Kundenrezensionen von Lilli33





Verlorene Schäfchen
von Madeline Cash
Eine echt krasse Familie
Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan offen sein soll - gegen den Willen ihres Ehemanns Bud. Während Catherine sich mit dem Nachbarn vergnügt, zieht Bud in die Garage und liebäugelt damit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die drei Töchter Abigail, 17, Louise, 15, und Harper, 12, sind sich selbst überlassen. Abigail verliebt sich in den mysteriösen „Kriegsverbrecher-Wes“, Louise chattet online mit einem Fundamentalisten und die hochintelligente Harper wittert überall eine Verschwörung.
Mit einem lockeren Schreibstil, mit viel Wortwitz und Situationskomik erzählt Madeline Cash in ihrem Debütroman eine herrlich turbulente Geschichte mit Tiefgang. Es ist ein Mix aus Satire, Coming of Age, Tragikomödie und Krimi. Und dieser Mix ist wirklich gut gelungen. Dabei beginnt die Story eher humorvoll und wird dann nach und nach immer ernster und tiefgründiger, ohne den Humor aber jemals ganz zu verlieren.
Da aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und man dabei immer ganz nah an der jeweiligen Protagonistin bzw. dem Protagonisten dran ist, kann man alle Handlungsweisen und Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch wenn sie noch so skurril sind. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und konnten immer wieder meine Sympathie für sich gewinnen, selbst wenn ich ihr Verhalten nicht billigen konnte. Aber es ist alles so herrlich überzogen geschrieben, dass man gut hin und wieder ein Auge zudrücken kann.
Fazit:
Madeline Cash hat mich mit dieser turbulenten Familiengeschichte aufs Wundervollste gefesselt und unterhalten.





Schlafende Vulkane
von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
Solider Reihenauftakt
Inhalt:
Helga Jónsdóttir ist recht neu im Dezernat für Gewaltverbrechen in Reykjavík. Dank Personalmangels muss sie trotzdem beim aktuellen Mordfall die Leitung übernehmen. Anfangs zwar noch unsicher, aber dann zunehmend entschlossener begibt sie sich auf die Spuren des Täters, der eine junge allein erziehende Mutter auf dem Gewissen hat. Deren zehnjähriger Sohn ist vor dem Mörder geflohen und irrt in der Wildnis herum. Der Verkehrspolizist Bjarki ist hier der Mann der Stunde, denn keiner kennt sich in der Gegend so gut aus wie er. Gemeinsam suchen Helga und Bjarki den Jungen. Auch bei den weiteren Ermittlungen arbeiten die beiden zusammen. Bald schon wird klar, dass sie es mit einem intelligenten, planvoll vorgehenden Täter zu tun haben, der es nicht bei dem einen Opfer belässt …
Meine Meinung:
Von Michael Hjorth habe ich schon einiges mit Begeisterung gelesen; Bjarni Thorsson war bislang ein Unbekannter für mich. Die Gemeinschaftsarbeit der beiden Autoren hat mir insgesamt gut gefallen. Der Thriller, der im Mai 2026 im Rowohlt Verlag erschien, ist solide ausgearbeitet und bietet Zerstreuung und auch Spannung. Letztere kommt allerdings vor allem in der zweiten Hälfte des Buches zur Geltung. Und leider ist sie der Tatsache zuzuschreiben, dass sowohl Helga als auch Bjarki gravierende, dumme Leichtsinnsfehler machen. Ohne diese würde es nicht zu einer gefährlichen Situation kommen. Aber sei’s drum. Alles andere hat gepasst und ich habe das Buch sehr gerne gelesen.
Vor allem die Protas haben mir gut gefallen. Beide sind mir ziemlich sympathisch, auch wenn viele Kollegen etwas an ihnen auszusetzen haben. Aber einfach dafür, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen und sich nicht hinter Paragrafen verstecken, haben sie meinen Respekt.
Auch die Einblicke in Island, die wir in diesem Buch bekommen, fand ich sehr interessant. Landschaftsbeschreibungen, Atmosphäre, Land und Leute eben - da stimmt alles.
Nach einem kleinen Cliffhanger am Ende freue ich mich jetzt schon auf Band 2, der im November 2026 unter dem Titel „Stumme Fjorde“ veröffentlicht werden soll.





