Kundenrezensionen von Sorko





Flut aus schwarzem Stahl
von Anthony Ryan
Nein, eine völlig neue Geschichte ist dieser Band nicht. Ich sehe es als eine Fortschreibung der Geschichte vom „Stählernen Bund“, die mit dem dritten Band „Der Verräter“ endete.
Anfangs staunte ich über die seltsamen Namen und Bezeichnungen, bis mir auffiel, dass ich einige davon schon kannte. Berrine Jurest, Olversahl, Verweise im Text auf Shilva Sahken und Evadine Courlain (das „Schwarzherz“) und mehrfach auch auf Alwyn Sribe. Sogar die „Sackhexe“ wird erwähnt.
Wir befinden uns nun weit im Norden, das Fjordland wurde von Ascarlia erobert, und dort regieren die drei Schwesterköniginnen. Die neue Karte schafft einen Überblick und benennt einige wichtige Orte, ich hätte mir da allerdings eine etwas detailliertere Übersicht gewünscht, was die Feuerinseln und die dahinter liegenden Länder angeht.
Die Story ist spannend, wie man das von Anthony Ryan gewohnt ist. Sie folgt den vier Protagonisten in angenehm kurzen Kapiteln. Beim Fischer Ruhlin musste ich an den unglaublichen Hulk denken, wenn er wütend wird entwickelt er nahezu unbesiegbare Kräfte. Er ist ein Feuerblut, sehr selten und natürlich sehr wertvoll. Er gerät in Gefangenschaft und muss lernen, seine Kräfte zu kontrollieren, denn gefangen möchte er nicht bleiben.
Thera und Felnir sind Urenkel von Margnus Gruinskard, der einst Olversahl eroberte. Und Elvine ist die Tochter von Berrine Jurest, ebenfalls sehr belesen und schlau.
Interessant ist, dass alle vier Protagonisten während ihrer abenteuerlichen Erlebnisse neue Freunde finden, die sie unterstützen. Bei Ruhlin ist es vor allem Aleida, bei Thera ist es die mysteriöse Lynnea, die einen guten Draht zu Tieren hat. Felnir findet schließlich den äußerst seltsamen Wohtin, und Elvine lernt ihren Bruder kennen, der wie sie selbst ein Kind von Alwyn Scribe ist.
Felnir und Elvine entdecken die versteckten Gewölbe der Altvahr, den Göttern von Ascarlia. Dabei finden sie offenbar magische Artefakte, die im weiteren Verlauf der Geschichte sicher noch eine Rolle spielen werden.
Ein neuer Feind ist aufgetaucht, der Ascarlia erobern will: die Nihlvarianer. Sie kommen von jenseits der Feuerinseln und sind sehr zahlreich. Ruhlin macht als einer der Ersten ihre unangenehme Bekanntschaft. Theras Zukunft ist noch unklar, aber ich denke, sie wird weiterkämpfen. Felnir hat vom uralten Wohtin viel erfahren, was ihm in Zukunft sicher noch von Nutzen sein wird. Und Elvine wird vielleicht doch noch ihren Vater treffen, nachdem sie den schrecklichen Verrat einer Königin miterleben musste.
Hervorragend geschrieben und sehr spannend! Während der Pause bis zum zweiten Band der „Zeit des Zorns“ werde ich mir noch einmal die Trilogie vom „Stählernen Bund“ ansehen. Man kann natürlich diese Reihe auch lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Ist aber durchaus ein Vergnügen, wenn man sie trotzdem liest!





Rabenthron
von Rebecca Gablé
Es geschah vor rund tausend Jahren. England stand vor großen Umbrüchen. Die Dänen überfielen das Land, ein unfähiger König fand kein Mittel gegen die Eindringlinge. Ǣthelred zahlte ihnen hohen Tribut, den er vorher seinem unterdrückten Volk abgepresst hatte, damit die Überfälle aufhörten. Die Dänen nahmen das Geld, doch die Überfälle hörten nicht auf.
