Kundenrezensionen von Island





Strandopfer Die Grenzfall Ostsee-Reihe
von Frank Goldammer
Wie das Cover bereits vermuten lässt, ist der Schauplatz des Krimis die (polnische) Ostseeküste. Die deutsche Ermittlerin Lena Schulte, die in Berlin lebt, aber ursprünglich in Mecklenburg-Vorpommern nahe der Ostsee aufgewachsen ist, wird zu einem Fall auf der polnischen Seite von Usedom hinzugezogen, weil ein deutscher Urlauber tot am Strand aufgefunden wurde. Kurz nach Lenas Ankunft in Polen stellt sich zudem heraus, dass ein zehnjähriges Mädchen aus dem Umfeld des Toten vermisst wird. Sie versucht gemeinsam mit dem polnischen Kommissar Adam Krawczyk das Kind zu finden und mehr über die Todesumstände des Mannes herauszufinden. Bald kommt es aber zu einem weiteren Todesfall unter den Urlaubern, die gemeinsam mit dem Toten in einer Villa wohnten. Und die Zusammenarbeit zwischen Lena und Adam gestaltet sich als nicht besonders einfach, da insbesondere bei Lena immer wieder Vorurteile gegenüber Polen aufkommen und auch kulturelle Unterschiede zwischen der Polizeiarbeit in Deutschland und in Polen vorhanden sind, insbesondere, was Hierarchien angeht.
Ich empfand es als sehr interessant, mehr über die verschiedenen Herangehensweisen der Polizei auf beiden Seiten der Grenze zu erfahren und auch die beiden Ermittelnden sind spannende Charaktere mit Ecken und Kanten und einer nicht einfachen Vorgeschichte. Die Atmosphäre in den polnischen Badeorten wird sehr realistisch eingefangen und der Schreibstil war anschaulich und gut nachvollziehbar. Überraschende Wendungen sorgten dafür, dass man lange nicht wusste, was nun wirklich hinter allem steckt.
Ich habe das Hörbuch zum Fall angehört und empfand den Sprecher als passend gewählt. Seine Stimme passte zur Atmosphäre und man konnte ihm gut folgen.





Brombeerblaue Tage
von Simone Veenstra
Bei diesem Roman hat mich die Covergestaltung mit den Brombeeren direkt angesprochen. Auch der Schauplatz, Rügen, gefällt mir, da ich selbst schon mehrmals dort war.
Die Landschaftsarchitektin Elisa kommt eher unfreiwillig auf die Ostseeinsel, weil ihr Vater, zu dem sie eigentlich keinen Kontakt mehr hatte, ins Krankenhaus muss und sie sich um seinen Hund kümmern soll. Das alte Gutshaus, das ihr Vater dort erworben hat, ist jedoch eine ziemliche Ruine ohne fließendes Wasser und W-LAN und auch der Garten zugewuchert. Die Nachbarn erscheinen zunächst abweisend. Zudem steht Elisa beruflich sehr unter Druck, was ein neues Projekt angeht und die Erkrankung ihres Vaters entpuppt sich als schlimmer als sie erwartet hat, sodass sie länger auf Rügen bleiben muss.
Mir hat der Roman gut gefallen. Elisa als Hauptperson war mir sympathisch, wie sie sich trotz allem um ihren Vater kümmert. Auch die Details zu den Pflanzen fand ich sehr interessant. Der Schreibstil der Autorin ließ sich gut und flüssig lesen, zudem wurde alles sehr anschaulich.





