Kundenrezensionen von Danislesestube





Schw̶einwerfer in der M̶Nacht
von Anke Höhl-Kayser; Lorenzo Maxwell; Michael Feldhofer; R. F. Krammer; Thomas Heidemann; Paul Liedvogel; Kiàn KoWananga; Carolin Lüders; Charline Winter; Susanne Bonn; Lina Sienemann; Katharina Kanzan; T. S. Orgel; Ivan Ertlov; Frederik Elting
Rechtschreibfehler sind menschlich und passieren sogar Autoren, die mit scheiden, ähm schreiben, ihr Geld verdienen. Anstatt die Fehler nach dem Löschen zu vergessen und in Zukunft etwas mehr darauf zu achten, keine mehr zu machen, dachten sich die Schreiberlinge samt Herausgeberin dieser Anthologie (vermutlich): „Hey, warum keine Geschichten um diese Fehler bauen? Könnte unterhaltsam sein.“
Spoiler: Ja, die Idee ging auf. Aber was erwartet euch in dieser Anthologie, die von Wortwitzen, absichtlichen Fehlern und chaotischen Zuständen so trieft? Das wird doch irgendwann so witzig wie ein Blondinenwitz, oder?
Sagen wir so. Die Handlung ohne Rechtscheibfehler oder Wortverwehungen klingt ja erst einmal recht unaufgerehgt. Mal soll ein Urwerk repariert werden, dann eine Stadt planiert oder ein Angriff mittels einer Clownkrieger durchgeführt werden. Wären da nicht diese kleinen Tippfehder, die alles etwas kuhmplizierter machen, als es ist. Wie sehr verdreht sich eine Geschichte, wenn statt eines Feinstaubfilters ein Feenstaubfilter eingesetzt wird?
Da tun sich ganz neue Welten auf, sag’ ich euch. Hätte man eine „nicht lachen“ Challenge gemacht, hätte ich relativ schnell aufgegeben. Glücklicherweise haben sich die Schreiberlinge nicht nur an plumpen Wortspielen bedient, bei manchen war es erst auf den zweiten Blick ersichtlich, was ursprünglich gemeint war, denn die Geschichte wurde nicht nur auf beide Versionen angepasst, sondern lies diese plötzlich in einem ganz anderen Licht stehen. Ein bestimmter „Fürchtetee“ zum Bleistift war so ein Fall, bei dem ich zuerst dachte, „aaah ja. Okay. “ nur um dann zu „Ist das geil. “ umzuschwenken. Etwas Gesellschaftskritik ist natürlich auch mit dabei, ebenso etwas Diversität, was man bei dem Verlag ohnehin erwartet.
Und sonst so? Gibt es etwas zum Kleckern? Hab ich etwas Falz in der Kuppe gefunden, über das ich mich aufregen könnte? Nö. Wirklich nicht. Das war eine sehr unterhaltsame Anthologie, die eine Banalität einmal quer durch alle Genres gepflogen hat. Sehr lesenswert, sofern ihr etwas resistenter gegen Tehler seid.





Velvet-Dilogie 1: Velvet Falls, but the Gods forgot to die
von Julia Dippel
Dieses Buch habe ich bei der „Seitenweise Herzklopfen“ Veranstaltung der Tyrolia nach der Lesung von Julia Dippel gekauft. Optisch sah es interessant aus, der Klappentext versprach in meiner Version nicht viel, aber spätestens bei der Lesung hatte ich Bock bekommen, es lesen zu wollen. Und nun? Hat es sich gelohnt? Mal schauen.
Velvet ist glücklicherweise keine Protagonistin, die einfach so mit göttlicher Macht oder vom Glück gesegnet wurde, sondern ihre Kräfte auf eine andere tragischere Art bekommen hat. Dieses Schlüsselereignis wird uns lange vorbehalten, nur um am Ende mit einem Knall enthüllt zu werden. Sie selbst ist eher bissiger und verschlossener Natur. Wer kann es ihr verübeln? Spätestens als sie sich an ihren Ex wenden muss, um ihren Auftrag zu erfüllen, ist ihre Laune so richtig im Keller. Und ja, diese zieht sich, ähnlich wie ihr Drang nach Essen und Geschlechtsverkehr, durch die gesamte Handlung.
