Kundenrezensionen von Petra Sch.





Kein Zurück
von Stephen King
Die Geschichte vereint zwei Einzel-Kriminalgeschichten, bei denen man sich zu Beginn fragt: warum hat der Autor diese beiden Geschichten in einem Buch zusammengefasst?
Denn einerseits ist da der "Stellvertretermörder", der unschuldige Menschen, stellvertretend für Jury, Richter und Staatsanwalt des Alan Duffrey-Prozesses, umbringt. Denn Duffrey wurde verurteilt und 3 Jahre später im Gefängnis ermordet, obwohl er immer seine Unschuld beteuert hat. Und vor einem Jahr sogar derjenige, der ihm gefälschte Beweismittel untergeschoben hat, aufgrund einer unheilbaren Krebserkrankung die Wahrheit gesagt und dem Staatsanwalt in einem Brief geschrieben hat.
Und dann ist da noch die feministische Rednerin Kate McKay, die sich dafür einsetzt, dass Abtreibung nicht verboten ist, die massiv bedroht wird. Und auf deren Assistentin sogar ein Anschlag verübt wurde, aufgrund einer Verwechslung.
Man denkt sich die ganze Zeit: warum diese beiden Geschichten? Wie hängt das zusammen? Zuerst in Form von Holly Gibney, eine Privatermittlerin, die als Personenschützerin für Kate McKay engagiert wurde und die mit Izzy Jaynes befreundet ist - jene Polizistin, die bei den Stellvertretermorden ermittelt.
Erst nach und nach decken sich die wahren Zusammenhänge auf.
Izzy fand ich anfangs eine starke Persönlichkeit, doch sie gerät mit der Zeit in den Hintergrund, denn Holly wird zum "Star". Sie wird nicht umsonst von Izzy "Sherlock Holmes" genannt, denn sie hat ein super Auffassungs- und Kombinationsgabe. Sie ermittelt nicht nur im Falle der Stalkerin von Kate, sondern denkt auch immer wieder über die Stellvertretermorde nach. Und SIE ist es, der einige Puzzlestücke auffallen. Nicht Izzy (oder anderen offiziellen Ermittlern - denn wie es so ist, streiten sich die Behörden darum, wer zuständig ist.)
Diese Geschichte ist der mittlerweile vierte Teil, in dem Holly eine (Haupt-)Rolle spielt. Ich kenne die anderen Bände nicht, aber das stört überhaupt nicht. Einiges wird erwähnt, sodass man Lust bekommt, das ein oder andere Buch noch zu lesen.
Die Auflösung gipfelt in einem fulminanten Showdown, der mir dann doch ein bisschen zu viel war.
Fazit:
Ich mag es, wie die anfangs scheinbar unzusammenhängenden Fälle dann zusammenlaufen und dass mit Holly eine taffe Protagonistin die Zügel in die Hand nimmt.





Der Club der Unbeugsamen
von Kathryn Stockett
Die Geschichte spielt von Juli bis Oktober 1933 in Oxford, Mississippi. Man liest abwechselnd aus Sicht der 24jährigen, unverheirateten Birdie Calhoun und der 11jährigen Meg Lafleur, die im Waisenhaus untergebracht ist.
Birdie lebt mit ihrer Mama und Meemaw im Delta, und besucht ihre Schwester Frances in Oxford, die dort mit ihrem wohlhabenden Ehemann und ihrer Schwiegermutter lebt, um sie um Geld anzubetteln.
Die soziale Darstellung der damaligen Zeit (Prohibition, niemand hat Geld, sehr viele Familien verlieren ihre Häuser, weil sie die Grundsteuer nicht mehr zahlen können, überall wird angeschrieben usw.) und die Stellung der Frau, sowie der POC, wird authentisch und eindrücklich dargestellt. Die ganze Geschichte hat so viel Lebendigkeit und Authentizität, man fühlt sich mitten in der damaligen Zeit in Mississippi. Auch die Ausdrucksweisen, Bezeichnungen unterstreichen dies. Besonders hat mir gefallen, dass die direkte Rede oft in Umgangssprache der niedrigeren Bildungsschichten verfasst war, das hat alles noch glaubwürdiger gemacht. Es war einfach alles so heuchlerisch zur damaligen Zeit, einfach nur schrecklich, und ich habe mit den Frauen (und Mädchen) so sehr mitgelitten. Auch wenn ich Birdie manchmal einfach hätte schütteln können: warum steht sie nicht für sich ein? Warum traut sie sich manche Dinge nicht? Aber so war es wohl damals...
