Kundenrezensionen von Arambol





Der Prätorianer
von Tobias Bukkehave
„Die Welt von Monstern zu befreien, war so, als würde man versuchen, einen Sandstrand zu fegen.“
In einer kalten Novembernacht wird in Kopenhagen eine tiefgefrorene Leiche gefunden, deren Augen mit antiken Goldmünzen bedeckt sind. Kommissarin Sara Levin und ihr Partner Janus West erkennen schnell, dass es sich um den Auftakt einer ganzen Serie von Ritualmorden handelt. Gemeinsam mit Saras Bruder Adam, einem Profiler, versuchen sie, den offenbar von der römischen Symbolwelt besessenen Täter zu stoppen. Dabei führt eine Spur auch zu Saras Vater und zwingt Sara, sich mit der dunklen Vergangenheit ihrer Familie auseinanderzusetzen.
Der Einstieg in „Der Prätorianer“ ist mir zunächst schwergefallen. Es werden recht viele Personen eingeführt und gleichzeitig verschiedene Handlungsstränge eröffnet, sodass ich erst einmal Zeit gebraucht habe, um mich zurechtzufinden. Gerade in der ersten Hälfte war mir die Geschichte deshalb zu langatmig, da die Handlung nur langsam vorankommt. Das ändert sich ungefähr zur Mitte des Buches: Dann nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und die Spannung steigt spürbar.
Gut gefallen haben mir die Bezüge zur römischen Geschichte und Mythologie. Man spürt, dass Tobias Bukkehave sich intensiv mit den historischen Hintergründen beschäftigt hat, ohne dass diese wie ein Fremdkörper in die Handlung eingebaut wirken.
Die meisten Charaktere konnten mich überzeugen. Sara Levin und Janus West sind ein sympathisches Ermittlerduo, das gut miteinander harmoniert. Auch Saras Bruder Adam ist ein interessanter Charakter. Als Profiler bringt er eine ganz andere Sichtweise in die Ermittlungen ein. Saras persönliche Auseinandersetzung mit ihrer Familie verleiht der Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene. Die Figuren sind sympathisch genug, um mit ihnen mitzufiebern, besitzen aber gleichzeitig ihre Ecken und Kanten.
Bei dem Täter, seinen Motiven und der Auflösung hätte ich mir allerdings mehr Tiefe gewünscht.
Der Schreibstil ist insgesamt angenehm und flüssig zu lesen. Einige Wendungen waren für mich recht vorhersehbar, und durch die vielen Handlungsstränge wurde das Tempo immer wieder ausgebremst. Insgesamt hätte ich mir eine überraschungsreichere Handlung gewünscht. Besonders der Cliffhanger am Ende hat bei mir leider nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
„Der Prätorianer“ bietet einige interessante Ansätze, trotzdem war mir die Handlung stellenweise zu langatmig und zu vorhersehbar. Das Buch bleibt für mich hinter seinen Möglichkeiten zurück. 3,5 Sterne.





Septembermord
von Chris Chibnall
"Alles würde in sich zusammenfallen. Wie konnte sich ein Leben so schnell zerschlagen?"
Im Küstenort Fleetcombe erschüttert der Mord am Wirt des örtlichen Pubs die Dorfgemeinschaft. Detective Nicola Bridge kehrt für die Ermittlungen in ihre alte Heimat zurück und stößt gemeinsam mit ihrem Kollegen Harry Ward auf ein Geflecht aus Geheimnissen und alten Konflikten. Mit jeder neuen Spur wächst die Zahl der Verdächtigen, doch handfeste Beweise sind Mangelware. Um den Täter zu finden, müssen die beiden hinter die Fassade des scheinbar idyllischen Dorflebens blicken.
„Septembermord“ von Chris Chibnall ist ein klassischer britischer Krimi, der von der ersten Seite an eine geheimnisvolle Atmosphäre aufbaut. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt. Immer wieder lenkt der Autor den Verdacht in eine andere Richtung, sodass ich meine eigene Vermutung mehrfach revidieren musste. Die zahlreichen Wendungen wirken dabei nicht konstruiert, sondern fügen sich stimmig in die Handlung ein und sorgen dafür, dass die Auflösung lange unvorhersehbar bleibt.