Velvet hatte aber zu meiner Freude noch etwas mehr als nur das zu bieten. Ihr Ex-Freund spielt, wie könnte es anders sein, natürlich auch eine Hauptrolle. Kash ist gut aussehend, mächtig, der Fels in der Brandung (was für ein A…loch eine seltsam positive Eigenschaft ist) und hat sehr viele Mittel, um Velvets Auftrag zu erfüllen. Während der Handlung kommen natürlich auch ein paar Nebencharaktere dazu, die alle ihren Teil zum Fortlaufen der Handlung beitragen. Nicht mehr und nicht weniger. Was gut ist, denn die Welt der Götter und Widersacher braucht Platz, um sich entfalten zu können. Soweit so spannend.
Garniert wird das Ganze noch von den Visionen, die Velvets Geist regelmäßig heimsuchen. Was vielleicht daran liegt, dass in ihr ein böser Dämon sein Unwesen treibt und ihr ihre Kräfte verleiht. Ein Nebencharakter, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist Monty. Ein von einem Dämon besessener Körperteil. Klingt seltsam, ist aber so. Und vor allem eines: Richtig witzig. Das vor sich hin wabernde Geschöpf brachte mich regelmäßig zum Lachen und lockerte die Handlung auf, die sich stellenweise fast zu ernst nahm. Vor allem die Jagd nach Trigger, einer Identität, von der keiner wissen darf, die aber schnell abgefrühstückt wurde. Die Leerläufe wurden durch ihn zum Glück auch recht gut überspielt, denn teilweise passierte nicht wirklich viel in den einzelnen Kapiteln. Gelegentlich gab es ein Liebesdrama, mal wurde mehr und dann noch mehr der Akt der Liebe vollzogen, aber sonst? Ach ja, die Bösewichte hätte ich fast vergessen. Sie waren da, hatten Böses im Sinn und waren nicht so wirklich glaubwürdig. Warum wollten diese noch einmal die Götter auslöschen, wenn die Gefahr bestand, dabei selbst draufzugehen? Keine Ahnung. Zu viele Fragen sollte man da nicht stellen. Der Showdown war schnell und hart, genauso wie ….. nein aus Pfui.
Grundsätzlich mochte ich das Buch. Es hat mich gut unterhalten. Liefert das was es soll. Eventuell schaue ich mir Teil zwei an.





Die Housesitterin - Ein Traum von einem Job. Oder?
von Emily Rudolf
Es gibt Bücher, die mich auf Anhieb begeistern können, dann gibt es welche, die ziemlich schnell bei mir durchfallen. „Die Auszeit“ und „Das Dinner“ haben mir wirklich gut gefallen. Etwas anderer Ansatz. Charaktere mit viel Substanz und eine Handlungshergang der nicht einfach zu durchschauen gewesen ist. Insgesamt zwei sehr gelungene Thriller von Emily Rudolf. Dann gibt es „Die Housesitterin“, ein Buch, bei dem ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ab wann es mich endgültig verloren hat. Also: Wo fange ich da nur an?
Am besten bei der Grundidee. Cecilia arbeitet als Housesitterin (passt in der Abwesenheit der Bewohner auf das Haus auf) in einer Villa der Familie Waldner. Nicht zufällig, wie wir später erfahren. Unsere Protagonistin hat offenbar einiges an Vorarbeit geleistet, um so weit zu kommen. Aber warum? Um Johannes Waldner näherzukommen. Auch das ist kein Zufall, wie wir recht früh im Buch erfahren, oder wer zwischen den Zeilen des Klappentextes lesen kann, findet es auch so heraus. Prinzipiell bin ich voll fein mit der Idee. Hat recht viel Potenzial für eine interessante Umgebung. Am Anfang der Handlung, nach einem vielsagenden Prolog, wird auch angedeutet, dass wir uns auf Spannung freuen können. Nur um dann eine Vollbremsung zu machen, um erst einmal zu erläutern, wer Johannes ist, was er getan hat (auch hier lohnt sich ein Blick in den Klappentext). Ab diesem Moment begann meine Vorfreude zu bröckeln. Okay. Ich habe also erfahren, was Cecilia womöglich im Schilde führt. Dass Johannes sein dunkles Geheimnis hat. Worauf soll ich mich noch freuen, wenn ich ohnehin schon weiß, wie der Hase läuft? Richtig. WIE ist das alles eigentlich passiert. Ja, cool, rein ins Geschehen.
