Kundenrezensionen von Lilli33





Bretonischer Glanz
von Jean-Luc Bannalec
Ein typischer Band der Reihe
„Bretonischer Glanz“ ist bereits der 15. Band dieser amüsanten Krimi-Reihe, die auch verfilmt wurde. Man kann das Buch aber auch gut ohne Vorkenntnisse lesen; der Kriminalfall ist abgeschlossen.
Commissaire Georges Dupin, der eigentlich im Kommissariat Concarneau arbeitet, verschlägt es diesmal in den Norden der Bretagne, nach Roscoff. Das berühmte Krimifestival ist gerade voll im Gang und das Zwiebelfest steht kurz bevor, als eine junge Zwiebelbäuerin ermordet aufgefunden wird. Vieles liegt im Argen in Roscoff, und so gibt es etliche Verdächtige im Mordfall Annic Philouze. Dupin, Kadeg und Riwal werden von Nolwenn am Telefon sowie von zwei Roscoffer Polizistinnen unterstützt. Alle zusammen bilden ein gutes Team, obwohl sie lange im Dunkeln tappen.
Wie bei dieser Reihe üblich werden die Landschaft, die Örtlichkeiten und vor allem regionale Speisen und Getränke aufs Ausführlichste beschrieben. Zuweilen war mir das hier etwas zu viel, weil der Kriminalfall dahinter fast zu kurz kommt. Allerdings sorgt dies alles auch dafür, dass man trotz brutaler Morde in Urlaubsstimmung kommt und am liebsten sofort in die Bretagne reisen möchte.
Der lockere Schreibstil, der Kommissar mit ganz persönlichen Eigenheiten, seine Mitarbeiter, deren Schrullen man als langjähriger Fan der Reihe gut kennt, sind Garanten für einige Stunden unterhaltsamen Lesevergnügens. Ein solider Bretagne-Krimi, wenn auch nicht der beste dieser Reihe.
Die Reihe:
1. Bretonische Verhältnisse
2. Bretonische Brandung
3. Bretonisches Gold
4. Bretonischer Stolz
5. Bretonische Flut
6. Bretonisches Leuchten
7. Bretonische Geheimnisse
8. Bretonisches Vermächtnis
9. Bretonische Spezialitäten
10. Bretonische Idylle
11. Bretonische Nächte
12. Bretonischer Ruhm
13. Bretonische Sehnsucht
14. Bretonische Versuchungen
15. Bretonischer Glanz





Fünf, sechs, sieben, acht
von Ewald Arenz
Der Herbst des Lebens
Mit sechzig hat er noch etliche Jahre seines Berufslebens vor sich, denkt Stepptänzer und Choreograf Anton und fällt aus allen Wolken, als sein Vertrag am heimatlichen Theater nicht verlängert wird. Ausgerechnet seine Tochter Emma erhält seinen Job. Anton ist wütend, verletzt und beleidigt, dabei sollte er doch stolz auf seine Tochter sein.
Immer intensiver beschäftigt sich Anton mit dem Älterwerden, mit seinem gelebten Leben und einem vielleicht verpassten. Denn vor fünfunddreißig Jahren verschwand seine damalige große Liebe von jetzt auf gleich spurlos. Wäre alles anders gekommen, wenn er sein Leben mit Jo geteilt hätte anstatt mit Katja? Anton macht sich auf die Suche nach Jo …
Mit seinem feinen Sinn für die Charaktere konnte Ewald Arenz mich auch bei diesem Roman wieder beeindrucken. Die Beschreibungen und die Dialoge lassen die Figuren vor dem inneren Auge zum Leben erwachen. Besonders die Hauptfiguren erhalten einen unverwechselbaren Charakter. Auch wenn sie nicht hundertprozentig sympathisch sind oder in meinen Augen nicht unbedingt recht haben, kann ich doch ihre Verhaltensweisen und Ansichten gut nachvollziehen. Nur Jos Begründung für ihr Verschwinden konnte mich leider gar nicht abholen.
Das Tanzen und die Theaterwelt spielen in diesem Roman eine bedeutende Rolle. Man muss nicht unbedingt selbst tanzen, um die Lektüre genießen zu können, aber eine gewisse Zuneigung sollte möglichst schon vorhanden sein.
Der Autor gibt uns eine Menge Stoff zum Nachdenken über das Leben, das Altern und die Familie. Sehr vieles, was hier angesprochen wird, ist sehr realitätsnah wie zum Beispiel die Konflikte zwischen Eltern und Kindern. Manche Szenen haben mich unglaublich berührt. Vor allem durch Antons neue Schülerin Aya wird so viel Hoffnung transportiert, dass der Roman, der eher düster beginnt, schließlich versöhnlich enden kann.
„Fünf, sechs, sieben, acht“ ist vielleicht nicht Arenz’ bestes Werk, aber auf jeden Fall sehr lesenswert.