Auch die Figuren sind überzeugend gezeichnet. Nicola und Harry bilden ein interessantes Ermittlerduo, das sich erst zusammenraufen muss und dabei angenehm menschlich wirkt. Beide bringen ihre eigenen Erfahrungen und Unsicherheiten mit, wodurch die Ermittlungen glaubwürdig und authentisch wirken.
Eine besondere Rolle spielt außerdem das kleine Mädchen Shannon, das sich auf einem Spielplatz versteckt und unbemerkt Dinge beobachtet, die sich später als wichtige Hinweise für die Ermittlungen erweisen.
Der Schreibstil liest sich flüssig und erzeugt die typisch düstere Atmosphäre eines britischen Dorfkrimis. Lediglich das Finale konnte mich nicht vollständig überzeugen. Die Auflösung selbst ist zwar schlüssig, doch die Beweggründe des Täters / der Täterin und die emotionalen Hintergründe hätten für meinen Geschmack etwas ausführlicher beleuchtet werden können.
„Septembermord“ ist ein spannender und atmosphärischer Krimi mit starken Figuren, zahlreichen falschen Fährten und einer interessanten Handlung. Wer klassische britische Dorfkrimis mit glaubwürdigen Charakteren und überraschenden Wendungen mag, wird hier bestens unterhalten.





Juli im Land der Zeitgeister
von Wieland Freund
„Klar, große Angst war großer Mist, aber es schien auch eine kleine Angst zu geben, die einfach dazugehörte, wenn etwas so richtig aufregend war.“
Plötzlich und völlig unvermittelt bleibt die Zeit stehen. Es ist 14:30 Uhr.
Mit „Juli im Land der Zeitgeister“ ist Wieland Freund ein fantasievoller Kinderroman gelungen, der mich mit seiner originellen Welt und den vielen kreativen Ideen rund um das Thema Zeit begeistern konnte. Die Geschichte ist spannend erzählt und entwickelt schnell ein hohes Tempo, sodass man am liebsten sofort das nächste Kapitel lesen möchte, um zu erfahren, wie es weitergeht.
Die beinahe elfjährige Protagonistin Juli ist mutig und sympathisch. Zusammen mit ihren neuen Freunden erlebt sie gefährliche Abenteuer und beweist dabei großen Mut sowie viel Einfallsreichtum. Gemeinsam mit ihren ungewöhnlichen Begleitern wächst sie über sich hinaus. Alle Charaktere sind liebenswert gezeichnet und vermitteln auf eindrucksvolle Weise, wie wichtig Vertrauen, Zusammenhalt und ein aufmerksamer Blick für die kleinen Dinge im Leben sind.
Das wunderschön gestaltete Cover sowie die detailreichen Illustrationen und die übersichtliche Landkarte im vorderen Buchdeckel erleichtern das Eintauchen in die Welt der Zeitgeister. Auch die liebevoll gestalteten Kapitelüberschriften machen immer wieder neugierig auf den nächsten Abschnitt.
Der flüssige Schreibstil und die kurzen Kapitel eignen sich hervorragend zum Vorlesen oder für Kinder, die bereits selbst lesen und zwischendurch gerne kleine Lesepausen einlegen.
Einzig an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Zeit für einzelne Figuren gewünscht – besonders der alte Uhrmacher hätte aus meiner Sicht noch etwas mehr Raum in der Geschichte verdient.
Fazit: „Juli im Land der Zeitgeister“ ist ein abwechslungsreiches und ideenreiches Abenteuer, das mit viel Fantasie, sympathischen Charakteren und einer spannenden Handlung überzeugt. Das Buch eignet sich besonders für Kinder ab etwa neun Jahren, die magische Welten und spannende Abenteuer lieben.
"Hopp, hopp, zack, zack!"





Flip 7
von Wieland Freund
Eher durch Zufall bin ich auf FLIP7 gestoßen. Ein älterer und gleichzeitig ungemein sympathischer Spielehändler aus einem winzigen Spiel- und Bastelgeschäft hat es mir wärmstens empfohlen.
Seine Begeisterung für dieses Spiel hat mich schließlich überzeugt, es zu kaufen. Und was soll ich sagen? Er hatte absolut recht. FLIP7 ist ein äußerst unterhaltsames Kartenspiel, das schnell erklärt ist und sofort für Spannung sorgt.