Zuvor lernen wir noch unsere beiden Protagonisten, deren Perspektive wir abwechselnd erleben, und die Nebencharaktere kennen. Zwei davon kann man aus offensichtlichen Gründen direkt aussortieren. Einer ist interessant und sorgte mit seinem Verhalten für etwas mehr Zündstoff, den das Buch definitiv nötig hatte. Denn Cecilia und Johannes sind unglaublich langweilige Charaktere. Von Grund auf unsympathisch, auch wenn mir die Handlung weiß machen wollte, dass ich schon irgendwie Mitgefühl empfinden sollte. Immerhin mussten beide durch eine schlimme Zeit durch. Aber nein, dieses Gefühl haben sie sich beide zerstört. Zum einen, weil Cecilia keine wirklichen Stärken hatte, Schwächen dafür einige. Johannes fiel bei mir direkt durch. So oft wie bei der Knalltüte das Wort f….. fiel ist nicht mehr normal. Genauso wie seine Gedankenwelt und sein Verhalten. Cecilia hatte offenbar Tomaten auf den Augen, aber wie bereits erwähnt, hat sie sich nicht einfach so in ihn verliebt. Und wie sieht es mit dem Zündstoff-Nebencharakter aus? Er war der Einzige, dem ich sein Verhalten abgekauft habe. Und die beiden anderen Charaktere? Die eine war nur da, um die schlechte Seite des einen Charakters zu zeigen und die andere ….. war existent. Yay.
Der Schreibstil ist für mich das einzig Positive an dem Buch. Der Rest, puh, nein, nicht mein Fall. Von einem Thriller erwarte ich Spannung, Wendungen, unvorhergesehene Entwicklungen und kein Liebes- und Familiendrama.





Diener des Ordens
von C. Gina Riot
Lange bin ich um das Buch herumgeschlichen. Jetzt liegt es endlich vor mir. Hat es sich gelohnt. Ja, ABER …
Am Anfang der Handlung hat die Autorin sehr viele Informationen über die Charaktere, Ortschaften, Praktiken und und und hineingepackt. Das könnte Leser etwas überfordern. Ich empfand es persönlich als gut dosiert, so hatte die Handlung mehr Platz, um sich entfalten zu können. Und hat sie das? Ja. Denn dieses Buch ordnet sich nicht einfach so im Dark Fantasy Bereich ein. Hier wird geopfert, gemeuchelt und sehr viel Blut in sämtliche Himmelsrichtungen verteilt. Klar. Die Charaktere gehen auch nicht einfach mal eben spazieren. Apropos Charaktere.
Diese haben sich zu meiner Freude im Laufe der Handlung gut weiterentwickelt. Sie wurden erfahrener und vielschichtiger. Es gab auch eine politische Ebene, die recht gut in die Handlung gepasst hat und viele Ereignisse, mit denen man als Leser großteils zu tun hat, ausgelöst hat. Intrigen, Lügen und Gewalt inklusive. Die Beschreibungen der Ortschaften, Tätigkeiten der Charaktere, Gegenstände und der Umgebung allgemein haben mir durchgehend gut gefallen. Sich das Ganze bildlich vorzustellen, war gar kein Problem.
Kritik gibt es bei mir unter anderem beim Ende. Das war seltsam ruhig und nicht wirklich befriedigend. Außerdem wurde mit dem Zweigesicht erstaunlich wenig gemacht. Schade. Offenbar reichte dessen Existenz aus, um was genau damit zu machen? Ich habe mir längere Zeit den Kopf darüber zerbrochen. Die Art und Weise, wie es entstanden ist, wurde wiederum super umgesetzt.
Am Ende haben wir hier, trotz Kritik, einen soliden Dark Fantasy Roman, den sich Fans des Genres anschauen sollten.





Das Signal
von Ursula Poznanski
Info vorweg: Die eBook Version habe ich von der Plattform NetGalley erhalten. ????
