Kundenrezensionen von Anja





West of Wicked. Folge deinem Verlangen
von Nikki St. Crowe
Ein Sturm bringt Dorothy von ihrem Zuhause in Kansas in ein magisches Land. Dorothy gelingt dort das Unmögliche – sie tötet eine Hexe. Dadurch gerät sie in den Fokus verschiedener Bewohner von Oz – die einen feiern sie als Heldin, die anderen wollen sie tot sehen. Und Dorothy? Die möchte eigentlich nur nach Hause…
Kaum hatte ich das Buch begonnen, ist mir bewusst geworden, wie schlecht ich den Zauberer von Oz kenne. Dementsprechend kann ich nicht allzu viele Vergleiche zwischen dem Original und West of Wicked ziehen.
Vom Verlag wird es angepriesen als düstere und sexy Version. Das eine mag zutreffen, über das andere lässt sich wohl streiten.
Die Geschichte wird aus zahlreichen Perspektiven geschildert, teilweise in der Ich-Perspktive, teilweise in der personalen Perspektive. Die unterschiedlichen Ereignisse an verschiedenen Orten und Gedanken der einzelnen Figuren haben mir gut gefallen. Trotz der oft kurzen Kapitel und vielen Wechsel fügen sich die Passagen problemlos zusammen.
Mit Dorothy hatte ich meine Schwierigkeiten. Verständlicherweise ist sie nach ihrer Ankunft in Oz verwirrt und überfordert. Sie sucht nach Hilfe und Unterstützung. Diese erhält sie von „der Vogelscheuche“ – einem Mann ohne Erinnerungen, den sie verletzt findet. Die zwei schließen sich zusammen und bestreiten den Weg gemeinsam. Sie haben kaum Zeit miteinander verbracht, da ist Dorothy bereits bereit, ihm blind zu vertrauen. Zudem ist er sooo gutaussehend, dass sie direkt zu schwärmen beginnt und eifersüchtig auf andere Frauen wird. Hier soll wohl der „sexy“-Teil der Umsetzung beginnen. Ich empfand Dorothys Verhalten eher als naiv und konnte die plötzlich aufkommenden Gefühle nicht nachempfinden.
Für mich hatte das Buch ein paar Längen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer wieder spannende Momente, häufig auch aus den unterschiedlichen Perspektiven resultierend, die Absichten einzelner Figuren offen legen, und dabei gleichzeitig zahlreiche Fragen aufwerfen.
Zum Ende hin nehmen Spannung und Dramatik immer weiter zu. Einige der Wendungen habe ich nicht kommen sehen.
Allerdings bleiben am Ende auch unglaublich viele Fragen offen bzw. werden über das Buch hinweg bisher kaum welche überhaupt beantwortet.
Fazit
Die Magie und Geheimnisse sowie Intrigen und Verrat bringen Spannung in der Geschichte, die durch vorhandene Längen ausgebremst wird. Dorothys Verhalten konnte ich dabei nicht immer nachvollziehen.





Willkommen bei den Grauses 3: Der normale Schulwahnsinn
von Sabine Bohlmann
Den ersten Band um Familie Grause fand ich großartig. Band 3 kommt für mich – wie schon Band 2 – leider nicht an den tollen Auftakt heran. Wo ich Teil 1 sehr charmant und witzig fand, kommt mir manches nun zu erzwungen und abgehakt vor. Allerdings werden weiterhin wichtige Botschaften eingebaut.
Es hilft auf jeden Fall, die Vorgängerbücher zu kennen, da nicht allzu viel zu der zusammengewürfelten Familie und ihrer Punkteliste erklärt wird.
Menschenmädchen Ottilie unterstützt die übernatürliche Familie nun schon eine Weile dabei, in der menschlichen Welt wenig aufzufallen und sich anzupassen. Nun sind die Sommerferien vorbei und es geht für die Grause Kinder zum ersten Mal in die Schule. Da warten natürlich neue Stolpersteine und jede Menge andere Kinder, die sie komisch oder seltsam finden können – Begriffe, die in der Gegenwart der Familie nicht genannt werden dürfen, damit sie keine Strafpunkte erhalten. Denn bei zu vielen Punkten müssen sie ihr neues Zuhause wieder verlassen.