Als 1013 schließlich der Dänenführer Sven Gabelbart mit einer größeren Anzahl von Wikingern anrückte, konnte er den Thron relativ mühelos erobern, König Ǣthelred floh in die Normandie, die Heimat seiner jungen Frau Emma. Doch Gabelbart konnte sich an seinem Erfolg nicht lange erfreuen, er starb schon kurze Zeit nach seiner Thronbesteigung. Nach dänischer Sitte sollte sein Sohn Knut im nachfolgen. Aber die Engländer wollten lieber wieder einen englischen König, also holten sie Ǣthelred zurück und setzten ihn erneut ein. 1016 starb Ǣthelred, sein Sohn Edmund Eisenseite wurde sein Nachfolger. Der kämpfte gegen Knut, der immer noch am englischen Thron interessiert war, und er konnte sich zunächst behaupten. Allerdings wurde er kurze Zeit später brutal ermordet. Nun kam Knut, den man später zurecht „den Großen“ nannte, doch noch zu seinem Thron.
Soweit der historische Rahmen, in den Rebecca Gablé eine fiktive Geschichte einwebt. Dabei hält sie sich an die belegten Fakten der Geschichtsschreibung, auch im weiteren Verlauf bis hin zum Jahr 1041. Die fiktive Story beginnt in Helmsby 1013, als der Neffe des Thane gegen den Willen seines Onkels mit einem gefangenen Dänen nach Süden aufbricht, um seinen Gefangenen bei der Obrigkeit abzuliefern. Mehr zufällig landen die beiden, die inzwischen Freunde sind, beim englischen Königshaus und lernen Ǣthelred und seine Frau Emma kennen. Und so werden sie in die historischen Gegebenheiten mit hineingezogen. Es entstehen dramatische Verwicklungen, die für die Beteiligten nicht immer vorteilhaft sind.
Zu lesen ist von fabelhaften Abenteuern an Land und in der Luft, und von brutalen Morden, die tatsächlich so passiert sind. Es bleibt spannend bis fast zum Schluss des Buches. Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig und mitreißend, die einfühlsamen Darstellungen lassen das englische Mittelalter vor dem Auge des Lesers entstehen. Das kann Rebecca Gablé wirklich sehr gut.
Mit der fiktiven Geschichte konnte ich mich allerdings nicht so ganz anfreunden. Der Held, Ǣlfric of Helmsby, ist ein guter Mensch. Und ein guter Vater. Aber für meinen Geschmack ist er etwas zu gut. Das hätte ihn mehr als ein Mal beinahe sein Leben gekostet. Gerettet wird er fast nie durch sein eigenes Handeln, sondern durch das entschlossene Handeln anderer Personen. Aus meiner Sicht schwer nachvollziehbar, dass sich ein Mensch wirklich so verhalten würde.
Die historisch überlieferte Geschichte weist in diesem Buch noch eine weitere Person aus, die man durchaus auch als Heldin bezeichnen könnte. Das ist Emma von der Normandie, die einzige Frau der Geschichte, die mit zwei Königen verheiratet war und auch die Mutter zweier Könige war. Ihr wirklich nicht einfacher Weg in den Wirren jener Zeit wird von der Autorin gut dargestellt. Auch das Einweben der fiktiven Geschichte in die historischen Abläufe ist meiner Ansicht nach weitgehend gelungen.
Der Schluss kam mir dagegen etwas überstürzt vor. Warum Hardeknud seine Einstellung so plötzlich änderte und Edward als „Mitkönig“ willkommen hieß, wird nicht so richtig erklärt. Auf mich wirkte das so, als musste oder wollte die Autorin hier ganz schnell zum Ende kommen.
Das ausführliche Nachwort klärt wie gewohnt auf über die wahren und die fiktiven Geschehnisse.
„Rabenthron“ gehört zur Helmsby-Reihe und spielt zeitlich vor den beiden Nachfolgern „Das zweite Königreich“ und „Hiobs Brüder“.





