von ganz vielen Menschen verändert. Zunächst das von Hazel, Gus, Claire und Wolf, dann das von der Familie des Schulleiters. Zwischenzeitlich haben sich die Ereignisse regelrecht überschlagen und es gab zahlreiche Wendungen, die ich so nicht vorhersehen konnte.
Thematisch hat die Autorin hier viel eingebracht, so dass am Ende leider nicht alle Themen ausgearbeitet wurden, sondern einiges im Sande verlaufen ist.
Abgesehen davon fand ich dieses Buch einfach großartig, da ich Hazel und ihren kleinen Bruder toll gezeichnet fand und die Grundbotschaft, „nein“ zu sagen, wenn es sich nicht gut anfühlt, gelungen transportiert wurde.
Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen, es ist gesellschaftskritisch und regt zum Nachdenken an.





Wolfskälte
von Laura McCluskey
„Wolfskälte“ ist das Debüt der in Melbourne lebenden Autorin Laura McCluskey.
Die Handlung ist auf Eilean Eadar angesiedelt, einer kleinen schottischen Insel, auf der gerade einmal 206 Einwohner leben. Nachdem der achtzehnjährige Alan Ferguson dort ums Leben kommt und unklar ist, ob es sich um einen Mord oder einen Selbstmord handelt, werden die beiden schottischen Polizisten Georgina - genannt George - und Richie dorthin geschickt, um den Fall zu klären.
Bereits auf den ersten Seiten wird die Atmosphäre der Umgebung so eindrucksvoll geschildert, dass ich direkt Gänsehaut bekam. Es sind aber nicht nur die äußeren Gegebenheiten, die ein unwohliges Gefühl hervorrufen, auch die Inselbewohner verhalten sich ausgesprochen merkwürdig. Die meisten sind abweisend und wortkarg. Sie scheinen den beiden Ermittlern eine regelrecht feindselige Einstellung entgegenzubringen.
Die einzelnen Charaktere werden detailliert dargestellt. Direkt zu Beginn lernen George und Richie die Postmeistern Kathy kennen, die ihnen die alten Logbücher der Leuchtturmwärter überreicht, von dessen Sturz Alan sein Leben verloren hat. Auch die Leuchtturmwärter hat zu Beginn des Jahrhunderts ein mysteriöses Schicksal ereilt.
Könnte dies im Zusammenhang mit Alans Tod stehen?
Diese und viele weitere Fragen haben sich bei mir während des Lesens aufgetan.
Die Charaktere sind nur schwer zu durchschauen und die beiden Polizisten kommen bei ihren Ermittlungen nur schwer voran. Dazu kommt, dass auch George eine Vergangenheit mit sich bringt, die ihr das Leben nicht erleichtert. Sie und ihr älterer Partner Richie sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die sich gut ergänzen und mir sympathisch waren.
Es dauert eine ganze Weile bis Spannung aufkommt. Das Buch lebt viel mehr von seiner düsteren und beklemmenden Atmosphäre sowie seinen interessanten und undurchsichtigen Charakteren. Dennoch war ich sehr gefesselt und wollte unbedingt erfahren, was sich in diesem kleinen Dorf ereignet hat und warum die Bewohner so abweisend sind.
Das Ende war für mich überraschend aber rund und stimmig. Mir hat die mysteriöse Stimmung ausgesprochen gut gefallen und der Roman war einfach einmal anders als andere Krimis. Von daher bin ich jetzt schon sehr gespannt, was wir als nächstes von Laura McCluskey zu lesen bekommen.