Anfangs fragt man sich, warum genau diese beiden Menschen ihre Geschichte erzählen. Sie haben ja nichts gemein. Doch nach und nach ergeben sich Verknüpfungen, die mitreißend und emotional sind.
Meg ist so ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, das mit dem Verlust seiner Mutter nur schwer klarkommt. Denn ihre Mutter Charlie wollte nur kurz etwas einkaufen und ist nie wieder aufgetaucht. Und Meg versucht nun einfach, bestmöglich im Waisenhaus klar zu kommen. Was ihr dessen Leiterin jedoch nicht leicht macht.
Birdie ist so liebevoll und empathisch, sie versucht immer das Beste für alle. Auch für ihre Schwester Frances, die sich sehr oft wie ein richtiges Biest verhält, was ihr gar nicht auffällt. Manchmal hat sie aber auch liebevolle Seiten.
Und so überrascht es nicht, dass nach einer (für mich nicht ganz so überraschenden) schicksalhaften Wendung viel Kreativität und Courage gefragt ist, für die Umsetzung einer gefährlichen Idee, um das Leben wieder in halbwegs geordnete Bahnen zu lenken - und dabei hat Birdie unerwartete Hilfe. Es war einfach sooo lustig zu lesen, als die Mieterinnen im Haus eingezogen sind!
Ich fand es etwas befremdlich, dass bei so einem Buch - wo man ja anhand der Inhaltsangabe genau weiß, worum es geht - in heutigen Zeiten trotzdem eine editorische Notiz abgedruckt werden muss, in der vermerkt ist, dass die an manchen Stellen vorkommende rassistische und diskriminierende Sprache nur der korrekten historischen Darstellung des Alltagsrassismus zur damaligen Zeit in den USA geschuldet ist - das sollte ja wohl selbstverständlich sein, da die Geschichte nunmal in den 1930ern spielt und es damals eben genau so war.
Und ich bin einfach nur begeistert von dieser mitreißenden und bewegenden Geschichte der beiden mutigen Frauen, die authentisch die Gesellschaftsstruktur der 1930er in Mississippi, die riesengroße Schere zwischen Arm und reich, weiß und farbig, Männern und Frauen, wiedergibt.
Fazit:
Eine authentische, mitreißende und emotionale Darstellung der sozialen Gefüge im Mississippi der 30er, als Frauen kaum Rechte hatten und alles einfach nur heuchlerisch war. Mit zwei wahnsinnig sympathischen, empathischen und mutigen Protagonistinnen.





Licht ins Dunkel
von Steffen Gumpert
Rupert ist ein Außenseiter. Seine Familie ist im Kammerjäger-Business, sein Vater vor einiger Zeit verschwunden - und am nervigsten ist, dass er Geister sieht. Was ihm niemand glaubt.
Eines Tages macht er sich mit seinem Kater Igor auf die Suche nach seinem Vater, denn er hat Hinweise erhalten.
Es macht Spaß, Rupert kennenzulernen. Er ist etwas eigen, aber sehr sympathisch und steht zu seiner Gabe. Die Geister helfen ihm auch. Es gibt witzige Augenblicke, und dann gruselt man sich wieder.
Die Hinweise, die Rupert erhält, lassen die jungen Leser/innen mit ihm gemeinsam miträtseln. Es gibt Fehlersuchbilder, Buchstabenrätsel, Labyrinthe und vieles mehr.
Die Comic Bilder sind ansprechend, und für den Grusel-Effekt in gedeckten, eher dunklen Farben, gehalten. Manchmal finde ich es jedoch zu düster.
Fazit:
Abenteuer, Humor und Grusel: ein mitmach-Comic mit einem sympathischen Protagonisten und jeder Menge Rätsel.