Der Totengräber und die Pratermorde
von Oliver Pötzsch
Oliver Pötzsch führt den Leser nach Wien im Jahre 1896. Immer wieder tauchen neue Techniken auf, die Menschen sind erstaunt und verunsichert. Automobile, bewegte Bilder/Filmprojektoren, Krematorien, Fußball – all das neue Zeug, dass vielen Leuten in jenen Tagen noch suspekt ist. Und als ehemaliger Daktyloskop hat es mich als Leser sehr gefreut, den aufgeschlossenen Inspektor Leo bei der Arbeit mit Fingerabdrücken über die Schulter zu schauen. Das steckte natürlich alles noch in den Kinderschuhen, aber der Anfang war gemacht.
Der brutale Mord an der Assistentin des amerikanischen Zauberers führt Leo dann in die Abgründe des großen Vergnügungsviertels, des Wiener Prater. Julia, die bei der Zaubervorstellung im Zuschauerraum saß, konnte mit ihrem Artikel über das Geschehen großen Eindruck machen. Da in dieser Zeit aber auch junge Mädchen im Prater verschwinden, wendet sich die Reporterin dieser Angelegenheit zu. Sie ermittelt undercover, was nicht ganz ungefährlich ist.
Augustin hat zunächst ganz andere Sorgen. Betrügerischen Bestattungsunternehmern will er das Handwerk legen, doch seine größte Sorge gilt Anna. Das 15jährige Mädchen entfernt sich immer mehr von ihrem Ziehvater und treibt sich inzwischen sogar mit Jungs herum. Mit denen spielt sie Fußball, und das sogar ziemlich gut. Von diesem neumodischen Sport aus dem Ausland hält Augustin gar nichts. Anna fühlt sich zu dem Roten Emil hingezogen, was dem Totengräber überhaupt nicht gefällt.
So geht jeder zunächst seinen eigenen Weg, aber dieser Weg führt sie über ein paar Umwege auch wieder zusammen. Die Geschichte ist sehr spannend und auch dieses Mal wieder sehr gut geschrieben. Einen Hauptverdächtigen hatte ich zwar bald ausgemacht, aber die Zusammenhänge sind keineswegs vorhersehbar, und es gibt einige Überraschungen. Alte und neue Freundschaften, und sogar Leinkirchner zeigt sich mal von einer guten Seite.
Beste Unterhaltung und unbedingt lesenswert!
P.S.: Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen, der aber den Lesespaß nicht stört. Im Text steht:
„... Doch dann bog er in die Ausstellungsstraße ab, an deren ruhigerem Ende sich die sogenannte Praterwache befand.“
Wenn Leo aber der Ausstellungsstraße gefolgt wäre, dann wäre er am Ende in der Donau gelandet, nicht in der Praterwache. Die Praterwache befindet sich im weiteren Verlauf der Prater Allee, unweit vom Konstantinhügel, jedenfalls wenn man dem Stadtplan in der Innenseite des Buchdeckels glauben darf.
Sicher hat Leo seinen Irrtum bald bemerkt und ist zur Prater Allee gelaufen...





Das Erbe der Karolinger
von Claudius Crönert
Das Reich, das Karl der Große seinem Sohn Ludwig hinterließ, war riesig. Eine schwere Aufgabe für den jungen Kaiser, denn er musste die Grenzen gegen Feinde von außen absichern. Gegen Bretonen, Basken, Mauren, Pannonier und Wikinger, um nur einige zu nennen. Aber auch im Innern eines so großen Reiches verhalten sich nicht alle Grafen loyal, das muss der Regent ebenfalls in den Griff bekommen. Ludwig war gottesfürchtig und eher ein Mann des Friedens als des Kampfes. Doch er hatte auch schon einige Schlachten als Unterkönig in Aquitanien geschlagen. Würde er das große Reich behaupten können?
