Kundenrezensionen
Maxie Bantleon aus der Tyrolia-Filiale in Innsbruck
empfiehlt:
Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Wie die Hecke ins Dorf gekommen ist, weiß niemand. Vielleicht war auch zuerst die Hecke da, und erst dann das Dorf? Oder hat man die Hecke zum Schutz vor dem ewigen Wind gepflanzt oder als Sichtschutz? Aber welchen Blick soll die Hecke verbergen, den Blick nach draußen ins Umland oder den Blick von dort ins Dorf?
Und wann ist ein Dorf ein Dorf? Braucht es dazu einen Bahnhof, einen Dorfladen, eine Schule?
All diese Fragen stellen sich auch Pina und Lobo; sie sind die einzigen Kinder und gehören zu den „Hoffnungsträgern“ im Dorf, das sehr darauf bedacht ist, den beiden die Zukunft schönzureden („Euer Wachstum ist unser Wachstum“), dabei aber ganz und gar dem Stillstand unterworfen ist. Während das Dorf schrumpft und im Verschwinden begriffen ist, schrumpfen auch die beiden Kinder, zumindest wachsen sie nicht mehr, und das schon seit über zwei Jahren.
Die Hecke hingegen wächst beständig und bringt die Touristen heran, die das Riesengewächs bestaunen und fotografieren. Sollte eines Tages auch die Hecke schrumpfen, dann ist endgültig Schluss, darin sind sich alle einig.
Pinas Mutter hat es schon immer gestört, dass aus dem Dorf nur die Dorfstraße herausführt und kein anderer Weg; irgendwann hat sie es nicht mehr ausgehalten und lebt jetzt schon lange auf einem Forschungsschiff in der Arktis. Dort sammelt sie Sedimentproben, um daraus Informationen über das Schmelzen der Gletscher und die Veränderungen des Klimas herauszulesen.
In unregelmäßigen Abständen telefonieren Mutter und Tochter, aber die Verbindung über die Tiefseekabel ist oft so schlecht, dass sie einander nicht hören, und dann lauschen die beiden auf das Nichts.
Da wie dort sind die Spezialisten am Werk – in der Arktis tummeln sich Wissenschaftler und Forschende aller Art, biegen auf Booten in Buchten ein, sammeln Proben, vermessen das Eis – im Dorf sind es die zwei Kinder, die vermessen werden, und die Hecke, deren Wachstum exakt dokumentiert wird.
„Hinter der Hecke die Welt“ ist ein wundersames, kleines Buch über Einsamkeit und Veränderung, über Orte, die von den Landkarten verschwinden, und über die Vergänglichkeit der Dinge. Und über die Sehnsucht nach einem anderen Menschen, der so weit weg ist, dass man sich die Welt als einen einzigen Ort wünscht, so dass man zusammen sein kann, und sich nicht nur die Liebe als einen Raum denken muss, der in der Vorstellung unendlich groß ist.
evaki
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Gianna Molinari legt uns mit ihrer "Hinter der Hecke die Welt" eine Fülle von Wahrheiten vor die Füße, die es verdienen, sich ausgiebig damit zu beschäftigen. Da gibt es Dora, Mutter und Meeresforscherin auf einem Forschungsschiff in der Arktis mit ihren Kollegen und sehr vielen interessanten und wissenswerten Angaben zum Klimawandel und der dortigen Flora und Fauna auf der einen Seite.
Während auf der anderen Seite in einem kleinen Weiler ihre Tochter Pina mit Vater und wenigen Dorfbewohnern leben. Das Dorf wird von einer immer schneller wachsenden und undurchdringbaren Hecke dominiert und gleichzeitig von der Tatsache, dass die beiden Kinder Pina und ihr Freund Lobo nicht mehr wachsen.
Einzige Verbindung erfolgt über Tiefseekabel und der heutigen Technik, um sich Nachrichten zu senden und auszutauschen.