Noch fünf Tage
von Helena Falke
Eigentlich sollte es ein unvergesslicher Silvesterabend für die schwerreiche Familie Harman am Davoser Familiensitz werden. Immerhin hat die Privatköchin Lis Castrop, die mit ihrer 12-jährigen Tochter Cosima bei den Familie lebt, ein perfektes Menü kreiert.
Doch es kommt zur Katastrophe: das Ehepaar Harmann und die beiden Kinder sterben in der Nacht - es befand sich Gift im Menü. Lis, die einzige andere Person im Haus zur Tatzeit, ist auch vergiftet, hat aber noch fünf Tage zu leben. Somit ist sie Opfer und Zeugin zugleich. Und wird logischerweise zur Verdächtigen, immerhin ist sie die einzige (noch) Überlebende.
Um ihre Tochter Cosima zu schützen, will sie den Mord unbedingt aufklären, bevor die fünf Tage um sind: ein tödlicher Countdown.
Die Geschichte wird aus Sicht von Lis in ich-Form erzählt, somit kann man sich gut in sie hineinversetzen.
Man lernt auch ihre Vergangenheit kennen und wie sie zur Starköchin aufgestiegen ist und wie sie zur Familie Harmann gekommen ist.
Manchmal fragt man sich, wie diese Dinge mit den aktuellen Ereignissen zusammenhängen, doch nach und nach klärt sich alles auf. Lis Überlegungen und Ermittlungen hab ich mit Spannung verfolgt, und man bekommt einige Täter serviert.
Ich war über die Auflösung, auch wenn mir bald klar wurde, wer es war, doch über das warum sehr überrascht. Und habe tief in die Abgründe menschlich-charakterlichen Abschaums geblickt.
Und die Art, wie das Gift ins Essen gekommen ist, war richtig perfide.
Dieser Teil hat mir gut gefallen, weniger gut, weil unglaubwürdig, fand ich Lis' persönlichen Countdown - sie hat die Minuten bis zu ihrem Tod gezählt. Sooo genau kann man das doch gar nicht vorhersagen!?
Und ihr Verhalten ihrer Tochter gegenüber fand ich nicht gut. Bzw. nicht fair, indem sie ihr den Tod verschwiegen hat.
Fazit:
"Noch fünf Tage" ist mal ein ganz anderer Thriller: Lis, die ein sterbendes Opfer ist, hilft, ihren Mord aufzuklären. Leider konnte mich der Charakter der Protagonistin nicht mitreißen.





Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln
von Florian Schwiecker
Sonntag, 12. April, 16:05 Uhr. Für einige Sekunden fällt in Berlin das Navigationssystem aus, was fast zu einem schrecklichen Unfall geführt hätte. Dahinter steckt die Terrorgruppe "Timeout", die die EU erpressen will mit der Drohung, dass sie noch mehr Schaden anrichten kann, denn sie haben sich ins Galileo-Satellitensystem gehackt.
Lukas Philips und die Ermittler von CSA5, einer geheimen Spezialeinheit gegen Cyberterrorismus, stoßen an ihre Grenzen.
Doch sie haben Glück: Charlotte (Charlie) Engel, eine der besten Programmiererinnen, hat sich privat auf die Suche nach dem Navi-Fehler gemacht, denn sie war unmittelbar davon betroffen. Und findet dabei mehr heraus, als die Behörde. Klar, dass sie engagiert wird und bald in Gefahr gerät.
Die Protagonistin Charlie ist ein IT-Genie. Und trotz ihrer leichten sozialen Probleme schließt man sie sofort ins Herz. Sie ist sympathisch, authentisch und herzensgut. Manchmal aber auch etwas naiv.
Ihre selbst entwickelte KI namens KIM kommt - natürlich unerlaubt - auch zum Einsatz.
Hier merkt man, wie hilfreich KI sein kann, denn KIM ist natürlich zigmal schneller als die besten Hacker.
Ich fand auch die politischen Verstrickungen sehr spannend zu verfolgen, wie es möglich sein kann, dass die EU erpresst wird, und welche Mechanismen und Behörden zur Bekämpfung eingeschalten werden.
Sämtliche handelnden Personen polarisieren und man rätselt mit Charlie und Lukas mit, wer wohl dahinterstecken könnte.