Die Spielanleitung ist kurz, verständlich und übersichtlich. Die Regeln sind leicht zu erlernen, sodass man unmittelbar losspielen kann. Aufwendige Vorbereitungen gibt es keine – man benötigt lediglich Stift und Papier sowie jemanden, der ein wenig rechnen kann.
FLIP7 funktioniert mit bis zu 18 Spielern; meiner Erfahrung nach sollten es jedoch mindestens vier sein, damit das Spiel sein volles Potenzial entfalten kann. Besonders gelungen ist die Mischung aus Glück, Risiko und der ständigen Frage, ob man weitermacht oder lieber auf Nummer sicher geht.
Die insgesamt 94 Spielkarten sind sowohl optisch als auch haptisch hervorragend gestaltet.
FLIP7 gehört für mich in jeden gut sortierten Spielschrank.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung!





Im Morgengrauen (Art Mayer-Serie 4)
von Marc Raabe
„Er wollte Frieden. Kein Gerumpel, keine Gefühle, keine Schmerzen. Einfach Dunkelheit.“
Der Kreis schließt sich: Wir sind wieder im Kiosk auf dem Minigolfplatz. Dort, wo alles vor so vielen Jahren angefangen hat.
Eines direkt und ganz deutlich vorweg: Bitte unbedingt zuerst die ersten drei Teile – Der Morgen, Die Dämmerung und Die Nacht – lesen! Ohne Vorkenntnisse aus diesen Büchern ist das furiose Finale Im Morgengrauen kaum vollständig zu verstehen.
Art Mayer und Nele Tschaikowski sind zurück: das ungleiche Ermittlerduo, das mich bereits in den vorherigen Fällen vollkommen überzeugen konnte. Erneut fesselt dieser Thriller mit einer enorm dichten und intensiven Atmosphäre sowie mit unvorhersehbaren Wendungen, die einen bis zur letzten Seite in Atem halten.
Im finalen Teil der Reihe untersuchen die beiden BKA-Ermittler das rätselhafte Verschwinden des Kanzlers Henrik Westphal. Gleichzeitig sorgen Videos einer jungen Frau für einen politischen Skandal. Als dann eine Frauenleiche gefunden wird, erkennen die Ermittler eine Verbindung zwischen den Ereignissen. Für Art wird der Fall zusätzlich äußerst persönlich, da ihn eine gemeinsame Vergangenheit mit der Familie des Kanzlers verbindet.
Wahnsinn: Im vierten Teil werden tatsächlich alle offenen Fäden zusammengeführt und sämtliche Fragen geklärt – ein würdiger Abschluss der Reihe.
Von der ersten bis zur letzten Seite hält Marc Raabe den Spannungsbogen auf höchstem Niveau und sorgt mit den ständigen Perspektivwechseln für eine außergewöhnliche Dynamik. Der Schreibstil liest sich flüssig und direkt; gleichzeitig gelingt es Raabe mit kurzen Kapiteln immer wieder, neue Spannung aufzubauen. Der Thriller überzeugt durch sein hohes Tempo und eine lebendige, mitreißende Erzählweise. Dabei erzählt er von Macht, Geheimnissen und gefährlichen Intrigen.
Art und Nele sind zwei sympathisch gezeichnete Figuren, die mir mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen sehr ans Herz gewachsen sind. Als Ermittlerduo wirken sie glaubwürdig, gerade weil beide nicht perfekt sind und auch privat unter enormem Druck stehen. Es fällt leicht, sich mit ihnen zu identifizieren – und leider schwer zu akzeptieren, dass die Reihe mit diesem Band endet.
Im Morgengrauen ist ein echter Pageturner – einmal begonnen, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Wer auf der Suche nach einem hochspannenden und temporeichen Thriller ist, kommt an diesem Buch kaum vorbei.
Absolute Leseempfehlung – und zum vierten und leider letzten Mal vergebe ich die volle Punktzahl: fünf verdiente Sterne für Art und Nele.
„It's been decided how we lose.“





Strandopfer
von Frank Goldammer
"Manchmal ist das Meer nicht das Kälteste."