Der Duft. Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle
von Paul Richardot
„Der Duft. Er führt dich ins Paradies. Oder in die Hölle“ ist das Debüt des französischen Autors Paul Richardot.
Die Firma Fragrancia ist von Geheimnissen umgeben. Dort werden Düfte auf eine bisher einzigartige Weise genutzt. Durch VMS - der volatilen memoriellen Substanz - können Kunden der Firma eine Duftreise in ihre Vergangenheit machen. Diese kann aber auch genutzt werden, um Verbrechen aufzuklären. Das alles unterliegt aber strengster Geheimhaltung und es darf nichts nach außen dringen. Der 24-jährige, äußerst begabte Aromaspezialist Hélias bekommt durch seinen Ausbilder - den Olfakteur Alain - die Möglichkeit in der Zentrale eine Ausbildung zu machen.
Ursprünglich hatte ich einen Thriller erwartet, da das Buch als Thriller-Debüt des Autors beworben wird. Wer hier nervenzerreißende Spannung erwartet, wird enttäuscht werden.
Zunächst nimmt sich Paul Richardot viel Zeit seine Charaktere einzuführen.
Hélias ist ein zurückhaltender junger Mann, der die Gabe hat Düfte zu erkennen und zu erstellen und davon träumt ein Olfaktor zu werden. Als sich ihm diese Möglichkeit in der Zentrale von Fragrancia zeigt er vollen Einsatz.
Um das eigentliche Kerngeschäft der Firma bleibt es durchgehend geheimnisvoll. Genauso erging es mir mit einigen Charakteren.
Sehr detailliert werden die Düfte und Aromen geschildert, so dass ich das Gefühl hatte die Gerüche beim Lesen wahrnehmen zu können. Da hat man wirklich gemerkt, dass der Autor vom Fach ist.
Spannung kam eigentlich erst in der zweiten Hälfte auf, wobei ich die Handlung zuvor auch durchaus interessant fand, nur war es eben kein Thriller. Auch der eingewobene Kriminalfall ging zu Beginn durch die vielen Details ein wenig unter.
Mich hat das Buch gut unterhalten und die Welt der Düfte hat mich fasziniert. Ich habe gespannt die Entwicklung von Hélias und die Geheimnisse um Fragrancia verfolgt. Das Ende ist stimmig, aber es bleiben auch Fragen offen, die durchaus in einer Fortsetzung - die ich gerne lesen würde - geklärt werden könnten.





The Final Wife
von Jenny Blackhurst
„The Final Wife“ ist ein spannender Thriller der in England lebenden Autorin Jenny Blackhurst.
Detective Rebecca Dance wird wegen einer häuslichen Messerstecherei mitten in der Nacht von ihrem Kollegen angerufen. Am Tatort - einem luxuriösen Cottage in den Cotswolds - findet sie den erstochenen Schönheitschirurgen Luke Whitney und neben ihm blutüberströmt seine Frau Anna, die die Tat direkt gesteht. Nachdem Rebecca feststellt, dass Anna keine Einzelheiten zur Tat weiß, kommen ihr Zweifel an deren Schuld. Zudem stellt sich heraus, dass Luke ein Lügner und Betrüger war, der die Menschen nach belieben manipuliert.
Der Schreibstil von Jenny Blackhurst lässt sich wie gewohnt leicht und flüssig lesen. Die Spannung baut sich schnell auf, da Rebeccas Zweifel an Annas Unschuld schlüssig klingen.
Die Handlung wird größtenteils im Wechsel aus der Ich-Perspektive von Anna, Rebecca und Rose – Lukes Exfrau – erzählt. Durch die Perspektivwechsel bekommt man ein umfassendes Bild von den Charakteren, Einblicke in ihr Innerstes, ihre Gefühle, Gedanken und den Ereignissen in ihrer Vergangenheit.
Rebeccas Herangehensweise gefiel mir, da sie nichts einfach hinnimmt. Sie stellt auch das Offensichtliche erst einmal in Frage, ist sehr selbstbewusst und bietet damit einen gelungenen Kontrast zu den beiden anderen Protagonistinnen. Dies wird vor allem durch viele Details aus ihrem Privatleben deutlich, die ich allerdings nicht zwingend gebraucht hätte.
"Und wie man weiß, gibt es immer drei Seiten. Seine, meine und die Wahrheit".
Dieser Satz von Anna ist so treffend für die gesamte Story. Ich habe durchgehend herumgerätselt was hier wahr sein könnte. Auch wenn ich letztendlich nicht alles schlüssig fand, hat mich das Buch durch die Perspektivwechsel gefesselt und mit seinen überraschenden Wendungen ausgesprochen gut unterhalten.









