Empfehlungen von Pauline Paterno
Die Details
von Ia Genberg
Die Erzählerin liegt mit hohem Fieber im Bett und erinnert sich. Sie erinnert Menschen, die ihr einst nahestanden, die ihr Leben in jedem Fall maßgeblich prägten, jede auf ihre Art. Die Beziehungen sind platonisch wie romantisch, nicht immer „gesund“. Ohne in diagnostische Sprache zu verfallen, werden die dunklen und lichten Seiten der handelnden Charaktere beschrieben, liebevoll und aufmerksam beobachtet.
Der Roman gliedert sich in 4 Abschnitte, die sich jeweils auf eine vergangene Beziehung beschäftigen. In einer Kürze von nur 144 Seiten haucht Genberg ihren Figuren beispiellos unangestrengt Leben ein.
Da wäre etwa Johanna, eine stürmische Liebschaft, mit der sie sich Bett und Leben teilt. Im zweiten Kapitel lernen wir Niki kennen. Die beiden jungen Frauen lernen sich an der Universität kennen, es entwickelt sich eine enge, verstrickte Freundschaft, Ablaufdatum der Erzählerin von Anfang an abgeklärt entgegensieht. Die Protagonistin bewegt sich im künstlerischen Milieu Stockholms, wo sie auf einem Jazzkonzert Alessandro auf der Bühne erblickt. Er ist charismatisch und egozentrisch, wünscht sich ein Kind von der Erzählerin, lässt sich aber auf nichts so richtig ein. Zuletzt lernen wir die Mutter der Ich-Erzählerin kennen. Birgitte scheint in ihrer Ängstlichkeit sich und ihre Lieben vor dem Schrecken bewahren zu wollen, den sie im Geheimen in sich trägt. Sie scheint unergründlich, bleibt auch der Protagonistin zeitlebens etwas fremd.
Dieses schmale Büchlein der schwedischen Autorin Ia Genberg beeindruckt nachhaltig – ich möchte fast sagen mehr als so manch 400-Seiten-Schmöker.