Wie lange ist es jetzt her, seit ich ein Buch von Ursula Poznanski gelesen habe? Zu lange. Dementsprechend zögerte ich nicht lange, als ich es auf NetGalley gesehen habe. Viola steht nun aus Gründen nicht mehr mit beiden Beinen im Leben. Ein Unfall, dessen Ursache zu Beginn sehr viele Fragen aufwirft, beschädigte eines ihrer Beine so stark, dass dieses amputiert werden musste. Was macht man also Zuhause, wenn man sich nicht groß bewegen kann? Richtig. Nach und nach Tracker verteilen, um zu schauen, was die lieben Mitmenschen, darunter der Ehemann, den ganzen Tag so treiben. Was zunächst eine Vorsichtsmaßnahme ist, stellt sich später als intelligent heraus, da vor allem das Verhalten von Adam verdächtig ist. Nicht nur im Umgang mit seiner Frau, sondern auch seine Abweichungen von seinen Erzählungen. Was wird Viola entdecken, wenn sie ihm weiter hinterherspioniert?
Viola als Protagonistin hat super funktioniert. Sie verfällt nicht dauerhaft in Trauer oder Hilflosigkeit. Von Anfang an hat sie das vermeintliche Ruder in der Hand. Aufgrund der eingeschränkten Umgebung, sie kommt außer vor dem Haus nicht wirklich herum, dennoch bleiben ihre Passagen das ganze Buch über spannend, da es irgendwie immer etwas Neues zu entdecken gibt. Sie stellt sehr vieles infrage, manchmal könnte man meinen, sie sei gerade zu süchtig danach, mehr über ihren Mann und den Verbleib der verteilten Tracker herauszufinden. Andererseits, was soll sie außer der Spiegeltherapie und schlafen auch sonst machen? (Aus dem Fenster schauen, ein Buch lesen, so normale Dinge. ???? ) Aber wie schon erwähnt, ihre Beharrlichkeit und Neugier sollen sich auszahlen, denn Adam ist nicht nur aus reiner Selbstlosigkeit um seine Frau besorgt. Auch die Pflegerin, welcher man nicht im Dunkeln begegnen möchte, ist ihr nicht geheuer. Die Charaktere inklusive ihrer Freundinnen, welche ebenfalls eine größere Rolle spielen, können wir beruhigt abhaken. Die Tatsache, dass Adam von Anfang an verdächtig ohne Ende war, lassen wir jetzt einfach mal so stehen. War ja klar. ????
Und sonst so? Die Handlung langweilte mich zu keinem Zeitpunkt. Diese war immer spannend und trumpfte in regelmäßigen Abständen mit neuen Informationen und Wendungen auf. Das bereits in mehreren Kapiteln zuvor angedeutete Ende hat mir gut gefallen. Was ich erwähnen möchte, ist, wie nah sich die Autorin an der Realität gehalten und keinen realitätsfernen Twist eingebaut hat, bloß um die Spannung zu erhöhen. (Ja, Sebastian Fitzek, ich meine dich) Kann dieses Buch definitiv weiterempfehlen. Und nein, auch mit Erbsen zählen und Haar in der Suppe suchen steht das Buch bei mir nicht schlechter da. ????





Shape Me
von Melanie Vogltanz
Heute habe ich für euch ein weiteres Mitbringsel von der VIECC. Dieses Buch ist mir beim Stand der sympathischen Autorin Melanie Vogltanz direkt ins Auge gefallen. Nicht nur, weil das Lesezeichen ein Maßband ist, was perfekt zum Thema des Buches passt, sondern auch weil das Cover sehr nach Science-Fiction aussah. Was neben Fantasy und Thriller zu meinem liebsten Genre gehört. Außerdem bin ich ein Fan von Büchern, in denen Körpertausch thematisiert wird. Die Zeichen standen also gut, dass mir „Shape Me“ gefallen könnte. Oder?