Tatsächlich habe ich diesmal mit Ottilie gehadert. Auch wenn sie um die „gesellschaftlich notwendige Anpassung“ der Familie bemüht war, hat sie deren Andersartigkeit immer akzeptiert und verteidigt. Diesmal lässt Ottilie sich arg beeinflussen und will anderen gefallen. Einerseits ist es zwar verständlich, dass das Mädchen, das selbst bereits Erfahrungen mit Mobbing gemacht hat, um Freundschaften und Anerkennung bemüht ist, dass sie sich aber ausgerechnet von den Mona Lisas einlullen lässt, die sie bisher nicht sehr nett behandelt haben, fand ich etwas eigenartig.
Dafür gibt es ganz tolle Situationen zwischen den Grause-Familienmitgliedern, die füreinander einstehen, auch gegenüber Außenstehenden.
Der Schreibstil ist relativ einfach und kindgerecht gehalten. Allerdings empfand ich viele Szenenwechsel als recht abrupt. Viele kleine Grafiken unterstützen die Geschichte.
Die Szene, in der Ottilie ihr Meerschweinchen als lebendes Modell für einen Vortrag mit in die Schule bringt und die ganze Klasse das arme Tier streicheln darf, fand ich unmöglich. Aber das nur am Rande…
Fazit
Diesmal sind es nicht nur die Grauses, die herauszufinden versuchen, wer und wie sie sein wollen, sondern auch Ottilie muss sich erneut mit Mobbing und dem Wunsch nach Zugehörigkeit auseinandersetzen. Chaotische Ereignisse wechseln sich mit wichtigen Botschaften ab, für mich (mit vielleicht etwas zu viel Erwachsenenblick) fühlte sich die ganze Geschichte aber nicht ganz rund an.





Heart of the Damned - Ihr Versprechen ist sein Untergang Forsaken Promises
von Julia Pauss
Scartlett ist eine Diebin. Als sie ein Artefakt aus dem Schloss des Königs stehlen will, wird sie erwischt und soll hingerichtet werden. Doch dann erkennt der König, dass Scarlett ihm von Nutzen sein kann: Sie kann mithilfe von Magie ihr Äußeres ändern. Spielt sie seine Verlobte, darf sie weiterleben. Dass die zwei sich dabei tatsächlich näher kommen, war nicht geplant…
Das Hörbuch konnte mich von Anfang bis Ende fesseln und mehrfach überraschen.
Man ist sofort mitten im Geschehen. Kaum ist Scarlett ins Schloss eingedrungen, steckt sie auch schon in Schwierigkeiten. Es folgen einige Gefechte – mit Waffen und mit Worten.
Scarlett ist kämpferisch und schlagfertig. Dass sie eine Frau verkörpern soll, die sie nicht kennengelernt hat, erschwert ihre Aufgabe: Jederzeit könnte sie sich durch unbedachte Handlungen oder Worte verraten. Lässt sie sich anfangs nur auf den Deal ein, um ihrer Hinrichtung zu entgehen, erwacht in ihr mit der Zeit der Wunsch, dem Land und auch König Ren, zu helfen. Gleichzeitig findet sie großen Gefallen daran, Ren immer wieder zu reizen.
Ren hat eigentlich schon genug Probleme. Eine Diebin, möglicherweise Spionin, in seinem Schloss, hat ihm gerade noch gefehlt. Sein Land wird regelmäßig von Dämonen heimgesucht, weshalb die Hochzeit und die damit verbundene Unterstützung im Krieg so wichtig ist.
Es ist schwer für ihn, die aufmüpfige Scarlett unter Kontrolle zu halten. Doch die selbstbewusste Gestaltwandlerin fasziniert ihn auch.