Auch die Ermittlungsarbeit ist sehr authentisch dargestellt, nur bei den IT/KI-Dingen fand ich (als Laie) einiges etwas zweifelhaft.
Doch auch wenn manches sehr unglaubwürdig erscheint, ist es doch in diesen Zeiten, wo KI immer mehr überhand nimmt, aktueller denn je und ja - es könnte möglich sein. Diesen Hintergedanken hat man immer wieder und dadurch ist es so beklemmend und angsteinflößend.
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf den nächsten Fall von Charlie und KIM (und hoffentlich auch Lukas, denn zu Dritt sind sie ein super Team)!
Fazit:
Reihenauftakt: brandaktueller KI-Thriller, der umso beängstigender ist, als dass die Bedrohung von Cyberterroristen mittels KI in diesen Zeiten sehr realitätsnah ist. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall der sympathischen Programmiererin Charlie und ihrer Künstlichen Intelligenz KIM.





Bachelorette Party
von Camilla Sten
Mai 2012: eine Gruppe von vier Freundinnen befindet sich zum jährlichen Treffen auf der kleinen, privaten schwedischen Schäreninsel "Isle Blind", doch alle vier verschwinden spurlos.
Zehn Jahre später: Tessa nimmt nur ungern an der Junggesellinnenabschiedsfeier ihrer ehemaligen Freundin Anneliese teil, mit der sie schon länger kaum mehr Kontakt mehr hat.
Doch Tessa hat nur zugesagt, weil die JGA in einem neuen, exklusiven und noch nicht offiziell eröffneten Yoga Retreat stattfindet - welches sich auf Isle Blind befindet! Und der Cold Case der vor 10 Jahren verschwundenen Frauen geht ihr nicht aus dem Kopf, daher will sie unbedingt auf diese Insel und nimmt, fast schon widerwillig, an der Bachelorette Party teil.
Der Prolog mit den Geschehnissen aus 2012 hat mich richtig mitgerissen. Man kann sich in die vier Frauen hineinversetzen, und man fiebert mit ihnen mit.
Die Geschehnisse im April 2022 konnten mich hingegen nicht so fesseln, auch nicht bis zum Schluss. Die Frauen haben sich teilweise unlogisch verhalten und keine der Charaktere spricht mich wirklich an.
Und zu Tessas großem Geheimnis gibt es leider immer nur kurze Andeutungen, aber nichts Greifbares. So etwas mag ich leider gar nicht so gerne. Noch dazu, wenn sich dann herausstellt, dass das Ganze überdramatisiert wurde. Ich konnte wirklich nicht nachvollziehen, warum alle Tessa so herablassend behandelt haben; wie wenn sie eine Schwerstkriminelle wäre oder so. Diese "Freundschaften" fühlten sich einfach nur falsch an.
Dann ist da noch Tessas wahnsinnige Angst, die absolut nicht nachvollziehbar ist. Ja, vor 10 Jahren sind vier junge Frauen (von dieser Insel) verschwunden, mutmaßlich ermordet. Doch warum hat Tessa so wahnsinnige Angst; Todesangst? Außer, dass eine der damals Verschwundenen vor vielen Jahren mal bei ihr und ihrer Schwester gebabysittet hat, hat sie doch keinerlei Verbindung zu ihr oder einer der anderen Frauen. Und was glaubt sie, nach 10 Jahren noch zu finden; noch dazu, wo erst kurz zuvor eine Baustelle auf der Insel war.
Auch gibt sich Tessa zuerst extrem mutig, dann zeigt sie ein egoistisches überängstliches Verhalten; das passt nicht zusammen.
Leider gibt es auch viel langatmiges Füllmaterial (Infos zu Yoga, das Partyleben der Mädels bzw. deren sexuelle Ausschweifungen), was gerne hätte eingekürzt werden können.
Einen Teil der Auflösung konnte ich bald enträtseln, der Rest hat mich zwar überrascht, konnte aber auch nicht überzeugen.
Fazit:
Eine gute Plotidee, die mich leider nur teilweise mit den Geschehnissen aus 2012 überzeugen konnten. Im Jahr 2022 gab es zu viele Unstimmigkeiten.