So erfährt man parallel aus diesen völlig unterschiedlichen Lebensräumen in kurzen Kapiteln mit klarer Sprache, doch mit sehr viel Stoff zum Nachdenken.
Es liest sich flüssig und hält einen doch auf Trapp, wenn man mehr Details wissen will und weiter Quellenangaben sucht. Ein anspruchsvolles, schlaues Buch mit langem Nachgang!
Euphoric
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Das Buch 'Hinter der Hecke die Welt' entfaltet eine faszinierende Erzählung aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. In einer Seite der Geschichte wird das Schicksal eines Dorfes mit einer ungewöhnlich großen Hecke geschildert, die um ihre Existenz kämpft und die Furcht vor dem Verschwinden des Dorfes hegt. In diesem Kontext begegnen wir den beiden Kindern Pina und Lobo, die auf mysteriöse Weise aufgehört haben zu wachsen.
Die zweite Erzählstrang dreht sich um Pinas Mutter, eine Forscherin, die in der Arktis tätig ist. Diese Geschichte trägt zur Tiefe des Buches bei und verwebt sich geschickt mit der ersten Erzählung. Die Autorin versteht es meisterhaft, die Verbindung zwischen diesen scheinbar unabhängigen Geschichten herzustellen und damit ein komplexes Bild von Zusammenhängen und Abhängigkeiten zu zeichnen.
Das Buch berührt vielfältige Themen, darunter Wünsche, Erwartungen und die Bewältigung von Herausforderungen. Es widmet sich sensiblen Problematiken wie dem Aussterben der Arktis, dem demografischen Wandel und der Suburbanisierung. Durch die Vielzahl an aufgeworfenen Fragen lädt das Buch die Leserinnen und Leser dazu ein, intensiv über die behandelten Themen nachzudenken und eigene Interpretationen zu entwickeln.
Die Schönheit dieses Werkes liegt nicht nur in seiner tiefsinnigen Erzählung, sondern auch in der Art und Weise, wie es die Lesenden dazu anregt, über die vielschichtigen Aspekte unserer Welt nachzudenken. 'Hinter der Hecke die Welt' bietet keine einfachen Antworten, sondern ermutigt dazu, sich mit den komplexen Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Eine beeindruckende Lektüre, die zum Nachdenken anregt und lange in Erinnerung bleibt.
Krani
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Dies ist der zweite Roman von Gianna Molinari, die für ihren Erstling mehrere Preise gewonnen hat.
Hier geht es um eine Arktisforscherin, die ihre Arbeit beschreibt, und um deren Tochter, die in einem kleinen Dorf bei ihrem Vater lebt. Dieses Dorf hat nur noch sehr wenige Einwohner. Die einzigen beiden Kinder dort haben aufgehört, zu wachsen. Wissenschaftler machen regelmäßig Aufzeichnungen darüber.
Viel passiert nicht in dieser Geschichte. Es wird beobachtet und aufgezeichnet, so wie die Wissenschaft das mit sonderbaren Phänomenen immer macht. Das Dorf scheint zu „verschwinden“, und die wenigen Dorfbewohner sträuben sich mit allen Mitteln dagegen. Es gibt ein Museum, eine Pension, und als Attraktion gibt es diese Hecke. Ein Bus bringt regelmäßig Touristen. Währenddessen schildert die Arktisforscherin, wie in Eisbohrkernen Geschehnisse aus vielen hunderttausend Jahren zu finden sind.
Bildreich meditiert das Buch über Zeit und Vergänglichkeit. Am Rande entstehen einige überraschende Erkenntnisse.
Frechdachs
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Der aktuelle Roman "Hinter der Hecke die Welt" von Gianna Molinari spielt in zwei sehr unterschiedlichen Welten.
Auf der einen Seite ein Dorf, das von einer Hecke geprägt ist bzw. förmlich eingenommen wird und sich eher auf dem absteigenden Ast befindet. Der andere Erzählsprung dreht sich rund um die Meeresforscherin Dora, die in der Arktis ihrer Arbeit nachgeht.