Und so sind die zwei Feinde zur Zusammenarbeit gezwungen, lernen sich besser kennen und unterstützen einander. Die wendungsreiche Story steckt voller Geheimnisse und Überraschungen. Ruhige Momente gibt es kaum, ständig passiert etwas Neues: Wenn es keinen Angriff von außen gibt, erschüttert eine neue Intrige im Palast die Figuren.
Es gibt zahlreiche Charaktere. Irgendwer arbeitet gegen Ren, es könnte jede/r sein, auch aus seinem Gefolge. Und so weiß bald niemand mehr, wem er vertrauen kann.
Die Wendung am Ende konnte mich komplett überraschen, das offene Ende lässt mich neugierig und ungeduldig zurück.
Ren und Scarlett schildern abwechselnd aus der Ich-Perspektive das Geschehen. Gesprochen werden sie von Rebecca Veil und Fynn Engelkes, denen ich gut folgen konnte.
Fazit
Eine ereignisreiche Story voller Geheimnisse, Intrigen und unerwarteter Wendungen, die mit den zahlreichen Wortgefechte der Hauptfiguren für zusätzliche Unterhaltung sorgt.





Ever & After, Band 3 - Die letzte Stunde
von Stella Tack
Achtung: 3. Band. Inhaltliche Spoiler zu den ersten Bänden vorhanden.
Mit dem Vorgänger habe ich etwas gehadert. Zu lang, zu düster, zu überladen mit immer neuen Schwierigkeiten. Nach dem Ende war ich dennoch neugierig auf das Finale – und bin nun froh, dass ich mich dafür entschieden habe, das Ende zu lesen. Denn Band 3 ist in vielerlei Hinsicht anders.
Während Band 1 und 2 unsere moderne, technisierte Welt mit magischen Märchenelementen verbindet, erwartet die Charaktere nun ein etwas anderer, aber nicht weniger magischer, Schauplatz, der der Handlung eine ganz andere Atmosphäre verleiht.
Rains Versuch, die Welt zu retten, ist missglückt und nun versucht sie, das Chaos, das sie und Cole zuletzt angerichtet haben, wieder zu richten. Aber es wäre ja nicht Rain, wenn es einfach vonstatten ginge. Dementsprechend wird es wieder dramatisch, aufregend, blutig, düster und emotional.
Zwar ist das Buch ebenfalls vergleichsweise lang und ebenso vollgestopft mit zahlreichen Problemen, diesmal passte es für mich aber besser zusammen. Dass die Handlung zwar an die vergangenen Ereignisse anknüpft, aber trotzdem erst mal nicht auf jedes kleines zurückliegende Detail Bezug nimmt, hat mir und meinen eingerosteten Erinnerungen in die Karten gespielt, sodass mir der (Wieder-)Einstieg in die Geschichte problemlos gelungen ist und ich schnell ins Geschehen gefunden habe. Mit ihren zahlreichen Wendungen konnte mich die Geschichte schnell fesseln.
Neben bereits bekannten Figuren kommen einige neue Charaktere hinzu, die ebenso für einige Überraschungen und unerwartete Aufdeckungen sorgen werden. Erzählt wird die Geschichte weiterhin aus der Ich-Perspektive von Rain und Cole.
Auch diesmal macht der detaillierte Schreibstil nicht vor ausführlichen Schilderungen von Verletzungen und Ermordungen halt, wobei es schon teilweise wieder sehr brutal und eklig wird.
Das Ende habe ich so nicht erwartet, schließt die Reihe für mich aber gut ab.
Fazit
Die Art, wie die Geschichte startet, macht den Wiedereinstieg trotz langem Abstand zu Band 2 leicht. Zahlreiche überraschende Verstrickungen und ein abwechslungsreicher Mix aus Action, Dramatik und Gefühl konnten mich trotz kleiner Längen an die Seiten fesseln.





Cozy baking time
von Theresa Haubs
Ich liebe Kuchen und Gebäck jeder Art. Eigentlich habe ich genug Backbücher, aber die Mischung der Rezepte hat mich angesprochen.