Hope Joanna,2 Audio-CD, 2 MP3
von Horst Evers
Das Cover dieses Krimis von Horst Evers fällt auf jeden Fall auf. Genau wie der Songtitel des Eddy-Grant-Songs, nach dem die Protagonistin benannt ist, wirkt es sehr retro, der Berlin-Bezug ist aber ebenfalls eindeutig erkennbar.
Hope Joanna Marlow ist eigentlich hauptsächlich deshalb Polizistin geworden, um als Taekwondo-Kämpferin die Chance auf eine Olympia-Teilnahme zu haben. Nun nutzt sie ihre Kampfkünste aber nur noch manchmal im Polizeidienst und nachdem sie dabei gefilmt wurde, erlangte sie unfreiwillig eine gewisse Berühmtheit auf Social Media und in ihrer Heimatstadt Berlin. Doch eigentlich muss sie sich mit einer Mordserie befassen, bei der auch rechte Verschwörungstheorien eine Rolle spielen und abergläubische Fußballer.
Mit hat gut gefallen, dass der Krimi in Berlin spielt und eine ordentliche Dosis Lokalkolorit vorhanden ist. Auch die aktuellen Bezüge mit dem Rechtsruck in der Gesellschaft und dem Abdriften einzelner Personen in Verschwörungsideologien fand ich interessant. Die Protagonistin war mir ebenfalls sehr sympathisch. Manches war für meinen Geschmack dann aber doch einen Tick zu viel und mir wären etwas weniger Skurrilität und etwas mehr Realität lieber gewesen. Auch mit dem Autor als Sprecher war ich nicht zu einhundert Prozent glücklich. Er kann gut sprechen und man kann ihm angenehm folgen, manchmal wäre mir aber auch diesbezüglich etwas weniger lieber gewesen, weil mir teilweise zu wenig Leerstellen blieben, um mir den Witz selbst erschließen zu dürfen, sondern man regelrecht mit der Nase darauf gestoßen wurde. Aber, da sind die Geschmäcker sicher verschieden und Horst Evers hat nicht umsonst so viele Fans.





Home Before Dark
von Eva Björg Ægisdóttir
Dass dieser Thriller auf Island spielt, hat direkt mein Interesse geweckt, zumal ich schon einige Krimis der Autorin gelesen habe. Die Covergestaltung stellt jedoch leider keinen Bezug zu Island her, was ich persönlich etwas schade finde, da meine Aufmerksamkeit für das Buch so noch schneller geweckt worden wäre. Zu einem Thriller mit diesem Titel passt das Titelbild aber schon.
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen, Ende der 60er und Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Im November 1967 verschwindet Stina, die ältere Schwester von Marsibil auf dem Heimweg von einer Freundin und gilt seitdem als verschollen. Zehn Jahre später beginnt Marsibil erneut nachzuforschen, was damals passiert sein könnte und hält sich dazu in ihrem ländlichen Heimatort auf, obwohl sie mittlerweile in Reykjavik lebt. Am Abend des Verschwindens ihrer Schwester wollte Marsibil sich eigentlich zum ersten Mal mit ihrem Brieffreund treffen, daher hat sie Angst, dieser Unbekannte könnte in die Sache verwickelt sein und sie somit mitschuldig am Tod ihrer Schwester. Nun, zehn Jahre später, erhält sie obendrauf plötzlich wieder einen Brief von ihm.
Ich fand den Thriller sehr spannend, es gab bis zum Schluss überraschende Wendungen, sodass lange nicht vorhersehbar war, was damals mit Marsibils Schwester passiert ist. Manche Punkte gegen Ende erschienen mir aber dann doch etwas zu realitätsfern, ich weiß nicht, ob das wirklich so möglich gewesen wäre. Es gibt recht viele verschiedene Charaktere, sodass manche nur Randfiguren und etwas blass bleiben. Etwas tiefer wäre ich auch gerne in die Nebenhandlung mit den Frauen, die zur Zeit des Nationalsozialismus etwas mit Deutschen angefangen haben, eingestiegen. Das fand ich sehr spannend, wurde aber eher nur angerissen.
Der Schreibstil war anschaulich und gut nachvollziehbar und auch der Sprecherin des Hörbuchs konnte man gewohnt gut folgen.