Im Morgengrauen
von Marc Raabe
Art Mayer in Schwierigkeiten
Dies ist schon der 4. Band der Serie um die Berliner BKA-Ermittler Art Mayer und Nele Tschaikowski. Große Teile der Handlung bauen direkt auf den Vorgängern auf. Man sollte diese daher möglichst kennen, sonst wird man eventuell Probleme haben, das Beziehungsgeflecht der Protagonisten zu entwirren.
Seit Tagen ist der Bundeskanzler Henrik Westphal verschwunden. Ist er freiwillig abgetaucht, wurde er entführt oder gar ermordet? Besonders pikant: Auf Instagram werden Videobeiträge veröffentlicht, nach denen Westphal die Kellnerin Kessy missbraucht haben soll. Art Mayer, der mit Westphal von Jugend an befreundet und in dessen Frau Juli verliebt ist, befindet sich in einer seelischen Zwickmühle. Er ermittelt mal wieder auf unkonventionelle Weise und gerät bald selbst ins Kreuzfeuer.
Der Schreibstil ist, wie von Marc Raabe gewohnt, flüssig und mitreißend, die Story von Anfang bis Ende fesselnd geschrieben. Rückblenden wenige Wochen in die Vergangenheit erzählen die Geschichte von Kessy. Hierdurch erfährt die Leserschaft, was wirklich geschah, ohne dass dabei zu viel verraten wird. Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen und auch zu halten. Das Kopfkino läuft auf Hochtouren und man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Für Fans der Reihe ist dieser Thriller ein Muss. Es werden offene Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden zu einem Ende gebracht. Das ist auch gut so, denn es handelt sich wohl um den letzten Band der Reihe. Das ist einerseits natürlich schade, denn ich hätte gerne noch mehr von Art Mayer gelesen. Andererseits bin ich mit dem Abschluss ganz zufrieden.
Die Art Mayer-Reihe:
1. Der Morgen
2. Die Dämmerung
3. Die Nacht
4. Im Morgengrauen





Hope Joanna,2 Audio-CD, 2 MP3
von Horst Evers
Herrlich schräger Berlin-Krimi
Achtung: Dieses (Hör-) Buch birgt eine Ohrwurm-Gefahr. Nachdem ich gehört hatte, dass Hope Joanna nach dem Song von Eddy Grant benannt wurde, der bei ihrer Geburt im Krankenhaus lief, bekam ich dessen Melodie nicht mehr aus dem Kopf. Aber es gibt Schlimmeres. ;-)
Zusammen mit ihren Kollegen muss Hope Joanna einen Mordfall aufklären. Die Spuren führen sie zum Fußball und ins Rechtsradikalenmilieu.
„Hope Joanna“ ist mein erstes Buch von Horst Evers aka Gerd Winter, und es war eine weise Entscheidung, zum Hörbuch zu greifen, das der Autor selbst eingelesen hat. So kommt die Berliner Schnauze noch viel besser zur Geltung, als wenn ich das Buch selbst gelesen hätte. Evers macht das einfach total genial und verleiht jeder Figur eine ganz eigene Stimme. Mit seinem Vortrag verdient er sich bei mir einen Extrastern. Das Hörbuch erschien im Argon Verlag und ist ungekürzt. Es hat eine Laufzeit von 9 h 14 min. Jede Minute davon hat mich köstlich unterhalten.
Der Stil ist etwas schnodderig, die Sätze nicht wirklich ausgefeilt. Umso lebensechter wirkt es, gerade so, wie man auch im Alltag sprechen würde. Das Buch lebt von seinen schlagfertigen Dialogen, der Situationskomik und den absolut schrägen Figuren, die Evers sich liebevoll ausgedacht hat. Der Kriminalfall tritt dabei etwas in den Hintergrund, ist aber doch immer präsent und auch einigermaßen spannend.





Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter
von Wolfgang Schorlau
Sehr realitätsnahe Satire
Karsten Richter, jahrelang für die Gas-Lobby tätig, soll zum Minister ernannt werden. Seine Gas-Freunde sind begeistert, hoffen sie doch, dass er die Klimaneutralität Deutschlands abwenden wird und sie weiterhin ihre Gewinne einstreichen können. Nur Richters Mutter schießt quer. Sie kündigt eine Pressekonferenz an und betitelt ihren Sohn (wahrheitsgemäß) als Öko-Sau. Kann Richter sie nicht zur Vernunft bringen, ist seine Ernennung gefährdet. Doch da wird - Glück im Unglück - seine Mutter entführt. Die Pressekonferenz ist damit abgewendet. Und Karsten Richter suhlt sich in Macht. Wobei das auch nicht so einfach ist wie erwartet.
Wolfgang Schorlau lässt uns hier schön hinter die Kulissen der Politik blicken. Erschreckend, dass man sich gut vorstellen kann, dass es genau so abläuft. Was als Satire betitelt ist, wirkt verdammt realitätsnah und hat einen aktuellen Bezug. Heizungsgesetz, Wärmepumpen, erneuerbare Energien - all diese Schlagwörter werden aufgenommen und noch vieles mehr. Am Ende wird es wie so oft sein: Wer bezüglich der Energiewende noch einen Anstoß bräuchte, wird dieses Buch leider nicht lesen.
Das Büchlein ist witzig geschrieben und unterhaltsam, aber leider etwas dünn. Die beteiligten Personen sind trotz größter Ähnlichkeit mit lebenden Politikern natürlich frei erfunden. ;-)