Optik
Die Aufmachung des Buches gefällt mir richtig gut. Das Format ist handlich und die vielen Bilder sind ansprechend. Jedes Rezept füllt eine Seite, daneben gibt es ein großformatiges Bild. Zusätzlich gibt es ein paar Doppelseiten Fotos, die die Herbst- und Winterstimmung einfangen.
Rezepte
Ich habe schon beim ersten Durchblättern viele Rezepte gefunden, die mich ansprechend und die ich gern ausprobieren möchte. Es handelt sich um eine Mischung aus vergleichsweise einfachen, bekannten Kuchen und Plätzchen (z.B. Zitronenkuchen, Buttermilchkuchen, Vanillekipferl) und einigen ungewöhnlicheren Kreationen (z.B. Marzipanschnecken mit Kartoffeln im Teig). Da die Auswahl betitelt ist mit „süße Rezepte für die kalte Jahreszeit“, kommen Äpfel, Pflaumen und Zimt entsprechend häufiger vor.
Es werden in den meisten Fällen keine allzu ungewöhnlichen Zutaten verwendet, sodass sich die ersten Rezepte bereits ohne extra Einkauf umsetzen lassen, wenn man die klassischen Backzutaten zuhause hat.
Die Anleitungen sind verständlich und lassen sich leicht befolgen. Darüber hinaus gibt es ein paar persönliche Backtipps der Autorin.
Sprache
Wie gesagt, die Beschreibungen sind verständlich. Allerdings hatte ich an verschiedenen Stellen das Gefühl, dass ich hier nicht zur Zielgruppe gehöre. Theresa schreibt, wie man es von den Reels auf ihrem Instagram-Account kennt. Aber nicht alles, was umgangssprachlich gesagt wird, muss vielleicht auch verschriftlicht werden. Aber wen interessiert das noch, wenn’s aus dem Ofen erstmal anfängt zu duften…
Fazit
Der erste Kuchen im Buch heißt „bester Schokokuchen ever“ – und was soll ich sagen, genau das war die Rückmeldung meiner Mitessenden. Ich würde ja sagen, ich backe nichts anderes mehr, aber dafür gibt es noch zu viele lecker aussehende Rezepte im Buch, die ich noch testen möchte. Alle bisher probierten Kuchen waren lecker und sind dank der einfachen Beschreibungen super gelungen.





Heart of Night and Fire
von Nisha J. Tuli
Die Artefakte von Ouranos konnten mich begeistern, daher war ich neugierig auf das neue Buch der Autorin. Leider konnte es mich nicht genauso für sich einnehmen.
Ihr ganzes Leben verbringt Zarya verborgen als Gefangene. Sie kennt ihr Wurzeln und ihre Familie nicht. Sie wird im Kampf ausgebildet, aber niemand darf von ihr und ihrer Magie wissen. Warum dies so ist, sagt man Zarya nicht. Als ihr die Flucht gelingt, findet sich Zarya in der Hauptstadt Dharati wieder, die regelmäßig von Dämonen angegriffen wird. Dort lernt sie neue Menschen kennen, doch die jahrelang eingebläuten Regeln sorgen dafür, dass Zarya niemandem völlig vertrauen kann und allein nach Antworten sucht.
Das von indischen und asiatischen Einflüssen durchzogene Setting ist farbenfroh und facettenreich gezeichnet. Viele detaillierte Beschreibungen von Stadt und Leuten sowie den ungewöhnlichen Wesen lassen das Geschehen lebendig werden. Ein Glossar gibt einen Überblick über die Wichtigsten Orte und Wesen. Die vielen fremden Begrifflichkeiten lassen sich allerdings nicht so ganz flüssig lesen.
Doch dies ist nicht der Grund, dass ich vergleichsweise lange an dem Buch gelesen habe. Mich konnte die Geschichte einfach nicht packen. Die Handlung kommt nicht in Fahrt.
Während ich zwar stets darüber informiert hat, welche Farben und Gewänder die einzelnen Figuren tragen, passiert inhaltlich wenig bis nichts.