Der Roman umfasst die Regierungszeit von Kaiser Ludwig von 817 bis 840. Er orientiert sich überwiegend an den historisch belegten Daten, allerdings gibt es einige Abweichungen. Da es sich um einen Roman handelt, ist das sicher vertretbar. Größere Abweichungen zu den bisher bekannten Charaktereigenschaften gibt es bei einigen Personen, doch der Autor hat das ausdrücklich so gewollt. So ist die Figur der Judith, Ludwigs zweiter Ehefrau, sehr positiv dargestellt. Sie ist hier eine liebevolle Ehefrau und fürsorgliche Mutter, die um das Wohl ihrer Familie und des Reiches sehr besorgt ist. Sie und ihre Schwester Emma sind in dieser Geschichte starke Sympathieträger. Das gilt auch für den Freund Judiths, Bernhard von Septimanien, der loyal und freundschaftlich zu Judith und seinem Patenonkel Ludwig steht. In vielen anderen Darstellungen kommt er nicht so gut weg.
Claudius Crönert schildert sehr eindrucksvoll das Leben, so wie es damals gewesen sein könnte. Das hat mir gut gefallen, man bekommt eine Vorstellung von Land und Leuten im Mittelalter, was in vielen historischen Romanen nicht so gut beschrieben ist.
Im Grunde begegnen sich hier zwei Dynastien: die der Karolinger, die schon etwas länger besteht und mit Karl dem Großen zweifellos ihren Höhepunkt erreicht hatte, und die der Welfen, die hier ihren Anfang nahm.
Ludwig der Fromme hatte drei Söhne aus erster Ehe. Lothar, der Älteste, ist ein selbstherrlicher Machtmensch, der nach Erfolg und Ruhm strebt. Mit seiner Einstellung von unnachgiebiger Härte stand er oft gegen seinen Vater. Pippin und der junge Ludwig waren deutlich ruhiger und weniger entschlossen. Ludwig hatte seinen Ältesten früh zum Mitkaiser erhoben, Pippin regierte in Aquitanien und der junge Ludwig in Bayern. Als Kaiser sollte Lothar später die Oberhoheit über das gesamte Reich erhalten. So hoffte Ludwig, sein Reich als Ganzes erhalten zu können. Das änderte sich, als Ludwig nach dem Tod seiner ersten Frau erneut heiratete. Judith aus dem Haus der Welfen, sie bekam von Ludwig eine Tochter und einen Sohn. Karl der Kahle (weil zunächst noch ohne jede Option auf Land und Besitz) sollte nicht leer ausgehen, darauf legte Judith großen Wert. Und als Ludwig auf Judiths Drängen hin seinen Reichsteilungsplan änderte, fing der Ärger an.
Der Autor beschreibt sehr anschaulich die Konflikte zwischen dem Kaiser und seinen Söhnen. Ludwig ist auf die Unterstützung seiner Söhne angewiesen, und die wird ihm nicht immer gewährt. Lothar steht gegen seinen Vater, er versucht, die Macht selbst zu übernehmen. Dafür sucht er die Unterstützung seiner Brüder, die er aber nicht immer bekommt. Anders sieht es bei einigen Würdenträgern und Grafen im Reich aus, einige schlagen sich auf Lothars Seite. Ludwig muss um seine Stellung kämpfen, Judith steht treu an seiner Seite.
Der Roman ist eine interessante Geschichte aus dem Mittelalter, die auch einige spannende Wendungen enthält. Gut geschrieben und gut zu lesen. Mir erschienen einige Charaktere etwas weichgespült gegenüber den Schilderungen, die ich bisher kannte. Wir können natürlich nicht wirklich wissen, wie genau die Leute sich damals verhalten haben, insofern könnte man sagen, es hätte vielleicht auch so sein können wie Crönert es beschrieben hat. In Judiths Fall würde ich das gern glauben, im Fall von Bernhard von Septimanien kann ich es nicht glauben. Ebenso wenig bei Matfried von Orléans. Aber das ist natürlich rein subjektiv.
Insgesamt halte ich das Buch für lesenswert, es bietet Spannung und gute Unterhaltung.