Weil sie lügt
von Caroline Seibt
Grandiose Plottwists
Seit über einem Jahr ist Juli Brunner verschwunden, ihre Familie an der Ungewissheit und Trauer zerbrochen. Julis jüngere Schwester Anna versucht, den Laden am Laufen zu halten, vor allem für ihren kleinen Bruder, dem die familiäre Situation Angst macht. Und sie versucht herauszufinden, was mit Juli geschehen ist, denn der Polizei traut sie dies nicht mehr zu, schon gar nicht, als ihr Vater als Hauptverdächtiger verhaftet wird.
Ich habe diese spannende und atmosphärische Story von Anfang bis Ende als Hörbuch genossen. Es wurde klasse eingelesen von Rebecca Veil und Elke Appelt. Die Lesung ist ungekürzt und läuft über 9 h 19 min. Die beiden Sprecherinnen teilen sich die Aufgabe. Die eine liest Annas Perspektive, die andere die der Polizistin Katharina Engel. Beide verstehen es super, die Atmosphäre zu den Hörenden zu transportieren. Die Emotionen, die Spannung, die Verzweiflung werden so greifbar und gehen ins Herz.
Die Story hat alles zu bieten, was ein guter Thriller braucht: tiefgründige Figuren, (psychologische) Spannung und ein paar Plottwists. Die Autorin versteht es, Verdächtige aufzubauen, um im nächsten Augenblick wieder alles über den Haufen zu werfen. Mehr als ein Mal hat sie mich auf den Holzweg geführt, nicht nur, was den Täter angeht, sondern auch in anderen Details. Das Netz aus Lügen, aus dem diese Geschichte besteht, ist kaum zu durchschauen. Doch am Ende werden alle Knoten gelöst.
Dieses Hörbuch empfehle ich gerne weiter.





Klein aber tot,1 Audio-CD, 1 MP3
von Jo Fischler
Unaufgeregter Cosy Crime
Kommissar Johannes Wunder, genannt Jojo, hat einen verzwickten Fall aufzuklären. Der Journalist Friedrich Frank, der sich bei vielen Bewohnern von Knuffingen äußerst unbeliebt gemacht hat, wurde ermordet aufgefunden. Verdächtige gibt es viele, und viele davon liegen Jojo sehr am Herzen. So befindet der Kommissar sich in einer Zwickmühle. Bei jedem Schritt nach vorne in seinen Ermittlungen könnte es sein, dass eine Person, die ihm nahesteht, einen Schritt näher ans Gefängnis kommt. Für die Lesenden/Hörenden ist die Lage zum Miträtseln aber perfekt.
„Klein aber tot“ ist der Auftakt einer neuen Reihe, die im Miniaturwunderland in Hamburg spielt. Handelnde sind die dort ausgestellten Figuren. Beim Hören des Hörbuchs hatte ich dabei immer Spielzeugfiguren vor Augen und irgendwie wirkten die Protagonist:innen auch genau so auf mich, irgendwie hölzern und nicht allzu tiefgründig.
Während mich Jo Fischler, der auch als Joe Fischler und Jan Beck bekannt ist, mit seinen Arno-Bussi-Krimis herrlich amüsieren konnte, hat „Klein aber tot“ leider nicht hundertprozentig meinen Geschmack getroffen. Vielleicht waren meine Erwartungen aufgrund meiner Vorerfahrungen mit dem Autor zu hoch bzw. einfach falsch, aber leider ist das aktuelle Werk nicht annähernd so witzig wie die Arno-Bussi-Reihe. Natürlich gibt es auch hier die ein oder andere Szene, bei der man schmunzeln muss, aber insgesamt ist das Buch einfach nicht so spritzig. Wenn zum Beispiel die Rechtsmedizinerin den Kommissar Jojo Wunder immer wieder mit „Wunder, oh Wunder“ empfängt, ist das ein Mal witzig, bei allen weiteren Malen kann ich nur noch müde lächeln.
Simon Jäger rettet die Geschichte durch seine nuancierte Lesung. Dadurch erwachen die Figuren fast zum Leben und werden für die Hörenden greifbar. Das Hörbuch ist ungekürzt und läuft über 7 h 22 min.





Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset
von Tine Dreyer
Leichen pflastern ihren Weg
Die Wechseljahre können einer Frau ganz schön zusetzen. Dies muss auch Liv Steinhammer erfahren, deren Leben durch die Beschwerden komplett auf den Kopf gestellt wird. Wie alles begann, ist nachzulesen in Band 1, „Morden in der Menopause“. Zwar werden im 2. Band der Reihe, „Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset“, die wichtigsten Ereignisse noch einmal kurz erwähnt, aber wenn man das Vorgängerbuch kennt, ist das Lesevergnügen bestimmt noch größer.
Sehr amüsant schildert die Autorin Tine Dreyer (Pseudonym), wie Liv immer tiefer ins Chaos schlittert, obwohl sie alles versucht, um ihr Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen. Zwar hat sie die tatkräftige Iza, eine ehemalige Prostituierte, sowie ihre pragmatische Schwiegermutter Marlies an ihrer Seite, doch auch diese beiden können das Chaos nicht aufhalten bzw. vergrößern es sogar noch.
Gut gefallen haben mir auch die kursiv gedruckten Abschnitte, in denen die Protagonistin sich an die Lesenden direkt wendet und ihre Gedanken mit uns teilt sowie auch einige Fakten über die Menopause.
Doch nicht nur die unglücklichen Todesfälle, die Liv zu verantworten hat, sind hier Thema, sondern auch ihre Ehe, Mutterschaft und die Rolle der Frau. Alles mit einem Augenzwinkern und einem großen wahren Kern. ???? Somit greift Tine Dreyer hier auch etliche heiße Eisen an, die so mancher Frau auf der Seele brennen - Tiefgründiges in herrlichen schwarzen Humor verpackt.
Auch wenn die Reihe doch sehr an „Achtsam morden“ erinnert, freue ich mich schon auf eine Fortsetzung, die im letzten Abschnitt des Buches angedeutet wird.
Die Reihe:
1. Morden in der Menopause
2. Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset





Red Star Rebels
von Amie Kaufman
Mix aus Science-Fiction und Romance
Wir schreiben das Jahr 2067 und befinden uns auf der Mars-Basisstation der UN. Die siebzehnjährige Cleo hält sich seit Monaten versteckt, da auf der Erde Kopfgeldjäger:innen hinter ihr her sind. Auch Hunter Graves, Sohn einer reichen Familie, der große Anteile auf dem Mars gehören, befindet sich in der Station. Beide haben gemeinsam, dass sie nicht als Bewohner registriert sind und deshalb bei einer Notfall-Evakuierung zurückgelassen werden. Schnell stellen sie fest, dass der Notfall fingiert war und die Station durch Kriminelle zerstört werden soll. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt.
Das ganze Buch umfasst nur etwa acht Stunden, in denen so unglaublich viel geschieht. Cleo und Hunter stehen im Leben eigentlich auf verschiedenen Seiten, doch hier müssen sie zusammenarbeiten um zu überleben. Ich fand es sehr schön dargestellt, wie sie sich zunächst misstrauen, dann aber doch langsam Vertrauen fassen, nur um es wieder zu verlieren. Es ist tatsächlich kein geradliniger Weg zum Ziel, aber ein glaubwürdig beschriebener.
Mir haben sowohl Cleo als auch Hunter sehr gut gefallen. Beide haben ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen, das heute noch ihr Verhalten beeinflusst und prägt. Nach und nach dürfen wir immer mehr hinter ihre Fassaden blicken. Beeindruckend ist auch, wie sie mit dieser verzwickten Situation in der Mars-Station umgehen. Beide haben besondere Skills, die ihnen dabei helfen. Hier bewies die Autorin viel Einfallsreichtum und auch ein bisschen Humor. So lässt sich das Buch mit viel Spaß lesen. Noch ein wenig mehr Tiefe hätte den Protas nicht geschadet.
Fazit:
„Red Star Rebels“ überzeugt durch eine gelungene Mischung aus Spannung, Gefühl und Gesellschaftskritik, sympathische Hauptfiguren und eine temporeiche Handlung.