Zarya will zwar wissen, warum sie verborgen aufwachsen musste und dazu angehalten wurde, ihre magischen Fähigkeiten verborgen zu halten, sie tut aber nur wenig aktiv dafür, nach Antworten zu suchen. Zwar kann ich sogar noch verstehen, dass sie vorsichtig ist und sich nicht jedem anvertraut, aber selbst, als sich ihr konkrete Spuren bieten (z.B. als Figuren bestimme Namen nennen), fragt sie nicht nach.
Praktischerweise fällt ihr ein Buch mit magischen Anleitungen in die Hände und wie durch Zauberhand kann sie damit ganz wichtige Fortschritte in Bezug auf ihre eigenen Fähigkeiten machen. Für mich blieb das Magiesystem dabei wenig durchschaubar.
Viel interessanter als Antworten zu finden, ist es für Zarya allerdings, Freundschaften zu schließen und kleine Liebesabenteuer zu durchleben. Nach einem einsamen Leben im Sumpf, kann ich sogar auch das verstehen, es verstärkt aber leider das Gefühl, dass die Handlung auf der Stelle tritt.
Dharati wird regelmäßig von verschiedenen Dämonenwesen angegriffen. Aber auch dies tut letztlich wenig zur Sache und steigert weder Tempo noch Spannung.
Erst am Ende gibt’s dann endlich ein paar Antworten und noch mehr Fragen.
Fazit
Eine lebendig und detailliert ausgestaltete Welt voller exotischer Einflüsse und Mythologie schaffen zwar ein interessantes Setting, letztlich empfand ich das Buch aber überladen mit detaillierten Beschreibungen optischer Kleinigkeiten, während es nur wenig inhaltliche Fortschritte gibt. Die Spannung bleibt dabei auf der Strecke.





A Dance of Lies. Die Spionin
von Brittney Arena
Vasalie war die Lieblingstänzerin von König Illian, bis sie wegen Mordverdachts eingesperrt wurde. Nun bietet Illian ihr die Chance auf Freiheit: Wenn sie für ihn bei der Versammlung der Königreiche spioniert, bekommt sie ihr Leben zurück. Vasalie würde alles dafür tun, nicht wieder eingesperrt zu werden. Doch sie ahnt nicht, auf welch gefährlichen Deal sie sich einlässt, denn Illians Aufträge nehmen immer weitreichendere Ausmaße an. Zudem ist ihr Illans Bruder Anton auf der Spur, der ihre Absichten erahnt…
Das Hörbuch konnte mich von Anfang bis Ende fesseln. Nach ihrem Kerkeraufenthalt ist Vasalie wild entschlossen, zu überleben und sich nicht erneut einsperren zu lassen. Daher ist sie bereit, jeden von Illians Aufträgen zu erfüllen. Doch schnell bekommt sie erste Zweifel, als sie nicht nur spionieren, sondern auch Menschen verletzen soll. Zudem schließt sie auf der Versammlung, wo sie als Tänzerin auftreten soll, neue Freundschaften und möchte die Menschen, die sie so bereitwillig aufgenommen und unterstützt haben, nicht hintergehen, was sie in einen Konflikt bringt. Soll sie ihr Leben für das Wohl anderer aufgeben?
Auch wenn man Vasalie egoistisch und naiv nennen kann, ich mochte die junge Frau, die so verzweifelt für ihr Leben kämpft.
Ihre Hoffnung, dass ausgerechnet der Mann, dem sie ihre Probleme zu verdanken hat, nun ihre Rettung sein könnte, ist schon arg gutgläubig. Auch an anderen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass sie mehr hinterfragt und die Augen für das öffnet, was direkt vor ihrer Nase ist, statt sich von Gerüchten leiten zu lassen.
Als Ich-Erzählerin lässt sie an all ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Ihre inneren Konflikte und widersprüchlichen Gedanken, werden nachvollziehbar geschildert.
Verzweifelt sucht sie nach einem Ausweg und wird immer tiefer in einen Strudel aus Lügen, Intrigen und Geheimnissen gezogen.