Das kleine Café der zweiten Chancen
von Shiori Ota
Als leidenschaftlicher Kaffeetrinker haben mir natürlich die Ausführungen über das Getränk gut gefallen. Auch die Verweise auf einen meiner Lieblingsautoren, Michael Ende, haben mich gefreut. Allerdings weiß ich aus meiner eigenen Japan-Erfahrung, dass Kaffee dort nur sehr selten getrunken wird. Gut, es handelt sich ja auch um eine eher magische Einrichtung, in der man während der Zubereitung eines French Press für wenige Minuten in die Vergangenheit reisen kann, um eine Entscheidung, die man bereut, zu ändern. Das klappt für Himari leider nicht. Sie würde gern den Unfall vermeiden, durch den sie ihr Klavierspiel aufgeben musste. Aber sie gehört zu den sogenannten Zeitwächtern, die andere auf ihrer Rückkehr begleiten können, aber selbst ihre Vergangenheit nicht ändern können. Himari kann sich nur schwer damit abfinden, und sie greift auch direkt in die Vergangenheit anderer Menschen ein, obwohl sie das eigentlich nicht darf.
Wenn man sich auf die Geschichte einlässt, rührt sie den Leser manchmal zu Tränen (ging mir jedenfalls so), allerdings ist sie meiner Ansicht nach viel zu kurz gegriffen. Nicht nur Physiker sollten wissen, dass eine Änderung der Vergangenheit, selbst wenn es nur die eigene ist, unweigerlich Wirkungen auf andere Ereignisse hat, die unter Umständen gewaltig sein können. Im Buch wird das durch den Unfall von Himaris Freundin angedeutet. Zwar kann die Freundin dann gerettet werden, aber durch die veränderten Umstände trifft es nun zwei andere Menschen. Das war nur die unmittelbare Auswirkung der Veränderung. In der Folge könnte das noch viel gravierendere Auswirkungen haben. Die sehr kurze Geschichte hätte aus meiner Sicht länger sein müssen und noch viel mehr erklären sollen.
Die Charaktere sind gut beschrieben, man versteht das Dilemma der Personen, die etwas hätten anders machen wollen. Am Ende kann ich aus diesem Buch aber nur einen Schluss ziehen: wir müssen unser Leben so akzeptieren, wie es eben ist. Mit all seinen guten und auch all seinen schlechten Ereignissen, die wir im nachhinein nicht ändern können (und nicht ändern können sollten!).





Die steinerne Krone
von Michael Peinkofer
Die Geschichte beginnt mit einer Ausgrabung 1943 im Castel del Monte im Süden Italiens. Die Nazis haben einen Professor beauftragt, dort nach Artefakten zu suchen, die aus der Zeit Kaiser Friedrichs des Zweiten stammen könnten. Natürlich überwacht ein schneidiger Oberleutnant die Ausgrabungen, damit alles mit rechten Dingen zugeht.
Das Castel del Monte war nach Friedrichs Plänen erbaut worden, die Form war achteckig, mit acht Türmen an jeder Ecke. Friedrich galt als ein großer Herrscher, die Nazis wollten ihn für ihre Ideologie vereinnahmen, da könnten einige Fundstücke aus der Vergangenheit vielleicht hilfreich sein. Und tatsächlich wurde auch etwas gefunden. Ein paar Artefakte und eine Art Chronik, die Abschnitte aus dem Leben des Stauferkaisers enthielt.
Der Professor übersetzt die Schriftstücke für den Oberleutnant, und damit wird der Leser zurück ins Mittelalter geführt. Wichtige Episoden aus dem ereignisreichen Leben Friedrichs werden erzählt, der Autor lässt uns teilhaben an tatsächlichen und fiktiven Erlebnissen aus einer Zeit, die für uns heute kaum vorstellbar ist.
Viele Ereignisse sind geschichtsinteressierten Lesern vermutlich bekannt, doch es ist durchaus spannend, sie auf diese Weise geschildert zu bekommen. Auch die fiktiven Teile sind gut integriert, der Lesefluss wird nicht beeinträchtigt. Wer sich historisch nicht so gut auskennt, wird trotzdem gut unterhalten, und darauf kommt es bei einem Roman ja an. Im Nachwort nimmt der Autor dann Stellung zu Fakten und Fiktion, was ich sehr gut fand.