Abnehmen ist in der Welt von Body Sharing Technologie nur noch eine Unterschrift entfernt. Wozu sich selbst mit Diäten und Sport quälen, wenn eine andere Person diesen Job für einen übernehmen kann? Wenn wir den psychologischen Aspekt und den mangelnden Lerneffekt vorerst ausklammern, klingt das nach einer tollen Sache. Vor allem, wenn die Gesellschaft darauf abzielt, dass jeder Mensch einen Traumkörper hat und dieser zu mehr Erfolg im Leben verhilft. (und Geld) Soweit so gut. Was kann da nur schiefgehen?
Nun. So einiges, wie der Fall von Nena Jean beweist. Von einem Tag auf den anderen ist sie ihren Körper los. Einfach so ist es jemandem gelungen, das Gerät, welches den Körpertausch einleitet, zu stehlen und sich in Nenas Wohnung zu schleichen. Natürlich kann man sich jetzt die Frage stellen, warum man den Dieb nicht tracken kann, immerhin hat jeder Mensch einen Chip eingepflanzt bekommen, der das möglich macht. Daran hat der Dieb natürlich gedacht. Da hilft es auch nicht, dass man eventuell darüber hätte nachdenken sollen, dass EIN Gerät eventuell zu wenig ist, dafür dass Body Sharing ein Geschäft ist. Während Nena ihrem Körper zunächst nachtrauert, sich anschließend auf die Suche nach Hinweisen begibt, verfolgen wir eine Trainerin (Ein Mensch, der mit Kunden Körper tauscht) welche spätestens nach dem Diebstahl des Gerätes ein mieses Gefühl hat, auf ihrem Weg durch die Geschichte. Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Nach einer kurzen Einleitung geht es auch schon spannend los. Die Autorin verschwendet nicht viel Zeit und wirft uns in die fast schon dystopische Welt, in der dicke Menschen das Nachsehen haben. Gerade Nenas Passagen haben mir ausgezeichnet gefallen. Ihre Machtlosigkeit, ihr Gerechtigkeitssinn und Beharrlichkeit gefielen mir. Auch die Trainerin hat ähnliche Charakterzüge spendiert bekommen, nur hat diese aufgrund ihrer Position eine etwas andere Sichtweise, was für Abwechslung gesorgt hat. Apropos Abwechslung. Davon gibt es genug. Vor allem haben wir auch Einblick in die Gedankenwelt des Diebes bekommen. Eines stand recht schnell fest, rein für Macht und Geld wurde diese Aktion nicht ausgeführt. Was mal etwas anderes ist! Bis zum Ende wurden nur kleine Hinweise gestreut, aber nicht ganz offenbart, wer dahintersteckt. Sehr gut, so knallte das Ende umso mehr rein.
Dieses wurde zum Glück nicht zu dramatisch gestaltet. Konsequenzen gab es natürlich für alle Beteiligten. Ein Happy End gibt es nicht. Wie auch, wenn Menschen mehr und mehr begreifen, was hinter den Kulissen eigentlich abgeht. Glücklicherweise wurde es nie zu politisch. Stellenweise gab es auch schockierende Momente, welche das Problem des Systems noch etwas mehr betonten.
Und sonst so? Die Charaktere wurden insgesamt gut ausgearbeitet und zeigten mehrere Facetten, was sie lebendiger und interessanter machte. Die Körpertausch-Thematik bleibt im Fokus der Geschichte und verlor sich zum Glück nicht im Sand, weil irgendetwas dazwischenkam. Insgesamt ein super interessanter Science-Fiction-Roman mit sehr viel Tiefe und Abwechslung. Definitiv einen Blick wert.





Fallen Angels, Rising Demons - Der Wettstreit
von Katharina V. Haderer
Von Katharina V. Haderer habe ich zuletzt „Das Hotel“ gelesen, ein großartiges Buch voller Spannung und Twists. Daher habe ich, als ich „Fallen Angels, Rising Demons – Der Wettstreit“ auf der VIECC gesehen, nicht lange gezögert und es mitgenommen. Urban Fantasy, der zwischen Himmel & Hölle, vermischt mit etwas Romantik, damit konnte ich bisher immer etwas anfangen. Daher müsste dieses Buch ja ein Volltreffer gewesen sein, oder? Schauen wir uns das Ganze mal an.