Die Szenerien könnten selbst nicht unterschiedlicher sein. Dort im Dorf der langsame Niedergang der Zivilisation und in der Arktis die Forscherin, die möglichst neue Erkenntnisse gewinnen möchte.
Von der Stilistik her gefällt mir das Buch durchweg gut und vor allem die bildhafte Sprache brachte bei mir das Kopfkino sehr schnell zum Rattern.
Einzig alleine fehlte mir persönlich durch die Kürze des Buches die jeweilige Bindung zu den einzelnen Charakteren. Insbesondere im Erzählsprung rund um das Dorf mit Hecke bleibt für mich sehr vieles leider nur angedeutet und im Ungefähren.
Mein Favorit ist ganz klar der Erzählstrang rund um die Forscherin. Dieser ist für mich insgesamt sehr viel greifbarer und enthält sehr viel Wissenswertes rund um das Thema Klimawandel und dessen Folgen in Bezug auf das maritime Ökosystem.
Summa summarum ein Roman, der mich leider nicht komplett überzeugen konnte, aber sicher noch lange nachwirken wird. Nach meiner Meinung ist hier auf alle Fälle eine Parabel auf unsere Zeit versteckt, die ich beim ersten Mal nicht komplett durchdrungen habe.
marianna_thielsch@gmx.de
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Von Pina und Lobo hängt das Dorf ab, denn ihr Wachstum ist das Wachstum des Dorfes. Doch sie wachsen nicht und das Dorf verschwindet. Währenddessen zeigen sich Dora in der Arktis die Auswirkungen der Menschheit auf die Umwelt sehr deutlich.
Gianna Molinari schafft es auf poetische Art das Wirken des Menschen sehr deutlich zu machen. Es geht um Wachstum, Stillstand, Bedeutsamkeit. Ihre Botschaft ist klar. Die Welt ist Müllhalde der Zivilisation und die Zivilisation wird von der Welt ausgelöscht.
Das Dorf, in dem Pina und Lobo leben, wird immer ein Stück mehr ausgelöscht, es löscht sich selber aus. Und jedes noch so große Klammern an Bedeutsamkeit für die Gesellschaft oder die Welt führt zu nichts.
Das Meer dagegen ist endlos weit und der Mensch ihm unterlegen. Dora ist fasziniert davon. Ihre Faszination wird spürbar. Was auch rüber kommt ist Wut und Entsetzen, obwohl die Charaktere dies nicht deutlich ausdrücken. Wut und Entsetzen über das Wirken des Menschen, Scham über dessen dumme Besitzansprüche und das Streben nach Herrschaft.
Die Autorin schafft durch Wiederholungen Aussagen zu verstärken und diese gleichzeitig infrage zu stellen. Das Motiv "euer Wachstum ist unser Wachstum" hat eine große Kraft. Gleichzeitig hat die Autorin eine sehr ruhige und fließende Erzählweise, die gerade durch die leisen Töne sehr eindrücklich wird. Was sie mit den handgezeichneten Bilder sagen wollte, ist mir dagegen nicht klar geworden. Sicher etwas Bedeutsames. Denn in diesem vielschichtigen Buch ist alles von Bedeutung.
Die Botschaft ist hart. Wären die Kapitel nicht so kurz und die Szenen nicht so sehr abwechslungsreich, würde diese Botschaft sicherlich erdrücken. So ließ sich die Geschichte zügig lesen.