Pause
von Lena Kupke
Bei diesem Roman sticht das Cover durch seine auffällige Farbgestaltung mit dem Orange direkt ins Auge. Die abgebildete Frau im Pyjama passt zum Titel des Buches.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Hanna, die nach einer Panikattacke im Krankenhaus landet, von wo niemand aus ihrem Umfeld sie gerade abholen kann oder will, obwohl sie wegen der verabreichten Medikamente nicht alleine sein soll. Schließlich wendet sie sich an ihre Eltern und landet so in ihrem ehemaligen Lüneburger Kinderzimmer anstatt bei ihrem Freund in Berlin. Ihrer Mutter scheint das auch nicht so ganz recht zu sein, da es ihren geordneten Alltag durcheinanderbringt, ihr Vater freut sich schon irgendwie und Hannas erwachsene Schwester ist gewohnt distanziert. Dann zieht sich Hannas Aufenthalt in ihrem Elterhaus unfreiwillig immer weiter in die Länge.
Mich hat der Roman überzeugt, so einiges kommt mir von meinen Eltern bekannt vor und regte mich trotz des ernsten Hintergrundes auch mal zum Schmunzeln an. In Hanna als Protagonistin konnte ich mich sehr gut hineinversetzen. Der Schreibstil der Autorin ist gut nachvollziehbar und auch anschaulich. Ich habe das, von der Autorin selbst eingesprochene, Hörbuch gehört und fand das passend und man konnte ihrer Stimme auch angenehm zuhören.





Yesteryear
von Caro Claire Burke
Bei diesem Roman hat mich der Titel mit der treffenden Wortneunschöpfung "Yesteryear" direkt neugierig werden lassen und auch die Covergestaltung mit dem halbtransparenten Schutzumschlag und den vermeintlich nicht zusammenpassenden Gegensätzen finde ich sehr gelungen. Auch die Tradwife-Thematik hat mich sehr gereizt, da ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, so zu leben, zugleich aber viel zu viele Frauen diesen Weg propagieren, insbesondere in den USA.
So auch Protagonistin Natalie Heller Mills, sie hat bereits fünf Kinder, ist schwanger mit dem sechsten und lebt mit ihrem Mann auf einer Farm wie aus dem Bilderbuch. Von dort präsentiert sie sich ihren vielen Followern als die perfekte Ehefrau und Mutter von süßen und wohlerzogenen Kindern, die ihr eigenes Brot backt und obendrauf immer adrett aussieht. Doch hinter den Kulissen nehmen ihr Nannys, Farmarbeiter und sogar eine Produzentin alle Arbeit ab. Doch dann wird sie plötzlich in das einfache und aufopferungsvolle Leben katapultiert, das sie vorgibt zu führen.
Ich fand den Roman sehr interessant, er ermöglicht tiefe Einblicke in das Tradwife-Leben und durch die Rückblicke auch in die Entwicklung von Natalie. Die Autorin entlarvt, wie wenig hinter der Fassade steckt, die die Follower präsentiert bekommen. Sie schreibt sehr anschaulich und gut nachvollziehbar und so ist die Geschichte sehr fesselnd, zumal lange nicht klar ist, was nun genau passiert ist.
Bei diesem Roman hat mich der Titel mit der treffenden Wortneunschöpfung "Yesteryear" direkt neugierig werden lassen und auch die Covergestaltung mit dem halbtransparenten Schutzumschlag und den vermeintlich nicht zusammenpassenden Gegensätzen finde ich sehr gelungen. Auch die Tradwife-Thematik hat mich sehr gereizt, da ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, so zu leben, zugleich aber viel zu viele Frauen diesen Weg propagieren, insbesondere in den USA.
So auch Protagonistin Natalie Heller Mills, sie hat bereits fünf Kinder, ist schwanger mit dem sechsten und lebt mit ihrem Mann auf einer Farm wie aus dem Bilderbuch. Von dort präsentiert sie sich ihren vielen Followern als die perfekte Ehefrau und Mutter von süßen und wohlerzogenen Kindern, die ihr eigenes Brot backt und obendrauf immer adrett aussieht. Doch hinter den Kulissen nehmen ihr Nannys, Farmarbeiter und sogar eine Produzentin alle Arbeit ab. Doch dann wird sie plötzlich in das einfache und aufopferungsvolle Leben katapultiert, das sie vorgibt zu führen.
Ich fand den Roman sehr interessant, er ermöglicht tiefe Einblicke in das Tradwife-Leben und durch die Rückblicke auch in die Entwicklung von Natalie. Die Autorin entlarvt, wie wenig hinter der Fassade steckt, die die Follower präsentiert bekommen. Sie schreibt sehr anschaulich und gut nachvollziehbar und so ist die Geschichte sehr fesselnd, zumal lange nicht klar ist, was nun genau passiert ist.