Die BKA-Ermittlerin Lena Schulte wird an die deutsch-polnische Ostseeküste gerufen, nachdem ein Tourist tot am Strand von Świnoujście aufgefunden wurde. Zunächst deutet alles auf einen tragischen Badeunfall hin, doch ein Bernstein im Mund des Opfers macht den Fall verdächtig. Gleichzeitig verschwindet die zehnjährige Luisa, die mit dem Toten in Verbindung steht. Als dann noch eine weitere Leiche auftaucht, beginnt für Lena und ihren polnischen Kollegen Adam Krawczyk ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Klingt spannend? Ist es aber leider nicht wirklich.
Frank Goldammers „Strandopfer“ startet zunächst mit einer durchaus interessanten Ausgangslage, verliert jedoch schnell an Tempo, weil sich die Ermittlungen über weite Strecken im Kreis drehen und viele Szenen unnötig in die Länge gezogen wirken. Immer wieder werden dieselben Fragen an dieselben Personen gestellt, ohne dass die Geschichte spürbar vorankommt.
Hinzu kommt ein Schreibstil, der auf mich teilweise recht holprig wirkte – manche Formulierungen und eigenwilligen Satzkonstruktionen bremsten meinen Lesefluss immer wieder aus.
Auch mit den Figuren wurde ich nicht warm: Sowohl Lena als auch Adam blieben für mich distanziert und wenig sympathisch, wodurch es schwerfiel, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Lena wirkte auf mich häufig anstrengend und unsympathisch, während Adam permanent bemüht scheint, sich beweisen zu müssen.
Die Auflösung war am Ende zwar noch einigermaßen solide, das Motiv blieb für mich jedoch nur bedingt nachvollziehbar.
Fehlende Spannung, sich im Kreis drehende Ermittlungen, schwache Figuren: Insgesamt hinterlässt der Roman bei mir den Eindruck eines zähen Reihenauftakts, der wenig Lust auf eine Fortsetzung macht.





Nebelbeute
von Benjamin Cors
"Die Unruhe in seinem Kopf war zu groß, seit Tagen schon, und er wusste nicht, warum."
Mila Weiss begibt sich allein in ein abgelegenes Bergdorf, um einen gesuchten Kindesentführer aufzuspüren. Ein inszenierter Mord kurz nach ihrer Ankunft macht deutlich, dass der Täter sie bereits erwartet hat und sie nun gezielt herausfordert. Schließlich verschwindet Mila spurlos und gerät selbst in Gefahr. Die Gruppe 4 unter der Leitung von Jakob Krogh übernimmt die Suche und trifft auf eine von Angst und Schweigen geprägte Dorfgemeinschaft.
Mit "Nebelbeute" setzt Benjamin Cors seine Thriller-Reihe um die Gruppe 4 überzeugend mit dem nun dritten Band fort. Für mich war es ein starkes Wiedersehen mit Mila Weiss und Jakob Krogh – allerdings sollte man unbedingt die vorherigen Bände kennen, um die Hintergründe vollständig zu verstehen.
Die Handlung ist in drei Abschnitte gegliedert, die geschickt zwischen Milas Alleingang, der Suche nach ihr und der finalen Auflösung übergehen.
Besonders hervorzuheben ist das Setting: Das abgeschottete Bergdorf mit seiner misstrauischen Gemeinschaft, dichtem Nebel und winterlicher Kälte erzeugt eine beklemmende, fast greifbare Atmosphäre.
Die Spannung bleibt durchgehend hoch, mit vielen Wendungen und falschen Fährten, die einen immer wieder in die Irre führen – selbst wenn man glaubt, den Täter bereits durchschaut zu haben. Der Schreibstil ist direkt, intensiv und teilweise ziemlich hart, was den Thriller stellenweise auch brutal macht. Gerade die Mischung aus psychologischem Druck, düsterer Stimmung und einem konsequenten Spannungsaufbau hat das Buch für mich zu einem echten Pageturner gemacht. Die Auflösung ist stimmig und überraschend, auch wenn sich gegen Ende leichte Vorahnungen einstellen.