Dies ist eine Geschichte, mit einer prägnanten Botschaft und viel Wut, die mit viel Feingefühl erzählt wird.
v_im_wunderland
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Das Cover des Buches ist eher unemotional gestaltet, aber dennoch ansprechend. Die Geschichte ist hingegen extrem interessant und sehr gut recherchiert. Sie wird nicht nur auf einer Ebene gespielt, sondern auf zweien. Da geht es einmal um eine Polarforscherin die das Abschmelzen des Eises untersucht und dann geht es zum anderen um ein Dorf und seine Bewohner und wie dieses Dorf auch immer mehr schwindet, aber eine Hecke in diesem Dorf immer mehr wächst. Eine Dystopie die auf jeden Fall zum Nachdenken anregt und mich in eine Ferne und doch nahe Welt mitgenommen hat. Das Buch ist sehr gut geschrieben und keine Minute langweilig. Die Sprache ist klar und verständlich und man wird auch durch interessante Beispiele mitgenommen. Ich kann es sehr empfehlen und habe es sehr gerne und auch schnell gelesen. Diese Autorin sollte man sich merken.
inya
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
Ich konnte mir nach dem Klappentext und der Leseprobe noch nicht so viel vorstellen und das Cover hat mir auch nicht wirklich etwas über dieses Buch verraten. Doch dass ich so positiv überrascht werde, dass hätte ich auch nicht gedacht. Doch dieses Buch war wirklich toll. Es hat mich mit seinem Text von der ersten Seite an als großes Ganzes mitgenommen und ich bin in zwei verschiedene Welten eingetaucht. Zum einen in die Welt einer Forscherin, die sich zu den Polaren begibt und dort das Schmelzen des Eises erforscht. Und zum anderen ein Dorf. Das klingt erst einmal nicht spannend, aber dieses Dorf beginnt sich abzubauen und die zwei einzigen Kinder des Dorfes wachsen auch nicht mehr. Aber eine riesen große Hecke wächst. Sie wächst immer weiter. Das ist alles sehr skurril aber auch alle Fälle sehr geeignet für eine spannende Unterhaltung.
cosmea
empfiehlt:





Hinter der Hecke die Welt
von Gianna Molinari
In Gianna Molinaris Roman “Hinter der Hecke die Welt“ verbinden sich zwei Themen auf ungewöhnliche Weise. Mutter Dora arbeitet auf einem Forschungsschiff in der Arktis. Sie bohrt auf dem Meeresgrund nach Sedimenten, von denen dann die eine Hälfte untersucht, die andere für später konserviert wird. Ihre Tochter Pina lebt beim Vater Karsten in einem namenlosen Dorf. Hier leben nur noch wenige Menschen und nur zwei Kinder, die seit zwei Jahren nicht mehr wachsen. Dennoch ruht auf ihnen die Hoffnung der Dorfbewohner, die nur noch Leerstände verwalten und hoffen, dass die riesige Hecke, die sie vom Umland trennt, auf Dauer genug Touristen anzieht, damit sich die Dorfkasse nicht völlig leert. Nur die Hecke und das Unkraut wachsen. Alles Übrige unterliegt der totalen Stagnation. Dann wird eines Tages ein Loch in der Hecke sichtbar, es gibt eines nachts einen Brand, und Schädlinge beginnen, die Hecke zu zerstören, die doch die einzige Attraktion des Dorfes ist. Die Zukunftsaussichten sind schlecht. Dem Dorf droht das Verschwinden.
In wechselnden Kapiteln berichtet Molinari aus Doras Sicht über Begebenheiten und Erkenntnisse der kleinen Gruppe in der Arktis und über Geschehnisse im Dorf. Sie beschreibt unbekannte Tierarten und das Schmelzen riesiger Eisberge als Folge des Klimawandels. Der Leser erfährt hier mit Sicherheit vieles, was er bisher nicht wusste. Das ist sowohl interessant als auch besorgniserregend, hat mich aber nicht wirklich begeistert. Die Protagonisten blieben mir fremd, die Ereignisse rund um das Schrumpfen des Dorfes Teil einer nicht als realistisch empfundenen Wirklichkeit. Sprachlich-stilistisch ist das zweifellos gut gemacht, aber ich bin dennoch etwas enttäuscht von dem Roman.