Meiner Ansicht nach ein gut geschriebenes Buch, welches das Interesse an jener schweren Zeit des Mittelalters wecken kann. Und ein Anstoß vielleicht, sich etwas intensiver mit unserer Vergangenheit zu befassen. Die Geschichte lehrt uns, das Vieles von dem, was wir heute bestaunen, auch damals schon vorhanden war, wenn auch in etwas anderer Gestalt. Fake-News sind keine Erfinung unserer Zeit, um nur ein Beispiel zu nennen.
Für mich eine lesenswerte Geschichte über den letzte großen Staufer und seine Zeit.





Schach-Euphorie
von Peter Doggers
Schach ist ein wunderbares Spiel, für diese Erkenntnis braucht man keine Bücher. Nur einen guten Gegner. Mit acht Jahren lernte ich das Spiel von meinem Großvater. Ich spielte schon lange vor 1972, aber nur auf privater Basis. 72 war ich mit einer Jugendgruppe in Spanien, ein Land, in dem die Schachbegeisterung noch größer war als in Deutschland. Und so kam es, dass wir oft vor einer Bar saßen und auf einem Schachbrett die WM-Partien zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski diskutierten. Mit spanischen Schachfans, deren Sprache wir nicht konnten, aber das Spiel überwand alle Grenzen.
Und hier beginnt Doggers sein Buch, bei der Würdigung dieses großen Spielers Bobby Fischer. Für mich ist er noch immer der GOAT, obwohl Kasparow und Carlsen da nicht viel nachstehen (Spasski sollte man dabei auch würdigen, aus meiner Sicht war er der sympathischste aller sowjetischen Weltmeister.).
Jedenfalls trat ich nach der WM 1972 in einen Schachklub ein und spielte unter anderem auch kleine regionale Turniere. Schachbegeistert war ich schon vorher, aber durch die WM und die Spiele von Bobby Fischer erhielt meine Begeisterung noch einmal einen Schub.
Im Schach war Fischer der beste Spieler seiner Zeit, aber leider forderte das seinen Preis. Das traurige Ende ist bekannt. Und falls nicht, kann man die Geschichte bei Doggers nachlesen.
Das Besondere an diesem Buch ist der Blick auf den Einfluss der neueren Entwicklungen. Große Spieler sind immer ein Magnet, aber Doggers beschreibt auch ausführlich die Entstehung von Internet-Schachseiten und Online-Schach. Wie kam es zu chess.com und lichess? Wie entwickelte sich das Schachspiel am Computer? Kann der Computer zum Betrug bei Turnieren benutzt werden?
Wie entstand und welche Rolle spielt das Streaming?
Die Skandale werden ebenso erwähnt wie die großen Momente. Und im Anhang findet sich eine kommentierte Auswahl von interessanten Schachpartien der Geschichte, die man durchaus nachspielen kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist informativ, lehrreich und gut zu lesen (auch für Nichtschachspieler).





In Zeiten des Todes
von Luca D'Andrea
Mit diesem Krimi konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Die Sprache hat mich nicht mitgenommen, Bulldoggen und Mastini sind nicht mein Ding. Auch die Geschichte an sich fand ich ziemlich verwirrend. Eine Prostituierte wird ermordet und die Polizei ermittelt. Weitere Tote folgen. Wer kämpft da genau gegen wen, und finden die Hauptkämpfe nicht unter den sogenannten „Guten“ statt? Die Guten sind überhaupt nicht gut, Machtkämpfe in der Questura und in der Zeitung nehmen einen großen Teil der Geschichte ein. Wer hat wen ermordet, und genau das wird auch am Schluss nicht so ganz klar. Für mich waren drei Viertel der Geschichte eher zäh zu lesen, im letzten Viertel kam dann doch noch Spannung auf, das Ende allerdings ließ noch Fragen offen. Die Geschichte hat mich nicht wirklich gefesselt, wie ich es eigentlich von einem guten Thriller erwarte.