Home Before Dark
von Eva Björg Ægisdóttir
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: einerseits im November 1967, als die 15-jährige Stina auf dem Heimweg von Freunden im ländlichen Island verschwindet - zurück bleibt nur ihre blutige Jacke.
Und dann 10 Jahre später, als Stinas um zwei Jahre jüngere Schwester Marsibil wieder in ihr Heimatdorf zu ihren Eltern anlässlich Stinas verschwinden zurückkehrt. Doch ihr lässt es immer noch keine Ruhe, und sie beginnt zu recherchieren. Denn sie hat immer noch Schuldgefühle - sie hatte vor 10 Jahren einen Brieffreund, mit dem sie sich genau an jenem Ort treffen wollte, an dem Stina verschwunden ist.
Beide Zeiten werden aus den unterschiedlichen Perspektiven der beiden Schwestern in ich-Sicht erzählt, sodass sich die Geschehnisse nach und nach aufdecken.
Mir haben besonders die Ermittlungen von Marsi im Jahr 1977 gefallen, man konnte sich gut in sie einfühlen.
Die typische Nordic Noir Atmosphäre kommt toll rüber, es ist alle so düster und trostlos; und dann spielt es auch noch im Winter.
Auch die psychischen Probleme von Marsi tragen dazu bei, denn sie ist sich oft nicht sicher, was tatsächlich passiert ist, und was sie nur geträumt hat. Das fühlt sich sehr beklemmend an.
Die sozialen Gefüge der damaligen Zeit sind authentisch dargestellt - was man (v.a. als junges Mädchen) alles nicht durfte; man musste den Schein nach Außen wahren; und man hat nicht offen über alles gesprochen, auch innerhalb der Familie nicht. Und diese Geheimnisse haben, wie so oft, zu Fehlentscheidungen geführt.
Die Auflösung hat mich leider nicht so ganz zufriedengestellt. Einen Teil konnte ich sehr bald erahnen, andere Dinge haben mich überrascht - aber das Motiv konnte ich nicht so wirklich nachvollziehen.
Fazit:
Nordic Noir Psychothriller mit düsterer Atmosphäre, man fiebert mit Marsi mit. Die Auflösung hat mich leider nicht so ganz zufriedengestellt.





Mord ist die beste Beseitigung
von Volker Klüpfel
Ich bin wieder super reingekommen in die Welt von Tommi und Svetlana.
Und was soll ich sagen: die 50-jährige Svetlana ist immer noch eine Wucht! Ich liebe ihren trockenen Humor und ihr Ermittlergen samt guter Kombinationsgabe.
Und Tommi, 32, dagegen ist immer noch tollpatschig-naiv. ihn könnte ich ständig schütteln. Aber gemeinsam sind sie halt noch unterhaltsamer!
Und auch dass Herr Kleinschmidt wieder mit dabei ist, macht die Sache humorig. Wobei ich fast entsetzt war, dass dieser leichte empathische Züge bekommen hat.
Der Fall selbst ist auch sehr mysteriös! Wohin ist die Frau im blauen Audi verschwunden, die über einen Reiseruf (das Wort hatte ich übrigens noch nie gehört) im Radio gesucht wurde? (war aber auch ein seeeehr großer Zufall, dass Tommi und Svetlana genau DANN an dem Audi vorbeikamen...)
Dann gibt es noch den Ehemann, der sich zwar seltsam und auffällig verhält, aber man fragt sich, ob er tatsächlich etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hat. Und lebt sie überhaupt noch? - Man rätselt mit Tommi und Svetlana mit, wobei Tommi diesmal erstaunlich viel zur Lösung beizutragen hat.
Die Auflösung, wer die Bösewichte sind und wer die treibende Kraft dahinter ist, hat mich überrascht.
Leider fand ich einiges unglaubwürdig (zB, wie sich Tommi befreit hat usw), und auch der Showdown war ein bisschen zu viel, finde ich. Aber auch irgendwie zu kurz. Kaum hat er begonnen, war auch schon alles vorbei.