Die Queen von Mayfair
von Alex Hay
Tolles Gaunerstück
Inhalt:
London, 1898. Quinn ist die amtierende Queen of Fives, die mit ihren Helfern im Château residiert, das seinem Namen leider nicht wirklich Ehre macht. Sie halten sich mit Betrügereien in großem Stil über Wasser. Als neues Opfer wurde der Herzog Lord Kendal auserkoren. Ziel ist es, in nur fünf Tagen eine Hochzeit zwischen ihm und Quinn zu erreichen. Es sind fünf turbulente Tage, denn natürlich gibt es einerseits viel zu tun, andererseits läuft nicht alles wie geplant. Im Hintergrund spinnt jemand seine eigenen Intrigen …
Meine Meinung:
Eigentlich mag ich historische Romane überhaupt nicht, doch schon Alex Hays Debütroman „Mayfair House“ hat mich gereizt und schließlich auch überzeugt. Auch die Leseprobe von „Die Queen von Mayfair“ hat mir direkt Lust darauf gemacht, das ganze Buch zu lesen. Und wieder wurde ich nicht enttäuscht. Ich wurde super unterhalten und habe den Roman in kürzester Zeit verschlungen.
Auch wenn mir nicht hundertprozentig klar wurde, was genau es mit dem Château und seinen Bewohnern ursprünglich auf sich hat, konnte ich mir dank der detailreichen Beschreibungen alles gut vorstellen. Mein Kopfkino spulte fortwährend den Film ab. Ich sah die eleganten Kleider der Adligen (und Quinn in Verkleidung), die wundgescheuerten Hände der Bediensteten, den Dreck auf den Straßen und die edlen Pferde der Kendals vor meinem inneren Auge. Ich ließ mich vom Autor im Zickzack durch die Handlung schicken. Quinns Betrug verläuft nämlich keineswegs geradlinig. Mal klappt etwas nicht so wie gewünscht, dann bekommt Quinn wieder Zweifel an dem, was sie tut, denn der Herzog ist anscheinend gar kein so schlechter Mensch wie gedacht. Schließlich wird Quinn von ihren eigenen Regeln eingeholt. Jemand spielt danach, doch hierbei ist Quinn das Opfer. Dies sorgt für ein schnelles Tempo und gute Spannung.
Der Schreibstil ist locker und leicht und wirkt trotz einiger altmodischer Begriffe nicht angestaubt, aber trotzdem der Zeit entsprechend. Die Protagonistin Quinn macht einen frischen und frechen Eindruck. Ich mochte sie sehr.
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39 Grad Mord
von Jenny Lund Madsen
Entgegen dem Titel ziemlich unterkühlt
„39 Grad Mord“ ist der 2. Band der Reihe um die dänische Autorin Hannah Krause-Bendix. Viele persönliche Beziehungen, die in Band 1 geknüpft wurden, werden hier weitergesponnen. Zwar wird dazu das Wichtigste hier noch einmal gesagt, fühlen konnte ich das alles aber nicht - vielleicht weil ich Band 1 nicht gelesen habe. Der Kriminalfall ist aber in sich abgeschlossen.
Hannah zieht sich nach Sizilien zurück, um in der Abgeschiedenheit ihre Schreibblockade zu überwinden. Statt an ihrem neuen Krimi zu arbeiten, wird sie jedoch in einen Mordfall verwickelt und gerät selbst unter Verdacht. Da die Polizei etwas engstirnig arbeitet, nimmt Hannah die Ermittlungen selbst in die Hand …
Ich ließ mich von dem Temperament versprechenden Cover und der Leseprobe einfangen. Doch leider konnte der Kriminalroman seine Versprechen nicht halten. Nach einigen durchaus fesselnden Seiten, die auf die Handlung vorbereiten, dauert es recht lange, bis diese dann endlich Fahrt aufnimmt. Hannahs Bemühungen, den Täter zu finden, wirken oft naiv und unausgegoren. Trotzdem kommt sie mit vielem ganz einfach durch.
Mein größtes Problem mit diesem Buch war aber die Protagonistin selbst. Hannah war mir zutiefst unsympathisch, eine egozentrische, arrogante Person, die zudem von morgens bis abends und wenn es sein muss, auch in der Nacht ein Glas Wein nach dem anderen kippt. Das war echt des Guten zu viel und absolut unnötig.
Die Reihe:
1. 30 Tage Dunkelheit
2. 39 Grad Mord





Widdersehen Schafskrimis
von Leonie Swann
Hurra, die Schafe sind zurück!
Und Rebecca ist weg. Was nun? Die Schafe machen sich auf die Suche nach Rebecca und finden einen neuen Schäfer. Aber ob der auch vorlesen kann? Denn das ist ja wohl das Wichtigste, was ein Schäfer können muss.
Ich hatte ehrlich gesagt mehr als zehn Jahre später nicht mehr mit einer Fortsetzung von Leonie Swanns Schafskrimis gerechnet, mich dann aber umso mehr darüber gefreut. Und statt „Widdersehen“ selbst zu lesen, schlüpfte ich dieses Mal in die Haut der Schafe und ließ mir das Buch vorlesen. Maren Kroymann ist die absolut perfekte Besetzung dafür. Sie gibt jedem Schaf eine eigene Stimme und transportiert die Atmosphäre und die mehr oder weniger klugen Gedanken dieser Tiere einfach genial.
Es war wirklich ein Genuss, mit der Schafherde „über alle Berge“ zu ziehen, um Rebecca zu suchen, aus dem „Paradies“ zu entkommen und nebenbei das ein oder andere Verbrechen aufzuklären - alles in genialer Schafslogik.
Wer die ersten beiden Schafskrimis mochte, wird auch hier wieder voll auf seine Kosten kommen. Und auch für Neueinsteiger kann ich das (Hör-) Buch wärmstens empfehlen.
Die Schafskirimis:
1. Glennkill
2. Garou
3. Widdersehen