Insel der Ratten
von Jo Nesbø
Nur ein Appetithäppchen
„Insel der Ratten“ ist im Original bereits 2021 erschienen, und zwar in einem Sammelband, was meiner Meinung nach folgerichtig ist, denn als eigenständiger Roman bietet das Buch nicht genug. Ich empfand es eher als Appetithäppchen und hätte gerne mehr davon gelesen - allerdings lieber mit weniger unnötiger Gewalt. Die gut 200 Seiten im Taschenbuchformat, mittels stabilem Kartoneinband zum Hardcover aufgeplustert, lassen sich in kürzester Zeit weglesen.
Das Szenario ist düster, aber sehr interessant, da es einigermaßen realistisch erscheint und ich mir vorstellen kann, dass es in unserer Welt in nicht allzu ferner Zukunft so abgehen kann. Nach der Pandemie ist die funktionierende Gesellschaft am Ende. Marodierende Banden beherrschen das Land, Polizei und Justiz stehen dem machtlos gegenüber. Jeder schützt sich selbst, so gut er kann. Der reiche Unternehmer Colin Lowe bringt seine Familie auf die einigermaßen sichere Insel der Ratten, während sein Sohn Brad mit seiner Gang „Chaos“ auf dem Festland sein Unwesen treibt. Dabei vergreift er sich auch an der Frau und der Tochter des besten Freundes seines Vaters, Will Adams. Will sinnt auf Rache. Doch als Jurist glaubt er immer noch an Recht und Gesetz. Und so nimmt er die Rache nicht selbst in die Hand, sondern trickst Brad genial aus.
Das Büchlein ist durchaus lesenswert, wenngleich ein gutes Quantum weniger an Gewalt auch gereicht hätte. Manches wird viel zu brutal und detailliert beschrieben und wirkt einfach nur reißerisch. Das hat die Geschichte aber gar nicht nötig. Im Gegensatz dazu kommt mir der Verfall der Gesellschaft viel zu kurz. Es ist einfach so, fertig. Erläuterungen, wie es dazu kam, hätte ich hier sehr nützlich und wichtig gefunden. Auch bleiben die einzelnen Figuren relativ blass und distanziert. Nicht einmal Will und Yvonne, ein „Chaos“-Mitglied, aus deren Perspektiven abwechselnd erzählt wird, konnten mich wirklich berühren, obwohl sie einiges durchmachen.
Trotz aller Mankos hat Jo Nesbø ein spannendes Werk geschaffen, das viel Stoff zum Nachdenken gibt.





Die Straße,4 Audio-CD
von Robert Seethaler
Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht
Die Straße ist eine ganz normale Straße, wie man sie überall finden könnte. Mit ganz normalen Bewohnern, die ganz normale Probleme haben. Und ich glaube, genau das war eins meiner Probleme mit diesem (Hör-) Buch. Wenn ich zu einem Buch greife, möchte ich darin etwas anderes erleben als das, was sich tagtäglich vor meiner Haustür abspielt. Ich möchte meinem Alltag entfliehen. Das konnte ich mit diesem Buch kaum.
Zudem war mir der Aufbau des Buches (Roman möchte ich es gar nicht nennen) zu kleinteilig. Hier reiht sich eine lose Szene an die andere. Ständig springen wir zwischen den einzelnen Bewohnern der Straße hin und her, lauschen ihren Dialogen und Gedanken, die sich nur selten auf die anderen beziehen. Ohne Kapitelüberschriften dauert es immer ein wenig, bis wieder klar wird, bei welcher Person wir uns gerade befinden. Bei sehr kurzen Szenen von nur wenigen Sätzen nervte mich das, denn gerade als ich endlich wusste, wo ich gelandet bin, wurde ich schon wieder weitergeschickt. Das war etwas frustrierend.
Robert Seethaler fühlt sich wie gewohnt punktgenau und detailliert in seine Protagonist*innen ein. Die Bewohner der Straße erwachen fast zum Leben, auch dank Matthias Brandt, der das Buch hervorragend eingelesen und jedem Protagonisten eine eigene Stimme gegeben hat. Als Lesende/Hörende bekommt man den Eindruck, daneben zu stehen, direkt dabei zu sein. Dieses Gefühl mochte ich sehr.
Das Hörbuch erschien im April 2026 ungekürzt bei Hörbuch Hamburg. Es hat eine Laufzeit von 4 h 9 min.