Jetzt bin ich schon neugierig, ob Tommi vielleicht von Autor auf Privatdetektiv umsattelt? Svetlana wäre da sicher sofort dabei. SIE will ja immerhin ständig ermitteln ;)
Autor ist ja nicht wirklich seins, wenn ihm nie eine gute Geschichte einfällt.
Jedenfalls hab ich nach dem Ende große Hoffnung, dass Tommi nun doch ENDLICH mal ein Buch fertig schreibt! Und vielleicht ist das ja auch der Stoff für den neuen Fall des Ermittlerduos Tommi&Svetlana.
Fazit:
Ein verpeilter und chaotischer Schriftsteller mit Schreibblockade und eine ukrainische Putzfrau, die ständig Sprichwörter durcheinander bringt, ermitteln in ihrem zweiten Fall zu einer auf der Autobahnraststätte verschwundenen Frau. Wieder eine humorvolle Unterhaltung, die Lust auf mehr macht!





Zelten mit Juli
von Petra Eimer
Im 7. Band der Juli-Reihe geht es auf Klassenfahrt - und zwar ALLE der tierischen Sechs fahren mit! (jaaa, auch die Ponys) :D
Es ist wieder so schön, auf die Freunde zu treffen - Paul, der die Geschichte aus seiner Sicht in ich-Form erzählt, seine Nachbarin Anna und sein Freund Max.
Und der tierische Teil der Bande sind Pauls Pony Juli, ihr Fohlen Juno (das jetzt Anna gehört), und Max' Hund Watson.
Alle Charaktere werden zu Beginn vorgestellt, sodass auch neue Leser leicht in die Geschichte finden; und Geschehnisse aus einigen Vorgängerbänden werden immer wieder kurz erwähnt, sodass man Lust bekommt, diese zu lesen.
Klassenfahrt (und Zelten) ist ein Thema, das viele Kids betrifft. Schön ist, dass die Schultiere hier auch mitfahren dürfen. Dass dabei Chaos vorprogrammiert ist, ist ja klar.
Die Freude wird jedoch sofort getrübt, denn im Camp der guten Hoffnung wird von den Leitern Annika und Thomas erstmal eine elendslange Liste an Regeln (und Verboten) vorgelesen. Und das Schlimmste: schwimmen im See ist verboten, denn darin sowie am Strand befinden sich aus unerfindlichen Gründen Unmengen an Plastikmüll. Und im Camp wird doch überall auf Plastik verzichtet?!
Klar, dass die Bande selbst auf Verbrecherjagd gehen muss, denn schließlich soll die Klassenfahrt toll werden!
Ich fand es sehr gut gelungen, wie das wichtige Thema Umweltschutz umgesetzt wurde - gerade Thomas und Annika, die immer mit dem Finger zeigen und als unsympathische Menschen polarisieren, regen zum Diskutieren und Nachdenken an. Auch wichtige Regeln für das Zelten werden so spielerisch nähergebracht.
Weitere zentrale Themen sind Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme und Zusammenhalt.
Die Auflösung war übrigens toll, und trotz einiger Hinweise lag ich falsch ;)
Die farbenfrohen Illustrationen sind wieder wundervoll, ich finde sie ganz großartig! Diesmal sind sie noch detaillierter, teilweise wie ein Wimmelbild.
Der Text im Comic-Stil animiert zum (weiter-)lesen.
Fazit:
Ein aufregendes 7. Abenteuer der Tierischen Sechs, das wichtige Umweltschutz-Themen mit einem spannenden Krimi vereint.





Ich, die ich Männer nicht kannte
von Jacqueline Harpman
3,5 Sterne
Die ich-Erzählerin ist eine junge, namenlose Frau, die etwas sarkastisch über ihr Leben berichtet.
Sie kennt nichts anderes als den Käfig, denn sie ist mit 39 anderen Frauen eingesperrt, ohne Tageslicht. Bewacht von Männern, die nicht mit ihnen sprechen.
Bis eines Tages ein Alarm losgeht und die Männer verschwinden. Da die Käfigtür nicht verschlossen ist, wagen es die Frauen, rauszugehen. Doch draußen ist alles ganz anders, als sie es sich vorgestellt hatten bzw. aus ihrer Erinnerung kannten.
