Empfehlungen von Pauline Paterno
Demon Copperhead
von Barbara Kingsolver
Bei Barbara Kingsolvers „Demon Copperhead“ handelt es sich um eine moderne Nacherzählung von Dickens „David Copperfield“, einem klassischen Bildungsroman. Was „Demon Copperhead“ betrifft: Bildungsroman ja, aber klassisch?
Der junge Damon, genannt Demon, kommt im Virginia der 1990er Jahre zur Welt – die Mutter eine drogensüchtige 16-jährige, die eben tut, was sie kann; der Vater ihr Geliebter „Copperhead“, der noch vor Geburt des Kindes an einem Ort namens „Devil’s Bathtub“ ums Leben gekommen ist (Diese Geschichte jagt dem jungen Demon eine Heidenangst ein, er meidet Badewannen tunlichst). Der Name ist auch bei unserem Protagonisten Programm, sein Haar ist feuerrot, sein grünäugiger Blick neugierig und entlarvend. Zwischen Trailerpark und der nahezu ursprünglichen Natur der Appalachen, stolpert Demon durch sein Leben, steigt hoch und fällt noch tiefer. Wir begleiten den kreativen, aufgeweckten Jungen durch seine Kindheit und Jugend, die er erst hauptsächlich im Haus der Großeltern seines besten Freundes Maggot oder spielend im Wald hinter deren Haus verbringt, bevor er schließlich die Abgründe des US-amerikanischen Pflegesystems kennenlernt. Auf der Suche nach einem Ankommen und diesem Verbundensein, von dem immer alle reden, macht sich Demon Seite an Seite mit seinen Freunden und Feinden dieses Leben zu eigen, das von Perspektivlosigkeit, Sucht und Verlust geprägt ist. Gehalten und geliebt von einer Handvoll treuer Seelen, trotzt Demon dieser Dunkelheit mit einer Lebenskraft, die seinesgleichen sucht.
Dieses Buch ist ein wilder Ritt, dessen Umgang mit den schwersten Themen des Lebens erschüttert und gleichzeitig eine Resilienz vorführt, die Mut macht. Wer sich traut in die gut 800 Seiten abzutauchen, wird belohnt.