Die unmöglichkeit des Lebens
von Matt Haig
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...“ Dieses Zitat von Hermann Hesse stammt zwar nicht aus „Siddartha“, aber es ist durchaus zutreffend für diese schöne Geschichte.
Grace führt in England ein normales, langweiliges Leben und ist selbst voller Schuldgefühle in Bezug auf den Tod ihres Sohnes. Eine alte Freundin, die sie allerdings kaum kennt, vermacht ihr völlig überraschend ein Haus auf Ibiza. Und Grace tut das, was man tun muss, wenn man neu anfangen will: sie verlässt ihr altes Leben und fliegt auf die Baleareninsel. Was sie dort erlebt ist zum Teil sehr spannend, zum Teil auch magisch. Man könnte sagen, Science Fiction trifft Krimi – allerdings sind die Übergänge fließend und durchaus mitreißend. Der „Zauber des Neuanfangs“ ist tatsächlich zauberhaft, sehr schön zu lesen und voller Magie, die vorhanden ist, auch wenn wir sie noch nicht ganz verstehen.
Mir hat diese Geschichte sehr gut gefallen, ich habe diesen Zauber tatsächlich selbst erlebt, wenn auch auf einer anderen Insel (im Atlantik) und mit ziemlich irdischen Protagonisten. Doch es gibt ihn wirklich, wenn man bereit ist, sein altes Leben hinter sich zu lassen und für Neues offen zu sein! Natürlich ist das Buch auch eine Liebeserklärung an die Insel Ibiza, wo der Autor lange Zeit gelebt hat. Vor langer Zeit war ich mal dort, als die meisten Touristen noch auf Mallorca blieben, und ich kann die Begeisterung für die Natur verstehen.
Angenehm zu lesen und sehr zu empfehlen!





Invictum
von Danielle Trussoni
Ein Wiedertreffen mit Mike Brink, dem besonders begabten Rätsellöser, der auch dieses Mal wieder vor einer sehr schwierigen Aufgabe steht: er soll in Japan die legendäre Drachenbox öffnen – ein Geheimkästchen, bei dem man nur durch Drücken, Schieben und Ziehen an verschiedenen Riegeln, Hebeln und Knöpfen an den wertvollen Inhalt kommen kann. Das Problem bei der Drachenbox: es sind sehr viele Aktionen dieser Art zu bewältigen, und ein Fehler kann tödlich sein. Wer es bisher versucht hat, weilt nicht mehr unter den Lebenden. Mike scheint der Einzige zu sein, der es möglicherweise schaffen könnte. Er wird unterstützt von Sakura (Kirschblüte), einer Japanerin mit guten Verbindungen zum Kaiserhaus, die ihn nach Japan holt und seine Neugier weckt. Aber er weiß nicht, ob er ihr wirklich trauen kann. Mike trifft auch den Tenno und seine Frau, ihnen gehört die Drachenbox. Er beginnt damit, die Rätsel zu entschlüsseln und merkt bald, wie gefährlich das ist. Auch andere Mächte sind am Inhalt der Box sehr interessiert. Man trifft auf alte Bekannte (aus der Geschichte des ersten Rätsels), und nicht alle sind gut...
Wieder eine spannende Geschichte um Mike Brink. Ich fand sie allerdings nicht so faszinierend wie das erste Rätsel. Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten, die Kapitel sind relativ kurz und gut zu lesen, allerdings empfand ich manche Stellen als etwas zu langatmig. Ein paar logische Merkwürdigkeiten fand ich auch, und am Ende hatte ich das Gefühl, dass da noch was kommen muss. Eine wichtige Aufgabe steht Mike ja noch bevor (die KI betreffend), das folgt sicher im nächsten Band.
Aus meiner Sicht sehr gut zu lesen, wenn auch nicht ganz so stark wie der erste Band.