Mirabellentage
von Martina Bogdahn
Nachdem mir bereits der erste Roman von Martina Bogdahn sehr gut gefallen hat, war ich natürlich auch auf ihr zweites Buch neugierig. Dessen Cover ist passend zum Titel gestaltet und wirkt sommerlich.
Der Schauplatz des Romans ist wieder die mittelfränkische Heimat der Autorin, nahe des Fränkischen Seenlandes. Protagonistin Anna war lange Zeit die Haushälterin des frisch verstorbenen katholischen Pfarrers Josef. Sie selbst ist mittlerweile Anfang 50 und hat es verpasst, eine Familie zu gründen. Aber, direkt nach dem Tod des bisherigen Priesters kommt schon dessen Nachfolger Fridtjof ins Pfarrhaus, der noch sehr jung ist und obendrauf aus Norddeutschland stammt. Außerdem soll Anna heimlich die Asche von Josef ans Meer bringen und muss deshalb Fahrpraxis in Josefs alten Mercedes bekommen, obwohl sie selbst immer nur mit einem Roller unterwegs war. Dafür aktiviert sie ihren früheren Fahrlehrer Herrn Tanner, einen ewigen Junggesellen.
Martina Bogdahn schreibt sehr feinfühlig und dennoch humorvoll, wenn sie Anna in vielen Erinnerungen schwelgen und alte Anekdoten aus den letzten Jahrzehnten wiedergeben lässt. So manches kommt einem dabei aus eigenen Erlebnissen oder Erzählungen von Verwandten bekannt vor. Anna als Protagonistin ist sympathisch, wie sie sehr pragmatisch an alles herangeht und sich selbst und vor allem auch die Gepflogenheiten der katholischen Kirche nicht so ernst nimmt. Der Schreibstil der Autorin ist dabei gut lesbar und sehr anschaulich. Was die Sprecherin des Hörbuchs angeht, ist diese zur Atmosphäre passend gewählt und man kann ihr gut folgen.





Bachelorette Party
von Camilla Sten
Das Cover dieses schwedischen Thrillers passt dazu, wie man sich einen langen Sommerabend auf einer kleinen Schäreninsel vorstellt, aber, die Idylle trügt.
Mehrere Freundinnen sind in ein noch nicht offiziell eröffnetes luxuriöses Resort auf einer einsamen Schäreninsel gereist, im den Junggesellinnenabschied von einer von ihnen zu feiern. Ihre Smartphones müssen sie zu Beginn abgeben, so wollen es die Regeln dort. Unter den Frauen ist auch die True Crime Podcasterin Tessa, die vermutet, dass die Insel zehn Jahre zuvor Schauplatz eines Cold Cases um vier verschollene Freundinnen war. Als sie erste verdächtige Wahrnehmungen macht, glaubt ihr aber zunächst niemand. Doch dann wird eine der Freundinnen ermordet aufgefunden und alle befinden sich in Gefahr.
Mir hat der Schauplatz der Geschichte sehr gut gefallen, auch wenn es nicht besonders neu ist, dass sich ein Verbrechen auf einer abgeschiedenen Insel abspielt und die Menschen dort erst mal komplett auf sich allein gestellt sind und sich nicht sicher sein können, wem sie überhaupt noch trauen können. Es kommt im Verlauf der Handlung zu einigen Wendungen, sodass es spannend bleibt. Tessa als Protagonistin mochte ich, die weiteren Charaktere blieben mir teilweise etwas fremd, weil es einige gab. Der Schreibstil der Autorin war aber gut verständlich und auch der Sprecherin des Hörbuchs konnte man gut folgen.