Von außen sehen wir ein wunderschönes Cover, welches perfekt zur Handlung passt. Nicht generisches, einfach ein kleines Kunstwerk. Mag ich sehr. Wobei man sagen muss, dass der Titel das Ende etwas andeutet. Aber nun gut, das muss ja nichts heißen. ????
Der Anfang des Buches wurde von der Autorin recht kompakt gestaltet. Engel macht Puff auf der Erde. Ihm wird abermals sein Ziel eingetrichtert und schlussendlich zu einem vollwertigen Menschen zusammengezimmert. Oder wie es im Buch so schön geschrieben steht: Seine engelsgleichen und geschlechtslosen Züge werden in eine andere Dimension gezeichnet. Was übrig bleibt, ist von einem Menschen, in diesem Falle vom Typ Mann, nicht mehr zu unterscheiden. Lazael, so der Name unseres Protagonisten, muss sich nicht nur mit seinem Ziel, sondern auch mit den dazu gewonnenen Sinnen und Gedanken befassen. Engel sind sowohl körperlich als auch gedanklich komplett anders als von Gefühlen getriebenen Menschen. Zum Glück muss er da nicht alleine durch. Die beiden Künstler, sein Engelsbruder und die teuflische Haushälterin, stehen ihm zur Seite. Bis hierhin haben wir einen grundsoliden Aufbau vor uns.
Jedoch wankt Lazael immer mehr in seiner Überzeugung, je weiter die Handlung voranschreitet. Gut und Böse verschwimmen immer mehr, genauso wie sein eigentliches Ziel. Als Mensch hat er weit weniger Kontrolle über sein Handeln als in seiner Engelsgestalt. Apropos verschwimmen. Sein Ziel namens Eva ist leider etwas blass geraten. Sie ist da, vorhanden. Wirkt aber mehr wie eine Zielscheibe als ein Mensch, auch wenn sie ihre wenigen Glanzmomente hat. Dem Gegenspieler wurde zum Glück etwas mehr Liebe geschenkt als Eva, aber viel zu bieten, außer böse dreinzuschauen, hatte er bedauerlicherweise auch nicht. Lazael hingegen gewinnt immer mehr an Fahrt, je weiter er den Weg der Sünde, ich meine natürlich des göttlichen Herren geht. ^^ Sein Engelsbruder ist genau der nervige Charakter, den die Autorin im Sinn hatte, als sie ihn geschrieben hat. Manchmal jedoch hat er maßlos übertrieben. Aber das gehörte vermutlich einfach dazu. Die beiden Künstler wiederum habe ich richtig ins Herz geschlossen. Die Haushälterin hat mir von ihrer Entwicklung am besten gefallen, sie trägt auch sehr stark zum Ende des Buches bei.
Dieses wurde zwar sehr rasch eingeläutet, hat aber einen entsprechenden Eindruck und WOW-Moment bei mir hinterlassen. Ich frage mich, was ein möglicher Nachfolger für mich bereithalten könnte. Die Handlung ganz allgemein hat mir gut gefallen, es habe gefühlvolle Momente, etwas Spannung und natürlich knallte es vereinzelt. Stellenweise gab es ein paar Leerläufe, die mich aber nicht groß gestört haben.
Insgesamt ein guter Fantasy, der Fans des Konzeptes des Buches durchaus begeistern könnte.





PRISM
von Katherina Ushachov
Dieses Buch habe ich mit einem anderen Buch zusammen vom ohneohren Verlag im E-Book Format erhalten. Vielen Dank an dieser Stelle. Meine Meinung wird davon wie immer nicht beeinflusst. Wenn es etwas zum Meckern gibt, dann ist das eben so. ????
Menschen und Zukunftstechnik sind vor allem in Filmen nicht selten eine eher ungünstige Kombination. Was mit einer kleinen Idee beginnt, entwickelt sich oft in eine schräge und ethisch fragwürdige Richtung. Der Grundgedanke ist ja oft, der Menschheit einen Gefallen zu tun. Aber zu welchem Preis? Hier bekommen wir es beispielsweise mit PRISM zu tun. Damit soll es möglich sein, Menschen nach ihrem Tod beispielsweise zu den Umständen ihres Ablebens befragen zu können. Zum Verbrechen aufzuklären sicher eine feine Sache. Einfach den toten Körper an einen Computer anstecken, den Verstand hochladen und auf geht es. Die Oberfläche wird im Buch z. B. mit einem Point & Click Adventure (kennt das noch jemand von meinen jüngeren Lesern?) verglichen. Pixelmatsch und etwas Hilflosigkeit inklusive. Was kann da bloß schiefgehen? Etwa Missbrauch? Nein. Also wirklich. ????