Das Mosaik der Frauen
von Rafik Schami
Eine Brücke zwischen verschiedenen Kulturen
Rafik Schami, geboren in Damaskus, Syrien, lebt seit 1971 in Deutschland, schreibt auf Deutsch und brennt offensichtlich immer noch im Herzen für die Heimat seiner Kindheit und Jugend. Wer könnte also besser eine Brücke zwischen den Kulturen bauen? Schami selbst hat vieles erlebt, was nun seine Figuren im Roman durchmachen. Die Ankunft in einem fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht, die Anfeindungen der Mitmenschen, unerträgliche politische Zustände usw. Dabei ist das Buch wie eine Matrjoschka aufgebaut: Rafik Schami erzählt von Said Mardini, der vor Jahrzehnten aus Syrien nach Heidelberg gekommen ist. Diesem wiederum erzählt der todkranke Nadim Suri seine Geschichte, wie er von Syrien nach Heidelberg gekommen ist und von all den Frauen, die sein Leben gestreift und bereichert haben. Gerade diese Parallelen fand ich dann doch etwas verwirrend. Der Hauptteil ist aber einfach Nadims Perspektive, womit ich dann auch keine Probleme hatte.
Jeder der Frauen, die Nadim Suri auf einem Teil seines Lebensweges begleitet haben, sei es über Jahre oder auch nur eine Nacht, ist ein Kapitel gewidmet - abgesehen von dem einen Kapitel, das sich sechs Frauen teilen müssen. Aus Nadims Erzählung spricht eine Hochachtung für die Frauen, wie man sie von Männern eher selten erlebt. Jede liebt er auf seine Weise und umgekehrt. Jede hinterlässt ein Mosaiksteinchen im Bild seines Lebens, wenn sie - auf welche Weise auch immer - aus seinem Leben verschwindet.
Der Roman, der aus vielen einzelnen Lebensabschnitten besteht, hat mich sehr berührt. Er ist keine schnelle Lektüre für zwischendurch, sondern man sollte sich unbedingt Zeit für ihn nehmen, sich die einzelnen darin enthaltenen Weisheiten bewusst machen und auf der Zunge zergehen lassen.





Lovely Rita
von Frank Goosen
Warmherzig und nostalgisch
Jahrzehntelang hat Rita Urbaniak die Kneipe „Haus Himmelreich“ geführt. Für viele Menschen ist sie eine zweite Heimat geworden. Doch irgendwann muss Schluss sein; Haus Himmelreich soll jetzt endgültig die Pforten schließen. Der Ich-Erzähler, ein Journalist, möchte darüber schreiben und verbringt die letzten zwei Abende zusammen mit den Stammgästen in der Kneipe. Zwischen Tresen und Stammtisch werden ihm Geschichten zugetragen und Witze erzählt.
Frank Goosen hat dabei, wie so oft in seinen Werken, die Atmosphäre gut eingefangen. Mein Kopfkino sprang sofort an und zeigte mir die so unterschiedlichen Personen, die sich seit Jahrzehnten immer wieder in der Kneipe zusammenfinden, die dem Alltag entfliehen, über alle möglichen Themen diskutieren, sich necken und auch mal streiten. Doch Gisela, die Bedienung, hat alles immer im Griff. Aber wo steckt eigentlich Rita? Ausgerechnet die Frau, deren Geist im Himmelreich allgegenwärtig scheint, glänzt durch Abwesenheit.
In Rückblicken jedoch erfahren wir eine ganze Menge über sie, ihre Schwester Chris und ihre Nichte Verena. Der jeweilige Zeitgeist ist gut getroffen und wird mit der Erwähnung vieler Musiktitel und Künstler untermauert. Ich fühlte mich direkt in die Vergangenheit zurückversetzt.
Auch wenn es nicht Frank Goosens größter Wurf ist, mochte ich diese warmherzige Geschichte einer originellen Ruhrpottkneipe und ihrer Menschen, die sehr authentisch dargestellt werden. Tatsächlich hätte ich gerne noch mehr davon gelesen und mich gefreut, wenn manche Aspekte vertieft worden wären.