People in Love
von Claire Daverley
Die Gestaltung des Covers passt dazu, dass drei Personen im Mittelpunkt dieses Romans, der London zum Schauplatz hat, stehen. Nora ist seit zehn Jahren mit dem Fotografen Robin zusammen, mit dem sie vieles gemeinsam hat, aber wollte eigentlich nie heiraten, da sie in dieser Hinsicht stark von ihrer unkonventionellen Mutter geprägt ist. Aber, als Robin dann einen Ring dabei hat, sagt sie doch ohne groß nachzudenken "Ja!". Doch bei der Verlobungsparty steht dann plötzlich ihr Jugendfreund Bren vor der Tür, der seit einem traumatischen Ereignis vor vielen Jahren um die Welt reist und sich nur sporadisch bei ihr gemeldet hat. Nun bringt sein Auftauchen aber einiges ins Rollen, nicht nur zwischen Nora und Bren, sondern auch zwischen ihnen und ihren Müttern.
Anfangs dachte ich, es würde sich um eine relativ vorhersehbare Liebesgeschichte handeln, in der jemand aus der Vergangenheit plötzlich wieder auftaucht und sich dann herausstellt, dass der Verlobte doch nicht der Richtige ist. Diese Geschichte hatte aber dann doch so einige Wendungen und Überraschungen und mehr an Tiefgang zu bieten, als erwartet. Die drei Hauptpersonen waren mir alle sympathisch und trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere konnte ich mich recht gut in sie und ihr Handeln hineinversetzen. Dazu trugen auch die verschiedenen Erzählperspektiven bei, wobei ich mich an die recht ungewöhnliche in Du-Form erst einmal etwas gewöhnen musste. Am Ende werden die Kapitel teilweise recht kurz, was in diesem von Spannung geprägten Abschnitt für zusätzlichen Spannungsaufbau sorgt. Ich habe den Roman als Hörbuch angehört und war mit der Sprecherin sehr zufrieden. Man konnte ihr angenehm folgen und ihre Stimme passte gut zur Atmosphäre des Romans.





Pina fällt aus
von Vera Zischke
Das Cover dieses Romans zeigt eine Frau, die stark wirkt, aber zugleich auch irgendwie erschöpft. Das trifft auch auf die Protagonistin Pina zu. Sie ist alleinerziehende Mutter des 20-jährigen Leos, der auf dem Papier erwachsen ist, aber wohl nie ein eigenständiges Leben führen können wird. Pina hat deshalb ihr ganzes Leben nach seinen Bedürfnissen ausgerichtet, geht nie mit den Arbeitskolleginnen aus und findet kein Zeitfenster für Arzttermine, wenn es ihr schlecht geht. Lediglich einmal pro Woche passt die über 80-jährige Nachbarin Inge kurz auf Leo auf, damit Pina für Inge und ihren eigenen kleinen Haushalt einkaufen gehen kann. Nach einem dieser Wocheneinkäufe bricht Pina dann zusammen und landet auf der Intensivstation. Ihre Nachbarn, Inge, die sechszehnjährige Tochter des Vermieters Zola und der Eigenbrötler Wojtek müssen sich nun notgedrungen um Leo kümmern, was kein einfaches Unterfangen ist.
Der Autorin ist es in diesem Roman sehr gut gelungen, zu zeigen, wie fordernd Care-Arbeit ist, dass Eltern und vor allem alleinerziehende Mütter von beeinträchtigten Kindern quasi ihr komplettes restliches Leben wenig Zeit haben, auch mal auf sich und ihre Gesundheit zu achten. Wie die Hausgemeinschaft, die eigentlich gar keine Gemeinschaft ist, sich in dieser Notsituation dann doch zusammenrauft, hat mir auch gut gefallen. Natürlich ist das nicht vollkommen realistisch, dass man sie mit dem Jungen vollkommen allein lässt, aber so kann man gut den Wandel miterleben, den Leo bei diesen drei sehr unterschiedlichen Charakteren, die alle auch ihr Päckchen zu tragen haben, bewirkt. Der Schreibstil der Autorin ist sehr anschaulich und angenehm zu lesen. Ich konnte mich gut in die Situation im Haus und die verschiedenen Personen hineinversetzen. Gerne würde ich noch weitere Romane von Vera Zischke lesen.