Die Geschichte ist einzigartig. Einerseits hat es mich ganz verrückt gemacht, dass man nichts erfährt! Und mir gingen beim Hören soo viele warum-Fragen durch den Kopf! Warum und seit wann sind die Frauen eingesperrt; warum genau 40; warum nur 1 ganz junges Mädchen, während alle anderen schon erwachsen waren, als sie eingesperrt wurden; warum werden sie ständig von Wärtern bewacht; warum sprechen diese Wärter nichts; warum dürfen sich die Frauen nicht anfassen, und WARUM gibt man ihnen nichts zu tun? Es erscheint somit ganz logisch, dass die sich selbst umbringen wollen - die müssen ja eingehen vor Langeweile! Ein bisschen kochen, Zöpfe flechten, Kleidung flicken. Und reden, aber da auch nicht zu viel. Nicht einmal Bewegung ist möglich, denn der Käfig muss ja extrem klein sein, wenn die Peitsche der Wärter überall hin kommt. SCHRECKLICH dieser Gedanke. Also WARUM werden die Frauen unter diese unmenschlichen Bedingungen am Leben erhalten?
Andererseits ist genau DAS das Stilmittel der Geschichte - man weiß nur genauso viel (oder eher wenig) wie die Frauen selbst. Echt gut gemacht!
Trotzdem finde ich einige Dinge unglaubwürdig: warum haben die älteren Frauen dem jungen Mädchen keinen Namen gegeben? Bzw. warum hat es sich nicht selbst einen ausgesucht. Wenn alle einen Namen haben, wähle ich doch für mich selbst auch einen, wenn es schon die anderen nicht machen. Und warum erklären sie dem Mädchen nicht die Dinge von draußen? Immerhin reden sie selbst miteinander ja ständig über ihr Leben von früher.
Die dystopische, beklemmende Atmosphäre ist sehr bedrückend und deprimierend. Die eingesperrten Frauen tun einem sehr leid; sie haben ja NICHTS. Sie bekommen zwar Lebensmittel, um zu kochen, aber für geistige und körperliche Beschäftigung und emotionale ... ist nicht gesorgt. Sie haben kaum Platz, nichts zu lesen, zu schreiben; ja nicht einmal einen Spiegel.
Die Charaktere der Frauen kommen eigentlich erst so richtig raus, als sie "in Freiheit" sind, zuvor war es für mich so ein Einheitsbrei. Nur die ich-Erzählerin lernt man genauer kennen. Sie ist sehr abgestumpft und emotionslos, erst später entwickelt sie Neugierde.
Es gibt leider einige unlogische Stellen, zB dass sie sich selbst anhand der gefundenen Bücher lesen beibringt (obwohl sie zuvor nur vor vielen Jahren mal Buchstaben im Staub gezeigt bekommen hat). Auch, dass nach all den Jahre (etwa 50) überall noch Strom vorhanden ist und die Nahrungsmittel (Fleisch und Gemüse) noch nicht verdorben sind. Und auch, wenn die Frauen nicht wissen, wo sie sind und herumspekulieren - warum gibt es Pflanzen, aber keine Tiere?
Und noch mehr Fragen über die Käfige, den Grund für das Eingesperrtsein, das Desinteresse der Wärter und vieles mehr.
Man bleibt - ebenso wie die Erzählerin - bis zum Schluss im Ungewissen, was mich normalerweise fertig macht, hier aber als Stilmittel gut passt, weil es eben genau dem entspricht, wie es die Protagonistin wahr nimmt. Dass man am Schluss jedoch keine einzige Antwort erhält, ist dann aber doch deprimierend.
Die Sprecherin Vera Teltz kenne ich bereits von Filmsynchronisationen und ich finde, sie hat einen tollen Job gemacht. Man glaubt wirklich, die Protagonistin erzählt ihre Geschichte, denn ihre Stimme ist genau eintönig und emotionslos, wie man vom Verhalten der ich-Erzählerin erwartet.
Fazit:
Eine wirklich interessante, dystopische, atmosphärische und bedrückende Geschichte. Man fiebert mit, aber erhält leider keine einzige Antwort auf die vielen, vielen Fragen.