Je mehr Vasalie erfährt und nachforscht, desto mehr unerwartete Wendungen nimmt die Geschichte.
Auch wenn das Tempo des Buches überwiegend ruhig ist, ist die Handlung ereignis- und abwechslungsreich: höfische Intrigen, Verrat und Lügen, Charaktere, die ein falsches Spiel spielen, Anbandelungen zwischen verschiedenen Figuren (dass Vasalie sich im Verlauf in gewisser Weise für 3 Männer interessiert, ist vielleicht etwas viel… wobei auch hier ihre verzwickten Gefühle und Abhängigkeiten erklärt werden).
Der Fantasyanteil der Geschichte ist eher gering und kommt überhaupt erst am Ende des Buches tatsächlich zum Tragen. Dennoch ist die entworfene Welt mit den Königshöfen, Mythen und Traditionen interessant. Allerdings ist es in der Vielzahl der facettenreichen Charaktere, von denen so mancher zu überraschen weiß, nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Zumindest fällt es mir in Hörbüchern immer etwas schwerer, wenn es sehr viele Namen gibt, diese zuzuordnen, wenn ich sie nicht vor Augen habe.
Dies ist aber auch der einzige Nachteil der Hörbuchumsetzung, ansonsten konnte ich der Geschichte problemlos folgen. Rebecca Veil, die Vasalie ihre Stimme leiht, hat eine angenehme Art, die aufgewühlten Gefühle der Protagonistin wiederzugeben.
Nach dem offenen Ende bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzung.
Fazit
Geheimnisse, Intrigen, Lügen und Verrat. Vasalie wird zum Spielball der Könige, als sie versucht, ihr Leben zu retten. Bald stellt sie sich die Frage, wie viele Menschen sie bereit ist, zu hintergehen, um sich selbst zu retten, oder ob es nicht doch eine andere Lösung geben könnte. Wendungsreich, spannend, dramatisch und emotional wird es im Geschehen, sodass die abwechslungsreiche Geschichte mich durchweg fesseln konnte.





All Better Now
von Neal Shusterman
Von Neal Shusterman habe ich bereits einige Bücher gelesen, die mir gut gefallen haben, vor allem die Scythe-Reihe.
All better now kommt mit einem dystopischen Setting daher. Es wird kein genaues Jahr genannt, aber die Handlung scheint in der nahen Zukunft zu spielen, da auf die Corona-Pandemie und ihre Folgen Bezug genommen wird. Gleichzeitig gibt es ein paar technische Entwicklungen, die eher futuristisch wirken.
Eine neue Corona-Mutation, Crown Royale, bedroht die Menschheit. Erneut sterben Menschen. Diejenigen, die überleben, sind danach verändert. Die Menschen haben neue Lebensziele. Sie sehen in allem das Positive und sind einfach nur glücklich.
Für manch einen Charakter ist genau das ein Grund, sich absichtlich mit dem Virus anzustecken. Was könnte besser sein, als sorglos durchs Leben zu gehen? Besonders wenn man von schweren Verlusten geprägt ist oder gegen Depressionen kämpft.
Und so entwickeln sich zwei Lager: Die einen wollen das Virus vermeiden oder bekämpfen, sie schotten sich ab, haben Angst vor einer Wesensveränderungen und all ihren Folgen – den privaten aber auch den wirtschaftlichen. Die anderen setzen auf eine gezielte Verbreitung – denn wenn alle Menschen glücklich sind, verschwinden doch auch alle Konflikte und Sorgen von der Erde!? Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass ein kleiner Prozentsatz aller Infizierten nicht überleben wird.
Das Szenario an sich ist super spannend und die gegensätzlichen Sichtweisen regen zum Nachdenken an. Dennoch fand ich das Buch langatmig und teils auch nervig. Die zwei Extreme predigen immer wieder ihre Ansichten. Völlig überzeugt davon, dass sie im Recht sind, gibt es seitenlange Beschreibungen, warum ausschließlich ihre Meinung stimmen kann und warum nur so die Menschheit gerettet werden kann. Es gibt nur schwarz oder weiß, kein vernünftiges Abwägen. Entschieden wird über den Kopf aller anderen Menschen hinweg.