"Nebelbeute" ist ein fesselnder Thriller, der mich mit viel psychologischer Tiefe, komplexen Charakteren und einer spannungsgeladenen Handlung in den Bann gezogen hat. Benjamin Cors ist es erneut gelungen, eine zunehmend düstere Atmosphäre zu erschaffen, in der die Ermittler nicht nur gegen einen skrupellosen Mörder, sondern auch gegen ihre eigenen inneren Dämonen kämpfen.
Insgesamt ein unheimlich packender und dichter Thriller, der sich seine 5 von 5 Sternen redlich verdient.





Darkly
von Marisha Pessl
„Wir können nur das Hier und Jetzt formen, entscheiden, was wir hinterlassen, welche Menschen wir in unsere Herzen schließen.“
In "Darkly" erzählt Marisha Pessl von der siebzehnjährigen Arcadia, die von den mysteriösen Brettspielen der legendären Spieledesignerin Louisiana Veda fasziniert ist. Als sie unerwartet einen begehrten Praktikumsplatz bei der Stiftung der verstorbenen Veda erhält, reist Arcadia gemeinsam mit sechs weiteren Jugendlichen zu deren abgeschottetem Anwesen.
Ein fantastisches Abenteuer beginnt: Während sie versucht herauszufinden, was sich wirklich hinter den Darkly-Spielen verbirgt und warum gerade sie ausgewählt wurde, stößt Arcadia auf dunkle Geheimnisse rund um Vedas Leben und Tod. Misstrauen und Rivalität innerhalb der Gruppe wachsen, und bald wird unklar, ob sie sich noch in einem Spiel oder in echter Gefahr befinden.
„Darkly“ hebt sich schon auf den ersten Blick von vielen anderen Jugendthrillern ab. Das auffällig gestaltete Cover und die zahlreichen grafischen Elemente, Dokumente und Illustrationen im Inneren tragen stark dazu bei, dass sich die Geschichte wie ein interaktives Rätselspiel anfühlt. Die Handlung ist durchgehend recht spannend aufgebaut. Als Leser versucht man ständig, Hinweise zu deuten, Zusammenhänge zu erkennen und den Figuren einen Schritt voraus zu sein. Gerade die vielen Rätsel, Briefe und versteckten Informationen erinnern an ein Escape- oder Exit-Game und machen die Geschichte abwechslungsreich und originell. An einigen Stellen wurde es mir leider auch etwas zu komplex und stellenweise verwirrend – insbesondere dann, wenn die Spielmechanismen oder Hintergründe nicht vollständig erklärt wurden.
Mit der Protagonistin Arcadia konnte ich gut mitfühlen: Sie wirkt neugierig, mutig und zugleich glaubwürdig in ihren Zweifeln. Die Nebenfiguren hingegen bleiben etwas blass und hätten mehr Tiefe vertragen, um die Gruppendynamik noch intensiver wirken zu lassen.
Der Schreibstil von Marisha Pessl erlaubt es, den Thriller flüssig und leicht zu lesen, auch weil die insgesamt 76 Kapitel sehr kurz gehalten sind. Etwa in der Mitte des Buches wirkt die Erzählweise jedoch gelegentlich etwas holprig, was den Lesefluss kurzzeitig bremst.
Die finale Auflösung ist überraschend, wirft noch einmal neue Fragen auf und sorgt dafür, dass man das gesamte Geschehen gedanklich neu einordnet.
Insgesamt war „Darkly“ für mich ein atmosphärisch dichter, ungewöhnlich gestalteter und spannender Roman, der trotz kleiner Schwächen ein sehr intensives und originelles Leseerlebnis bietet.





Salto
von Kurt Prödel
„Wenn man traurig ist, braucht man manchmal jemanden, der einfach nur nickt.“
Der Roman "Salto" von Kurt Prödel (ich schätze, er ist fünfunddreißig) erzählt von Marko Meyer, der nach dem Abitur eigentlich Medizin studieren möchte - dessen gute Noten dafür dann aber überraschend nicht ausreichen. Sein Vater versucht, ihm durch die Finanzierung eines Medizinstudiums in Ungarn eine neue Perspektive zu bieten.
Während viele seiner Mitschüler klare Pläne haben, gerät Marko zunehmend unter Druck, eine Entscheidung für seine Zukunft zu treffen. Auch seine Freundin Claire ist fest entschlossen, die Kleinstadt hinter sich zu lassen. Marko hingegen verliert sich zunehmend zwischen Zukunftsängsten und Alltagsroutine und versucht verzweifelt herauszufinden, wer er eigentlich sein möchte.