Wir begleiten die Charaktere Penelope, Sofie und Kader, welche mit dem Projekt PRISM vertraut sind, damit zu arbeiten und im besten Fall weiterzuentwickeln. Deren Alltag las sich spannend. Mögliche Risiken wurden erwähnt. Genauso wie Bedenken, ob man das Richtige tut. Immerhin lässt man eine tote Person ihren Tod in der Theorie noch einmal erleben. Zumindest gedanklich. Denn, ob die Person bzw. der Verstand, der ja eigentlich nur ein Abbild der zuvor noch lebenden Person ist, wirklich in dieser digitalen Welt „lebt“ kann man durchaus hinterfragen.
Das Protagonisten-Trio hat mir gut gefallen. Drei unterschiedliche Charaktere, die in dieser kurzen Zeit mit dem Roman sehr viele Facetten gezeigt haben. Selbstverständlich wurde hier, wie im Klappentext angedeutet, mit einer Prise Queerness und als Garnitur Diversität gewürzt. Bin froh, dass aus der Beziehung der drei kein großes Drama gemacht wurde. Es ist, wie es ist. Punkt. Danke. Zwischendurch gab es rasante Momente, aber insgesamt tuckert die Geschichte eher gemütlich vor sich hin.
Viel spannender war, wie sich PRISM weiterentwickelt hat und was damit möglich ist. Es wurde von der Autorin ausreichend Infos hinzugefügt, dass man sich etwas darunter vorstellen kann. Drumherum schmiegt sich eine spannende Geschichte, die relativ abrupt endete. So 30, 40 Seiten mehr hätten der Geschichte gut getan. Aber insgesamt bin ich zufrieden.





Knochenblumen welken nicht
von Eleanor Bardilac
Heute habe ich ein weiteres Buch für euch, welches ich von der VIECC mitgenommen habe. Ich wollte schon seit Längerem ein Buch von Eleanor Bardilac lesen und habe nun endlich diesen Schritt gewagt. Von Außen betrachtet ist es wirklich hübsch. Nicht übertrieben, wirkt recht düster. (Passend zu Handlung) Aber wie sieht es innen aus? Hat es sich gelohnt, das Buch zu lesen? Schauen wir uns das wie immer im Detail an.
Aurelia, unsere Protagonistin, verfügt über eine magische Begabung, was an sich super ist, jedoch in ihrer Umgebung nicht gerne gesehen wird. In der Stadt Vhindona ist man viel mehr auf geschickte Erfinder und reiche Händler stolz. Durch Zufall ergibt es sich, dass sie von dem mächtigen Nekromanten Marius Cinna als Schülerin zugeteilt wird. So beginnt eine spannende Geschichte zweier spannender Charaktere. Einer davon trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, welches erst am Ende gelüftet wird. Vorher dürften wir Aurelia bei ihrem Lernprozess und Alltag mit ihrem Lehrmeister begleiten. Glücklicherweise trifft sie auch auf andere Mitmenschen bzw. Wesen, die meistens recht freundlich und vor allem sehr hilfreich sind. Was fehlt noch? Richtig, eine spannende Handlung.
Spätestens hier könnten sich die Geister scheiden. Die meiste Zeit über ist die Geschichte recht gemächlich. Aurelia und Marius werden kaum aus ihrem gewohnten Alltag gerissen. Was einerseits gut ist, so lernen sich die beiden und wir sie besser kennen. Andererseits humpelt alles andere vor sich hin. Auch wenn recht früh angedeutet wird, welcher der Charaktere am Ende „böse“ ist, passiert bis zum Ende nicht wahnsinnig viel. Interessant fand ich vor allem die titelgebenden Knochenblumen, schon toll, was sich die Autorin da ausgedacht hat. Der Einbau von Diversität und den flexiblen Geschlechterrollen verlieh der Handlung etwas mehr Flexibilität. Schön, das in dieser unaufdringlichen Form zu lesen. Das hilft leider alles nichts, denn die Handlung ist, wie schon erwähnt, sehr gemächlich am Weg. Es kann also passieren, dass man sich beim Lesen etwas langweilt. Nicht viel, aber die Tendenz ist da. Ich musste recht viele Pausen einlegen, weil es mir sonst zu eintönig wurde.