Der ganze Schreibstil ist anstrengend. Einerseits philosophisch langatmig, andererseits extrem belehrend. Und einfach wenig flüssig oder emotional.
Zudem zieht sich auch die Handlung in die Länge, da beide Seiten nur schwer nennenswerte Fortschritte erzielen können. Erst zum Ende hin wird das Geschehen dann deutlich spannender – aber auch dies natürlich mit ordentlichen Extremen und Übertreibungen.
Für mich gab es keine Figur, mit der ich wirklich mitfiebern wollte. Durch ihre Haltungen und Taten ist niemand wirklich sympathisch. Einzig Mariel zeigt eine etwas ausgewogenere Sichtweise und denkt (manchmal) über Dinge nach, bevor sie handelt.
Geschildert wird das Geschehen um einen kleinen Kreis von Personen. Allerdings gibt es immer wieder Blicke rund um die Welt zu Ereignissen und Personen, zu Erkrankten, die ihr Leben ändern. Diese wirken erst mal völlig zusammenhanglos, wie es der „Zufall“ so will, entwickeln die meisten dieser Figuren aber doch noch einen Bezug zum Hauptstrang. Dem Lesefluss haben all diese – letztlich doch eher belanglosen – Nebencharaktere eher nicht gut getan und ihre Einbindung in die Geschichte wirkt, wie vieles in dem Buch, sehr konstruiert.
Ich war ehrlich gesagt froh, als ich mit dem Buch durch war und kann mir aktuell nicht vorstellen, auch noch den zweiten Teil zu lesen, auch wenn das Ende ein wenig neugierig darauf macht.
Fazit
Was nach einem spannenden Szenario klang, entwickelt sich für mich leider zu einem zähen Leseerlebnis. Die Handlung kommt nicht voran, die extremen Positionen werden immer wieder unnötig ausführlich wiederholt und zu den Charakteren habe ich keinen Zugang gefunden…





Kinder von fern
von Martine Letterie
Im Nachwort beschreibt die Autorin, wie sie regelmäßig mit Schulklassen über ihre Bücher zum Zweiten Weltkrieg spricht. Der Auslöser für „Kinder von fern“ waren Kinder in diesen Klassen, die selbst Krieg erlebt haben und vor Krieg geflohen sind.
Und so erzählt das Buch die Geschichte von 4 Kindern, 2 aus Syrien, 2 aus Afghanistan, die ihre Heimat verlassen mussten und dabei nicht nur ihr Hab und Gut verloren haben, sondern teilweise auch Familienangehörige zurücklassen mussten.
Mehrere Kapitel zu jedem Kind geben zunächst einen kurzen Einblick zum Leben in ihrem Herkunftsland, bevor die unterschiedlichen Fluchtgründe und -wege mit ihren Zwischenstationen geschildert werden. Alle Geschichten enden zunächst irgendwo auf dem Weg und bleiben damit erstmal offen.
Im letzten Drittel des Buches gibt es dann zu jedem der Kinder nochmal wenige Seiten, die ihr späteres Leben in Flüchtlingsunterkünften in den Niederlanden beschreiben, mit ihren Hoffnungen, Wünschen, aber auch mit den allgegenwärtigen Ängsten, Traumata und Gedanken an die Zurückgelassenen. Mit der Ankunft in einem sicheren Land ist ihre Reise noch lange nicht vorbei…
Ein wichtiges Thema für ein Kinderbuch, nicht nur um diesen Kindern eine Stimme zu geben, sondern auch um deutschen Kindern einen Eindruck zu vermitteln, was ihre neuen Mitschüler:innen erlebt haben könnten, aber vielleicht noch nicht erzählen können oder wollen. Oder einfach, um für das Thema zu sensibilisieren, über andere Länder und Kulturen zu informieren und einen Blick über den eignen Tellerrand zu schaffen.