Vom Schreibstil her liest sich das Buch angenehm schnell: Die Sprache ist schlicht und nah an den Gedanken der Figuren, fast wie ein innerer Monolog. Stellenweise hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um emotional stärker in die Geschichte eintauchen zu können.
Alle Hauptprotagonisten sind durchweg interessant angelegt. Besonders überzeugt hat mich dabei Markos Vater Frank: Er wirkt einerseits distanziert und oft schwer greifbar, gleichzeitig aber auf eine leise Weise sensibel. Auch Marko selbst und Claire wirken glaubwürdig, sodass man sich gut in ihre Situation hineinversetzen kann.
Im Verlauf der Handlung hat mich die Geschichte dann zunehmend weniger gepackt. Irgendetwas fehlt – und insgesamt bleibt der Roman hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Hinzu kommt die ungeheuer schwere, melancholische, stellenweise fast schon trostlose und deprimierende Grundstimmung. Diese zieht sich durch große Teile des Buches und kann den Leser regelrecht mit nach unten ziehen – zurück bleibt ein Gefühl von Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Das passt zwar zum Thema, wirkt aber ziemlich bedrückend und macht das Buch alles andere als zu einer leichten Lektüre.
Da ist es mir sogar schwergefallen, wirklich Freude am Lesen zu entwickeln.
Letztendlich ist „Salto“ für mich ein
Roman mit guten Ansätzen, der aber konsequent auf Melancholie setzt – und mich dabei leider mehr runtergezogen als berührt hat. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das mich aber deutlich weniger begeistert hat als "Klapper".
Augen zu.
Eine Sekunde warten.
...





39 Grad Mord
von Jenny Lund Madsen
"Würden Kriminelle immer klug handeln, wären die Gefängnisse der Welt leer."
Der Kriminalroman "39 Grad Mord" von Jenny Lund Madsen erzählt von der dänischen Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, die nach Sizilien reist, um ihre Schreibblockade zu überwinden und an ihrem neuen Kriminalroman zu arbeiten. Doch der Aufenthalt nimmt eine unerwartete Wendung: Statt Inspiration findet sie eines Morgens in einer Villa eine ermordete Frau. Hannah gerät schnell selbst in den Fokus der Ermittlungen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war. Um ihre Unschuld zu beweisen, beginnt sie auf eigene Faust nach der Wahrheit zu suchen.
Dieser Kriminalroman konnte mich leider so gar nicht überzeugen.
Die Grundidee – ein Mordfall in sommerlicher Atmosphäre auf Sizilien – hätte eigentlich viel Potenzial für einen spannenden Krimi geboten. In der Umsetzung bleibt die Geschichte jedoch überraschend flach und nimmt kaum richtig Fahrt auf.
Ein großes Problem ist die Hauptfigur Hannah. Statt mit ihr mitzufiebern, empfand ich sie über weite Strecken eher als anstrengend nervig und völlig unsympathisch. Ihre Vorgehensweise bei den Ermittlungen wirkt oft absolut überzogen und wenig authentisch, sodass ich mich zu keiner Zeit mit ihr identifizieren konnte. Auch ihr ständig betonter Alkoholkonsum trägt nicht dazu bei, die Figur sympathischer oder glaubwürdiger wirken zu lassen.
Hinzu kommt, dass auch alle weiteren Protagonisten recht blass bleiben und die Handlung gleichzeitig viel zu viele abgedroschene Klischees bedient.
So entsteht keinerlei Spannung, und die Handlung wirkt unglaubwürdig konstruiert.
Selbst das italienische Setting konnte für mich keine besondere Atmosphäre erzeugen – das typische Lebensgefühl, das man von einem sommerlichen Krimi auf Sizilien erwarten könnte, habe ich leider komplett vermisst.
Insgesamt bleibt das Gefühl zurück, dass aus der Idee deutlich mehr hätte gemacht werden können. Dieser Krimi ist weder besonders spannend noch unterhaltsam – und deshalb auch kein Buch, das ich als leichte Sommerlektüre empfehlen würde.