Insgesamt ein spannendes Buch mit interessanten Charakteren und einem guten Ende. Jedoch mit Schwächen.





Die Grenze der Dunkelheit
von Michael Hirtzy
Heute habe ich wieder ein ganz besonders düsteres und spannendes Buch für euch. Ich lese Bücher aus dem Science-Fiction-Genre sehr gerne. Das kommt unter anderem von meiner Vorliebe für Filme zustande. Daher freute ich mich sehr, dass ich dieses Buch auf der Vienna Comic Con beim Stand von Michael Hirtzy, den ich bereits von einer anderen Buchmesse kannte, entdeckt habe. Optisch ist es wirklich schön. Passt auch super zur Handlung.
Diese ist recht einfach erklärt. Der Jungfernflug des Forschungskreuzers Koukishin scheitert und das Schiff geht verloren. Jahre später, auf der Suche nach einem Hinweis, dass das Schiff noch existiert, bricht eine kleine Crew auf, dieses zu bergen. Die Hoffnung auf Überlebende ist gering. Nach 40 Jahren ist das ja auch kein Wunder. Viel spannender ist die Frage, was die Mannschaft des Rettungsschiffes vorfinden wird? Ein verwaistes, nahezu verfallenes Schiff mit ein paar Skeletten an Bord?
Der erste Teil der Frage ist fast korrekt. Beim zweiten Teil reicht nicht einmal die Fantasie eines größenwahnsinnigen Wissenschaftlers aus, um die Gefahr zu beschreiben, die dort auf unser Bergungsteam wartet. Spätestens bei der ersten Begegnung mit der Bedrohung musste ich direkt an einen alten Film namens „Virus – Schiff ohne Wiederkehr“ denken. Natürlich könnte man auch Filme wie Alien, Event Horizon und Das Ding aus einer anderen Welt als Beispiel für diese Handlung nehmen. Fakt ist, euch erwartet eine rasante, gruselige, klaustrophobische, verstörende, hoffnungslose und extrem spannende Handlung. Dennoch habe ich mir sehr viel Zeit mit dem Buch gelassen (mein einziger Vorsatz für 2026), um es vollends genießen zu können und nichts zu verpassen oder zu überlesen. Die Charakterentwicklung können wir recht schnell abhaken. Jedes Mitglied der Crew dachte, die Lage unter Kontrolle zu haben, bis sich diese recht schnell in Luft auflöste, bzw. in dem Wesen, welches sie auf dem verschollenen Schiff traf. Wenn ihr Probleme mit Blut, Verstümmelung, psychische Leiden und Verlust habt, könnte das Buch zu viel für euch sein. Jedoch ist es genau das, was ich bei diesem Buch erwartet habe. Eine Bedrohung aus dem Weltraum, aus einer anderen Dimension (scheinbar) geht meistens nicht lächelnd mit ausgestreckter Hand auf euch zu, um Hallo zu sagen. Diese reißt euch selbigen ab und verprügelt euch damit.
Und sonst so? Natürlich könnte ich mich fragen, warum man nur eine Handvoll Experten auf diese Mission geschickt hat, obwohl es sehr verdächtig ist, dass Jahre später ein einst verschollenes Schiff wieder auftaucht und brav darauf wartet, besucht zu werden. Warum wurde ein anderes Rettungsteam nicht stutzig, als es kein Signal mehr von diesem Team bekam und dementsprechend sofort aufbrach, anstatt zu warten? Alles wichtige Fragen. ABER hier geht es nicht darum, eine unfassbar realistische Geschichte zu erzählen und mit Fakten um sich zu werfen. Ich wurde gut unterhalten und würde gerne mehr Bücher aus diesem Universum lesen.