Die Sprache ist einfach und kindgerecht gehalten, während es das Thema nicht immer ist: die Kinder erleben Bombenangriffe mit, ein Vater wird gefoltert, ein Geschwisterpaar nimmt den Weg übers Mittelmeer, ohne schwimmen zu können. Die Schrecken und Beklemmungen schwingen durchweg mit, auch wenn sie nicht immer explizit benannt werden. Nicht nur auf dem Weg, sondern beispielsweise auch wenn die Familien in den Niederlanden erstmals Silvester erleben und zu den Geräuschen ganz eigene Assoziationen haben.
Das Buch enthält viele farbige Illustrationen, teilweise doppelseitig, teilweise kleine Bilder im Text, die farbenfrohe, traditionelle Gewänder zeigen, aber mit teils düsteren Zeichnungen auch das Geschehen auf der Flucht unterstreichen.
Fazit
Ein wichtiges Thema, eindringlich, und dennoch sensibel kindgerecht umgesetzt.





Neuanfang in Notting Hill
von Norie Clarke
Nachdem Jess von ihrem Freund hintergangen und verlassen wurde, wohnt sie bei ihrer Freundin und deren Familie. Doch der Platz ist eng und eine andere Lösung muss her. Über eine Zeitungsannonce findet Jess ein Zimmer bei der 79-jährigen Joan, die eine Untermieterin sucht. Jess‘ Einzug wird die Leben beider Frauen kräftig durcheinander bringen…
Hier prallen Welten aufeinander:
Jess, Anfang 30, fest verbunden mit ihrem Handy, macht alles online.
Joan, fast 80, lebt offline, verlässt das Haus kaum noch und bringt einen Rucksack voll unterschiedlicher (Lebens-)Erfahrungen mit.
Ein Tag ohne ihr Smartphone, für Jess unvorstellbar. Mit Joan schließt sie einen Pakt, der sie sogar mehrere Monate von ihrem gewohnten Leben abschneiden wird: Jess geht offline, wenn Joan dafür online geht. Während die betagte Dame sich beim Online-Dating versucht, schaltet Jess eine Anzeige in der Zeitung. Während Jess ein Telefonbuch braucht, um nach Adressen und Telefonnummern zu recherchieren, lernt Joan, Informationen zu googeln. Während die eine wieder mehr am Leben teilnimmt, kommt die anderen zur Ruhe, hat Zeit für ihre Gedanken und findet Hobbys abseits des digitalen Lebens.
Begegnen sie sich und ihrer neuen Wohnsituation zu Beginn noch mit gewiesenen Zweifeln und Skepsis, profitieren beide im Verlauf sehr voneinander. Sie haben Gesellschaft, lernen voneinander, bekommen neue Blickwinkel und Unterstützung in Situationen, bei denen ihnen gar nicht bewusst war, dass sie einen Schubs brauchen.
Beziehungen und Gefühle spielen in der Geschichte eine große Rolle, aber es geht noch um so viel mehr:
Sowohl Jess als Joan beschäftigen sich mit der Vergangenheit und verpassten Chancen. Erlebtes muss aufgearbeitet werden. Neue Wege als solche erkannt werden. Sie nehmen die Welt mit und ohne digitale Medien unterschiedlich wahr.
Und vor allem fragen sie sich: Was brauche ich, um glücklich zu sein?
Es gibt insgesamt 4 Sprecher:innen, sodass die Figuren problemlos voneinander zu unterscheiden sind, wobei Regine Lange und Brigitte Carlsen für die Ich-Perspektiven von Jess und Joan den Hauptteil der Handlung bestreiten. Betonung und Sprechtempo empfand ich bei allen als angenehm, sodass ich der Geschichte gut folgen konnte.
Fazit
Große Überraschungen bietet die Story nicht, dennoch hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten, oft berührt, manchmal zum Schmunzeln gebracht und auch in vielen Momenten zum Nachdenken angeregt.