Verlorene Schäfchen
von Madeline Cash
Eine echt krasse Familie
Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan offen sein soll - gegen den Willen ihres Ehemanns Bud. Während Catherine sich mit dem Nachbarn vergnügt, zieht Bud in die Garage und liebäugelt damit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die drei Töchter Abigail, 17, Louise, 15, und Harper, 12, sind sich selbst überlassen. Abigail verliebt sich in den mysteriösen „Kriegsverbrecher-Wes“, Louise chattet online mit einem Fundamentalisten und die hochintelligente Harper wittert überall eine Verschwörung.
Mit einem lockeren Schreibstil, mit viel Wortwitz und Situationskomik erzählt Madeline Cash in ihrem Debütroman eine herrlich turbulente Geschichte mit Tiefgang. Es ist ein Mix aus Satire, Coming of Age, Tragikomödie und Krimi. Und dieser Mix ist wirklich gut gelungen. Dabei beginnt die Story eher humorvoll und wird dann nach und nach immer ernster und tiefgründiger, ohne den Humor aber jemals ganz zu verlieren.
Da aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und man dabei immer ganz nah an der jeweiligen Protagonistin bzw. dem Protagonisten dran ist, kann man alle Handlungsweisen und Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch wenn sie noch so skurril sind. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und konnten immer wieder meine Sympathie für sich gewinnen, selbst wenn ich ihr Verhalten nicht billigen konnte. Aber es ist alles so herrlich überzogen geschrieben, dass man gut hin und wieder ein Auge zudrücken kann.
Fazit:
Madeline Cash hat mich mit dieser turbulenten Familiengeschichte aufs Wundervollste gefesselt und unterhalten.





Schlafende Vulkane
von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
Solider Reihenauftakt
Inhalt:
Helga Jónsdóttir ist recht neu im Dezernat für Gewaltverbrechen in Reykjavík. Dank Personalmangels muss sie trotzdem beim aktuellen Mordfall die Leitung übernehmen. Anfangs zwar noch unsicher, aber dann zunehmend entschlossener begibt sie sich auf die Spuren des Täters, der eine junge allein erziehende Mutter auf dem Gewissen hat. Deren zehnjähriger Sohn ist vor dem Mörder geflohen und irrt in der Wildnis herum. Der Verkehrspolizist Bjarki ist hier der Mann der Stunde, denn keiner kennt sich in der Gegend so gut aus wie er. Gemeinsam suchen Helga und Bjarki den Jungen. Auch bei den weiteren Ermittlungen arbeiten die beiden zusammen. Bald schon wird klar, dass sie es mit einem intelligenten, planvoll vorgehenden Täter zu tun haben, der es nicht bei dem einen Opfer belässt …
Meine Meinung:
Von Michael Hjorth habe ich schon einiges mit Begeisterung gelesen; Bjarni Thorsson war bislang ein Unbekannter für mich. Die Gemeinschaftsarbeit der beiden Autoren hat mir insgesamt gut gefallen. Der Thriller, der im Mai 2026 im Rowohlt Verlag erschien, ist solide ausgearbeitet und bietet Zerstreuung und auch Spannung. Letztere kommt allerdings vor allem in der zweiten Hälfte des Buches zur Geltung. Und leider ist sie der Tatsache zuzuschreiben, dass sowohl Helga als auch Bjarki gravierende, dumme Leichtsinnsfehler machen. Ohne diese würde es nicht zu einer gefährlichen Situation kommen. Aber sei’s drum. Alles andere hat gepasst und ich habe das Buch sehr gerne gelesen.
Vor allem die Protas haben mir gut gefallen. Beide sind mir ziemlich sympathisch, auch wenn viele Kollegen etwas an ihnen auszusetzen haben. Aber einfach dafür, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen und sich nicht hinter Paragrafen verstecken, haben sie meinen Respekt.
Auch die Einblicke in Island, die wir in diesem Buch bekommen, fand ich sehr interessant. Landschaftsbeschreibungen, Atmosphäre, Land und Leute eben - da stimmt alles.
Nach einem kleinen Cliffhanger am Ende freue ich mich jetzt schon auf Band 2, der im November 2026 unter dem Titel „Stumme Fjorde“ veröffentlicht werden soll.









